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SODKURIER
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Samstag/Sonntag. 12./13. März 1949
Kampf gegen die Anopheles-Mücke
Malaria kann auch in unseren Gegenden Vorkommen
Der letzte Weltkrieg mit seinen verheerenden Folgen, der Wohnungsnot, den schlechten hygienischen Verhältnissen, der Uetoerfüllung mancher Gebiete mit Flüchtlingen, der Unterernährung der breiten Massen und der damit verbundenen Resistenzverminderung gegenüber Krankheiten, ließen auch das Problem der Seuchenkrankheiten in Deutschland wieder akut werden. Wie nicht anders zu erwarten war, schnellten nach Kriegsende die Erkrankungsziffem an den klassischen Seuchen der Kriege, Typhus und Fleck- fieber, sprunghaft in die Höhe. Die moderne Medizin hat den Kampf gegen diese verheerenden Kriegsfolgen mit allem ihr zu Gebote stehenden therapeutischen Rüstzeug ausgenommen, und es gelang ihr, die Seuchen zu lokalisieren und in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Erlöschen zu bringen.
Die Ausbreitung des Krieges auf die Mittelmeerländer und Süd - Rußland brachte aber außerdem eine andere Gefahr miit: die Infektion der Soldaten mit den Erregern der gefährlichen Malaria. Schon im Weltkrieg 1914/18 hatten die Malariainfektionen die Zahl der Erkrankungen an Typhus , Fleckfieber und Cholera bei weitem übertroffen. Die Erkrankungsziffem des letzten Krieges dürften noch bedeutend höher liegen. Eine sicherlich nicht kleine Anzahl dieser Kriegsmalariker kam, nicht zuletzt wegen der verworrenen Verhältnisse des Kriegsendes, nicht oder nur mangelhaft ausgeheilt nach Hause. Daraus resultierten eine ganze Reihe von Mlalarianen-Infektionen von einheimischen Malariafälden in Deutschland , die bald nach Kriegsende aus vielen Gegenden von Aerzten in den Fachzeitschriften gemeldet wurden. Die meisten dieser Berichte stammen aus Nord- und Ostdeutschland. Aber auch Südwestdeutschland konnte, wenn auch vereinzelt, ein Auftreten von Malariaerkrankungen anzeigen, so in der Ofifen- burger Gegend, in der Nähe von Bilberach/ Riß und im westlichen Bodenseebecken bei Radolfzell .
Ohne Zweifel mußten also die in diesen Gegenden vorhandenen Stechmückenrassen die Malariaerreger zu übertragen vermögen. Das Tropenmedizinische Institut der Universität Tübingen unter Leitung von Prof. Dr. med. L. Fischer hat sich seit Kriegsende intensiv mit der Klärung dieser Fragen befaßt. Das Vorhandensein malariaübertragender Mücken in Deutschland war schon seit langem bekannt. Im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts waren vor allen Dingen die großen Festungen mit ihren Wassergräben berüchtigte Malariaorte. Die Garnisonen von Germersheim und Ulm verloren damals Hunderte von Rdkruten dundii die verheerende Seuche, deren Infektionsgang und Ursprung noch völlig im Dunkeln lagen. Inzwischen aber haben die
fortschreitende Bodenkultivierung sowie die Regulation der fließenden und stehenden Gewässer zu einer wesentlichen Verminderung der natürlichen Brutplätze und zu einer erheblichen Populationsverschiebung der einzelnen Mückenrassen geführt. Auch spielen die Klimaiverhältnisse eine nicht unwesentliche Rolle. Bei Temperaturen unter 15—16 Grad ist die Entwicklung der Malariaparasiten in der Mücke gar nicht möglich. Die günstigsten Temperaturen liegen um 22 Grad. Wo Ueber- 1 schwemmungs- und Schilfgebiete das Vorkommen von Anophelesmücken begünstigen, kann die Rasse Anopheles maculipen- nis messeae in fast reiner Population auf- treten. Diese Rasse darf nach den neuesten Erkenntnissen als der Malariaütoer- träger des deutschen Binnenlandes angesehen werden.
Eine epidemische Ausbreitung der Ma- . laria braucht jedoch in Deutschland nicht befürchtet zu werden. Die Malariamücken werden von Jahr zu Jahr weniger, auch sind die klimatischen Bedingungen der Malariaverbreitung in Deutschland nicht förderlich. Ebenso scheinen sich die Lebensgewohnheiten der Mücken in gewisser Weise geändert zu haben. Man trifft sie heute vorwiegend in den Viehställen
Man nennt Tölz die ,/Perle des Oberlandes“. Ein Kleinod ist es auf jeden Fall; darin stimmen alle überein: die wohlhabenden Fremden, die ehedem das Jodbad aufsuchten, die Münchener Ausflügler, die im Frühjahr und im Sommer auf ihren Rädern über Tölz dem Tegernsee zusteuern und sogar die Amerikaner, die sich Tölz zu einem ihrer Hauptsitze erkoren haben.
Es mag einer das altbayerische Land kreuz und quer durchwandern; er wird viele malerische Flecken und Städtchen entdecken. Wohl keines aber, das in ähnlich geschlossener Weise dem alt- bayerischen barocken Lebensgefühl Ausdruck verleihen würde wie gerade Tölz . Vom alten Stadtturm bis zur Isarbrücke hinunter findet sich zu beiden Seiten der steilabfallenden Hauptstraße nicht ein Haus, das nicht mit kunstvollen bäuerlichbarocken Malereien seinen Teil zu dem wohl einmaligen Gesamteindruck der Straße beisteuerte. Sauber und gepflegt sieht die Stadt auch in den schmalen winkeligen Gäßchen daneben aus. Was außerhalb des alten Weichbildes, das nicht eben groß ist und durch den Kalvarienberg aiuf der einen Seite im Ausbreiten arg gehemmt, im Laufe der Jahre dazu entstand, fügt sich mit erfreulicher Stiltreue in das Gesamtbild. Das Gleiche gilt für den Badeteil am jenseitigen Isarufer, wo um die heilenden Jodquellen sich Hotel neben Hotel, Pension neben Pension niedergelassen hat.
Diese Jodquejlen bilden indessen heute
der Bauernhäuser an und nur in verhältnismäßig geringer Zahl in den menschlichen Wohnräumen. Die Frage dieser „Zoaphile” ist allerdings sehr umstritten. Das Verhältnis der Parasitenträger zur Anzahl der Malariamücken verkleinert sich immer mehr, denn die modernen Medikamente, wie Atebrin und Plasmochin, vermögen die Parasiten im Blute rasch und sicher abzutöten.
Es ergibt sich also eindeutig, daß die Malaria in Deutschland immer eine ver- : hältnismäßig geringe Rolle spielen wird. Immerhin wird man auch in der Zukunft j mit vereinzelten sporadischen Fällen rechnen müssen. Gewisse Erkrankungen des Nervensystems werden heute miit einer künstlichen Malariainfektion behandelt. Obgleich solche Kranke die Kliniken während dieser Zeit wohl kaum verlassen, mag eine solche „Impfmalaria” hin und wieder den Anophelen als Infektionsquelle dienen. Schließlich werden immer wieder einmal Malariainfektionen aus den Tropen eingeschleppt, die Anlaß zur Neuinfektion sein können. I
So muß das Auftreten von einheimischer j Malaria als eine der vielen wenig erfreu- j liehen, aber immerhin interessanten j Kriegsfolgen gewertet werden. Eine ernstere Bedeutung im Sinne einer Gefährdung der Volksgesundheit ist ihr nicht beizumessan. cand. med. W. G.
auch die nicht so schnell versiegende Sorgenquelle der Tölzer, als sie nämlich, Ausgangs- und Mittelpunkt des Fremdenverkehrs, ihre Aufgabe infeige des Bettenmangels nicht mehr zu erfüllen vermögen. Einerseits sind viele Gebäude beschlagnahmt; zum anderen hat sich noch in den letzten Tagen des Krieges ein Flüchtlings- strom von ungeheuerem Ausmaß in die kleine Stadt ergossen, mit ihrem Ruf als Lazarettstadt trotz der SS-Junkerschule Anziehungspunkt für viele, die dort ein „Ende ohne Schrecken“ erwarteten. Der Wohnraum ist damit in einem Grad belegt, daß für den Fremdenverkehr nicht mehr viel bleibt. Im ganzen Landkreis stehen hinter je tausend Einwohnern, die leben wollen, ganze 27 Fremdenbetten. Der Fremdenverkehr im Zusammenhang mit dem Kurbetrieb ist aber die Existenzgrundlage der Stadt. Noch kann dieser nicht ausgenommen werden. Die Stadt steht demnächst vor dem Konkurs. Sie hat zusammen mit dem ganzen Landkreis eine Denkschrift an den Bayerischen Landtag mit der Bitte um Hilfe gerichtet. Schon einmal hat sie sich an den Landtag gewandt, als mit der beschlossenen Ableitung des Rißbachs, des wichtigsten Wasserzulaufs der Isar oberhalb Tölz zum Wal- chenseefcraftwerk, die Schönheit des Stadtbildes der Stramprodukticn geopfert wurde.
Indessen sind die Tölzer unentwegt mit der Verschönerung des Stadtbildes beschäftigt. Sie verbinden dabei geschickt
das Angenehme mit dem Nützlichen, wenn sie zum Beispiel die Neugestaltung des Platzes vor der Brücke am Badeteilufer zum Ausbau einer Exporttaxi- und Autobusstation benützen; angesichts der vielen Besatzungssoldaten doch wenigstens eine Einnahmequelle. Leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein: die Wirtschaft der Stadt hat nach vorläufigen Schätzungen einen Einnahmeausfall von etwa 7 Millionen D-Mark. Spaziert man aber den Kalvarienberg hinauf — er soll schon in Heidentagen eine Kultstätte des Roßgottes gewesen sein, und mit den Rössern haben sie’s heute noch in Tölz , das spürt man bei ihrem berühmten Leonhardiritt — und schaut über die Stadt hinweg in die Berge, hinüber nach Tirol, dann ist es fast, als
sprächen sie den sorgenvollen Tölz ^fc Trost: ihre Stadt ist ein Kleinod de* bayerischen Oberlandes, und wer einmal dort war, kommt gewiß wieder. E. H. M.
Weinmarkt am 17. März in Offenburg
Am Donnerstag, den 17. März findet von 11 bis 14 Uhr im Saalbau „Drei Könige“ in Offenburg der 62. Offenburger Weiq- markt, der älteste Weinmarkt in Baden statt, der rund 230 Wemproben aus der Ortenau, Adiemer u. Bühler Gegend, vom Kaiserstuhl und aus dem Markgräflerland bringt. Vertreten sind alle Weinsorten vom Tischwein bis zu den feinsten Qualitätsweinen; auch Rotweine sind dabei. Der Markt bietet den Käufern die beste Möglichkeit, sich mit Wein einzudecken.
Südwestdeutsche Umschau
Waldshut . In der schweizerischen Grenzzone waren Ende Februar 1122 Personen aus dem Landkreis Waldshut beruflich, tätig. Für die nächsten Wochen rechnet man mit einem leichten Rückgang infolge des Nachlassen« der Hochkonjunktur! bis jetzt mußten erst 4 v. H. der badischen Grenzgänger ihren Arbeitsplatz aufgeben.
Titisee . Als sichtbare« Zeichen stetiger Fremdenverkehrszunahme konnte für den Monat Februar vom Schwarzwaldhotel an Kurtaxe und Werbeabgabe ein Betrag vereinnahmt werden, der erstmals nicht mehr weit davon entfernt war, eine vierstellige Ziffer zu erreichen.
Breisach . Altbürgermeister Ehrlacher hat vom Staatspräsidenten Wohieb ein Handschreiben erhalten, worin ihm für seine Amtsführung und für seine Bemühungen um den Wiederaufbau Breisachs herzlicher Dank ausgesprochen wird.
Freiburg i. Br. An Stelle des bisherigen Diö- zesanleiters des Katholischen Männerwerks, Ernst Prestel, der am 1. Januar zum Bürgermeister von Waldkirch gewählt wurde, übernimmt der Dekanatsobmann von Donaueschingen und Leiter des dortigen Jugendbildungswerkes, Josef Titzer, die Geschäfte des Diözesanl-eiters des Katholischen Männerwerkes.
Offenburg . Der Oberstaatsanwalt hat gegen das . Urteil im Oedtsbaeher Mordprozeß Revision angemeldet, da er nach wie vor den Standpunkt vertritt, daß die Tatbestandsmerkmale des Mords gegeben sind.
Offenburg . In Anwesenheit von Oberlandes- Staatspräsidenten und Justizraini sters sowie von gerichtepräsident Dr. Zürcher als Vertreter des Generalstaatsanwalt Dr. IBader als Beauftragter der juristischen Fakultät der Universität Frei- burg beging die Stadt Offenburg in Verbindung mit den Justizbehörden eine Gedenkfeier zu Ehren des 100. Geburtstages des in Offenburg geborenen Juristen Josef Köhler, dessen Bedeutung vornehmlich auf dem Gebiete der vergleichenden Rechtswissenschaft lag-
Bühl. Eine Zweigregutrierstelle für Weltbürger in Deutschland wurde bei den Südwestdeutschen Kammerspielen eröffnet. Sie befindet sich in Bühl'Baden, Burg-Windeck-Straße 23.
Karlsruhe. Bei der Karlsruher Papstfeier, die am 13. März in der Markthalle stattfindet, wird die von dem Freiburger Komponisten Franz Phi lipp geschaffene ,.Hymne zu Ehren der Apostelfürsten Petrus und Paulus , op. m 63” • für gemischten Chor und OrchesteT uraufgeführt- Die Papstrede hält Erzbischof Dr. Wendelin Rauch.
Mannheim . Polizeirat O. Riester, Leiter der Mannheimer Schutzpolizei , trat zusammen mit weiteren vier leitenden Polizeibeamten aus der
Bizone mit dem Flugzeug die Reise nach den USA an, um sich mit den Einrichtungen der amerikanischen Polizei und ihren Arbeitsmethoden vertraut zu machen-
Heidelberg . In der Benediktinerabtei des Stiftes Neuburg bei Heidelberg ’ wurde ein feierliches Pontifikal-Requiem für den ermordeten Abt Adalbert Graf von Neipperg abgehalten. Der jetzige Abt Albert sprach Gedächtnisworte zu Ehren des Toten, der vor 1933 fünf Jahre lang in dieser Abtei gewirkt hatte- Wie berichtet wurde, war Abt Adalbert am 23. Dezember 1948 bei einem Gang aus dem Inteiniertenlager in Ju goslawien ermordert worden.
Rottenbuirg. Der 79 Jahre alte Domdekan Dr. Josef Schneider aus Mainz , der in Begleitung des Bischofs von Mainz zur Beisetzung des Bischofs Dt. Sproll nach Rottenburg gekommen war, ist dort im bischöflichen Palais eines plötzlichen Todes gestorben.
Tübingen . Das im Kriege zerstörte historische Uhlandhaus neben der Neckarbrücke soll, einem Beschluß des Tübinger Stadtrates zufolge, durch einen Neubau ersetzt werden. Der Plan, auf dem Platz Behelfsbauten zu erstellen, wurde ab- gelehnt.
Bingen. Mehrere Binger Geschäftsleute wurden auf Veranlassung der Zollfahndungsstelle verhaf-
tet und ins Untersuchungsgelangnis «ingenerer
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,,Die ideale Lösung, die erstens den Schuhpunkten einen Wert gibt und zweitens den Absatz fördert!”
Zeichnung: Manfred Schmidt
Dunkle Punkte der Arbeitslosenversicherung
Lehrlinge ohne Unterstützung — Fragen der Sperrfrist — Stellung der Heimkehrer
SUDKURIER
Schulfahrten
an den Oberstdorfer Hängen
Sonderbeiicht unseres A. St. - Redaktionsmitgliedes
In Südöaden wurde in letzter Zeit vom Land- tag ein Arbeitslosenversicherungsgesetz beschlossen, das ßich in seinen wesentlichen Teilen eng an die in der ®izone und in Südwürttemberg geltenden Bestimmungen anschließt. Der Raum verbietet uns, im einzelnen auf das Gesetz einzugehen. Wesentlich erscheint uns aber, verschiedene Punkt« die unserer Meinung nach anfechtbar sind, lie-rauszuarerfen und auf ihre Problematik zu untersuchen.
Was in diesem Zusammenhänge zunächst interessiert. ist die Tatsache, daß die seit dem Jahre 1942 bestehende Form der Versicherungs- freiheit der Lehrlinge und Praktikanten unverändert übernommen wurde- Das bedeutet, daß eine Beschäftigung von Lehrlingen und Praktikanten auf Grund eines schriftlichen Lehrvertrags oder einer schriftlichen Praktiken« tenvereinibaxuncr beitragsirei zur Arbeitslosenversicherung bleibt. Das Gleiche gilt für Anlernlinge, die in einem anerkannten Anlernberuf auf Grund eines eingetragenen Anlernvertrags ausgebildet werden. Nun bestimmt § 96 des neuen Gesetzes, daß infolge dieser Beitragsfreiheit ein« Anwartschaft auf Unterstützung im Falle der Arbeitslosigkeit nicht erworben werden kann. Wird also ein Lehrling, Praktikant oder Anlernling nach Beendigung seiner Lehrzeit arbeitslos — ein Fall, der in Zeiten schrumpfender Wirtschaft leider häufig eintreten wird —, so ist diesen PeT&onengruppeu ein Bezug von Arbeitslosenunterstützung unmöglich gemacht. Hier müßte Abhilfe geschaffen werden, und zwar entweder in der Art, daß die Bestimmungen des früheren Rechts, wonach Vensicherungspflicht in den letzten 12 Monaten des Lehrverhältnisses bestand, wiederhergestellt werden, oder noch besser, indem in § 96 des Veisicherungsgesetze« eine Regelung getroffen wird, die eine Lehr- lingsbeschäftigung ohne Rücksicht auf Beitrags- entrichtung als anwartschaftebegründend erklärt, analog der Beschäftigung im Bergbau. Im übrigen könnten sich die Vertragsparteien (Lehr- herr und Lehrling} dadurch helfen, daß sie von der schriftlichen Festlegung des Lehrvertrags ab- sehen. In diesem Falle würde das Lehrlingsverhältnis versicherungspflichtig und anwartschafts- begründend. Gegen diese Art Selbsthilfe werden aber von Handels- und Handwerkskammer erhebliche Einwendungen geltend gemacht werden. Fs wird also nichts anderes übrig bleiben, als eine entsprechende Korrektur des Gesetzes vorzuneh- men. Dies wird schon aus dem Grunde dringend erforderlich, ak eine nicht unbeträchtliche Zahl von Lehrlingen über 21 Jahre alt ist und Tariflöhne bezieht, in einzelnen Fällen auch Angehörige mitzuunteihalten hat.
Eine Ueberschneidung des Zustimmungsverfahrens bei Kündigungen mit den Sperrfristbestimmungen ist insoweit zu verzeichnen, als aus der Zustimmung des Arbeitsamtes zu einer Kündigung, die von einem Arbeitnehmer ausgeht, entnommen werden könnte, daß die Arbeitsäufgabe vom Arbeitsamt auch vom versicherungsrechtlichen Standpunkte aus gebilligt würde. Dies ist jedoch nicht der Fall- Die Zustimmung zur Lösung des Arbeitsverhältnisäes wird nach rein arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten erteilt, ohne daß die Frage geprüft würde, ob ein wichtiger oder berechtigter Grund zur Arbeitsaufgabe vorlag oder nicht. Stellt nun ein Arbeitnehmer, der mit Zustimmung des Arbeitsamts seine Arbeitsstelle aufgab, Unterstützungsantrag, so kann er Gefahr laufen, daß er auf 4 Wochen ein« Sperrfrist erhält d. h. nicht zur Unterstützung zugelassen wird, sofern er keinen wichtigen oder berechtigten Grund zur Ar
beitsaufgabe im Sinne des Arbeitslosenversicherungsgesetzes hatte. Diese Tatsache ist durchaus unbefriedigend und wird von der breiten Oef- fentlichkeit kaum verstanden werden. Andererseits würde eine Bestimmung, die die Zustimmung des Arbeitsamts zu einer Kündigung des Arbeitnehmers vom Vorliegen eines wichtigen oder berechtigten Grundes im Sinne des Versicherungsgesetzes abhängig machte, zu einer unerträglichen Einschränkung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer führen. Es bleibt also nur übrig, den § 93 des Gesetzes insoweit zu ergänzen, als in den zu diesem Paragraphen zu erwartenden Durchführungsrichtlinien auch die Bestimmung ausgenommen wird, daß bei Arbeitsaufgabe mit Zustimmung des Arbeitsamts in keinem Falle eine Sperrfrist verhängt werden darf.
Noch eine Frage zum Unterstützungsrecht der ehemaligen Soldaten (nicht Berufssoldaten): Für diese Personengruppen sieht das Gesetz vor, daß die versicherungspflichtige Beschäfti-
Die Entwicklung der im Raiffeisenverband organisierten landwirtschaftlichen Betriebe wurde in einer Pressekonferenz am 9. März von dem Präsidenten des deutschen Raiffeisenverbandes in Bonn , Reichsminister a. D. Dr. Hermes und einigen Sachbearbeitern behandelt. Bezüglich des genossenschaftlichen Geld- und Kreditwesen« wurde von dem Referenten herausgestellt, daß dringendster Bedarf an mittel- und langfristigen Krediten bei den landwirtschaftlichen Betrieben vorliegt. Die kurzfristigen Kredite, die man sich von der landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank verspricht, deren Errichtung vom Wirtschaftsrat gebilligt wurde, werden nur als Ueber- gangsstadium betrachtet. Nach Ansicht maßgebender Genossenschaftsmitglieder ist neuerdings deir Sparwille unter der Landbevölkerung beachtenswert gestiegen. Nach den monatlichen Meldungen, die von 12 ländlichen Zentralkassen und etwa 1600 größeren Kreditgenossenschaften an die Bank deutscher Länder abgegeben werden, betrugen die Kredite der Zentralkassen Ende 1948 272,7 Miil. DM- Die Einlagen bei den Zentralkassen beliefen ßich am 31. Dezember 1948 a.uf 214 Mill. DM.
Bezüglich des genossenschaftlichen Warenbezugs und Absatzes bemerkte der Sprecher, daß in den vergangenen Jahren die größten Schwierigkeiten wegen der Schwarz- und Kompensationsgeschäfte aufgetreten seien. Die 472 Winzergenossenschaften hätten 6ich auch in den schlimmsten Jahren der Beschlagnahme mit der Erzeugung. der Pflege und dem Absatz ihrer Weine befaßt. Die wertmäßige Umsatzsteigerung um rund 100% nach der Währungsreform sei eine Folge der ungesunden Preisentwicklung.
Flurbereinigung und Technisierung
Frankfurt . (J. F.-Eigenbericht). Das Kuratorium für Technik in der Landwirtschaft befaßte sich auf einer Tagung in Wiesbaden mit Fragen der Wissenschaft und Technik iin Dienste der praktischen Bodenpflege. Bei einem Presseempfang sprach der Direktor der Verwaltung für Ernährung und Landwirtschaft Schlange-Schönin- gen über Tagesfragen: Die Landwirtschaft 6ei die deutsche Gnmdindustrie. Man könne es psychologisch verstehen, wenn sie heute stürmisch nach Freiheit dränge- Eine leise Stimme deT Warnung dürfe nicht überhört werden, da die Landwirtschaft noch zu schwach sei, um die immer spür-
gung, die zur Unterstützung berechtigt, nicht innerhalb 2 Jahre vor der Arbeitslosmeldung liegen muß. sondern, daß um die Zeiten des Wehrdienstes und der Kriegsgefangenschaft zurückge- rechnet werden kann, bis man auf versicherungspflichtige Beschäftigung stößt. Das bedeutet unter Umständen, daß bis auf Zeiten vor Eintritt in die aktive Dienstzeit, also hinter das Jahr 1937, zurückgegangen werden muß. Liegen aber zwischen der Arbeitslosmeldung des Heimkehrers und seiner Entlassung aus »Kriegsgefangenschaft Zeiten, um die auch nach den gesetzlichen Vorschriften des § 95 nicht zurückgerechnet werden kann (z. B- 2 Jahre beschäftigungslosen Herumtreibens), so entfällt auch die Möglichkeit der Verwertung der Zeiten als Soldat und Kriegsgefangener. Dies geht aus dem Gesetz nicht eindeutig hervor, ist aber aus der Formulierung und dem Sinne und Zwecke nach zu folgern. Eine authentische Interpretation dürfte dringend erforderlich sein. Bs sei noch darauf hingewiesen, daß ein Rechtsanspruch de* Heimkehrers auf Wiedeieinstellung bei seinem früheren Betrieb gegeben ist, so daß Arbeitslosigkeit im Regelfall nicht eintritt Dr. H.
barer werdende ausländische Konkurrenz abzu- wehien. Zwei Grundforderungen seien zu erheben: Einmal eine schnelle und durchgreifende Technisierung und zum ziweiten eine rasche Flurbereinigung. Es müsse jemand kommen und den billigen deutschen Bauerntrecker erfinden, der geeignet eei, das Pferd zu ersetzen. Doch auch mit dem besten Trecker könne man bei der heutigen, unrationellen Landverteihing nicht zu Erfolgen kommen. General Clay habe ihm einmal bei einem Flug über Westdeutschland gesagt? „Wenn ich dieses Ackerbild sehe, weiß ich, warum die deutsche Landwirtschaft nicht vorankommt.” Die deutsche Landwirtschaft ist in einen Wettlauf mit der Zeit geraten und in Gefahr, überlaufen zu werden. Schlange kündigte bei dieser Gelegenheit auch die Neugründ-ung der Rentenbank -Kreditanstalt und der Genossenschaftsbanken an.
Auf der 21. Internationalen Ausstellung von Landmaschinen in Pari«, die vom 1.—6. März stattfand, war Deutschland zum erstenmal seit dem Kriege wieder vertreten, im wesentlichen allerdings nur mit Mähmaschinen- Die Firma Fahr in Gottmadingen (Baden ) ließ einen Zapf- wellen-Bindemäher, die Firma Claas iij Harsewinkel (Westf.) ebenfalls einen Zapfwellen- ©indemäher und eine Strohpresse durch ihre Vertretungen in Paris ausstellen. Von der süd- württembergischen Firma Bautz sah man einen Heurechen mit Traktorenantrieb. Die Firma Per- rot, Regnerbau in Calw , war mit ihren Berieselungsanlagen fast allein auf der Ausstellung vertreten; derartige Geräte wurden nur noch von einer französischen Firma gezeigt.
Kurzmeldungen
Das Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland vom 4. —8 März 1949 enthält eine Bekanntmachung der JEJA über Devisen, ‘Banken und Konten für die Bezahlung von Ausfuhren aus der französischen Zone, insbesondere über die Akkreditiveröffnung bei französischen Banken und die für das Saarland vorgesehenen Unterkonten.
Die Fabrikations-Kontingente der gesamten Tabak-Industrie der französischen Zone sind vom 1. März an um 50 Prozent erhöht worden-
Es ist wie in Isny vor vier Wochen. Wie damals im Schwäbischen, so brach auch hier wenige Tage vor Beginn der alpinen Sparte der Deutschen Skimeisterschaften Föhn in das breite Oberstdorfer Tal. Nur mit dem Unterschied, daß kurz zuvor noch einmal ausgiebig Schnee gefallen war und starke Kälte das kostbare Weiß konservierte. Am Mittwochabend begann es in der Heimat des Springerkönigs Sepp Wei ler von den Dächern zu tropfen. Am Donnerstag und Freitagmorgen war es >mmer noch warm- Die Oberstdorfer haben alle Mühe, die Straßen ihres Fremdenplatzes vom Matsch, von den breiten Rinnsalen und kleinen Schneewasserseen zu befreien. Sie tun das übrigens nicht ganz mit dem schwäbischen Schwung, der die Isnyer auszeichnete. Wie man überhaupt den Eindruck hat, daß die Einheimischen nicht mit derselben Liebe und Schwungkraft bei der Sache sind wie die Gastgeber damals von Isny . Man hat den Eindruck, daß jetzt wenigstens noch die organisatorischen Vorbereitungen — wir sprechen nicht von den Meisterschafts- kämpfen direkt — nicht so minutiös klappen wie bei den „Nordischen”. Oberstdorf brau-dif nicht um Popularität zu buhlen. Isny machte „seine” Meisterschaft auch zu einem Werbeakt für sein Städtchen und seine weitere Umgebung und tat das mit viel Liebe und schwäbischer Gastfreundschaft.
Man weiß nicht, ob 6ich der Föhn zum Beginn der Meisterschaft heute Samstag wieder über die Alpenwelt zurückziebt. Aber gefährdet ist sie keineswr/g*. Es liegt noch genügend Schnee, nur ist er jetzt welch und stumpf und
Um des Südens Vormacht
Der morgige 13. März ist für den deutschen Fußballsport in doppelter Hinsicht von Bedeutung: einmal wird morgen die FIFA darüber beschließen, ob und nach welchem Modus der deutsche Fußballsport in Zukunft dem internationalen Spielverkehr ange schlossen wird. Zum anderen ist morgen Hannover der Austragungsort der dritten Begegnung zwischen Nord- und Süddeutschland . Dieses Repräsema- tivspiel wird im Hinblick auf eine eventuell positive Entscheidung der FIFA darüber Aufschluß geben, welche Mannschaft zur gegebenen Zeit die (west)deutschen Farben gegen ausländische Teams vertreten wird.
Inzwischen schlug die süddeutsche Auswahl in einem Probespiel Stuttgarts Stadtelf überlegen mit 5:0 (3:0) Toren- Die Verantwortlichen waren nach dem Spiel mit den gebotenen Leistungen der Südelf im großen und ganzen zufrieden, ließen jedoch die Frage der endgültigen Mannschaftsaufstellung für Hannover noch offen. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber ist mit folgender Aufstellung zu rechnen: Turek (Ulm 46); Knoll (Nürnberg ), Dehrn (FSV Frank furt ); Hammerl (1860), Streitle (Bayern ), Bau- mann (Kickers St.)*, Hädelt (Bayern ), Morlock (Nürnberg ), Platzer (BCA), Buhtz, Weber (beide Offenbach . Norddeutschland hat gegen den Süden eine 2:1-Niederlage und ein 1:1 wettzumachen, Die norddeutsche Elf ist eine Kombination von St. Pauli dem HSV und Braun schweig . Die Mannschaft steht wie folgt; Flotho (Osnabrück ); Appel, Hempel (St. Pauli ); Sten- der, Dzur (St. Pauli ), Schmeißei (HSV )? Rohrberg , Hegenacker (Braunschwg.), Adamkiewicz, Spundflasche, Trenkel (HSV ).
bereitet den über 125 Akteuren — Männer und Frauen —, die am Wochenende um die Alpine Meisterschaft (Abfahrts- und Torlauf) sowie um Spezialabfahrts- und Torlaufmeisterschaft wetteifern, heftige Wachssorgen. Schon seit Tagen ist die Hauptstreitmacht versammelt: die Bay ern , die Schwarzwälder, die Südwürttemberger und unter vielen anderen auch sechs Berliner .
Oberstdorf ist voller Gäste, die nicht allein wegen der Meisterschaft gekommen sind. Der Andrang ist typisches Oberstdorfer Wintersport- Symptom, beherrscht von der nord- und westdeutschen Zunge und natürlich von teilweise eleganter Wintersportkleidung, zu der gelegentlich auch das flotte, von H. Trautloft entworfene Seidenkopftuch (Eintrittsausweis für alle Veranstaltungen) gehört
Wer tritt nun in die Spuren der gefallenen Rudi Cranz, Pepi Jennewein, Willy Wakh, der Pfnür, Lanfschner, Seelos und Christel Cranz , den früheren Meistern? Die bayerischen Meister haben erste Chancen, wenn sie nicht gerade Sturz- oder Wachspech haben. Sind es Gantner aus Bad Wiessee , die beiden Maurer aus Garmisch-Partenkirchen und Annemarie Büchner-Fischer, die Alpinen Meister 'Bayerns von 1949? Wir werden sehen.
Sportkalender 13. März
Zonenliga Süd; Schwenningen — Vil- lingen, Fort. Freiburg — Friedrichshafen , Tü bingen — VfL Freiburg , VfL Konstanz — Reut lingen , Eintracht Singen — SV Rastatt. SpVg Biberach — SV Offenburg-
Zonenliga Nord: Kaiserslautern — Gon senheim , VfL Neustadt — Neuendorf, FK Pirmasens — Trier-Kürenz, Weisenau — Ludwigshafen, ASV Oppau — Worm. Worms . Ander nach — Mainz 05.
Oberliga Süd: FSV Frankfurt — VfB Mühlburg, Eintracht Frankfurt — 1. FC 05
Oberliga West: Horst EmscheT — Bo russia Dortmund , Fortuna Düsseldorf — Erken schwick , Münster — Schalke 04 , Essen — Rhen. Würselen , Alem Aachen — Hamborn 07, RW Oberhausen — Vohwinkel 80.
Landesliga Südbaden: 'Baden-Baden — Blau-Weiß Freiburg, Kuppenheim — LahT, Schopfbeim — Emmendingen, St. Georgen — Ottenau — Stockach — Rheinfelden.'
Landesliga Südwürttemberg (Gr. Nord): Schraiaberg — Metzingen, Balingen —■ Gosheim Pfullingen — Trossingen, Tuttlingen —* Mös6ingen, Hechingen — Tailfingen.
Landesliga Süd.Württemberg (Gr. Süd): BaienfuTt — Riedüngen. Ehingen — Wan gen , Laupheim — Weingarten , Buchau — Lindenberg, Laugenargen — Ravensburg.
Handball - Zonenliga (Südbaden ): Lörrach — Schutterwald , Zähringen — Lahr, Offenburg — VfL Freiburg , Teningen — Hau ingen .
Handball - Zonenliga (Südwürttem- berg): Tettnang — Tübingen Ravensburg — Schwenningen , Rietheim — Weilstetten, Freu denstadt — Urach .
Durch einen überlegenen 8:1-Sieg gegen di# Tischtennis-Abteilung des SC Baden-Baden wurde der TTC Schwarz-Weiß Freiburg erneut südbadweher Tischtennis-Meister.
Kreditbedarf der Landwirtschaft