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Seite 2/Nr. 16

SÜDKURIER

Freitag, 27. Februar 1948

bezeichne!«, die voraussagten, daß Hitler Krieg anfangen würde, ebenso beschuldigen sie alle, die ihre Blindheit nicht teilen. Wahrscheinlich sehen diese Leute sehr wohl die Sache selbst, aber sie scheuen sich, sie mit Namen zu nennen. Sie glauben wohl, daß man den Tatsachen etwas Unwider­rufliches gäbe. Also resigniert man, um nicht als schuldig zu erscheinen. Man schweigt lieber, aber durch das Schweigen wird ja leider nichts besser. Wir unserer­seits sind der Meinung, daß es erste Pflicht ist, der Wahrheit ins Auge zu sehen, auch wenn sie noch so unangenehm ist; sie in

Agrardebatte in

Koblenz . Der Landtag von Rheinland- Pfalz beriet in seiner letzten Sitzung zum erstenmal über das Gesetz zur Neuordnung der land -forstwirtschaftlichen Besitzverhält­nisse. Landwirtschaftsminister Stübinger wies darauf hin, daß es nicht zu so folgen­schweren Auseinandersetzungen zu kommen brauche wie in anderen Landtagen, wenn man die Bodenreform nach sachlichen Ge­sichtspunkten betrachte. Der Großgrund­besitz im Westen sei nie eine politische Macht gewesen wie im Osten. Da nur etwa 2 Prozent der land- und forstwirtschaft­lichen Nutzflächen in Rheinland-Pfalz Groß­grundbesitz sei, könne man sich keine großen Hoffnungen machen, den Kleinbesitz durch eine Bodenreform wesentlich zu ver­größern. Die Bodenreform stelle nur einen Teil einer Agrarreform dar, die zur För­derung der landwirtschaftlichen Forschung, des Genossenschaftswesens, des Unterrichts­wesens usw. beabsichtigt sei Als SPD -Abgeordneter sprach Ministerial­direktor Schmidt: Ein müheloses Einkom­men dürfe es in einer Demokratie aus so­zialen Gründen nicht geben. Der Regierungs­entwurf sei unzulänglich, vor allem, weil er ein klares Bekenntnis zum politischen Zweck der Bodenreform vermissen lasse. Durch die Bodenreform müsse eine ver­hängnisvolle Epoche der deutschen Ge­schichte abgeschlossen werden. Der demo­kratische Abgeordnete Neubronner sprach sich für eine erneute Behandlung der Vor­lage im agrarpolitischen Ausschuß aus. Die kommunistische Partei hatte einen eigenen Entwurf vorgelegt, da nach Ansicht der KP der Regierungsvorschlag die politischen Ziele einer Bodenreform verleugnet.

Das Parlament überwies nach der De­batte sowohl den Regierungs- als auch den kommunistischen Entwurf einstimmig dem agrarpolitischen Ausschuß.

Die Bodenreform in Südwürttemberg

Zur zweiten und dritten Lesung des Bo­denreformgesetzes tritt am Mittwoch, den 3. März, der Landtag von Württemberg- Hotienzollern in Bebenhausen zusammen. Der Sonderausschuß, an den der Regie­rungsentwurf zur Bodenreform nach der ersten Lesung gegangen ist, hat nach sechs Sitzungen keine Einigung erzielen können,

Taft kritisiert l

Detroit . Senator Taft, ein Anwärter auf die republikanische Präsidentschafts- kaodidatur, erklärte, daß die während des Krieges betriebene amerikanische Politik der bedingungslosen Kapitulation Deutsch­ land zerstört und in Europa ein Vakuum hinterlassen habe, welches von der UdSSR mit Erfolg ausgefüllt worden sei.

Das Ziel des Morgenthau-Planes sei es gewesen, führte Taft aus, das deutsche Volk durch Beseitigung seiner industriellen Machtstellung auf ein Existenzminimum, vorwiegend auf landwirtschaftlicher Basis, zu beschränken.

Taft übte weiter Kritik an den der UdSSR während des Krieges eingeräumten Konzes- 'sionen sowie daran, daß es unterlassen worden sei, für Leih-Pachtlieferungen von der UdSSR Gegenleistungen zu verlangen. Ein großer Teil der gegenwärtigen Schwie-

eller Oeffentlichkeit auszusprechen und dann ohne Ueberstürzung, aber mit Ent­schiedenheit und Mut zu handeln. Wenn es also tatsächlich in Europa und in der Welt zwei Lager gibt, und wenn es wie die wie­derholten Versuche in London und Lake Success bewiesen haben, im Augenblick unmöglich ist, einen Ausgleich herbeizu­führen, dann ist es eine Illusion zu glau­ben, daß ein Land wie Frankreich auf die Dauer neutral bleiben kann; und es ist eine schlechte Politik, zwischen den beiden Lagern zu schwanken, denn nur die Unzu­friedenheit beider kann die Folge sein.

Rheinland-Pfalz

weil durch Hauptforderungen der SPD , nämlich Festlegung der Besitzgrenze bei 100 ha und Gleichbehandlung des Wald­besitzes sowie die Entscheidungsfrage mit der Kriegsschädenfrage zu verbinden, mit den Stimmen der CDU und DVP gegen diejenigen der SPD und KPD abgelehnt worden sind. Mit dieser Sachlage ist die Gefahr des Verfalls der Koalition in der Regierung wieder akut geworden.

14 Feiertage in Südbaden

F r e i b u r g. Zu Beginn der gestrigen Landtagssitzung gedachte die südbadische Volksvertretung des Hinscheidens von Erz­bischof Dr. Gröber.

Nach Eintritt in die Tagesordnung wurde das Landesgesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage in zweiter Lesung durchberaten. Die Debatte eröffnete Abg. Menge« (DP) mit der Bemerkung, daß die Regierung im Augenblick Wichtigeres zu tun haben müsse, als ein Gesetz über die Feiertage zu erlassen. Dieser Ansicht schloß sich Abg. Stephan von der sozialdemokra­tischen Fraktion iim wesentlichen an. Abg. Schüttler (CDU ) wies darauf hin, daß das deutsche Volk nicht grundsätzlich durch zu viele Feiertage zugrunde gegangen sei, sondern durch zu viel Arbeiten, und Abg. Büche (KPD ) die Verfassung dulde nicht ir­gendwelche Vorrechte. Deshalb hätten auch die Konfessionen kein Recht darauf, während ihrer Feierlichkeiten das andere öffentliche Leben zu beschneiden. Abg. Dr. Hoififmann (CDU ) brachte dann noch einen Antrag seiner Fraktion ein, den Josefstag zum staatlichen Feiertag zu erklären.

Bei der Abstimmung über die einzelnen Paragraphen des Gesetzes ergab sich bei den strittigen Punkten das Verhältnis von 29 Stimmen der CDU gegen 21 der übri­gen Parteien, während die übrigen Punkte einstimmig angenommen wurden. In der Gesamtabstimmung, die auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion namentlich vorgenommen wurde, wurde das Gesetz mit 28 Stimmen der CDU gegen 21 der üb­rigen Parteien angenommen. Die staat­lichen Feiertage sind demnach jetzt: Neu­jahrstag, Josefstag, Karfreitag, Ostermon­tag, 1. Mai, Christi Himmelfahrt , Pfingst­montag, Fronleichnam, Allerheiligen, der Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem

S- Außenpolitik

rigkeiten sei eine Folge der Roosevelt - Politik. Amerika habe während des Krieges mit seiner Haltung gegenüber der UdSSR die Atlantikcharta und alle Ideale, um deretwillen der Krieg geführt worden sei, völlig verdreht.

Die USA , erklärte Taft, hätten die Frei­heit Litauens , Lettlands und Estlands nicht einmal erwähnt, hätten es verabsäumt, über die Freiheit Polens zu wachen und sich gegen Finnland gewandt, dessen einziges Verbrechen seine Entschlossenheit gewesen sei, sich nicht von der UdSSR unterjochen zu lassen. Auf die Außenpolitik Trumans übergehend, führte Taft aus, daß es zum großen Teil der Einfluß des republikani­schen Senators Vadenberg auf internatio­nalen Konferenzen gewesen sei, der die amerikanische Regierung schließlich dazu zwang, die Politik einer Aussöhnung mit der UdSSR aufzugeben.

letzten Sonntag des Kirchenjahres, der erste und der zweite Weihnachtstag. Außerdem sind in den Gemeinden, in de­nen die katholische Kirche Pfarrechte be­sitzt, der Dreikönigstag und Maria Him­ melfahrt als staatliche Feiertage aner­kannt.

Bei Redaktionsschiuß begann die De­batte um das Gesetz über Lohnzahlung an Feiertagen, dem sich die zweite Lesung des Landesgesetzes zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Bodenverteilung und Bodennutzung (Agrarreform) anschloß.

Paulus und Schörner

Nürnberg Auf die Kritik offizieller norwegischer, holländischer und jugosla­wischer Stellen %nd der dortigen Presse an dem Urteil gegen die Südostgenerale antwortete der amerikanische Hauptan­kläger General Talford Taylor durch ein längeres Kommunique. Er weist die Vor­würfe dieser Länder zurück und erklärte dann u. a. .,Die Kritik des Gerichtsurteile in der russisch kontrollierten Presse Ber­ lins als „beschämend und empörend”, wird auf niemanden Eindruck machen. Wir könnten ebensogut die Russen fragen, was sie gegen Feldmarschall Paulus und Ferdinand Schörner unternommen haben, gegen die die gleichen schweren Anschul­digungen vonliegen wie gegen die acht Ge­nerale, die gerade in Nürnberg verurteilt wurden. Wir können zwar fragen, aber ich zweifle, daß wir darüber etwas hören werden.

Niedersachsen behält den Kopf

Hannover . Der Beschluß der briti­ schen Militärregierung, den niedersächsi­schen Ministerpräsidenten nicht an Polen auszuliefem, wurde hier am Mittwoch vom niedersächsischen Landtagspräsiden­ten Karl Oifere der Presse bekanntge­geben.

In einem entsprechenden Schreiben der Militärregierung wird mitgeteilt, der bri­tische Gebietsbeauftragte Brigadier John B. Lingham habe eine Nachprüfung der angeblichen Kriegsverbrechen Kopfs ver­anlaßt, Er sei zu der Uetaerzeugung ge­kommen, daß kein Grund bestehe, die entsprechenden Bestimmungen der Kon- trollratsdirektive Nr. 24 — Entfernung von Nationalsozialisten und Personen, die den Bestrebungen der Alliierten feindlich ge- genüberstehen, aus Aemtem und verant­wortlichen Stellungen — anzuwenden.

Kommunistische Kampfansage im Ruhrgebiet

Recklinghausen . Auf dem von 1200 Delegierten beschickten Ruhrgebiets- Parteitag der KPD erklärte der zweite Vorstzen-de des Industrieverbands Bergbau, Agatsch, die Entscheidung über die Ein­heit Deutschlands falle an der Ruhr. Der Bezirksvorsitzende Ledwohn , durch dessen kürzlicbe Angriffe auf die Frankfurter Be­schlüsse die Regierungskrise in Rheinland- Pfalz ausgelöst wurde, kündigte „in Kürze harte Streikkämpfe” für eine 30prozentige Lohnerhöhung an. „Wenn Westdeutsch­land auf die Dauer unterdrückt wird, sagte Ledwohn, „betrachtet es die KPD als ihre Pflicht, die Fahne des nationalen Wi­derstandes aufzurichten”.

SPD nimmt Schumachei-Linie an

Kassel . Der Parteiausschuß der SPD nahm auf einer Tagung in Kassel die von Dr. Schumacher entwickelten Richtlinien für die Haltung der* Partei in Frankfurt mit starker Mehrheit an. In einem Kom­munique wird klargesteilt, daß die grund­sätzliche Einstellung der -SPD nicht die Forderung nach einer „Opposition unter allen Umständen”, sondern nur unter den gegebenen Verhältnissen erhebe. Wie Fritz Heine erklärte, hätten sich nur sehr wg- nge der anwesenden Mitglieder des Par­teivorstandes und -Ausschusses gegen die von Erich Ollenhauer und von Dr. Schu­macher dargelegte Politik der Partei ge­wandt. Die opponierenden Stimmen seien mehr als Fragestellung und weniger als Opposition zu werten.

DIE MEINUNG

CDU

Eine Klarstellung

Der geschäfWührende Landesvorsitzende der CDU , Anton Dictitel, Freiburg , nimmt zur ersten Lesung des Agrarreformgesetzes Stellung. Er schreibt u. a.: Eine gewisse Klärung über die Hal­tung um das Wollen der einzelnen Parteien ist eingetreten. Daß bei diesen Auseinandersetzun­gen die Linke, seien es Sozialdemokraten oder Kommunisten, die Hauptwortführer einer radika­len Bodenreform garen, ist bei ihrer ideologi­schen Grundhaltung nicht verwunderlich. Dabei ist die Frage offen, ob man nicht mit Hilte dei Bodenreform auf Umwegen eine kälte Sozialisie­rung erreichen will. Das badische Volk hat mit übergroßer Mehrheit bei der Abstimmung zur Verfassung den Sozialisierungsbestrebungen der Linken eine Mare und eindeutige Absage erteilt und sich zum Privateigentum und seinem Schutze bekannt. Will die Linke mit ihrem Vorgehen eine Wiederholung der damals gescheiterten Bestre­bungen einleiten? Die Agrarreform wird jetzt zum Abschluß gebracht. Der landwirtschaftliche Hauptverband hat weaitgesteckte Forderungen aufgestefllt. Herr Geiler, der sich in seinem Ar­tikel: „Die Bodenreform nach der ersten Lesung" insbesondere mit der Stellung des Hauptveiban- des in dieser Frage befaßt, muß sich darüber im klaren sein, daß die Herren Klaus und Schill von der CDU nicht so unklug sind, um nicht zu wis­sen, daß hochgestellte Forderungen niemals rest­los durchgesetzt werden. Es geht ihnen hier wie in der Vergangenheit sozialdemokratischen Ge­werkschaftsfunktionären, die ebenfalls, wie Herr Geiler 6ich sicherlich erinnern wird, mit ihrer Partei in Zwiespalt und sogar offenen Streit gerieten, weil auch ihnen die Sozialdemokratie keine restlose Erfüllung ihrer Gewerkschafts­wünsche gewährte. Die CDU lehnt es grundsätz­lich ab, sich im Zusammenhang mit der Bodenre­form im Landtag als unchristlich und unsozial beschimpfen zu lassen, wie es Herr Geiler zu tun beliebte. Sie war bis vor einigen Wochen Weggefährte der Sozialdemokraten in der Regie­rung. War die SP nun Weggefährte einer un - ohristlichen, unsozialen Bewegung? Oder ist diese Bewertung (aus durchsichtigen Gründen) erst neueren Datums? Ist es klug, derartige Dif­famierungen einer Partei gegenüber auszuspre­chen, mit der man sich eines Tages doch wieder im Verein mit anderen Parteien zusammenfinden muß, wenn man dem Volke und der Heimat die­nen will. Die Christlich-Demokratische Union Ba­ den kann und will nicht den Wünschen einzelne! Stände dienen, sie dient allen Ständen.

Die Landesleitung der Kommunistischen Partei Baden hat in „Unser Tag" Nt. 9 vom 18. Februar 1948 in Großaufmachung , eine Erklärung veröf­fentlicht, in der sie der durch die CDU Baden repräsentierten Landesregierung im Zusammen­hang mit einem Rundschreiben der LandTats- ämter an die Bürgermeister, in denen gewisse Unterlagen über die politischen Parteien angefor­dert werden, Gestapomethoden vorwirft. Ohne einer amtlichen Stellungnahme vorgreifen zu wollen, stellt die CDU mit allem Nachdruck fest, daß sie mit der Angelegenheit ebensowenig zu tun hat wie die Kommunistische Partei . Insbeson­dere lehnt sie die provokatorische Art der kom- munistischeri Erklärung auf das Entschiedenste ab. Ganz abgesehen davon, daß de Behauptun­gen der KP den Tatsachen entsprechen oder nicht, ist es doch merkwürdig, daß sie in Süd­ baden verurteilt, was in dem „Gelobten Land" der Ostzone gang und gäbe ist,

DER PARTEIEN

KP

Deutschland und die Trtzone

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, Meinungs­verschiedenheiten der Besatzungsmächte unter­einander zum Gegenstand kritischer Betrachtun­gen zu machen. Jedoch können einige Argumente im heutigen Leitartikel von Francois-Poncet , die sich mit den unterschiedlichen Verhältnissen in Ost- und Westdeutschland befassen, vom deut­ schen Standpunkt aus nicht unwidersprochen blei­ben. Hierbei setzen wir voraus, daß Herr Fran­ cois-Poncet nicht als Sprecher der französischen Regierungsmeinung, sondern als Privatmann von allerdings gewichtigem politischen Einfluß in un­serem Blatt zu Wort kam.

So sehr wiT mit Herrn Poncet überein stimmen, daß nicht die Reparationsfrage die eigentliche Ursache für die sich anbahnende Teilung Deutsch­ lands darstellt, so möchten wir doch bezweifeln, daß lediglich eine fehlende Verhandlungsbereit­schaft östlicherseits zum heutigen Zustand ge­führt hat. Die Dinge liegen doch etwa« tfefer. Richtig ist, daß man im Osten andere Wege be­schriften hat als im Westen. Anders: das heißt — grob gesagt —. daß drüben die Arbeiterklasse den maßgeblichen politischen Einfluß aus­übt, während dies hüben (besonders im Ruhrge­ biet ) nicht behauptet werden kann. Anders: das heißt nicht, daß Bestrebungen, die den Zielen der Besatzungsmacht zuwiderlaufen, im Westen ungestörter befolgt werden könnten als im Osten. Stellen wir doch einmal die Frage konkret: Was soll geschehen, wenn heute Deutschland wieder- vereindct würde? Was verlangt man von uns, um dieses Ziel zu erreichen?

Soli die Bodenreform im Osten rückgängig gemacht und hunderttausende Ostflüchtlinge von ihren Neusiedlerstellen vertrieben werden? Sol­len die Betriebe der Naziaktiviisten entgegen dem Volksentscheid wieder ihren früheren Besitzern ziwücfcgegeben werden? Sollen die Antifaschisten in den Amtsstellen (daß die Mehrzahl der Wider­standskämpfer aus der Arbeiterbewegung kom­men und heute. Mitglieder deT SED sind — da­für können schließlich wir nichts!) wiener ver­jagt und die alte Nazibüro Icratie in ihre „wohl­erworbenen Rechte“ eingesetzt werden? Soll schließlich die Ostzone gezwungen werden, Le­bensmittel in die Bizone auszuführen, damit im nächsten Jahr wiederum eine halbe Million Schweine aus Bayern auf dem schwarzen Markt verschwinden können? Soll — mit einem Wort — der Osten sich dem Westen angleichen? Wenn wir unter Entgegenkommen und Loyalität etwa eine Preisgabe dieser mühsam erkämpften Er­rungenschaften zu verstehen haben, so können wir schon heute mit Bestimmtheit sagen, daß sich die Mehrheit der werktätigen Bevölkerung der Ostzone vielleicht ebenso „unloyal" zum westlichen Liebeswerben verhalten wird wie di« Russen.

Hier liegt — um ein bekanntes Zitat zu wie­derholen — der Hund begraben. Niemand leidet unter dem ominösen „Eisemen Vorhang” mehr als wir Deutsche . Und wenn wir dem natürlichen Wunsch unseres Volkes, wiedervereint zu sein, Ausdruck verleihen so weisen wir gleichzeitig den Vorwurf, „Nationalisten" im herkömmlichen chauvinistischen Sinne zu sein, weit von uns. Wer aber wollte es uns verübeln, wenn wir jede Hilfe von draußen, die uns unserem Ziele näher bringt, freudig begrüßen — selbst wenn ’sie von den Russen kommt!? go

Kabinett Ehard in Schwierigkeiten

Fernspruch unseres C. S. - Korrespondenten

München . Die Auseinandersetzung in­nerhalb der CSU steht immer noch 'm Mittelpunkt des politischen Interesses. Eine Besprechung, die am Mittwochabend zwi­schen Vertretern der Landesleitung der CSU mit Dr. Müller an der Spitze einer­seits und Dr. Fritz Scheffer andererseits stattgefunden hat, hat zu keiner An­näherung der Standpunkte geführt. Die endgültige Entscheidung wird am ko mm en- menden Samstag/Sonntag auf der Landes­ausschußsitzung der CSU fallen.

Dabei wird auch die Frage erörtert wer­den müssen, ob die Vertreter des Bezirks­verbandes Oberbayern der CSU überhaupt abstimmungsberechtigt sind, da sie sich von dem Landesverband de facto gelöst haben. Man erwartet in hiesigen politischen Krei­sen einen derartigen Schritt für Regens­ burg . Es dürfte feststehen, daß in diesem Fall eine Anzahl von bayerischen Landtags­

abgeordneten der CSU mit Schaffer aus der Partei ausscheiden würden. Das würde für die Regierung Ehard eine außerordent­lich schwierige Situation ergeben, da sie bei der Opposition der SPD dann nicht mehr über die absolute Mehrheit im Land­tag verfügen würde.

Der bayerische Landtag hat in seiner Sitzung vom Donnerstag mit großer Mehr­heit bei Stimmenthaltung der SPD Dr. Alois Schlögl als Landwirtschaftsminister bestä­tigt. Gleichzeitig wurde an Stelle des von der Militärregierung abgelehnten Abgeord­neten Dr. Johannes Semler das Mitglied des bayerischen Senats Dr. Franz Elsner in den Wirtschaftsrat gewählt. Die Fraktion der CSU hat sich damit der Entscheidung der Besatzungsmacht gebeugt, nachdem die vor­herige Wahl Dr. Semlers nach einer Er­klärung der Staatsregierung „auf einem Mißverständnis beruhte“.

Soviel Lachen wie Lügen GoMonls

„Lügner" im Sfadttheate r Konstanz

„Nun endlich kann ich denn auch sagen, daß ich eine Komödie-' gesehen habe!“ rief Goethe aus, als er in Venedig ein Stück von Carlo Gol- doni erlebt hatte, diesem venezianischen Advo­katen und Theaterdichter, dem Reformator der dramatischen Literatur Italiens im 18. Jahrhun­dert, der die festen Masken der alten Stegreif­komödie zugunsten des wirklichkeitsgetreuen Charakter- und Sittenäustepiels zurüdcgedrängt hat. Nun endlich, so können auch wir sprechen, naben wir einmal wiedeT eine echte Komödie gesehen. „H Bugiardo", „Der Lüqner", ist das erste dieser realistischen Lustspiele Goldonis , als Uebergangsstück daran kenntlich, daß es zwei Macken aus der alten Commedia deid' arte noch beibehält, die Colombina und den Arlecchino. Schon der große Klassiker Frankreichs . Corneille ha* vor nun 300 Jahren nach spanischem Vorbild einen „Menteur" geschrieben: Diesen „Lügner" sah Goldoni in Florenz , schuf danach seinen eige­nen „Mentüore" vor nun 200 Jahren und zeich­nete, weit lustiger als seine Vorbilder, ein run­des Charakterbild, das Porträt eines Lügners.

Weshalb lügt der Junge Lello? Er sagt es selbst: Man muß dem Leben etwas nachhelfen, wenn es Freude machen soll. Lügen sind nichts als geniale Einfälle! Da schwirrt da* Tremolo neapolitanischer Mandolinen aus der Orchester­tiefe (das wesentlich verstärkte Mandolinen­orchester Konstanz ist unter Josef Trtubi Lei­tung mit Geschmack am Werke; der Komponist C. Czamiawsky sollte nur die Ouvertüre etwas knapper fassen); auf der Bühne wird eine Sere­nade gesungen und gezupft schöne Mädchen beugen sich übers BaTkongitter in die Nacht, der Jüngling aber, der das Ständchen bringen läßt, steht schüchtern versteckt unter dem Al­tan. Doch schon erscheint Lello, lügt den Schö­nen vor, die Musik habe e r bestellt, lügt wei­ter das Blaue selbst vom blauestet Himmel her­unter, belügt Freund und Vater, Gott und die Welt, wirbt um eines der Mädchen, obwohl er längst einer anderen das Eheversprechen gege­ben, bis schließlich das ganze Phantasiegebäude j zusammenbricht und er erkennt: auf die Länge läßt sich Lügen nicht durchhalten. Das Ganze in Anton Hamils deutscher Bearbeitung eta höchst witziges, sehr wirksames Spiel.

hn Konstanz « Stadttheater wurde es ein gro­ßer Erfolg, der das Publikum für ein paar we­niger geglückte Abende reichlich entschädigen

kann. Und diesmal ist's ein Sieg der Jugend, sosehr auch zwei bewährte reife Künstler zum vollen Gelingen beitragen, Hans M ö b e s als ko misch-verzweifelter Vater des Lügner* und Walter B r ü de als köstlicher Kuppelpapa, immer bereit, »eine zwei Töchter an den Meistbieten­den loszuschlagen, Salbung und Berechnung toll durcheinanderrühTend. Fein kontrastieren die Mädchen: Rosaura hochgewachsene Blondine (man freut sich, Maria Obermaier nach länger« Pause wieder auf d« Bühne zu sehen), Beatrice anmutiger italienisch - dunkler Typ (Ursula Sträuli). Ihre Zofe Colombina : Elisabeth Sdierer, ein äußerst verschmitztes „Täub­chen", reinstes Theaterblut, rassig-gerissen, sprit­zig • sprühend, so zierlich wie zündend, auch im Couplet - Gesang, famos ergänzt durch den äußerlich gelassenen, dabei höchst wendig - gewandten Arlecchino von Engel­bert 'Dametis, Akrobat mit Humor. Irmgard S o 1 m mit Ironie und weißem Spitz die fast vergessene Braut des Lügners, Wolfgang W o y 11 mit ganz diskret« Komik der allzu schüchterne Liebhaber, zu dem sein knurncer Vertraut« (Heinz Miller) 60 gar kein Ver­trauen hat. Die Letzten die wichtigsten: Alexan­der Hegarti bringt, klar im Sprechen, elegant in der Bewegung, das große Kunststück fertig, den Lügner Letio uns sympathisch zu machen, weil er 60 jungenhaft liebenswürdig zu lügen vermag und man seiner Jugend glaubt, daß »ie den Weg zur Wahrheit noch finden wird. Sein Freund Ottavio: unser blonder jugendlicher Held, hier ganz auf Schwarz staffiert, plötzlich ein Matador des Humors, ein gewaltiger Kavalier, rasend« Roland, reißendes Ti« d« Eifersucht, ein „Löwe, der nur brüllen, nacht singen kann". Doch auch er immer mit einem Schuß Ironie! Und das ist der bestechende Gesamtton dieser übermütigen Inszenierung, die wiT dem jungen Schauspiel« Ulrich Kühn zu danken haben: fröhliche Selbst ironie, die in vielerlei lustigsten Ein- und Ausfällen sich Luft macht. Auch Richard L a m e V 6 Bühnenbilder (mitsamt Lifo Hägens Kostümen) hoben diese überaus beschwingte Heiterkeit; welch ein Vergnügen etwa, wenn der Löwe von San Marco im Takte der Musik mit einem roten, einem grünen Auge blinzelt! (Auch E. Stelzers technischer Leitung und W. Drerws' Be- leuchtungskünsten gebührt bei diesem Anlaß ein­mal Dank.) Man lachte sich in allerbester Laune durch das Stüde hindurch, man lachte auch wäh­rend . der Zwischenpausen und spendete am Schluß einen Applaus, der an frühere große Abende erinnerte. Dr. Carl Weichardt

IV. Symphoniekonzert im Konzil

Zwei ausgezeichnete Schweizer Musiker Persön­lichkeiten, der Pianist Max Egger und der Gastdirigent Jakob K o b e 11, gaben dem [V, Symphoniekonzert des Stadt. Orchesters das Gepräge eines sehr fein und individuell kulti­vierten musikalischen Niveaus. Dazu können wir auch, zum mindesten nach der Seite eines ehrlichen idealen Strebens hin, die gleich ein­gangs gehörte deutsche Erstaufführung eines dreisätzigen Konzerts für Streichorchester des jungen Schweizer Komponisten und Organisten Siegfried Hildenbrand rechnen. Unter der gleich­zeitig elastischen, lebendig impulsiven und feine geistige Einfühlung verratenden Stabführung des Dirigenten, dessen Direktiven das Orchester mit anschmiegsamem Geschick aufzufangen wußte, erstand das Werk in plastischen Konturen. Mochten, im ganzen gesehen, d« Komposition rein inhaltlich die tieferen musikalischen Erfah- rungshorizonte, vor allem eine markante see­lische Profilierung noch abgehen was in der rein bewegungsmäßigen Weiterführung des the­matischen Materials der Ecksätze zutage trat, so konnte doch andererseits die m«klich an Bach und Reger geschulte Edlmpfaantasie und das harmonische VorstelHungsv«mögen im Zu­sammenhang mit der lebendigen, sucherischen Rhythmik eine ui gesunde, überdurchschnittliche Begabung offenbaren.

Wir sagen wohl nicht zu ytel, wenn wir die nachfolgende Interpretation des b-moll-Klavier- konz«tes von Tschaikowsky durch Max Egger als eine ganz große Ueberraschung bezeichnen. Was dieser junge Künstl« an pianisüschem Können und musikalisch« Gestaltung herzeigte, ist nicht anders als überragend zu nennen. Glän­zende, kristallen ceschliffene Technik, enorm«, differenzierterter Anschlag (Oktavenspiell), Tiefe und Kraft des Ausdrucks Feingefühl, vor allem ein „con fuoco ", das unmittelbar aus der Seele dringt und mit einer ganz unpathetischen, natür­lichen Einfachheit und aristokratischen Eleganz dargeboten wird, ließen ans das dunkelrassige Konzert trotz sein« unleugbaren inhaltlichen Schwächen zu einem einmaligen Erlebnis werden { Agogik und Dynamik waren auf dem Untergrund ein« geschlossenen und gut angepaßten Orche­steruntermalung vorbildlich. Zum Abschluß hör­ten wir Beethovens selten« gespielte „Achte", von kleinen rhythmischen Unsicherheiten und Einsatzschwierigkeiten abgesehen, in sauberer und sorgfältig« klanglicher Zeichnung. Der

junge Komponist, der Solist, Dirigent und Or­chester wurden von den zahlreichen Zuhörern mit herzlichem Beifall bedacht. •

Dr. G. Lenz 1 ng e r

KULTUR UND LEBEN

Pläne des Kon Stanzer Theaters. Die Leitung des Stadtttieaters Konstanz hat den bekannten Regisseur und Theaterleiter Hans T ü g e 1 für Gastinszenierungen in der zweiten Hälfte dieser Spielzeit v«p£lichtet. Tüged wird als erstes Jean Cocteaus Schauspiel „Der Dop­peladler" inszenieren, das Werk wird damit zum erstenmal in der französischen Zone aufgeführt. Zu Ostern soll den Konstanz« Kindern das Mär­chen „Schneewittchen" eine besondere Freude be­reiten. Danach inszeniert Rene Deltgen Shake­ speares - „Der Widerspenstigen Zähmung " und spielt darin -selbst dem Petruchio. Für Anfang April ist das Schauspiel „Der Patriot" von Alfred Neumann angesetzt.

Der Thomaner-Cbor wird Leipzig nicht verlassen und an der Stätte des großen Thomas- Kantors Johann Sebastian weiter wirken. Mit Genehmigung der sowjetischen Militärverwaltung tritt der Chor in nächster Zeit eine Konzertreise in die Schweiz an außerdem ist eine Gastspiel­reise durch Nordwestdeutschland geplant.

Evangelisches Dokumentenwerk Unter dem Titel „Das «pokalypti sehe Wetterleuch­ten" ist im Verlag der evangelischen Kirche in Bayern ein Dokumentenwerk zum Kampf der Kirche gegen den Nationalsozialismus von Kir­chenrat Heinrich Schmid in Augsburg erschienen.

Ucickys „spielerische Traurig- k e ^t". Der bekannte Regisseur Ucicky , ein Wiener , der bis 1945 wohl ein Dutzend Filme der Ufa inszenierte, war kürzlich auch zu Be­such in Zürich . Dabei äußerte er sich auch über die deutsche Kunst. Und zwar mit „einer feinen und empfindsamen Art des Erzählens" und mit einer „leise spielerischen Traurigkeit". Er mein­te, der allzu theatralische Stil der deutschen Filme müsse verschwinden. Die deutsche Sprache biete allerdings Schwierigkeiten; die Direktheit und Ungezwungenheit des Englischen und Fran­zösischen sei viel filmischer. „Zuweilen bin ich ein wenig traurig, wenn ich den Kinosaal ver-, lasse.” Die Basler „National-Zeitung" schreibt dazu: ,,Er hätte allen Grund, recht sehr traurig zu sein. Er ist nämlich der Recisseur des viel­leicht niederträchtigsten Nazlilms, der je gemacht worden ist: „Heimkehr". Wenn diese Art Leute

nur wenigstens einmal die menschliche Anstän­digkeit aufgebracht hätte zu bekennen, ihr Teil Schuld auf sich zu nehmen und auszusprechen, daß es ihnen leid tut, so prominent dabei ge­wesen zu sein."

Das Bühnenbild. In der Besprechung eines Stückes von Kaufmann und Hart, „The I Fabotous Invalid", bezeichnet d« New Yorker Theaterkritiker Brown das Bühnenbild von Do­ nald Oenslager als das einzig Wirkliche und Le­bende der Aufführung. John Mason Brown sagt weiterhin, daß all das, was das Stück nicht zum Ausdruck bringt, in dem Bühnenbild mit einer B«edsamkeit deutlich gemacht wird daß Kauf­mann und sein Mitarbeiter besser getan hätten, das Stück nach diesem Bühnenbild zu schreiben.

Hugo Erfurth I. Hugo Erfurth , d« nicht nur in Deutschland bekannt gewordene Meister des photographischen Porträts, ist als 74jähriger in Gaienhofen am Untersee gestorben. Der aus Sachsen stammende Künstl«, d« unter anderen auch Gerhart Hauptmann und Hans Thoma por­trätiert hat, war nach dem Bodensee übergesie­delt, als im Bombenkrieg sein Atelier und seine Wohnung in Köln zerstört wurden.

„Der W i d e r s p i e ge 1“, das von Jürgen Hendcell geleitete literarische Kabarett d« fran­zösischen Zone, gastierte im Januar und Fe­bruar mit großem Erfolg in Köln . Weitere Gast­spiele sind vorgesehen in Hannover , Hamburg , Düsseldorf , Bonn , Frankfurt usw.

NEUE BÜCHER

Thomas Niederreuiher: Jakob Kienast, Roman (J. P. Toth-Verlag, Hamburg ). Vorweg gesagt: Ein für heutige deutsche Verhältnisse erstaun­lich umfangreiches Buch — genau 600 Seiten! Die Geschichte von Leben, Liebe, Weltwanderung und Verzicht eines Malers, der bei bayerischen Eltern in der westlichen Steppe der USA zur Weit kommt und den sein fanatischer Gerechtig­keitssinn imme r wieder aus der bürgerlichen Sphäre, aus einem gesichert«! Dasein, aus den Annen der Geliebten in die Einsamkeit — ab« nicht zur Verzweiflung treibt. Oft sind nur mit wenigen t reffen d en Strichen Landschaften und MüUeu gezeichnet, desto breit« mit heißer, dichterisch« Inbrunst das Heimweh des jungen Weltbürgers nach dem Deutschland seiner Eltern, das er in der Zeit zwischen der JahrbcunderHren- de und 1930 «lebt. Die zahlreich eingestreuten ästhetischen Bemerkungen über Kunst und Le- bensphllosopble bleiben nach dem Lesen dem Buches als besonder« Gewinn. -cb-