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SUDKURIER

2. JAHRGANG

TAGBLATT FÜR BODENSEE . SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 59

KONSTANZ DIENSTAG 26. MÄRZ 1946

Erscheint vorerst Dienstag und Freitag Adresse: Konstanz , Rosgartenstr. 12 Tel. 924, 925, 1130. Geschäftsstellen und Agenturen an vielen größeren Orten

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Frankreich will keine Annexion deutschen Gebietes

Ministerpräsident Gouin über die Gesamtlage des Landes — Ruhrgebiet als Instrument

europäischen Wiederaufbaues

Straßburg . Ministerpräsident Felix Gouin hielt am Sonntag in Straßburg eine Rede, in welcher er einleitend der franzö­ sischen Widerstandsbewegung, den franzö­ sischen Truppen und den alliierten Völkern huldigte und dann fortfuhr:

„Frankreich wäre nicht Frankreich , wenn es die Notwendigkeit fortgesetzter Opfer in einem Augenblick nicht verstehen würde, in dem wir kaum aus einem erschöpfenden Krieg herauskommen, der die jahrhunderte­alte europäische Zivilisation von Grund aus umgestürzt hat. Frankreich hat das be­griffen, und deshalb geht es mit allen Kräf­ten an die Lösung der vor ihm liegenden Riesenaufgaben heran.

Um Frankreich wirtschaftlich stark zu machen, um seine Unabhängigkeit und Eigenart zu bewahren, um es zum Verbün­deten der großen freien Völker, mit denen wir für den Frieden arbeiten wollen, zu machen, braucht es Arbeit und Mühe von jedermann.

Wir sind uns bewußt, unter welchen Realitäten die französische Wirtschaft steht. Sie ist infolge der Beschränkungen und der Plünderungen durch den Krieg und auch infolge der Überalterung ihrer Ausrüstung nicht in der Lage, die materiellen Bedürf­nisse des Landes zu decken. Das ist das Hauptproblem der Stunde. Es erfordert die Aufstellung eines zusammenhängenden und klaren Gesamtplanes."

Gouin ging dann auf die Köhlenfrage ein. Er zollte dabei den französischen Gruben­arbeitern, die mit ihrer Förderung bereits den Vorkriegszustand erreicht hätten, hohe Anerkennung Doch genüge das Erreichte bei weitem nicht. Gouin erinnerte daran, daß die Franzosen auf deutsche Kohlen­lieferungen gezählt hätten, die zu den Lie­ferungen aus den Vereinigten Staaten hin­zukommen sollten. Präsident Truman habe im Juni 1945 gesagt, daß Deutschland in der Lage sein werde, monatlich 4 Millio­nen Tonnen Kohle nach den befreiten Län­dern auszuführen. Die Enttäuschung in Frankreich sei groß gewesen, als der Plan

Nürnberg . Bei einer erneuten Frage über die Unterredung zwischen Hitler , Gö­ ring und dem Schweden Dahlerius am ver­gangenen Donnerstag erklärte Göring , daß er England « Unterstützung für die Rückge­winnung Danzigs und des Korridors ange­strebt habe. — Der britische Anklagever­treter kam dann auf die Neutralitätsver-, sprechungen an Luxemburg , Holland und Belgien zu sprechen, die 24 Stunden nach dem letzten Garantieversprechen gebrochen wurden. — Der britische Anklagevertreter legte Göring das Protokoll einer Bespre­chung zwischen Mussolini und Göring vor, in dein Göring über die scharfen Maßnah­men sprach, die zur Bekämpfung der Wi­derstandsbewegungen in den besetzten Ländern anzuwenden seien. — Ueber die Zustände in den KZ’s erklärte Göring , nicht Bescheid gewußt zu haben. Auch Hitler sei über diese Dinge nicht orientiert gewesen, behauptete er.

Am Nachmittag nahm der russische Hauptankläger Generalleutnant Rudenko Göring ins Kreuzverhör . Rudenko legte Gö­ ring einen Befehl Hitlers vor, der die strengsten Maßnahmen gegen die russische Bevölkerung, wenn sie sich der deutschen Besatzung nicht fügen würde, forderte. Gö­ ring behauptete zuerst, diesen Befehl nie ge­sehen zu haben, später erklärte er, es sei

Entlassung von Kriegsgefangenen

Der Südkurier bittet, zunächst von weite­ren Anträgen und Anfragen betreffs Ent­lassung von Kriegsgefangenen abzusehen, bis genauere Anweisungen der französi­ schen Besatzungsbehörden dazu veröffent­licht werden können. — Es sei im voraus darauf hingewiesen, daß zugunsten deut­scher Kriegsgefangener in britischer, ameri­kanischer oder russischer Hand von der französischen Zone und ihren Dienststellen aus noch nichts unternommen werden kann.

möglich, daß er ihm mündlich vorgetragen worden sei. — Uebei die Behandlung der russischen Kriegsgefangenen und von dem Befehl, 50—100 Kommunisten für einen er­mordeten deutschen Soldaten zu erschießen, behauptete Göring , erst später gehört zu haben. Hitler selbst habe diesen Befehl herausgegeben. Ursprünglich seien nur 5 bis 10 Kommunisten vorgesehen gewesen, der „Führer” habe noch eine Null ange­hängt

Göring gab auf wiederholte Fragen des

rassischen Anklägern zu, bei der Ausarbei-

für die Verteilung der deutschen Kohle im zweiten Quartal von 1946 nur einen Ex­port von 1 Million Tonnen vorgesehen habe, wovon Frankreich 316 000 Tonnen er­halten sollte Das sei für die französische Wirtschaft ein unerträglicher Zustand. Wenn er andauern sollte, so würde Deutschland , das den Krieg gewollt habe, auf Kosten der angegriffenen Nationen bevorzugt werden.

Gouin führte dann zur Frage dei auslän­dischen Kredite an Frankreich u. a. aus: „Frankreich bedarf dieser Auslandskredite dringend. Die Hilfe ist dazu bestimmt, unsere Produktionsfähigkeit durch die rasche Einfuhr der notwendigen Maschinen und der uns fehlenden Rohstoffe zu er­höhen. Die Mission Leon Blums besteht also vor allem darin, unseren amerikani­schen Freunden klar zu machen,‘daß Frank­ reich gewillt ist, so rasch als möglich sich in den internationalen Güteraustausch ein­zuschalten.

Der französische Ministerpräsident ging dann über zu den Ernährungsschwierigkei­ten. Er erinnerte daran, daß die Getreide­produktion im abgelaufenen Jahre nur die Hälfte einer normalen Ernte betrug, die Zuckerrüben nur 47 Prozent einer normalen Ernte. Frankreich konnte nur Dank der großen Lebensmitteleinfuhren leben. Gouin dankte Großbritannien , das zwischen dem 1. Juli 1945 und dem 1. März 1946 über 1000 Tonnen Mehl geliefert hat. Er dankte auch Argentinien und Canada , die in der gleichen Zeit 5370 Tonnen Getreide gelie­fert hätten. Die Vereinigten Staaten haben in der gleichen Periode 859 000 Tonnen Ge­treide an Frankreich geliefert, und Rußland stehe im Begriffe, 400 000 Tonhen Weizen und 100 000 Tonnen anderer Getreidearten zu liefern. Die internationale Solidarität sei kein leeres Wort

„Durch eine lange und tragische Erfah­rung belehrt, erklären wir, daß wenigstens zwei Dinge für die französische Sicherheit unumgänglich sind, zwei Dinge, über die wir zu keinen Kompromissen bereit sind: zuerst eine lange Besetzung Deutschlands und dann die Errichtung eines internationa-

tung des Angriffsplanes auf Rußland betei­ligt gewesen zu 6ein, ebenso habe er Vor­schläge zu den Plänen über die Aneignung russischer Gebiete gemacht.

Die Vernehmung Görings als Zeuge wurde in der Freitag-Vormittagsitzung beendigt. „Ich übernehme die Verantwortung für das, was Aemter und Dienststellen unter mei­nem Befehl angeordnet haben", schloß er. „Wenn mir auch nicht alles bekannt ist, muß ich hierfür doch die formelle Verant­wortung übernehmen. Tatsächliche Verant­wortung übernehme ich für Richtlinien und Befehle, die von mir herausgegeben sind. Der Führer Adolf Hitler ist tot", fuhr er fort. „Ich galt als sein Nachfolger in der Führung des deutschen Reiches, deshalb muß ich zu meiner Verantwortung erklären. Mein Bestreben war . . . ." Göring wurde hier von Lordrichter Lawrence unterbro­chen: „Das Gericht wünscht, daß Sie keine Reden halten."

Dr. Alfred Seidl , der Verteidiger von Ru­ dolf Heß , begann am gleichen Tage seine Beweisführung. Er erklärte, daß sein Klient die Zuständigkeit des Gerichts für inner­deutsche Angelegenheiten ablehne, wohl aber die Verantwortung für sämtliche Maß­nahmen und Verordnungen übernähme, die er als Stellvertreter Hitlers oder als Reichs­minister anordnete. Als erstes Dokument verlas er die schriftliche Aussage der ehe­maligen Sekretärin von Heß, Hildegard Fath. Darin heißt es, Heß habe den „außer­gewöhnlichen Flug" nur unternommen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden und günstige Voraussetzungen für einen Frie­densschluß zu schaffen.

Der amerikanische Hauptankläger Robert H. Jackson hatte den Antrag gestellt, die Verteidigung solle sich, um Zeit zu sparen, darauf beschränken, ihre Dokumentenbücher dem Gericht nur zu überreichen, ohne sie zu verlesen. Im Namen der Verteidigung lehnte Dr. Dix den Antrag ab. Er erklärte, daß im Interesse der „Gerechtigkeit und Fairneß" die Verteidigung das gleiche Recht der Beweisführung haben müsse, wie die Anklage.

Nach kurzer Beratung entschied das Ge­richt: Das bisherige Verfahren wird wei*er fortgesetzt. Alle Dokumente, die in die 4 Verhandlungssprachen übersetzt wurden, können, ohne daß die Verteidiger sie ver­lesen, dem Gericht vorgelegt werden. Den Verteidigern steht es jedoch frei, einzelne Stellen der Dokumente zu zitieren und da­zu Stellung zu nehmen Die Anklagebe­hörde hat weiterhin das Recht, gegen die Vorlage einzelner Dokumente Einspruch zu erheben.

len Konzerns zur Leitung und Kontrolle des Ruhrgebietes. Niemand von uns ver­langt die Annexion dieses Gebiete«: denn wir haben selber zu viel gelitten, um die Annexion anderen Völkern aufzuzwingen, sogar nicht unseren grausamsten Feinden. Wir wollen au« dem Ruhrgebiet ein Instru­ment des europäischen Wiederaufbaus machen. Wir wollen verhindern, daß es ein drittes Mal zum Hauptinstrument der Zer­störung Frankreichs werde. Dazu sind inter­nationale Lösungen erforderlich. Die Kriege von 1914 und 1939 haben die lange ver­kannte Wahrheit an den Tag gebracht, daß die französische Sicherheit nicht mehr nur eine Angelegenheit Frankreichs ist, sondern eine Angelegenheit aller Völker der Welt. Am Rhein , wo in den letzten Weltkriegen die Westmächte den Kampf fast verloren, haben sie schließlich ihre Freiheit und Un­abhängigkeit wieder gewonnen. Morgen könnte wieder der Fall eintreten, daß das

Moskau . Wie die Agentur Tass mit­teilt, hat die Räumung des Irans durch die russischen Truppen begonnen und wird in fünf bis sechs Wochen beendet sein. Die gleiche Agentur meldet, daß die mit China vereinbarte Räumung der Mandschurei von russischen Truppen bis Ende April beendet sein werde. Sie sei durch den strengen Wintei verzögert worden.

Asso-Preß meldet weiter: Die Ankün­digung des Moskauer Rundfunks, daß die Rote Armee mit der Räumung Irans begon­nen hätte, wird in Washington als günsti­ges Vorzeichen für die Arbeit des Sicher­heitsrates angesehen. Ein Teil, der eng­lischen Morgenpresse begrüßt den sowjeti­schen Schritt als das „Ende einer Krise“

Stalin zur internationalen Lage

Moskau . Der Moskauer Korrespondent der „Associated Preß " 6andte Generalissimus Stalin eine Reihe von Fragen zur internatio­nalen Lage. Die Antwort Stalins wurde durch den Moskauer Rundfunk bekanntgegeben.

Auf die erste Frage: „Welche Bedeutung messen Sie der Organisation der Vereinten Nationen als einem Mittel zur Erhaltung des Weltfriedens bei, antwortete Stalin : „Ich messe der Organisation der Vereinten Natio­nen als einem wichtigen Instrument zur Er­haltung des Friedens und der internationalen Sicherheit große Bedeutung bei. Die Stärke dieser internationalen Organisation liegt in der Tatsache, daß sie auf dem Prinzip der Gleichheit der Völker beruht und nicht auf dem Prinzip der Beherrschung der einen durch die anderen. Wenn es der Organisation der Vereinten Nationen in Zukunft gelingen wird, das Prinzip der Gleichheit zu bewah­ren, so wird sie zweifellos eine große und positive Rolle bei der Sicherung des Frie­dens und der Sicherheit spielen." — Nach dem Grund der Kriegspsychose, die in man­chen Ländern herrsche, befragt, sagte Gene­ralissimus Stalin : „Ich bin überzeugt, daß weder die Nationen noch ihre Armeen einen neuen Krieg wünschen. Sie wünschen Frieden und streben danach, den Frieden zu sichern. Die Furcht, vor dem Kriege kommt nicht von dieser Seite. Ich glaube, daß sie durch die Tätigkeit einiger politischer Gruppen verur­sacht wird, deren Propaganda eine Saat der Zwietracht und der Ungewißheit sät."

Rußlands Fünfjahresplan

Moskau . Die Sowjetunion hat nicht die Absicht, sich fremde Gebiete anzueignen

Münster . Kardinal Clemens' August Graf von Galen ist am Freitag im Alter von 68 Jahren gestorben.

Kaum vier Wochen vor seinem p.ötzlichen Hinscheiden weilte der bekannte Kanzelred­ner in Rom , um aus der Hand des Hl. Vaters das Kardinalsbirett zu empfangen. Ganz Deutschland freute sich über die hohe Aus­zeichnung. Der Verstorbene lebt in der Er­innerung als ein unerschrockener Verteidi­ger der christlichen Lehre gegenüber den nationalsozialistischen Diktaturmaßnahmen weiter. In schärfster Form nahm er Stellung gegen die Beseitigung der Geisteskranken und Altersschwachen. In all den Kampf jahren stand das münsterländische Volk einig und geschlossen hinter seinem Bischof und nahm ihn in Schutz gegen alle Verfolgungen der nationalozialistisdien Gewalthaber. Die Liebe und Verehrung «einer Diözesanen kam bei seinem Einzug als Kardinal am Samstag, den 16. März, in eindeutiger Weis« zum Aus­druck. Hierüber wird uns von einem Teil­nehmer, der diesen Festtag in Münster mit­erlebt hat, folgendes berichtet:

Es war ein seltsamer Kontrast, - der das furchtbar sertörte Monetär aas dar Trümmsr-

Schicksal der Welt wieder am Rhein zum Austrag kommt, sofern man nicht das An­griffspotential, welches das Ruhrgebiet dar­stellt, durch ein internationales Vertrags­system in die Hand nimmt. Zur Lösung die­ses Problems haben wir an die drei Groß­mächte appelliert, die im Kriege unsere Freunde und Verbündete waren. Mit ihnen zusammen wollen wir das Problem prüfen, sicher in unserem Interesse, aber auch im Interesse der internationalen Völkerge­meinschaft

Zum Problem der Vereinten Nationen führte der französische Ministerpräsident u. a. aus: „Wie alles Menschenwerk, so hat auch die Organisation der Vereinten Natio­nen bei ihren ersten Schritten mit Schwie­rigkeiten zu rechnen, deren Bedeutung und deren Ernst nicht unterschätzt werden dür­fen. Wir sind in einer Weit, in der die Zer­störungskräfte mehr Fortschritte erzielt ha­ben, als die Kräfte der Vernunft. In diesem gefährlichen Mißverhältnis muß man einen der Gründe sehen, die die Nationen in den Krieg geführt haben. Frankreich hat die Pflicht, und es wird dieser Pflicht nachkom- men, alles zu tun, um im Schoße der Verein­ ten Nationen die Wolken zu zerstreuen, die die Morgendämmerung unseres Sieqes zu verdunkeln drohen.

oder andere Völker zu unterjochen, erklärte der Kommentator des Moskauer Senders Linetsky. Die Hauptaufgabe des kommen­den 5-Jahres-Planes sei die Festigung der Verteidigungskraft des Landes und die Aus­rüstung seiner Streitkräfte mit den modern­sten Waffen. Er solle damit gleichzeitig den Frieden der Welt sichern indem dadurch neue Angriffskriege auf die Sowjetunion verhütet werden. Seine Erfüllung wird eine Sicherung gegen die Verletzung der Frie­densziele nicht nui des Sowjetvolkes, son­dern auch aller friedliebenden Völker sein. Die Sowjetunion würde dadurch Wächter des Friedens und der Sicherheit aller Nationen.

Sicherheitsrat zum Iran -Problem

Washington . Der Generalsekretär der Vereinten Nationen , Trygve Lie hielt eine Pressekonferenz ab, in der er erneut an­kündigte, daß in der Sitzung des Sicher­heitsrates die iranische Frage zur Sprache kommen wird. Andere Themen der vorläu­figen Tagesordnung seien, erklärte der Ge­neralsekretär, die technischen Fragen des Verhandlungsv erfahren« im Sicherheitsrat und im Militärausschuß, der ebenfalls in New York Zusammentritt. „Wir wissen, so sagte er vorher, daß es Meinungsverschie­denheiten zwischen den Großmächten gibt. Differenzen bestehen auch in den Interessen. E« ist die erste Aufgabe der Vereinten Na­ tionen . zu verhindern, da§ diese Differen­zen zu einem bewaffneten Konflikt zwischen den Nationen werden. Wir wissen, daß diese Aufgabe schwierig sein wird. AbeT ich möchte heute sagen: Wir haben die feste Absicht, den Frieden zu bewahren und ich bin überzeugt, daß es uns gelingen wird."

Nach den letzten Nachrichten werde die Sowjetunion in der Sitzung des Sicherheits­rates durch den sowjetischen Botschafter in Washington , Andrei Gromyko und Groß­ britannien durch Sir Alexander Cadogan vertreten sein.

Ergebnis der italienischen Wahlen

Rom . In der ersten Etappe der italieni­ schen Gemeindewahlen am 10. März erhiel­ten die Christlichen Demokraten 2588 Stadt­ratssitze und führen in 135 Gemeinden. — Die Sozialisten und Kommunisten gewan­nen 2421 Sitze und damit die Mehrheit in 129 Gemeinden. — Mittelparteien erhielten 789 Sitze, unabhängige und örtliche Grup­pen 719 Sitze.

kulisse zur freuderfüllten Feststadt erhob. Zehntausende füllten den Prinzipalmarkt und den Domplatz, die Schauplätze der nachmit­täglichen Feierstunde. Die Fahnen der Kirche, der Stadt und des Landes flatterten im leich­ten Wind, bunte Wimpelgirlandep hingen zwischen Ruinen. Als die markante große Erscheinung des Bischofs im prachtvollen Pur­pur seinen Einzug hielt, erhoben sich viel­tausendfältige freudige Begrüßungsrufe. Auf einem Podium vor der zerstörten Lamberti­kirche begrüßte der Oberbürgermeister von Münster , Dr. Zuhom, als Dolmetsch der Be­völkerung mit Worten der Freude und des Dankes den zum Ehrenbürger der Stadt er­nannten Kardinal, der in seiner Antwort der Freude über den großartigen Empfang Aus­drude gab und warmherzige Hirtenworte an seine Zuhörer richtete. Segnend zog der Bischof zum Domplatz, wo im sogenannten .„Paradies" des ebenfalls zerstörten Domes eine kirchliche Feier stattfand.

Der plötzliche Tod Kardinals Clemens Au­ gust Graf von Galen wird als schmerzlicher Verlust nicht nur im katholischen Volke, sondern weit darüber hinaus in allen deut- ssb Bevölkerungskreisen empfunden.

STREIFLICHTER

»

Schon länget sind die Gestade des Bo­densees oder die Schwairzwaldhöhen Anzie­hungspunkte für Fremde gewesen. Gern nahm man sie auf, die gut zahlenden Gäste, und ungern sah man sie scheiden. Unlängst jedoch kam mancher Fremde in diese Ge­gend, vom Strudel des Krieges an Land hiei gespült. Manch unglückliches Opfer der Zeit ward hierher verschlagen. Aber es gibt auch andere „Verschlagene". All diese Fremden sind heute nicht gern gesehen. Die eine Sorte nicht einmal zu unrecht. Sie suchten ihre Zuflucht hier ebenso, wie in Tirol oder in Holstein. Manchen guten Fischzug hat man inzwischen unter ihnen gemacht und mancher gefährliche Bursche zappelt im Netz. Aber nicht jeder Fremde ist Bonnann oder ein heimlicher Hitler. Nicht jeder, der zu uns kam, ist uns wesensfremd Keine neue Rassenlehre wollen wir pflegen, nach­dem eine andere endlich fiel und die Pa­role: Bayern den Bayern und Baden den Badenern glossierte man schon vor einem Jahrhundert: In der Fremde treffen rieh

Wanderburschen erfreut, dieselben Mutter­laute zu hören. Doch plötzlich trennen rieh ihre Wege, verschiedenen Nationen gehö­ren sie zu: Lippe-Schaumburg der eine, Lippe-Detmold der andere. An diese alten Zeiten denkt man zurück, wenn Amtsstuben dekretieren, nur Badener von Geblüt dür­fen in Staat oder Gemeinde Anstellung fin­den, „fremdländische" Deutsche sind nur für untergeordnete Stellen geeignet. Wirtschaft­liche Unternehmungen folgen dem Beispiel, und wenn das so weitergeht, erzeugt jedes Städtchen seinen Caruso und verbannt einen Goethe, weil er nicht aus Krähwinkel, son­dern aus Frankfurt stammt. Aber es gibt noch eine andere Seite der Sache: Ueberall schalten und walten „unersetzliche Fach­leute”, für gewisse Kreise willkommener Vorwand, sich nicht von den — ach — so geliebten Braunhemdenträgern trennen zu müssen. Neben ihnen sitzt vielleicht in be­scheidenster Lage der wirkliche Fachmann mit weißer Weste, doch ist er ein Fremder. Bald wird er sein kleine« Bündel ergreifen und dann vor den Ruinen der alten Heimat und seines alten Wirkungskreises stehen. Wer ist uns lieber? Der anständige Fremde oder jener Landsmann, der, genau besehen, uns innerlich sehr viel mehr Fremdling ist? Schon kommt man aus anderen Zonen, wirk­liche Könner und ehrliche Hüter der Zu­kunft mit der Laterne zu suchen, woher auch immer sie stammen mögen. Sollen wir sie uns weghamstern lassen, nur, weil irgend­wer Kirchturmspolitik treibt oder gar Sabo­tage? Ki.

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Da wir gerade beim Hamstern sind: Ham­sterer sind keine Hamster. Hamster bergen die Ueberfülle einer guten Zeit für schlech­tere Zeiten. Joseph in Aegypten war kein Hamsterer, sondern ein weiser Mann, als er in den sieben fetten Jahren für die sieben mageren Vorräte stapelte. Hamstern verhält 6ich zum Schleichhandel ähnlich wie Mund­raub zum Diebstahl. Doch ist ein „Aber" da­bei: Denn Mundraub, das setzt doch voraus, daß ein armer Schlucker vom Reichtum des anderen seinen Hunger stillt. Dieser andere aber ist, recht besehen, nicht der, bei dem er hamstert, sondern — das ganze Volk, und das ist ja bitter arm. Der Hamsterer hat eine soziale Funktion, meinen manche: Er eist das los, was mit anderen Mitteln 60 nst nicht zu holen. Von Amts wegen sollte man dann geschulte Hamsterkolonnen hinaussenden ins Land. Sie würden bemerken, wo und wie es was gibt: Aus Nächstenliebe teilt mancher sein Brot mit dem hungernden Bruder. Das wird ihm niemand verübeln und manche Werdens ihm danken. Gewiegte Hamsterer reisen, Berufsbettlem ähnlich, auf „Tränen- drüsen-Tour". Gutmütigkeit nützen sie aus, „Kompensationsgeschäfte" machen andere, nüchtern, sachlich, mit großer Kunst der Ueberredung. Von wieder anderen berichtet die. „Ruhrzeitung" Dortmund : „Allzuviele Bauern sind bereit, ihre Produkte unter Hint­ansetzung ihrer Ablieferungspflicht abzuge­ben, wenn nur der Hamsterer die begehrten Tauschobjekte hat. Es ist Tatsache, daß viele Ruhrgebietsbewohner sich systematisch von allen nur irgend entbehrlichen Kleidungs­stücken, Bett- und Tischwäsche, Wertgegen­ständen trennen, nur um sich in den Besitz von Nahrungsmitteln zu setzen", Sind dort, im Bombengebiet, die Rollen vertauscht? Wer ist hier, eigentlich, Hamsterer? — Rech­net man alle menschlichen Tugenden und Schwächen ein, dann hat jenes Experiment vielleicht manches für sich, mancherorts ver­sucht, anscheinend nicht ohne Erfolg: Alles, was über das Ablieferungssoll hinaus er­zeugt wird, kann auf dem staatlich kontrol­lierten freien Markt zu Ueberpreisen ver­kauft werden. Vorausgesetzt, es herrscht all­gemeiner Mangel an Waren und Geld, und es ist für soziale Gerechtigkeit genügend ge­sorgt, bedeutet das: Ansporn für den Bauern, mehi’ zu erzeugen, Ansporn auch für den ab­gedankten oder nunmehr legalen Hamsterer, mehr oder besser zu arbeiten, um mehr zu verdienen, um mehr sich kaufen zu können. Einer jedoch wird schwer auszurotten sein: der Hamsterer aus Leidenschaft, der, dem Schmuggler gleich oder dem Spieler, da« Abenteuer liebt... F.

Göring im Kreuzverhör Rudenkos

Der Verteidiger von Heß beginnt seine Beweisführung

Russland räumt Iran und Mandschurei

London : „Ende der Krise“

Kardinal Graf von Galen gestorben