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2. JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE • SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 57
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Stalin wiedergewählt
lesdritMe ani der Tagung des Obersten Sowjets
Moskau . Generalissimus Stalin wurde auf der Tagung des Obersten Sowjets einstimmig zum Chef des Ministerrats gewählt und mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Dieser einstimmigen Wiederwahl de* Generalissimus im Obersten Sowjet (der sich aus dem Union Sowjet und dem Nationalitätensowjet zusammensetzt) war ein formelles Rüdetrittsgesuch Stalins vorausgegangen. Ein weiterer Beschluß des Obersten Sowjets sieht die Umbenennunng der Volkskommissare ln „Minister " und des Rates der Volkskommissare in „Ministerrat der Sowjetunion" vor.
Der stellvertretende Vorsitzende des Obersten Sowjets, Schvernik, erklärte zu diesen von Ihm vorgeschlagenen Umbenennungen, daß die alten Bezeichnungen für „das Ausmaß der Arbeit und der Verantwortlichkeit der Zentralen Staatsämter nicht mehr ausreichend und exakt genug seien."
Im weiteren Verlauf der Sitzung erläuterte der Chef des Planungsamtes, Voznesensky, die Ziele des neuen Fünfjahresplanes, der eine Erhöhung der Produktion auf das anderthalbfache des Vorkriegsstandes vorsähe. Die Ueberlegenheit des sowjetischen Systems würde es möglich machen, so führte der Redner weiter aus, die Fortschritte der kapitalistischen Staaten auf allen Gebieten, einschließlich der Technik, zu übertreffen. Voznesensky forderte in diesem Zusammenhang eine weitere Stärkung der sowjetischen Streitkräfte, um der Gefahr neuer Angriffe auf die Sowjetunion zu begegnen. Die Sowjetunion habe im Gegensatz zu den ka pitalistischen Ländern keine Wirtschaftskrisen zu befürchten, fuhr Voznesensky fort. Als weitere Ziele nannte er die Beseitigung de« Rationierungssystems in einer möglichst kurzen Zeitspanne, den Wiederaufbau der vom Kriege zerstörten Gebiete, die Vergrös- serung der Industrieproduktion einschließlich der Herstellung von Konsumgütem und eine weitere Entwicklung der Schwerindustrie.
Sicherheitsrat mit Sowjetunion
New York . „Die New York Herald Tribüne" meldet: Nach Mitteilungen der Sowjetbotschaft ln Washington wird die sowjetische Regierung auf der am 25. März ln New York beginnenden Tagung des Sicherheitsrates vertreten ««in. Wie der sowjetische Botschaftersekretär Moliakow erklärte, wird die Delegation unter Leitung des Sowjetbotschafters in Washington , Gromyko , stehen, der im Flugzeug von Mos kau abgereist ist, um sich über London nach den Vereinigten Staaten zu begeben.
Weitere Schritte gegen Franco
Washington. Der Vollzugsausschuß der CIO, der viele der größten amerikani schen Gewerkschaften angehören, wandte sich in einer Entschließung, ln welcher der sofortige Abbruch der Beziehungen zu Franco-Spanäen gefordert wird, an das ame rikanische Außenministerium. Die Entschließung fordert außerdem, die Spanienfrage in den Tagesplan der kommenden Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen aufzunehmen.
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Die französische Regierung hat den Ver einigten Staaten und Großbritannien vorgeschlagen. die anderen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zum Abbruch ihrer wirtschaftlichen Beziehungen zu Spanien aufzufordern. — Falls jedoch die USA und Großbritannien eine weitere Prüfung des spanischen* Problems für notwendig erachten, schlage Frankreich vor, die Angelegenheit vor eine künftige Konferenz der Aus- senminister oder anderer hoher Regierungsbeamter zu bringen.
Pietro Neoni, der stell vertretende italie nische Ministerpräsident und Vorsitzende der sozialistischen Partei, forderte am Freitag auf einer Ministerratesdtzung die Abberufung des italienischen Botschafters in Madrid als Protest gegen das Franco-Regime .
Baden zählt 1 173 164 Einwohner
Bei der Volkszählung, die am 26. Januar 1946 in Baden (französische Zone) stattfand, wurden 1 173 164 Einwohner gezählt, Davon waren Männer 491 421 und Frauen 681 743.
Bz der Alexanderkaseme in Bertin ereignete sich am Samstagmorgen um 8 Uhr eine heftig« Explosion. Etwa 150 Personen sind getötet oder verletzt worden. Es wird angenommen, daß in der von den russischen Besatzungstruppen besetzten Kaserne dort lagernde russische Munition aus noch nicht geklärten Gründen zur Explosion kam.
Di« von einem Militärgericht wegen Ermordung von mehr als 400 russischen und polnischen Staatsangehörigen gegen die leitenden Angestellten des Sanatoriums Hada mar , Alfons Klein , Heinrich Ruoff und Karl Willig ausgesprochenen Todesurteile wurden im Gefängnis Bruchsal durch Erhängen
Missverständnisse werden verschwinden
Bevin: Britische Politik ohne Aggression — Byrnes: Vertrauen, die Welt-Schwierigkeiten zu losen
London . In einer Rede in Port Talbot erklärte der britische Außenminister Bevin , daß die Weltanschauungen Englands , der Vereinigten Staaten und Sowjetrußlands sich mit der Zeit gegenseitig anpassen würden, vorausgesetzt, daß' die Nationen geduldig »eien und kein Dogma daraus machten.
Bevin wies dann ferner darauf hin, daß Churchill seine Rede in USA als Privatmann gehalten habe. „Die Politik, für welche die britische Regierung verantwortlich ist. wurde in meiner Rede vor dem Parlament Umrissen, in der Ich sagte, ich sei bereit, einen 50jährigen Freundschaftsvertrag mit Rußland zu befürworten. Es war ein ernstgemeinter Vorschlag und ich halte heute noch daran fest. Ich werde nichts tun, um eine Gruppe von Völkern in Gegensatz zu einer anderen Gruppe zu stellen. Ich werde nichts tun, was auch nur den Anschein einer Aggression hat. Und ich richte einen Apell an die anderen Länder, eine Aggression, sei es durch Propaganda, durch einen Nervenkrieg oder durch eine Aktion, zu unterlassen."
Versöhnlichere Rede Churchills
New York . Churchill hat am vergangenen Freitag noch einmal eine Rede in den Vereinigten Staaten gehalten, und zwar auf dem ihm zu Ehren gehaltenen Bankett hn Waldorf Astoria Hotel in New York . Er begann sehr versöhnlich und gab der oben von uns abgedruckten Erklärung Be- vins recht, als er sagte: „Ich ergriff in Ful- ton das Wort, weil ich es für notwendig hielt, daß eine inoffizielle Persönlichkeit in gemäßigten Formen über die Weltlage spreche. Die gesamte englisch sprechende Welt fühlte eine tiefe und weitgehende Sympathie für das russische Volk und ist unbedingt bereit, mit ihm auf der Grundlage der faimeß und Gleichberechtigung bei der Heilung der Schäden des Krieges in jedem Land zusammen zu arbeiten.
Ueber die Iranische Frage sagte Churchill : „Die britische Regierung, deren Leiter ich war, Unterzeichnete einen Vertrag mit Sowjetrußland und Persien , in dem die Integrität und Souveränität Irans und die Räumung des Landes zu bestimmten Terminen feierlich zugesichert wurden. Dieser Ver
trag wurde in dem Dreimächteabkommen in Teheran , das die Unterschriften des Chefs der Sowjetregierung, des verstorbenen Präsidenten Roosevelt und meine Unterschrift trägt, nochmals bekräftigt. In Erfüllung des Vertrages haben die Vereinigten Staaten und Großbritannien das Land bereits geräumt und nun wurde uns berichtet, daß die Sowjetregierung statt das Land ebenfalls zu verlassen, gegenwärtig noch mehr Truppen hineinschickt"
Churchill betonte: „Dies ist einer der Fälle, für die der Sicherheitsrat der Verein ten Nationen geschaffen wurde. Ich bin glücklich, in den Zeitungen zu lesen, daß der Vertreter der Sowjetunion der Sitzung des Sicherheitsrates beiwohnen werde."
Der ehemalige britische Ministerpräsident betonte ferner, daß Sowjetrußland keinen Grund habe, mit den Entschädigungen für seine Kriegsanstrengungen unzufrieden zu seih. Die beiden furchtbarsten Widersacher der Sowjetunion lägen im Boden. Einer dieser beiden, nämlich Japan , wäre fast ausschließlich durch die amerikanischen Waffen besiegt worden. Dennoch habe Rußland alle Gebiete, die es vor 40 Jahren an Japan verlor, zurückerhalten.
Churchill kam dann auf die Dardanellen - Frage zu sprechen und erklärte: „Ith habe unserem sowjetischen Verbündeten immer gesagt, daß Großbritannien eine Revision de6 Abkommens von Montreux unterstützen werde." Der ehemalige britische Ministerpräsident fügte hinzu, daß in Potsdam sowohl von amerikanischer als von britischer Seite der Sowjetunion eine gemeinsame Garantie für die freie Durchfahrt durch die Dardanellen angeboten wurde und daß die Türkei einem derartigen Abkommen freudig zustimmen werde. Die Forderung dagegen, Sowjetrußland ein« Festung innerhalb der Dardanellen einzuräumen, widerspräche dem Grundsatz der Freiheit d*r großen Wasserwege Europas . Auch in diesem Fall trat Churchill für eine Behandlung der Frage durch den Weltsicherheitsrat ein.
Der frühere britische Ministerpräsident drückte ferner seine Befriedigung über die „brüderliche Zusammenarbeit" zwischen den
Göring zwischen Geständnis und Entschuldigung
Kettel nur Befehlsüber mittler für Hitler
Nürnberg. In demselben Tonfall, mit denselben Warten wie auf Hunderten nationalsozialistischen Versammlungen sprach Göring am vergangenen Donnerstag sechs Stunden lang als Entlastungszeuge für sich selbst im Nürnberger Prozeß. Manchmal scheint er im Elfer seiner Rede zu vergessen, daß er Mer nicht vor einer Schar treuer „Gefolgsmänner" steht, sondern vor den Richtern aus vier Nationen. — Wenn er sich zum Beispiel rühmt, er habe dem Ausland schon vor der „Machtergreifung immer gesagt, die Nazis würden sich nicht an die vom der Republik geschlossenen Verträge halten, eine Feststellung, die ihm vor einigem Jahren noch „nicht endenwallende Heilruf«" seiner Zuhörer eingetragen hätte, so bestätigt er damit nur den Vorwurf, der von der Anklage gegen die Nazis erhoben wurde, nämlich dem, die Verschwörung zum Bruch internationaler Vertrag«.
„Ich trage die volle Verantwortung für den „Anschluß " Oesterreichs , mehr noch als der Führer, über dessen Bedenken ich mich Mnwegsetzte", rief Göring aus und bekennt sich damit zum Bruch des Vertrages von Saint-Germain. Ebenso offen bekannte Gö ring den Aufbau der Luftwaffe für Angriffszwecke: „Ich habe seit 1933 alles getan für die Aufrüstung einer starken Luftwaffe. Ich hätte gerne auch viermotorige Bomber gebaut, wenn ich das Aluminium dazu gehabt hätte und es hätte mich nicht im geringsten gestört, wenn man 6ie in der Welt als Angriffswaffe angesehen hätte. Ich habe mir sogar sehnlich einen Bomber gewünscht, mit dem ich hätte Amerika angreifen können. Aber die industriellen Voraussetzungen dafür waren nicht da."
Wenn «ich Göring mit brutaler Offenheit zu einem Teil »einer Verbrechen bekennt, so versucht er doch in anderem Zusammenhang wieder, di« Verantwortung von sich abzuwälzen und die Schuld zahlreicher Naziverbrechen Männern in die Schuhe au schieben, die heute tot sind und sich gegen seine Beschuldigungen nicht wehren können — So behauptete Göring , an der Judenfrage nicht beteiligt gewesen zu sein Erstens „hätten die Juden die Nationalsozialisten angegriffen" und zweitens «ei Goebbel« derjenige gewesen, der die ganzen Judenpogrome auegeiöst hab«. Er (Göring ) habe den Juden überhaupt nur deshalb die Reichsbuße von einer Milliarde Mark auferlegt, damit Goebbels , der sich auch dafür interessierte, da« Geld nicht bekommen sollte. Ebenso behauptete Göring , an der Kirchenverfolgung unschuldig gewesen zu sein. Auch Hitler sei durchaus kein gewesen. Elnrifl Huan^as
und Boimann hätten sich „aus verworrenen mystischen Gründen" gegen die Kirchen gewandt.
Göring ist in seinem Element. Es ist nun der dritte Tag, an dem der immer noch massige Mann den Zeugenstand einnimmt. Noch einmal zieht er alle Register seiner Schauspielerei. — Er hat «ich gut vorbereitet. Vorwürfe der Anklage gesteht ar offen ein, so, als er von der Beschlagnahme der Kunstschätze spricht. Er sei leidenschaftlicher Sammler, sagte Göring , und die Sammelleidenschaft habe ihn auch veranlaßt, die Kunstschätze zu erwerben.
„Ich trage die Verantwortung für die Bombenangriffe auf Warschau , Rotterdam und Coventry . Ich war der Mann, der befahl. Ich habe «udi die unterirdischen Fabriken bauen lassen, ln denen die KZ-Häftlinge gearbeitet haben. Warum sollten die KZ-Häftlinge auch nicht arbeiten?" und zynisch setzte er hinzu, nachdem, wa« er hier über die KZ't gehört habe, hätten doch die Häftlinge froh sein müssen, ln einer Fabrik arbeiten zu dürfen. Göring versäumte keine Gelegenheit, «ein« hohe Stellung im „Drit ten Reich " hervorzuheben, obwohl es gar- nicht zum Thema gehört, liest er eine lange Rede vor, die er an 1000 jung« Flieger gehalten hat.
In der Samstag-Sitzung begann Dr. Nelte, der Verteidiger Keitels mit dem Verhör Görings . Keitel habe eine äußerst undankbare Aufgabe gehabt, erklärte Göring , wenn es Schwierigkeiten zwischen ihm und Hitler gegeben habe, «o »ei Keitel „zwischen die Mühlsteine stärkerer Persönlichkeiten geraten", und die Spannungen hätten sich meist „auf seinem Rücken entladen. Keitel habe ihn, Göring auch einmal dringlich gebeten, ihm ein Frontkommando zu verschaffen, und wenn es auch nur eins Division sei, daß sr in seiner Stellung im OKW „mehr Steine als Brot äßaV
Göring sagte weiter, Keitel habe lediglich die „Arbeitsapparatur des Führers" geleitet und die Befehle Hitlers weitergegeben. Keitel sei nicht befugt gewesen, direkte Befehle an die Wehrmachtsbefehlshaber zu geben. Er (Göring ) habe ihm auch oft unmißverständlich erklärt, daß er irgendwelche Befehle von Keitel in den Papierkorb werfen werde. Heitel habe niemals als Berater Hit lers gedient, denn eine so „dynamische Persönlichkeit" wie Hitler zu beraten, sei äus- serst schwer gewesen. „Man mußte schon einen so großen Einfluß — wie ich ihn viele Jahre lang hatte — auf den Führer haben, um ihm ungefragt Ratschläge erteilen zu
Vereinigten Staaten und Großbritannien aus und fügte hinzu, daß er keine englischamerikanische Militärallianz oder einen Vertrag gefordert hätte. Churchill unterstrich, daß von der englisch -amerikanischen Zusammenarbeit „Leben und Freiheit" der Welt abhinge.
Churchill setzte sich sodann mit Stalins Erklärungen daß ln Großbritannien nur eine Partei regiere, auseinander und betonte, daß die Regierungen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten auf Grund freier Wahlen gewählt würden. „Diece Mißverständnisse werden verschwinden", so sagte Churchill , wenn wir durch die gegenwärtige schwierige Periode hindurchgesteuert sind, und die Völker Großbritan niens , Amerikas und Rußlands die Möglichkeit haben, miteinander in Fühlung zu treten und sich besser kennen zu lernen.
Keine Alliancen!
N e w Y o r k. Der amerikanische Staatssekretär Byrnes erklärte iu einer Rede: Sollte es notwendig werden, so werden die Vereinigten Staaten ihre Kräfte für die Unterstützung der Ziele und Grundsätze der Vereinten Natio nen und ihrer Charta ln die Waagschale werfen. Wir haben nicht die Absicht, unsere Sicherheit in einer Allianz mit der Sowjet union gegen Großbritannien oder in edner Allianz mit Großbritannien gegen die Sowjet union suchen.
Byrnes betonte, er hege die Zuversicht daß sich die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Welt lösen ließen. Byrnes erklärte werter, daß Amerika den Frieden über alle« liebe. Das Problem aber sei, wie die Tradition einer bürgerlichen Zdvilregierung, mit den Notwendigkeiten der Erhaltung einer militärischen Macht zu vereinen «ei, die stark genug «ein müsse, um die Verantwortlichkeiten der USA erfüllen zu können. Wenn andere Nationen jedoch gerüstet blieben, so könne Amerika allein im Interesse des Weltfriedens nicht abrüsten. Die Vereinigten Staaten hätten im Jahre 1918 abgerüstet: aber das Beispiel der amerikanischen Schwäche habe weder Deutschland , Italien , nach Japan zur Nachahmung veranlaßt.
London . Außenminister Emest Bevin gab vor dem englischen Unterhaus eine Erklärung über die Lage in Persien ab. Br sagte, England habe auf eine Anfrage im November vergangenen Jahres von Generalissimus Stalin und der Sowjetregierung die bindende Zusicherung erhalten, daß die Souveränität Persiens respektiert werde und keinerlei agressive Absichten gegen Persien bestünden. Auch Außenkommissar Molotow habe Bevin gegenüber erklärt, die Sowjet union werde ihren Verpflichtungen voll nachkommen. — Bevin erklärte, es sei schwierig für die britische Regierung, die gegenwärtige Politik der Sowjetunion in Per sien zu verstehen. Noch schwieriger sei es jedoch zu glauben, daß die Sowjets nicht die Absicht hätten, all Ihre Versprechungen zu erfüllen.
Washington . Präsident Truman erklärt« auf einer Pressekonferenz, er sei ■durch die internationale Lage nicht beunruhigt. Br vertraue darauf, daß sich die Situation entspannen würde. Auf die Fragen über die Lage im Iran sagte Truman , amtliche Mitteilungen über sowjetische Truppenbewegungen «eien ihm noch nicht zugegangen, das einzige was er bis jetzt über diese Angelegenheit erfahren habe, seien die Meldungen in der Presse.
Truman teilte weiter mit, ein neues Treffen zwischen Generalissimus Stalin , Premierminister Attlee und ihm, Truman , sei nicht vorgesehen.
Mockau. Die sowjetische Nachrichtenagentur „Taß" veröffentlichte eine über Radio Moskau verbreitete Erklärung, in der es heißt, das Kommunique des amerikani schen Außenministeriums über sowjetische Truppenbewegungen durch Iran in Richtung auf die irakisch -türkische Grenze sei unbegründet
Rom . Nach den vom Sender Rom bekanntgegebenen Wahlergebnissen führen in den kleineren Gemeinden die christlichen Demokraten, die in 168 Ortschaften die Majorität erhielten, während für die Sozialisten und Kommunisten in 121 Gemeinden (he Mehrheit der Stimmen abgeben' wurde.
In den größeren Städten überwiegen die Sozialisten mi telner Majorität in 16 Gemeinden gegenüber einer christlich-demokratischen Mehrheit in 14 Gemeinden. Die Liberalen haben in 17 Gemeinden die Mehrheit erhalten.
In den Großstädten haben noch keine Wahlen sUttgefundas.
STREIFLICHTER
Es ist eine Atempause eingetreten Dl« Angeklagten in Nürnberg schnallen den Helm fester, um die letzten Runden für ihr Leben zu kämpfen. Man solte glauben- ein aussichtsloses Beginnen! Ueber drei Monate, seit dem 20. November, wälzt sich eine ununterbrochene Flut von Anklagen über die Verantwortlichen des Dritten Reiches . Außer Ley, der anscheinend noch einen Funken menschlicher Regungen in sich entdeckte, hat keiner von ihnen die einzig mögliche Konsequenz gezogen. In der sicheren Obhut staatlicher Rechtsnormen, behütet von qe- wiegten Verteidigern, fern von jener uns andern bekannten Furcht, noch vor Abend von einem betrunkenen Aufseher zu Tode qe- prügelt zu werden, so haben sie in stumpfer Gelassenheit KZ-Filme und mörderische Dokumente über sich ergehen lassen. Mancher Leser ist angesichts der pausenlosen Wiederholung der Anklagen ermüdet, uninteressiert geworden, gleichgültig geht er über jene Dinge zur Tagesordnung über. In seinei satten, bürgerlichen Zufriedenheit trennen ihn Welten von jenen, die das Grauen der Todesmühlen erlebt haben. Dagegen wird im Volk ein dumpfes Grollen immer vernehmlicher- „Warum so viel Umstände? Ist nicht alles sonnenklar?" Erst die zweite Phase in Nürnberg wird diese Phase beantworten. Die Verteidigung hat jede erdenkliche Handlungsfreiheit, Zeugen in beträchtlicher Zahl — darunter Träger bekannter Namen — werden aufmarschieren, und man wird dramatische Höhepunkte erleben. Vor drei Monaten erklärten sich Göring , Kaltenbrun- ner, Rosenberg und die übrigen für unschuldig. Die nächsten Wochen werden erweisen, was von dieser Unschuld übrig bleibt. Die Anklage aber, die das deutsche Volk selbst vorzubringen hat, wird einem späteren Tribunal Vorbehalten bleiben go.
Es kann nicht oft genug darauf tungewiesen werden, daß die Ernährungslage Deutschi an de kritisch ist. Die Lücke, die bis zur nächsten Ernte gestopft werden muß, ist gewaltig. Man schätzt die fehlende Menge auf rund 120 000 Tonnen Nahrungsmittel aller Art. Minister Hynd erklärte im englischen Unterhaus, daß eine zusätzliche Weizenmenge von l 1 /* Millionen Tonnen nötig sei, um die bisherigen Rationen in der britischen Besatzungszone aufrecht zu erhalten, aber diese Mengen könnten voraussichtlich nicht rur Verfügung gestellt werden. Nun sind die Alliierten bereit, un6 zu helfen. Aus den Vereinigten Staaten liegt ein« deutliche Erklärung in dieser Hinsicht vor, und General König sagte kürzlich, daß 80 000 Tonnen Weizen in die französische Besatzungszone gesandt werden. Wir wissen aber genau, daß in der ganzen Welt die Weizen- vorräte gering sind, und daß die Länder der Alliierten sich selber einschränken, um Eu ropa Nahrungsmittel zukommen zu lassen. General Robertson hat sich ausdrücklich dafür eingesetzt, daß die Deutschen ausreichend ernährt werden müssen. Wir sind darüber hinaus aber selbst verpflichtet, alles zu tun, um unsere eigene Lage zu verbessern. Jeder Bauer muß sich der Wichtigkeit seiner Ablieferungspflicht bewußt sein. Er sollt« noch weitere Möglichkeiten ersinnen, um die Emährungsbasis zu verbreitern. Bi« zur neuen Ernte bleibt uns als einziger Weg, den Gemüsebau noch stärker zu betreiben. Jedoch auch nach der neuen Ernte sind wir noch nicht über den Berg. General Robertson hat wörtlich gesagt, daß der Kampf im Winter 1946'47 noch härter sein wird als Im jetzt zu Ende gehenden Winter. Also auch auf weitere Sicht: mehr landwirtschaftlich« Produkte aus der eigenen Scholl«! heL *
Das Problem Universitas oder Fachschule d. h. allgemeine Bildung oder Spezialistentum, steht bei un6 schon seit Jahrzehnten zur Diskussion. Die unaufhaltsame Ausbreitung der Naturwissenschaften nötigte zur Stellungnahme. Die moderne Zivilisation fordert Spezialisten auf allen erdenkbaren Gebieten; der Humanismus sieht mit Schmerz das Verschwinden des universal gebildeten Menschen, dessen Wurzeln tief im Metaphysischen liegen. Das Ergebnis war oder ist eine Art wissenschaftlicher Barbarei, das bis ine letzte ausgebildete Fachwissen bei einem verkümmerten Menschentum und die damit verbundene Amoraldtät. Das wichtigste Vehikel der modernen Zivilisation, die Technik hat gleichsam ein Eigenleben gewonnen und den Menschen zum Sklaven gemacht. Und in reißendem Strom geht die Entwicklung weiter und ist heute bei der Atombombe angelangt. Die von den Sehenden gemachten Anstrengungen ,den Menschen zu retten, sind, ohne daß es nach außen sichtbar wird, ungeheuer. Hängt doch das Schicksal der Menschheit überhaupt davon ab. — Aber wie soll es gelingen, gegen den Strom zu kreuzen? Ist eine Rettung überhaupt noch möglich? Fordert nicht allein schon die Notwendigkeit, die Menschen zu ernähren, za kleiden und ihnen Obdach zu verschaffen, die letzten Anstrengungen? — U. a. wird es entscheidend sein, in welcher Weise sich unsere Universitäten entwickeln. Die Zeit des huminirtiefhsB Ideals let lange vorbei.