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SUDKURIER

2. JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE • SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 128

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Berlinf r Spiegel

Telegramm unseres Berliner A.G. - Korrespondenten

Berlin . Die Situation in der Ostzone wird bestimmt von dem Zusammentritt der im Oktober gewählten Landtage der fünf Länder und Provinzen und dem da­mit beginnenden parlamentarischen Leben. Am Freitag findet die erste Sitzung des Landtags der Provinz Brandenburg in Potsdam statt. Die ersten Aufgaben aller fünf Landtage ist die Aufstellung der Haus­haltspläne uhd die Ausarbeitung einer Verfassung. Vorher ist noch die Gültigkeit der Oktoberwahlen zu klären, wo die CDU und LDP in einer großen Anzahl von Kreisen nicht zugelassen waren. Die CDU will Nachwahlen in diesen Kreisen ver­langen, während die LDP eine Ungültig­keitserklärung und eine Gesamtneuwahl fordern will. Die russische Besatzungs­macht sucht einen Kompromiß zu er­reichen, indem durch Niederlegung einer bestimmten Zahl von SED -Mandaten für eine entsprechende Anzahl CDU - und LDP-Abgeordneter Sitze freigemacht wer­den.

Mit als Folge des Beginns des parla­mentarischen Lebens in der Ostzone wird die zunehmende Bereitschaft Rußlands *u Vereinbarungen mit den Westmächten über eine Regelung der Reparationen an­gesehen. Es besteht der allgemeine Ein- dru^', daß die Gespräche über Deutsch­ land leben dem offiziellen Teil, der Er­örterung des Arbeitsplanes für die kom­mende Friedenskonferenz ,auch einen in­offiziellen, sehr realen Inhalt haben. Das ergibt sich daraus, daß die amerikanische Presse in zunehmendem Maße Kombina­tionen mit sehr konkreten Zahlenangaben über die bevorstehende Regelung der Re­parationsfrage veröffentlicht .wobei offen­bar ein Ausgleich zwischen den politischen und wirtschaftlichen Fragen einer deut­ schen Vereinheitlichung einerseits und den russischen Reparationsansprüchen an­dererseits gesucht wird. Der russisch -eng­lische Austauschverkehr von Weizen für die britische Besatzungszone gegen Stahl für die Fabriken der Ostzone wird damit' ln Zusammenhang gebracht.

Wieder Vollversammlung der UNO Columbien

, Syrien und Belgien nichtständige Mitglieder des Sicherheitsrates

New York . Die Vollversammlung der UNO war am vergangenen Dienstag erneut zusammengetreten. In seiner Begrüßungs­ansprache bezeichnete der Präsident Paul Spaak die Aufnahme der neuen Mitglieder Schweden , Afghanistan , Island als einen Meilenstein in der Geschichte der Verein­ ten Nationen . Nachdem die Delegierten die­ser drei Länder ihren Dank für die Auf­nahme ausgesprochen hatten, nahmen sie ihre Plätze ein.

Anschließend wurden Columbien, Syrien und Belgien zu nichtständigen Mitgliedern deg Weltsicherheitsrates gewählt. Die Staa­ten treten an die Stelle von Holland , Aegyp­ ten und Mexiko , die als nichtständige Mit­glieder wieder aus dem Sicherheitsrat au »- scheiden.

Aegypten hatte eine Resolution über die Aechtung religiöser und rassischer Verfol­gung und Diskriminierung eingebracht, die von der Vollversammlung anschließend dis­kutiert wurde. Diese Resolution wurde, da alle Länder zustimmten, einstimmig ange­nommen.

Die Vollversammlung nahm außerdem ein­stimmig eine Entschließung an, die dem Sicherheitsrat empfiehlt, die Aufnahmege­suche Albaniens , der Mongolei , Transjorda­niens und Portugals in die UNO erneut zu überprüfen. Außerdem wurden eine Reihe von verwaltungstechnischen Tagespunkten einstimmig angenommen.

Der sowjetische Außenminister Molotow unterbreitete am Mittwoch dem politi­schen Ausschuß der Vollversammlung der UNO einen Vorschlag für die Zurückzie­hung alliierter Truppen aus Nichtfeind­staaten. Nach diesem Vorschlag soll die Vollversammlung dem Sicherheitsrat empfehlen, von allen Mitgliedsstaaten in­nerhalb eines Monats eine Erklärung über die' in Nichtfeindstaaten st*} änderten Truppen zu fordern Die Erklärungen sol­len Angaben darüber enthalten, in wel­chen Nichtfeindstaaten und in welchem Umfange sich Truppen von Mitgliedstaa-

Zur neuen deutschen Verfassung

Verschiedene Auffassungen werden von den Großen Vier diskutiert werden

Paris . In ihrem Leitartikel befaßt sich die konservative Pariser Zeitung „Le Monde “ mit dem von der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands kürzlich ver­öffentlichten Verfassungsentwurf. Dieses Projekt sehe die Errichtung einer deut­schen Republik vor, die nur eine Kam­mer habe. „Le Monde “ sieht in diesem Entwurf die Wiederaufnahme hitlerischer Tendenzen. Die Länder, wie sie darin vorgesehen seien, entsprächen ziemlich ge­nau den nationalsozialistischen Gauen. Die Durchführung dieser Verfassung würde zwangsläufig nach einer Uebergangspe- riode wieder zur Herrschaft einer Partei und damit zu einem totalitären Regime führen, was zwangsläufig eine Unterdrüc­kung persönlicher und örtlicher Freiheiten mit sich bringen würde. Es sei verständ­lich, daß dieser Entwurf in den drei west­lichen Zonen Deutschlands auf starken Widerstand stoße.

In der französischen Zone hätten die Wahlen zu den verfassungsgebenden Kör­perschaften eine christlich-demokratische Mehrheit erbracht; die von ihnen auszu­arbeitenden Verfassungen würden nicht wesentlich von denen Bayerns , Hessens und Württemberg-Badens ' differieren. Diese Länderverfassungen — auch die von Bayern , das als das partikularistischste Land Deutschlands gelte — sehen die Ver­einigung der Länder zu einem bundes­staatlichen demokratischen Deutschland vor. Von der sozialistischen Einheitspartei dagegen werde der entgegengesetzte Weg vorgeschlagen und die Frage, ob Deutsch­ land eine bundesstaatliche oder eine uni- taristische Verfassung erhalte, solle nach ihrer Auffassung einem Volksentscheid vorgelegt werden.

Der Standpunkt der Anglo-Amerikaner sehe die Errichtung eines aus den Vertre­tern der Länder bestehenden Nationalra­tes vor, der eine bundesstaatliche Verfas­sung ausarbeiten solle, während Frank­ reich jeden Versuch der Errichtung zen­traler Verwaltungsstellen verhindern werde. Diese verschiedenen Auffassungen würden beim nächsten Treffen der Gro­ßen Vier zur Sprache kommen, und die zukünftige Verfassung Deutschlands sei einer der Hauptdiskussionsgegenstände zwischen Bevin, Bidault . Byrnes und Mo­lotow.

Attentäter von Stuttgart festgenommen

Frankfurt a. - M. Als mutmaßlicher Anführer der Bande, welche die Bomben­anschläge auf die Spruchkammern von Stuttgart und Backnang ausgeübt haben, wurde der 23jährige ehemalige SS-Major Kabne festgenommen. Kabus wurde bei

einer Razzia in der Nähe von Stuttgart von amerikanischer Armeepolizei und deutschen Polizisten festgenommen. Die Bande war gerade dabei, Zünder in Bom­ben einzusetzen, die für weitere Anschläge verwendet werden sollten. Kabus hat ein Geständnis abgelegt, worin er die Bom­benanschläge auf die Stuttgarter Spruch­kammern zugibt. Kabus war aus einem französischen Kriegsgefangenen-Lazarett entflohen und hatte sich in Bayern falsche Entlassungspapiere besorgt. Er ließ sich in Eßlingen nieder und organisierte eine kleine, geheime Untergrundbewegung.

Streiks in Westdeutschland

Köln. Im Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Brotkürzung in der Westzone, brachen in verschiedenen Be­trieben Streiks aus. In Düsseldorf waren es die Mannesmann-Röhrenwerke, welche in einem einstündigen Proteststreik den Rücktritt des Emährungsbeauftragten der britischen Zone, Dr. Schlange-Schöningen, forderten. Die Belegschaften der Westwag­gon A.-G. und der KIöckner-Humboldt- Deutz A.-G. in Köln sowie eine Anzahl kleinerer Betriebe legten ebenfalls ihre Arbeit nieder. Diese Demonstrationen wurden von den Gewerkschaften unter­stützt.

Ein Marschall steht Schlange

Hamburg . Der Oberkommandierende der britischöl Zone, Marschall Sir Sholto Douglas, inspizierte das Zentrum des Hun­gergebietes Düsseldorf . Dann fuhr er nach Hamburg , um auch dort die tatsächliche Lage der Bevölkerung kennen zu lernen. In Düsseldorf besuchte der Marschall die Bäckerläden, Metzger und Lebensmittel­geschäfte. sprach mit Hausfrauen, die Schlange standöl und hielt dann eine Reihe Besprechungen mit den Leitern deut­ scher Emahrungs- und Gesundheitsämter ab. Auf besonderen Wunsch wurden dann Schulklassen besucht, die in überfüllten Bombenunterständen abgehalten _ werden und er befragte Lehrer und Schulärzte.

Marschall Sir Sholto Douglas , der selbst Schlange gestanden hatte, um die Qualen der Wartezeit besser kennen zu lernen, sprach dann vor den Beamten der briti­schen lokalen Militärverwaltung und der deutschen Verwaltungen.

Die Zahl von 16,2 Millionen Menschen ergab die Volkszählung in der So­wjetzone am 1. Dezember 1945. Das sind 0,5 Millionen mehr, als vor dem Krieg in diesem Gebiet gezählt wurden. Die Bevölkerungszunahme ist durch die Umsiedlungsmaßnahmen bedingt.

ten der Vereinten Nationen befinden. Wei­terhin soll eine Erklärung darüber abge­geben werden, in welchen ehemaligen Feindstaaten Streitkräfte von Mitgliedern der Vereinten Nationen und anderen Staa­ten stationiert sind. Die Angaben sollen nach dem Stande vom 1. 11. 1946 gemacht werden.

Außenminister Molotow erklärte weiter, die Sowjetunion und die Vereinigten Staa­ ten seien bereit, Angaben über die von beiden Staaten in Nichtfeindstaaten sta­tionierten Streitkräfte zu machen.

Sicherheitsrat

New York . Die ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats, die Vertreter der USA , Großbritanniens , der Sowjetunion , Frankreichs und Chinas konnten in Verlauf einer dreistündigen Sondersitzung' über die Frage des Vetorechts zu keiner Einigung gelangen.

Es handelte sich in dieser Diskussion hauptsächlich darum, daß die Großmächte Übereinkommen sollen, das Veto nur in Fäl­len, die lebenswichtige Interessen betref­fen, anzuwenden, sowie um die Notwendig­keit einer klaren Definition des Wortes „Streitfall". Molotow erklärte, niemand habe das Vetorecht im Sicherheitsrat miß­braucht. Die Sowjetunion hätte da« Veto nur bei imumgänglich nötigen Fällen ange­wandt Die gesamt« Vetofrage sei künst­liche Agitation. Aber im Prinzip sei er nicht gegen einleitende Besprechungen zwischen den ständigen Mitgliedern. Byrnes hingegen erklärte, die USA seien über die Häufigkeit

der Anwendung des Vetorechts enttäuscht Der Chinese Wellington Koo hielt es für wichtig, daß der Rat einen klaren Unter­schied zwischen Verfahrens- und sachlichen Fragen machen solle.

Die Außenminister

New York . Der Außenministerrat ist am vergangenen Mittwoch in New York erneut zusammengetreten. Sie kamen überein, daß der Gouverneur von Triest das Recht haben sollte, zu bestimmen, daß das freie Territorium von Triest eine Au­ßenpolitik in Uebereinstimmung mit sei­nem Statut verfolge. Der Gouverneur ist berechtigt, sich jedem Vertrag zu wider­setzen, der damit nicht überednstimmt. Bevin und Byrnes hatten gewünscht, daß die Triester Verfassung dem Weltsicher­heitsrat zur Billigung vorgelegt werden soll. Die Sowjetunion widersetzte sich jdie- serfl Vorschlag. Schließlich einigte man sich darauf, daß die Verfassung von der Vollversammlung von Triest und nicht vom Sicherheitsrat genehmigt werden soll.

Die Erörterungen über Deutschland , die am vergangenen Mittwoch beginnen soll­ten, werden zunächst verschoben.

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New York . Die Delegierten Jugosla­ wiens hatten am vergangenen Mittwoch eine längere Ausprache mit dem Vertreter Italiens und haben die italienische Initia­tive zur Aufnahme direkter Verhandlun­gen über Probleme des Friedensvertrages zwischen beiden Ländern günstig aufge­nommen.

An die badischen Bauern!

Di£ Unterzeichneten Parteien fordern die badischen Bauern auf, ihrer Pflicht der Ab­gabe der geforderten Umlegemengen an Kartoffeln bis an che äußerste Grenze des Möglichen nachzukommen. Von der Landes­verwaltung sind mit Zustimmung der Mi­litärregierung für besonders gute Ablie­ferung Prämien in Geld und Waren, wie Arbeitsschuhe und Fahrradbereifungen, vor­gesehen.

Sollte unser Aufruf, entgegen unserem festen Glauben an da« Verantwortungsbe- wußtsedn unserer Bauern, nicht zum Ziel führen, dann verlangen wir von der Landes­verwaltung, um eine Hungerkatastrophe, die jeden Wiederaufstieg unmöglich machen würde, zu vermeiden, mit den strengsten Mitteln der staatlichen Autorität gegen alle vorzugehen, die aus frevelhaftem Eigennutz ihren Pflichten gegen die hungernde Bevöl­kerung nicht nachkommen.

Die politischen Parteien:

Wohieb, Martzloff, Wäldin, Eckert.

Deutsche Kinder fahren nach der Schweiz

Berlin . Mehrere Tausend unterernährte deutsche Kinder im Alter von 4 — 10 Jahren werden auf Grund eines Abkommens der amerikanischen Militärregierung und dem Schweizer Roten Kreuz auf drei Monate zur Erholung nach der Schweiz reisen. Die Kin­der werden in Schweizer Familien Unter­kunft finden.

Der erste Transport von 450 Kindern wird Mitte Januar aus Mannheim abgehen. Die Schweiz hat bereits bedürftige Kinder aus anderen Besatzungszonen Deutschlands und aus verschiedenen Ländern Europas aufge­nommen.

. . . und nach Irland

Hcmburg. Der vierte Kindertransport nach Irland mit 850 Kindern aus dem nord- rheinischen Gebiet hat heute Düsseldorf verlassen. Die Kinder wurden mit einem britischen Lazarettzug nach Calais gebracht" von wo sie über London an die britische

Westküste gebracht werden. Von dort wer­den sie per Schiff nac%_ Irland Weiterreisen.

Eine Thorez -Erklärung

Paris . Thorez machte in einem Inter­view von einem Plan zur Vereinigung der Sozialistöl und Kommunisten zu einer neuen französischen Arbeiterpartei Mitteilung. Tho­ rez erklärte ferner, die französischen Kom­munisten ständen nicht unter der Leitung Moskaus . Das Programm der neuen Re­gierung werde nicht kommunistisch, sondern ein Programm aller Parteien sein.

Da die kommunistische Partei aus den Wahlen als stärkste Partei hervorgegangen sei, bestehe sie darauf, den Posten des Mi­nisterpräsidenten zu stellen und die volle Verantwortung zu übernehmen. Falls die Kommunisten den Ministerpräsidentenposten erhalten, könne die kommunistische Partei als solche verschwinden, wenn die Soziali­sten die Vereinigung beider Parteien anneh­men würden.

Rumänische Parlamentswahlen

Bukarest . Von den rumänischen Parlamentswahlen sind bis jetzt lediglich Teilresultate bekanntgeworden. Immerhin zeigen diese Teilergebnisse, daß der de­mokratische Regierungsblock, wie zu er­warten war, führt. Die vereinigten Oppo­sitionsparteien vermochtöl zusammen nur einen Bruchteil jener Stimmen auf sich zu vereinigen, die auf den Regierungsblock entfielen. Von den Parteien der Opposi­tion erhielt die nationale Bauernpartei Manius am meisten Stimmen.

Wie das rumänische Innenministerium bekanntgab, waren am Wahltage mehrere Zwischenfälle zu verzeichnen. Die Schuld an diesen Zwischenfällen wird den Oppo­sitionsparteien zugeschrieben. In den Rei­hen der Armee seien 6 Tote zu verzeich­nen, auch in der Zivilbevölkerung sind Opfer zu beklagen, so heißt es in diesem Kommunique.

Der Prozeß gegen Mackensen in Rom

Die Angeklagten erklären sich für nicht schuldig

Rom . Am ersten Verhandlungstag gegen den ehemaligen Oberbefehlshaber der 4 . Armee , Generaloberst Eberhard von Macken­ sen , und den ehemaligen Stadtkommandan­ten von Rom , Generalleutnant Kurt Meitzer, denen die Erschießung von 335 italienischen Geiseln im März 1944 zur Last gelegt wird, erklärten sich die beiden Angeklagten für nicht schuldig.

Der britische Anklagevertreter Oberst R. C. Halse führte aus, daß am 23. März 1944 32 Angehörige der deutschen Feldgendar­merie in der Via Rosselia in Rom von einer Bombe getötet wurden, die aus einem Fen­ster geworfen wurde. Wenige Stunden spä­ter gab Mackensen den Befehl, Meitzer solle für jeden getöteten Deutschen 10 Italiener hinrichten lassen. Darauf wurden während 6% Stunden italienische Geiseln zu je 5 Mann vom deutschen Sicherheitsdienst in einem Keller niedergeschossen. Der Keller wurde danach gesprengt. Der Ankläger räumte ein, daß die Deutschen das Recht ge­habt hatten, Vergeltungsmaßnahmen zu er­

greifen. Diese seien jedoch übertrieben ge­wesen.

Am zweiten Verhandlungstag wurde der ehemalige SD-Führer Roms, Kappler, ver-, nommen. Er versuchte den Eindruck eines zerknirschten Ehrenmanns zu machen. Die­ser Mann hatte die Leitung der Hinrichtung übernommen Der al s weiterer Zeuge ver­nommene Untersturmführer Amonn erlitt einen Ohnmachtsanfall.

Der ehemalige Generalfeldmarschall Kes- selring ist nun auch in Rom eingetroffen und wird demnächst al s Zeuge vernommen.

US -Mission verläßt Albanien

Washington . Das Staatsdepartement gab bekannt, daß die amerikanische Mis­sion in Albanien dieses Land verlassen habe, da die albanische Regierung abge­lehnt hat, die Bestimmungen des vor dem Kriege mit den Vereinigten Staaten ab­geschlossenen Vertrags zu respektieren.

Plan oder Chaos?

Von Rudi Goguei

Ein Unglück kommt selten allein. Auf die Bekanntgabe der Brotkürzung, die uns nach den früheren verheißungsvollen Ankündi­gungen wie , ein Blitz aus heiterem Himmel traf, folgte am Dienstag eine neue Verfü­gung über einschneidende Stromeinschrän­kungen. Mancher Klein- und Mittelbetrieb, der sich durch die Stürme der Nachkriegs­krise tapfer über Wasser gehalten hatte, wird nun den Kampf aufgeben und seine Tätigkeit einstellen müssen. Naturgemäß haben diese drakonischen Wirtschaftsmaß­nahmen in der Bevölkerung erregte Diskus­sionen darüber ausgelöst, wo die Schuld für eine derart bedrohliche Entwicklung zu suchen ist.

Die Vermutung, daß es sich um lokal be­grenzte Ereignisse handelt, hat sich aller­dings als unzutreffend erwiesen. Der „Süd­kurier" hatte bereits in seiner Ausgabe vom 5. November von Stromdrosselungen in Berlin berichtet, die praktisch einem fast vollständigen Erliegen der Berliner Industrie gleichkommen, und als wesentliche Ursache hierfür die Demontagen durch die Russen angeführt. Inzwischen treffen alarmierende Meldungen aus den Westzonen, — insbe­sondere aus dem Ruhrgebiet — ein, die von ähnlichen drastischen Maßnahmen berich­ten. -

Das plötzliche Auftreten dieser Kata­strophe ist typisch für die gesamten heuti­gen Wirtschaftsverhältnisse in Deutschland . Der aufmerksame Beobachter wird gewisse Parallelen zur Finanz- und Ernährungskrise und — so erstaunlich das in diesem Zusam­menhang klingen mag — zur Säuberungs­krise feststellen. Die „Neue Zürcher Zeitung " faßt ihre Analyse der Lage in einem Artikel vom 5. November in folgenden abschließen­den Sätzen zusammen: „Die Berliner Krise in der Elektrizitätsversorgung kennzeichnet die Art, wie Deutschland gegenwärtig re­giert wird. Die Russen haben Kraftwerke abgebaut, offenbar ohne Rücksicht zu neh­men auf den Energiebedarf der deutschen Wirtschaft, aus der jetzt entgegen den ur­sprünglichen Plänen das Letztmögliche an Reparationsleistungen herausgeholt wird. Die Briten andererseits bleiben mit den zugesi­cherten Kohlenlieferungen im Rückstand".

Daß die gegenwärtige Katastrophe im Ausland, beispielsweise in England , bereits rechtzeitig erkannt wurde, spiegelt ein Be­richt des Sonderkorrespondenten von „M a n- chester Guardian” aus Düsseldorf wider, den dieser bereits am 30. September veröffentlicht hat. Wir entnehmen diesem Dokument einige besonders bezeichnende Sätze: „ . . Die im Laufe der letzten zwei

bi s drei Monate in Westdeutschland sich allmählich entwickelnde Krise in der Elek­trizitätswirtschaft hat auf einmal die Aus­maße einer nationalen Katastrophe ange­nommen. Die plötzliche Einschränkung der Stromzuteilung an die Industrie, die von der Militärverwaltung angeordnet ' wurde, hat jetzt zu einer Desorganisation in der Indu­strie geführt, die weit über alles hinaus geht, Weis seit Sommer 1945 zu beobachten

war ...” .Die Notabschaltungen

sollen durch eine Art von organisiertem Plan ersetzt werden, und britische Beamte sind jetzt mit deutschen Wirtschaftsfachleu­ten und den betroffenen Industriellen be­müht, einen derartigen Plan auszuarbeiten. Dieser kann aber nicht durchgeführt wer­den, ohne eine hochgradige Lahmlegung der Industrie. Viele große Werke haben Befehl erhalten, überhaupt zu schließen, und andere müssen ihre Produktion ein Drittel, die Hälfte oder sogar zwei Drittel herab­setzen ..." „ ... Ein Grund für. die Not­

wendigkeit, große Verwaltungsstäbe zu un­terhalten, liegt in der Politik, die Deutschen in wirtschaftlichen Fragen 60 zu behandeln, als ob sie ein zurückgebliebener Stamm von Zulus wären. Unsere Politik müßte dahin­gehen, den Deutschen zu erlauben, ihre In­dustrie selbst zu führen, mit einem Mini­mum an Kontrolle unsererseits. Viel zu oft aber ist das Gecrenteii der Fal!..."

Der englische Bericht legt die Vermutung nahe, daß also nicht die russischen Demon­tagen die primären Krisenerzeuger sind (im Ruhrgebietrimd in Baden sind keine Russen), sondern daß die Energiekatastronhe letzten Endes auf den Kohlenmangel zurückzuführen ist. Den gleichen Standpunkt vertreten die 4 Berliner Parteien und die Gewerkschaften, die die bisherigen Lieferungsrückstände an Ruhrkohle in Höhe von 160000 Tonnen für das Versagen der Berliner Energiewirtschaft verantwortlich machen. Für die französische Zone gilt das gleiche: Die Ruhrkohlenlie­ferungen an Frankreich sanken im Oktober um die Hälfte auf weniger als 100 000 Ton­nen. Die Folge waren Abschaltungen in größerem Umfange (seit einigen Tagen wird auch in Frankreich den Privatverbrauchem an zwei Tagen in der Woche der Strom ge­sperrt), so daß Frankreich nunmehr auf er­höhten Stromimport aus unserer Zone ange­wiesen ist, was wiederum die Einschränkun­gen des Zivilsektors nach sich zieht.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht heute das Ruhrgebiet Der Rückgang der Kohlenförderung betrug allein in der Zeit von August 1946 (5.33 Mill. Tonnen) auf September 1946 (4.31 Mill. Tonnen) über