HEIMAT
KURIER
B Nr. 52 / Seite 3
ßaDifche
UnDcedironih
- Kleine GranOfeigneure
Es gehört heute nicht zu den Seichtheiten, daß Kinder bei allen möglichen Gelegenheiten mit der größten Selbstverständlichkeit Fünf- und Zehnmarkscheine ju» der Tasche ziehen und mit der Ele- I iaz eines Grandseigneurs auf den Tisch fegen. Wir erleben das auf dem Jahr- juifct, daß Karusselle Stunde um Stunde yoQ denselben Hosenmatzen belegt sind; (der daß in gewissem Nippgeschäften der pSßte Plunder zu horrenden Preisen mit fejjfcter Hand gekauft wird. Wir wollen mo den Fällen absehen, in denen, nicht etwa wie früher nur abenteuerliche Zwan- agpfennig-Romane ihren Besitzer wechsln, sondern Zigarettenpäckchen zu festgesetzten „Börsenpreisen” verhandelt werden. Sie bilden nur eine Ausnahme, die
Regel bestätigen, daß unsere Kleinen Aon rechtzeitig im Geschäftemachen Be- sheid wissen. Unnötig zu sagen, daß Minderjährige in allen verbotenen Filmen an- atreffen sind. Es ist anzunehmen, daß manche Eltern glauben, den Wünschen ihrer Kinder unbedingt mit größeren Geldbeträgen entgegenkommen müssen, Jt diese ja sonst nichts von ihrer Jugend hätten” Woher soll bei diesen Buben und Ifädel in späteren Lehrlingsjahren die Freude über das erste selbstverdiente jtNChengeld kommen. Wie der Sinn für . proste Arbeit geweckt werden, wenn schon m diesen Kinderjahren der Wert der ei- I
genen, in harter Arbeit verdienten Geldes auf diese Art und Weise untergraben wird? Die Eltern selbst werden an einer solchen späteren Einstellung ihrer Kinder schuld sein, wenn sie jetzt nicht lernen, ihre Geldbörsen weniger großzügig zu öffnen.
80 Proeeoi badische Straßen wieder hergestetlt
Nach sechs Jahren Krieg und nach einer Zeit völliger Zerrüttung befanden eich die Straßen des Landes Baden in einem Zustand, der den Bedürfnissen modernen Verkehrs in keiner Weise entsprach. Langsam, aber beharrlich gingen die zuständigen Stellen des Badischen Wirtschaftsminäste- riums an die Ausmerzung der im Straßennetz vorhandenen Mißstände; und doch — die unerhörten Schwierigkeiten hätten sich kaum so bald überwinden lassen ohne die entgegenkommende Unterstützung der Militärregierung Badens , che die «forderlichen Mengen der nötigen Baustoffe, im ganzen etwa 130 000 Tonnen Straßenschotter, Zement, Teer usw., freigegeben und viele Lastwagen für deren Beförderung zur Verfügung gestellt hat Infolge des restlosen Einsatzes aller Beteiligten ist es nun gelungen, mindestens 80 % der Hauptstreck«!, d. h. der Straßen erster Ordnung, wieder herzustellen, besonders die große Straße von Basel nach Karlsruhe . In treuer Pflichterfüllung haben die Straßenwärter, Arbeiter und Beamten des Straßenbaus ihre Aufgabe erfüllt, eine Aufgabe, die manchmal fast über ihre Kräfte ging. Es war oft nicht möglich, sie mit der notwendigsten Nahrung und Kleidung zu versorgen; trotzdem harrten sie bei ihrer Aufgabe aus. Wenn heute der Autofahrer, sei es der Personenkraftwagenfahrer, sei es der Lastwagenfahrer, rasch das Land durchqueren kann, dann sollte er ihnen dankbar sein.
ßrctten - GeburtöftaÖt Melanchthone
In diesen Tagen wurde in Witteriberg in nhlraichen Veranstaiitumgen des 450. Geburts- toges dies süididieuitsdien Humanisten und Ver- fasers der Augsburgisdien Konfession gedacht. Aus diesem Anlaß bringen wir nech- SSinmir Hauderei über seine Gefourtsstadit Bretten .
Zwischen Schwarzwald und dem neckar - rtrömten Odenwald dehnt sich der ;ewölbte Brückenbogen des Kraich- g»us. Aus der weiten Ebene des Rheins steigt das Hügelland an zu der Kette taitgedrüökter Kuppen, die „Berge“ zu Bennen vermessen wäre, da 200-Meter- ffihen unter ihnen schon als Riesen gellst. Wen ethymologische Gelüste anwan- hln, den Kraichgau zu deuten, gehe beim Humanisten David Chyträus in die Schule: „Kriegsbeute-Land“ — griechisch „Graion gaia“; griechische Soldaten von kr Kohorte des Kaisers Konstantin seien jt das Land zwischen Rhein , Neckar und ffiva Hercynda als Kolonisten gekommen, »g sein, daß Chyträus , der auf den brav- Mrgerlichen Namen Kochhaf getauft war. acht hat; vielleicht ist „Kraieh“ auch nur idu altgallische Wort für Schlamm, und baichlich heißt heute noch eine Schwelte des Krakhbachs Ueim{= Lehm)bach. Im Herzen dieses Kraichgaus, zwischen mit der einst so rauschenden t seines fünstbischöflichen Rokoko- •hk»ses und dem zu Stein gewordenen höbrosiamschen Lobgeeang der Maul- tehoer Zisterziensermönche, liegt Bret- 1*0. Wer auch selber noch nicht durch dtodeniweite Wälder und buntblumige .Wesentäler vorgedrungen ist, erinnert Wh doch bestimmt dabei an einen Na- den Melanchthons. Hier wurde te 450 Jahren Philippus Melanchthon te Sohn des Waffenschmiedes Georg Sbwarzerd und der Nichte des großen «nisten Johann Reuchlin , geboren, noch nicht 15 Jahren besteht er in *n nahen „schwäbischen Univensitäts- •rt“, wie weiland Geheimrat Goethe ein- Tübingen nannte, die Maglsterprü- **€, um sechs Jahre später als Lehrer des Griechischen nach Wittenberg berufen zu ••den. Auf seiner Geburtsstätte erhebt ein prächtiges Gedächtnishaus mit Jtehen Schätzen an Bildern und Schriften Brettens größtem Sohn.
Um die letzten Zeugen versunkener Wehrbarkelt Brettener Bürger webt zwei- •j&endjährige n 'schichte. Kelten und «teer haben Ihre Spuren hinterlassen.
lag ein Teil der 31. römischen Legion, 'te die als exploratores — Kundschafter r* in römischen Diensten stehenden Nek- •fchiwaben hatten hier ihre Siedlungen, tea stießen nach Durchbruch des Limes •.Alemannen in der Mitte des drittel {•«christlichen Jahrhunderts in den Waichgau vor, wie die um Bretten Heiden lngen"-Siedlungen beweisen. *«tetem Ringen mit den Alemannen beteten nach 500 die Franken das Land Main und Neckar bis zur Linie gen — Hohenasperg — Hornisgrinde Militärposten und legten Kastelle, Gemeinden und Adelegüter
•s.
-Wechselvoll ist die Geschichte Brettens, ? der Kreuzung der oberen und unte- te Nürnberger Handelsstraße gelegen, te der sich der Verkehr von Venedig , teübuig und Ulm nach Frankfurt , und P* Spanien und Frankreich vollzog, teagsnot, Feuersbrünste und Pest drohte die blühende Stadt zu vernichten, und te sog Herzog Ulrich vor. Württemberg Mbdechatsend mit 20 000 Mann vor Bret- Noch heute findet man an Hause ln- . Jn und in Dachgiebeln große Kalk- •tekugeln aus dem „Katterlin von Ulm“,
menbruch vor zwei Jahren feierte alljährlich die Brettener Schützengüde, die ire Geschichte bis zum Peter-und-Paule- tag des Jahres 1504 zurückführt, das denkwürdige Ereignis mit dem berühmten „Peter-und-Paul-Schießen”.
Ähnlich glückhaft verlief die Belagerung im Bauernkrieg, zu dem der Gais- pefer aus Beutelsbach mit den Remstäler Weinbauern das Zeichen gegeben hatte. Auch der Dreißigjährige Krieg machte nicht Halt vor den Mauern der Kraich- gaiustadt. Ihr furchbarstes Schicksal aber erlitt sie 1889, wo sie bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Heute ist Bretten nicht mehr der „Schlüssel zur Pfalz“, aber es denkt noch mit Stolz an die 450 Jahre zurück, da pfälzische Kurfürsten über es geboten. 1803 kam die Amtsstadt, die 6 000 Seelen zählt, zu Baden . Eisenbahnknotenpunkt an den Strecken Stuttgart —Heidelberg und Hellbronn, besitzt Bretten neuzeiliche Großbetriebe von Weltruf. Vor hier aus nahmen die ersten Berieselungskühlapparate, aber auch die ersten Erdöllampen, den Weg in die Welt. Schon wegen seiner reichen Geschichte und denkwürdigen Erinnerungen an die Zeit des großen süddeutschen Humanisten und seiner Zeitgenossen verdiente Bretten , das man gerne die „verwunschene Prinzessin“ nennt, entdeckt und erweckt zu werden.
Theaterfreudige Konstanter
Konstanz. Mit der am Samstag, den 5. Juli, zu Ende gegangenen Spielperiode des Stadttheaters Konstanz , ist die erste Spielzeit seit der Wiedereröffnung im November 1945 zu Ende gegangen. Die Nachfrage nach Plätzen war größer, als die Theaterleitung vorhersehen konnte. Seit der I Wiedereröffnung zählte das Theater etwa i 2200 Abonnenten ohne die Abstecherorte. Es ging«! 41 Inszenierungen über die Büh- I
Gefpräch tn Laufenburg
Von Max Bittrich
Wir waren eine bunte Gesellschaft im Bahnwagen. Mit mir reisten ein Mundharmonikaspieler, ein allzu fleißiger Pfeifenraucher, ein still vor sich hinlächelnder Mann, eine freundliche alte Krankenschwester und eine junge Frau mit dem etwa dreijährigen Kinde, das nie vom nachgeahmten „Has“ ließ.
Der Zug hielt an einem Bahnhof, wir blickt«! nach dem nahen Strom, dem jungen Rhein , der vom steinernen Bett eng zusammengepreßt zwischen der kleinen deutschen Stadt Laufenburg und dem durch eine Brücke mit ihr verbunden«! schweizerischen Groß-Laufenburg seinen Weg findet.
Die Mundharmonika verstummte, ihr Besitzer erzählte von der Zeit vor dem Bau des Kraftwerkes (1906 bis 1914), da man die wilde Flut des Laufen, der riesenhaft tobenden Strom schnelle, habe bewundern können. Heute für des Kraftwerk hier auf 80 Meter zusammenge- drängt, habe sich der Rhein damals 800 Meter breit dem Schwarzwälder Feiegebiet genähert, sei durch dieses auf 180 Meter alngeechnürt worden, hätte vor dem engen Laufen wiederum 850 Meter gewonnen und endlich durch eine 34 Meter breite Brückenöffnung (türmen müssen, weiter unten sogar durch ein noch viel engeres Felsentor. Welche schwer vorstellbare Tiefe habe der Strom dabei annehmen müssen!
So plauderte der ln Laufenbungs Nähe wohnende Mann, und er wußte auch von einigen abenteuerlichen Fahrten durch die Strom schnellen zu erzählen. Ein Lord Montagu aus dar Familie dar Herzöge von Manchester habe den ungestümen Strom hier im Kahn bezwingen wollen und sei in den wütenden, von tausend Gefahren gespeisten Wirbeln umgskom- men. Später, als man Schiffe und Flöße
ne. Das bedeutet, daß bei rund 460 Plätzen, von den etwa 40 000 Konstanz « Einwohnern jeder sechste bis siebente sich jede Inszenierung ansah. Die größte Zahl der Aufführungen nämlich 32, erlebte „Die erste Legion”. Dann folgten „Peterchens Mondfahrt” mit 28, „Monsignores große Stunde” mit 22, „Der Urfaust ” mit 19 Aufführungen. Ferner gastierten auswärtige Künstler mit Konzerten, Varietes, Kaba- rettprogrammen usw. (größtenteils für die IBesatzungsmacht) seit August 1945 mi!t 244 Veranstaltungen. Insgesamt wurden 569 Aufführungen in Konstanz und 96 in Radolfzell und Singen veranstaltet.
Römische Funde im Markgräfler Land
Freiburg. Auf einem Bergspom über dem Markgräfler Darf Kirchen wurden während des Krieges die Reste einer spätrömischen Schutzanlage für die linksrheinische Römerstraße gefunden, und zwar im Bereich jenes kurz vor dem ersten Weltkrieg erstmals festgestellten Königshofs von Kirchheim-Kirchen, der ein Mittelpunkt fränkischer Verwaltung rechts des Rheines bis in die Zeit Heinrichs II. war. Am Rain des Bergspoms wurden ferner die Reste eines karolingischen Friedhofes und eines Webkellers aus gleicher Zeit gefunden.
Die Stadt Freiburg als Kleingärtner
Freiburg . Im letzten Jahr, als zahlreiches Wiesenland für Kleingärtner umbrochen wurde, richtete die Stadt Freiburg in eigener Regie im westlichen Teil der Stadt ein großes Gelände als Gemüsegartenland ein, das dazu beitrug, daß der süd- badische Erwerbsgartenbau 220 Tonnen Gemüse über sein Ablieferungssoll hinaus abgeben konnte. Auch in diesem Jahr ist dieses Gelände wiederum mit Gemüse aller Art angepflanzt. Rund 140 000 Kohlrabi, 6000 Tomatenstöcke, Rettiche, Mangold, Buschbohnen, Zwiebeln und ganze Ackerbreiten mit roten Rüben und Gelbe Rüben sollen wiederum dazu beitragen, die Gemüseversorgung der Bevölkerung zu steigern. Das ganze Gelände umfaßt etwa 17 ha und wird mit einer 50 PS-Die- selanlage künstlich beregnet Es wird auch bereits für die Zukunft gepflegt, denn in der klimatisch günstigen Lage will das städtische Gartenamt künftig seine ganzen Anzuchtanlagen und Mustergärten, die heute noch zerstreut in der Nordstadt und im Ostteil Freiburgs liegen, anlegen, während westlich davon Erwerbsgärten angesiedelt werden können. — In der jüngsten Sitzung des Stadtrats wurden 378 000 Reichsmark für den Umbau der ehemaligen Artüleriekaseme zu Wohnungen auf Kosten der Stadt bewilligt. Es werden in der früheren Kaserne 18 Dreizimmer-Wohnungen, 30 Zweizimmer-Wohnungen und sechs Einzimmer-Wohnungen errichtet.
Offenburg . Im Gebiet des Kreises Of fenburg wurden 1708 vermißte ehemalige Wehrmachtsangehörige gezählt. — Wie die Militärregierung mitteilt, werden in Bälde weitere 7500 Ostflüchtlinge, die bisher in Dänemark interniert waren, in Südbaden eintreffen. — Durch die Schweizer Spende kam zur Freude der Kinder in Verbindung mit der Schulspeisung Schokolade zur Verteilung. — Leiser vom Landratsamt Offenburg ist mit der kommissarischen Leitung des Kreises Stockach betraut worden.
Vor Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs auf der Lahn Koblenz
. In der nächsten Zeit ist mit der Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs auf der Lahn zu rechnen. Zur Zeit werden Verhandlungen wegen der Freigabe von Transportschiffen geführt. Während des Krieges betrug das Gewicht der auf der Lahn beförderten Waren etwa 300 000 t jährlich. Es handelte sich in erster Linie um Kalksteine und Erze aus dem Lahngebiet. Für die Wiederaufnahme kommen vorerst etwa 6—8 Schiffe in Betracht
noch unbemannt durch die gefährliche Partie des Stromes geschickt und die Rette der zerrissenen Flöße weiter unten wiederaufgefangen habe, die höllischen Strudel geschleudert und nach ungefähr zehn Minuten fürchterüchsten Abenteuers lebend gerettet worden.
Nach solch erregendem Bericht gewann der vorher lässig lächelnde Reisende die Sprache zu der Bemerkung- das Ende des Montaguschen Versuchs wäre kein Wunder gewesen, eher gliche das Schicksal des Flößers einem Wunder.
„Unglaublich!“... „Unerklärlich!“ äußerten Mitreisende.
...„Dennoch verbürgte Tatsache, 1901 ist’s geschehen“, antwortete der Erzähler.
Die junge Frau hiit ihr Kind enger umschlungen, als hätte tie't vor den ungestümen Gewalten de« Stromes zu schützen, und das Kind drückte den angeblichen Hasen mit seinem roten Halsbändchen und dem Glöckchen an die Brust. Dieser Hase war ein schon arg mitgenommenes Ti«, dem fast allein die her- abhängenden langen Löffel und das braune FlanelHeii einigermaßen das Ansehen eines Meistert Lampe schenkten.
„Unglaublich toH das Abenteuer im Rheine lein, das der Flößer bestanden hat“, warf die Frau ein. „Noch ganz andere Ereignisse können wir nicht recht begreifen, und doch bleiben sie wahr. Man erlebt Stunden, die man nachher selbst nicht glauben möchte. Sehen Sie hier uns drei an, mich. Kind und Hasen. Wae meinen Sie: kann so ein auageitopf- tea Tier, das eins guthartige Nachbarin vor Jahren meinem Kind« geschenkt hat, uns das Dasein retten helfen? Ja, das kann es dsnk höherer Fügung, wir habend miteinander erlebt.“
„Sie wollen uns einreden, das ausgestopft« Ding, dieses Monstrum wäre so etwas wie Lebensretter gewesen?“
„Nennen wir*a Werkzeug zur Rettung. Wie Sie uns hier vor sich haben. lind wir ausgeboebbt worden, zweimal sogar. Das
Caritaeheime im ßoöenfccgcbict
I Am Bodensee und im Hegau hat der Caritasverband Konstanz eine Anzahl Heime fite Säuglinge, Kinder und alte Leute geschaffen, denen er vor kurzem ein weiteres, das Müttererholungsheim Weiterdingen bei Engen im Hegau , hinzufügen konnte. Aus diesem erfreulichen Anlaß mag ein kurzer Ueberbück den jetzt insgesamt 5 Heimen des Konstanzer Verbandes gelten, zu denen noch die von Caritas und Innerer Mission in Konstanz wieder gemeinsam betriebene „Walderholungsstätte der Stadt Konstanz ” am Jakobswald beiip Seeufer von Konstanz- Staad kommt, wo zunächst zweimal je 70 Kleinkinder und von den Sommerferien ab ebenso viele Schulkinder sich in Wald- und Seeluft erholen sollen.
Im Säuglings- und Kleinkinderheim St. Elisabeth in Konstanz bringen Mütter ihre Kleinsten unter, die sie augenblicklich nicht selbst pflegen können; Frauen also, die zur Arbeit gehen müssen, Kriegerwitwen, ledige Mütter aller Art. Junge, ausgebildete Schwestern sorgen für die 45 schneeweißen Bett eben, waschen täglich rund 500 Windeln, füllen zu jeder Mahlzeit ein halbes hundert Milchflaschen, bewachen die ersten Gehversuche und leiten Charakter und Willen der Kleinen in gute Bahnen. Im oberen Stockwerk des gleichen Hauses beherbergt ein Schülerinnen- Intemat z. Zt. 16 Schülerinnen, die aus dem weiteren Hinterland des Sees stammen und in Konstanz ihrer Schulausbildung nachgehen. Um das Wohl des gesundheitsgefährdeten Schulkindes bemüht sich das Kindererholungsheim Volkertshausen , das nicht weit von der berühmten Aachauelle entfernt, bei der Station Hohenkrähen der Schwarzwaldbahn liegt und mit 65 Betten fortlaufend ebenso viele Kinder aus dem Bo densee - und Hegaugebiet zur Erholung aufnimmt.
Im Altersheim A r J e n , 4 km von Sin gen/Hohentwiel gelegen, ist ein Haus mit 35 Betten für unsere alten Männer und Frauen bestimmt. Jetzt wurde auch ein
Müttererholungsheim in Weiterdingen bei Engen eingerichtet. Ein früheres Schloß steht seit Ostern dieses Jahres mit 50 Betten dafür bereit. Wie schön und sorglos finden die Mütter es dal Es gibt kein Schlangestehen mehr für die Abgehärmten, nicht mehr die tägliche Frage, was man auf den Tisch bringen soll. Und die Bäuerin kann sich einmal gründlich ausruhen. Drei bis vier Wochen soll eine solche Unterbringung in Weiterdingen dauern, derweil daheim Verwandte, Schwestern oder eine dafür eigens vorgebildete Haushaltfihilfe das Hauswesen weiterversehen.
Idealismus und Optimismus sind die Eigenschaften, die von allen vorausgesetzt werden müssen, denen das Zustandekommen solcher Hilfswerke gelingen soll. Je fühlbarer die Not wird, desto stärkerer Mut tritt ihr hier entgegen, um Hungernde zu sättigen, Verzweifelnde aufzurichten, gefährdete Kinder zu retten, Mütter zu stärken. C, A. Bernicken.
Abitur nach Punkten
Bei den jetzt stattfindenden Abiturientenexamen in der französischen Zone ist ein neues Prüfungssystem angewendet worden, um eine scharfe Auslese unter der Schülerschaft zu erreichen. Die Kommissionen für das mündliche Examen werden aus fremden Lehrkörpern genommen und die Themen der schriftlichen Arbeiten zentral festgesetzt. Die Bewertung der Leistung wird nach einem System erfolgen, das insgesamt zwanzig Punkte vorsieht. Bei der schriftlichen Prüfung müssen rrfindestene sechs Punkte erreicht werden, bei der mündlichen mindestens zehn. Mit zwölf mündlichen oder schriftlichen Punkten wird das Examen zwar bestanden, aber eine Zulassung zum Hochschulstudium nicht erreicht. Mit 14 Punkten bleibt noch eine „Hochschulprima” zu absolvieren, ehe man mit dem Studium beginnt. Erst ab 15 Punkten wird man sofort zum Hochschulstudium zugelassen.
v SüöroeftOeutfche Umfehau
Konstanz. Die Zahl! der bis jetzt in Konstanz I bestehlenden Gewerkschaften beträgt zehn, die Mitgliedezzahl 2500. — Wie die Schiuhmachieriin- niung für den Kreis Konstanz erklärt, siebt sie sich infolge ungenügender Lieferungen von Material gezwungen, die Sehiuhjrepareituiien einzu- steUen. Unbedingt notwendige Zutaten wie Ma- schinenschmirgel, Aufrauher, Nähiroatschinennadielii usw. wunden den Schuhtmaichiem seit 26 Monaten nicht mehr geliefert. De« Badischen Wirtschafte- mindsteriium wurde rmtgetedit, daß die Reparatur, betriebe des SchuhmacheEbandiwerks beim Ausbleiben einer Hilfe vor de« Zusammenbruch stehen. — Der Kteingartenveredn von Konstanz zählt z. Zt. über 600 Mitglieder. — Der Kartoffelkäfer lat in allen Stadtteilen von Konstanz festgesteüt worden.
Tuttlingen . Die Seelsorger aller Kriegsgefangenenlager der französischen Zone hielten vom 1. bis 4. Juli ihre zweite Lagerpfarrerkonferenz fcm Tuttlinger Lager Mühlau ah. Die Tagung stand unter dem zentralen Thema der Not des Heimkehrers, seiner Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Beruf. Die Bedeutung dieser Aussprache wurde durch die Anwesenheit der französischen Feldbtschöfe beider Konfessionen sowie hervorragender Geistlicher de* In- und Auslandes unterstrichen.
VIllingen . Ein schweres Hagelwetter ging südlich der Stadt Villingen nieder. Namentlich die Gemarkungen der Gemeinden Pfaffenweiler und Riethedm Wurden schwer beschädigt. Die Kartoffel- und Getreidefelder sind dort teilweise bis zu 90 und 100 Prozent vernichtet. Die Hagelkörner erreichten die Größe von Tauibeneiem.
Hirschsprung. Kürzlich löste sich von der Felswand oberhalb des Hirschsprungs im HöKentai ein etwa 60 Zentner schwerer Felsbrocken Gliüdcldcherwei&e erfolgte der Abbruch zur Nachtzeit. so daß Personen nicht zu Schaden kamen. Da* Geleise der Höllentaibehn und die Fahrstraße konnten bis zum nächsten Morgen frei- gemacht werden.
Posthalde (Höilemtai). Ein Zimmermann aus Frefburg, der am Hamterwaldlkopf mit der Aufbereitung seines Winterholzes beschäftigt war, wurde während eines plötzlich heraufgerögenen Gewitters, dem ein heftiger Stumm voiaiusging, von einer angesägten Buche erschlagen.
Hof. Die Leitung einer Hofer Schule erhielt dieser Tage von einer Thüringischen Schiefem- stiftfabrik folgendes Schreiben: „Wir bieten Ihnen 80 Sdiieferstifte für Schulkinder an und würden es begrüßen, wenn Sie uns dafür vier Pfund Speck oder 2 kg Butter senden würden.“
Nachrichten aus her Schmelz
Einem Bericht des Schweizerischen eidgenössischen Statistischen Amtes ist zu entnehmen, daß im Jahre 1946 in den Hotels, Pensionen, Sanatorien und Kuranstalten insgesamt 20,9 Millionen Logiiemächts gezählt wurden. Das sind 3,3 MWoniea mehr als im Vorjahrs. — Zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein wurde mit Wirkung vom 1. Juli die Grenzkontrolle aufgehoben. Der freie Verkehr gilt nur für Schweizer und Liechtensteiner . — Der 25. September wird in der Schweiz elis der jährliche Festtag des hl Nikolaus von der FMie bezeichnet. — Die Großherzogin von Luxemburg stattete mit ihrem Gemahl der Schweiz einen ofUstellen Staatsbesuch ab. — Die Schweizer Kirschenernte wird ln diesem Jahr» auf 245 000 Doppelzentner geschätzt. — Eine Zürcher Firma spendete sämtlichen Schulkindern der Stadt Bregenz je ein Kilogramm Zucker. — Ein etwa 40 Jahre alter Pächter in Emgishofen, Vater von drei Kindern, erschoß seine Frau, sein fünfjähriges Kind und dann sich selbst. Der Täter bewirtschaftete c als Pächter ein landwirtschaftliches Anwesen, das seinem Schwiegervater gehörte, mit dem er in Streit lebte. — Bei einem Einbruch in einem Uhrengeschäft in Winterthur entwendeten die Tä- tter für 60 000 Franken Uhren.
erstemal, dieses Kind war kaum ein Jahr alt, hatt’ lch's eben in die Badewanne gesteckt und Stand dabei, und der Has mußte am Rande sitzen und zuseihen.
Da, ... Alarm! Hauptalarm, höchste nahe Gefahr. Also Ist Flucht in unsem kleinen Schutzkeller nötig. Beängstigende Ruhe in unserm Hause. Niemand außer uns wellt augenblicklich im Gebäude, ich das Kind aus dem Bade reißen, Handtücher packen und los! .Der Has, der Has’! schreit mein Liebling. Id! rasch einen Schritt zurück, schon um kein klagendes Kind zum sonstigen Jammer im Keiler zu haben. Hier, da hast du deinen geliebten Has! .... Die Treppe hinab. ... .Der Has. der Has’! ... Jetzt i#t er dem Kinde aus der Hand gerutscht. Ich heb ihn auf. Weiter! Die Kellertreppe hinab. Ich bin der Türe unseres Schutzraums, des dürftig«!, bis auf ein Schritt- chen nahe und strecke bereits die Hand nach der Klinke aus. Da. — ich weiß nicht, was weiter geschieht. Nur fühl ich: alles wackelt und krecht und scheint zu stürzen, und wir werden durch Staub und Brocken geschleudert, zur Treppe rückwärts geworfen, und .... ach, was weiß ich! Retter haben mich ohnmächtig herauegecerrt, samt dem Kinde und seinem Has, Aber der Schutzraum ist meterhoch verschüttet gewesen mit zentnerschweren Steinen, mit Gebälk und Eisen; wir hätten darin umkommen müssen.“
Im Banne der Erinnerung griff die weinende Erzählerin nach dem Taschentuch. „Ohne die Augenblicke, di« ich mit dem Has zugab rächt, weil das Kind so gewollt hat, wär’s unser aller Elend gewesen“, schloß sie.
„Jetzt könnt* ich beinah auch an den geretteten Flößer glauben“, gestand der vorherige Zweifier.
.Die weißhaarige Krankenschwester nahm das Wort „Gütige Menschen wie
die Has-Gefoerin, und kleine Kind« lind schon öfter zu Rettern ausersehen gewe
sen, nur erkennen wir den Zusammenhang zu seiten, ich hab viel Beispiele erlebt“, sagte sie.
Oberfchroäblfche Sezefflon
Man wird jeder neuen Künstlervereinigung zunächst mit einer gewiesen Skepsis begegnen. Und dies nicht zu unrecht. Künstler sind meist stark egozentrische Naturen, wenig geeignet zu einer auf die Dauer ereprießlidien Zusammenarbeit. Die beeten unter ihnen haben deshalb auch ein größeres Bedürfnis nach Zurückgezogenheit, als daß sie gemeinsamen Bestrebungen nachzugehen geneigt sind. Ausgeprägte KUnstlerpereönlichkeiten stehen jeder Organisation ablehnend gegenüb« und nur aus Mißachtung oder Unverstand kann man ihnen daraus einen Vorwurf machen.
Dennoch ist jetzt wieder eine Vereinigung von Künstlern zustandegekommen! Eine Sezession oberschwäbischer Künstler, die sich jedoch nicht als Vereinigung betrachtet, sondern als Interessengemeinschaft. Es handelt sich um eine freie Gruppe bildend« Künstl«, deren Zusammengehen keineswegs eine Einschränkung der eigenen Freiheit bedeutet. Die neue Sezession v«trltt keine Richtung, und damit unterscheidet sie sich von frü- h« bestehenden Sezessionen. Gegen üb« den Zeiterscheinungen — w« erhebt heute nicht alles Anspruch Künstl« zu sein! — stellt sie eine Art Selbsthilfe d« Ernst- zunshmenden und Verantwortungsbewußten dar, um ein rapides Absinken des künstlerischen Niveaus aufzuhalten.
Die erste Ausstellung der Oberechwäbi- schen Sezession, die im Märx 1947 gelegentlich d« Ausstellung „Oberschwäbische Kunst” in Ehingen (Donau ) von den Künstlern selbst in* Leben gerufen wurde, findet vom 29. Juni bis 80. Juli in Ulm statt und wird anschließend auch in anderen Städten zu sehen sein.
Herbert Karl Kraft