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SUDKURIER
UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET
Erscheint Dienstag, Donnerstag, Samstag. Adresse:
Konstanz , Marktstätte 4 — Telefon-Anschlüsse: Redaktion u. Verlag Nr. 924, 925, 1130, 1510, 1*1'
6. JAHRGANG
SAMSTAG 13. MAI 1950
NUMMER 57
Sdiumans Vorschlag beschäftigt die Welt
Das Auslandsedio zum französischen Plan — Londoner Konferenzteilnehmer stark beeindruckt
Die {größte Bogenbrücke Europas Die Arbeiten an der Rheinbrücke zwischen Duis burg und Rhein hausen, die mit einer Spannweite von 255 Metern die größte 'Bogenibrücke Europas und Asiens ist, gehen ihrem Ende entgegen. Die Brücke verbindet das Ruhrgebiet mit Holland und dem linken Niederrhein und wird in wenigen Wochen dem Verkehr übergeben. 3850 Tonnen Stahl wurden für den Bau, der im Sommer 1949 begonnen worden war, benötigt
Christliche Vergebung
ROM. Fünf italienische Witwen, deren Männer von der SS erschossen worden waren, legten in dem Dorf Roseto val Fortore bei Foggia an dem Grab fünf gefallener deutscher Luftwaffenoffiziere Blumen nieder. Das Dorf beging einen „Tag der christlichen Vergebung - *.
CHARLEROI . Belgien erlebte am Donnerstag das schwerste Grubenunglück seit 20 Jahren, das wahrscheinlich 41 Bergleuten das Leben gekostet hat. In einem Schacht der Kohlengruben von Mariemont- Bascoup bei Charleroi , 500 Meter unter Tage, ereignete sich eine Schlagwetterexplosion, die vermutlich keiner der dort arbeitenden Bergleute überlebt hat. Rettungsmannschaften haben bisher 28 völlig verkohlte Leichen ans Tageslicht gebracht. 11 bis 18 Bergleute sind noch eingeschlos- sen, jedoch besteht wenig Hoffnung, daß sie noch leben.
Drei Tage zu spät
ERDMANNSHAUSEN (Württembg.) Unerwartet kehrte ein längst totgeglaubter Kriegsgefangener aus der UdSSR in seine Heimatgemeinde Erdmannshausen im Kr. Waiblingen zurück. 1347 hatten seine Angehörigen zum letzten Male von ihm Nachricht erhalten. Drei Tage vor seiner Rückkehr war sein Vater zu Grabe getragen worden. Der Wunsch des Vaters, seinen Sohn noch einmal zu sehen — er hatte bis zuletzt daran geglaubt — war nicht mehr in Erfüllung gegangen. Merkwürdigerweise gab er in seiner Sterbestunde den Angehörigen die Weisung, auf den Bahnhof zu gehen und seinen Sohn abzuholen, obwohl zu diesem Zeitpunkt dessen Heimkehr noch gar nicht bekannt war.
PARIS . Kein anderes Ereignis der letzten Monate hat in der Weltpresse ein so starkes Echo gefunden wie der Schuman- Plan , der eine Zusammenlegung der fran zösischen und deutschen Kohlen- und Stahlindustrie vorsieht.
Dieser Plan und seine vermuteten Auswirkungen auf die Londoner Dreier-Konferenz bilden das Hauptthema der franzö sischen Presse. Der links-sozialistische „Franc-Tireur” meldet aus London , daß der Schuman-Plan schon vor Konferenzbeginn die ganze Orientierung der Au- ßenministerbesprechueg geändert habe. Aus einer negativ orientierten Konferenz dies kalten Krieges seine eine positive Zusammenkunft geworden, um einen Versuch zur wirtschaftlichen Organisation Europas zu machen. Mit dem Schuman-Plan werde versucht, das deutsche Problem dadurch zu lösen, daß man ihm seinen ausschließlich deutschen Charakter nehme. Dieser Gedanke hätte besondere Chancen, wenn sich England und die Benelux-Staaten dem Plan ansehldeßen würden.
In Kreisen der französischen Stahlindustrie äußert man sich zum Schuman -Vorschlag zunächst zurückhaltend. „Le Mon de ” bezeichnet diese Zurückhaltung als verständlich. Die Durchführung des Projektes bedeute eine Revolutionierung der französischen Wirtschaft, da man sich nach dem letzten Kriege soweit wie möglich von der Ruhrkohle unabhängig gemacht habe. Ein Teil der französischen Kohlengruben müßte unwirtschaftlich werden, wenn mafi bei einem einheitlichen deutsch -französischen Markt für Eisen und Kohle einfach das Gesetz des freien Wettbewerbs walten ließe.
hingegen darauf hingewiesen, daß der Schuman-Plan den Grundstock zu einer engen europäischen Wirtschaftsunion bilden soll. Eine Gesundung der europäischen Wirtschaft könne nur durch eine gemeinsame Verwaltung der europäischen Grundindustrien erreicht werden. Das Projekt sei durchaus realisierbar, da der französische Vorschlag klare Einzelheiten enthalte.
Das britische Echo auf die französische Tnitiative wirkt zunächst zurückhaltend. Britische Labour-Rreise vermissen in dem iman-Plan eine demokratisch-parla- itarische Kontrollmöglichkeit. Sie sehen den schwarzen Schatten eines europäischen Stahlkartells wieder auf der Bildfläche erscheinen. Führende Kreise der britischen Stahlindustrie begrüßen allerdings den Plan. Nach ihrer Ansicht stelle das fran zösische Projekt keine Bedrohung füir die britische Industrie dar. Auch in britischen Bankkreisen wurde Schumans Vorschlag als ein Beginn eines neuen Zeitabschnittes aufgenommen. Auch Premierminister Att- Iee ist mit dem französischen Vorschlag einverstanden. Frankreich , so erklärte er im Unterhaus, habe einen bemerkenswerten Beitrag zur Lösung eines bedeutenden europäischen Problems gegeben. Bemerkenswert erscheint die Stellungnahme des konservativen „Daily Expreß ”: „Der fran zösische Vorschlag würde der Unabhängigkeit Großbritanniens ein Ende setzen. Ein Land, das die Kontrolle über seine Kohlen- und Stahlindustrie verliert, verliert seine nationale Freiheit. Der Vorschlag ist ein Teil eines bewußten Versuchs, Groß britannien fin ein vereintes Europa zu zwingen."
Bundesrat fordert Auskunft über Gefangene
Appell an da« Weltgewissen —
BONN . Der Bundesrat forderte am Freitag einstimmig die Sowjetunion auf, Auskunft über das Schicksal von rund 1,5 Millionen deutschen Kriegsgefangenen zu geben. Der Bundesrat schloß sich damit der von Bundeskanzler Dr. Adenauer am 5. Mai vor dem Bundestag in einer Regierungserklärung erhobenen Forderung an. Im Bundestag hatten sämtliche Fraktionen außer der KPD die Erklärung Dr. Adenauers unterstützt.
Diese Entschließung des Bundesrates zur Kriegsgefangenenfrage wurde von den Mitgliedern des Bundesparlaments in feierlicher Form angenommen. Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen.
Im Namen der Menschlichkeit erhebt der Bundesrat vor der ganzen Welt Anklage gegen die Sowjetunion solange, bis über das ungeklärte Schicksal von 1,5 Millionen deutschen Kriegsgefangenen Auskunft gegeben wird. Der Bundesrat erklärt im Na-
Kurz notiert
Bla Transport von 620 Heimkehrern ans Polen soll seit dem 30. April von den Sowjets in Wolfen bei Bitterfeld festgehalten werden.
Das Bundeskabinett hat am Freitag den Gesetzentwurf verabschiedet, in dem der Beitritt zum Straßburger Europa -Rat den gesetzgebenden Körperschaften empfohlen wird.
Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer wird der am 18. Mai stattfindenden Eröffnungsvorstellung der Oberammergauer Passions spiele beiwohnen. Auch der amerikanische Hohe Kommissar McCloy wird zu dieser Aufführung erwartet.
35 deutsche Politiker sind nach England abgereist, nm anf einer Konferenz bei Lon don mit britischen Politikern dentsch-eng- lische Probleme zn diskutieren.
Der niedersächsische Landtag ersnchte die Landesregierung, sich dafür einzusetzen, daß das Segelflugverbot in der Bundesrepublik aufgehoben wird. Der neue deutsche Segelflug solle allerdings als reiner Sport betrieben werden.
Die Arbeit des Minenräumens in der Nord- und Ostsee wird noch mindestens bis zum Jahre 1957 fortgesetzt werden müssen, erklärte ein Beamter der damit beauftragten Organisation in Kiel .
Der Termin für den Beginn der Entnazifi- xierungsverhandiungen gegen den ehemaligen Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ist anf den 28. Juni d. J. festgelegt.
Josef Orth, der 14jährige Sohn eines ame rikanischen Obersten, rettete dieser Tage den *weijährigen Peter Voss ans Bad Hersfeld ▼or dem Tode des Ertrinkens.
Der Geschäftsführer des deutschen Bäderverbandes erklärte, daß durch die Beschlagnahme zahlreicher Heilbäder im britischen Besatzungsgebiet ein Einnahmeausfail von mindestens 10 Mill. DM entsteht.
Das Im Frühjahr 1946 demontierte zweite Gleis der Strecke Freiburg —Offenburg wurde ■ach erfolgter Neuverlegung zwischen Lahr and Friesenheim für den normalen Zugverkehr wieder freigegeben.
Auf Anordnung des Sowjetzonenminister- . Okts müssen alle volkseigenen Betriebe Im ■•wjetischen Besatzungsgebiet zehn Tage vor
Pfingsten ihren gesamten Benzinverbrauch zugunsten des FDJ -Pfingsttreffens ln Berlin abdrosseln.
Das Leipziger Schwurgericht verurteilte den früheren Gestapo -Beauftragten Wawrziniak zum Tode. Er wird für den Tod von Häftlingen in den KZ-Lsgern Buchenwald und Warschau verantwortlich gemacht.
Der UN - Generalsekretär Trygve Lie wurde am Freitag in Moskau von dem sowjetischen Außenminister Wyschinskl empfangen.
Zum schnelleren Transport der Uraaerue von dem an der tschechoslowakischen Grenze gelegenen Johann-Geergenstadt zur Sowjet union soll eine viergleisige Eisenbahnstrecke durch das Bergbaugebiet erbaut werden.
Bei den Gemeindewahlen ln Großbritan nien haben die Konservativen auf Kosten der Labour-Party und der Unabhängigen Erfolge erzielt. Eine entscheidende Verschiebung ist nicht zu verzeichnen.
Der österreichische Bundeskanzler Dr. Figl ist nach Rom abgereist, um von Papst Pius XÜ. in Privataudienz empfangen zu werden.
Die Tschechoslowakei hat die USA aufgefordert, das Personal ihrer Botschaft ln Prag um zwei Drittel einzuschränken. Der Aufforderung wird nacbgekommen.
In den nordamerikanischen Staaten Nord- Dakota , Minnesota und Nebraska sind durch riesige Ueberschwemmnngen Tausende von Menschen obdachlos geworden. 17 Personen werden bisher vermißt.
Ein Wurstfabrikant in Baltimore (USA ) machte seinem Leben ein Ende, nachdem die Polizei in seinen Lagerräumen 36 Zentner Pferdefleisch gefunden hatte.
Einer der gröflten Geldfälscher-Organisation in der amerikanischen Geschichte konnte das Handwerk gelegt werden. Insgesamt worden 74 Personen verhaftet. Die Bande hatte Falschgeld im Werte von etwa einer Million Dollar (4,2 Mill. DM) gedruckt.
Fischer in Schottland haben als Pretest gegen eine angekündigte Preissenkung die Heringe tonnenweise wieder zurück ins Meer geworfen.
Zwei frühere japanische Offiziere wurden wegen Kriegsverbrech» in Saigon (Indo- China) erschossen. Sie hatten die Hinrichtung von 45 französischen Gefa n genen während der japanischen Besetzung Nord-Vietnam « veranlaßt.
Feierliche Kundgebung im Bundestag
men der Bundesländer und Berlins seine „verständnisvolle und tröstliche Sympathie“ mit diesen deutschen Kriegsgefangenen.
LONDON . Das britische Luftfahrtministerium lehnte den Vorschlag ab, die Bombardierung der Insel Helgoland durch die britischen Luftstreitkräfte einzustellen.
Der konservative Unterhausabgeordnete Prof. Douglas Savory, hatte sich im Unterhaus für die Einstellung der Bombenabwürfe eingesetzt, damit 2000 Helgoländer wieder auf ihre Insel zurückkehren könnten. Die Bombardierungen widersprächen dem internationalen Recht und hätten in Dänemark , Deutschland und den Vereinigten Staaten „tiefste Empörung“ ausgelöst. Man solle „um Gottes willen andere Bombenziele suchen.“ Der Staatssekretär im britischen Luftfahrtministerium erwiderte, daß es schwierig sei, einen Ort zum Abwurf schwerster Bomben zu finden, und die Insel Helgo land sei dafür am geeignetsten. Der konservative Abgeordnete Lindsay sagte, die wirksame Ausbildung der Bomberbesat- zungen sei „wesentlich wichtiger als die Unbequemlichkeiten für ein paar Deut sche ."
Der mutige Plan Schumans wird auch in USA fast durchweg gutgeheißen. Die „New York Times ” vertritt die Ansicht, das neue Projekt würde nicht nur die moralische und finanzielle Unterstützung der USA finden, sondern auch eine Anziehung ausüben auf die Länder hinter dem Eisernen Vorhang. Die Gefahr der Kartellbildung müsse allerdings vermieden werden.
Begeisterte Zustimmung finden Schumans Pläne in der Schweizer Presse. Die Züricher „Tat” schreibt, der französische Vorschlag bringe in die gequälte Stimmung des Stillstandes eine neue, diesmal konkrete Idee. Die „Neue Züricher Zeitung ” glaubt, daß Frankreich offensichtlich den Eindrude gewonnen hat, daß auf dem Gebiet der Einigung Europas nicht voramzu- kommen ist, wenn nicht das Problem von der Seite der deutsch -französischen Einigung angefaßt werde.
Die dänische Zeitung „Politiken” schreibt unter der Ueberschrift „Ein Bund durch Stahl” Frankreich könne durch diesen Plan die Hoffnung haben, jede deutsche Aggression für immer zu beseitigen.
Der italienische Außenminister Graf Sforza erklärte in Rom vor seiner Abreise nach London , Italien sei zur Mitarbeit an der neuen deutsch-französischen Industrie- Union bereit und werde dieses Projekt unterstützen.
Lodcerungen im Sdiiffsbau
BONN . Die alliierte Hohe Kommission gab bekannt, daß die Bundesrepublik die im Washingtoner Abkommen festgelegten Schiffseinheiten in Zukunft ohne vorherige alliierte Genehmigung bauen kann.
Die Bundesrepublik kann danach sieben Schiffsklassen mit einer Verkehrsgeschwindigkeit bis zu zwölf Knoten bauen. Es sind dies: Frachtschiffe für Trockenladungen und Tanker bis zu 7200 BRT, Küstenfahrzeuge bis zu 2700 BRT, Fischereifahrzeuge bis zu 650 BRT und Binnensdiiffahrtskäfane, Schlepper, kleine Hafen- und Flußfahrzeuge sowie andere Schiffearten nicht über 650 BRT.
Nach der Verordnung können deutsche Firmen jetzt Tanker und Frachter aus dem Ausland erwerben. Die Gesamttonnage der Schiffe darf jedoch vom 14. April 1949 an gerechnet bei Tankern nicht 100 000 BRT oder bei Frachtern nicht 300 000 BRT übersteigen. Die Geschwindigkeit der Tanker bleibt auf 14, die der Frachter auf 12 Knoten beschränkt. Ebenfalls gestattet ist der Ankauf von Fischereifahrzeugen und Küstenschiffen.
BONN . (W.-Eigenbericht.) In Königs winter wurden die einzelnen Landesverbände der Christlich-Demokratischen Union , die bisher selbständig waren, zu einer Gesamtpartei für das Bundesgebiet und Berlin zusammengeschlossen, Dr. Adenauer wurde einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die bayerische CSU gehört der Gesamtpartei nicht als Mitglied an, sondern bildet nur eine Arbeitsgemeinschaft mit ihr. Die endgültige Wahl des Vorstandes soll auf einem Parteitag im Herbst erfolgen. Dem vorläufigen Vorstand gehört aus Baden auch der Bundestagsabgeordnete Anton Hilpert, Untereggingen, an.
Deutsch « Missionare fliegen nach Afrika
Zum ersten Male nach dem Kriege verließ eine größere Gruppe deutscher Missionare und Missionsschwestera die Bundesrepublik, um in Afrika ihre Tätigkeit auszuüben. Der päpstliche Visitator Dr. Alois Münch verabschiedete nach einem Gottesdienst in der Frankfurter St. Bernarduskirche die 44 Missionspriester und -Schwestern, die als erste den „Missionsflugdienst“, eine Abteilung des „Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung“, benutzen, um auf diese Weise auf dem schnellsten und bequemsten Wege ihren Bestimmungsort su erreichen. Unssr Bild zeigt die Verabschiedung der 44 deutschen Miisionsprlester und -Schwestern auf dem Flughafen Rhein-Main .
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Der neue Weg
Von
Konrad Gunst
In einer schweizerischen Zeitung wurde dieser Tage die Frage aufgeworfen, was in den letzten fünf Jahren für die Rettung Europas getan worden sei. Die Antwort lautete: „Vieles, aber nicht viel!“ Es seien Organisationen und Kommissionen entstanden, es seien viele schöne Reden gehalten worden, aber praktisch sei man über die Anfänge nicht hinausgekommen. Der Vorschlag Schumans sei der erste konkrete Beitrag seit fünf Jahren, der geeignet sei, Europa von Grund auf aufzurichten.
In der Tat hat der Vorschlag Schumans gerade deswegen so überrascht, weil er über alle Theorien und Erwägungen hinaus endlich praktische Wege zur Verwirklichung der Europa -Idee zeigt und weil er die Möglichkeit zu einem neuen Anfang gibt. Alle Fragen, die mit der Saar , dem Marshall-Plan , dem Europa -Rat und mi.t den vielen Versuchen, das gesamte euro päische Problem zu lösen. Zusammenhängen, erhalten sofort ein anderes Gesicht, wenn man sie vom Schuman-Plan ier betrachtet. Das ist die große politische Bedeutung dieser Aktion, die geeignet Ist, den toten Punkt, auf dem die glanze Euro pa -Politik angelangt war, zu überwinden.
Es ist unnötig, noch einmal auf die Bedeutung der Klärung des deutsch -französischen Verhältnisses hinzuweisen. Sie war immer schon die Voraussetzung für die Konsolidierung Europas . Aber der Anstoß dazu mußte von Frankreich ausgehen. Schuman selbst sagt in seiner Erklärung, die auf diese Weise eingeleitete Solidarität der Produktion werde kundtun, „daß jeder Krieg zwischen Deutschland und Frankreich nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich wird.“ Diese Tatsache entspricht sowohl dem Sicherheitsbedürf- nis der französischen Nation als auch dem Willen des deutschen Volkes, in Zukunft jeden Krieg zu vermeiden und sich nur dem friedlichen Wiederaufbau zu widmen. Gleichzeitig aber wird mit der Verwirklichung dieser friedlichen deutsch -französischen Zusammenarbeit die Voraussetzung geschaffen für jene „dritte Macht“, die allein imstande ist, sich zwischen den großen Machtgruppen des Westens und Ostens zu behaupten. Der Vorschlag der Zusammenlegung der Kohlen- und Stahlproduktion und die Errichtung einer neuen hohen Behörde werden, so sagt Schuman, „die erste konkrete Etappe auf dem Weg zu jener europäischen Föderation darstellen, die für die Wahrung des Friedens unentbehrlich ist.“ Den anderen europäischen Ländern ist der Beitritt zu diesem- Zusammenschluß nahegelegt. Es widerspräche der traditionellen Politik Frankreichs , zu vermuten, der Schuman'sche Vorschlag richte sich gegen Rußland . Schuman , nach der Abgabe seiner Erklärung gefragt, ob er auch Rußland zu Europa zähle, antwortete mi.t einem lebhaften .Aber selbstverständlich!“. Damit hat er unzweideutig den nichtaggressiven Charakter seines Vorschlags zum Ausdruck gebracht.
Es ist klar, daß über Einzelheiten des Schuman 'sehen Planes, hauptsächlich kl wirtschaftlicher Hineicht, noch nicht gesprochen werden kann, wenn auch anzunehmen ist, daß schon ganz konkrete Unterlagen vorhanden sind. Bemerkenswert ist, daß sowohl von der französischen als auch von der deutschen Wirtschaft her auf gewisse Schwierigkeiten und Bedenken hingewiesen wird, die sich ohne weiteres aufdrängen. So ist z. B. noch nicht ersichtlich, auf welche Weise die in der Hauptsache privatwirtschaftlich orientierte französische Stahlindustrie bewogen werden könnte, sich einer übernationalen Kontrolle und Planung zu unterwerfen, ohne daß ein einschneidender Eingriff des Staates erfolgt. Die gleichen Bedenken werden auch von der deutschen Wirtschaft erhoben, die den Vorschlag begrüßt, wenn Kontrolle freie und nicht geplante Wirtschaft bedeutet und wenn nicht befürchtet werden muß, daß die vorgeschlagene Kontrollstelle sich wie eine andere Kontrollkommission auswirkt. Interessant ist, daß im Gegensatz dazu die deutsche Sozialdemokratie fürchtet, der Schuman-Plan könnte zu neuen Kartellbildungen führen und die erstrebte Sozialisierung der Grundstoff-Industrien unmöglich machen. Diesen Befürchtungen auf der einen wie auf der anderen Seite steht die Erklärung Schumans gegenüber, daß die Eigentumsverhältnisse von dem Plan nicht berührt würden.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis Schumans, daß die geplante Gemeinschaftsproduktion „ohne Unterschied und ohne Ausschließung“ der ganzen Welt angeboten werde ab Beitrag zur Hebung des Lebensstandards und zur Förderung der Friedenswerke. Zu diesen Friedenswerken rechnet er auch ehe Entwicklung des afrikanischen Kontinents und hier wohl in erster Linie der franzö sischen Teile Nordafrikas , für deren Erschließung schon im Monnet -lPlan erhebliche Mittel vorgesehen sind. Es handelt sich hier um die Erhaltung und fortschreitende Erhöhung der landwirtschaftlichen