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Seite 2 / Nr. 45

SUDKURIER

Freitag, 11. Juni 1948

Einreise in die Ostzone erneut erschwert

Berlin . Eine russische Sonderkcum- •nission hat das Grenzktwranando in Ma- lienborn, der Grenzstation zwischen der russischen und britischen Zone, für den Eisenbahnverkehr verstärkt. Dieses Kom­mando besteht ausschließlich aus Offizie­ren, die eigens von Karishorst entsandt wurden, um neue Kontrolibestimmungen für die Interzonenzüge durchzuführen.

Die Hussen sind nun dazu übergegangen, kleine Formfehler bei der Ausstellung von Interzonenpässen als Hindernisgrund für eine Einreise in die Sowjetzone auszu­legen. Sämtliche Interzonenpässe müssen handschriftlich unterzeichnet sein. Die Verwendung von Unterschriftstempeln ist nicht mehr zugelassen. Außerdem müssen alle nach Orten innerhalb der Sowjetzone fahrenden Reisenden eine Genehmigung des betreffenden Ortsbürgermeisters vor­legen, andernfalls wird ihnen die Durch­oder Einreise in die Sowjetzone nicht ge­stattet. In den letzten 2 Jahren war eine der­artige Bestimmung nicht angewendet wor­den. Diese neue Formalität traf einen großen Teil der Reisenden des Interzonen­zuges am Mittwoch völlig unerwartet, so daß über 500 Reisende an der Grenze, be­wacht von deutscher Grenzpolizei und rus­ sischen Posten, auf ihren Rücktransport in die Westzonen warten mußten. Ferner koppelten die Russen vier Wagen des In­terzonenzuges ab, so daß die restlichen sieben Wagen überfüllt nach Berlin wei­terlaufen mußten, wo sie nach vierein- halbstündiger Verspätung eintrafen.

Auch an allen anderen öffentlichen Grenzübergängen sind seit Mittwoch rus­ sische

Sonderkammandos eingetroffen, um die neuen Bestimmungen durchzuführen. Die neue Maßnahme bedeutet praktisch eine zeitweilige Sperre für Einreisen in die Sowjetaone.

Politische Brückenreparatur

Berlin . „Die Elbbrücke der Auto­bahn Berlin —Helmstedt bedarf beschleu­nigter Reparatur“, meidet die sowjetisch- lizenzierte „Berliner Zeitung “. Sachver­ständige, so heißt es in der Meldung, ha­ben bei Besichtigung dieser Brücke fest­gestellt, daß die meisten ihrer Holzstützen angefault sind und die Brückendecke ver­braucht ist. Der Termin für die Reparatur steht noch nicht fest. Es handelt sich um Arbeiten größeren Maßstabes. Die Auto­bahn Berlin—Helmstedt wird von den Kraftwagen benutzt, die die Verbindung der westlichen Besatzungsmächte durch die sowjetische Zone zwischen Berlin und Braunschweig sichern, von wo aus der Nordexpreß nach Köln , Brüssel, London und Paris abgeht.

Reparationen an die UdSSR gestoppt

London . Wie im Norfolk-House, dem Londoner Sitz der britischen Verwaltung in Deutschland , erklärt wird, wurden all® Industriemateriallieferungen aus den deut­ schen Westzonen an die Sowjetunion als Reparationsleistungen eingestellt.

Die amerikanische Zone hatte schon im Dezember 1947 ihre Lieferungen einge­stellt. Man glaubt zu wissen, daß das Staatsdepartement mit der Aufforderung an Bevin herangetreten ist, einen gleichen Beschluß für die britische Zone zu fassen.

Dieter Friede in sowjetischer Hand

Berlin . Das geheimnisvolle Dunkel, das seit Ende letzten Jahres über dem Ver­schwinden des für den amerikanisch-lizen- zierten ..Abend“ arbeitenden Berliner Jour­nalisten Dieter Friede lag, hat jetzt eine sensationelle Aufhellung erfahren: Eine Verhaftung Friedes durch die Russen war von der SMA mehrfach dementiert worden. Die sowjetisch lizenzierte Nachrichtenagen­tur ADN gibt in einem Bericht bekannt, Friede habe selber gestanden, für den, ame­rikanischen und englischen Nachrichten­dienst gearbeitet zu haben. Aus diesem Grunde sei er von den Russen wegen Spionage verhaftet worden. Die Sammlung der Nachrichten für die beiden Geheim­dienste sei im Zusammenhang mit seiner journalistischen Tätigkeit für den „Abend“ erfolgt. Friede soll nach diesem Bericht zwei Amerikaner kennengelernt haben, die sich besonders für die Organisation des Kulturbundes, für die Lage in der Sowjet­zone und den sowjetischen Sektor Berlins interessierten. Ein Angebot, gegen Ziga­retten und Lebensmittel Informationen über diese Themen zu liefern, glaubte er „aus

Gewerkschaftskampf in Berlin ,

Telegramm unseres A.G. -Korrespondenten Nach wie vor geht der Kampf um dis Gewerkschaften in Berlin weiter. Die Ge­werkschaftsbüros des Bundesvorstandes im Westen Berlins wurden auf Befehl' der amerikanischen Besatzungsmacht geschlos­sen. Nachdem die oppositionelle UGO (Un­abhängige Gewerkschafts-Organisation) der amerikanischen Militärregierung Funktio­näre benannt hatte, die mit der Leitung der Bezirksbüros betraut wurden, sind die­se wieder eröffnet worden. Damit hat die amerikanische Militärregierung die kom­missarische Leitung (UGO) als die bevoll­mächtigte verwaltende Körperschaft des FDGB anerkannt. Der Bundesvorstand im sowjetischen Sektor protestierte gegen „die gewaltsame Besetzung der Gewerkschafts­büros durch die UGO mit Hilfe der ameri­ kanischen Militärregierung”, um „die Ge­werkschaftsorganisationen zu willfährigen Instrumenten der amerikanischen Hoch­finanz zu machen’’.

verschiedenen Gründen“ nicht abschlagan zu können. Als Reporter des „Abend“ stand er besonders dem Leiter der Berliner LDP. Schwennicke. und dem SPD -Vorsitzenden Neumann nahe, die 'beide durch den ADN - Bericht in diese Affaire verwickelt worden sind. Neumann erklärte dazu, daß Friede seit dem Tage seiner Verhaftung den be­kannten Gestapomethoden ausgesetzt ge­wesen sein muß, wenn er tatsächlich eine solche aus der Luft ergriffene Erklärung an Eides statt unterschrieben habe.

Was hat Dieter Friede, auch wenn man die Erklärung, die er abgegeben hat, genau analysiert, eigentlich gestanden? fragt der „„Sozialdemokrat“. Doch nur, daß er ge­naue Informationen über die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Ost­zone sammelte. Ist das ein Verbrechen und hat das etwas mit Spionage zu tun? Alle sowjetisch lizenzierten Zeitungen unter­halten in den Westzonen feste Korrespon­denten,, die genau so viel tim wie Dieter Friede getan haben will.

Die Toten der „Cap Aicona"

Telegramm unseres R-G.-Redakttousnutgllieidtes

L ü b e ck. Zu einer Kundgebung von po­litischem Gewacht wurde die Denkmals- enthüllung für die Todesopfer der „Cap Ar- cona“-Katastrophe in Timmendorferstrand. Am 3. Mai 1945, wenige Tage vor Kriegs­ende, war eine Flotte mit evakuierten KZ-Häftlingen in der Lübecker Bucht das Opfer eines britischen Luftangriffes gewor­den, dem über 8000 Häftlinge zum Opfer fielen. Nur einigen wenigen gelang es da­mals lebend das Land zu erreichen. Aus allen vier Besatzungszonen und aus dem Ausland waren nun Tausende von Wider­standskämpfern, zum Teil in Sonderzügen, zusammengekommen, um der Einweihung des Ehrenmals für die Toten beizuwchnen. Eine Delegation fuhr zu dem noch nicht geborgenen Wrack des 26 000 - Tonners „Cap Arcona “ und versenkte Kränze in der Ostsee . Alle Parteien hatten Be­grüßungsredner entsandt. Von den aus­ländischen Sprechern fand das Bekenntnis des Vertreters Frankreichs , Pistolecors, zur internationalen Solidarität lebhafte Zustim­mung. Dagegen erregte die Verhinderung

des schteswig-hoktrilnfschrn Ministariums beträchtliches Aufsehen. Auch di« britisch« Militärregierung war offiziell nicht ver­treten.

Schlögl war voreilig

München . Der bayerische Landwirt- schaftsminister Dr. Schlögl, der am Mitt­wochnachmittag vor dem Verfaesungsaus- schuß des bayerischen Landtage erklärt hatte, in München würden bereits Geld­scheine der neuen Währung auf dem Schwarzen Markt gehandelt, teilte der DENA am späten Abend telefonisch mit, er sei darüber falsch unterrichtet worden. Ihm sei zwar von einem Beamten diese Mitteilung zugegangen, sie habe aber einer näheren Untersuchung nicht standgehal­ten und würde nun von der Münchener Polizei als Gerücht bezeichnet. Die Ueber- mittlung dieser Nachricht an ihn sei durch ein Mißverständnis erfolgt. Dr. Schlögl forderte die Presse auf, diese Meldung nicht weiter auszuschlachten, um eine wei­tere Beunruhigung der Oeffentlichkeit zu vermeiden.

Niedersachsens neue Regierung

Hannover . Der nieder-sächsische Mi­nisterpräsident Kopf stellte dem Plenum des niedersächsischen Landtags sein neues Kabinett vor, das sich aus folgenden Mit­gliedern zusammensetzt: Ministerpräsident: Heinrich Wilhelm Kopf (SPD ): Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten uni gleichzeitiger stellvertr. Ministerpräsident: Dr. Günther Gereke (CDU ); Innen: Richard Borowski (SPD ); Finanzen: Dr. Georg Strickrodt (CDU ); Wirtschaft und Verkehr: Dr. Otto Fricke (CDU ); Arbeit, Aufbau und Gesundheit: Alfred Kube (SPD ); Kul­tus: Alfred Grimme (SPD ); Justiz und Entnazifizierung: Dr. Werner Hofmeister (CDU ); Flüchtlingswesen: Pastor Heinrich Albertz (SPD ); Sonderauf gaben: Dr. Georg Kassenbrock (Zentrum).

Großwildjagd mit Kleinkaliber

Nienburg . Die niedersächsichen Bau­ern der Lüneburger Heide werden seit zwei Wochen von einem mysteriösen Vieh­räuber in Schrecken versetzt, von dem man, außer etwa dreißig gerissenen Rin­dern und Schafen nur Krallenspuren feststellen konnte. Ob es sich um einen Puma, eine Hyäne oder um einen verwil­derten Wolfshund handelt, steht noch nicht fest. Ein Sachverständiger von der Firma Hagenbeck glaubt, daß es sich um einen verschleppten Silberlöwen handelt. Die Britische Militärregierung hat vor­erst jedenfalls einmal Kleinkaliberflinten an die Polizei und die Forstbeamten aus- geteilt.

Todesuiteil im Prozeß Perner

Fernspruch unseres W. S.-Korrespondenten

Freiburg . Vor dem Schwurgericht Freiburg hatten sich die drei SS-Angehö- rigen Heinrich Perner, Horst Wauer und Erich Spannagel wegen Ermordung des Geist!. Rats Strohmeyer aus St. Trudpert und wegen Erschießung zweier flüchtiger deutschen Soldaten zu verantworten. In den Verhandlungen wurden die ganzen Vorgänge, die zu jener Tat am 22. April 45 geführt haben, aufgerölft. Der Hauptange­klagte Perner erklärte, von seinem Kampf­gruppenkommandeur den Befehl, Stroh­meyer vorzuführen, erhalten zu haben. Er habe den Befehl an Wauer weitergegeben und dieser habe den Geistlichen dann er­schossen. Wauer dagegen behauptete, von Perner den Befehl zur Erschießung erhal­ten zu haben. Die Aussagen der Zeugen waren nicht einheitlich. Oberstaatsanwalt Röderer behauptete, sämtliche Angaben des Hauptangeklagten Perner seien erlogen. Er beantragte für diesen die Todesstrafe, für Wauer wegen Mithilfe 15 Jahre und für Spannagel acht Jahre Zuchthaus wegen Totschlags.

Das Urteil lautete: für den Hauptange­klagten Pemer auf die Todesstrafe, den Angeklagten Wauer auf 10 Jahre Zucht­ haus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre und für den Angeklagten Spannagel auf 7 Jahre Ge­fängnis.

DIE MEINUNG DER PARTEIEN

CDU

Für «He Selbstverwaltung der Geneinden

Der 3. Laudwpwteitag der CDU in Freiburg befaßte sich »Beb, nach außen bin aarar weniger ln 'Ersctteinugg tretend, aber doch gründlich und mft Sachkenntnis, mit der Frage; der kommuna­len Selbstverwaltitag. Im „Dritten Reich " winde die Selbstverwaltung der Gemeinden, die nach der alten badischen Gemeindeonfciiung voll ge- währdeistt war, zwar nicht aufgehoben, praktisch aber so eingesdwfakt, daß den Gemeinden nur noch wenig Spielraum für eine selbe ^verantwort­liche Betätigung geblieben war.

Nach dem Zusammenbruch mußte zunächst wie­der eine provisorische Gmimdlage für die Arbeit tn der Gemeinde geschaffen worden. Die im Jahre 1947 eingefiihrte neue badische Geraeinde- ordnung leimte sich zwangsläufig sehr stark an französisch« Vorbilder an. Sie entspricht daher in yielen Teilen nicht der geschichtlichen Ent­wicklung in Baden untdi nur sehr bedingt den Verhältnissen, die bei uns vorherrschend sind. Das kam auch auf dem Landesparteitag sowohl in der allgemeinen Deba io als auch besonders in den Veihandlüngen des Landesausschusses Tut kommunale Angelegenheiten sehr klar und deut­lich zum Ausdruck. Im Ausschluß, der unter der bewährten Leitung von Bürgermeister Streng (Freiborg) steht, wurden vor allem diejenigen Fragen besprochen, die in der jetzt geltenden Gemeindeordntuog eine nicht befriedigende Rege­lung gefilmten haben und die im allgemeinen unseren demokratischen Grundsätzen umlü Kommu­nalpolitischen Forderungen nicht entsprechen. Ganz allgemein wurde verlangt, daß die Arbeit ln den Gemeinden weitgehend befreit werdte von einer staatlichen Bevonwumdlung und daß die ge- gemeindliche Selbstverantwortung und Selbstver­waltung gegenüber allen Einengungsversuchen durch die staatliche Bürokratie Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten voll sündig gewahrt werden müsse. In diesem Zusammenhang wurde insbesondere der § 48 der jetzigen Gemeindeord- numg, der jede Verfügung über Vermögensbewe- gungen von der Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde abhängig macht, als unerträg­lich bezeichnet.

ln der Aussprache im Ausschuß wurde auch die Frage der Ausbildung und Heranziehiung ei­nes fachlich gut geschulten Nachwuchses für die Arbeit auf den Rasthäusern angeschnitten. Ihr soll eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wer- ! den. Als empfehlenswert wurde es bezeichnet, ln Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern die Wahl des Bürgermeisters nicht durch den Gemeinderat, sondern durch die Bevölkerung vornehmen zu lassen. Die Landräte sollen durch den Kreistag gewählt werden. Allgemein mißbilligt wurde die vom badischen Innenministerium von einem Tag B'Uif den anderen verfügte Auflösung der Ge- j meiwäepolizei, die viele Gemeinden vor ernst- ! liehe Schwierigkeiten gestellt hat. i Es ist erfreulich, daß der Gedanke der kom­munalen Selbstverwaltung, der ein selbstver­ständliches Merkmal jeder freien Demokratie darsielit, auf dem Parteitag mit so elementarer Gewalt zum Ausdruck gebracht wurde. Gerade auf diesem Gebiet müssen in der neuen Gemein- deordnung, deren Entwurf zur Zeit dem Redits- p#egeaiu«chuß des Landtages vorliegt, klare und unzweideutige Verhältnisse geschaffen werden

KP

Währungsreform kapitalistisch oder gerecht?

Kapitalistische Krisen und eine Inflation kennt das deutsche Vo4k ahs der Vergangenheit. Jedes­mal waren es irnu se r die breiten Schichten der Arbeiter, Bauern, Handwerker und kleinen Kauf- leule, welche die erdrückenden Lasten fragen mußten, wenn eine Sanierung der kapitalistischen Gesellschaft nötig wurde.

Nun stehen wir wieder vor einem solchen Wäh* nmgsexperiment. Zwei Fragen werden zugleich von der großen Müsse der deutschen Menschen aufgeworfen: Wer trag: die Lasten diesmal? Gibt es eine gesamtdeutsche oder niur eine west­deutsche Währungsreform? Die Verhandlungen, w piche bisher in den westlichen Besatzungzonen onld in London geführt wurden, geben uns zu Bedenken Anlaß: denn hier treten Verhandlungs­partner auf, welche uns als die eigentlichen Ur­heber des jetzigen Chaos verantwortlich erschei­nen, und rieh auf Kosten derjenigen, welche im­mer die größten Opfer an Gut und Blut gebracht haben, wieder gesundstoßen möchten, wie es 1923 eihon einmal der Fall war.

Wie wurde dagegen der Geldüberhang, der wohl nach jedem Krieg bisher auittrat, in der Sowjetunion überwunden?

Um Idias Spekulantentum zu treffen, wurde das gesamte Bargeld um 9/10 seines Wertes reduziert, dagegen die Spareinlagen bis 3000 Rubel in vol­ler Höhe, von 3000—1000 im Verhältnis 3:2, und über 10 000 im Verhältnis 2:1 verrechnet. Staats- anleihen wurden 3:1 konvertiert.

Gleichzeitig wurdie verfügt, daß Löhne und Ge­hälter der Arbeiter und Angestellten, sowie Sti­pendien und Soziilrenten in voller Höhe in neuem Gelde ausgezahlt werden. Hand in Hand ging die Aufhebung des RationierungBsystems. Die Preise der bewirtschafteten Bedarfsartikel und Lebensmittel wurden grucndsätzilich erhalten und die bisher im freien Handel üblichen Preise den anderen amgeglidien. So wurden z. B. die Preise für Stoffe, Kleider und Schuhe neu festgelegt, und liegen beute etwa 89 % unter den bis­herigen.

Hierin kann man den sozialen Charakter die­ser Währungsreform erkennen. Wer viel besitzt, kann auch die größten Lasten tragen (eine Flucht in Sachwerte, wie es bei uns der Fall ist, kann es in der Sowjetunion nicht geben, weil dort alles in Händen des Staates ist).

Bei uns versuchen sich die Monopol- und Groß­kapitalisten durch Horten von Roh- nnd Fertig- fabrikaten, in welche sie ihre Kapitalien investie­ren, oder in anderen Fdnamzmaniplulationen über die Währungsreform hinweg zu retten.

Solange sich die Arbeiterschaft nicht mit jenen Schichten des deutschen Volkes, welche klassen­mäßig zusammengehören, in einer Abweh-rfiront zusammenfindet, wird es jener Clique, trotz ih­rer Minderheit immer wieder gelingen, 'kill ch Parteien und Presse Verwirrung, und damit un­einiges Handeln aller Ausgebeuteten und Be­drückten herbeiführen.

Wir Kommunisten wollen ein politisch und wirtschaftlich einheitliches Deutschland , mit einer demokratischen sozialistischen Wirtschaftsrekorm, welches mit allen seinen Nachbarn und den an­deren Völkern der Welt, in friedlicher gleich­berechtigter Form Zusammenleben kann. O. II.

Weizsäcker über die bedingungslose Kapitulation

Nürnberg . Im Prozeß gegen die Wilhelmstraße erklärte der Angeklagte von Weizsäcker im Verlauf des Verhörs als Zeuge in eigener Sache: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, daß ich von einem Gericht als Kriegsverbrecher an­geklagt würde und *von einer Behörde, die sich selbst auf den Standpunkt der Friedensfreunde stellt. Sie nimmt es mir jetzt ja geradezu übel, daß ich für den Frieden wirkte. Wenn man im Dritten Reich für den Frieden habe arbeiten wollen, hätte man erstens den Frieden sabotieren und zweitens die Reichsspitze beseitigen müssen.

Auf die Frage, warum das Attentat auf Hitler so spät erfolgte, erklärte er, Hitler sei das angebetete Idol der Massen ge­wesen und seine Beseitigung hätte höchst­wahrscheinlich einen Bürgerkrieg mit ei­nem großen Blutbad hervorgerufen. Er hätte nur beseitigt werden können, wenn das Ausland in diesem Fall einen Ver­gleich versprochen hätte.

Weiter sagte der Hauptangeklagte von Weizsaecker aus, daß der Krieg durch die Formel von Casablanca — bedingungslose Kapitulation — um zwei Jahre verlängert

wurde. Diese Formel bedeutete den Ver­zicht auf politische Mittel, schuf damit ein Vakuium, so daß auch einem hitler­freien Deutschland keine Chance gegeben wurde. Die Hoffnung auf politischen Er­folg wurde damit der Widerstandsbewe­gung aus der Hand geschlagen.

Der Zeuge führte weiter aus, daß seipe Versuche, den Krieg zu verhindern bzw. zu beendigen, in den Jahren 1938 bis 1943 vergebens gewesen seien. Er sei sich dar­über klar gewesen, daß Europa aus die­sem Krieg als ein ganz anderes Europa hervorgehen würde, und zwar als geein­tes Europa erst auf dem wirtschaftlichen, später dann auf dem politivhen Sektor.

Im April 1944 kam Weizsaecker als Bot­schafter zum Vatikan . „Ich habe meinen guten Namen hingegeben, trotz meines Widerspruches gegen Methoden, Maxime und Motive. Das muß ich allerdings alles mit mir selbst ausmachen. Ich finde es eigentümlich, daß Ich wegen einer Ver­schwörung gegen den Frieden angeklagt werde, denn ich habe mich stets an einer Verschwörung gegen den Krieg beteiligt. Das Hauptgebot jener Zeit war, Mundhal­ten, ich mußte ein Spiel mit verteilten Rollen betreiben.”

Abendstern und Jazz

hat Ausstellung „Buch und Kunst la Frankreich"

Auf viele, die über Kunst eine feste und — wie sie glauben — gültige Meinung haben, wird di« gegenwärtig in der „W e 116 cha u" in Kon­ stanz gezeigte Ausstellung befremdend, vielleicht sogar abschreckend wirken. Das tut ihrem Wert keinen Abbruch. Denn hier kommt es viel mehr darauf an, daß Suchende angesproduen werden, die mit unverbildetem Geist und empfänglichem Herzen die eigenwilligen Schöpfungen von Henri Matisse untd Geoigies Rouault in der Form kunstvoll hergestellter Ruchblälfer bewun­dern dürfen. Die beiden französischen Künstler, deren Namen internationale Geltung haben, ge­frören der Generation an, die um die Jahrhun­dertwende den zur leeren Formel gewordenen Impressionismus ablöste. Sie setzten sich, nicht aus Lust an der Opposition, sondern aus dem Drang ihrer schöpferischen Natur — jeder auf seine Weise — für etwas Neues ein. Und so ist ihre Ausdrucks Kraft bis ms hohe After ständig gewachsen.

Von dem ernsten Rouauft, dessen Bäder vor­wiegend mystisch-religiöses Gepräge haben, se­hen wir in der „Welt soll au” die Folge von .Abendstern". Das Verfahren der Repro­duktion dieser Bildfolge zu Blättern einer Kunst­mappe — sie sind in Vitrinen ausgestellt — ist von dem Künstler persönlich geleitet worden und hat derartig viele Stadien der Entwicklung jedes einzelnen Blattes hinter sich, daß sie dam Werg von Originalen kaum nachstehen. Das ist um so weniger der Fall, al s Rouatults Gemälde, von denen einige im vergangenen Jahr in Frei­ burg ausgestellt wurden, sich auch dem Format nach kaum von den BcucHbläitteni unterscheiden. Diese Bilder, in schweren, glühenden, dabei 6tark. nuancierten Farben gehalten, lassen nicht ei- gantikh Menschen, sontdem Schemen von mensch­licher Gestalt in geheimnisvoller, traumhaft dü­sterer Landschaft, zumeist m Gruppen wie auf einer Bühne, erscheinen. Sie wollen nichts an­deres, als die Seele anirühren. Wer in der Ma­lerei nur die optische Wiedergabe landschaft­licher oder figürlicher Realität sucht, wird kein Verständnis für diese expressionistische Art fin­de«. Rouauft, der sich zum katholischen Chri­stentum bekennt und seinen Stil aus der Tech­nik kirchlicher Glasmalerei entwickelt hat, wen­det sich an Menschen, di«, wie er, zum Mystischen •eigen.

Welch ein Kontrast demgegenüber der sinnen- freudige Matisse! Jazz nennt er sein Buch, das er mit dem Pinsel auf großen Ksrtonblättem niedergeschrieben hat und dessen Bilder aus buntfarbigen Scherenschnitten entstanden sind. Im ganzen wurden daivon unter Benutzung von Schablonen 250 Exemplare hergestellt. Bilder und Texte eines dieser Exemplare durchlaufen, wie ein Fries angeordnet, die Wände deT großen Halle. Der weise Henri Mattisse spricht uns hier an, als wären wir Kinder. (Und sollten wir es nicht immer wieder werden vor der Kunst?) Die nur entfernt sich am Gegenständliches an- lehnenden Gebilde aus schattenlosen farbigen Flächen, scheinbar nur dekorativ arrangiert, ha­ben den Reiz des Märchenhaften. In einfachen und dabei dichterischen Sätzen sagt uns dazu das geschriebene Wort aus Seele und Geist einer großen künstlerischen Persönlichkeit Be­deutendes * über das Wesen der Kunst. (Die Uebersetzcmg finden wir in einer kleinen, vom Gedd Hatje Verlag herausgegebenen Mappe mit Kunstbeitagen.) Matisse spricht davon, wie ihn das direkte Hineinscbneiden in die Farbe an die unmittelbare Arbeit der Bildhauer im Stein erin­nert, und wie sich in diesen Scherenschnitten geistig formte, was ihm deT Zirkus, das Volks­märchen und Reiseeintdriicke aus dieser bunten Welt zu geben hatten. Er spricht von Blumen, die überall zu finden sind, wo man sich bemüht, sie zu suchen. Wie Matisse eine Blume pflückt und in sein Skizzenbuch zeichnet, um die von der Natur gegebene äußere Form gleichsam um- zudichten in die Sprache des Malers, konnten die Gäste der Eröffnung auch in einem fesselnden Kulturfilm sehen. Man verstand im Anblick dieser Szene, was der Dichter Cocteau einmal: gesagt hat; „Kunst beginnt in dem Augenblick, wo der Künstler Abstand nimmt von der Natur-"

Dr. Ernst Brasch

VI. Symphoniekonzert im Konzil

Unter der Stabführung unseres beliebten Schweizer Gastdirigenten Ernst Klug — wie immer sind Tiefe, Eindringlichkeit und Feinnervig­keit seiner Gestaltung, seines durch eiserne Probenarbeit vor b ereiteten Orchesterschliffs so­fort an der Präzision der klanglichen Konturen merkbar — hinterließ das Stidt. Orchester in seinem Saiscm-Abechlußkonzert einen recht be­friedigenden Eindruck. Ließ die von Mottl be­arbeitete Gludcsche Billett-Suite besonders an­fangs in rhythmischer Prägnanz und dynamisch«

Durchsichtigkeit noch zu wünschen übrig, so war schon die Orchesteruntermaiung von Mozarts Rezitativ und Arie „Basta vincesti" und aer Beet- hovenschen „PerfMo"-Arie von lebendigerem Ffuß und dynamisch fein abgestimmtem Farbenauftreg. Die bekannte Münchner Sopranistin Dora Lut­zenberger zeigte hier sehr schönes, im Vo­lumen mittelgroßes Material und eine maßvoll zwischen Eigentemperament und angelernter Ein­fühlung liegende Ausdrucksgestaltung, ule die fehlenden Akzente wirklicher Leidenschatt durch technische Vorzüge auszugleichen wußte, wie eine sehr saubere Intonation, klare Deklamation und einen lockeren, fein differenzierten Piano-Stil. Ziehen wir in Betracht, welche Schwieng-w.-en die technisch-klangliche Detailgestaltung der er­sten Schumann-Symphonie (B-dur, op. 38) ai«ch einem höchstqualifizierten Klangkörper bietet, so muß die vom Orchester erreichte Leistung dop­pelt anerkannt werden. Die aus der überlegenen Könnerschaft des Dirigenten geformten Direktiven vermochten Streicher und Bläser, von kleinen Störungen abgesehen, in aufmerksamem and e- bendigem Mitgehen zu einem rhythmisch und ' f- namisch markanten Klanggewebe auszuconnen, dem echt Schumannscher Geist innewohnte, so in den Frühlingsbildern des ersten Satzes, m der breitgeschwungenen Melodie des Larghetto, tra straff geformten Scherzo und in dem in ko xil- discher Laune dahineilenden Finale. Div »echt gerade sehr zahlreichen Besucher dankte«: Soli­stin, Dirigent und Orchester durch wiedernertien, herzlichen Beifall.

Dr. G. Lenzinger

Alexander von Swaine

Tänze und Gestalte«

Die Art, wie man den Tänzer Alexanaei von Swaine angekündigt hatte, ließ eine bei Tanz­veranstaltungen ungewöhnliche Zahl von Zu­schauern im Stadttheater Zusammenkommen, und. man kaum sagen, daß der Abend eine Ent­täuschung wurde. Alexander von Swaine verfügt über eine bewundernswerte Leichtigkeit in der Beherrschung «einer Glieder, die aber stets nur Mittel im Dienste der Gesamt Wirkung bleibt, wie er auch durchgeistigt Im Ausdruck — den seelischen Ge­halt seiner Darbietungen nie übersteigert. In einer Reihe von Tänzen von einfacher Größe und erlebtem echtem Gefühl zeigte er, in immer neuen Gestalten auf gehend, eine erstaunliche schauspielerische Wandlungsfähigkeit, bei der of­fenbar wurde, daß er seine Inspirationen mehr vom Bildlichen her bezieht als vom Musika-

i iischen, das man über seiner Tanzkunst last ver- I gessen könnte. Tatsächlich wirkten auch ver­schiedene seiner Tänze wie zum Leben erweckte I BiMgestalten. Den größten Beifall erntete er in „Trunkenheit" von Debussy und im „Kavalier ä la mode", einem leicht spanisch gefärbtem Mo­zart, wie auch im Schuhpiattlertanz, mit dem er I das Programm, das andererseits ergreifende Deu­tungen menschlicher Daseinstragik enthielt, hu­morvoll abschloß. Am Flügel begleitete Ru­ dolf Beyer . -qu.-

KULTUR UND LEBEN

Die Herausgabe deutscher Bücher ist trotz der unvorstellbaren Schwierigkeiten in der Papierbeschaffung untdi im Druck im Anstei­gen. 1917 wurden insgesamt 8612 Bücher hereus- gegeben, darunter 1927 schön-geistige / ln Mün­ chen feierte der größte lebende Karikaturist Olaf Gulbransson den 75. Geburtstag / Emil Jannings wanderte nach Argentinien aus und trat mehr­fach in Theatern in Buenos Aires aiuf / In Mün­ chen wurde ein „Dramatischeis Theater" mit 200 Sitzplätzen eröffnet. Es steht unter der Leitung von Marin HeHberg / In Freiburg i. Br. wurde die Kunstwissenschaftliche Gesellschaft erneut ins Leben gerufen / Das durch Bombenangriffe zer­störte Nationaltheater in Weimar wurde neu auf­gebaut. Es zählt jetzt zu den modernsten und ansehnlichsten Theatern Deutschlands / Ein in Vfünchen erstmals autfgeführtes Faust-Oallett von WerneT Egk hatte großen Erfolg / Ein mystisches Chorwerk „Dos grüße Wunder", das in Charloc- tentyurg zum erstenmal aufgeführt wurde, wurde als völlig unzulänglich in Dichtung und Musik abgelehnt I ln Oesterreich macht sich die Wäh­rungsreform einschneidend bemerkbar. Die Auf­lagen der Zeitungen und Zeitschriften sind durch­schnittlich um 30 Prozent gesunken. Man rechnet damit, daß die Hälfte aller Theater in der kom­menden Spielzeit ausfäüt / In Lausanne fand ein Wettspielen der besten Handbarmonika-Spieiei »taett. Der erste Preis fiel an eine Französin Yvette Homer, der zweite an den Deutschen Ru­dolf Würthuer.

Internationale Jugendkundge - bung. Vom 11. bis 20. Juni findet in Mün­ chen eine ItrtarnatiooaJe Jugendkundgebung statt, an der neben den Deutschen zahlreiche Ausländer erscheinen wenden, um sich mi t geistige« Auf­gaben der Jugend zu befassen. U. a. wind auf dieser Tagung der bekannte Dirigent Wilhelm Furtwängler sprechen. Rosseüoi wind seinen be­kannten Film „Berlin im Jahre Null " vorführen.

Um dti« Freiheit Ufer Wissenschaft ist an der Berliner Universität ein Streit ent­brannt Drei Studenten wurden aus politischen Gründen vom Senat der Universität vom Stu­dium ausgeschlossen. Die Studentenschaften der LDP, der SPD und der CDU haben zu einem Streik aufgerufen untd fordern eine freie Uni­versität in den West-Sektoren Berlins .

Ein mißglückter „Zeitroman". Inge- Scholl , die Schwester der von den Nazi ermor­deten tapferen Geschister Scholl, erhebt öffent­lichen Protest gegen den Roman Alfred Neu- manns „Bs waren ihrer sechs", dem sie Verun­glimpfung des Andenkens jener Freiheitskämpfer vqjwirft.

Deutsche Kunstschätze fanden bei ihrer Ausstellung kr Washington einen ungeheu­ren Anklang. In 40 Tagen besuchten nicht weni­ger als 965 000 Personen die Ausstellung, Unter der Obhut amerikanischer Museuansdirektoren sollen die Werke anschließend in zwölf ameri­ kanischen Städten gezeigt weiden.

Russische Sensationen. Der sowje­tische Filmexport verleih in Deutschland hart am Atexanderpletz in Berlin ein luxuriöses Urauf- fütaungstheater für russische Filme gebaut, mit 1200 Plätzen, Kinoorgel, Promenademäumen, al­les in bestem Geschmack. Bei der Eröffnungs­feier gab es kaltes Buffett, mit Schinkenbröten, Reden, und einen guten neuen russischen Film Das Sensationellste aber war, daß am Schluß der Feier eine Wochenschau gezeigt wurde, in der die Gäste den Beginn der Feier und Bich selbst auf der Leinwand sehen konnten. — In Moskau hat man mit dem Bau einer neuen Universität begonnen. Sie wird sich auf einem Hügel an der Moskwa , dem „Lenin-Berg" erheben und 20 Stockwerke hoch sein. Sie enthält nicht nur Hör­säle und Arbeitsräume, sondern auch Speisssäl« und Wohnräume für Professoren und Studenten.

NEUE BOCHER

Leo Faller: „Vogel, Katze, Käfer, K i n d". (Vertag: Kurwtdriukerei Künstleihund, Karlsruhe .) Eine neue Art, die Kinder mit all den vielen Tieren aus dem Käfer- und Vogel- rekh bekannt zu machen. Leo Faller schuf mitt einer Phantasie die anregenden, lebendigen Bil­der, die in jedem Kinderherz uneingeschränkte Freude hervorrufen werden und die selbst een Beifall der Erwachsenen finden. Lies Fall« schrieb einen Text, der ganz dem kirröäkhen Ge­müt entspricht. Die schmucke Ausstattung ist be­sonders hervorzuheben- -dt