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SUD KURIER

Nr. 73 / 14. Mai 194«

Deutschland im Schweizer Außenhandel

Von unserem Schweizer Wirtschafts-Korrespondenten

Der nunmehr vorliegende Bericht über die Entwicklung der Schweizer Ein- und Aus­fuhr im ersten Quartal 1946 läßt durch den Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres erkennen, wie sehr sich die Verhältnisse zwischen Krieg und Frieden für unser Nachbarland bereits geändert haben. Während im letzten Kriegsquartal, als Deutschlands Lieferungen auf ein Mini­mum zusammengeschrumpft waren, der Wert der Einfuhr trotz drei- bis vierfacher Grundpreise nur noch 99 Millionen Fran­ken betrug, sind es diesmal bereits 802 Millionen Franken, da auch die Einfuhr­menge sich mehr als verzehnfacht hat. Auf der Ausfuhrseite ist der Sprung zwar nicht ganz so groß, aber immerhin erhöhte sich der Wert der exportierten Güter von 200 auf 527 Millionen Franken. Der Passiv­saldo der Außenhandelsbilanz von rund 275 Millionen braucht keine finanziellen Bedenken auszulösen, solange die Versor­gung mit knapp gewordenen Importgütern für die Wirtschaft wichtiger ist als die auf­zuwendenden Devisen. Außerdem verfügt die Schweiz bekanntlich aus früheren Export­überschüssen über mehr als 5 Milliarden blockierter Gold- und Devisenreserven al­lein in den Vereinigten Staaten .

Während der Außenhandel der Schweiz mit dem gesamten Ausland seit Kriegsende eine deutliche Anschwellung zeigt, will das Geschäft mit Deutschland noch nicht wieder einsetzen. In Statistiken ist im Augenblick nicht zu merken, daß Deutschland von Na­tur aus der wichtigste Partner im Schwei­ zer Außenhandel ist und bis Kriegsende auch geblieben war. Knapp 4,3 Millionen Franken ist der ganze Wert der Einfuhr aus Deutschland im ersten Quartal 1946, und nur für 0,6 Millionen Franken hat in diesem Zeitraum die Schweiz Güter an Deutschland geliefert. Dazu muß berück­sichtigt werden, daß in der deutschen Aus­fuhr nach der Schweiz auch noch Güter ent­halten 6ind, die bereits vor Kriegsende in schweizerische Zollfreilager verbracht wor­den waren, und daß außerdem die beidsei­tigen Ziffern auch solche Güter erfassen, die zu Zwecken der Veredlung aus der Schweiz nach Deutschland und wieder zurück geliefert wurden. Das für beide Teile Un­befriedigende der Entwicklung wird aber vor allem durch die Tatsache unterstrichen, daß der Güterverkehr sozusagen auf einer Einbahnstraße vor sich ging, indem der deutschen Ausfuhr auf Schweizer Seite nur ein Bruchteil gegenüberstand. Wenn man den kleinen Grenzverkehr von landwirt­schaftlichen Produkten zwischen der Schweiz und der Enklave Büsdngen abzieht, bleibt praktisch überhaupt keine echte Schweizer Ausfuhr nach Deutschland mehr übrig.

Liegen die Gründe für die Gesamt-

Offene Tür zur

Die Mustert

Unter den europäischen Messen hat sich die Schweizer Mustermesse in Basel be­reits seit langen Zeit einen Ehrenplatz ge­sichert. Nicht nur ihre Organisation gilt als vorbildlich, sondern sie hat auch stets dem tieferen Sinn des Messegedankens eine Prägnanz verliehen, die ihr die Achtung der Welt eingetragen hat. Ihrem Ziel, völker­verbindend zu wirken, hat auch die dies­jährige Mustermesse eine besondere und gerade in der heutigen Zeit bemerkens­werte Betonung gegeben.

Schon der Eröffnungs- und Pressetag ließ diese Weltoffenheit erkennen. Nahmen doch an ihm neben hunderten Schweizer Presseleuten bereits 57 Vertreter der aus­ländischen Presse aus Frankreich , England , Amerika , Belgien , Holland , Luxemburg . Schweden , Norwegen , Tschechoslowakei und Deutschland teil. Die internationalen Mes­sen von Paris , Lyon , Stockholm , Utrecht , Barcelona und Prag hatten sich durch eigene Stände beteiligt. Eine Reihe von ausländi­schen Delegationen, unter denen Frankreich hervorzuheben ist, beehrte die Muster­messe mit ihrem Besuch. Hinzu kommen zahlreiche Kaufleute aus den meisten euro­ päischen und vielen überseeischen Ländern. Trotz ihrer bisherigen nationalen Bescfaik- kung hatte die Mustermesse in Basel so ein internationales Gepräge. Künftighin wird sich dasselbe noch mehr verstärken! denn die seit längerer Zeit bestehenden Absichten einer Intemationalisierung der Mustermesse auf breiter Basis sollen mit der nächstjährigen Veranstaltung realisiert werden. In das große Weltwirtschaftspro­gramm Basel fügt sich auch die Abhaltung einer internationalen Pelz- und Ledermesse, die 6chon für den Herbst vorbereitet wird.

Die bisherige Entwicklung der Muster­messe eröffnet diesen Plänen günstige Aus­sichten. Hat sich doch die Ausstellerzahl innerhalb des letzten Jahrfünft fast verdop­pelt. Die überdeckte Ausstellungsfläche hat mit 14 Hallen den stattlichen Raum von 81 000 qm erreicht Von jeher hat die Mu­stermesse in Basel größten Wert auf klare Uebersichtlichkeit gelegt Diesem Aufbau­prinzip ist man auch bei der neuerlichen Ausdehnung, die heute noch keineswegs ab­geschlossen ist, treu geblieben.

In der ersten Halle befanden sich die ge­schmackvollen Stände der weltbekannten schweizerischen Uhrenindustrie. Es folgte die gegen früher erheblich erweiterte Tex­tilmesse mit der Schuh- und Lederwaren­messe, der sich die bedeutenden Gruppen Chemie, Elektrizität und Metallbearbeitungs­maschinen anschlossen. Weiter seien ge­nannt: die Gruppe Keramik und Kunst­gewerbe, die Schweizer Bücherschau und die Ausstellung für den Fremdenverkehr, die Gruppen Gas, Beleuchtung und Aluminium, die Bau- und Möbelmesse, die Gruppen Büro und Geschäft, Papier, Graphik, Ver­packung, Werbung, die Gruppen Hauswirt­schaft, technischer Industriebedarf, Fein­mechanik. Optik, Photo, medizinische und physikalische Apparate und Nahrungsmittel.

Schrumpfung des Güteraustausches in den Rückwirkungen der Besetzungspolitik auf die deutsche Außenhandelswirtschaft, die notwendigerweise auf die Tribut- und Ent­schädigungsleistungen an die Sieger ausge­richtet ist, so gilt das im besonderen für das Ausbleiben der Einfuhr aus der Schweiz . Sicher ist, daß die Kaufleute auf beiden Seiten sich sehr anstrengen, um we­nigstens einigermaßen die alten Geschäfts­beziehungen aufrechtzuerhalten. Sicher ist auch, daß auf beiden Seiten nicht nur Nach­frage nach den Gütern des Nachbarlandes besteht, sondern wenigstens auch kleine Warenposten für die Ausfuhr aus Deutsch­ land verfügbar gemacht werden könnten! aber die Verhältnisse scheinen vorläufig mächtiger zu sein als die Wünsche der Be­teiligten. Die entscheidende Voraussetzung für die Steigerung der Einfuhr aus der Schweiz wäre die Verfügungsberechtigung über die bei der Ausfuhr entstehenden De­visenerlöse. Da die Reichsmark keine international verwertbare Währung mehr ist und auch direkte Tauschgeschäfte zwi­schen privaten Handelsfirmen im allgemei­nen ausgeschlossen sind, bestehen vorläufig für eine Erholung des deutsch -schweizeri­schen Geschäfts nur geringe Aussichten. Bekanntlich schließen auch die Anordnun­gen der Militärregierung der amerikanisch besetzten Zone die Ausfuhr nach neutralen Ländern wie Schweiz und Schweden grund­sätzlich noch aus.

Eine Uebersicht über die Gliederung der deutschen Ausfuhr in die Schweiz zeigt, daß die auf Grund einzelner Abschlüsse ausge­führten Güter zu den gleichen Gruppen ge­hörten wie in normalen Zeiten. Mit einer Million Franken stehen denn auch Stein­kohlen (aus dem Sargebiet) an der Spitze der kümmerlichen Liste, gefolgt von Holz mit 0,73 Millionen Franken auf Grund eines Kompensationsvertrages gegen elektrische Energie. Textilien erreichten hauptsächlich durch Lieferung von Zellwollgarnen einen Wert von 0,68 Millionen Franken, Maschi­nen und Ersatzteile erscheinen mit 0,53 Millionen Franken, Eisenwaren mit 0,30 Millionen Franken, Farben und Chemikalien 0,28 Millionen Franken.

Es liegt im übrigen in der Natur der Ver­kehrsverhältnisse, daß im gesamten deutsch­schweizerischen Güteraustausch die süd­liche Grenzzone (abgesehen von den Saar­kohlen) das Hauptgeschäft stellt, für das im schweizerisch -französischen Wirtschafts­abkommen eine provisorische Ordnung ge­schaffen worden war. Dieses Grenzzonen­geschäft dürfte denn auch die Grundlage für eine erhoffte Belebung nach Ueberwindung der gegenwärtigen Erstarrung bilden, und seine Pflege liegt daher im Interesse aller Beteiligten.

Weltwirtschaft

esse in Basel

Eine besondere Attraktion bildete der Mode­pavillon „Cröation", in dem führende Ex­portfirmen der Textilindustrie ihre Schöp­fungen zur Schau stellten.

Die ausgestellten Erzeugnisse waren Qua­litätsleistungen. Man kann hier von einer Formvollendung sprechen, die geradezu er­staunlich ist. Die Schweiz hat unter Beweis gestellt, daß ihre Warenproduktion durchaus weltkonkurrenzfähig ist. Das war auch der geschäftliche Zweck der diesjährigen Mu­stermesse mit ihrem besonders betonten 6xportcharakter. Die hieran geknüpften Er­wartungen dürften sich in vollem Umfang erfüllt haben.

Die Messefreudigkeit der Schweizer , die sich sowohl in der starken Ausstellerbetei­ligung (500 Anmeldungen konnten wegen Raummangel trotz der Vergrößerung und Neubauten nicht berücksichtigt werden) so­wie in dem äußerst lebhaften Messebesuch von ca. einer halben Million ausdrückt, läßt erkennen, daß man der Wirtschaftsführung des Landes willig Gefolgschaft leistet. Der erst vor kurzem neu gewählte Messepräsi­dent Regierungsrat Wenk betonte in einer Ansprache auf dem Festbankett, daß es das Bestreben der Schweiz sei, die Verständi­gung aller Völker durch Aufbau und Aus­bau der wirtschaftlichen Beziehungen zuein­ander zu fördern. Die Messe in Basel sei sich der Bedeutung ihrer vermittelnden Rölle bewußt und werde sich für dieses Ziel mit größter Kraft und Liebe einsetzen. Zweifellos kann die erste Friedensmesse in Basel als ein wertvoller Beitrag für den Wiederaufbau einei aus den Fugen gerate­nen Wirtschaftswelt gelten.

Bruno Abendroth

USA -Finanzlieferungen an Polen

In einer gemeinsamen Erklärung des Staatsdepartements und der Export-Import­bank wurde erklär, daß Polen eine Anleihe von 40 Millionen Dollar zum Ankauf ameri­kanischer Industrieprodukte erhält und dar­über hinaus aus amerikanischen Heeres­beständen in Europa Einkäufe im Werte von 50 Millionen Dollar vornehmen kann. Die amerikanischen Güter, die auf Grund dieser Anleihe von Polen erworben werden, sind Lokomotiven und Güterwagqons für den Transport von Kohle. Dieses Abkommen er­folgte nach einer ausdrücklichen Versiche­rung de6 polnischen Botschafters Dr. Oskar Lange, daß Polen freie Wahlen abhalten und eine Wirtschaftspolitik verfolqen würde, welche die amerikanische Geschäftswelt al­len anderen Naioneo im Verkehr mit Polen gleichstem.

Die USA wollten ihr Anerbieten zu diesen Kreditlieferungen wieder zurücknehmen, da die polnische Zensur einen Artikel aes Korrespondenten der Associated Preß übe eine Rede des polnischen Arbeitsministers Stanczyk zurückwies. Diese Handlung wurde als Verletzung des polnischen Versprechens zur Abhaltung freier Wahlen und des Rech­tes freier Berichterstatter der ausländischen

Presse angesehen. — Inzwischen hat die polnische Botschaft erklärt, daß ihre Regie­rung bereit sei, die ffir die Gewährung der Anleihe gestellten Bedingungen der Ver­einigten Staaten einzuhalten.

Kurzmeldungen

Am 2. Mai wurde in München die deut­ sche Meietersthule für Mode wiedereröffnet.

Der Kunst- und Kunstgewerbeverein in Pforzheim wurde mit Genehmigung der Mi- litärregderung wieder zugelassen.

Die Schiffewerften von Blom & Voß, die u. a. den Passagierdampfer „Europa " bau­ten, werden von englischen Pioniertruppen vollständig zerstört werden.

Die deutschen Rheinschiffahrtsgesellschaf­ten werden aus ihren Kartellen herausgelö6t und ihre Guthaben werden auf Zurücker- staftungs- oder Reparationskonto überführt werden.

Die Klangglockengießerei J. F. Weule in Bochenetn am Harz stellt seit bald einem Jahr als einziger Betrieb in Deutschland neue Glocken aus bombenzerirümmertem Stahlschrott her. Für die nächsten 14 Mo­nate liegen bereits Aufträge für 268 Pfarr- gemeinden aus allen vier Besatzungszonen vor.

Der Senat der Vereinigten Staaten billigte mit 46 gegen 34 Stimmen die Anleihe für Großbritannien in Höhe von 3,75 Mrd. Dol­lar.

Der kanadische Senat billigte die Anleihe für Großbritannien in Höhe von 1,25 Mrd. Dollar.

Für den kürzlich verstorbenen Lord Key- nes wurde der britische Schatzkanzler Bugh Dalton zum Gouverneur des Internationalen Währungsfond und der Internationalen Wie­deraufbaubank bestimmt.

Eine Weltausstellung, die alle bisherigen Veranstaltungen dieser Art übertreffen soll, ist für das Jahr 1951 in London geplant

Die britische Eisen- und Stahlindustrie bat ein umfangreiches Programm für Ersatzbe­schaffung und Produktionsaustoau vorgelegt, das sich über einen Zeitraum von 7'/t Jah­ren eistreckt, und die Leistungsfähigkeit der Eisen- und Stahlerzeugung um 40% stei­gen soll.

Eine Delegation französischer Kohlensach­verständiger ist in Warschau eingetroffen um wegen eines Abkommens über den An­kauf von monatlich 80 000 t polnischer Kohle zu verhandeln.

Ein ausgedehntes Kohlenlager ist im Nord­westen der Ukraine entdeckt worden und wird zur Zeit durch Geologen geprüft.

Institut für Wirtschaftsforschung

Das Institut für Wirtschaftsforschung — früher Institut für Konjunkturforschung — setzt in Berlin-Dahlem seine wissenschaft­liche Arbeit fort. Zum Präsidenten und er­sten Vorsitzenden ist Dr. Friedensburg be­rufen. —, Aufgabe des Instituts ist die wis­senschaftliche Untersuchung der gegenwär­tigen wirtschaftlichen Probleme, darunter Fragen der Währung und des Umfangs der Kriegsschäden sowie Probleme des Bevölke- rungsaufbaus und des neuen Wirtschafts-

| planes, Untersuchung der Exportmöglichkeit | und der Konkurrenzfähigkeit Deutschlands unter Berücksichtigung der einschlägigen Produktion.

Bevollmächtigter für Ernährungsfragen

Der ehemalige Reichsemährungs- und Landwirtschaftsminister der- Weimarer Re­ publik Robert Dietrich wurde vom Länder­rat in Stuttgart zum Sonderbevollmächtig­ten für die Ernährungefragen in der ameri­ kanischen Besazungszone ernannt.

*

Ueber die Getreideimporte eiklärte Gene­ralleutnant Clay, daß im April weit weniger als die angesetzten 50 000 t angekommen seien. Im Laufe des Aprils seien insgesamt 77 000 t Nahrungsmittel in Bremen einge- troffen. Von 32 000 t Brotgetreide wurden 24 000 t als Vengütung für andere Nahrungs­mittel in die französische Zone gesandt.

Ein sofortiger Besuch des Lordpräsidenten des britischen Kremrats Morrsion, beim Prä­sidenten der USA soll der Auffindung wei­terer Mittel und Wege zur gemeinsamen Ueberwindung der gegenwärtigen Ernä’h- rungskrise dienen. Besonders die akute Le- bensmittelknappheit in Indien , in den UNRRA -Ländem, in den westlichen Zonen Deutschlands und in Teilen von Südostasien mache diese Reise erforderlich.

In England wird die Ausmaihlguote für Mehl, die am 10. März auf 85 % festgesetzt wurde, vorübergehend auf 90 % erhöht. Die Herstellung von Gebäck wird um 25 % ein­geschränkt.

Sportdienst des Südkurier

Badens Fußballelf 2:1 (1:0) geschlagen

Ueberraschender Württemberger Sieg — Die badische EU entsprach nicht den Erwartungen

Württemberg : Breteinger (Sulz a. N.)i Mün- zinger (Pliezhausen ), Hechler (Tübingen ): Klaiber (Pfullingen ), Sdimid (Schwenningen ), Ziebach (Reutlingen ) i Weippert (Tübingen ), Weiler (Tübingen ), Vögele (Friedrichshafen ), Amann (Tailfingen ), Schöller (Reutlingen ). Badische Mann­schaft: wie gemeldet. 12 000 Zuschauer in Tübin­ gen . Torschützen für Württemberg : Vögele und Schöller, für Baden : Liechty. Schiedsrichter: Rein­hard-Stuttgart.

Wie sehr vorgefaßte Meinungen auch im Sport illusorisch sein können, bewies das Tübinger kleine Länderspiel zwischen Baden und Württem­ berg , bei dem man in beiden Lagern auf einen badischen Sieg tippte. Daß es dann aber anders kam, lag zum Teil an der unerwartet guten Gesamtleistung der Württemberger. Das Spiel war fast immer von einer starken Spannung getragen und stand zuweilen auf einem beacht­lichen Niveau. Badens Mannschaft war trotz der Niederlage nicht gerade eine Enttäuschung. Als sie in der zweiten Halbzeit zu dem ihr eigenen Spiel auflaufen konnte, lieferte sie eine absolut überlegene Partie, die bei etwas mehr Drude und Zusammenhang der Stürmerreihe trotz des Zwei- Tore-Rüdcstandes noch mit zwei bis drei Toren Unterschied hätte gewonnen werden können.

Anders geartet war die erste Halbzeit, während der die badische Elf bis auf vereinzelte Vorstöße nicht zum Zuge kam und mit Hangen und Bangen gerade noch mit 0:1 über die Pause, kam. So war nicht nur das Endresultat allem die Ueber- raschung des Tages, sondern auch der Umstand, daß Baden , eingeschnürt in seine Hälfte, während des ersten Spielabschnittes eine ausgesprochene Defensivpartie leisten mußte.

Ohne auf den Spielverlauf näher einzugehen, der, wie gesagt, zwei verschiedene Hälften sah. wollen wir doch auf einen Uebenrlick über die Leistungen der Spieler nicht verzichten. Das Glanzstück der badischen Elf war die Läufer­reihe und hier vor allem Pfaff (FC Konstanz), der als dritter Verteidiger um jeden Fußbreit Boden kämpfte. Durch die steten schwäbischen Angriffe der ersten Hälfte blieb für den Aufbau in dieser Zeit nicht mehr allzuviel übrig, dies aber dann um so mehr in der zweiten Halbzeit.

In der Verteidigung zeigte Zeltner eine ab­gerundetere Leistung als Kramer, und Vöttiner im Tor hatte Glück und Pech zugleich. Am meisten enttäuscht hat uns die Fünferreihe, die wohl zu kombinieren verstand, aber keinen ge­sunden Torschuß zeigte. Besonders Liechty schien nicht seinen besten Tag zu haben und auf ihn hatte man doch so stark gesetzt. Andererseits muß der badischen Stürmerreihe zugute gehalten werden, daß die schwäbische Abwehr in ihren Akttonen nicht nur massiv, sondern auch um­sichtig operierte. Die Elf Württembergs hatte genau wie die badische zwei verschiedene Halb­zeiten. Dennoch war die Mannschaft wohl für alle eine angenehme Ueberraschung. Die Elf legte zwar im Gegensatz zu Baden weniger Wer*, auf Technik und spielerische Feinheiten, aber dafür waren ihre überraschenden Steilangriffe jedesmal mit einer akuten Gefahr verbunden.

Ausgezeichnet waren der Torhüter und die beiden Verteidiger, Schmid als Mittelläufer und im Sturm vor allem Vögele und Weippert. wh.

Süddeutsche Fußballmeisterschaft

Ergebnisse vom 12. Mal: FSV Frankfurt — VfB Stuttgart t :3. FC Schweinfurt — FC Nürnberg 0:1 Schwaben Augsburg — 1860 München 4:2, Sv Waldhof — Eintracht Frankfurt 2:3 (!), Stutt­ garter Kidcers — BC Augsburg 4:0, SpVgg Fürth — Offenbacher Kickers 3:t. Bayern München — Karlsruher FV 6 0, Phönix Karlsruhe — VfR Mannheim 3:2. — Der FC Nürnberg führt nun bei 24 Spielen mit 36 Punkten vor VfB Stutt­ gart , das bei 25 Spielen ebenfalls 36 Punkte aufweist Schwaben Augsburg folgt an dritter Stelle mit 24 Spielen und 34 Punkten vor den Stuttgarter Kickers 25 Spiele und 32 Punkte, SV Walrihof 24 Spiele und 31 Punkte, Bayern München 25 Spiele und 28 Punkte und FC Schweinfurt 24 Spiele und 26 Punkte

Fußhall-Ländersoiele

England — Schweiz 4:t (0:0). 75 000 Zuschauer waren am Samstag im Londoner Stamford Bridge- Stadion Zeuge des großen Fußball-Länderspiels England — Schweiz , das nach torloser erster Halbzeit mit einem verdienten .englischen 4:1-Sieg endete Die Engländer beherrschten in den ersten 45 Muiuten das Feld ziemlich souve­rän. die Angriffsp'eler aber fanden das Tor nich* Die Schweizer konnten in dieser Zeit durch die unaufhörlichen Offensivaktionen der Briten nie recht zu ihrem gewohnten Spiel kommen. Sehr bunt verlief die zweite Halbzeit, in der alle fünf Tore geschossen wurden. Den Anfang mach­ten zu aller Ueberraschung die Schweizer in der zwölften Minute, als PriedländeT seine Mann­schaft mit 1:0 in Führung brachte. Die Reaktion der Engländer war wuchtig. Das ganze Stürmer- _ quintett spielte nun ausgesprochen auf Erfolg. Tatsächlich führte in der 19. Minute Carter den Ausgleich herbei. In der 28. Minute brachte Brown seine Mannschaft mit einem Kopfballtor in Führung. Lawton stellte nach Rassischer An­griff svorbereitung mit Prachtschuß das 3:1 her. Fünf Minuten vor Schluß ergab etn Zusammen­spiel Carter-Brown-Carter durch letzteren das letzte Tor. Mit diesem Sieg ist die englische

Nationalmannschaft auf eigenem Boden weiterhin ungeschlagen geblieben, soweit dies die Besuche kontinentaler Ländermannsehaften betrifft

Luxemburg — Schweiz B 0:0. Zum Länderspiel Schweiz — Luxemburg stellte die Schweiz wie üblich die zweite Garnitur, die vor 10 000 Zu­schauern in Luxemburg ein 0:0 erzielte. Das Spiel verlief, dem Ergebnis entsprechend, ziemlich aus­geglichen.

Tschechoslowakei — Jugoslawien 0:2. Mit einem überraschenden jugoslawischen Sieg endete der Länderkampf Tschechoslowakei — Jugo­slawien vor 50 000 Zuschauern in Prag . Mit raschen Einzeldurdibrüchen nach der torlosen ersten Halbzeit kamen die Gäste zu ihrem be­achtlichen Erfolg, obwohl die Platzherren meist überlegen waren.

Holland — Belgien 6:3. In Amsterdam gab es ein torreiches Treffen zwischen Holland und Belgien , das mit 6:3 zugunsten der Gastgeber endete

Ostschweiz — Vorarlberg 0:4. Eine Vorarl­ berger Auswahl schlug in Widnau eine ost­schweizerische Vertretung 4:0.

Kontinent-Gastspiele englischer Liga-Clubs. Die in der englischen Fußballmeisterschaft der Süd­liga an siebter Stelle stehende Mannschaft von Westham United hat ihre Gastspielreise durch die Schweiz mit einem Erfolg in Luzern gestartet. Eine verstärkte Elf des FC Luzern wurde 5:0 (4:0) geschlagen. In Grenchen erzielten die Engländer einen 3:2 (3:0)-Sieg, in Lausanne gar einen 7:1- Erfolg. Die in Belgien weilende Ligaelf von West Bromwich Albion erzielte gegen Anderiecht ein f:l. Der englische Cupsieger Derby County unter­lag in Prag gegen Sparta Prag vor 45 000 Zu­schauern 3:2 (!). — Der FC Kreuzlingen verlor beim SC Innsbruck 4:2.

Meisterschaftsspiele im Ansland. Frank- reich. St. Etienne — Rennes 4:2, Reims — Red Star 4-0, Säte — Cannes 1:0, Racing Paris

— Lyon 1:3, Straßburg — Lille 0:1, Rouen — Metz 4:1, Roubaix — Lens 3:0, Sochaux — Girondins 0:3. Klassement 'nach dem 12. Mai: 1. St. Etienne 30 Spiele, 39 P., 2. Lille 29/38, 3. Reims 31/37, 4. Roubaix 31/36, — Italien : Meisterschafts-Endrunde: Milan — Roma 2:0, Juventus — Livorno 5:1, Bari — Internazionale 1:2, Napoli — Torino 0:2. — Oesterreich: Wiener Meisterschaft: Vienna — FC Wien 3:1, Austria — Wacker 2:0, Helfort — Rapid 2:1 (!). Floridsdorf — Oberlaa 7:3, Wiener Sportklub

— W. A. C. 1:0.

Um den Davis-Pokal

Nach dem ersten Tag des David-Pokal-Treffens Frankreich — England in Paris führten die Franzosen bereits mit 2:0. Pierre Pelizza be­nötigte gegen den Briten Donald MacPhail nur 50 Minuten, um 6:1, 6:2, 6:2 zu gewinnen. Um­strittener war die Partie zwischen Yvon Petra und dem Engländer Derrick Barton; die aber schließlich der Franzose doch mit 6:4, 6:4, 6:3 gewann. Am zweiten Tag wurde der Kampf durch das siegreiche französische Doppel ent­schieden. Die Briten John Olliff / Henry Billing- ton lieferten der franyösäschesn Verbindung M. Bernard / Destremau einen erbitterten Kampf, mußten sich aber doch in vier Sätzen 13:11, 4:6, 7:5. 6:1 geschlagen bekennen. In den beiden letzten Einzelspielen am Sonntag siegte Pierre Pelizza über Barton 6:2, 6:3, 6:1, und Yvon Petra schlug MacPhail 6:0, 6:2, 6:1. Schluß­resultat: 5:0 für Frankreich .

In der Begegnung Belgien — Monaco in Brüssel gingen die Belgier durch einen 6:0-, 6:0-, 2:6-Sieg van den Eynde über Galeppe und einem 6:1-, 6:1-, 6:l-Erfolg von Washer über Landeau 2:0 in Führung. — In Stockholm wurde die Begegnung Schweden — Holland be­reits an den beiden ersten Tagen zum Abschluß gebracht. Nachdem die Schweden in den beiden ersten Einzelspielen erfolgreich blieben und am nächsten Tag auch im Doppel siegten, wurde die Begegnung beim Stand von 3:0 für Schweden abgebrochen. Der schwedische Meister Lennart Bergelin dominierte über den Holländer Van Swol 8:6, 6:4, 7:5, während Torsten Johansson über Rinkei (Holland ) 5:7, 6:4, 6:0, 6:3 erfolg­reich war. Die beiden Schweden gewannen das Doppel 6:4, 5:7, 4:6, 7:5, 6:2. ln den beiden letzten Einzelspielen schlug der Schwede Bergelin den Holländer Rinckel 7:5, 6:3, 6:1. Jo&annson (Schweden ) besiegte Rinckel (Holland ) 9:7, 6:1, 6:1. Schlußresultat: 5:0 für Schweden .

In Kopenhagen gewann China einen Tennis­länderkampf gegen Dänemark mit 4:1 Siegen.

Spanien -Rundfahrt

In der gegenwärtig laufenden Spanien -Rundfahrt war das drittgrößte Tagespensum aller 23 Etappen am Sonntag auf der Strecke von Badajos nach Sevilla (218 km) zu erledigen, Die schwere Prüfung, die von starken Wolkenbrüchen be­gleitet war, führte bald zu einer Sprengung des Feldes. Aber erst 10 km vor dem Ziel, als der bekannte Kletterer Berrendero ausriß und mit Vorsprung zusammen mit seinem Landsmann Rodriguez am Ziel ankam, wurde die Tages­fahrt entschieden. Ergebnisse der Etappe Badajos —Sevilla: 1. Berrendero 7:47,37; 2. Rodriguez (beide Spanien ) jeweils 7:47,37; 3. M. Costa (Spanien ) 7:48,22. Erster Schweizer auf dem zehnten Platz: Theo Perret.

Ungeklärte Lage in der Oberliga

Donaueschingen und Radolfzell spielen unentschieden

augenblicklich

2

24:12

15

2

42:11

14

2

17:14

13

2

42:9

11

5

20:25

9

6

7:29

5

6

7:39

5

8

6:26

0

(1:0). Die

1:0-

SpVgg Gottmadlngen — FC Singen 1:4 FC Konstanz — FC Engen 3:0

FC Donaueschingen — FC Radolfzell 1:1 Eine vorentscheidende Bedeutung für den weite­ren Verlauf der Meisterschaftsspiele in der Ost­staffel der Oberliga hatte die Begegnung FC Donaueschingen — FC Radolfzell Der unent­schiedene Ausgang dieser Kraftprobe macht ehe Lage ungeklärter als zuvor, wenngleich sie einige Hinweise auf der. weiteren Verlauf der Runde zu geben vermag. Noch liegt Radolfzell an der Spitze, nach Verlustpunkten gerechnet aber Ist die Situation des FC Konstan: die günstigere.

FC Radolfzell 10 7 1

FC Konstanz 9 7 0

FC Donaueschingen S 6 1

FC Villmgen 8 5 1

FC Singen 10 4 1

SpVgg Gottmadingen 9 2 1

FC Riela singen 9 2 1

FC Engen 800

FC Konstanz — FC Engen 3:0 (1:0). Die 1:0- Führung des FC Konstanz, nach zirka 20 Minuten erzielt, war lange Zeit stark bedroht von einer Mannschaft, deren bisherige Erfolglosigkeit auf Grund der nun auch wieder in Konstanz ge­zeigten Leistungen rätselhaft bleibt. Eifer, Schnel­ligkeit und harte Entschlossenheit in der Abwehr zeichneten die Gästemannschaft aus, die lange

Zeit überlegen und drauf und dran war, len

Ausgleich zu erzielen. Die ohne zwei für Tübin­ gen abgeordneten Spieler antretenden Konstanzer hatten bezüglich der Schnelligkeit oft das Nach­sehen und der Sturm wetteiferte mit dem gegne­rischen Angriff im Auslassen von Torchancen. Erst in der letzten Viertelstunde' war der be­merkenswerte Widerstand Engens gebrochen, als mit dem zweiten und dritten Tor die Entscheidung gefallen war. Schiedsrichter: Knoblauch-Singen.

SpVgg Gottmadingen — FC Singen 1:4 (1:0). Der FC Singen konnte das Spiel in Gottmadingen mit einem klaren Sieg beenden, obwohl Gottmadingen bei der Pause nicht ganz unverdient noch mit 1:0 in Führung lag. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der einheimische Sturm die besseren Tor­chancen. Nach der Pause schaffte Singen den Ausgleich und diktierte nun auch das Spiel­geschehen. Die Gottmadinger Hintermannschaft mußte schwere Arbeit leisten, konnte es aber auf die Dauer nicht verhindern, daß Singen noch drei Tore erzielte und damit einen verdienten Sieg nach Hause nahm. Erfreulicherweise hatte das Spiel einen anständigen Charakter. Schieds­richter: Bittennann-VilUngen.

i FC Donaueschingen — FC Radolfzell 1:1 (0:0).

! Die Platzelf mußte gegen den spielstarken Gegner ! mit vier Ersatzleuten antreten, und man gab ihr . daher wenig Chancen. Ueberraschenderweise aber : fand sich Donaueschingen recht gut und gab einen I gleichwertigen Gegner ab. Die schnell durch- 1 geführte, abwechslungsreiche Partie verlief bis zur ; Pause torlos. Gleich nach Wiederbeginn erzielten ; die Gäste das Führungstor, das jedoch im Gegen­zug von Donaueschingen ausgeglichen wurde. Radolfzell war ein spielerisch guter und fairer Gegner.

Die Spiele der Einheitsklasse

Von den Spielen der Einheitsklasse Hegen nur Teilergebnisse vor. In der Gruppe I feierte Bahnfrei Konstanz nach einer Halbzeitführung von 1:0 einen klaren 4:0-Erfolg Die 2. Mann­schaft des FC Konstanz mußte sich vom SV Wollmatingen eine 1:0-Niederlage gefallen lassen, nachdem die Partie bis kurz vor Schluß 0:0 stand. — ln der Grfppe HI holte der sieg­gewohnte FC Stockach beim FC Zizenhausen einen klaren 5:1-Sieg heraus, der bei der Pause mit 4:1 schon ziemlich feststand. Noch deutlicher gewann der FC Markdorf gegen Meßkirch 8:2 (3:1). — Aus der Gruppe IV wird ein 3:2 (2:0)-Sieg von Möhringen in Blumberg gemeldet

— Eisenbach bezwang in der Gruppe VI die 2. Mannschaft des FC Donaueschingen auf deren Platz mit 5.2.

Fußballergebnlsse vom Sonntag-. FC Waldshut

— FC Tiengen 5:1, SV Zizenhausen II — FC Stockach II 1:4, Säckingen — Brennet 2:0, Sädcin- geo II — Fahrn au II 7:10, Donaueschingen Jgd.

— Radolfzell Jgd. 1:1, Gottmadingen Schüler

— Arien Schüler 1:3, Bahnfrei Konstanz Jgd .— Hilzingen Jgd. 3:0, Blumberg Jgd. - Möhringen Jgd. 3:1, FC Konstanz Jgd. C II — Engen Jgd . C 3:0 (bei Halbzeit abgebrochen), Wangen — Biberach 0:3, Wangen AH — Biberach AH 1:1.

Handball: Gruppe B Rundenspiele: Balmfrei Konstanz — Riela singen 13:4 (4:3) i Radolfzell — Gottmadingen 7:2, Rheinfelden — Sädungen 4:6.

Genehmigungspflldit für Freundschaftsspiele. Die diesbezügliche Notiz des Sportbeauftragten A. Bader in Nr. 72 vom 10. Mai hat für den gesamten Bezirk Konstanz Gültigkeit.

5UDKURIER

Verantwortlicher Redaktionsausschuß: Hermann Fiebing, Hermann Dörflinger, Rudi Goguel , Karl Großhans (i. V. Dr. Robert Winzer), Friedrich Munding. — Verlag: Südkurier-Verlag. — Druck: Druckerei Konstanz, Pitchmarkt 5.