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SUDKURIER

I.JAHRGANG * ÜBERPARTEILICHE IN FO RM ATI O N S ZEITUNG FÜR DAS LAND BADEN * NUMMER T5

Adresse: Konstanz , Rosgortenstr. 12. Telefon-Anschlüsse: R fl NI STA N7 D I F NI STA T 1 d FF RR II i R IQ4K Erscheint Dienstag u. Freitag. Pro Monat: Post M. 1.74,

Redaktion u. Verlag Nummer 924, 925, 1130, 1510 u. 1511 1 APIi U ILI L r LDRUrtit 7,0 Träger M. 1.60 mit Zustellgebühr. — Einzelpreis 20 Pfg.

Kurz notiert

Zwischen Italien und der banzösisdnen Besat­zungszone Deutschlands -wurde ein Handelsab­kommen abgeschlossen, das einen Austausch von ltallemlsdiiem Obst, Gemüse und Indostxieproduk- ten gegen deutsches Hsh, Eisenwaren und in­dustrielle Ausrüstungen vorsteht.

100 deutsche Lehrer und Lehrerinnen aus der britischen Zone werden demnächst in England an Lehrgängen teflnehmen, die ihnen einen Begrifi vom Leben in Großbritannien geben sollen.

44 wertvolle Tiere des Frankfurter Zoolo­gischen Gartens sind seit Dezemtw 1047 von unbekannten Tätern vergiftet worden.

Die alitierte Kommandantur hat den „Hebam- menverband von Groß-Berlin“ nicht zugelassen, weil eine der Besatzungsmächte der Ansicht war, der Verband diene politisdien Zwecken.

Die amerikanische Militärregierung in Berlin vrbot in Ihrem Sekte» die Verbreitung von Aus­zügen aaig Mototow-Reden, well diese beleidigen­de Stellen gegen die USA enthielten.

Die sowjetisch lizenzierten Zeitungen „Neues Deutschland", „Vorwärts", „Berliner Zeitung ", „Die tägliche Rundschau" sowie „Berlin am Mit­tag" sind für den französischen Sektor Beding verboten worden.

Ein kürzlich aus der Halt entwichener Berliner Amtsgerichtsrat ist niemals Jurist gewesen, son­dern nachweislich mit mehreren Jahren Zucht­haus vorbestraft, teilt die Berliner Staatsanwalt­schaft mit. Er hatte seinen Fragebogen in ganz besonders raffinierter Weise gefälscht.

Die Reichsbahndirektion Dresden hat ein „Fliegendes Schnellgericht" geschaffen, das er­tappte ElsenbahndieSbe jeweils am Tatort ab­urteilt.

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Figl pro­testierte gegen den Abtransport eines Schwimm, docks der DoraaudampfschUfahrtgeseUschaft nach Ungarn durch die Russen.

In Basel ist ein „Weltbund freiheitlicher Ar- beitnehmerveihände" auf liberaler Wirtschafts, gnindiage gegründet worden.

Die Stadt Brest , die ganz besonders unter den Kriegseinwirkungen zu leiden hatte, wurde mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Die belgische Kammer hat ein Gesetz über das Wahlrecht der Frauen bei den Pariameutswahlen angenommen.

Nach einem Gesetzentwurf der britischen Re. gierung soll allen Völkern des Vereinigten Kö­ nigreiches und der britischen Kolonien eine ge­meinsame Staatsbürgerschaft gegeben werden.

Premierminister Attlee hat einen Vorschlag, die kommunistische Partei in England zu verbie­ten, abgelehnt.

Nach einer Erklärung des britischen Verteidi­gungsministers wird die allgemeine Wehrpflicht in Großbritannien beibehalten.

Exkönig Carol. dem durch eine Entscheidung des Ministerrats die rumänische Staatsangehörig­keit aberkannt wurde, hat ein amerikanisches Einreisevisum erhalten und wird sich wahrschein­lich in den USA niederlassen.

Die USA gaben nun formell die 14 exterrito­rialen Stützpunkte in Panama aut, die ihnen 1942 auf Grund des Pacht- und Leihabkommens überlassen worden sind.

Schweres

Eisenbahnunglück in der Schweiz

Z ü r i ch. Ein schweres Eisenbahnunglück bat sich am Sonntagnachmittag in Wä- denewil bei Zürich ereignet. Der zwischen Sattel und Zürich verkehrende Sportzug tet um 17.30 Uhr in Wädenswil am Zür­ cher See entgleist. Auf der stark abschüs­sigen Strecke konnte der Zug nicht ge­bremst werden und rollte mit einer Ge­schwindigkeit von 60 Stundenkilometer in den Bahnhof von Wädenswil ein. ob­wohl die Strecke noch nicht offen war. Nach einer Ueberleitung auf ein Indu­striegleis rannte der Zug gegen ein drei­stöckiges Haus, das einstürzte und den Triebwagen unter seinen Trümmern be­grub. Vier weitere Wagen wurden inein­ander gepreßt und total zerstört. Nach letzten Meldungen sind 21 Tote und 48 Verletzte zu beklagen.

Machtkampf in Prag

Beiiesch lehnt Ministerrücktritte ab — Proteststreiks in Prag Prag

. Aus Protest gegen die Politik der Kommunistischen Partei haben 12 von den 26 Ministern der tschechoslowakischen Fünfparteien-Regderungskoalition beim Prä­sidenten Benesch ihren Rücktritt erklärt. Die zurückgetretenen Minister gehören der katholischen-tsdiediischen, der demokratisch­slowakischen und der volksscwialistischen tschechoslowakischen Partei an. Die Re­gierung wird somit gegenwärtig nur noch von der Kommunistischen Partei, der Pre­mierminister Gottwald angehört, und der Sozialdemokratischen Partei, der inzwischen Außenminister Masaryk beigetreten ist, ge­bildet. Dem Rücktritt ging eine stürmische Kabinettssitzung voraus, bei der die nicht­kommunistischen Minister den kommunisti­ schen Innenminister Nosek beschuldigten, einen Kabinettsbeschluß, öffentliche Aemter nicht zu „bolschewisieren“, nicht durchge­führt zu haben. Außerdem wandten sich die Volkssozialisten, die Partei des Präsidenten Benesch, gegen kommunistische „Drohun­gen“, wonach andere Regierungsparteien sich durch eine Revolte der Koalition ent­ledigen wollten.

Die Christliche Volkspartei ist zusammen mit den Sozialdemokraten der Ansicht, daß mit dem Ministerrücktritt die Parteien sel­ber noch nicht aus der Nationalfront aus­getreten seien und daß in diesem Rahmen trotzdem noch eine Lösung der Krise gefun­den werden könne. Weiter fordern die So­zialdemokraten auf, die Interessen des Staates über die Parteünteressen zu stellen und die Regierungskoalition bis zu den nächsten Wahlen beizubehalten.

Die Kommunistische Partei hat an Präsi­dent Benesch die Forderung gerichtet, sich mit der Bildung einer neuen Regierung aus Kommunisten, Sozialdemokraten upd Ver­tretern der großen nationalen Organisa­tionen sowie eventuell aus Mitgliedern der Demissionsparteien, die jedoch nicht zum Kabinett gehörten, unter Gottwald einver­standen zu erklären. Zu gleicher Zeit hat die Kommunistische Partei die sofortige Mobilmachung aller Kräfte der Arbeiter­klasse angeordnet, um die Regierung Cle-. ment Gottwald zu unterstützen. Auch die tschechoslowakischen Gewerkschaften haben eine Resolution angenommen, in der fest­gestellt wird, daß die Arbeiterschaft, die alle Anstrengungen zur Produktionsstei­gerung und Wahrung des sozialen Friedens mache, unzufrieden sei, weil sie die alten agrarkapitalistischen Kräfte sich zum Um­sturz organisieren sähe. Ferner wird noch­mals darin die Forderung auf Verstaat­lichung sämtlicher Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten erhoben, zu deren Be­kräftigung die Gewerkschaften am heutigen Dienstag einen einstündiqen Streik in (fie­sen Fabriken durchführen.

In einer Erklärung des kommunistischen Innenministers Nosek und des Verteidi­gungsministers Svoboda wurde die Auf­deckung einer Verschwörung zu einem be­waffneten Staatsstreich bekanntgegeben. Das Komplott soll von Anhängern des 1945 sei­nes Postens enthobenen Generals Prchala organisiert und von Verbindungsmännern zur Anders-Armee geleitet sein. Außerdem seien in diesen Kreisen Informationen über die militärische Stärke der Tschechoslowa­ kei zugunsten einer „gewissen ausländi­schen Macht“ gesammelt worden.

Der tschechoslowakische Staatspräsident

Bomben in Jerusalem Jerusalem

. Am Sonntagfrüh um , Uhr 30 ereignete eich im jüdischen Stadt­teil von Jerusalem eine furchtbare Explo­sion, durch die in der Hauptgeschäfts­straße von Jerusalem , in der Ben Ye- iuda-Straße 50 Läden, 3 Hotels, 2 Kinos und 6 Cafes zerstört wurden. Das fünf­stöckige „Atlantik ”-Hotei ist zu einem 10 m hohen Trümmerhaufen zusammen- gesunken. Bisher wurden 51 Tote und 105 Schwerverletzte, von denen die meisten licht mit dem Leben davonkommen dürf­en, geborgen.

Ein Sprecher der jüdischen Agentur er­klärte, es seien zwei Militärlastwagen und ein Panzerwagen der britischen Polizei für das Sprengstaffattentat verwendet Wor­ten. Er gab weiter folgende Erklärungen ab: „Augenzeugen haben diese Wagen kurz vor der Explosion in der Ben Ye- luda-Straße parken sehen. Ein Mann zün­dete anscheinend eine Lunte an und srachte sich dann in Sicherheit. Alle In­sassen der Wagen trugen Armee- oder Polizeiuniformen. Bereits jetzt, angesichts ier großen Menge des benützten Spreng­stoffes, scheint es wenig wahrscheinlich, laß Einzelpersonen dieses Attentat voll­bracht haben. Die arabischen Behörden ha­ben die jüdische Agentur indirekt davon n Kenntnis gesetzt, daß die Araber mit lern Attentat nichts zu tun hätten. Die jü­dische Agentur verlangte vom britischen Seneralstab und dem Sekretär des Regie­rungschefs, sie sollten Befehl zur sofor­tigen Zurückziehung aller britischen Trup­pen oder Polizeikräfte aus der jüdischen Jene von Jerusalem erteilen.

Die Irgun erklärte in einer Note an die Presse: „Van jetzt ab wird jeder britische Polizist oder Soldat liquidiert, der sich in den jüdischen Stadtteilen sehen läßt.”

Nach der Explosion in der Ben Yehuda- Straße kam es überall zu wütenden Aus­schreitungen der jüdischen Bevölkerung gegen die Engländer, m deren Verlauf ins­gesamt füni britische Armee-Angehörige getötet wurden.

Jerusalem . Seit dem 1. Dezember des vorigen Jahres wurden tausend Juden und Araber bei den Zwischenfällen in Palästina getötet. Die Zahl der Verwunde­ten beläuft sich auf mehrere tausend.

Palästina verläßt den Sterlingblock

London . Das britische Schatzamt gibt bekannt, daß Palästina seit dem 22. Fe­bruar nicht mehr der Sterlingzone ange­hört. Die Maßnahme wurde wegen des baldigen Ablaufs des britischen Mandates für Palästina getroffen und soll wenig­stens für den Zeitraum in Kraft bleiben, in dem eine gut organisierte Geldwechsel­kontrolle in Palästina fehlt. Die verhält­nismäßig hohe Sterlingsbilanz des Landes von etwa 100 Mill. Pfund wird gesperrt, um ihre unzulässige Verwendung zu ver­hindern. Zunächst sind für den sofortigen Bedarf bis Mitte Mai 7 Mill. Pfund frei­gegeben. Das Kommunique des britischen Schatzamtes betont, daß die britische Re­gierung bereit ist, mit den Nachfolgere­gierungen des britischen Mandats über die Rückkehr Palästinas in die Sterlingzone zu verhandeln.

Wie das Schatzamt weiter bekanntgibt, wird auch Transjordanien, dessen Wäh­rung das palästinensische Pfund war, aus dem Sterlingblock austreten. Die transjor­danische Regierung wird Maßnahmen für einen eventl. erneuten Anschkte an den Sterlingblock ergreifen

Benesch beschloß inzwischen, den Rücktritt der zwölf nichtkommunistischen Minister abzulehnen und somit der kommunistischen Forderung, eine Regierung aus Kommuni­sten und Sozialdemokraten zu bilden, nicht nachzukpmmen. Vor einer Fabrikarbeiter- delegation, die ebenfalls von ihm eine Re­gierung unter Führung dieser beiden Par­teien forderte, erklärte der Präsident: „Wir haben ein parlamentarisches Regime und werden auch weiterhin eine parlamen­tarische Regierung besitzen. Ich erkläre mich mit nichts einverstanden, was einer Regierung von tschechischen Funktionären ähnelt. Für mich kann es aber auch eine Regierung ohne Kommunisten geben.“ Die gegenwärtige Nervosität sei groß, doch ver­lange er von allen weiterhin eine gemein­same Zusammenarbeit.

Der tschechoslowakische Außenminister Jan Masaryk erklärte in einem Trans­atlantik-Telefongespräch mit den USA , daß die gegenwärtigen Ereignisse in der Tschechoslowakei nicht beunruhigend seien.

Er glaube, daß infolge des Rücktrittes mehrerer Minister das Parlament aufgelöst werde und neue allgemeine Wahlen statt­finden würden.

In einem Interview erklärte der Vor­sitzende der Sozialdemokratischen Partei, die Kabinettsmitglieder seiner Partei wür­den ebenfalls zurücktreten, falls sich eine Erneuerung der Koalition der Nationalen Front als unmöglich erweisen sollte.

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Prag . Der stellvertretende sowjetische Außenminister und frühere Botschafter in Prag , Zorin, ist in der tschechoslowakischen Hauptstadt eingetroffen, um an sowjetisch- tschechoslowakischen Freundschaftsfeiem teilzunehmen und Weizenlieferungen aus der Sowjetunion zu kontrollieren.

In Prag wurde eine neue Gesellschaft zur Förderung der tschechoslowakisch-sowjeti­schen Freundschaft gegründet. Bei der Er­öffnungsversammlung kündigte Premier­minister Gottwald an, in Zukunft werde kei­nerlei antisowjetische Agitation zugelassen

Parlament oder Volksrat in Berlin ?

Fernspruch unseres AG.-Korrespondenten

Berlin . Die große politische Ausein­andersetzung, die sich in der Berliner Presse widerspiegelt, geht um das Pro­blem einer deutschen Vertretung, wobei nun in Konkurrenz zwei Pläne betrieben werden: Die auf der Kölner Tagung der CDU -Arbeitsgemeinschaft angeregte deut­ sche Vertretung aus den Landtagen der einzelnen Länder und der mit 6ehr gro­ßem Tempo vorwärtsgetriebene Gedanke eines Volkskongresses, der den Anspruch erhebt, als Vertretung ganz Deutschlands zu gelten und zu sprechen.

Mit dem Plan der deutschen Vertretung aus den Landtagen wird sich in dieser Woche das Berliner Stadtparläment be­schäftigen, das vier Vertreter in die ge­plante Körperschaft wählen will. Aber schon jetzt scheint auch dieser Plan zu scheitern, und zwar, weil die Sozialdemo­kraten sich auf den Standpunkt stellen, eine gesamtdeutsche Vertretung sei nicht möglich, solange ihre Partei nicht in der Ostzone auftreten könne, und weil an­dererseits die SED jede Art parlamentari­scher Vertretung zugunsten des Volks­kongresses bereits abgesagt hat.

Dieser Volkskongreß nimmt immer festere Formen an. So wird jetzt ange­kündigt, daß aus den verschiedenen, durch ein Auswahlverfahren zustande gekomme­nen Kongressen ein „Deutscher Volksrat” von 400 Mitgliedern gewählt werden soll und zwar als gesamtdeutsche Vertretung,

aber „ohne parlamentisches Getriebe”, wie in einer Pressekonferenz hervargehoben wurde. Es liegt hier der Keim zur Ent­wicklung eines Rätesystems, wie sich das in dem Namen „Deutscher Volksrat” schon zeigt.

Die große politische Linie dieser Kon­greßpläne ergibt sich aus Erklärungen, die auf einer Sitzung des Berliner Volkskon- gressses abgegeben wurden, wo ein Ver­treter des Freden Deutschen Gewerk- schaftsbundes verlangte: „Zusammen­

schluß der Deutschen gegen die amerika­ nischen Kriegsverbrecher, Konzernherren und ihre Hintermänner”. Gleichzeitig wandte sich ein Vertreter der SED gegen „Kriegshetze, die wegen Grenzziehungen betrieben wird, für die wir nicht verant­wortlich sind”, — eine Stellungnahme der SED zur Oetgrenzfrage, wie sie in solcher Deutlichkeit bisher nicht ausgesprochen wurde. Es läßt eich schwer übersehen, wie unter Mitwirkung der sowjetischen Be­satzungsmacht diese Bewegung weiterge­trieben werden wird.

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Der Großberliner „Volkskongreß für Einheit und gerechten Frieden” wurde in Anwesenheit von über 700 Delegierten als Auftakt zum zweiten deutschen Volks- kangreß am 17. und 18. März durch Pro­fessor Dr. Theodor Brugsch im Deutschen Theater eröffnet. Zur Ehrenpräsidentin wurde Clara Viebig gewählt.

Vor der Direktoren wähl in Frankfurt

Fernspruch unseres J. F.-Korrespondenten

Frankfurt . Das letzte Wochenende stand in Frankfurt im Zeichen einer leb­haften Tätigkeit. Die neue Woche bringt zwei wichtige parlamentarische Ereignisse: Die Konstitution des neuen Länderrates und die erste Plenarsitzung des erweiter­ten Wirtschaftsrates. Die beiden großen Fraktionen CDU/CSU und SPD haben über Sonntag in Frankfurt interne Kon­ferenzen abgehalten, in denen die Nomi­nierung der Kandidaten für den Posten des Präsidenten und für den neuen Ver­waltungsrat besprochen wurden.

Die Drohung der LDP-FDP , aus der Koalition auszubrechen, wenn die CDU Köhler als Präsident nominiert, dürfte auf die Entschließungen ohne Wirkung blei­ben, da es nicht ausgeschlossen erscheint, daß die SPD ihre Stimmen für Köhler ab­

gibt. , Es ist nicht wahrscheinlich, daß die SPD einen Wahlvorschlag machen wird. Der Vorschlag, den Zentrumsmann Dr. Spieker zum Präsidenten des Wirtschafts­rates zu machen, findet von allen noch das stärkste Echo.

In der Dienstagsitzung des Wirtschafts­rates wird auch der Oberdirektor gewählt werden müssen. Man rechnet damit, daß sich die Parteien einig werden. Hier tre­ten zum Teil wieder dieselben Namen auf: Dr. Köhler und Dr. Spieker. Ferner ste­hen noch Ministerpräsident a. D. Stelzer, Reichsminister a D. Dr. Dietrich und Dr. Hermes auf der Kandidatenliste. Diesmal wird zweifellos auch wieder der Posten des Direktors der Verwaltung für Wirt­schaft, der bisher von Dr. Semier besetzt war, von allen der umstrittenste sein.

Dreimächteabkommen über das Saargebiet

Paris . Gleichzeitig in Paris und Lon­ don wurde der Text eines neuen Drei­mächte-Abkommens über die Angliederung des Saargebietes an Frankreich bekannt­gegeben. Dieses Abkommen ist das Er­gebnis von Besprechungen zwischen fran­zösischen, britischen und amerikanischen Sachverständigen in Berlin und regelt vor allem drei Fragen:

1. Die Saarkohlenproduktion wird in Etappen bis zum 1. April 1949 völlig in den französisch - saarländischen Wirt- schaftsbereich übernommen. Wie ein Spre­cher des französischen Außenamtes er­läuternd hinzufügte, verliert Frankreich durch diese Abkommen nicht seinen bis­herigen Anspruch auf die Ruhrkohle. Es wurde vereinbart, daß Frankreich einen Teil der nicht verkokungsfähigen Saar­kohle gegen ein entsprechendes Quantum Ruhrkohle Umtauschen kann. Frankreich erhält im zweiten Quartal dieses Jahres aus Deutschland und dem Saargebiet ins­gesamt 463 000 t Kohle im Monat. Bis Ende 1948 werden diese Kohlenlieferun- gen voraussichtlich Ins auf 642 000 t und bis Ende 1949 auf 765 000 t monatlich an- steigen. Dem aufgestellten Produktions­plan entsprechend sollen diese Kohlenlie­ferungen an Frankreich (aus Deutschland einschließlich dem Saargebiet) im Laufe des Jahres 1950 ca. 1 Mill. t überschreiten. Sie werden Frankreich erlauben, seine

sehr kostspieligen Kohlenimporte aus den Vereinigten Staaten zu verringern.

2. Es wurde vereinbart, daß der Anteil Frankreichs an den Reparationslieferungen durch die wirtschaftliche Angliederung des Saargebietes um eine Gesamtsumme in Höhe von 70 Mill. RM. (Wert von 1938) gekürzt werden sali.

3. Ueber den Handel zwischen dem Saargebiet und der Bizone wurde verein­bart, daß der Warenaustausch zwischen dem Saargebiet und Deutschland mit Wir­kung ab 1. April den Charakter eines Au­ßenhandels annimmt Die Warenlieferun­gen aus dem Saargebiet nach Deutschland sind künftig wie alle Warenlieferungen aus aliüerten Ländern in Dollar zu be­zahlen. Nur die bis zum 1. April 1949 aus dem Saargebiet vertragsmäßig noch erfol­genden Kohlenlieferungen nach der Bi­zone dürfen in Reichsmark bezahlt wer­den.

SK Eine objektive Beurteilung der Be­wertung des Saargebietes mit 70 Millionen Mark ist nur möglich im Zusammenhang mit einer Gegenüberstellung der gesam­ten von Deutschland zu leistenden Repa­rationslieferungen bzw. -Zahlungen und der Kriegskosten und -Schäden. Wir hof­fen, daß eine solche Aufrechnung uns nun so bald wie möglich bekannt wird, damit wir wissen, wie wir uns einzurichten haben.

168 Pfennige

HCG. Für 1.68 Mark bekamen kürzäikh dW Schwerarbeiter eine Kilobüchse Apfelmus. Füx dasselbe Geld hätten sie im Herbst drei K£k» Aepfel kaufen können, hätte man 6ie damals Sreigegeben. Dieses Apfelmus an 1.66 Mark be­kommen auch die Teilseabstveneorger auf dem Lande, die — mit Recht übrigens — Sdrwerarbea- terkarten erhalten, die aber zum größten Teil selbst Obstzüdrter sind und die Aepfel für ha Durchschnitt 35 Pfennig, Musäpfel für 9 Wem mg, im Herbst aMdefero mußten. Jetat also dÜJV fen sie für den Erlös für 5 Kilo ihrer Tafeläpfel oder 19,8 Kilo ihrer Musäpfel ein Kilo Apfelim* in Dosen kaufen. Wertvolles Blech für Büchsen. Arbeitskraft, Kohle, Strom wurden auf gewendet. Wofür und vor allem auf wessen Kosten? Bin* Marte und aditundsechzig Pfennig bedeuten heute immerhin schon etwas für einen Arbeiter, s6a wenden bald noch sehr viel mehr bedeuten. Die Büchse Mus, einmal anfgemacht. muß auch auf einmal aufgegessen wenden, für dasselbe Geld 3 Kilo Aepfel im Herbst eingekauft hätten dem Arbeiter an vielen Tagen schöne Zukost zu sei­nem trockenen Brot geliefert. Was hat man sich wohl eigentlich dabei gedacht?

Lord Pakenham meinte neulich, die Emährungs» läge in Deutschland sei ein Prüfstein für die deutsche Demokratie. Allzu, knappe FarmuüeFUra- gen sind selten völlig richtig, dieser Satz nimmt keine Rücksicht darauf, daß die deutschen Stellen über Ex- und Importe überhaupt nicht, über die deutsche BinneneTzeugung nacht souverän ver­fügen können. Aber dennoch bleibt ein genügend breites Wirtcumgsfeld für unsere Behörden, auf dem sie ihre Sorge für die Bürger, welche doch die Beamten eben dafür bezahlen, beweisen kön­nen. Der Bürger ist nicht dazu da, um als Zif­fer in behördlichen Statistiken zu erscheinen, sondern die Behörde, um dem Bürger diejenigen Sorgen aibzunehmen, die der einzelne nicht tra­gen kann. Heute aber scheint es zwei getrennte wirtschaftliche Kreisläufe zu geben: Im einem sind nur die Produzenten aller Art eingeschaltet, in ihm regieren Angebot und Nachfrage ohne Formular, die Ware fließt — im anderen regiert eine in Aktenstöße eingehüllte, durch Formu­lare vom Leben getrennte Behörde, das Nichts und den Normalverbraucher bzw. den einfachem Geldempfänger.

Die Aepfel scheinen im wesentlichen im erstem Kreis gerollt zu sein, der zweite erzeugte das Mus zu 1.88 Mark. Man sage nicht, es handle sich liier um eine Kleinigkeit. Aus Kleinigkeiten besteht das Leben des kleinen Mannes und ans einer Masse solcher kleinen Leute ein Volk, des­sen Recht, Sorgfalt von den Behörden auch in den kleinstem Kleinigkeiten zu fordern, wesent­lichster Bestandteil der Demokratie ist. 3 Kilo Aepfel oder 1 Kilo Mus ist für den Lohnemp­fänger eine bedeutsame Entscheidung — wir ha* ben nicht den Eindruck, als ob sie mit der not­wendigem Sorgfalt getroffen worden sei.

Im übrigen hat dies mit der sogenannten volks­wirtschaftlichen Bedeutung der Konservenindustrie nichts zu tun, sondern nur mit deren Steuerung.

Londoner Dreier-Konferenz ei Offnet

London. Gestern Montag fand im India- House die Eröffnung der Deutschland­konferenz statt, an der nur die Vertreter Frankreichs , Großbritanniens und der Ver­einigten Staaten teügenommen Laiben. In dieser ersten Sitzung sollten von den Dele­gierten der drei Länder die Modalitäten fü^ die Teilnahme der Beneluxstaaten an den weiteren Diskussionen erörtert werden.

Paris . Am Vorabend der Londoner Konferenz gab Außenminister Bidault ein vollständiges Expose über den Fragen­komplex der in London erörtert wird. Staatssekretätr Abelm wies nochmals dar­auf hin, daß sich Frankreich für ein fö­deralistisches Deutschland ausgesprochen habe, ohne sich der Wiedererrichtung ei­nes einheitlichen Deutschlands zu wider­setzen. Auf jeden Fall wünscht Frankreich an einer internationalen Kontrolle des Ruhrgebietes beteiligt zu werden» Die französische Regierung widersetze sich auch im Prinzip nicht einer eventuellen Vereini­gung der Westzonen, wenn gewisse Bedin­gungen dafür zunächst erfüllt würden.

Auf der gleichen Sitzung des Minister­rates wurde der von Staatssekretär Schnei- ter vorgeschlagene Reorganisatiomsplan für die französische Militärregierung in Deutschland gebilligt und Schneiter mit seiner Durchführung beauftragt.

Wallace-Partei Im Vormarsdi?

New York . Aus Anlaß einer Nachwahl zum Kongreß erhielt der Kandidat der Ar­beiterpartei, Isacson im Ney Yorker Stadt­teil Bronx mit 22 697 Stimmen die absolute Mehrheit. Das Wahlergebnis wird als ein politischer Umsturz bezeichnet, da Bronx bisher eine unbestrittene Hochburg der de­mokratischen Partei war, die bei diesem Wahlgang nur 12 578 Stimmen erzielen konnte. Isacson ist einer der bekanntesten Parteigänger Wallaces in New York .

Französiscb-

britisdie Kolonialkonferenz

Paris. Nach einem Kommunique des Außenministeriums fand vom 17. bis 20. Februar in Paris eine französisch-britische Konferenz über eine engere wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit zwischen den afrikanischen Besitzungen Frankreichs und Großbritanniens statt.

Dei 30. Jahrestag der Roten Armee

Moskau . Der 30. Jahrestag der So­ wjetarmee am 23. Februar wurde vom gan­zen Volk der Sowjetunion feierlich began­gen. „Man darf nicht vergessen, daß die Schlagkraft unserer Armee in direkter Verbindung mit der Entwicklung unserer Industrie steht”, heißt es in einem Taß- Kommunique. „Gegenwärtig verfügen die sowjetischen Streitkräfte über fünf mal mehr Artillerie, 15 mal mehr Panzerwagen und fünf mal mehr Flugzeuge als zu Be­ginn des letzten Krieges. Durch ihre ent­sagungsvolle Arbeit schmiedeten die so­wjetischen Arbeiter die Waffen des Sieges."

Neuer japanischer Ministerpräsident

Tokio . Das japanische Abgeordneten­haus hat mit 216 gegen 180 Stimmen der liberalen Partei, den Vorsitzenden der de­mokratischen Partei, Aehida, zum Mini­sterpräsidenten gewählt. Durch diese Er­nennung wird die am 6. Februar mit den* Rücktritt des Drei-Parteien-Kabinetts Ka- tayama begonnene Kabinettskrise abge­schlossen. Ashida wird wahrscheinlich eine dem zurückgetretenen Kabinett ähnliche Koalitionsregierung bilden, jedoch wird di* Haltung des linken sozialistischen Flügel*, der zur Opposition überzugehen droht, d*f neuen Regierung zahlreiche Schwierigkeit ten bereiten.