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Nr. 11 > Seite 3

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Warmer Ofen - halte Straße

Beleidigt sieht man das Thermometer an, es zeigt acht Grad unter Null, schlägt den Kragen hoch und steckt die Hände tief in die Manteltaschen. Man kann sich eben auf nichts mehr verfassen heutzutage! Wa­ren doch sichere Anzeichen vorhanden, daß bald der Frühling den — sozusagen — verlängerten Herbst ablösen würde. Und nun scheint er doch noch zu kommen, der Winter. Unwillkürlich verlangsamt man den Schritt, wenn man einen Ofen in der Nähe weiß. Der dampfende kleine Maroni­wagen vor der Stefanskirche wirkt in die­sen Tagen geradezu magnetisch auf die Vorübergehendein. Als darum neulich ein Polizeibeamter ' neben dem Maronimann und seinem Ofen stehen bleibt, sammeln sich gleich eine Menge Menschen um den Wagen. Zum Teil aus Neugier, zum Teil der Wärme wegen, zum Teil aber auch wohl, um dem Maroni -Mann Hilfestellung zu leisten. Meistens findet die Polizei näm­lich etwas heraus, was nicht stimmt: Standplatz, diesen oder jenen Berechti­gungsschein und ähnliches. Aber — man beruhigte sich — der Polizist war diesmal ganz privat und nicht berufsmäßig neugie­rig. Wahrscheinlich hatte er auch käite Füße und ein duftender, warmer Ofen kann auch für einen Polizisten ein Anzre- hungssunkt sein...

So hört man denn zu, was der Mann hinter dem Wagen erzählt: daß er im Som­mer Eis verkauft hat und jetzt — nach zehnjähriger Pause — zum erstenmal wie­der im Winter Maroni röstet. Im Kriege war er Soldat, danach gab es keine Maroni, erst die D-Mark brachten sie im letzten Herbst wieder zum Vorschein und so kauf­te er sich seinen Wintervorrat in der Büh- ler und Lahrer Gegend ein. Der Ofen wird mit Holzkohle geheizt, fast einen Sackvoll verfeuert er jeden Tag. Er ist Konstanzer , der Maronimann, früher war er Artist beim Zirkus. „Was haben Sie denn da ge­macht?“ will man wissen. „Allerlei. Lasso­schleudern, Messerwerfen ..“

„Aha“, man kauft lieber eine Tüte, mit scharfen Leuten soll man sich friedlich stellen. Auch den Polizisten scheint das Messerwerfen zu beeindrucken. Er tritt

noch ein paarmal von einem Bein auf» an­dere, reibt sich die Hände und geht wei­ter. Und da muß man — wohl oder übel — auch den Ofen verlassen und sich schnup­fend und Maroni kauend wieder auf den Weg machen.

Wenn man zu wählen hätte, was man werden will, Maronnrann oder Polizist... Bei acht Grad unter Null gäbe es da be­stimmt keine Ueberlegung! Denkt man und umklammert fert die warme, duftende Tüte. —y

Mit 86 Jahren nach Amerika

Ende dieser Woche fliegt der Allmanns- dorfer Gärtnereibesitzer Paul Renker nach den USA . Trotz seiner 86 Jahre folgte der unternehmungslustige alte Herr gerne einer Einladung eines seiner Söhne, der drüben in den USA ein großes Baugeschäft besitzt und z. Zt. in Konstanz zu Besuch weilt. Allerdings erfreut sich Paul Ren­ker trotz seines hohen Alters einer selte­nen Rüstigkeit und geistigen Regsamkeit, die es ihm bisher gestattete, von morgens früh bis abends spät seinem Beruf nach­zugehen. Die Renikers entstammen einem alten, weitverzweigten Staader Fischer- geschleeht, das schon im 14. Jahrhundert urkundlich belegt ist. Der Sender' der Fa­milie wird also nun mit 86 Jahren in Frankfurt ein Flugzeug besteigen, das ihn von dort in 12 Stunden über den Ozean trägt;

120 Kleingärten weniger

Auf dem Gesamtgebiet des Stadtkreises werden gegenwärtig noch 43 ha, 77 a, 49 qm Gelände kleingärtnerisch genutzt. Diese Fläche bezieht sich lediglich auf die vom Vermessungsamt verwalteten Kleingärten auf städtischem Grund und Boden. Dane­ben werden auch Kleingärten von der Ei­senbahn, der Damänenverwaltumg und der markgräflich-badischen Verwaltung ver­pachtet. Im Laufe des Jahres 1949 mußten wegen anderweitiger Inanspruchnahme insgesamt 120 Kleingärten gekündigt wer­den.

Innere Mission und Kinder-Genesungsheim

Die Innere Mission der Evangelischen Kirche in Konstanz teilt zu dem Bericht „Es geht um die Gesundheit unserer Kin­der“ mit, daß das genannte „Waldheim“ am Schienerberg seit Juli 1946 von ihr ge­pachtet und als Kinder - Genesungsheim geführt wurde. Seit dieser Zeit haben Hunderte von erholungsbedürftigen Kin­dern, vor allem aus finanziell schwach ge­stellten Familien in diesem Kinder-Gene-

„Europa ^Haue" öffnet feine Pforten

Bezirksdelegierter Noöl und Oberbürgermeister Knapp Vorsitzende

Am Dienstagabend wurde in einer Grün- dungsversammlung die rechtliche Grund­lage für das „Europa-Haus Konstanz“ ge­schaffen. Die neue Pflegestätte europäischen Geistes, Symbol des Friedens und der Völ­kerverständigung, wird von einem „ein­getragenen Verein“ mit dem Sitz in Kon­ stanz getragen. Der neu konstituierte Verein übernimmt die Aufgabe, in dem vom Staat mietweise und mit dieser Zweck­bestimmung zur Verfügung gestellten, Hause Mainaustraße 29 ein Heim zu schaf­fen und zu erhalten, um darin gesellige und berufliche Zusammenkünfte von Ange­hörigen aller Nationen zu ermöglichen und insbesondere den persönlichen Verkehr zwischen Franzosen und Deutschen zu pfle­gen. Die Mitglieder des Vereins setzen sich aus deutschen und französischen Persön­lichkeiten zusammen, die aus innerster Ueberzeugung für die Verwirklichung der europäischen Idee eintreten. Mitglied kann jede unbescholtene Einzelperson und jede juristische Person des öffentlichen und privaten Rechts werden.

Organe des Vereins sind nach den auf- gestellten Satzungen: Vorstand, Beirat und Mitgliederversammlung. Der Vorstand be­steht aus dem jeweiligen Oberbürgermei­ster oder in Vertretung eines Bürgermei­sters der Stadt Konstanz als Vorsitzenden, zwei französischen Persönlichkeiten, dem Schriftführer (Angehöriger der deutsch - französischen Vereinigung) und dem Kas­senwart (Angehöriger der Stadtverwal­tung). Der Vorsitzende beruft den Beirat und die Mitgliederversammlung und führt darin den Vorätz. Der Beirat besteht aus dem sitz- und stimmberechtigten Vorstand und gewählten beratenden deutschen und französischen Mitgliedern. Er soll vor allem zu grundsätzlichen oder sonst wichtigen Entschließungen des Vorstandes zusam­mentreten, insbesondere in Angelegenhei­ten des Vereinsvermögens, der Verwaltung des Hauses im Sinne seiner Zweckbestim­mung, deshalb auch zur Aufnahme von Vereinigungen jeglicher Art, wenn sie Ver­ständigungsziele verfolgen. (Aufnahme von Unterhaltungsvereinen, wie Bridge-Club, Lyceums-Club, deutsch -französischer Schach- Club usw., Durchführung von Vortragsver­anstaltungen u. ä. im Dienste der Verstän­digung sowie berufliche Zusammenkünfte, wie Gewerkschaften, Innungen, Verbände usw.)

Die Mitgliederversammlung ist Trägerin der gesetzlich bestimmten Rechte und Pflichten, soweit diese nicht dem Vorstand

D*Marh für Aualanöeretfen

Wie das Eisenbahnverkehrsamt Kon­ stanz mitteilt, ist mit einer baldigen Ein­führung der D-Mark-Zahlung für inter­nationale Fahrausweise zu rechnen. Im Be­zirk des Eisenbahn -Verkehrsamts Kon­ stanz können sodann wieder von den in die internationalen Tarife einbezogenen Bahn­höfen Konstanz . Radolfzell , Singen, Do­ nau « schingen und Ueberiingen direkte Fahrkarten nach der Schweiz usw. in D- Mark gelöst werden. Die Wiedereinfüh­rung der durchgehenden Abfertigung im internationalen Personenverkehr wird we­sentlich zur Erleichterung des Grenzver­kehrt beitragen.

oder Beirat übertragen sind. Ihr obliegen insbesondere Wahl des Vorstandes, Ent­gegennahme des jährlichen Rechenschafts­berichts, Festsetzung des Mitgliederbeitrags und Entscheidung über die Aenderung oder Auflösung des Vereins. Die Mitgliederver­sammlung wird jährlich mindestens einmal einberufen.

Auf Grund der Satzungsbestimmungen und der Wahlen setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: Vorsitzender Ober­bürgermeister Knapip, Stellvertreter Bür­germeister Arnold und Schneider, französi- seherseits Bezirksdelegierter Noel und Cpt. Mercier, Schriftführer Leo Lorenz, Kassen­wart Willy Lang. In den Beirat wurden berufen zwei französische Persönlichkeiten, deutscherseits Landrat Dr. Beizer, Fabrik­direktor Dr. Paulssen, Landgerichtspräsi­dent Deufel und Stadtrat Grimm. Dem Bei­rat‘gehören ferner je ein Vertreter der im Hause untergebrachten Gesellschaften und Vereinigungen sowie der Hausverwalter an.

Das Gebäude wurde mit beträchtlicher finanzieller Hilfe französischerseits und einer Reihe privaten Stiftungen deutscher­seits geschmackvoll und repräsentativ für den Charakter eines internationalen Gäste­hauses ausgestattet. Zunächst fanden der Lyceum-Club, der Bridge-Club Aufnahme. Am kommenden Donnerstag soll im „Europa-Haus“ auch die deutsch -franzö­sische Vereinigung formell ins Leben ge­rufen werden und dann ebenfalls in diesem Hause ständig Aufnahme finden.

•ungsheim eine durchgreifende Erholung gefunden. Die bereite seit Beginn beste­henden Schwierigkeiten in der Wasserver­sorgung haben aber im Laufe der letzten trockenen Sommer sich neben anderen technischen Schwierigkeiten derart ausge­wirkt, daß der Betrieb im November ver­gangenen Jahres eingestellt und die Kin­der in andere Heime der Inneren Mission verlegt werden mußten, nachdem auch die vom Besitzer vorgenommene neue Quell- faseung keinen Erfolg hatte. Leider ist die Weiterführung des Heimes nicht möglich, solange nicht eine durchgreifende Aende- rung in der Wasserversorgung eingetreten ist.

29. Januar—5. Februar Bauhilfesammlung

Mit den Ergebnissen der vom Katholi­schen Männerwerk in den letzten zwei Jahren durchgeführten Bauhiifesammlun- gen konnte viel Not behoben werden durch Erstellung von Siedlungshäusern und Ge­währung von kleineren Beträgen an zahl­reiche Gesuchsteller, darunter viele Hei ■ matvertriebene, Ausgebombte und Kriegs­versehrte. Vor allem wurde das Siedilungs- werk „Neue Heimat“ reichlich bedacht, dessen Bautätigkeit sich in Baden sehen

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lassen kann und allgemeine Anerkennung findet. Wenn also die Sammler kommen, gedenke man der unzähligen Mitmenschen, die oft der Verzweiflung nahe, noch in Erdhöhlen, Bunkern und zwischen Trüm­mern in Massen zusammengepfercht, ein kümmerliches Dasein führen. Hier helfen nach Kräften ist Pflicht!

Lohnsteuerstelle länger geöffnet

Um den Berufstätigen noch nach Dienstschluß beim Finanzamt die Möglich­keit zu geben, ihren Antrag auf Durchfüh­rung des erweiterten Lohnsteuerjkhresaus- gleichs für 1949 zu stellen und auf der Lohnsteuerkarte steuerfreie Beträge ein­tragen zu lassen, wird die Lonnsteuersteile künftig dienstags und freitags bis 19 Uhr für den Publikumsverkehr geöffnet sein.

Auch in Konstanz ein .Saunabad

Zahlreiche Männer haben als Soldaten im Norden und Osten die Sauna als Quelle neuer Kraft und Energie kennen gelernt. Heute hat dieses gesündeste Volksbad auch «in Deutschland mehr und mehr Eingang gefunden. Die Sauna ist ein in den nordischen Ländern seit Jahr­hunderten bekanntes trockenes Heißluft­bad. Das einzigartige Prinzip der Sauna beruht auf starkem wiederholtem Reiz­wechsel, hervorgerufen durch Einwirkung von heißer Luft mit sehr mäßigem Feuch­tigkeitsgehalt und anschließender nasser Abkühlung. In regelmäßigen Abständen werden durch Ausgießen von geringen Mengen Wasser auf stark erhitzte Steine wirksame, aber nicht sichtbare Dampf­stöße erzeugt. Die hierdurch entstandene Feuchtigkeit wird jedoch von den Holz­wänden des Baderaumes sofort wieder aufgesogen. Hierdurch unterscheidet sich die Sauna grundsätzlich von den sonst üblichen Dampfbädern. Das Sauna-Bad 'in Konstanz , das dieser Tage eröffnet wird, befindet sich in der Altmannstr. 2.

Endlich auch in Heiden Schnee!

Nachdem jetzt Petrus den Wintersport- lem mehr zugetan ist, wird das Eisen­bahn-Verkehrsamt Konstanz die Sonder­fahrten nach Heiden sonntäglich ausfüh­ren. Von Rorschach aus ist den Teil­nehmern Gelegenheit gegeben, Orte inner­halb des kleinen Grenzverkehrs, zu denen auch St. Gallen zählt, zu besuchen. An­meldungen zu den Sonderschiffen nimmt der Schiffschalter am Hafen, jeweils bis zu dem Sonntag 14 Uhr, der der Sonder­fahrt vorausgeht, entgegen. Auch spätere Anmeldungen werden noch berücksichtigt, wenn der Teilnehmer sich den Tagesschein selbst besorgt Weitere Auskünfte über das Verkehren der Schiffe erteilt der Hafenschalter. Der Schneebericht lautet: Heiden: 20 cm Pulverschnee, sehr günstige Sportmöglichkeit. Heiden- Oberegg: 30 cm Pulverschnee- gute Sport­möglichkeiten. Schwägalp: 80 cm Pulver­schnee, gute Sportmöglichkeiten.

&as Jiartenswel ist beendet !

Das Kartenspiel hat ausgespielt,

was kaum ein Mensch für möglich hielt.

Die Butter frei, der Zucker frei.

Nur zwanzig Pfennig für ein Ei!

Selbst Schlagrahm gibt es markenlos, wonach die Sehnsucht riesengroß, und jeder, der sich’s leisten kann, ißt sich nun dicke Backen an.

Photo-Montaqe: Sdmeider-Re6sel

Erstaunt fragt sich der Pessimist, was in den Staat gefahren ist, hat er mit einemmal bemerkt, daß ihn nur der liebt, den er stärkt?

Was macht nun dieser arme Staat mit seinem Riesenapparat?

Bleib’ still, o Pessimist, und warte, das steht auf einer and’ren Karte!

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„Wir haben nicht8 zu Derbergen

Gegenwärtig wird die Heil- und Pflege anstatt Reichenau wieder instandgesetzt

Aus einem Schreiben des Direktors an den „Südkurier":’ „Auf Ihre Anfrage teilen wir Ihnen mit, daß Sie der Anstalt jederzeit einen Besuch abstatten können, bei dem Ihnen jede gewünschte Auskunft erteilt werden wird."

Das ist ein freundliches Schreiben, wie man es sonst von einer Behörde selten ge­wöhnt ist. Es steht eigentlich im Wider­spruch zu dem, was man im allgemeinen in der letzten Zeit über Heil- und Pflege­anstalten gehört und gelesen hat. Da wimmelte es nur so von willkürlich fest­gehaltenen Personen, von Räumen, die nicht betreten werden durften, von ge­heimnisvollen Untersuchungen und der­gleichen mehr. Wenn unsere Leser das auch von einem Bericht über einen Besuch der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau bei Konstanz erwarten, so müssen wir sie ent­täuschen.

„Wir haben in unserer Anstalt nichts zu verbergen, Sie können gehen wohin sie wollen und erhalten Antwort auf alle Fra­gen!“ Wer so spricht, muß ein gutes Ge­wissen haben. Der es sagt, ist Medizinal- rat Dr. Arthur Kuhn, seit 1934 Direktor der Anstalt, nach deren Auflösung am 1. April 1944 an der Anstalt Emmendingen und nunmehr seit Dezember 1949 wieder an seiner alten Wirkungsstätte. Mit klassi­scher Ruhe beantwortet er die vielen Fra­gen des Besuchers. Nur wenn etwas zu laienhaft gefragt wird, huscht ein leichtes Lächeln über sein klares, mildes Gesicht.

Das ist in kurzen Zügen die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Konstanz - Reichenau : Eröffnung 1913, Kostenauf­wand 4 V 2 Millionen Mark für 16 Pavillons (je acht für Männer und Frauen), dazu Arzthäuser, Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser für das Pflegepersonal. Größe des Geländes; 90 Hektar, das vorher aus Schilfwiesen und feuchten Wiesen be­stand. Höchststand der Kranken im Jahr 1938/39: 900. Lm Rahmen des Euthanasie- Programms des „Dritten Reiches “ wurden 400 Kranke aus der Anstalt entfernt trotz des Protestes der Aerzte. Mit 500 Kran­ken erfolgte 1941 der Umzug nach Ernmen- dingen. Gegenwärtig befinden sich 123 Kranke in der Anstalt, die in vier Pavil­lons untergebracht sind. Sobald die zur Zeit im Gang befindlichen großen Reno­vierungsarbeiten einigermaßen beendet sein werden, kommen weitere 230 Kranke aus Emmendingen und Geisingen . Dann dient die Anstalt wieder ihrem eigent­lichen Zweck. (Von 1941 bis 1945 war sie. „Nationalpoiitische Erziehungsanstalt“, deutsches Lazarett, nachher französisches

Lazarett und Ferienkolonie für französi­sche Kinder.)

Die Anstalt Reichenau galt bei ihrer Er­öffnung als die modernste in Deutschland . Trotz ihrer 37 Jahre dürfte sie es auch heute noch seih. Inmitten einer schönen Landschaft liegen verstreut die Gebäude, ein Kesselhaus, Gutshof und Gärtnerei. Werkstätten verschiedenster Art sind ebenfalls vorhanden. Ueberail sind hier die sogenannten ruhigen Kranken beschäftigt. Denn die Aerzte stehen auf dem Stand­punkt, daß die Kranken arbeiten sollen, sie werden dadurch abgelenkt, bekommen Appetit und Ruhebedürfnis. Als Belohnung für gute Arbeit gibt es Kostzulagen.

Wir wollen dem Direktor einige Ge­heimnisse entlocken und sprechen von prominenten Kranken, die er irgendwo versteckt haben müsse, von der oft er­wähnten Gummizeile, Wassergüssen und Zwangsjacken. Begriffe, die in weiten Kreisen ein leichtes Gruseln erwecken und die nun einmal zu einer Heilanstalt ge­hören sollen. Aber so sehr wir den Direk­tor auch bedrängen: Er gibt keines seiner Geheimnisse preis. Und zwar ganz ein­fach deswegen, weil er keine hat. Miiiio- nenbesitzende Kranke, wie sie in Roma­nen Vorkommen, sind nicht vorhanden. Die Gummizelle erweist sich bei der spä­teren Besichtigung als eine einfache, hohe Isolierzelle mit dickem Glas, ohne Tür­klinke und Fenstergriff, schalldicht abge­schlossen, versehen mit einer festen Segei- tuchmatratze, die nicht zu zerreißen ist Was­sergüsse werden nicht angewandt, es sind nicht einmal Schläuche hierfür vorhanden. Und Zwangsjacken? Ja, diese gibt es! Sie sehen aber bedeutend harmloser aus, als der Nsme besagt und werden nur be­nützt, wenn es unumgänglich notwendig ist, bis sich ein Kranker wieder beruhigt hat.

Es ist nicht so, daß die Kranken von der Außenwelt vollständig abgeschlossen sind. Sie können Post erhalten und auch seihst schreiben. Allerdings werden die Briefe gelesen. Der Empfang von Paketen ist ebenfalls erlaubt. Diese werden in Gegen­wart des Kranken von einem Pfleger ge­öffnet und nachgesehen. Der Besitz von Streichhölzern, Messern und ähnlichen Dingen ist selbstverständlich nicht gestat­tet. Auch Geld wird dem Kranken nicht ausgehändigt, aber für ihn im Sekretariat verwaltet. Die Angehörigen haben jeder­zeit das Recht, einen Kranken zu besuchen und sich mit ihm in Gegenwart eines Pflegers oder einer Pflegerin zu unter­halten. _ck

(Ein zweiter Artikel über die Behand­lung der Kranken folgt.)

Anftänöige Literatur für Öie Jugenö

Jugendausschuß Konstanz nahm zu wichtigen Fragen Stellung

Der Jugendausschuß der Stadt Konstanz hatte zu einer Sitzung ins „Haus der Ju­gend“ eingeladen. Den Vorsitz führte ifechts- rat Kirchgäßner. Kreisjugendbeauftragter Kutscha referierte aus der Tätigkeit des Jugendbildungswerkes der Stadt im letzten Vierteljahr. Die Arbeitsgemeinschaften sind erfreulich im Wachsen. Nicht nur „Tisch­tennis“ und „Volkstanz “ werden von der Jugend stark besucht, sondern auch „Archi­tektur und Plastik“, eine neu eingerichtete Arbeitsgemeinschaft (70 Teilnehmer!), die Baurat Schwan leitet. Gleichgroßes Interesse erhofft man sich von einem neu geplanten kunstgeschichtlichen Zyklus, der auf fünf Ar­beitsgemeinschaften basieren soll und als dessen Abschluß im Mai Omnibusfahrten zu den berühmten Kirchen des schwäbischen Barock u. a. geplant sind. Die Teilnehmer des Jugendbildungswerkes sind fast zu vier Fünftel nicht hündisch erfaßte Jugendliche. Das ist besonders positiv zu werten, weil gerade die Jugendlichen ohne Bindung an eine Jugendorganisation die Leitung und An­leitung, wie sie die Arbeitsgemeinschaften des — überparteilichen und überkonfessio­nellen — Jugendbildungswerkes zu geben vermögen — stärker brauchen als die hün­dische Jugend, die in ihren Organisationen Halt findet. Andererseits legt das Jugend­bildungswerk aber auch auf die Mitarbeit der „Bündischen“ Gewicht, um der anderen und um ihrer selbst willen.

Weitere Punkte der Tagesordnung waren u. a.: Unterrichtung über Gründung des Deutschen Bundes-Jugend-Ringes, einer Zen­tralorganisation auf Bundesebene, die im' Oktober des Vorjahres erfolgte. Um die Mit­gliederzahl auf ein vernünftiges Maß zu be­schränken, sind in dieser Organisation statu­tengemäß nur die großen, in der Mehrzahl der Länder tätigen Bünde mit mindestens 25 000 Mitgliedern vertreten, mit Ausnahme der Freien Deutschen Jugend, die das Bonner Grundgesetz nicht anerkennt. Vom Deutschen Jugend-Bundes-Ring, der eine Einflußnahme

auf den Bundestag anstrebt und dement­sprechend die Benennung besonderer Refe­renten für Jugendfragen wünscht, liegen be­reits mehrere Entschließungen zu aktuellen Fragen vor, u. a. gegen Militarisierung, gegen Antisemitismus, zum Schutz der Ju­gend vor Schmutz und Schund.

Für eine Gesetzgebung zur Bekämpfung von Schmutz und Schund zum Schutz der Jugend haben schon einige Länder, in der französischen Zone z. B.* Rheinland-Pfalz , Entwürfe vorbereitet. Auch auf der Bundes­ebene sind Vorbereitungen für ein bundes­einheitliches Gesetz getroffen, da die Not­wendigkeit einer gesetzlichen Neuordnung auf diesem Gebiet allgemein anerkannt wird. Um auf eine schnellere Behandlung zu drän­gen, soll auch namens des Konstanzer Ju­gendausschusses das Ministerium des Innern in Freiburg gebeten werden, auf Bonn ent­sprechend einzuwirken. — In diesem Zu­sammenhang ergab sich eine Diskussion der Frage, welche Wege schon gegangen wurden und noch gegangen werden können, um die Auslagen und die angebotene Auswahl von Zeitschriften und Buchliteratur in den Kios­ken zu beeinflussen. Wichtig ist nicht nur, daß die Jugendorganisationen die von ihnen zum Schutz der Jugend abgelehnte Literatur benennen, sondern daß sie auch positive An­gaben über die von ihnen gewünschte ma­chen. — Auch ein Jugendschutzgesetz ist in Bonn in Vorbereitung.

Zum Abschluß eine Unterrichtung über die beabsichtigte bezirkspolizeiliche Verordnung betr. das Baden im Bodensee und das Lagern in Zelten. Man will selbstverständlich weder das Baden, noch das Zelten verbieten. Nur soll mehr Ordnung herrschen als im Vor­jahr. Darum soll sowohl das Baden wie das Zelten auf bestimmte Stellen beschränkt und dort einer gewissen Aufsicht unterstellt wer­den. Man denkt auch an eine Absprache zwi­schen allen dem Bodensee anliegenden Ge­meinden. Dr. EH

Fasnacht bei Öen Quäkern

Die letzten Wodien hat die Narren­zunft der „Quaker“ nicht ungenützt ver- steichen lassen. Es wurden die Vorbe­reitungen für die kommenden hohen Fasnachtstage getroffen. Die Vorortsbe­wohner von Allmandsdorf, Staad , Egg , Hard und Hinterhausen werden wieder mit. einem reichhaltigen, hochnärrischen Programm beschenkt werden. Audi die anderen Einwohner von Konstanz , die den Narrengeist und das Narrentreiben der Allmannsdorfer schon eimal miterlebt haben, werden es sich in diesem Jahr nicht nehmen lassen, mit den Quäkern frohe Stunden zu erleben. Das Programm über die Fasnacht ist so reichhaltig, daß 'jede Altersklasse auf seine Rechnung kommt.

Am 4. und 5. Februar findet abends im Gasthaus zum „Adler” in Allmannsdorf das große JQuaker-cKonaert" (Bunter Abend) statt. Mitwirkende sind die be­kannten und bewährten Quaker-Kanonen

und -innen, die Quaker-Kapelle und das gesamte anwesende „Quaker”-Publikum. — Am „Schmutzigen Donerstag” wird in der Zeit von 10 bis 14 Uhr der Narren­baum durch die Straßen von Allmanns­dorf und Staad geführt und aufgestellt. Am Fasnachts-Sonntag nehmen die „Qua­ker” mit ihrer 30 Mann starken „Quaker- Kapelle” und sechs Gruppen am Jubi­läumsumzug teil. Der „Quaker-Ball” fin­det am Fasnachtssonntag in den Räumen des „Adler” und „Burghofkeller” statt. Eine Eintrittskarte berechtigt ohne Auf­schlag zum Eintritt in beiden Lokalen. Fasnachts-Dienstag ist im „Adler” der närrische Schlußruimmel.

Die „Quaker” haben die Eintrittspreise für das Konzert und den Ball so niedrig gehalten, daß allen Narren der Besuch dieser Veranstaltungen möglich ist. In Anbetracht der sehr knappen Platzver­hältnisse wird empfohlen, Karten mög­lichst im Vorvertauf zu lösen.