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2. JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE • SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 57

Erscheint vorerst Dienstag und Freitag Adresse: Konstanz , Rosgartenstr. 13 KONSTAN7 D I F N S T A P 10 M J R 7 1 g i r Binzelprels 20 Pfg Bezug durch die Post 1.74 M., durch Trigei 1.60 M.

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Stalin wiedergewählt

lesdritMe ani der Tagung des Obersten Sowjets

Moskau . Generalissimus Stalin wurde auf der Tagung des Obersten Sowjets ein­stimmig zum Chef des Ministerrats gewählt und mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Dieser einstimmigen Wiederwahl de* Generalissimus im Obersten Sowjet (der sich aus dem Union Sowjet und dem Na­tionalitätensowjet zusammensetzt) war ein formelles Rüdetrittsgesuch Stalins vorausge­gangen. Ein weiterer Beschluß des Obersten Sowjets sieht die Umbenennunng der Volks­kommissare ln „Minister " und des Rates der Volkskommissare in „Ministerrat der So­wjetunion" vor.

Der stellvertretende Vorsitzende des Ober­sten Sowjets, Schvernik, erklärte zu diesen von Ihm vorgeschlagenen Umbenennungen, daß die alten Bezeichnungen für „das Aus­maß der Arbeit und der Verantwortlichkeit der Zentralen Staatsämter nicht mehr aus­reichend und exakt genug seien."

Im weiteren Verlauf der Sitzung erläuterte der Chef des Planungsamtes, Voznesensky, die Ziele des neuen Fünfjahresplanes, der eine Erhöhung der Produktion auf das an­derthalbfache des Vorkriegsstandes vorsähe. Die Ueberlegenheit des sowjetischen Sy­stems würde es möglich machen, so führte der Redner weiter aus, die Fortschritte der kapitalistischen Staaten auf allen Gebieten, einschließlich der Technik, zu übertreffen. Voznesensky forderte in diesem Zusammen­hang eine weitere Stärkung der sowjeti­schen Streitkräfte, um der Gefahr neuer An­griffe auf die Sowjetunion zu begegnen. Die Sowjetunion habe im Gegensatz zu den ka­ pitalistischen Ländern keine Wirtschaftskri­sen zu befürchten, fuhr Voznesensky fort. Als weitere Ziele nannte er die Beseitigung de« Rationierungssystems in einer möglichst kurzen Zeitspanne, den Wiederaufbau der vom Kriege zerstörten Gebiete, die Vergrös- serung der Industrieproduktion einschließ­lich der Herstellung von Konsumgütem und eine weitere Entwicklung der Schwerindu­strie.

Sicherheitsrat mit Sowjetunion

New York . „Die New York Herald Tribüne" meldet: Nach Mitteilungen der Sowjetbotschaft ln Washington wird die sowjetische Regierung auf der am 25. März ln New York beginnenden Tagung des Si­cherheitsrates vertreten ««in. Wie der so­wjetische Botschaftersekretär Moliakow er­klärte, wird die Delegation unter Leitung des Sowjetbotschafters in Washington , Gromyko , stehen, der im Flugzeug von Mos­ kau abgereist ist, um sich über London nach den Vereinigten Staaten zu begeben.

Weitere Schritte gegen Franco

Washington. Der Vollzugsausschuß der CIO, der viele der größten amerikani­ schen Gewerkschaften angehören, wandte sich in einer Entschließung, ln welcher der sofortige Abbruch der Beziehungen zu Franco-Spanäen gefordert wird, an das ame­ rikanische Außenministerium. Die Ent­schließung fordert außerdem, die Spa­nienfrage in den Tagesplan der kommen­den Sitzung des Sicherheitsrates der Ver­einten Nationen aufzunehmen.

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Die französische Regierung hat den Ver­ einigten Staaten und Großbritannien vor­geschlagen. die anderen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zum Abbruch ihrer wirtschaftlichen Beziehungen zu Spanien aufzufordern. — Falls jedoch die USA und Großbritannien eine weitere Prüfung des spanischen* Problems für notwendig erach­ten, schlage Frankreich vor, die Angelegen­heit vor eine künftige Konferenz der Aus- senminister oder anderer hoher Regierungs­beamter zu bringen.

Pietro Neoni, der stell vertretende italie­ nische Ministerpräsident und Vorsitzende der sozialistischen Partei, forderte am Frei­tag auf einer Ministerratesdtzung die Abbe­rufung des italienischen Botschafters in Madrid als Protest gegen das Franco-Regime .

Baden zählt 1 173 164 Einwohner

Bei der Volkszählung, die am 26. Januar 1946 in Baden (französische Zone) stattfand, wurden 1 173 164 Einwohner ge­zählt, Davon waren Männer 491 421 und Frauen 681 743.

Explosion in Berlin

Bz der Alexanderkaseme in Bertin ereig­nete sich am Samstagmorgen um 8 Uhr eine heftig« Explosion. Etwa 150 Personen sind getötet oder verletzt worden. Es wird ange­nommen, daß in der von den russischen Be­satzungstruppen besetzten Kaserne dort la­gernde russische Munition aus noch nicht ge­klärten Gründen zur Explosion kam.

Di« von einem Militärgericht wegen Er­mordung von mehr als 400 russischen und polnischen Staatsangehörigen gegen die lei­tenden Angestellten des Sanatoriums Hada­ mar , Alfons Klein , Heinrich Ruoff und Karl Willig ausgesprochenen Todesurteile wur­den im Gefängnis Bruchsal durch Erhängen

Missverständnisse werden verschwinden

Bevin: Britische Politik ohne Aggression — Byrnes: Vertrauen, die Welt-Schwierigkeiten zu losen

London . In einer Rede in Port Talbot erklärte der britische Außenminister Bevin , daß die Weltanschauungen Englands , der Vereinigten Staaten und Sowjetrußlands sich mit der Zeit gegenseitig anpassen würden, vorausgesetzt, daß' die Nationen geduldig »eien und kein Dogma daraus machten.

Bevin wies dann ferner darauf hin, daß Churchill seine Rede in USA als Privatmann gehalten habe. „Die Politik, für welche die britische Regierung verantwortlich ist. wurde in meiner Rede vor dem Parlament Umris­sen, in der Ich sagte, ich sei bereit, einen 50jährigen Freundschaftsvertrag mit Rußland zu befürworten. Es war ein ernstgemeinter Vorschlag und ich halte heute noch daran fest. Ich werde nichts tun, um eine Gruppe von Völkern in Gegensatz zu einer anderen Gruppe zu stellen. Ich werde nichts tun, was auch nur den Anschein einer Aggression hat. Und ich richte einen Apell an die anderen Länder, eine Aggression, sei es durch Propa­ganda, durch einen Nervenkrieg oder durch eine Aktion, zu unterlassen."

Versöhnlichere Rede Churchills

New York . Churchill hat am vergan­genen Freitag noch einmal eine Rede in den Vereinigten Staaten gehalten, und zwar auf dem ihm zu Ehren gehaltenen Bankett hn Waldorf Astoria Hotel in New York . Er begann sehr versöhnlich und gab der oben von uns abgedruckten Erklärung Be- vins recht, als er sagte: „Ich ergriff in Ful- ton das Wort, weil ich es für notwendig hielt, daß eine inoffizielle Persönlichkeit in gemäßigten Formen über die Weltlage spre­che. Die gesamte englisch sprechende Welt fühlte eine tiefe und weitgehende Sympa­thie für das russische Volk und ist unbe­dingt bereit, mit ihm auf der Grundlage der faimeß und Gleichberechtigung bei der Hei­lung der Schäden des Krieges in jedem Land zusammen zu arbeiten.

Ueber die Iranische Frage sagte Churchill : „Die britische Regierung, deren Leiter ich war, Unterzeichnete einen Vertrag mit Sowjetrußland und Persien , in dem die In­tegrität und Souveränität Irans und die Räu­mung des Landes zu bestimmten Terminen feierlich zugesichert wurden. Dieser Ver­

trag wurde in dem Dreimächteabkommen in Teheran , das die Unterschriften des Chefs der Sowjetregierung, des verstorbenen Prä­sidenten Roosevelt und meine Unterschrift trägt, nochmals bekräftigt. In Erfüllung des Vertrages haben die Vereinigten Staaten und Großbritannien das Land bereits ge­räumt und nun wurde uns berichtet, daß die Sowjetregierung statt das Land ebenfalls zu verlassen, gegenwärtig noch mehr Truppen hineinschickt"

Churchill betonte: „Dies ist einer der Fälle, für die der Sicherheitsrat der Verein­ ten Nationen geschaffen wurde. Ich bin glücklich, in den Zeitungen zu lesen, daß der Vertreter der Sowjetunion der Sitzung des Sicherheitsrates beiwohnen werde."

Der ehemalige britische Ministerpräsident betonte ferner, daß Sowjetrußland keinen Grund habe, mit den Entschädigungen für seine Kriegsanstrengungen unzufrieden zu seih. Die beiden furchtbarsten Widersacher der Sowjetunion lägen im Boden. Einer die­ser beiden, nämlich Japan , wäre fast aus­schließlich durch die amerikanischen Waf­fen besiegt worden. Dennoch habe Rußland alle Gebiete, die es vor 40 Jahren an Japan verlor, zurückerhalten.

Churchill kam dann auf die Dardanellen - Frage zu sprechen und erklärte: „Ith habe unserem sowjetischen Verbündeten immer gesagt, daß Großbritannien eine Revision de6 Abkommens von Montreux unterstüt­zen werde." Der ehemalige britische Mini­sterpräsident fügte hinzu, daß in Potsdam sowohl von amerikanischer als von briti­scher Seite der Sowjetunion eine gemein­same Garantie für die freie Durchfahrt durch die Dardanellen angeboten wurde und daß die Türkei einem derartigen Abkommen freudig zustimmen werde. Die Forderung dagegen, Sowjetrußland ein« Festung in­nerhalb der Dardanellen einzuräumen, wi­derspräche dem Grundsatz der Freiheit d*r großen Wasserwege Europas . Auch in die­sem Fall trat Churchill für eine Behandlung der Frage durch den Weltsicherheitsrat ein.

Der frühere britische Ministerpräsident drückte ferner seine Befriedigung über die „brüderliche Zusammenarbeit" zwischen den

Göring zwischen Geständnis und Entschuldigung

Kettel nur Befehlsüber mittler für Hitler

Nürnberg. In demselben Tonfall, mit denselben Warten wie auf Hunderten na­tionalsozialistischen Versammlungen sprach Göring am vergangenen Donnerstag sechs Stunden lang als Entlastungszeuge für sich selbst im Nürnberger Prozeß. Manchmal scheint er im Elfer seiner Rede zu verges­sen, daß er Mer nicht vor einer Schar treuer „Gefolgsmänner" steht, sondern vor den Richtern aus vier Nationen. — Wenn er sich zum Beispiel rühmt, er habe dem Ausland schon vor der „Machtergreifung immer ge­sagt, die Nazis würden sich nicht an die vom der Republik geschlossenen Verträge halten, eine Feststellung, die ihm vor eini­gem Jahren noch „nicht endenwallende Heilruf«" seiner Zuhörer eingetragen hätte, so bestätigt er damit nur den Vorwurf, der von der Anklage gegen die Nazis erhoben wurde, nämlich dem, die Verschwörung zum Bruch internationaler Vertrag«.

„Ich trage die volle Verantwortung für den „Anschluß " Oesterreichs , mehr noch als der Führer, über dessen Bedenken ich mich Mnwegsetzte", rief Göring aus und bekennt sich damit zum Bruch des Vertrages von Saint-Germain. Ebenso offen bekannte Gö­ ring den Aufbau der Luftwaffe für An­griffszwecke: „Ich habe seit 1933 alles ge­tan für die Aufrüstung einer starken Luft­waffe. Ich hätte gerne auch viermotorige Bomber gebaut, wenn ich das Aluminium dazu gehabt hätte und es hätte mich nicht im geringsten gestört, wenn man 6ie in der Welt als Angriffswaffe angesehen hätte. Ich habe mir sogar sehnlich einen Bomber ge­wünscht, mit dem ich hätte Amerika an­greifen können. Aber die industriellen Vor­aussetzungen dafür waren nicht da."

Wenn «ich Göring mit brutaler Offenheit zu einem Teil »einer Verbrechen bekennt, so versucht er doch in anderem Zusammen­hang wieder, di« Verantwortung von sich abzuwälzen und die Schuld zahlreicher Na­ziverbrechen Männern in die Schuhe au schieben, die heute tot sind und sich gegen seine Beschuldigungen nicht wehren kön­nen — So behauptete Göring , an der Ju­denfrage nicht beteiligt gewesen zu sein Erstens „hätten die Juden die Nationalso­zialisten angegriffen" und zweitens «ei Goebbel« derjenige gewesen, der die gan­zen Judenpogrome auegeiöst hab«. Er (Göring ) habe den Juden überhaupt nur deshalb die Reichsbuße von einer Milliarde Mark auferlegt, damit Goebbels , der sich auch dafür interessierte, da« Geld nicht be­kommen sollte. Ebenso behauptete Göring , an der Kirchenverfolgung unschuldig gewe­sen zu sein. Auch Hitler sei durchaus kein gewesen. Elnrifl Huan^as

und Boimann hätten sich „aus verworrenen mystischen Gründen" gegen die Kirchen ge­wandt.

Göring ist in seinem Element. Es ist nun der dritte Tag, an dem der immer noch mas­sige Mann den Zeugenstand einnimmt. Noch einmal zieht er alle Register seiner Schau­spielerei. — Er hat «ich gut vorbereitet. Vorwürfe der Anklage gesteht ar offen ein, so, als er von der Beschlagnahme der Kunstschätze spricht. Er sei leidenschaftli­cher Sammler, sagte Göring , und die Sam­melleidenschaft habe ihn auch veranlaßt, die Kunstschätze zu erwerben.

„Ich trage die Verantwortung für die Bombenangriffe auf Warschau , Rotterdam und Coventry . Ich war der Mann, der be­fahl. Ich habe «udi die unterirdischen Fabri­ken bauen lassen, ln denen die KZ-Häft­linge gearbeitet haben. Warum sollten die KZ-Häftlinge auch nicht arbeiten?" und zy­nisch setzte er hinzu, nachdem, wa« er hier über die KZ't gehört habe, hätten doch die Häftlinge froh sein müssen, ln einer Fabrik arbeiten zu dürfen. Göring versäumte keine Gelegenheit, «ein« hohe Stellung im „Drit­ ten Reich " hervorzuheben, obwohl es gar- nicht zum Thema gehört, liest er eine lange Rede vor, die er an 1000 jung« Flieger ge­halten hat.

In der Samstag-Sitzung begann Dr. Nelte, der Verteidiger Keitels mit dem Verhör Görings . Keitel habe eine äußerst undank­bare Aufgabe gehabt, erklärte Göring , wenn es Schwierigkeiten zwischen ihm und Hitler gegeben habe, «o »ei Keitel „zwischen die Mühlsteine stärkerer Persönlichkeiten ge­raten", und die Spannungen hätten sich meist „auf seinem Rücken entladen. Keitel habe ihn, Göring auch einmal dringlich ge­beten, ihm ein Frontkommando zu verschaf­fen, und wenn es auch nur eins Division sei, daß sr in seiner Stellung im OKW „mehr Steine als Brot äßaV

Göring sagte weiter, Keitel habe ledig­lich die „Arbeitsapparatur des Führers" ge­leitet und die Befehle Hitlers weitergege­ben. Keitel sei nicht befugt gewesen, direkte Befehle an die Wehrmachtsbefehlshaber zu geben. Er (Göring ) habe ihm auch oft un­mißverständlich erklärt, daß er irgendwelche Befehle von Keitel in den Papierkorb werfen werde. Heitel habe niemals als Berater Hit­ lers gedient, denn eine so „dynamische Per­sönlichkeit" wie Hitler zu beraten, sei äus- serst schwer gewesen. „Man mußte schon einen so großen Einfluß — wie ich ihn viele Jahre lang hatte — auf den Führer haben, um ihm ungefragt Ratschläge erteilen zu

Vereinigten Staaten und Großbritannien aus und fügte hinzu, daß er keine englisch­amerikanische Militärallianz oder einen Vertrag gefordert hätte. Churchill unter­strich, daß von der englisch -amerikanischen Zusammenarbeit „Leben und Freiheit" der Welt abhinge.

Churchill setzte sich sodann mit Stalins Erklärungen daß ln Großbritannien nur eine Partei regiere, auseinander und be­tonte, daß die Regierungen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten auf Grund freier Wahlen gewählt würden. „Diece Mißverständnisse werden verschwinden", so sagte Churchill , wenn wir durch die gegen­wärtige schwierige Periode hindurchge­steuert sind, und die Völker Großbritan­ niens , Amerikas und Rußlands die Möglich­keit haben, miteinander in Fühlung zu tre­ten und sich besser kennen zu lernen.

Keine Alliancen!

N e w Y o r k. Der amerikanische Staatssekre­tär Byrnes erklärte iu einer Rede: Sollte es notwendig werden, so werden die Vereinigten Staaten ihre Kräfte für die Unterstützung der Ziele und Grundsätze der Vereinten Natio­ nen und ihrer Charta ln die Waagschale wer­fen. Wir haben nicht die Absicht, unsere Si­cherheit in einer Allianz mit der Sowjet­ union gegen Großbritannien oder in edner Allianz mit Großbritannien gegen die Sowjet­ union suchen.

Byrnes betonte, er hege die Zuversicht daß sich die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Welt lösen ließen. Byrnes erklärte wer­ter, daß Amerika den Frieden über alle« liebe. Das Problem aber sei, wie die Tradi­tion einer bürgerlichen Zdvilregierung, mit den Notwendigkeiten der Erhaltung einer militärischen Macht zu vereinen «ei, die stark genug «ein müsse, um die Verantwortlichkei­ten der USA erfüllen zu können. Wenn an­dere Nationen jedoch gerüstet blieben, so könne Amerika allein im Interesse des Welt­friedens nicht abrüsten. Die Vereinigten Staaten hätten im Jahre 1918 abgerüstet: aber das Beispiel der amerikanischen Schwäche habe weder Deutschland , Italien , nach Japan zur Nachahmung veranlaßt.

Bevin -Erklärung über Persien

London . Außenminister Emest Bevin gab vor dem englischen Unterhaus eine Er­klärung über die Lage in Persien ab. Br sagte, England habe auf eine Anfrage im November vergangenen Jahres von Gene­ralissimus Stalin und der Sowjetregierung die bindende Zusicherung erhalten, daß die Souveränität Persiens respektiert werde und keinerlei agressive Absichten gegen Persien bestünden. Auch Außenkommissar Molotow habe Bevin gegenüber erklärt, die Sowjet­ union werde ihren Verpflichtungen voll nachkommen. — Bevin erklärte, es sei schwierig für die britische Regierung, die ge­genwärtige Politik der Sowjetunion in Per­ sien zu verstehen. Noch schwieriger sei es jedoch zu glauben, daß die Sowjets nicht die Absicht hätten, all Ihre Versprechungen zu erfüllen.

Truman nicht beunruhigt

Washington . Präsident Truman er­klärt« auf einer Pressekonferenz, er sei ■durch die internationale Lage nicht beun­ruhigt. Br vertraue darauf, daß sich die Si­tuation entspannen würde. Auf die Fragen über die Lage im Iran sagte Truman , amt­liche Mitteilungen über sowjetische Trup­penbewegungen «eien ihm noch nicht zuge­gangen, das einzige was er bis jetzt über diese Angelegenheit erfahren habe, seien die Meldungen in der Presse.

Truman teilte weiter mit, ein neues Tref­fen zwischen Generalissimus Stalin , Pre­mierminister Attlee und ihm, Truman , sei nicht vorgesehen.

Moskau dementiert

Mockau. Die sowjetische Nachrichten­agentur „Taß" veröffentlichte eine über Ra­dio Moskau verbreitete Erklärung, in der es heißt, das Kommunique des amerikani­ schen Außenministeriums über sowjetische Truppenbewegungen durch Iran in Richtung auf die irakisch -türkische Grenze sei unbe­gründet

Die italienischen Wahlen

Rom . Nach den vom Sender Rom be­kanntgegebenen Wahlergebnissen führen in den kleineren Gemeinden die christlichen Demokraten, die in 168 Ortschaften die Ma­jorität erhielten, während für die Sozialisten und Kommunisten in 121 Gemeinden (he Mehrheit der Stimmen abgeben' wurde.

In den größeren Städten überwiegen die Sozialisten mi telner Majorität in 16 Ge­meinden gegenüber einer christlich-demokra­tischen Mehrheit in 14 Gemeinden. Die Libe­ralen haben in 17 Gemeinden die Mehrheit erhalten.

In den Großstädten haben noch keine Wahlen sUttgefundas.

STREIFLICHTER

Es ist eine Atempause eingetreten Dl« Angeklagten in Nürnberg schnallen den Helm fester, um die letzten Runden für ihr Leben zu kämpfen. Man solte glauben- ein aussichtsloses Beginnen! Ueber drei Monate, seit dem 20. November, wälzt sich eine un­unterbrochene Flut von Anklagen über die Verantwortlichen des Dritten Reiches . Außer Ley, der anscheinend noch einen Funken menschlicher Regungen in sich entdeckte, hat keiner von ihnen die einzig mögliche Konsequenz gezogen. In der sicheren Obhut staatlicher Rechtsnormen, behütet von qe- wiegten Verteidigern, fern von jener uns an­dern bekannten Furcht, noch vor Abend von einem betrunkenen Aufseher zu Tode qe- prügelt zu werden, so haben sie in stumpfer Gelassenheit KZ-Filme und mörderische Do­kumente über sich ergehen lassen. Mancher Leser ist angesichts der pausenlosen Wieder­holung der Anklagen ermüdet, uninteressiert geworden, gleichgültig geht er über jene Dinge zur Tagesordnung über. In seinei sat­ten, bürgerlichen Zufriedenheit trennen ihn Welten von jenen, die das Grauen der To­desmühlen erlebt haben. Dagegen wird im Volk ein dumpfes Grollen immer vernehm­licher- „Warum so viel Umstände? Ist nicht alles sonnenklar?" Erst die zweite Phase in Nürnberg wird diese Phase beantworten. Die Verteidigung hat jede erdenkliche Handlungsfreiheit, Zeugen in beträchtlicher Zahl — darunter Träger bekannter Namen — werden aufmarschieren, und man wird dramatische Höhepunkte erleben. Vor drei Monaten erklärten sich Göring , Kaltenbrun- ner, Rosenberg und die übrigen für unschul­dig. Die nächsten Wochen werden erweisen, was von dieser Unschuld übrig bleibt. Die Anklage aber, die das deutsche Volk selbst vorzubringen hat, wird einem späteren Tri­bunal Vorbehalten bleiben go.

Es kann nicht oft genug darauf tungewie­sen werden, daß die Ernährungslage Deutschi an de kritisch ist. Die Lücke, die bis zur nächsten Ernte gestopft werden muß, ist gewaltig. Man schätzt die fehlende Menge auf rund 120 000 Tonnen Nahrungs­mittel aller Art. Minister Hynd erklärte im englischen Unterhaus, daß eine zusätzliche Weizenmenge von l 1 /* Millionen Tonnen nötig sei, um die bisherigen Rationen in der britischen Besatzungszone aufrecht zu er­halten, aber diese Mengen könnten voraus­sichtlich nicht rur Verfügung gestellt werden. Nun sind die Alliierten bereit, un6 zu helfen. Aus den Vereinigten Staaten liegt ein« deutliche Erklärung in dieser Hinsicht vor, und General König sagte kürzlich, daß 80 000 Tonnen Weizen in die französische Besat­zungszone gesandt werden. Wir wissen aber genau, daß in der ganzen Welt die Weizen- vorräte gering sind, und daß die Länder der Alliierten sich selber einschränken, um Eu­ ropa Nahrungsmittel zukommen zu lassen. General Robertson hat sich ausdrücklich da­für eingesetzt, daß die Deutschen ausrei­chend ernährt werden müssen. Wir sind dar­über hinaus aber selbst verpflichtet, alles zu tun, um unsere eigene Lage zu verbessern. Jeder Bauer muß sich der Wichtigkeit seiner Ablieferungspflicht bewußt sein. Er sollt« noch weitere Möglichkeiten ersinnen, um die Emährungsbasis zu verbreitern. Bi« zur neuen Ernte bleibt uns als einziger Weg, den Gemüsebau noch stärker zu betreiben. Jedoch auch nach der neuen Ernte sind wir noch nicht über den Berg. General Robertson hat wörtlich gesagt, daß der Kampf im Win­ter 1946'47 noch härter sein wird als Im jetzt zu Ende gehenden Winter. Also auch auf weitere Sicht: mehr landwirtschaftlich« Produkte aus der eigenen Scholl«! heL *

Das Problem Universitas oder Fachschule d. h. allgemeine Bildung oder Spezialisten­tum, steht bei un6 schon seit Jahrzehnten zur Diskussion. Die unaufhaltsame Ausbrei­tung der Naturwissenschaften nötigte zur Stellungnahme. Die moderne Zivilisation fordert Spezialisten auf allen erdenkbaren Gebieten; der Humanismus sieht mit Schmerz das Verschwinden des universal gebildeten Menschen, dessen Wurzeln tief im Metaphy­sischen liegen. Das Ergebnis war oder ist eine Art wissenschaftlicher Barbarei, das bis ine letzte ausgebildete Fachwissen bei einem verkümmerten Menschentum und die damit verbundene Amoraldtät. Das wichtigste Vehi­kel der modernen Zivilisation, die Technik hat gleichsam ein Eigenleben gewonnen und den Menschen zum Sklaven gemacht. Und in reißendem Strom geht die Entwicklung weiter und ist heute bei der Atombombe an­gelangt. Die von den Sehenden gemachten Anstrengungen ,den Menschen zu retten, sind, ohne daß es nach außen sichtbar wird, un­geheuer. Hängt doch das Schicksal der Menschheit überhaupt davon ab. — Aber wie soll es gelingen, gegen den Strom zu kreuzen? Ist eine Rettung überhaupt noch möglich? Fordert nicht allein schon die Not­wendigkeit, die Menschen zu ernähren, za kleiden und ihnen Obdach zu verschaffen, die letzten Anstrengungen? — U. a. wird es entscheidend sein, in welcher Weise sich unsere Universitäten entwickeln. Die Zeit des huminirtiefhsB Ideals let lange vorbei.