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S. JAHRGANG • UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR DAS LAND BADEN • NUMMER 48
Erscheint Dienstag, Donnerstag, Samstag. Adresse; Konstanz . Marktstätte 4 lf fllNJQ'TA l\] T CA lUQTAr / Q O INI IV T* A C* O O /O/f A DDII 1 Q4Q Bezug monatlich durch die Po6t DM 2.03 dazu 27 Dpi Postzustellgcbühr,
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SUDKURIfeft
Kurz notiert
Ein Transport mit 1716 ehemaligen deut schen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion traf im Heimkehrerlager Frankfurt/Oder ein.
Am 24. April wird mit Rücksicht auf die Erstkommunion der Sonntagsceisenzugver- kehr in der französischen Zone wie vor den verfügten Einschränkugen durchgeführt. Auf einer Reihe von Strecken werden zusätzliche Personenzüge eingesetzt.
Nach fast einjähriger Irrfahrt von Palästina über Zypern , Italien , Siidfrankrei-h und England traf im Flüchtlingslager Bohldamm bei Uelzen ein Transport mit Palästinadeutschen — ehemaligen politischen Emigranten — ein.
Der frühere General der Waffen-SS Willi Bittrich, der 1944 die Erhängung von 17 französischen Widerstandskämpfern veranlaßt haben soll, wurde ln einem Internierungslager der US -Besatzungszone identifiziert.
Auf Veranlassung der Dreimächte-Marine- Kommission soll ein 109-Tonnen-Schwimm- kran aus dem Hamburger Hafen als Reparationsleistung den Sowjets übergeben werden.
Deutsche Studenten sollen die Möglichkeit erhalten, für zwei Jahre an amerikanischen Universitäten zu studieren. Es soll ihnen ermöglicht werden, sich ihren Lebensunterhalt während des Amerikaaufenthaltes selbst zu verdienen.
Zwei Jagdflugzeuge, die an den Manövern der amerikanischen Armee in Deutschland teilnahmen. stürzten in der Nähe von Bam berg gleichzeitig ab. Ein Pilot kam ums Leben; der andere wurde leicht verletzt.
Die zur Revision der Genfer Roten-Kreuz- Konvention einberufene Konferenz wurde durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Schweizer Bundesrates, Max Petitpierre , eröffnet.
Seit dem 15. April sind in Kalkutta 72 Personen an Lungenpest gestorben. Außerdem wütet zur Zeit die Cholera in der Stadt.
Präsident Truman hat Admiral Alan Kirk als Nach'oleer von General Bedell Smith zum amerikanischen Botschafter in Moskau ernannt.
Bei einem schweren Erdbeben in Mittelchile wurden in der Stadt Traiguen 30 Gefangene unter den Trümmern ihres zusammengestürzten. Gefängnisses begraben. Die Gesamtverluste der S'acU belaufen sieh bis jetzt auf 50 Tote und 1«0 Verletzte.
Zum ersten Male seit Menschengedenken ist während des April in Jerusalem Schnee gefallen.
Die UN hat die beiden Länder Ungarn und Bulgarien eingeladen, an der Debatte in der Vollversammlung über den Fall Mindszenty und den der bulgarischen Geistlichen teilzunehmen.
An der Tagung der Europäischen Jugendabteilung des Oekumenischen Rates in Nort- hampton werden sechs deutsche Delegierte teilnehmen.
Die Hochzeit des Prinzen Ali Khan — einer der reichsten Männer der Welt — mit dem amerikanischen Filmstar Rita Hayworth soll demnächst auf der Insel Capri stattfinden.
48809 Heimkehrer Ober Ulm
Stuttgart . In Ulm , dem staatlichen Durchschleusungslager Württemberg-Badens für Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft der östlichen Länder, sind in dei Zeit vom 1. November 1948 bis 20. April 1949 mit 95 Transporten insgesamt 48 809 ehemalige deutsche Kriegsgefangene aus dem Osten eingetroffen. Davon sind 10 669 Heimkehrer aus Rußland (darunter 30 Frauen und fünf Kinder), 36 404 aus Ju goslawien , 1543 aus Polen und 190 aus der CSR . Unter den 4929 Rußlandheimkehrer, die mit den 22 Transporten seit dem 1. 4. emgetroffen sind, befanden sich 3 282 für die französische Zone.
! Bonn . Die Fraktion der SPD überreichte den üibritieii riaktionen das Parlamentarischen Rates den in Hannover bereits aruge- kündigben verkürzter, Entwurf des Grundgesetzes Der Entwurf weist gegenüber den Ergebnissen der dritten Lesung iumd den ! Abänderungen des Siebener-Ausschusses ! folgende wesentlichen Punkte auf: Die I Präambel kommt in Fortfall. Im Kapitell der j Grundrechte sind die Bestimmungen über I Ehe, Familie, Kirche, Privatsdiulen und den j Religionsunterricht gestrichen. Es verbleiben I nur die wesentlichen klassischen Grundrechte, ferner die Gleichberechtigung von Manu umd Frau und die Bestimmungen über das uneheliche Kind. In den allgemeinen Bestimmungen sind die Bestimm ungen über die Beapitenrechte, ferner die sogenannten Konkordatsartikel und jedes Notverordnungsrecht gestrichen worden. Die Bestimmungen über die Veränderung der innerdeutschen Ländergrenzen wurden erheblich vereinfacht.
Neu hinzu tritt ein Artikel, daß die Fahne und nicht nur die Farben des künftigen Bundes schwarz-roit-gold sind. Ferner soll das Grundgesetz durch einfache Mehrheit im Volkstag nach zwei Jahren abgeändert werden können.
Bei der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern wurden sämtliche Bestimmungen gestrichen, wonach dem Bundesrat aiuf einer Reihe von Gebieten dlas Recht einer vollen zweiten Kammer gegeben wurde, besonders auf dem Gebiet der Sozialisierung der Energiewirtschaft, der Be- amtengeseitzgebung und der Polizei. Bei Verwaltungsvorschriften in Angelegenheiten, die die Länder im Aufträge des Bundes aufführen, fällt die Mitwirkung des Bundesrates gteidifaffls fort. Die Errichtung neuer unmittelbarer Bundes-Mittei- und
-Unterbehörden soll nur noch der einfachen Mehrheit des Bundesrates bedürfen.
Auf diem Gebiete der Finanzen wird die finanzielle Macht des Bundes erheblich gestärkt. Beim Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern soll nunmehr der Bund die gesamte Umsatzsteuer erhalten, so daß nur noch die Einkommensteuer zwischen dem Bund und den Ländern geteilt wird. Der Bund soll also die Verbrauchssteuern ohne die Biersteuer, die Verkehrssteuer, Umsatzsteuer und Anteile an der Einkommen- und Körperschaftssteuer erhalten, während die Länder neben den Anteilen an der Einkommen- und Körperschaftssteuer, die Erbschaftssteuer, die Rennwettsteuern und die Realsteuern erhalten. Neu aiufgenommea wurde ferner die Bestimmung!, daß der Bund an leistungsschwache oder mit besondere Aufgaben belastete, Länder Zuschüsse zahlen klamm
Gestrichen wurde in den Bestimmungen die im bisherigen Entwurf enthaltene Aufzählung der Aufgaben des Bundes. In Zukunft soll der Valkstag von sich aus bestimmen können, welche Aufgaben der Bund hat, soweit das Grundgesetz dem nicht ausdrücklich entgegensteht. Damit wird, wie von seiten der SPD erklärt wurde, die Möglichkeit geschaffen, daß der Bund wirtschaftliche Aufgaben finanziert und lenkt, Kapitalien ansammelt und Zuschüsse an die Länder zahlt.
Bonn . (PU.-Eigenbericht.) Die Hannoverschen Beschlüsse der Sozialdemokraten haben bisher die Situation im Parlamentarischen Rat außerordentlich verschärft. Die Fraktionen der beiden großen Mehrheitsparteien zeigen vorläufig noch keinerlei Anzeichen zu Konzessionen
Bonn . Der CDU -Vorsitzende Dr. Adenauer nahm in einer Erklärung zu den Beschlüssen der SPD Stellung. Aus d£r Entschließung, so sagte er, gehe' die Tendenz hervor, wie nach 1918. „Erfül'ungs- politiker“ und „Pate tnationale“ gegeneinander auszu-pielen. Was 1918 ci e Deutschnationalen gegenüber der SPD getan hätten, geschehe nun von Seiten der SPD gegenüber der CDU . Deutschland müsse aber vor dieser Vergiftung des politischen Lebens bewahr; werden. Die Konsolidierung der deutschen Verhältnisse sei nicht nur eine innerdeutsche, sondern eine europäisch-internationale Angelegenheit. Man müsse den Eindruck gewinnen, daß die SPD überhaupt nicht die Verabschied,ung des Grundgesetzes wolle, wenn sie in ihren Erklärungen von Hannover so scharfe Angriffe gegen die CDU/CSU richte und die Politik der CDL T mit den Ansichten der Besatzungsmächta identifiziere. Die SPD müsse bedenken, daß durch ein Scheitern des Parlamentarischen Rates der labile Zustand Westdeutschlands noch verlängert würde, wodurch der Infiltration aus dem Osten Tür und Tor geöffnet würden.
Kommunisten kreisen Nanking ein
Großoffensive am Yangtse — Nationalregierung räumt die Hauptstadt
Nanking. Wie offiziell mitgeteilt wird, hat die chinesische Nationalregierung die Kommunisten um sofortige Waffenruhe gebeten. Trotz des Angebotes der Nitionalregierung gab der chinesische Kommunistenführer Mao Tse Tung über den Rundfunk den Befehl zum Großangriff aller kommunistischen Streikräfte an der gesamten Yangtse-Front. In der Proklamation Mao Tse Tungs wird die Einkreisung N'nkings als erstes Angriffsziel der kommunistischen Offensive genannt. Sobald die Hauptstadt eingekreist sei, soll der nationalchinesischen Regierung noch einmal die Chance gegeben werden, die kommunistischen Friedensbedingungen anzunehmen.
Im Zuge ihrer Offensive haben die Kommunisten heftige Angriffe gegen den nationalchinesischen Brückenkopf auf dem Nordufer des Yangtse, zehn Kilometer südwestlich von Nanking, eingeleitet. Bei Tikang, 130 Kilometer südwestlich Nanking, haben kommunistische Einheiten den Yangtse überschritten und trotz ständiger Gegenangriffe na! ionalchinesischer Truppenverbände Brückenköpfe gebildet. Bis jetzt sollen an dieser Stelle drei kommunistische Armeen in einer Stärke von 60 000 Mann den Yangtse überschritten haben.
Unter dem Druck der ständig vorrückenden kommunistischen Truppen haben die Mitglieder der nationalchinesischen Regierung Nanking geräumt und sich nach Kanton begeben. Von dort aus sind der amtierende Präsident Li Tsung Jen und der Ministerpräsident Ho Ying Tschin nach
Hangtschu weitergereist, um sich mit Generalissimus Tschiangkaischek zu treffen.
Britische Verluste: 43 Tote
Nach Meldung aus Schanghai beschoß kommunistische M rine-Artillerie den bri tischen Flußkreuzer „London “, als er versuchte, dem auf Strand gesetzten Kanonenboot „Amethyst“ Hilfe zu leisten. Ebenso feuerten die Kommunisten auf ein englisches „Sunderland-Flugboot“, das neben der „Amethyst“ gewassert hatte, um der Besatzung Medikamente für die Verwundeten zu übergeben. Nach offiziellen Mitteilungen wurden bis jetzt bei der Beschießung britischer Flotten- und Luftwaffeneinheiten durch die Kommunisten 43 englische Soldaten getötet und 52 verwundet.
Commonwealth -Konferenz eröffnet
London . Gestern vormittag wurde unter dem Vorsitz von Außenminister Att- lee in London die britische Commonwealth- Konferenz eröffnet. Da erst ein kurzer Zeitraum seit der letzten Zusammenkunft der Premierminister der souveränen Staaten des britischen Weltreiches verstrichen ist, darf angenommen werden, daß während dieses neuen Treffens ausschließlich Fragen von größter Bedeutung besprochen werden. Vor einiger Zeit wurde die Vorbereitung eines Pazifikpaktes als Hauptthema der Beratungen genannt. Allerdings wird auch sehr stark vermutet, daß das indische Dominion aus dem Commonwealth ausscheiden will und man daher diese neue Konferenz so kurz nach der vorhergegangenen einberufen h*t
Wenn das Grundgesetz nicht zustande komme, oder sich weiter verzögere, werde auch das Besatzungsstatut nicht in Kraft treten, das dem deutschen Voike doch einen großen Raum für freie Betätigung einräume. Versage der Parlamentarische Rat, so sei den Gedanken der Demokratie gerade in der deutschen Jugend ein Schlag versetzt worden, von dem er sich nicht wieder erholen werden.
(W.W.-Eigenbericht). Die Hannoveraner Entscheidung der SPD hat in Bayern , vor allem natürlich in den Kreisen der Regierungspartei rfie Hoffnung auf das Zustandekommen des Bon ner Grundgesetzes erheblich verringert. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard nannte die Hannoveraner Beschlüsse eine ,.Fehlentscheidung geschichtlichen Ausmaßes”.
August Haußleiter, zweiter Vorsitzender der CSU und Vorstandsmitglied der Deutschen Union, formulierte in seiner prägnanten Art eine „Kollektivschuld von Bonn ”, die er darin erblickt, daß man sich
und versöhnlichem Ausgleich. Für die Oeffentlichkeit wurde die Atmosphäre in Bonn am deutlichsten durch die heftigen Polemiken namhafter Abgeordneter charakterisiert. Die überspitzten Stellungnahmen standen dabei oftmals im starken Gegensatz zu dem grundsätzlich harmonischen und freundschaftlichen Verlauf der internen Gespräche zwischen den Fraktionen und im Aeltesten-Rat. Dr. Lehr von der CDU erklärte dem Korrespondent des „Südkurier“, die CDU werde nicht gewillt sein, durch Beratung des neuen sozialdemokratischen Entwurfes das Ergebnis einer achtmonatigen Arbeit aufzugeben. 1m Gegensatz hierzu versicherte der Berliner Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Suhr (SPD ), der Parlamentarische Rat brauche keineswegs für eine rasche und alle zufriedenstellende Verabschiedung des Grundgesetzes viele Monate neuer Arbeit. Mit entscheidenden Aendemngen der Situation kann jedoch vor der Konferenz sämtlicher Landesvorstände, Ministerpräsidenten und Länderminister der CDU mit ihrer Bonner Fraktion am kommenden Dienstag in Königswinter nicht gerechnet werden. Angesichts der immer schärferen Kampfparolen und Beschuldigungen der beiden großen Fraktionen gegeneinander fand ein Aufruf der Freien Demokraten, auf deren Stimme jede große Partei angewiesen ist, wenn sie ohne die Gegenseite die Verfassungsarbeiten beendigen will, große Aufmerksamkeit.
Dr. Becker (FDP ) hielt es für selbstverständlich, daß nun auch die CDU ein Entgegenkommen zeige, das dem Standpunkt der anderen Parteien Rechnung trägt und zugleich wirklich einen kon-' struktiven Ausgleich im deutschen Interesse darstellt. Es dürfe sich jetzt nicht darum handeln, ob die eine oder andere Partei später Anlaß zu einem größeren oder geringeren Triumph zu haben glaube, es diene nicht dem innerpolitischen Frieden, wenn von der einen Seite der CDU , jede Aenderung schroff verweigert und von der anderen Seite, der SPD , Vorschläge gemacht werden, die nicht zugleich wertvoll für Deutschland sind. Er warne vor der Methode der großen Parteien, sich in Erklärungen und Interviews immer weiter auseinander zu reden. Nach einem Studium des verkürzten Grundgesetz- Entwurfes der SPD bezeichneten Abgeordnete aller Fraktionen im Gespräch mit Pressevertretern eine Reihe von Einzelheiten als zugleich entscheidend und gefährlich für eine erfolgreiche Fortsetzung der Beratungen und Bemühungen um Verständigung. Darunter fällt u. a. die Beschränkung auf zehn Grundrechte, ohne das Elternrecht und das Recht auf Unverletzlichkeit des menschlichen Lehens.
Entgegenkommen der Alliierten?
Bonn . Die drei alliierten Verbindungsoffiziere haben am Freitagabend ein Schreiben der Außenminister Frankreichs , Großbritanniens und der USA dem Präsidenten des Parlamentarischen Rates, Dr Adenauer überreicht.
Es wird bekannt, daß die alliierte Er-
als souveränes Parlament aufgespielt I klärung nicht durch die jüngsten Ereig
habe, ohne daß dazu die Voraussetzungen Vorlagen. Man habe in Illusionen gelebt und illusionistische Grundrechte verkündet. Dadurch sei Bonn zu einer Todsünde an einer wirklich deutschen Demokratie geworden.
Daß die Bayernpartei angesichts der Hannoveraner Beschlüsse erneut ihre Propaganda gegen das Bonner Verfas- sungswerk auf vollen Touren laufen läßt, versteht sich von selbst.
nisse ausgelöst worden sei sondern bereits seit einiger Zeit formuliert Vorlage.
In unmittelbarem Anschluß an die Ueberreichung des alliierten Memorandums erklärte Prof. Carlo Schmid vor der Presse, so weit er das Dokument bis jetzt geprüft habe, scheine es ihm liberaler zu sein, als jede Stellungnahme, die dem Parlamentarischen Rat bisher zugegangen seL
Paris und London sehen Verständigungsmögliehkeit
London . In ihrer Donnerstag-Ausgabe j mäßi»-’ geschickt und angebracht. Sie konn
te faßt sich auch die „Times” mit dem Bon ner Grundgesetz. Die Zeitung bedauert, daß „im letzten Augenblick eine sinnlose Streiterei über den Bonner Grundgesetzentwuri alles zu zerstören droht, was bisher erreicht worden ist". In diesem Zusammenhang meint das Blatt; „Es wäre keine große •Leistung, wenn man erreichen würde, daß die deutschen politischen Parteien gernaß- regett werden und dies noch weniger, wenn man einzig und allein die Sozialdemokraten bloßstellen würde. Die Militärgouver- neure täten besser, sich zu fragen ob die Firaanzbestimmuagen des Grundgesetzent- wurfes nicht so abgeändert werden können, daß die heftigsten Einwendungen der Sozialdemokraten gegenstandslos werden und gleichzeitig dem Standpunkt der Fran zosen und der Amerikaner sowie den Rechten der deutschen Bundesstaaten Rechnung getragen wird.”
Paris . „Le Monde ” schreibt in seinem Leitartikel: „Die von Dr. Schumacher ° i sehr verurteilten „Interventionen” der Alliierten waren vielleicht nicht immer über-
ten bisweilen in einem gewissen Gegensatz zu jenen demokratischen Prinzipien erscheinen, denen die Alliierten heute in Deutsch land zum Siege verhelfen wollen. Niemand könne jedoch leugnen daß Dr. Schumacher etwas *u übertreiben beliebe und daß die etwas reichlich nationalistische Haltung seiner Partei nicht ohne demagogische Hintergedanken sei. Wenn er der CDU Vorwürfe mache und sie einer altzu großen Uebereinstimmun»: mit der Haltung der Besaitzungsmächte beschuldige, so scheine er zu vergessen, daß diese Uebereinstimmfimg doch rein sachliche Gründe habe.”
Der sozialistische „PopuMre” schreibt unter der Ueberschrift „Auf dem Wege zu einem Kompromiß zwischen den deutschen Parteien”, die gemäßigte Tendenz innerhalb der Partei habe doch über die Unnachgiebigkeit von Dr. Schumacher triumphiert. Auch das Organ der Christlich-Sozialen Partei ,X'Aube" ist der Meinung, daß die Besdi'üsse von Hannover die Tür für weitere Verhandlungen offen lasse, und man sich allmählich doch einem Kompromiß nähern werde.
Recht auf Meinung
Von H. C. Goldscheider
„Die SPD — unser Schicksal” überschrieb am 20. April, dem Tag der entscheidenden Beschlüsse von Hannover , der Berliner „Tagesspiegel” seinen Leitartikel, vielleicht etwas zu sensationell. Die Aeu- ßerungen auf die SPÖ-Entscheidung in Deutschland und in der westlichen Welt schwanken zwischen des bayerischen Mi nisterpräsidenten Ehards „Fehlentscheidung geschichtlichen Ausmaßes” und — zumal ausländischen — Pressestimmen, die Brücken seien noch nicht abgebrochen; denn mit dem Abbruch hatte mancher schon gerechnet.
Was ist nun eigentlich geschehen? Es ist notwendig, sich den Gang der Dinge noch einmal vorzuführen. Die sogenannten Londoner Empfehlungen vorn November vorigen Jahres, die den Anstoß gaben zu der Arbeit des Parlamentarischen Rates in Bonn , sprachen vom Föderalismus als Grundlage des neuen Staates. Jedoch is.t der Begriff Föderalismus genau so wenig wie der der Demokratie und ähnliches mathematisch-physikalisch eindeutig fest- gelegt. Die SPD verstand und versteht ihn anders, als die CDU/CSU , deren Auffassung sich, wie sich jetzt ergab, im wesentlichen mit jener deckt, die man bei den westlichen Besatzungsmächten hat. Von diort gesehen ist die SPD zentralistisch, von der SED aus aber ist auch sie noch extremföderalistisch.
Wer nicht anerkennen will, daß verschiedene Auffassungen in derart wichtigen Fragen, wie die einer Verfassung, möglich sind, kann nicht den Anspruch erheben, Demokrat zu sein; denn die Grundlage der Demokratie ist die Anerkennung, daß der politische Gegner das Recht hat, anderer Meinung zu sein. Wer heute behauptet, die SPD hätte von Beginn an wissen können, was die Westmächte von einer deutschen Verfassung fordern, unterhöhlt damit zu gleicher Zeit die Position der CDU/CSU , indem er sie gerade zu dem stempelt, was sie — nach unserer Ansicht, mit vollem Recht — ablehnt, zu sein: zu Erfüllungspolitikern. Die CDU/CSU legt außerordentlichen Wert auf die Feststellung, ihre Auffassung über den Föderalismus sei unabhängig von der Meinung der Besatzungsmächte entwickelt worden, die Uebereinstimmung beider sei ein Zufall.
Die SPD kämpft seit 100 Jahren um soziale Ziele. Sie ist der Ansicht — und sie nimmt diese Ansicht aus ihrer geschichtlichen Erfahrung — daß diese Ziele nur durch eine starke Bundesgewalt verwirklicht werden können. Die Stärke der Bundesgewalt ist bestimmt durch die Geldmittel, die ihr zur Verfügung stehen. Die Verteilung der Steuern also auf Bund und Länder, die Finanzgewalt ist der Angelpunkt für die SPD . Sie hat um dieser Frage willen viel anderes aufgegeben, viel Grundsätzliches der CDU/CSU geopfert, in erster Linie auf dem Gebiet der Frage des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat. Man hatte sich Ende Februar im wesentlichen geeinigt, beide Gruppen hatten nachgegeben, die CDU in staatsrechtlichen und finanzpolitischen Fragen.
In diesem Augenblick kam eine ausführliche Stellungnahme der Militärgouverneure, die den Begriff Föderalismus etwa in dem Sinne mit sehr weitgehenden Bestimmungen erklärte, wie er bisher von Bayern bzw. von der Bayempartei erklärt worden war. Man stand in Bonn vor einer neuen Lage. Es gab neue Kompromisse, die SPD gab weiter nach, nur nicht auf dem Gebiet der Finanzen. Sie glaubte das vor ihren Wählern nicht verantworten zu können.
Die Außenminister stellten sich nun in London rückhaltlos hinter die Auffassung der Gouverneure. Die SPD steht vor der Lage, all das, was sie auf kulturellen und sonstigen Gebieten aufgegeben hat, um wenigstens die Finanzgewalt des Bundes zu retten, verloren zu haben, ohne dies^ Finanzgewalt zu retten. Infolgedessen hält sie sich nunmehr an die bisherigen Kompromisse nicht mehr gebunden, juristisch logisch, ob politisch klug, das ist hier die Frage.
Um diese geht es. Man wirft ein, das Bonner Grundgesetz sei ja überhaupt nur ein Provisorium bis zum endgültigen Frie- densvertrag. Nun, wenn dem so ist, dann ist es für ein Provisorium viel zu ausführlich, und darum wül die SPD jetzt nur ganz wenig festlegen, alles übrige der Zukunft überlassen. Ist dem nicht so, dann ist es um so schwerer, heute zuzustimmen.
Man wirft ein, es wäre im Augenblick nichts anderes zu erreichen. Wenn dem sö ist, dann hätten drei Regierungsräte für das Verfassungsmachen ausgereicht, dann hätte man nicht politische Köpfe, die vor der Geschichte einst bestehen sollen, dazu zusammenrufen sollen, dann wäre das ganze eine bessere Seminararbeit unter Leitung eines Universitätsprofessors gewe- | sen. Nein, wenn schon Verfassung, dann auch eine wirkliche Verfassung — oder eben nur ein Geschäftsordni^ngsstatut.
Das alles sind keine überzeugenden Ar- gunfente. Die Frage, ob es der deutsche Zentralismus war, der uns ins Unglück riß, oder ob Hitler auch ohne ihn die
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