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H. Februar 1946

Wir wollen nicht vergessen, daß für den Einkauf der gesamten Lebensmittelkarte eines Monats nicht einmal 8 Mark gebraucht werden; es sei denn, daß man in der Gast­wirtschaft ißt. Nur bei der Vermögens­steuer wird man ganz besonders daran ge­dacht haben, Noten abzuschöpfen. Es darf aber auch kein Zweifel darüber entstehen, daß diese neuen steuerlichen Maßnahmen keineswegs genügen, um den währungspoli­tischen Notwendigkeiten zu genügen. Die neuen Maßnahmen sind vorläufig und in erster Linie finanzpolitisch bedingt Durch sie könnte eine Inflation nicht vermieden werden. Dazu sind die Maßnahmen nicht

scharf genug. Vorläufig sorgt die Preiskon­trolle in einigermaßen ausreichendem Um­fang für Preisstabilität. Soziale Bedenken werden trotzdem bei dieser Steuererhöhung laut werden; denn die Löhne sind zum Teil recht niedrig und der Schwarze Markt noch nicht hinrächend ausgeschaltet. Anderer­seits gibt ^s aber doch 6ehr viele, vor allem Flüchtlinge und Evakuierte, die über keiner­lei Reserven mehr verfügen und auf den täglichen Verdienst angewiesen sind. Auf dem steuerlichen Wege sind diese Unge­rechtigkeiten kaum aus dem Wege zu räu­men. Das ist aber auch nicht der Sinn und Zweck der neuen Steuererhöhung.

Sarawak wird Kronkolonie

Das Ende der Herrschaft des Weißen Rajah

London . Die britische Regierung hat den Vorschlag von Sir Charles Vyner Brocke an­genommen, daß Sarawak , das bisher briti­sches Protektorat in Nordwest-Bomeo war, an die britische Krone abgetreten werden soll.

Der Kolonialminister George Hall, der dieses Abkommen im Unterhaus bekannt- gab, betonte, daß die Abtretung lediglich auf den Vorschlag des Rajah von Sarayak durchgeführt werde.

Die Pläne des einzigen weißen Rajahs der Welt, Sir Charles Vyner Brock, wur­den akut, als Familienstreitigkeiten in sei­nem Hause eintraten. Der 72jährige Rajah hat nur drei Töchter, so daß sein Neffe der Erbe des Landes geworden wäre. Die britische Regierung wird nun an den bishe­rigen Rajah und seine Familie vier Millio­nen Dollars als Abfindung zahlen.

Seit 1888 hat England das Protektorat die­ses Staates, seine diplomatisch^ Vertretung nach außen und seinen militärischen Schutz übernommen. Nun übernimmt das britische Empire auch die innere Verwaltung des Staates. Sarawak ist so groß wie England und Wales und hat etwa eine halbe Mil­lion Einwohner. Es ist der Hauptweltprodu- zent an Sago . Auch Pfeffer, Kokosfett, Kautschuk und Guttapercha werden ausge­führt. Die Erdölförderung erreicht über eine Million Tonnen im Jahr. Kohle wird abge­baut. Gold, Antimon und Quecksilber wer­den gefördert. Die Wälder liefern große Mengen an Harzen und Edelhölzern, das Land erwartet von dem Anschluß an das britische Weltreich neue Entwicklungen sei­ner Wirtschaft.

Zusammenstöße in Indien

Kalkutta. Bei Zusammenstößen zwi­schen der Bevölkerung und der Polizei in Kalkutta am Dienstag und Mittwoch wurden nach nicht amtlichen Angaben 15 Personen geötet und nahezu 200 verletzt. Die Protest­kundgebungen, an welchen vorwiegend Stu­denten beteiligt waren, galten der Verurtei­lung des Hauptmanns Abdul Raschid, eines Mitgliedes der seinerzeit von den Japanern aufgestellten .Indischen Nationalarmee". Das Urteil gegen Raschid lautete auf sieben Jahre Gefängnis.

Die Straßen im Zentrum von Kalkutta wirken wie ausgestorben. Nur wenige Pri­vatfahrzeug» sind zu haben. Dafür fahren bewaffnete Streifen von Militär und Polizei, zum Teil mit Sirenen ausgerüstet, durch die Straßen. Zwei Postämter sind in Flammen aufgegangen. Wenige Stunden vorher wai ein Straßenbahndepot in Brand gesteckt worden. An verschiedenen Stellen der Stadt kam es zu Ausschreitungen gegenüber Europäern. Wiederum mußten Polizei und Trupperf vom der Schußwaffe Gebrauch machen oder zur Zerstreuung von Ansamm­lungen Vorgehen.

Chandra Böses Tod bestätigt

Neu Delhi. Ein Regierungssprecher er­klärte im indischen Parlament, daß aus den Hauptquartieren Mountbattens und Mac Arthurs die Bestätigung vom Tode Subhas Chandra Böses erfolgt sei. Das Flugzeug, in dem Bose sich beifand, zerschellte am 18. August vorigen Jahres bei Taikohu. Diese Verlautbarung tritt den sich in Indien hart­

näckig haltenden Gerüchten entgegen, nach denen Subhas Chandra Bose noch am Leben sein soll.

Ägypten will Unabhängigkeit

Kairo . Aegyptische Studenten haben anläßlich der bevorstehenden Verhandlun­gen über die Revision des englisch -ägypti­schen Vertrags englandfeindliche Kundge­bungen durchgeführt. Die Polizei mußte ein- schreiten, um die Studenten am Vordringen bis zum Stadtzentrum zu verhindern. ^Im Handgemenge wurden ungefährt 170 Perso­nen verletzt

Ickes zurückgetreten

Washington . Präsident Truman hat einer Reutermeldung zufolge ein Rücktritts­gesuch des Innenministers Harold Ickes an­genommen. Ickes war im gegenwärtige«! Kabinett der einzige Minister, der bereits während der gesamten Amtszeit Roosevelts seinen Posten innehatte.

Präsident Truman hat das Gnadengesuch des ehemaligen japanischen Generals Yama- shita abgelehnt. Es ist in Kürze mit der Vollstreckung des Todesurteils zu rechnen.

Frau Roosevelt in Deutschlnad

Frau Roosevelt wird in Begleitung des j Senators Tom Conally mit dem Flugzeuq | zu einet dreitägigen Deutschlandreise ein- | treffen. Frau Roosevelt beabsichtigt, einige ] Lager von Zwangsverschleppten zu besu­chen um mit amerikanischen Soldaten in den Clubs des Roten Kreuzes zu sprechen. Einen Tag will sie in Berlin verbringen und am Samstag nach Paris abreisein.

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Eine Verhaftung in Freiburg

Zu der in Nr. 45 des Südkurier gemelde­ten, am 28. Januar erfolgten Verhaftung des früheren Generalsekretärs der Badischen Landesstelle für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus, Wilhelm Kie­ke r t, wird uns ergänzend berichtet: K..

■ der aus Heiliqenhaus im Rheinland stammt, i6t im Juni ^45 ln Freiburg aufgetaucht und hat 6ich als%Dpfer de« Nationalsozialismus ausgegeben. Wie durch amtliche Erhebungen festigestellt werden konnte, Ist K. zuletzt durch das Urteil eines Berliner Gerichts vom 8. März 1941 wegen Betruqs, Untreue.

| schwerer Urkundenfälschung und Geneh- i migungserschleichung zu fünf Jahren Zucht- j hqjis, 383 000 RM. Geldstrafe und zu fünf ; Jahren Ehrverlust verurteilt worden; außer- I dem wurde in dem gleichen Urteil die Si­cherungsverwahrung gegen ihn angeordnet. Das Bekanntwerden dieser Tatsachen führte zur Verhaftung des Kiekert

Einzelheiten über das schwebende Ermitt- lungsverfalffen können vorerst nicht mitge­teilt werden.

Im Interesse einer sauberen Verwaltung hat sich der Präsident der badischen Lan­desstelle für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus, Oberregierungsrat Dr. Teutsch, schon längere Zeit vor der Verhaf­tung des K. von iihim distanziert und sein Amt zur Verfügung gestellt. Er ist jedoch nach der Verhaftung, des K. einstweilen mit der Weiterfüihrung und Ueberleitung der Geschäfte beauftragt worden.

Die zugelassenen Parteien in Baden

Der wesentliche Inhalt ihrer Programme

Freiburg . Die französische Militär­regierung hat durch ihre Verordnung Nr. 23 vom 13. Dezember 1945 die Bildung politi- I scher Parteien zugelaesen. Die Verordnung I bestimmte im einzelnen, unter welchen Vor­aussetzungen und durch welches Verfahren Parteien genehmigt werden können. Auf ihren Antrag hat jetzt General Schwartz, D£legu£ Superieur pour le Gouvernement Militaire du Pays de Bade, für den fran­zösisch besetzten Teil de« Landes Baden die Badische Christlich-soziale Volkspartei, die Sozialistische Partei und die Kommu­ nistische Partei genehmigt.

Im folgenden legen die drei zugelassenen Parteien selbst in kurzen Grundzügen den wesentlichen Inhalt ihrer Programme dar.

Badische Christi! ch - soziale V olkspartei

Die Badische Christlich-soziale Volkspar­tei will ohne Unterschied des Standes und Bekenntnisses alle Bewohner Badens sam­meln, die sich ihrem vorläufigen Programm für den Wiederaufbau anzuschließen gewillt sind. Die Partei wendet 6dch schärfstens gegen jede Art von Diktatur, insbesondere den Nationalsozialismus, und fordert in Staat und Gesellschaft, in Kultur und Wirt­

verschiedene Aufgabengebiete und sollen daher grundsätzlich getrennt sein. Die Frei­heit religiöser Betätigung ist gesetzlich zu gewährleisen.

Bodenschätze, Energie- und Kraftquellen, Banken und Produktionsstätten, die der kapitalistischen Interessenpolitik dienen, sind in das Eigentum der Allgemeinheit zu überführen. Der Großgrundbesitz ist in rationeller Weise aufzuteilen. Eine groß­zügige landwirtschaftliche Produktionspoli­tik muß die Grundlage unseres Aufbaues im Interesse der Landwirtschaft und Verbrau­cher bilden.

Die Gründer der Partei: Ph., Martzloff, F. Geiler , Dr. F. Leibbrandt, F. Schieler , K. Ruf, E. Schmalz, W. Engler.

Kommunistische Partei

Die französische Besatzungsbehörde der Kommunistischen Partei wieder Legalität gegeben. Dadurch haben wir die Möglichkeit, unserer Bevölkerung die un­mittelbaren Forderungen der Kommunisti­schen Partei klarzulegen.

Radikale Säuberungen in allen öffent­lichen und privaten Stellen von aktiven und getarnten Nazis. Bildung einer Regierung, die aus den antinationalsozialistischen Par-

hat

die

schaft die Verwirklichung der Grundsätze ! te ^ en hervorgehen muß.

des Christentums und einer gesunden De­mokratie. Sie wird das Gesamtwofcl über jede Parteipolitik stellen und die unver­äußerlichen Rechte des Individuums, be­sonders der Eltern, wahren. Die Partei be­ruft sich darauf, daß das badische Volk in seiner Mehrheit christlich fühlt und denkt und den Ungeist des Materialismus i in jeder Form von sich weist. Daraus er­gibt sich die Forderung eines sozialen Staa­tes, der, auf dem genossenschaftlichen Ge­danken aufbauend, keine Vorrechte kennt, sondern jedem das Seine gibt; denn die

Einheitliche Lebensmittelverteilung in unserer Zone und darüber hinaus im gesam­ten deutschen Gebiet. Jedmögliche Unter­stützung der Bauern durch Lieferung von Düngemitteln und anderen Produkten, zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produk­tion. Enteignung des Großgrundbesitzes von über 100 Hektar.

Beschaffung von Wohnraum, um das Wohnungselend zu meistern.

Instandsetzung der Betriebe und Sicher­stellung von Rohstoffen zur Steigerung der Gebrauchsartikelerzeugung. Kontrolle der

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Wirtschaft steht im Dienst des Menschen i Produktion durch die Gewerkschaften.

und seiner höheren Lebensaufgaben. Jeder Uebergriff des Kapitalismus muß deshalb wegen seiner Gefahren auf politischem,

| sozialem und kulturellem Gebiet verhindert werden. Eine auf der Grundlage des pri­vaten Eigentums aufgebaute Wirtschaft soll gewährleistet sein, soweit das Gesamtwohl nicht darunter leidet und die Notzeit Aus­nahmen fordern. Die Partei will einen Auf­bau des Staates von der christlichen Familie aus über die in ihren Grundlagen christliche Schule zu einer nach Rechten und Pflichten selbständigen Gemeinde und über sie zu einem Staat, dessen Regierung von einer MeHrheit einer nach demokrati­schen Grundsätzen zusammengesetzten Volksvertretung bestimmt wird und nach den Beschlüssen des ln dieser Volksver­tretung zusammengefaßten Volkswillens das badische Volk verantwortlich führt.

Die vorläufigen Vorstandsmitglieder: Carl Diez , Radolfzell ; Kreisoberschulrat Dr. Flelg, , Freiburg ; Oberstudiendirektor Dr. Person, Freiburg ; Schlosser Wirth, Freiburg ; Ober­studiendirktor Wohieb, Freiburg .

Sozialistische Partei, Land Baden

Der staatliche, provinzielle und gemeind­liche Aufbau erfolgt nach demokratischen Gesichtspunkten. Alle leitenden Stellen ln der gesamten öffentlichen Verwaltung müs-

Aufbau eines freien, kulturellen Lebens Beschlagnahme deT Vermögen aller großen Naziaktivisten und Kriegsgewinnler. Einfülinmg eines Steuersystems mit pro­gressiver Steigerung.

Austausch der Kriegsgefangenen gegen Naziaktivisten.

Anbahnung eine« freundschaftlichen Ver­hältnisse« mit den Völkern deT freien Nationen.

Alfred Müller , Jakob Treffeisen, Urban, Keller, Erich Hoske, Hans Judas, Walter Krebs.

Länderratstagung in Stuttgart Stuttgart

. Auf der fünften Länderrats­tagung gab Ministerpräsident Dr. Maier einen Ueberblick über die weitgreifenden Fortschritte auf dem Gebiet der Verwal­tung, des Handels und des Verkehrs 6eit der letzten Tagung. Generalsekretär Roß­ mann berichtete über die Stellungnahme der Militärregierung zu den Beschlüssen de6 Länderrats und kündigte neue Richtlinien für den Wiederaufbau der Konsumvereine in der amerikanischen Zone an. Dr. Bessel- mann sprach über die Getreideversorgung In Groß-Hessen wäre es, seinem Bericht zu­folge, ohne Hilfe der Militärregierung nicht möglich gewesen, die Rationen aufrecht zu erhalten. Dasselbe gilt für Württemberg- Baden , während in Bayern die Brotgetreide läge zufriedenstellend ist

Es folgte eine Diskussion über die Ueber- nahme der Eisenbahnen durch die Länder. Die drei Regierungen sprachen sich für einen gemeinsamen Betrieb, gemeinsame Finanzierung und Verwaltung der Eisenbah­nen der amerikanischen Zone aus.

„Bereits im Frühjahr werden die Land­kreiswahlen und im Sommer die Stadtkreis- und die Wahlen für die Verfassungsaus­schüsse stattfinden. Im Herbst wird eine Volkabstimmung über die Verfassung der Länder durchgeführt", erklärte General Clay den Vertretern der Presse bei der Länderratssitzung.

Der General gab weiter bekannt, daß die Spinnereien in der amerikanischen Besat­zungszone Baumwolle aus Amerika erhal­ten werden, die mit einem Teil der von ihnen hergestellten Fabrikate bezahlt wer­den soll.

Neuer Arbeitsminister

Stuttgart . Arbeitsminister Max Bock ist schwer erkrankt. Da er seine Amtsge­schäfte auf absehbare Zeit nicht wahrneh­men kann, wird zu seinem Nachfolger der bisherige Direktor des Mannheimer Woh­nungsamtes, Rudolf Kohl , ernannt wer­den. ^

Die Einheit der deutschen Nation

Vler-Parteien-Entschließung in Berlin Berlin

. Die vier demokratischen Par­teien veranstalteten in Berlin eine Kund­gebung „Um die Einheit der Nation". Es sprachen Otto Grotewohl (SPD ), Wilhelm Pieck (KPD ), Dr. Külz (LDP) und Jak. Kai­ser (CDU ).

Die Versammlung nahm durch Erheben von den Plätzen folgende von Dr. Külz ver­lesene Entschließung für die Einheit der Nation an:

„Die Einheit der deutschen Nation, be­gründet auf ihrer Sprache, ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihrer zusammenhängenden Volkswirtschaft ist für das deutsche Volk eine Lebensfrage. In dem entschlossenen Willen, die neue deutsche Republik im Gei­ste einer wirklichen, dem Frieden dienen­den/Demokratie zu entwickeln, verteidigen die vier Parteien der antifaschistisch-demo­kratischen Einheitsfront wieder die wirt-

sen mit Personen besetzt sein, die den nazi- | schaftl. und politische Einheit Deutschlands

— , . mit aller Kraft gegen alle separatistischen

Tendenzen, die sich teilweise auch unter dem Mantel des Föderalismus geltend machen. Sie erstreben die baldige Wiederherstel­lung der äußeren Freiheit und Unabhängig­keit der Nation und die Rückführung des deutschen Volkes in die Gemeinschaft der friedliebenden Völker. Die restlose Ueber- windung aller nazistischen, militaristischen

stischen und militaristischen Geist stets grundsätzlich ablehnten.

Zum Schutze der Arbeitskraft muß ein einheitliches Arbeitsrecht und ein großzügi­ges, die sozialen Versicherungsgesetze zu­sammenfassendes Versicherungswerk ge­schaffen werden. Die Gewerkschaften sind Träger des Arbeitsvertrages.

Es darf kein Bildungsprivileg der Besitzen­den mehr geben. Alle Erziehungs- und Bil­dungseinrichtungen müssen der Jugend und den Erwachsenen nach Bedürfnis und Fähig­keit zugänglich sein. Das Schul- und Bil­dungswesen ist nach einheitlichen -Grund­sätzen zu gestalten. Kirche und Staat haben

und imperialistischen Kräfte ist dazu Vor­aussetzung.

Der Hitler -Krieg hat Deutschlands Wohl­stand zerstört. Der Neuaufbau verpflichtet alle Deutschen in allen Teilen des Reiches in gleichem Maße zur Werktätigkeit Wie

für diesen Aufbau die wirtschaftliche Ein­heit Deutschlands notwendig l~t, so ist für die demokratische Entwicklung die staatli­che Einheit Deutschlands erforderlich. Die Zerreißung oder Schwächung der Staatsein- heit würde die demokratische Erneuerung Deutschlands gefährden und den reaktio­nären Kräften neuen Spielraum geben.

Die vier antifaschistisch-demokratischen Parteien begrüßen jeden Schritt zur Bil­dung einer gesamtdeutschen Regierung. Die Einheit Deutschlands muß auf einer Neu­gliederung des Reiches beruhen. Seine Glie­der werden nach den Grundgedanken des Freiherm vom Stein im Rahmen der einen unteilbaren deutschen Republik voll« Selbstverwaltung erhalten. Nur so ist den nationalen, politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten gedient und nur so kann sich das kulturelle Leben ln allen Teilen Deutschlands voll entfalten. Diese Einheit ist nach dem Zusammenbruch um so eher möglich, als die Verwaltungseinheit Preu­ ßens nicht mehr besteht und so die Vorbe­dingungen entfallen sind, daß reaktionäre Preußentum sich je wieder erheben kann.

Die vier antifaschistisch-demokratischen ■ Parteien erneuern ihren Willen zu engster Zusammenarbeit, weil ihre gemeinsame Ar­beit die Voraussetzung zur Erhaltung der Einheit Deutschlands ist. Sie rufen das deut­sche Volk auf zur Abwehr von allen sepa­ratistischen Bestiebungen und zur Wah­rung seiner nationalen Einheit. Für alle Deutschen ist Deutschland das gemeinsame Vaterland."

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Der schönste Fis

j Ein richtiger Angler gibt zwanzig Forel­len für eine Aesche, weil der schönste Fisch unserer Bäche und kleinen Flüsse weit vorsichtiger und temperamentvoller ist. Wenn die Aesche angebissen hat, ist es noch eine Kunst für sich, sie an Land zu bekommen. E« gibt nur einen Fisch unserer Gewässer, der ebenso schwer mit der Angel zu überlisten ist, das ist der Karpfen. Aber dieser ist zum Teichfisch geworden und in Wildwässem nur selten anzutreffen.

Die Aesche liebt wie die Forelle das kühle' Wasser der Bäche, nur muß das Ge­fälle nicht mehr so stark sein. Wo der Bach zum Flüßchen wird, wo er sich noch -rindet und über Kaskaden springt und in den Buchten die Wasserpflanzen wuchern, da hat die Aesche ihren Standort

Die Aesche, auch der Asch genannt heißt so wegen ihrer aschgrauen Grund­farbe. Ueber ihrem Rücken steht wie eine Fahne die Rückenflosse, die besonders in der Laichzeit mit violetten und gelbgrünen Bändern geziert ist. Die Schwanzflosse und die Afterflosse sind wie in Purpur getaucht Im Licht aber blitzt an den Flanken ein flirrender Glanz auf, und unter der Rücken­flosse leuchten goldene Schuppen.

Die Kenner haben die Aesche immer ge­lobt so schon der heilige Ambrosius, der in Trier geboren war, später Bischof von Mailand wurde, und dessen Hymnus „Te Deum laudamus" heute wie im Jahre 340 nach Christi Geburt in den Kirchen er­klingt Im Französischen heißt die Aesche Ombre, Schatten. Der Name paßt genau, denn die aufgestörte Aesche huscht im Wasser so schnell hin, daß man sie wie einen Schatten kaum wahmimmt.

Gewöhnlich leben die välteren Aeschen ungesellig und allein, nur die Jungen bis Kum Anfang des zweiten Jahres halten sich in kleinen Schwärmen. Die Aeschen nähren sich von dem Kleingetier des

h. unserer Bäche

Wassers, springen auch gern nach vor- überspoirrenden Mücken und Fliegen und schnappen hie und da ein kleines Ftsch- chen, das ihnen zu nahe kommt. Eigent­liche Raubfische sind sie nicht, ihr kleiner kegelförmiger Kopf hat nur eine enge Mundspalte. Die großen Räuber wie die Hechte können ihr Maul alle gewaltig weit aufreißen.

Das Wasser, in welchem die Aesche leben still, muß rein sein; gegen Abwässer und chemische Verunreinigungen ist sie sehr empfindlich, darum ist sie in vielen Flüssen heute zurückgedrängt oder verschwunden. Am häufigsten ist sie noch im Alpengebiet und in den Mittelgebirgen, doch fehlt sie auch dem Tiefland keineswegs. In der Lüne­ burger Heide bewohnt die Aesche die Teile der Flüsse Ilmenau , Oertze und Böhme, die sich an die Forelleuregion anschließen. Die von den Aeschen bewohnte Strecke unserer Flösse wird geradezu als Aeschenregion be­zeichnet. An anderen Fischen findet man ln dieser Region den Döbel, die Hasel, den Ukelei, den Gründling und Im Donaugebie den größten Standfisch unter den lachsarti­gen Rschen, den Huchen. An die Aeschen- region schließt sich in den Flüssen die Bar­benregion an: wo die Barbe vorkommt, füh­ren die Flüsse schon größere Wassermengen mit sich, und Ufer und Flußbett werden gleichförmiger. Aeschen findet man hier nicht mehr. Auch die obere Grenze der Aeschenregion läßt 6ich in vielen Wasser- läufen fast auf den Meter genau bestimmen, denn die Aesche meidet die brausenden Hochgebdrgsbäche, in welche die Forell« noch hinaufsteigt.

Die Laichzeit der Aeschen beginnt im Februar. Dann suchen sie die Stellen ln den Bächen auf, wo der Kies vom seichten Wasser überrieselt wtid. Ihr Hochzeitskleid hat feinen blauschwarzen und goldgrünen Glanz. Die Paare sammeln sich zu wilden Liebesspielen. Bs können fünfhundert oder

bei großen Aeschen at^ch sechstausend bern­steinfarbene Eier sein, die in einer aus­gewühlten Laichgrube haften, bis nach eini­gen Wochen die Jungen ausschlüpfen. Sie haben schon gleich einen spürbaren Art­geruch, sie duften wie Thymian, und dieser Duft hält die Schwärme zusammen. Ein Fisch der etwas vom Schmelz de; Schmetterlings- flügel und vom Duft einer Blum« hat das ist die Aesche. Richard Gerlach .

Kulturnachrichten

Internationaler Penclub. Die für den Spätsommer 1939 geplant gewesene Tagung des Internationalen Penclub«, die damals wegen des Krieges aufgeschoben werden mußte, soll in der ersten Juniwoche 1946 nachgeholt werden. Mehr als 40 ange­schlossene nationale Schriftsteller Organi­sationen sind dazu eingeladen und haben sich durchweg grundsätzlich zur Teilnahme bereit erklärt. Vorsitzender des schwedi­schen Penclub«, der als Gastgeber auftritt, ist gegenwärtig Prinz Wilhelm von Schwe­ den , als Lyriker und Redseschriftsteller be­kannt. Von einzelnen Dichtem, die beson­dere Einladungen erhalten haben, wird als deutschsprachiger Thomas Mann genannt.

Gedenken an Verlaine . Der Ver­treter der Leitung des öffentlichen Erzde- hungswesens in Baden-Baden ' i der Frei- b u i g e i Universität, L a c a n t, hat dort anläßlich der 50. Wiederkehr des Todesta­ges von Paul Verlaine eine Ansprache in französischer Sprache gehalten, die von dem Vortrag verschiedener Dichtungen gefolgt war. Die zahlreich erschienenen Zuhörer aus Studenten-, Lehrer- und Akademiker­kreisen dankten dem Vortragenden äußerst herzlich.

Eine Theaterausstellung in Paris wird im Mai dieses Jahres, ver­bunden mit einem internationalen Theater­kongreß, eröffnet werden.

„Die Litfaß-S&ule", ein Dokumen- tar-Film aus der Geschichte der Stadt Ber­ lin , wird vorbereitet. In ihm werden auch

Originalaufnahmen von den Luftangriffen auf Berlin und dem Endkämpfen um die Stadt gezeigt.

Die Berliner Universität, die bisher den Namen „Friediich-Wilhelm-Uni- vepität“ trug, soll vorläufig die Bezeich­nung „Universität Berlin " führen, späterhin soll sie den Namen ihres geistigen Begrün­ders, Wilhelm von Humboldt , erhalten.

Professor Dr. Josef Nadler von der Wiener Universität wurde im Zuge der Säuberungsaktion seiner Professur verlustig erklärt

Die Forst-Ingenieurs ch ule in Rosenheim hat ihre Vorlesungen wieder aufgenommen. Sie ist die einzige Hoch­schule dieser Art in Europa ,

Hayfln - Beethoven - Smetana

Konstanzen Streichquartett spielte

Im renovierten Bürgersaal — die ge­schmackvolle Erneuerungsarbeit stammt unseres Wissens von Baurat Schwan und zeigt zwei größere allegorische Gemälde von Sepp Biehler — konzertierte da« Konstanzer Streichquartett mit Werken von Haydn , Beethoven und Smetana . Diese einheimische Vereinigung, der von gewissen Kreisen gerne etwas das Odium vom Propheten, der im Heimatland nicht allzu viel gilt, zu­gesprochen wird, vermochte in ihrer jetzi­gen Besetzung (Keiler, Marika Schmid, Schmid, Pareck) diesmal bei Beethoven und Smetana stärkste Eindrücke zu vermitteln. Das faustisch „heiße Bemühen", mit dem bä Beethovens op. 95 (f-moll) um die Er­kenntnis der letzten Dinge gerungen wurde, das herzhaft-musikantische Zupacken, mit dem die Keller-Leute Smetana interpretier­ten, diese Musik, die ihre strahlende Sonnig­keit, ihr erdhaft schmerzliches Aufzucken und die rhythmische Kraft ihrer Scherzi aus der Landschaft Böhmens und den Tän­zen ihrer Bewohner genau so stark wie aus dem Herzblut ihres Autors empfängt

und dabei doch än mit Mästerechaft ge- handhabtes eminentes satztechnisches Rüst­zeug verrät — die Beachtung dieser Dinge bei der Interpretation ließen nicht nur auf­horchen, sondern stellen auch das Keller- Quartett in die Reihe ernsthaft zu bewer­tender Kammermusikvereinigungen.

Mochte bei der glasklaren Durchsichtig­keit Haydnscher Quartett-Technik auch vielleicht manchmal der Wunsch nach jener Vollendung im Technischen wach werden, die selbstverständliche Beherrschung des Virtuosen zur Dienerin geistigen Ausdrucks macht, ohne in den stets erkältenden Feh­ler des Selbstzwecks zu verfallen, so konnte bä Beethoven und Smetana auch die technische Ausführung überzeugen. Die solistischen Bratschen-Stellen im Smetana zeigten, daß in der fast lokalen Begrenzung dieser Vereinigung ein Bratscher von großem Format heranwäehst, än technisch und musikalisch prädestinierter Kammer- musikspieler; auch Führungen in der II. Geige ließen in ihrer geistigen Haltung und deren technischer Bewältigung aulhorchen. Des Cellisten Paneck größte Stärke bleibt sein Gefühl für rhythmische Prägnanz, das dem Keller-Quartett festen Halt gibt und zu den temperamentvollen Ausbrüchen seines Primarius, der diesmal sein Tempera­ment stark unter die Bändigung des Wil­lens stellte und damit auch technisch viel gewann, einen wohltuenden Ausgleich dar- stellt. Das Zusammenspiel hat den fast immer etwas improvisatorisch wirkenden sommerlichen Serenaden gegenüber jenen Emst des.. Verantwortlichen erreicht, der rhythmisch-agogische Ausarbätung und klangliche Schattierung (ohne Uebertreibun- gen im Gefühlsmäßigen und Mängel im Technischen) als säbstverständlichen Täl geistiger Werk-Gestaltung betrachtet! — Starker anhaltender Beifall der zahlenmäßig läder gering erschienenen, aber offensicht­lich stark beeindruckten Hörerschaft bewies demonstrativ lokale Verbundenheit und echte Begeisterung. K. <1 Buzengeiges.