amstag/Sonntag, 28./29. Mai 1949
SÜDDEUTSCHER
HEIMATKURIER
Nr. 63 f Seite 7
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Reiterprozession in Weingarten
Gegen hunderttausend Menschen besuchten den Wallfahrtsort Oberschwabens
r ' Mit großer Anteilahme . folgte das ka - ; tholisehe Oberschwaben auch in diesem.
;; Jahre wieder dem Ruf der Hooanna-
■ Glocke zu den uralten .Wallfahrtsfestlagen
■ in Weingarten , Sollte doch der Blutfreitag 1949 das : Jubiläumsgeschenk des oberschwäbischen Volkes für das goldene Priesterjubiläum des Papstes sein. Schon am Mittwoch trafen viele Festbeaucher von auswärts ein. In der Stadl begegnete man überall letzten eifrigen Vorbereitungen für den Schmuck und das Illuminieren der Häuser. Käiufbuden begannen die Straßen zu säumen, vom Vergnügungspark klangen Drehorgeln. Man erlebte das vielfarbige und vielstimmige Vorspieleines religiösen Volksfestes, zu dem vcn altersher am Rande a.uch weltliches Ergötzen und Jahrmarktstreiben gehörte.
Das launische Wetter des Himmelfahrts- tages machte den Weingartnern wie den' Pilgern große Sorgen. Stunde um Stunde wuchs an diesem Tage die Bewegung in den Straßen. Mit der Bahn, mit Omnibussen, Lastwagen und Personenwagen, mit Fahrrädern und zu Fuß strömten' Tausende und Abertausende in' die Stad'.
Die Gottesdienste am Vormittag des j Himmelfahrtstages waren schon von zahl- j reichen Pilgern besucht. Zar traditionel- ' len Orgelvorführung durch Chorleiter H. Feifed am Nachmittag war das weite Münster von Zuhörern aus nah und fern angefüllt. Bei der abendlichen Festpredigt, die durch Lautsprecher ins. Freie übertragen wurde, füllten die Zuhörer nicht nur den großen Kirchenraum, den Kirchplatz und den Klosterhof; auch auf der Kirch- treppe und dem Kirchberg standen sie bis zum Münsterplatz herab dicht gedrängt. \ Der Weihbischof Karl Leip'recht sprach I über die Geheimnisse des HI. Blutes. Bi- , schof Dr. Alois Münch, der apostolische Visitator für Deutschland , hob in seiner Ansprache hervor, wie bedeutsam die Wallfahrt einer • so großen Anzahl von Menschen gerade in dieser Zeit sei, in welcher man sich um den Frieden in der Welt bemühe.
Die Wallfahrt zum hl. Blut sei ein Bekenntnis zum Blut der Versöhnung und der Liebe und also ein Bekenntnis zum Frieden. Dieser könne jedoch nicht durch Konferenzen und. Organisationen allein geschaffen werden, er müsse im Herzen der einzelnen Menschen beginnen durch die Aussöhnung mit Gott .
Nach den Predigten zog die Lichterpro- zession mit Miusik, Gebeten und Liedern durch die prächtig illuminierten Straßen der Stadt. Weithin strahlte das große Lichterkreuz vom Kreuzberg , von dem bis tief in die Nacht hinein die frommen Gesänge zu hören waren. Wie alle Jahre brachte eine große Anzahl von Pilgern die Nacht im Münster zu. Der Blutfreitagmorgen war klar und sonnig. Ueberall vernahm man die Hufschläge der von allen Seiten in die Stadt ziehenden Pferde, die ihre Reiter zum Miartinsberg empor trugen. Um 7 Uhr wurde das hl. Blut am Kirchenportal dem Blutritter. Pater Martin Nagel übergeben. Unter dem Geläute der Glocken und den Klängen -der etwa 60 Musikkapellen zog die Reiterprözession bald von strahlender Sonne beschienen durch die Straßen der Stadt, in denen sich eine nach vielen tausenden zählende Zuschauermenge (im ganzen 90 000—100 000 Menschen) aufgestellt hatte. Bei dem Herannahen des hl. Blutes sank die Menge in die Kniee und empfing
den Segen. Zum erstenmal in diesem Jahr trug der Blutritter einen roten mit Gold bestickten Mantel. Große Aufmerksamkeit erregte auch die Sauigaiuer Blutreitergruppe mit ihren prächtigen Uniformen. Im ganzen zählte man ungefähr 2000 Reiter. Unter den Gasten der Stadt, die vom Rathaus aus die Reiterprozession besichtigten, sah man von den Vertretern der Militärregierung General Koenig , General Wid- mer und General Noiret, mehrere franzö
sische Offiziere und Vertreter der französi schen Geistlichkeit. Von deutschen Gästen Staatspräsident Dr. Müller, Bischof Dr. Alois Münch und Weihbischof Karl Lei- precht, Pater Paffrath, Generalvisitator, Rom -Aachen Pater Weekenbeng O. F.M.,
: Guardian von Gorheim.
Gegen 11 Uhr kehrte der Reiterzug nach einem Weg durch die Straßen und Fluren in den Klosterhof zurück. Dort fand die Rückgabe der hl. Blufreliquie statt. Danach beschloß die Ansprache und das Pontifikalamt von S. Ex. Bischof Muench mit päpstlichem Segen und Te deum die religiösen Feierlichkeiten des Vormittags.
Südwestdeutsche Umschau
Am Hause Alter Wall Nr. 1 in Konstanz steht zu lesen: Werner Buckel — Atelier für Herstellung künstlicher Menschenaugen. Hier steht also ein Mann im Dienst der Augenverletzten. Er schenkt seine Fähigkeiten und seine Schaffenskraft täglich den Aermsten unter den Anmen, den Augenvenletziten. Freilich kann auch er ihnen nicht den verlorenen Blick zur Sonne öffnen. Aber er vermag den vom Schicksal so hart Betroffenen anstelle des verletzten oder erloschenen Auges ein künstliches zu geben, das diesen Menschen wieder ein gesundes Aussehen verleiht, und .ihnen wieder einen kleinen Teil der verlorenen Lebensfreude ersetzt.
Als wir das schmucke -Atelier betraten* war Werner Buckel gerade damit beschäftigt, einem sechsiä'hrigen. Mädchen, das im Alter von. vier Monaten sein rechtes Auge durch Augendiphtherie verloren hatte, ein künstliches Auge einzupass<=n. Ein schwieriger Fall: denn nicht nur die genaue Farbe und Zeichnung des künstlichen Auges spielen eine Rolle; es muß dazu streng darauf geachtet werden, daß die Wölbung der Augenorothese der des noch vorhandenen gesunden Auges entspricht.. Die Prothese darf auch weder vorstehen noch tiefer liegen als das gesunde Auge. Das sind Faktoran, die dem Hersteller drr künstlichen Menschenau- gen großes Kopfzerbrechen bereiten. Wehrend men .beim Augenorotiker gewöhnlich nur pin° Auswahl von künstlichen Augen vorfindet. werden in diesem Atelier von fachkundiger -Hand Smez’al- aueen erschaffen, die sowohl in der Beschaffenheit und Farbe als auch im Sitz der Natur sev, r n ahe kommen, ja sie in den meisten Fällen durchaus erreichen.
Nachdem die kleine Patientin behandelt ist. können wir uns in Ruhe mit Werner Buckd -unterhalten. Er zeigt uns in groben Zügen den Herstellungsgang eines künstlichen Auges von dem Augenblick an, da er von einer einen M Q t=r langen und etwa einen Zentimeter dicken Sne- zial.alasröhre ein su-ürkchen abtrennt und unter ständigem Erhitzen mit dem Mund zu einer kleinen, dem natürlichen Auge entsprechenden Kugel bläst. Er verfährt hierbei nicht anders als ein gewöhnlicher Glasbläser: Die Schwierigkeiten beginnen erst mit dem zweiten Schritt, der darin besteht, auf diese kleine Glaskugel den farbigen (blauen, braunen’ grauen, grünen ) Grund der Regenbogenhaut „auf- zuscbmelzen”. Es sieht verblüffend einfach aus, wie Werner Buckel im weiteren Verlauf seiner Arbeit die Zeichnung der Iris genau nach dem natürlichen Vorbild seines jeweiligen Patienten ausführt Die „Zeichenstifte” sind dünne farbige Glasstäbe, deren Farbe er sich ebenfalls unter ständiger Hitze selbst zusammengeschmolzen hat. Kleinste Teile dieser far-
Das erste neue Haus im großen Sied- lungsprogramm der Stadt Trossingen trägt sein buntbebändertes Bäumchen auf dem Balkenfirst, und, ist erst' einmal ein Teil der anderen ihm nachgeeilt, sodaß es das Feiern' lohnt, dann g.ibt’s - ein Richtfest mit allem Drum und Dran, wie Brauch und Sitte sie vorschreiben. — Die Musikhochschule sah aufregende Tage, die schließlich dreizehn Kandidaten Glück und Erleichterung nach allen Prüfungsnöten brachten. Neun nunmehr .staatlich geprüfte Musiik- lehrerinnen, ein junger' Komponist mit .der verbrieften . Bestätigung seiner künstlerischen Reife, drei Anwärter für das künstlerische Lehramt an Höheren Schulen freuen sich neuer Würde, während etwa die entsprechende Anzahl hoffnungsvoller Anhänger mit dem Sommersemester das. Musikstudium begonnen hat. Intern wurde also, wie sich denken läßt, viel musiziert, nicht viel weniger daneben in der Oeffent- lichlkeit, sei es durch den Sängerbund mit seinem auf pompöse Wirkung angelegten Oratorium, die Stuttgarter Knabenkurrende „Hymnus" mit der unschuldigen Innigkeit ihrer engelhaften Stimmen, den großartigen Pianisten Prof. Karl Weiß, das ausge- »eSchnete Ensemble des Neuen Theaters Villingen, das seinem'Ruf als Musikbühne mit dem ,,Zigeunerbaron ' aufs neue Ehre machte, das Collegium musicum der Musikhochschule unter dem Motto „Künstlerischer Nachwuchs stellt sich vor", inzwischen von hoffnungsvollen Aspiranten zum unbestrittenen Deutschen Akkordeonmeister 1 949 aufgestiegenen Fritz Dobler in einem ernsthaften Bach-Abend und — letztes und bedeutsamstes Ereignis klingender Natur im neueröffneten Löwen-Saal, eine beglückende Begegnung mit der „großen Musik", voll emphatischer Begeisterung und überlegenem Können interpretiert durch die Speyerer Symphoniker und Prof. Weiß. Was die Trossinger aber besonders stolz machte, war der Meister schlaf tssiaj Doblers
beim Konstanzer Harmonika-Tag. dem sich unsere Margot Eisenmann mit nur 10 Werbungspunkten Unterschied als zweite Preisträgerin unmittelbar an die Fersen heftete. Der Sieg war — über die persönliche Leistung hinaus — ein Sieg der Trossinger Schule, der Wiege aller entscheidenden Erkenntnisse auf dem noch junger., zukunftverheißenden Gebiet des Handharmo- j nikaspiels. — Daneben bemühten von offenbar nidat ganz gleichgerichteten Idealen be- ! stimmte Geister sich weiter um jenes be- | reits im ungelegten Zustand überaus heftig j diskutierte Ei des Kreises, das Heimat- und i Kulturwerk. In einer etwas nonchalant an- | mutenden Gründuijcsversammiungvon mehr ; oder weniger zufälliger Zusammensetzung ; ; erblickte es dann ganz schnell, beinahe bei- ; läufig, im Tuttlinger Evgl. Vereinshaus das | Licht der Kreishauptstadt und erkor sich j deren Stadtoberhaupt mit 41 Stimmen zum ersten, den stellv. Direktor der Trossin - { ger Musikhochschule mit den 12 gültigen von 14 restlichen Stimmen zum zweiten Vorstand, Landrat Erler zum humorvoll und salomonisch waltenden Protektor. Unabhängig aber von dieser jungen Sonne, | die dem kulturellen Streben zwischen ; oberer Donau und Heuberg neues Leben ! verheißt, entfaltet sich im Garten Trossin - ' ger Musen pflege weiter Blüte um Blüte. Die letzte unter ihnen macht die ideell gesinnten Freunde der Miundharfe frohlocken (man sagt, es soll auch materiell gesinnte gegeben haben — vor der Reform der Geld- und sonstigen Währung), denn der einstens vierhundert Mitglieder umfassende „Trossinger Mundharmonika-Verein Hohnerklang" ist, durch das Zauberwort „Neulizensierung" erweckt, von den Scheintoten auferstanden, zunächst in Gestalt eines kleinen Orchesters das, aus bewährten Könnern und bekannten Solisten zusammengesetzt, im besten Sinne volkstümlich zu musizieren versteht und es sich — gemeinsam mit Vorstandschaft und Fachaus-
bigen Glasstäbe genügen, um im Schmelz- prozeß unter der Gefbläseflamme die gewünschte Färbung und Zeichnung zu erzielen.
Sodann greift der Augenmacher zu ei- . nem dunkelbraunen „Zeichenstift” und beginnt die Pupille aufzuschmelzen. Gerade hier zeigt sich die große Geschicklichkeit des Spezialisten. Sofort gelingt es ihm, die dunkle Pupille genau in die Mitte der Iris zu „zeichnen”! Dabei stehen ihm außer seinem gesunden Augenmaß keinerlei technische Hilfsmittel zur Ver- ! fügung. Alle Zeichnungen müssen unter j fortwährendem Drehen der Glaskugel und von freier Hand ausgeführt werden. Selbstverständlich muß das Glas ständig in seinem Schmelzpunkt gehalten werden, denn sonst verbinden sich Glaskugel und Glaszeichenstift nicht. Nachdem das künstliche Auge so schon eine weitgehende Aehnlichkeit mit dem natürlichen aufweist, werden die letzten Feinheiten in Angriff genommen, nämlich das Aufschmelzen der besonderen Merkmale wie Flecken und Punkte und der Hornhaut. So wird schließlich jener Zustand erreicht, den sich „Arzt” und Patient ersehnen.
Das alles geschieht ln völliger Ruhe an erlern fast bescheiden zu nennenden Arbeitsplatz. Ein einfacher Trethla* balg verhilft zu dem Luiftgebläse, das .die Gasflamme des Bunsenbrenners auf die zum Schmelzen des Spezialglases erforderliche Fitze bringt. Damit sind die äußeren Hilfsmittel des Augenmachers auch schon erschöpft Wesentlich am Gelingen des kleinen Wunderwerkes sind sein Können, seine geschickten Hände, seine Beobachtungsgabe und sein Einfühlungsvermögen.
Einer großen Zahl Augenverletzter hat der Flüchtlins aus dem Thüringer Wald schon helfen können. Täglich kommen Kriegsversehrte und Unfallverletzte aus nah und fern, die von der Orthopädischen Versorgungsstelle in Freiburg , dem Hauptversorgungsamt Siidwürttemfoerg-Hofhen- zollern und den verschiedenen Orfskran- kenikassen geschickt werden. Werner Buckel ist, wie er sagte, der einzige innerhalb der französischen Zone, der diesen seltenen Beruf ausübt. Das kleine Städtchen Lauscha im nördlichsten Zipfel des Thürinssr Waldes ist die Wiege der künstlichen Menschenaugen. Es ist auch seine Heimat. Wäre der Krieg nicht gewesen, dann zählte auch Werner Buckel noch zu den 93 Augenmacherfamilien, die in stiller Heimarbeit in Lauscha Vorzügliches schaffen. Nun hat er mit seiner jungen Frau seinen Sitz am Bodensee aufge- sohlagen und ist täglich dabei, den Ruhm seiner Heimatstadt, der vor dem Kriege bis zu den USA . Japan und Australien reichte, im Südwesten Deutschlands zu verkünden. W. O.
schuß — zum Grundsatz gemacht hat, diese Linie unbeirrbar einzuhalten. Damit ist auch unserer Jugend wieder ein freundlicher Dienst erwiesen worden, wie sie überhaupt immer neu spüren darf, daß ihre Heimatstadt ihr besonders wohl will. Beweis dafür bietet u. a. nicht zuletzt der Stadtväterbeschluß, die vom Kultministerium abgelehnte Einrichtung einer sechsten Obers et tu Belasse auf eigenes Risiko der Gemeinde zu übernehmen, dazu die Stadt. Turnhalle gründlich herrschten zu lassen und für eine ordentliche Eis- und Tennissportanlage Sorge zu tragen. — Zum Schluß den „kühlen Maien" zu preisen, kann man von uns, die wir den Elementen hier oben auf unserem hohen luftigen Tablett unentrinnbar ausgesetzt sind, nicht unbedingt erwarten. Wird das Stichwort, das den Mäienregen „Dukatenregen'' nennt, aber wahr, dann wollen wir uns versöhnt auf einen strahlenden Pfingstmarkt freuen.
.Was, der ganze HaufeV"
„Ihre Pässe, bitte!“ Zollkontrolle in der Rieseneingangshalle des Echterdinger Flugplatzes. Die zum ersten offiziellen Besuch in Paris eingeladenen Herren der Regierung von Württemberg - Hohenzollern (Staatspräsident Dr. G. Müller, Staatsrat Prof. Karl Schmid, Innenminister Renner, Oberregiemngsrat Donndorf) werden als erste auf versteckte Kraslgegenstände hin untersucht, dann ihre Damen. Die drei deutschen Kontrolleure nahmen es sehr genau. Die Pässe seien nicht in Ordnung, ein Formfehler. Aber es sind doch Diplomatenpässe! „Was, der ganze Haufe Diplo- mate?” wird ungläubig-unhöflich zurückgefragt. Die uniformierten Herren ziehen ab, um die Angelegenheit, zu klären. Nach 20 Minuten Rückkehr. Karl Schmid fragt nach der Art des Formfehlers. Oh, der sei streng geheim (es fehlte ein Stempel!), ganz ganz ausnahmsweise ließe man sie aber trotzdem über die Grenze.
Das Spielkasino in Konstanz vergeben Konstanz . Die vom Stadtrat bevollmächtigte Kommission zur Ueberprüfung der zahlreichen Bewerbergruppen für das Spielkasino hat die Lizenz an die sogenannte Ueberlinger Gruppe übertragen. Die Gruppe mußte einen ansehnlichen Betrag auf Sperrkonto überweisen, der von der Stadt in Anspruch genommen werden kann, wenn der für die Stadt vorgesehene Gewinn innerhalb eines Vierteljahres unter dieser Summe bleibt. Im Spielkasino Konstanz werden ein Spiral-Roulette mit zwölf Feldern, mit zwei Tableaux und außerdem ein Ecarte-Tisch aufgestellt werden.
Kinderlähmung im Kreis Sigmaringen Tuttlingen . In der zum Kreis Sigmaringen gehörenden hohenzollerischen Enklave Bärenthal im Kreis Tuttlingen sind in den letzten Tagen sechs Fälle von Kinderlähmung aufgetreten. Ein neunjähriges Kind ist zwei Tage nach seiner Einlieferung im Sigmaringer Krankenhaus gestorben. Die Schulen wurden auf die Dauer von drei Wochen geschlossen.
Rückkehr in die alte Heimat Ponaueschingen. In der letzten Zeit sind im Flüchtlingslager Donaueschingen 112 Personen aus Jugoslawien eingetroffen. Es handelt sich um Donauschwaben , deren Vorfahren vor etwa 200 Jahren ausgewandert waren. Bis heute haben sich bei diesen Leuten die deutschen Sitten erhalten, auch sprechen sie alle noch den schwäbischen Dialekt.
Es wird zu wenig Schnaps getrunken Freiburg . Wie der Präsident der Kleinbrenner Südbadens in einer Versammlung der Kleinbrenner mitteilte, hat die Geldknappheit in der Schnapsabgabe eine vorübergehende Krise gebracht, von der jedoch die hochwertigen Qualitätserzeugnisse nicht betroffen wurden. Mit 25 000 Mitgliedern ist der Südbadische Kleinbrennerverband heute der stärkste Verband Westdeutschlands auf diesem Gebiet.
Sonderzug Basel—Freiburg Freiburg . Zum erstenmal nach dem Kriege, und zwar am Pfingstsamstag, fährt ein Sonderzug von Basel nach Freiburg . Dadurch haben alle interessierten Schweizer die Möglichkeit, Pfingsten in Südbaden zu verbringen. Der Zug trifft am Pfingstsamstag 17.35 Uhr in Freiburg ein und verläßt die Stadt : am Pfingstmontag 19.30 Uhr.
„Aufforstungsdienst“ im Schwarzwald
Tübingen . Unter Mitwirkung der Forstdirektion, des Flüchtlingskommissars, dem evang. Hiifswerk und dem Internationalen Bund soll für Württemberg-Hohenzollern ein „Aufforstungsdienst", vor allem für den Sdiwarzwald, eingerichtet werden. Viele Jugendliche werden .dabei Gelegenheit bekommen, einen neuen Beruf zu ergreifen.
Leichte Ruhrfälle in Südwürttemberg Tübingen. Nach einer Mitteilung des süd- württembergischen Innenministeriums sind in Weingarten , Ravensburg und Umgebung eine Reihe von Ruhrerkrankungen leichterer Art aufgetreten. Die Behörden haben Schutzmaßnahmen ergriffen, um die Uebertragung zu verhindern. Der Verkauf von Speiseeis, Obst und sonstigen Lebensmitteln außerhalb der Geschäfte und bei Veranstaltungen ist verboten.
Frostschäden an Frühzwetschgen Bühl. Die Eisheiligen haben an den Obstkulturen einen größeren Schaden angerichtet, als ursprünglich angenommen Wurde. Insbesondere die in Blüte stehenden Erdbeeren wurden stark betroffen. In gewissen Lagen haben auch die sonst widerstandsfähigen Frühzwetschgen sehr stark gelitten.
Frauen wegen Kriegsverbrechen angeklagt Rastatt . Die Staatsanwaltschaft des Gerichtshofes zur Aburteilung von Kriegsverbrechen hat gegen 13 Frauen und Mädchen, die während des Krieges als SS -Aufseherinnen oder -Wärterinnen im Frauen-Konzentra- tionslager Ravensbrück tätig waren, Anklage wegen Kriegsverbrechens erhoben. Dies ist der erste größere Prozeß, der geschlossen gegen weibliche Angeklagte durchgeführt wird.
Von den Komplicen ermordet Bretten . Auf der Autobahn wurde kürzlich der 18jährige Günther Joch aus Bretten erschossen aufgefunden. Der Junge verbrachte mehrere Jahre seines Lebens im Erziehungsheim, riß bald nach Kriegsende von zu Hause aus und wurde seitdem von der Polizei wegen Eigentumsdelikten gesucht. Es ist anzunehmen, daß Joch von seinen Komplizen,
die sich mit ihm in einem gestohlenen Wagen auf einer Raubfahrt befanden, durch drei Pistolenschüsse niedergestreckt wurde.
Unwetterschäden
Mannheim . Die Schlechtwetterlage verursachte in der Pfalz , an der Bergstraße , in Niederhessen, im Odenwald und im Bauland durch Hagelschläge schwere Flurschäden. Vor allem Obstbäume, Roggen, Frühkartoffeln und Gemüse wurden schwer mitgenommen In Mannheim und Ludwigshafen setzte andauernder Schauerregen zahlreiche Wohnungen und Läden unter Wasser, da die Wasser mengen allmählich durch die undichte Dächer und Wände eindringen konnten.
Sechs' Tote durch Gasvergiftungen Heidelberg . Sechs Personen wurden in Heidelberg durch Leuchtgas getötet. Die 37jährige Ehefrau eines Angestellten hatte in der Nacht mit vier Kindern im Alter von 21 Monaten bis 6 Jahren in der Küche übernachtet. Der Ehemann, der mit dem fünften, 12jährigen Kind in einem anderen Raum schlief, fand seine Frau und die vier Kinder tot vor. Alle Hähne des Gasherdes waren geöffnet. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht ermittelt werden. Die Familie soll sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden haben. In der gleichen Nacht wurde eine 73jährige Frau durch Leuchtgas getötet.
2 DM für ein Pfund Kirschen Heidelberg . Verschiedene Ortschaften der ! Bergstraße lieferten die ersten Kirschen an. j Der Preis für das Pfund schwankte auf dem ! Mannheimer Wochenmarkt zwischen 1,30 bis . 2.— DM.
| Photographiertes Wohnungselend
I Untertürkheim. Auf der Landeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt in Untertürkheim , wurde angekündigt, daß die Arbeiterwohlfahrt in Bälde umfangreiches Bildmaterial über das Wohnungselend in süddeutschen | Großstädten publizieren und der Oeffentlich- keit, besonders aber führenden Persönlich- | keiten unterbreiten werde. Wie weiter bekanntgegeben wurde, sind Bestrebungen im Gange, die Wohlfahrtsorganisationen von der Umsatzsteuerpflicht zu befreien und sie von der Rückzahlung der vom Staat gewährten Darlehen zu entbinden. In einer Entschließung kommt der Wunsch der Konferenz zum Ausdruck, sich mit dem südwürttembergischen und südbadischen Verband bei gegebener Zeit zu einer einheitlichen Organisation zu vereinen.
i Schwere Bluttat einer Wahnsinnigen j Germersheim . Die 58 Jahre alte Elisabeth | Wolff war aus der Heil- und Pflegeanstalt ! Klingenmünster ausgebrochen und hatte sich i zu ihrer Schwester nach Zeiskam begeben, j Zwei Tage darauf entfernte sie sich in den j Wald, um dort Holzarbeifen zu verrichten.
I Dabei' half ihr ein neunjähriger Junge, den ! sie sich zwecks Hilfeleistung von Nachbarsleuten erbeten hatte. Später stellte sie sich der Polizei und bezichtigte sich einer, furchtbaren Bluttat, die sich dann auch als Tatsache herausstellte. Sie hatte den neunjährigen Buben mit rund einem Dutzend Beilhieben auf den Kopf getötet. Als Begründung gab sie an, daß sie die Verhältnisse in der Irrenanstalt Klingenmünster nicht mehr länger habe ertragen können und durch ( die furchtbare Tat das Todesurteil eines Ge- I rlchtshofes erwirken wolle, um so selbst zu j sterben.
! Ein tapferer Lokomotivführer
| Trier . Der französische Gouverneur von Trier i überi*kichte dem 54jährigen Oberlokomotivführei ' August Voditel aus Trier eine Medaille, die für ' diesen Zweck eigens in der Pariser Münze her- gestellt worden war. Anlaß zu dieser außergewöhnlichen Ehrung war die tapfere Tat des j Beamten, der am 22. November 1948 unter Einsatz seines Lebens einen mit rund 700 Personen besetzten Schnellzug vor der sicheren Katastrophe bewahrt hatte. Auf der Strecke Trier—Koblenz ereignete sich im Führerhaus der Lokomotive mitten im Kochemer Tunnel eine heftige Explosion, durch die das Lokouvotivpersonal schwere Verbrennungen erlitt und augenblicklich das Führerhaus verlassen mußte. Mit rasender Geschwindigkeit näherte sich der Zug der Station ■ Kochern. Beim Versuch, durch das Seitenfenster ! des Füherhauses das Bremsventil zu erreichen,
! verbrannte sich Voditel den linken Arm bis au*
1 die Knochen. Ungeachtet der Schmerzen arbeitete sich der tapfere Lokomotivführer auf dem schmalen Laufsteg der Maschine nach vorne. Es gelang ihm, den Lufthahn der Bremsleitung zu öfi- nen und damit den Zug vor einer Katastrophe zu bewahren. Die Reichsbahn ehrte August Voch- - tel durch Beförderung zum Oberlokomotivführer ' sowie durch eine hohe Geldprämie.
BLICK ÜBER DIE GRENZEN
Romanshorn . Nach scharfem Wahlkampf wurde hier der bürgerliche Kandidat Adolf Schatz, den die Freisinnige Partei, die katholische Volkspar- tei und die christlich-soziale Partei unterstützten mit 845 Stimmen zum Gemeindeammann gewählt. Sein Gegenkandidat, der sozialistische Nationalrat Sdiirmperli, erhielt 789 Stimmen. Allerdings hat Rocnanshorn nach wie vor einen Gemednde- rat mit sozialistischer Mehrheit, fünf Sozialdemokraten und vier Freisinnige. Der Wahlkampf wurde im ganzen sachlich geführt.
Basei. Die Internationale Schlafwag-üigeSeilschaft zeigte hier Vertretern der Behörde und der Presse ihren neuen Schlafwaigentyp, der tm Skandinavien —Schweiz —Italien -Expreß verkehrt ■und Schlafgelegenheiten erster, zweiter und ir } t- ter Klasse für 26 Personen bietet. Von Stock holm erreicht man mit diesem Expreß Rom üi drei Tagen.
Zürich . In der Schweiz gibt es einen Natlo- ! nalen Verband gegen den Schnaps, der mit der « Schweizerischen Vereinigung für gärungs.ose I Obst- und Traufrznverwertung in Zürich seine I alljährliche Tagung abhielt. Es wurde ein neuex ] propagandistischer Farbfilm „Blütenzauber und ♦ Erntesegen" vorgeführt. Berichterstatter ajs al- j len Teilen des Landes gaben ein Bild vm ge- : genwärtigen Stand der gärungslosen Fnichtever- wertung.
Bregrenz. Als neue Grenzerleichterung zwi- ! sehen Bayern und Oesterreich wurde das Grenz- überschreitungsverbot auf der Zugspitze zwischen dem cfsterreidnschej' und bayerischen B°rghotei aufg^oben. Die österreichischen Bergsteiger kön
nen gegen Hinterlegung ihres Passes oder Pde:* titätsaiusweises beim dort stationierten Zollbeamten das bayerische Gebiet betreten. Auch die deutschen Gäste können das österreichische Gebiet besuchen und dort eine Nacht verbringen.
Graz . Die jetzt geschlossene erste Graze: Frühjahrsmesse zählte rund 140 000 Besucher. Dei geschäftliche Erfolg wird als zufriedenstellend bezeichnet. Einzelne Artikel, die sich durch Qualität und normalen Preis, auszeichneten, erreichten sogar Umsätze, die die Rekordergebnisse d?r letzten Herbstmesse übertrafen.
Wien . Am 31. Mai wird das erste Flugzeug der regelmäßigen Luftlinie Paris—Wien—Pars in Schwechat landen und am 1. Juni den Rüdeflug nach Paris antreten. Die auf dieser Streeks eingesetzte Maschine, die jeden Mittwoch und Sonntag von Wien abfliegt, faßt 21 Personen und wird bei einer Zwischenlandung in Basel die Strecke in fünf Stunden zurüdriegen.
Wien . Eigenartigerweise wird hier das Wiener Wohnungsamt demnächst obdachlos. Dem Amt samt dem Büro des Stadtrates für Wohnungswesen gekündigt, weil da« Haus, in d=m es untergebracht ist, einer nicht in Wien wohnhaft ?n Ungarin zurückerstattet werden muß. l'ebrigens haben die Russen in Wien 1531, die Amerikanei 745, die Franzosen 710 und die Eng -änder 369 Wohnungen beschlagnahmt. Manchmal wohnt ein einziger Besatzungsangehöriger in einem ganzen Hause, — wie es heißt, mit der Begrömung daß der Betreffende nicht mit den Oesterivichera unter einem Dach zu leben wünsche ...