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Donnerstag, 30. Juni 1046

SÜDKURIER

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D IE Kriegs Jahre hatten bereits gezeigt, was die amerikanische Produktion zustande bringen kann: Kriegs« und Transport- flotten, Flugzeuge zu Zehntausenden im Mo­nat, Kriegsmaterial und Bedarfsgüter aller Art in unencfficher Menge für den eigenen und alli­ierten Bedarf. Jetzt sind normalere Verhält­nisse eingekehrt und der Blick in die Pro- duktionsstätten bietet bessere Anhaltspunkte, um einen annähernden Eindruck von der ge­waltigen Arbeitskraft der USA zu bekommen.

Äußeres Merkmal, das einen beeindruckt — der Bindruck ist bleibend — sind die gro­ßen Ausmaße aller Dinge in diesem weiten Lande: die großen Entfernungen, die langen Straßen, die riesenhohen Gebäude, die Fabri­ken gleichenden Warenhäuser, die enormen Werkanlagen. All dieses scheint äußerlich von der Größe und Stärke Amerikas zu sprechen — und es ist vielleicht auch die Ursache der amerikanischen Kraft. Aber wie diese Dinge ein positives Vorzeichen tragen, so gibt es in gleichem Ausmaße auch andere Dinge, die negativ sind: die Slums in den Großstädten, C$e Gegensätze zwischen den Bevölkerungs- gruppen, und hier in erster Linie zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung. All dieses weniger Gute hat auch seine großen Maßstäbe.

Ein weiteres Merkmal der amerikanischen Wirtschaft ist ihre Spezialisierung. Gerade

Der amerikanische Arbeiter

Grofie Maßstäbe für jegliche Produktion - Starke Spezialisierung und Rationalisierung - Autoindustrie als Beispiel

Spamodtes Kanalprojekt

In Spanien wird gegenwärtig ein Projekt »»gearbeitet, das den Bau eines Ueberland- kanals von Santander (Atlantikküste) nach Tarragona (Mittelmeer ) in Nordspanien vor­sieht. Der Kanallauf würde von Santander aus in südlicher Richtung bis zum kantabri- schen Gebirge gehen, wo er sich mit dem oberen Ebro vereinigen würde. Zwischen Tudela und Sarragossa besteht bereits der Sogenannte Kaiser-Kanal. Der Kanal würde bei Tarragona in das Mittelmeer einmünden. Die Durchführung dieses Projekts stößt aber noch auf technische Schwierigkeiten. Der Wasserstand des Ebro ist im Sommer nicht hoch genug, um mittlere Meerschiffe durchzu­lassen. Der Bau des Kanals dürfte auch da­von abhängen, ob die seit Jahrzehnten be­stehenden französischen Pläne für den Bau eines Ueberlandkanals, der Bordeaux durch das Tal der Garonne mit dem Mittelmeer verbinden würde, in absehbarer Zeit ver­wirklicht werden.

Oesterreichs Währungesorgen

Z ü r i ch. (p-Eigenbericht.) In einer Zeit, wo keine europäische Währung, nicht einmal der amerikanische Dollar, vor diskreditieren­den Abwertungsgerüchten gesichert ist, kann es nicht wundernehmen, daß auch der öster­reichische Schilling ins Gerede kommt. Die gegenwärtig gültige, 1945 nach der Abschaf­fung der Reichsmark dekretierte und zwei Jahre später zum zweiten Male reorganisierte Währung hat einen nominellen Umrechnungs­kurs von 10 Dollar-Cents. Auch nach der Sa­nierung von 1947 hat sich der Kurz, obgleich damals die dubiosen Aktiva aus der Bilanz der Nationalbank ausgemerzt worden waren, nicht zu halten vermocht, und die Bewertung der Schillingnoten im Ausland erlitt — ähn­lich wie bei der D-Mark — an den Auslands­börsen einen Sturz fast ins Bodenlose. Zum Jahresende waren die Schillingnoten in Zü­ rich nur noch mit 7 Franken für 100 Schilling bezahlt

Nachdem seit Einführung der Schillingwäh­rung die inflatorische Entwicklung in Oester­ reich in besorgniserregendem Tempo fortge­schritten ist, und die Preise und Löhne auf das Vier- und Fünffache gestiegen sind, ist die Exportfähigkeit des Landes weitgehend verloren gegangen- Die Wirtschaftsbehörden versuchen mit wechselndem Erfolg die durch den offiziellen Kurs und die Marshallhilfe stark verbilligte Einfuhr durch die Zwischen­schaltung von Ausgleichskassen in den Dienst der Ausfuhr zu stellen. Praktisch hat das natürlich zu einer Abwertung des Schilling geführt zumal eine Reihe von verschiedenen Schillingkursen („Roheisen-Schilling”, „Holz- Schilling”) auch offiziell im Verkehr mit dem Ausland unter den amtlichen Wechselkursen liegen. Obgleich dieses elastische System ge­wisse Uebergangsvorteile hat, verhindert es die notwendige Rationalisierung in der Ex­portindustrie und die Wiederherstellung einer Stabilität des gesamten Wirtschafts­und Finanzwesen. In Wien ist die Auffassung allgemein, daß in absehbarer Zeit eine gene­relle Bereinigung im internationalen Wäh­rungswesen bevorstehe, daß der österreichi­sche Schilling als unzweifelhaft „weiche” Währung in erster Linie in ein neues Wert­verhältnis zum Dollar und zum Gold ge­bracht werde. Wenn man in Oesterreich ge­hofft hat, daß endlich der seit Jahren zuge­sagte Friedensvertrag im Frühjahr 1949 zu­stande kommen und eine bessere Basis für Stile monetären Entschließungen der Regie­rung bieten würde, so hat sich dies als ein — allerdings voraussehbarer — Irrtum erwie­sen. Eine kürzlich vom österreichischen Fi­nanz- und Wirtschaftsminister bei einem Vor­trag in Zürich gemachte Andeutung spricht dafür, daß die Regierung für den Fall eines völlig negativen Ausganges der Pariser Au­ßenministerkonferenz einen autonomen Ver* such zur Abwertung und Neustabilisierung des Schilling machen möchte — sofern die alliierten Militärregieningen ihr so viel Sou­veränität zubilligen.

Künstlicher Regen in Mexiko

Weite Strecken des Landes waren am ver­trocknen. Wohl hingen Regenwolken am Himrqel, aber sie konnten sich nicht ent­schließen, ihren Segen fallen zu lassen. Da rief der Bürgermeister einer besonders be­drängten Gemeinde einige Militärflugzeuge zu Hilfe, die aufstiegen und in den Regen­wolken Trockeneis, d. h. Kohlensäure in fester Form ausstreuten. Dieses Trockeneis hat eine Temperatur von minus 80 Grad und unterkühlte die Regenwolken so stark, daß sich der Wasserdampf zu Tropfen zusammen­log. Als der Vorgang des Regens erst ein­mal künstlich eingeleitet war, ließen die Wol­ken dann ihren ganzen Wassergehalt fallen und es regnete ausgiebig. Das Land war ge­rettet.

diese Spezialisierung ermöglicht eine wahr­haft imponierende Produktion. Hier einige Beispiele: Ein Walzwerk, das mit etwas über 5000 Arbeitern Eisenplatten in drei Schichten 1 herstellt, hat eine Produktion zwischen 1)4 bis 2 Millionen t im Jahr. Maschinenaus­rüstung, Transportanordnungen und Über­sichtlichkeit in den Fabrikräumen sind klar, einfach, modern. — In der Eisen-, und Stahl­industrie kann man die Auswirkungen der Massenproduktion und Spezialisierung beson­ders gut feststellen. Wenn das Erz geschmol­zen ist, geht es direkt von der Hütte jn den Martinofen und kann schon nach 10 Stunden in den Produktionsprozeß gelangen, wenn z. B. 12 große Öfen mit je einer Kapazität von 130 t verfügbar sind und das ganze Werk in Tag- und Nachtschicht arbeitet. In dieser Industrie liegt die Produktion um 2%mal höher als in Europa . — Die Eisenerzgruben Hibbing in der Nähe von Duluth im Norden Minnesotas sind der Welt größte Gruben im Über- und Untertagebau. Da findet man Eisen­erz von wenigen Metern unter der Erdober­fläche an bis zu einer größten Tiefe von 160 m. Ein Netz von über 100 km Eisenbahngeleisen liegt über und in den Gruben, das Einladen geschieht direkt mit großen und kleinen Krä­nen in die Eisenbahnwagen. Das Erz ist hoch­wertig und leicht zu gewinnen. Die Gewin­nung beträgt pro Tag und Arbeiter 40 t, die Jahreskapazität gleicht der gesamten Erzpro­duktion Schwedens in der gleichen Zeit. Mit ein Grund für Produktionstempo und Ratio­nalisierung sind die Bedürfnisse eines großen Binnenmarktes, der dem Lande zur Verfü­gung steht. So ist auch die amerikanische Wirtschaft, im Gegensatz zur europäischen, nicht gezwungen, durchweg Qualitätserzeug­nisse herzustellen, wenn auch der Durch­schnitt der amerikanischen Waren — dieses wiederum eine Folge der Rationalisierung und Spezialisierung — durchaus beachtlich ist.

Die Autoindustrie ist ein besonderes Kapi­tel der amerikanischen „efficency“. Allen voran steht Ford. Ungefähr eine Million Ar­beiter werden in dieser Industrie beschäftigt. Die Hälfte von ihnen arbeiten im Staat Mi­ chigan , und von diesen allein ungefähr 300 000 in der Stadt Detroit und Umgebung. In der Autoindustrie wurde die Rationalisierung restlos durchgeführt und das laufende Band ist der rote Faden des Herstellungsprozesses.

Die Ford-Fabriken von Dearborn , außer­halb von Detroit , beschäftigen in drei Schich­ten ungefähr 70 000 Arbeiter. Der Umfang der Fabrikanlagen beträgt annähernd 500 ha. Die Produktion innerhalb der Fabrik umfaßt alles, von der Rohware bis zum fertigen Ford. Man muß im Omnibus durch das Fa­brikgelände fahren, um den Arbeitsprozeß übersehen zu können. Da gibt es ein Koks­werk, ein Eisen- und Stahlwerk mit einer Walzanlage, die an sich schon größer und in technischer Hinsicht vollkommener sind als manches andere amerikanische Werk. Und dann die eigentliche Autoherstellung. Eisen­

platten werden gewalzt, geformt; aus ihnen werden Flügel, Hauben und Karosserien. Am laufenden Band wird Stüch für Stüde zusam­mengesetzt. Jeder Arbeiter beherrscht seinen Handgriff — und wird mit seiner Arbeit auch fertig innerhalb der Zeit, die ihm am Fließband zugemessen ist. Es ist faszinierend zu sehen, wie am Schluß der Fabrikation fertige Autos in einem Rhythmus von unge­fähr 50 Wagen in der Stunde vom laufenden Band herabgefahren werden. Und es gibt mehrere solcher Bänder.

über die Verhältnisse auf dem Arbeitsplatz folgendes: Anscheinend besitzen die Arbei­ter relativ viel Freiheit. Geraucht kann über­all werden, soweit nicht ein Brandrisiko be­steht oder die Art der Arbeit es verbietet. Das Verhalten ist ungezwungen, das Arbeits­tempo jedoch ziemlich hoch. Für besonders

eilige Arbeit — auch bei Arbeit unter großen Temperaturen — gibt es einen Rhythmus von 45 Minuten Arbeit und 15 Minuten bezahlten Ausruhens. Die Frauen in den Fabriken ha­ben zwei bezahlte 15-Minuten-Pausen am Tag.

Die Vorkehrungen für Betreuung der Ar­beiter sind unterschiedlich. Zum Teil gibt es sehr gute Umkleide-, Wasch- und Dusch­räume, schöne Eßsäle. Da kann man Kaffee, Tee, Coca-Cola, Erfrischungen während der Arbeitszeit erhalten. In die Fabrikhallen kommen Barwagen oder es sind Automaten angebracht, aus denen man Erfrischungen und Stärkungen ziehen kann. Aber es gibt auch Fabriken, wo der Arbeiter seine Kleider irgendwo aufhängt oder am Arbeitsplatz nie­derlegt. Im Durchschnitt kann man sagen, daß der Standard ungefähr vergleichbar ist mit dem schwedischen, der in Europa am höchsten liegt.

5x8 Stunden Arbeit - Soziale Betreuung

Wie lebt der Arbeiter? Lohn- und Arbeits­verhältnisse sind durchweg durch Kollek­tivabsprachen geregelt. Die Arbeitszeit be­trägt 40 Stunden in der Woche, auf 5 Tage verteilt. Akkordarbeit gibt es nur in sehr geringem Umfang in der Industrie. Der Un­terschied zwischen den höchst und niedrigst bezahlten Arbeitern ist ziemlich groß. Ge­schichte Facharbeiter und Werkmeister liegen an der Spitze der Lohnskala, wie auch Ar­beiter mit besonders verantwortungsvollen Aufgaben an den Maschinen. In einem Walz­werk hat ein Maschinenmeister einen Stun­denlohn von 2)4 Dollar, während der Durch­schnittsverdienst für die übrigen Arbeiter un­gefähr 1,65 Dollar beträgt. In der Autoindu­strie liegt der Stundendurchschnittslohn bei 1,70 Dollar, Werkmeister werden hier bedeu­tend höher bezahlt. Es ist aber sehr schwer, einen generellen Eindruck von den allgemein gezahlten Löhnen zu erhalten; sie schwanken zwischen 240 bis über 300 Dollar im Monat. Frauen erhalten bei gleicher Arbeit den gleichen Lohn wie die Männer. Auch die Urlaubsbestimmungen sind nicht einheitlich, jedoch gibt es in der Regel während der ersten fünf Anstellungsjahre 6 Tage bezahl­ten Urlaub, daraufhin 12 Tage. Versicherung gegen Unglücksfall bei der Arbeit ist durch das Gesetz geregelt, die Kosten bezahlt der Arbeitgeber.

Eine Pflicht-Krankenversicherung gibt es in Amerika nicht. Es besteht zwar eine Form der Versicherung, aber sie ist im allgemeinen begrenzt auf höchstens 3 Wochen für das Krankenhaus und die ärztliche Betreuung. Ein Ersatz in Form von Tagessätzen bei Krankheit seitens der Versicherung ist nicht bekannt. Die allgemeinen Krankenhäuser sind sehr durchschnittlich, die privaten Kran­kenhäuser, die alles bieten, jedoch sehr teuer. Hier muß man außer dem Aufenthalt geson­dert den Arzt bezahlen. So scheint dies eine

der großen sozialen Fragen zu sein, die drü­ben in Amerika zu lösen sind.

Eine umfassende Alterspensionierung ist eingeführt worden, zu der auch Witwen- und Kinderpensionen gehören. Die Abgabe be­trägt 1% des Lohnes für den Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber erlegt einen gleichen Be­trag. Die Versicherung erhält außerdem Zu­schüsse — von der öffentlichen Hand — im Bedarfsfälle.

Die Arbeitslosenversicherung umfaßt etwa 33 Millionen Arbeiter; landwirtschaftliche Ar­beiter und Hausgehilfen sind der Versiche­rung nicht angeschlossen. Die Kosten, die vom Arbeitgeber bestritten werden, betragen ungefähr 1,2% der Lohnsumme. Die Unter­stützung variiert zwischen 15—25 Dollar in der Woche, Unterstützung gibt es bis zu 15 bis 20 Wochen, manchmal bis zu 26 Wochen im Jahr. Die Karenzzeit beträgt ungefähr 2 Wochen. Die Versicherung beruht auf einem Bundesgesetz, doch gibt es kleine Abweichun­gen in den einzelnen Staaten. Als allgemei­ner Richtpunkt für den Unterstützungsbei­trag werden 35% des Arbeitsverdienstes des Versicherten angenommen.

Der steuerfreie Abzug für jedes Familien­mitglied beträgt 600 Dollar. Die bestbezahl­ten Arbeiter in Amerika — mit über 75 Dol­lar Lohnsumme in der Woche — haben einen höheren Lebensstandard als irgend ein euro­päischer Arbeiter. Für alle übrigen kann man sagen, daß ihr Lebensstandard dem schwedi­schen gleicht. Die Lebensverhältnisse sind — gemessen an europäischen Maßstäben — gün­stig. Der amerikanische Arbeiter besitzt einq geräumige Wohnung, oft imfaßbar praktisch ausgestattet für unsere Begriffe. Das Auto ist reiner Gebrauchsgegenstand, kein Zeichen von Luxus oder Extravaganz; denn der Ar­beiter braucht es als unentbehrliches Trans­portmittel zum Arbeitsplatz. GEU

Vollbeschäftigung und Hebung des Lebensstandards

Tagung des Internationalen Ar bei'samtes - Keine Beschränkung auf Marshaliplanländer

In Genf tagt gegenwärtig die zweiund­dreißigste Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes. Mehr als vierzig Staaten sind

Die Frage der internationalen Verteilung der Arbeitskräfte ist bereits Gegenstand ver­schiedener zweiseitiger Abkommen. Zwischen Frankreich und Italien wurde vor kurzer Zeit ein Vertrag über die Einwanderung ita­lienischer Arbeiter nach Frankreich , die Ar­beite- und Lebensbedingungen dieser Arbei­ter, die damit zusammenhängenden Devisen­probleme abgeschlossen. Italien hat ähnliche Verträge mit anderen Staaten abgeschlossen, Frankreich hat einen Vertrag gleicher Art mit der Schweiz . Zwischen den skandinavi­schen Staaten wurde 1945 ein Abkommen j über die Freiheit der Einwanderung von Ar- | beitskräften aus einem der teilnehmenden j Länder in jedes andere ausgearbeitet, das ' aber bisher nur von Dänemark und Schweden ratifiziert worden ist. Zwischen Großbritan­ nien und Argentinien besteht ein Abkommen

auf dieser Tagung vertreten. Die Delega­tionen bestehen aus je zwei Regierungsver­tretern und je einem Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter. Auf dem Programm der Tagesordnung stehen die Entwürfe meh­rerer internationaler Abkommen zur Siche­rung der Arbeitsfreiheit und zur Ueber- wachung und Förderung der Einwanderung ' von Arbeitskräften. Dieser letzte Punkt er- j weckt besonderes Interesse und hat auch zu j mißverständlichen Kommentaren Anlaß ge- I geben. Auf keinen Fall kann es sich darum i handeln, das Internationale Arbeitsamt in ! den Dienst der OEEC zu stellen und seine Arbeit in irgendwelcher Form an die Tätig- j keit der Marshallplanorganisation zu binden.

Auch Staaten, die in der OEEC nicht ver­treten sind wie Polen , Ungarn und die ! über die Arbeitsbedingungen der Angehöri-

lingsorganisation) mit verschiedenen Regie­rungen getroffen hat.

Tschechoslowakei , arbeiten am Internatio­nalen Arbeitsamt mit und kommen als Part­ner der in Vorbereitung befindlichen inter­nationalen Abkommen in Betracht.

gen beider Staaten auf dem Gebiete des zweiten Partners. Schließlich sind in diesem Zusammenhänge auch die Abkommen zu er­wähnen, die die IRQ (Internationale Flücht­

Erweiterter Kündigungsschutz

Arbeitsplatz ist Existenzgrundlage — Gesetzentwurf im Wirtschaftsrat

Die Verwaltung für Arbeit hat einen neuen j Gesetzentwurf ausgearbeitet und dem Ver- ! waltungsrat zugeleitet, der sich mit einem erhöhten Schutz gegen sozial ungerechtfer­tigte Kündigungen sowie gegen Massenent­lassungen befaßt. Nach diesem Entwurf soll eine Kündigung künftig dann als sozial un­gerechtfertigt und damit rechtswidrig gelten, wenn sie weder durch Gründe bedingt ist. die in der Person oder in dem Verhalten des Arbeitnehmers liegen, noch durch zwin­gende betriebliche Erfordernisse gerechtfer­tigt ist. Die Beweiskraft für eine Kündigung soll künftig dem Arbeitgeber auferlegt wer­den. Die VfA begründet diesen erweiterten Kündigungsschutz damit, daß es notwendig sei, dem Arbeitsplatz als der Existenzgrund­lage des Arbeitnehmers in Zukunft eine grö­ßere Bedeutung zuzumessen und daß der ideelle Wert einer Betriebszugehörigkeit höher eingeschätzt werden müsse.

Der Gesetzentwurf berücksichtigt auch die besondere Lage der Flüchtlinge. Bei ihnen soll die naturgemäß kürzere Dauer der Be­triebsangehörigkeit im Vergleich zu der län­geren Beschäftigung eines Einheimischen nicht nachteilig ins Gewicht fallen. Gegenüber dem alten Arbeitsordnungsgesetz, das in den Kün­digungsschutzparagraphen eine Mindestzuge­hörigkeit in einem Betrieb von einem Jahr verlangte, sieht der neue erweiterte Kündi­gungsschutz eine sechsmonatige Betriebsbe- schäftigung bereits für ausreichend an.

Während nach dem Arbeitsordnungsgesetz bei einer Arbeitsgerichtsklage die Wahl zwi- I sehen der Weiterbeschäftigung des Gekündig- ten oder der Zahlung einer Entschädigung j üblich war, soll in Zukunft eine Entschädi- I

gungszahlung dem Arbeitgeber nur dann zu­gestanden Werden, wenn ihm oder dem Ar­beitnehmer die Fortsetzung des Arbeitsver- hältnisses nicht zugemutet werden kann. Grundsätzlich soll aber das Ziel jeder Kün­digungsklage sein, dem gekündigten Arbeit­nehmer den Arbeitsplatz und damit die Be­triebszugehörigkeit in den Grenzen des wirt­schaftlich Vertretbaren zu halten. Mitglieder des Betriebsrates sollen nur bei grobem Miß­brauch ihres Amtes kündbar sein.

In der Frage der Massenentlassungen sieht der neue Gesetzentwurf vor. daß die Sperr­frist für solche Entlassungen von bisher 2 auf 3 Monate verlängert wird.

Schwieriger Ausgleich

Nach einer neuesten Umfrage des Inter­nationalen Arbeitsamtes in Genf fehlen in Europa etwa 173 000 Arbeitskräfte und in Kanada 125 000. Gleichzeitig ist die Arbeits­losenziffer in den USA auf über 3 Millionen und in Westdeutschland auf über 1 Million gestiegen. Frankreich hat in Europa den größten Bedarf (85 000 Arbeiter). Daneben sucht die englische Wirtschaft 13 000 Fremd­arbeiter, während Belgien und die Schweiz je 9 000 und Schweden 1600 fremde Arbeits­kräfte benötigen. .

Die Tatsache, daß in einigen Ländern große Arbeitslosigkeit herrscht, während in ande­ren ein hoher Bedarf an Arbeitskräften un­gedeckt bleibt, wird vorerst weiter zum all­gemeinen Wirtschaftsbild gehören, ebenso wie in einigen Ländern ein Warenüberfluß und in anderen ein großer Mangel an den glei­chen Gütern herrscht.

Die Arbeit der Genfer Tagung beruht auf soliden Grundlagen. Das Internationale Ar­beitsamt hat bei seinen Mitgliedern eine sehr ins Detail gehende Erhebung über ihre Be­dürfnisse an Arbeitskräften und ihren für die Auswanderung verfügbaren Bevölkerungs­überschuß angestellt. So wurde zum Beispiel festgestellt, daß von den zwei Millionen arbeitsuchenden Italienern zwei Drittel be­reits im Arbeitsprozeß gestanden sind. Die britisch-amerikanische Zone Deutschlands verfügt für das laufende Jahr über 541 000 Auswanderipgskandidaten (DP’s nicht inbe­griffen), wovon ungefähr 90% aus Frauen besteht, die keinerlei Berufsausbildung haben oder höchstens als Hauspersonal qualifiziert sind. Die IRO kann 287 000 weitere Kandi­daten für Arbeitsposten im Auslande stellen und wird nach Abwanderung dieser Arbeits­kräfte über weitere 168 000 verfügen-

Um die Auswanderungsbereitschaft der im eigenen Lande überzähligen Arbeitskräfte zu erhöhen, müssen gewisse Bedingungen er­füllt sein: Sicherung der in der Heimat er­worbenen Ansprüche an die Sozialversiche­rung, Erleichterungen für den Transfer von Devisen an die in der Heimat verbliebenen Familienmitglieder usw. Auf der anderen Seite stellen die Länder, die fremde Arbeits­kräfte suchen, oder die Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer dieser Länder gewisse Bedingungen. Sie fordern ein Personal, das bereits über eine gewisse Be­rufsausbildung verfügt, verlangen Sicher­heiten gegen Lohndruck durch Einwanderer aus armen Ländern.

Alle diese Fragen können am besten von Land zu Land in zweiseitigen Abkommen gelöst werden- Das Internationale Arbeits­amt hat nicht die Absicht, solche Abkommen durch eine vielseitige Konvention zu ersetzen. Vielmehr soll diese Konvention allgemeine Grundsätze für die Berufsschulung und die Arbeitsbedingungen der Auswanderer fest­legen, während die Zahl der zugelassenen Ein­wanderer und ihre Auswahl durch das Ein­wanderungsland weiterhin in zweiseitigen Abkommen behandelt werden sollen.

Das Internationale Arbeitsamt hat ein um­fassendes Programm für die Wanderung von Arbeitskräften ausgearbeitet, das für die am Marshallplan teilnehmenden Länder in den Rahmen ihrer besonderen nationalen Programme fällt und auch mit dem lang­fristigen Programm der OEEC übereinstim­men soll, aber auch den Interessen der an­deren Staaten Rechnung trägt. Das Ziel des Programms ist es, zu einer rationellen Ver­teilung der Arbeitskräfte in der Welt zu kommen, die den Wiederaufbau der vom Kriege betroffenen Wirtschaftssysteme und die Bemühungen um Vollbeschäftigung und Hebung des Lebensstandards der arbeitenden Bevölkerung erleichtern soll. AEP

Hollywood ohne Großverdiener |

Unter den zehn Großverdienern der USA , I die die kürzlich veröffentlichte laste de* - amerikanischen Schatzamtes aufführt, befin­det sich kein einziger Filmstar mehr. Betty Grable , die mit 260 000 Dollars zwar die best­verdienende Frau in den Staaten ist. rangiert ! erst in der zweiten Hälfte jener Liste vor • Olivia de Havilland , die ebenfalls mehr ah I 200 000 Dollars verdient- Im weiten Abstand ! folgen dann Hollywoodianer, wie Tyron*

| Power. Bing Crosby , Paulette Goddard , Do- j rothy Lamour und Shirley Temple .

I Der bestbezahlte Mann der USA — alle j Einkommen sind Netto-Bezüge vor Abzug I der Einkommensteuer — ist der aus Griechen- land stammende Kinobesitzer Charles Skourai j mit einem Jahreseinkommen von 810 000 j Dollars. Gegenüber seinem Einkommen j nimmt sich das des weltberühmten Dirigen­ten Toscanini mit 102 000 Dollars und selbst ! das von Henry Ford jun. mit 200 000 Dollar» recht bescheiden aus. Daß Baseball-Spielen in den USA ein sehr einträglicher Beruf ist, zeigt das Beispiel des Präsidenten des New Yorker Baseball-Klubs: 1947 verdiente er 232 000 Dollars.

Unter den amerikanischen Großverdienern rangieren neuerdings auch die Autohändler. Einer dieser Autohändler verdiente im Jahre 1947 192 764 Dollars und mindestens weitere zehn hatten ein Einkommen von über 75 000 Dollars, Nebeneinkürfte, wie Dividenden und Kapitalzinsen, sind in diesen Beträgen noch nicht inbegriffen.

700 sfr. Monatslohn

Eine angesehene Schweizer Wochenzeitung veröffentlicht die Ergebnisse einer Umfrage, die feststellen sollte, ob die durchschnittliche Schweizer Arbeiterfamilie heute in der Lage sei, Sparreserven anzulegen. An einem typi­schen Fall wird gezeigt, daß diese Frage ver­neint werden muß. Jedoch zeigt die Unter­suchung, daß der Lebensstandard des Schwei­ zer Arbeiters erstaunlich hoch ist. Die Durch­schnitts-Familie — es handelt sich um einen Modellschreiner in einer Zürcher Maschinen­fabrik mit Frau und drei Kindern — besitzt eine Vierzimmerwohnung mit Radio und Telephon, eine elektrische Waschmaschine, Staubsauger und wichtige elektrische Küchen­geräte. Sie hat zwei Tageszeitungen, eine Illustrierte Zeitung und ein Fachblatt abon­niert und besucht zweimal monatlich das Theater oder die Oper. Von den Ausgaben entfallen 42,6% des Einkommens auf Nah­rung, 24,5% auf Wohnung, Heizung, Licht und Gas, 8,5% auf Steuern und Versicherun­gen, 8,3% auf Kleidung, 3,4% auf Sparen für das Alter (Lebensversicherung) und 12,7% auf sonstiges. Das Monatseinkommen der Familie beträgt 704,16 Schweizer Franken.

England wettet weniger

Aus dem soeben veröffentlichten Bericht über die englischen Staatseinnahmen aus Wetten und Spielen geht hervor, daß nach vorsichtigen Schätzungen in England im Ka­lenderjahr 1948 insgesamt dafür 650 Mil­lionen Pfund Sterling ausgegeben worden sind, während im Jahre 1947 es noch 791 Millionen und im Jahre 1947 sogar 1 Mil­liarde Pfund waren. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß alle Formen des Wettens, mit der alleinigen Ausnahme der Pferde­rennen, sich seit 1946 in ständigem Abstieg befinden. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß das Interesse abgenommen habe und daß bei den einzelnen Rennveranstaltungen weniger Besucher zu verzeichnen seien. Im Gegenteil soll zum Beispiel die Zahl der regelmäßig zu den Hunderennen Gehenden leicht gestiegen sein. Für Fußballwetten allein wurden 61 Millionen Pfund ausgegeben, wobei 36% der Wetten sich zwischen 5 Shil­ling und einer halben Krone (2% Shilling ) bewegen. Der Bericht schätzt, daß von Män­nern in England für Fußballwetten pro Woche 1331 000 Pfund Sterling ausgegeben werden, von Frauen jedoch nur 266 000 Pfund. Die Totalisator-Einnahmen bei Hunderennen werden von der Steuerverwaltung im Jahre 1948 auf rund 95 Millionen Pfund geschätzt, was in den letzten beiden Jahren eine Ab­nahme von rund 100 Millionen Pfund aus­macht

Agrarreform in Italien

Durch die Agrarreform haben mehr als 5 000 qkm Ackerfläche von Einzelbesitzern und 1300 qkm aus Staatsbesitz ihren Eigen­tümer gewechselt. Dieses Land wird unter Kleinbauern verteilt, die wenig oder gar kein Land hatten und deren Zahl etwa 10 Mil­lionen beträgt. — Die Zahl der privaten Eigentümer, die Land abgeben mußten, be­trägt 7 760, gegenüber einer Gesamtzahl von Besitzenden von 46 000. Dabei verlieren etwa hundert Großgrundbesitzer die Hälfte, die anderen rund 40% ihres Besitzes- Die ent- eigneten Ländereien werden zwar vom Staat angekauft, aber doch gegen den Willen der bisherigen Eigentümer, und Italien ist ein Land, in dem der Reichtum eines Mannes nicht nach seinem Bankkonto, sondern nach seinem Grundbesitz gewertet wird.

Für den Staat ist der Besitzwechsel nicht billig. Er muß 170 Millionen Dollar für den Kauf aufwenden und nochmals 600 Millionen für die Unterstützung der neuen Besitzer beim Kauf des Inventars.

Umsiedlungeu in Rumänien

In Rumänien hat unter russischem Drude eine neue Welle der Binnenwanderung ein­gesetzt mit dem Ziel, die bisher noch ge­schlossenen Siedlungsgebiete der Deutschen und der Ungarn aufzulösen, und ihre end­gültige Rumänisierung zu beschleunigen. Die Siebenbürger Sachsen , die seit mehr alt 800 Jahren im Lande sitzen, werden unter mehr oder weniger großem Zwang veranlaßt, ins Altreich, d. h. in die Moldaugebiete, um­zusiedeln, wo jeder Familie 3 ha Land zu­gewiesen werden. Dieses Land hat man den „Kulaken “ abgenommen, die ihrerseits im Szekler-Gebiet, das bisher rein magyarisch besiedelt war, angesetzt werden. Ferner wer­den Rumänen aus Mazedonien , die vor zwanzig Jahren in die Dobrudscha umgesie­delt wurden, jetzt ins Banat 1° die Gegend von Temeschvar verpflanzt, um auch dort die spärlichen Reste des Deutschtums von Grund auf zu zerstören. — Wann kommt die Menschheit endlich einmal wieder zur Rubel