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'werden müssen, und daß privat wohnende Ausländer keinen Anspruch mehr auf Son­derbevorzugung erheben können. Damit wird für solche DP's auch der Zwang zur Arbeit akut.

Es ist bedauerlich, daß gewisse krimi­nelle Elemente ulter den „Verschleppten" durch ihre parasitäre Haltung einen deut­lichen Stimmungsumschwung bei der deut­ schen Bevölkerung ausgelöst haben, der sich — und darin liegt eine gewisse Ge­fahr — gegen die Ausländer insgesamt aus­wirkt. Und es wäre wünschenswert, wenn in den Reihen der DP's selbst diese Ein­

sicht zu einer Ausmerzung der kompromit­tierenden Elemente führen würde.

Die deutschen Antifaschisten, welche die deutschen Konzentrationslager bevölkerten, als man in Deutschland noch nicht an „Fremdarbeiter" dachte, ziehen einen deut­lichen Trennungsstrich zwischen ihren aus­ländischen Kameraden, mit denen sie zu­sammen jahrelang gegen Hitler und das Dritte Reich gekämpft haben, und jenen Rittern de* schwarzen Marktes und der Landstraße, die heute unter einer politischen Flagge segeln und dadurch die gemeinsame Sache diffamieren.

Um einen Ministerweehsel

Erklärungen von Hoegner, Schmitt und Pfeiffer

In einer öffentlichen Versammlung gab Minister Heinrich Schmitt, der Minister für die politische Säuberung in Bayern einen Ueberblick über die Hintergründe seines bereits gemeldeten Rücktritts.

„Diese Hintergründe sind nicht techni- scher Art, sondern absolut politischer Na­tur". Große Schwierigkeiten waren bis zum Inkrafttreten de« Gesetzes zur politi­schen Säuberung zu überwinden. „Beson­dere Schwierigkeiten gab es z. B.", wie Schmitt weiter ausführte, ..bei der Definie- rung des Begriffes „Nutznießer". In dem Augenblick nämlich, wo die Kriegsgewinn­ler und Nutznießer des Naziregimes an ihrer empfindlichsten Stelle, an den Besitz- verhäinissen, getroffen werden sollten,

. setzte der Widerstand verschiedener deut­scher Delegationsmitglieder ein.” Wiederholt seien die Differenzen so tief gewesen, daß die Verhandlungen kurz vor dem Scheitern stan. den. Die Tatsache, daß der jetzige Minister für Sonderaufgaben, Dr. Pfeiffer, wiederholt beim Ministerpräsidenten die Frage erwo­gen habe, ob man die Verhandlungen über­haupt noch fortführen solle, lasse es breite Volkskreise als unlogisch empfinden, daß derselbe Dr. Pfeiffer nun »um Säuberungs­minister ernannt worden sei. „Damals", schloß Schmitt, „wurde mir und meiner Partei dieses Amt mit der Absicht übertra­gen, mir den Strick um den Hals zu legen, an dem ich mich selbst aufhängen sollte. Ich habe den Plan dieser Herren vereitelt, indem ich gemeinsam mit meinen Mitarbei­tern ein Gesetz schuf, das nur auf Gerech­tigkeit fußt und Rache aueschaltet. Ich wollte die Großen hängen und die Klei­nen laufen lassen."

Heinrich Schmitt ist Mitglied der Kom­munistischen Partei, sein Nachfolger Dr. Pfeiffer gehört der CDU an.

Der bayerisch« Staatsminister für Son­deraufgaben, Dr. Anton Pfeiffer betonte bei der Uebernahme seines Amtes, daß er darauf 6ehen werde, da« Problem der politischen Säuberung ganz aus dem partei­politischen Kampf herauszunehmen, dar­über hinaus sollen alle demokratischen und aufbauwilligen Kräfte in gleicher Weise zum Dienst an der Gerechtigkeit und Wahrheit eingesetzt werden. Die Hälfte der bayerischen Bevölkerung werde von den Ausstrahlungen des Gesetzes zur poli­tischen Säuberung irgendwie betrofffen werden. Die z. Z. aber vorgeschriebenen kleinen . Geldstrafen trügen nicht zur ge­rechten Lösung des Problems bei. Sie brin­gen den Säuberungsprozeß nur in Verruf. Er habe sich, so betonte Minister Pfeiffer, erneut cm General Clay gewandt. Das ganze Problem müsse bei intensiver Arbeit inner­halb von 7— 8 Monaten gelöst werden ohne Rücksicht auf Person und Parteizuge­hörigkeit. .

Ministerpräsident Hoegber hatte in einem Schreiben an den früheren Staatsminister Schmitt eine Richtigstellung der für den Rücktritt angegebenen Gründe gegeben. In die­sem Schreiben heißt es u. a.: „Wie Ihnen be­kannt ist, blieben die Leistungen ihres Ministeriums in den letzten Monaten hinter den berechtigten Erwartungen zurück. Der Aufbau der Spruchkammer und der Berufungskammer vollzog sich allzu­schleppend. Schon vor Wochen war ich da­her genötigt, Ihnen aus anderen Ministerien einige meiner besten Beamten zur Verfü­

gung zu stellen. Ich bin weit davon ent­fernt, Ihnen oder Ihrer Partei die Haupt­schuld an dieser Entwicklung zuzuschreiben. Die reaktionären Kräfte, die sich gegen die Durchführung dieses Gesetzes stellten, sind mir sehr wohl bekannt. Sie machten sich aber den Eindruck zunutze, ai « nehme ihre Partei Ihr Ministerium als parteipolitische Domäne für sich allein in Anspruch. Dabei ist es doch wohl ausgeschlossen, da« Ge­setz vom 15. März 1946 ohne die Mitarbeit der größten Partei unseres Landes wirksam durchzuführen. Ich schlug des­halb Ihnen vor, die Leitung Ihres Ministeriums einem Manne der Christlich- sozialen Union zu überlassen, der bei der Beratung an Ihrer Seite mitgearbeitet und sich in der peffentlichkeit 6tets rückhalt­los hinter das Gesetz gestellt hat. Ihre freundschaftliche Verbundenheit mit die­sem Manne, Herrn Staatssekretär Dr. Pfeif­fer, hätte diese Zusammenarbeit zweifellos erleichtert. Leider haben Sie diesen wohl­erwogenen Vorschlag abgelehnt."

Organisationsfehler ?

Die Bauern haben bei der letzten Getrei­deerfassungsaktion ihre letzten Bestände abgeliefert und sind dadurch auf den Be­zug von Brot über Brotbezugsmarken ange­wiesen. Die Ausgabe der Brotbezugsmarken und insbesondere der Aufruf dieser Mar­ken zur Abgabe von Brot ist jetzt in zahl­reichen Dörfern unterblieben. Auf Vorstel­lungen hin wurden die betroffenen Bauern auf die gegenseitige Aushilfe verwiesen. Durch diese Maßnahme sind insbesondere die Kleinbauern, die sowieso nur be­schränkte Erträge zu ihrer Verfügung hat­ten und deshalb noch als Handwerker, Holzhauer oder Fischer tätig sind, hart be­troffen, sodaß eine Abhilfe dringend not­wendig ist.

Neuer Weltflugrekord

London . Der englische Hauptmann Beamont stellte mit seiner Meteor-Ma­schine mit Rolls-Roys-Motor mit 1013 Kilometer Stundengeschwindigkeit einen neuen Weltflugrekord auf. Er überbot damit den im November vorigen Jahres mit einer Maschine gleichen Typs aufge­stellten Geschwindigkeitsrekord von 975 Stundenkilometer und überschritt so zum erstenmal die Tausend - Kilometer - Ge­schwindigkeitsmarke.

Kurz gemeldet

In einer einstimmig gefaßten Entschlie­ßung des Ausschüsse« für auswärtige An­gelegenheiten dankte da« französische Volk dem ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill für seinen Bei­trag zum gemeinsamen Siege. Churchill , der anläßlich dee Jahrestages der französi­ schen Revolution in Frankreich weilte, wird am Mittwoch nach London zurückkehren.

Nach einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur erklärte der norwegische Außenminister, daß Norwegen von Deutsch­ land Reparationen von 40 Milliarden Kro­nen verlangen werde.

Nur noch 300 deutsche Kriegs­gefangene werden nach einer Mittei­lung des Kommandanten des Durchgangs­lagers „Camp Shanks", Oberst Harry W. Man, in den Vereinigten Staaten bleiben.

SCDKUKIEK

Die 5506 Kriegsgefangenen, di« sich jetzt im „Camp Shanks" befinden, werden ln den nächsten Tagen nach Deutschland gebracht werden.

Anderthalb Millionen Postkarten von deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion trafen, wie SNB meldet, im ersten Halbjahr 1946 in Deutsch­ land ein und über eine Million Antwort­karten wurden von Deutschland in die Sowjetunion befördert. Unbestellbare Kriegsgefangenenpost aus der Sowjetunion lagert beim Postamt Berlin NW 40, wo sie jederzeit angefordert werden kann.

Einheitliche KennzeiAien für Kraftfahrzeuge werden demnächst in ganz Deutschland eingeführt werden, wurde durch eine Übereinkunft der vier Besatzungsmächte in Berlin auf Grund eines amerikanischen Vorschlages festge­legt. Gleichzeitig wurde auf amerikani­ sche Anregung hin beschlossen, eine allge­meine Bestandsaufnahme aller Fahrzeuge in den vier Besetzungszonen vorzunehmen.

Der Betrieb der Jugendherbergen, als ehemalige „Stützpunkte nazistischer Mi­litärorganisationen", ist auf Befehl des obersten Chefs der sowjetischen Militär­regierung für Deutschland , Marschal! Soko- lowski, in der sowjetischen Zone verboten worden. Da6 gesamte Eigentum der Jugend­herbergen dieser Besatzungszone ist den Abteilungen „Volksbildung" der deutschen Verwaltung der Provinzen und Länder zu übergeben.

•Nach viertägiger Beratung wurde im Malmedy -Prozeß das Urteil gefällt. Von den 73 Angeklagten wurden 43 zum Tode durch Erhängen verurteilt.

Der Propagandachef des polnischen Außen­ministeriums gab bekannt, daß die neun Personen, die wegen Teilnahme an den Kielcer Judenpogromen zum Tode verurteilt worden waren, durch Er­schießen hingerichtet wurden. Der Kom­mandeur und der stellvertretende Komman­deur der Bürgermiliz in Kielce wurden ver­haftet, Sie werden ebenso wie der bereits vorher verhaftete Kommandeur der Sicher­heitspolizei beschuldigt, bei den Juden­pogromen nicht energisch genug einge­schritten zu sein.

In Alexandrien wurde in einem britischen Unteroffiziersklub während einer Tanzver­anstaltung fünf Handgranaten geworfen, durch die 25 Personen verletzt worden sind.

Die Verluste der chinesischen Armee während des Krieges werden auf 3*/» Millionen Tote geschätzt. Die Gesamt­verluste der Bevölkerung und der Armee werden mit über 10 Millionen beziffert.

Apostolischer Legat für Deutschland

Der „Christliche Nachrichtendienst" ver­öffentlicht, wie Radio Koblenz berichtete, eine Meldung, daß der Papst den amerika­ nischen Bischof Münch zum Apostoli­schen Legaten für Deutschland ernannt habe. Mit dieser Ernennung sol­len keine diplomatischen Aufgaben ver­bunden sein, da keine deutsche Regierung besteht.

Josef Wittig

Professor Josef Wittig , der ehemalige Breslauer Theologe und Dichter, hat sich wieder mit der Kirche ausgesöhnt. Vor we­nigen Wochen war er aus seiner Heimat Neusorge in Schlesien evakuiert worden und lebt nun in der englischen Besatzungs­zone. 1903 zum Priester geweiht, hatte er von 1911 bis 1926 die Professur für christli­ches Altertum und kirchliche Kunst in Bres­ lau inne. Seine 1921 erschienene „Patrolo- gie". begründete sein Ansehen in der wis­senschaftlichen Welt. Der 1922 im „Hoch­ land “ erschienene Aufsatz „Die Erlösten" lenkte die besondere Aufmerksamkeit auf ihn. Außerordentliche, aber schon bald sehr umstrittene Bucherfolge waren „Herrgotts­wissen von Wegrain und Straße" (1922) und „Leben Jesu in Palästina und anders­wo" (1925), die den Einspruch der kirchli­chen Lehrautorität erfuhren. 1926 wurde er nach seiner Verweigerung der Unterwer­fung unter da® Urteil der Kirche exkommu­niziert, ein Teil seiner Schriften indiziert.

Freitag, 19. Juli 1946

■ I*

Akademisches Studium

Gegen Ende des WS. 1945/46 nahm da« Akademische Berufsamt an der Universität Tübingen seine Tätigkeit als Dienststelle des Landesarbeitsamts Süd-Württemberg und Hohenzollern wieder auf. Seine Auf­gaben sind praktischer und wissenschaft­licher Natur. Praktische Hilfe leistet das Berufsamt durch Vorträge über die gegen­wärtige Hochschullage und die Aussichten in den akademischen Berufen vor den Schü­lern der höheren Lehranstalten, sowie durch Einzelberatung und Auskunfterteilung. Die wissenschaftliche Arbeit dient der Erarbei­tung geeigneter Unterlagen! zwei Aufgaben steben hierbei im Vordergrund: die Aus­gabe von Literatur und die Statistik der akademischen Berufe. — Einen Ueberblick • über den Nachwuchs und den voraussicht­lich sich ergebenden Berufebedarf soll die zur Zeit zusammen mit dem statistischen Landesamt ausgenommen« Erhebung an der Universität Tübingen bieten. Für die Klä­rung des Bedarf« wurde eine Fühlungnahme mit den staatlichen und wirtschaftlichen In­stanzen- angestrebt. Die Hochschulstatistik erfüllt aber erst dann ihren Zweck, wenn aus ihr im Zusammenhang mit der Berufs- Statistik Einblicke in die Nachwuchs- und Bedarfsverhältnisse gewonnen werden kön­nen, welche die Aufstellung von Prognosen fpr eine Lenkung des akademischen Nach­wuchses ennöglichap. Bei dem Fehlen stati­stischer Unterlagen und der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Ungeklärt- heit ist eine Berufsberatung auf lange Sicht nicht möglich. Diese 6etzt, wenn sie nicht ln* Ungewisse hinein erfolgen «oll, eine über einen größeren Raum kontinuierliche Wirtschaftsentwicklung voraus, die in gro­ßen Zügen für die nächsten Jahre über­schaut werden kann.

Dia akademische Berufslage ist gegenwär­tig noch nicht einheitlich schlecht Wir wis­sen nicht, wieviel« Akademiker au« Kriegs­

gefangenschaft aus den Ostgebieten, au« der Durchführung der Entnazifizierung u. a, m. noch frei werden. Fest steht aber, daß die Ueberfüllung mit Aerzten, Juristen, Philolo­gen, Chemikern, Physikern, Ingenieuren des Maschinenbaues und der Elektrotechnik einen bisher nicht bekannten Umfang errei­chen wird. Und was schwerer wiegt, ist die Tatsache, daß die wenigen jetzt noch ge­wisse Aussicht bietenden Berufe wie Volks­schullehrer, zum Teil höhere Schullehrer, Zahnärzte, Theologen in wenigen Jahren das gleiche Bild der Ueberfüllung teilen werden. „Aussicht" bietet im Augenblick nur das Gebiet, das zugleich unser Elend ausmacht: die Bauberufe als. Mittel, aus den Zerstörungen unserer Wohnstätten heraus­zukommen.

Es ist sicher richtig, wenn die akademi­sche Berufsberatung empfiehlt, bei der Be­rufswahl nicht von Zahlen auszugehen, son­dern von der beruflichen Neigung und Eig­nung. Dazu muß betont werden, daß nur der weit über dem Durchschnitt Stehende dem Studium nähertreten sollte. Da« Abitur ist wohl Berechtigung zum Studium — aber heute nicht mehr die einzige Voraussetzung! Es ist weder gesellschaftliche Frage noch Frage des Prestige«, wenn der heutige Abi­turient vom Studium Abstand nimmt. Das Abitur muß wieder als Wissensreife für« Lebfen und nicht bloß fürs Studium an­gesehen werden. Fragt man: warum denn I die lange Schulzeit? — so muß man dagegen I fragen: ist Bildung nur sinnvoll, wenn sie I in einem akademischen Beruf realisiert wird?

Aus diesen Gedanken heraus müssen alle Zulassungsbestimmungen, Zwischenprüfun­gen u. a. m. verstanden werden. Durch die Zwischenprüfungen soll erreicht werden, daß die Ausscheidung der Ungeeigneten nicht mehr allein einer nach sechs, acht 'oder zehn Semestern abzuhaltenden Staatsprü­fung überlassen bleibt, sondern daß der für das Hochschulstudium, Nichtbefähigte noch einen anderen Beruf ergreifen kann. Darum

wurde in Tübingen für Studierende der jur. und pbil. Fakultät nach dem zweiten Stir diensemeeter eine Zwischenprüfung mit er­heblichen Anforderungen eingeführt. So ist zu erwarten, daß die vom jungen Akademi­ker geforderten überdurchschnittlichen Lei­stungen Ansporn sind, alle Kräfte des Wil­lens und des Geistes einzusetzen, um sich in seinem zukünftigen Beruf durchzusetzen und dessen allgemeines Niveau zu heben.

Herbert Scheel

Der Kritiker

• „Wenn man mir doch glauben wollte, daß ich lieber lobe als tadle, daß ich ohne Voreingenommenheit, ohne jegliche Sym­pathie oder Antipathie, was die Personen­frage betrifft, an diese Dinge herantrete, daß ich keine Freunde und keine Feinde habe, und daß mir lediglich die Sache am Herzen liegt. Man gebe mir Gutes, und ich werde nicht kritteln undmäkeln-. Ich bin nicht dazu da, öffentlich Billettdoux zu schreiben, sondern die Wahrheit zu sagen oder doch das, was mir als Wahrheit erscheint. Denn die Anmaßung liegt mir fem, mich als eine letzte, unfehlbare Instanz anzusehen, von der aus kein Appell an Höheres denkbar ist... Allen Empfindlichkeiten kann unser­eins freilich von Metier wegen nie und nim­mer gerecht werden."

Diese Sätze stammen von Theodor Fontane , dessen vorbildlich ausgeübtes „Metier" es war, das Berliner Theaterleben seiner Zeit in der Vossischen Zei­tung kritisch zu verfolgen. Wir kennen Fontane als einen Schriftsteller und Dichter von größter Feinsinnigkeit, dem die reine Hingabe an da« Objekt und Pflichttreue selbstverständlich waren- Auch er hat das Los seiner Kollegen vor und nach ihm ge­teilt, angefeindet zu werden, so sehr, daß er, Fotanel, sieb öffentlich wehren mußte.

Es ist übrigens pikant was „Die Bühne" im Jahr 1940 dazu schrieb. „Nicht umsonst haben wir den Altmeister Fontane bemüht, es „Hegt Veranlassung vor, darauf hinzu­weisen" daß Mißtrauen, Empfindlichkeit

Aus dem Parteileben

18 Abgeordnete der CDU aus Nordbaden für die Verfassunggebende Landesversammlung

Bei der Wahl zur Verfassunggebenden Landesversamm’ung am 30. Juni 1946 wur­den 41 Abgeordnete der CDU gewählt. Da­von entfallen 18 auf Nordbaden und 23 auf Nordwürttemberg. Von den 18 badischen Abgeordneten sind zehn katholisch und acht evangelisch. Von den 23 württember- gischen Abgeordneten sind 15 evangelisch und acht katholisch. Die CDU ist die ein­zige Partei, die in allen 26 Wahlkreisen Abgeordnete durchgetoracht hat. Die 18 ge­wählten badischen Abgeordneten sind: Karlsruhe -Stadt: Bürgermeister Heurich,

Karlsruhe , Bürgermeister Kaufmann , Ett­ lingen ; Karlsruhe -Land: Regierungsdirektor A. Kühn, Karlsruhe ; Pforzheim Stadt und Land: Dipl.-Ing. Dr. Pracht, Pforzheim ; Bruch­ sal : Minister Dr. Köhler, Ettlingen , Bürger­meister Bläsi, Bruchsal ; Heidelberg -Stadt: Prof. Dr. Kaufmann, Bühler-Heidelberg : Hei­ delberg -Land: Schlossermeister Ruppert, Ep­ pelheim ; Mannheim -Stadt: Arbeitsamts­direktor Kuhn, Mannheim , Arbeiter Schilpp, Mannheim : Mannheim -Land: Bürgermeister Brück, Weinheim ; Sinsheim/Mosbach : Bür­germeister Dörr, Eppingen , Bürgermeister Schwarz, Mosbach -, Buchen-Tauberbischofs- heim: Landwirt Wadcer, Berolzheim , Bür­germeister Hoog, Wertheim . Landesliste: Landgerichtsdirektor Dr. Ansdiütz, Heidel­ berg , Reidisbahn-Abtedlungspräsident Har­ter, Karlsruhe , Frau Walch, Karlsruhe .

Spende im Wahlumschlag

Im Umschlag eines für die CDU abgege­benen Stimmzettels in Karlsruhe -Beiertheim befand sich eine größere Geldspende einer CDU -Wählerin. Der Spende war ein Zettel folgenden Inhalts angefügt: „Union, bringe doch unsere unbelasteten Kriegsgefangenen in die Heimat zurück, sie haben es gewiß verdient, sie werden es durch Treue zu der Union danken. Eine für viele.”

Aufruf zu den Gemeindewahlen in der Sowjetzone

Die Gemeindewahlen müssen zu einem Bekenntnis zum Frieden und zur Demokra­tie werden und gleichzeitig der Diktatur und aller Kriegstreiberei durch den Stimm­zettel eine Absage erteilen, heißt es in dem Aufruf der Christlich-Demokratischen Union zu den für den Herbst dieses Jahre* vor­gesehenen Gemejndewahlen.

Der Aufruf, den die beiden Zonenvorsit- zenden Berlins , Jakob Kaiser und Ernst Lemmer , sowie die Vorsitzenden der Lan­desverbände Brandenburg , Mecklenburg- Vorpommern , Sachsen und Thüringen un­terzeichnet haben, fordert, daß die öffent­lichen Angelegenheiten schon in den klein­sten Einheiten, in den Gemeinden, in ehr­licher, selbständiger Politik vom Geiste sittlicher Verantwortung geführt werden. „Die Christlich-Demokratische Union , die aus den bisherigen Wahlen in anderen Tei­len des Reiches als stärkste Partei hervor­gegangen ist, ist die große Volkspartei", heißt es in dem Aufruf weiter, „die den Klassenkampf überwindet und sich jeder Diktatur widersetzt. Sie i6t eine christliche Partei, sachlich und wahrhaftig, die keine goldenen Berge verspricht. Sie ist eine Par­tei des Recht« und bekennt sich zu einer sozialistischen Ordnung."

Freiherr von Schoenaich der Union beigetreten

Der Präsident der Deutschen Friedens­gesellschaft, Freiherr von Schoenaich, der nach 1918 Mitglied der Dgutschen Demokra­tischen Partei gewesen war, hat seinen Beitritt zur Christlich-Demokratischen Union vollzogen.* Er folgte damit dem Beispiel zahlreicher deutscher Demokraten, die den Neubau Deutschland « in dieser großen, da« Christentum und die fortschrittliche Demo­kratie bejahenden sozialen Volkspartei ge­stalten wollen.

Uebelnehmerel, Mangel an Verständnis und — Humor auf dem uns' hier angehenden Ge­biet in einem Maße zugenommen haben, für das im heutigen Deuts chland, und zumal in dieser das Zusammenstehen aller erfordernden Kriegszeit, wahrlich kein Platz mehr sein sollte."

1940, als der Kritiker schon durch Staats­akt abgeschafft war und dem „Kunstbe­trachter" Platz gemacht hatte!

KULTURNACHRICHTEN

Ehrenvolle Berufung. Die Stadt Koblenz berief Otto Winkler aus Tiengen , zuletzt als 1. Opernkapell­meister am Opernhaus Frankfurt a. M., zum städtischen Musikdirektor. Otto Winkler übernimmt außer der Oberleitung der Oper auch die Konzerte der „Rheini­schen Philharmonie“ und baut das histo­rische, im Jahre 1808 gegründete „Koblen­zer Musikinstitut“ mit einem großen Ora­torienchor wieder auf. Winkler war von 1928-30 an der städtischen Oper Berlin Assistent von Bruno Walter .

Ausstellung verschleppter! Künstler. Die UNRRA veranstaltete ! unter der Leitung von Mr. A. Thomasset im Wintergarten des Kurhauses von Ba­ den-Baden eine Kunst- und Kunstgewer­beausstellung polnischer, litauischer, let­tischer. estländischer und ukrainischer Künstler. Sie stand unter dem Patronat von General König, dem Oberbefehlshaber der französischen Besatzungsstreitkräfte und General de Marguerittes. Die Leite­rin der Ausstellung, Gräfin Natalie de la Fere, eine . geborene Engländerin, erklärte, daß aus Raummangel nur ein Ausschnitt aus dem Schaffen der Künstler gezeigt werden könnte.

Akademie derWissensdiaften. Eine deutsche Akademie der Wissenschaft wird nach einer Verfügung der sowjetischen Militärverwaltung in Berlin eröffnet wer­den. Die Akademie tritt an die Stell« der ehemaligen preußischen Akademie der

Sozialismus und Agrarpolitik

Auszug aus den Arbeiten der Agrar-Sach­verständigen der Sozialdemokratischen Par­tei Deutschlands von Herbert Kriedemann , Hannover .

Alle Probleme der Agrarpolitik und der Bodenreform sind in den letzten Monaten in den Fachausschüssen gründlich studiert worden. An den Beratungen haben neben sozialdemokratischen Politikern und Prak­tikern auch viele Landwirte teilgenommen, die — ohne Mitglied der Partei zu sein — doch mit den Sozialdemokra»en der Mei­nung sind, daß man die Aufgaben der Agrarreform entschlußfreudig und gründ­lich anpacken muß. Bei allen Diskussionen stand stets als Richtschnur die Lebensnot­wendigkeit de« deutschen Volke« im Vordergrund. Angesichts der Größe der Aufgabe und ihrer Bedeutung für die nahe und ferne Zukunft hat man sich von jeder billigen Propaganda fernge­halten.

Die erste und dringendste Aufgabe der Agrarpolitik ist die Steigerung der land­wirtschaftlichen Erzeugung auf deutschem Boden. Es ist die gemeinsame Ueberzeu- gung aller Sachverständigen in Theorie und Praxis, daß eine erhebliche Vermeh­rung der Produktion möglich ist, wenn hemmende Auffassungen, Einrichtungen und Personen so schnell als möglich ausge­schaltet werden. Wegen des Mangels an technischen Einrichtungen, Maschinen und Kunstdünger und zur Ueberwindung der schweren Schäden, die die Nazimißwirt­schaft vor und während des Krieges dem deutschen Boden zugefügt hat, ist die Er­höhung der menschlichen Leistungsfähigkeit erste Voraussetzung. Die Vermehrung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Ma­schinen, deren Unterhaltung und Reparatur besonders auch auf genossenschaftlicher Ba­sis, muß mit jedem Mittel gefördert werden. Ferner ist es notwendig, die Arbeitsfreude der Bauern und Landarbeiter durch die Be­freiung von sozialer und wirtschaftlicher Ausbeutung zu steigern. Die Intensivierung der Bodennutzung macht auch eine Vermeh­rung der Arbeitskräfte notwendig, wobei auf die meist in Flüchtlingslagern unpro­duktiv zurückgehaltenen Frauen und Män­ner aus dem Osten zurückgegriffen werden soll. Die Sozialdemokraten wollen die Lage derer, die auf dem Lande arbeiten und de­rer, die neu in den Kampf um das tägliche Brot eingereiht werden müssen, verbessern und fordern deshalb die Durchsetzung einer neuer# sozialen Gerechtigkeit auf dem Land und für das Land.

Der landwirtschaftliche Großbesitz, be­sonders im Osten, kann als Mittel zur Aus­beutung der Pächter und Landarbeiter aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ebenso wenig geduldet werden wie die in den Händen Einzelner befindliche Großin­dustrie. Die Sozialdemokratie verlangt des­halb die sofortige Ueberführung der Groß­betriebe — in der Regel der Betriebe über 100 Hektar — in das Eigentum derer, die das Land bebauen. Die gegenwärtigen Be­sitzer sollen entschädigt werden.

Die Sozialdemokratische Partei erklärt ausdrücklich, daß bei der von ihr geforder­ten Agrarpolitik von einer Gefährdung des Bauerneigentums in keiner Weise die Rede sein kann. Wir unterscheiden zwischen dem Eigentum, auf dem der auf eigener Scholle schaffende Bauer wirkt — dem Ar­beitseigentum — und dem formalen Besitz an Land- und Produktionsmitteln, der dazu dient, ohne selbst zu arbeiten, die Arbeits­kraft anderer auszubeuten. Das erstere steht wie im Gewerbe auch in der Land­wirtschaft unter dem uneingeschränkten Schutz sozialdemokratischer Politik und wird mit jedem Mittel gefördert. Das Aus­beutungseigentum jedoch ist, nachdem es zu unzähligen Krisen in der kapitalistischen Wirtschaft geführt hat, heute nicht mehr vertretbar und bedarf der Reform.

Fortsetzung folgt

Wissenschaften. Die frühere preußische Akademie der Wissenschaften wurde vor 250 Jahren gegründet und hatte bis Be­ginn des 19. Jqahrhunderts einen 'Weltruf erlangt.

Deutsche Schiller-Stiftung hat von der sowjetischen Militärverwaltung in Thüringen die Genehmigung zur Wieder­aufnahme ihrer Tätigkeit erhalten. General­sekretär der Stiftung ist Prof. Heinrich Li- lianfein.

• Erotik nicht gefragt. In einem Berliner Theater wurde als Eröffnungs­vorstellung Wedekinds „Frühlings- erwachen “ angekündigt. An der Kasse war ein Schild aufgehängt: Für Jugend- # liche verboten! Alles nützte nichts. Et­wa 30 Personen waren erschienen, ein­schließlich der Freiplatzinhaber. Wede- kind war einst sensationell, man drängte sich zu seinen Stücken wie um Brot an Bäckertüren. Aber Erotik ist nicht mehr sensationell und nicht gefragt auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

* Testament eines Amerikaners, ln Phila­delphia starb ein reicher alter Junggeselle und hinterließ ein Testament, in dem er sein Vermögen drei Damen vermachte, die sich um sein irdisches Wohlergehen, wie er schrieb, außerordentliche Verdienste erwor­ben hatten. Diesen drei Damen hatte der Verstorbene Heiratsanträge gemacht und alle drei hatten ihn abgewiesen. Wodurch sie so viel zu seinem irdischen Wohlergehen beitrugen.

Valentin« Vergeßlichkeit. Karl Valentin schreibt: Wieviele Menschen, ob alt, ob jung, leiden jetzt infolge Kalorien­mangels an Gedächtnisschwäche und Zer­streutheit Kürzlich zünde ich mir ein Streichholz an, will mir eine Zigarette an­brennen, stehe mit dem brennenden Streich­holz da und weiß nicht mehr, was ich damit wollte. Als das Streichholz verbrannt war, fiel es mir ein, daß ich mir eine Zigarette anzünden wollt«, wenn ich eine gehabt hätte.

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