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Donnerstag, 6. Juli 1950

SÜDKURIER

Nr. 80 / Seite 4

Der Sprung in die europäische Zahlnngsunion

Verrechnungseinheit und Dolliarfonds — Sonderstellung Englands

Frankfurt. Noch nie seit Beginn des Marshallplans sind die nationalwirtschaftli­chen Interessen der einzelnen europäischen Staaten so deutlich in Erscheinung getreten und noch nie haben die Vertreter dieser Staa­ten in der Pariser Marshallplan-Organisation (OEEC ) einen so realistischen Versuch zu ihrer Überwindung gemacht wie gerade mit der Bildung der Europäischen Zahlungsunion (EPU — European Payments Union ), die vor­aussichtlich Anfang August in Funktion tre­ten wird. Es geht dabei um nichts Geringe­res als die Grundlage einer umfassenden intereuropäischen Arbeitsteilung. Oie Arbeits­leistungen müssen vergleichbar gemacht wer­den, wenn wieder ein gesamteuropäischer Markt entstehen soll, wenn in Europa wieder jeder das tun soll, was er am besten kann und womit er zum Gemeinwohl am meisten beiträgt.

Als erstes soll die Europäische Zahlungs­union bewirken, daß die bisherige zweisei­tige Verrechnung von Warenlieferungen und Dienstleistungen der Teilnehmerstaaten durch eine allseitige Verrechnung mit der Zah­lungsunion ersetzt wird, wodurch statt des jetzigen zweiseitigen Handelsverkehrs eine Art Ringtausch in Gang käme. Dies ist aber die Vorbedingung für jede weitere Aus­dehnung des intereuropäischen Handels und schließlich die Bildung eines einheitlichen europäischen Marktes von 250 Millionen Kon­sumenten. Man hat zu diesem Zweck in Paris folgendes beschlossen: Jedes Land er­öffnet bei der Europäischen Zahlungsunion ein laufendes Konto, über das der gesamte Zahlungsverkehr mit allen Teilnehmerlän­dern verrechnet wird. Verrechnungseinheit ist der „Epunit“ (European Payments Unit), zu dem sämtliche Währungen der Teilneh­merländer in einem festen Wertverhältnis stehen. Entstehende Verrechnungsschulden werden zunächst kreditiert. Mit steigender Verschuldung steigt allerdings ein Teil, der in Gold oder Dollar zu begleichen ist. Auf diese Weise soll verhindert werden, daß große Schulden bzw. Guthaben bei einzelnen Teilnehmerstaaten entstehen. Jede Schuld, die 15 Prozent des Außenhandelsvolumens des betreffenden Landes übersteigt (d. i. die sogenannte „Kreditlinie“), muß voll in Gold oder Dollar abgedeckt werden. Ist das nicht möglich, dann muß sich das betreffende Land entweder Eingriffe in seine innere Wirt­

schafts- und Finanzpolitik gefallen lassen oder aus der Zahlungsunion ausscheiden.

Es zeigt sich deutlich, daß eine wirkliche Zusammenarbeit der europäischen Staaten auf dem Gebiet der Wirtschaft nur durch Verzicht auf gewisse nationale Hoheitsrechte zugunsten der Gesamtheit möglich wird. Da­mit alle Teilnehmer unter den gleichen Be­dingungen starten können, sollen die bis­herigen Schulden der Länder untereinander vorläufig unberücksichtigt bleiben. Ihre spä­tere Verrechnung über die Zahlungsunion oder außerhalb soll von Fall zu Fall ent­schieden werden.

England und Belgien sind jedenfalls hier in einer besonderen Lage. Das englische Pfund hat nämlich im Gegensatz zu den Währungen der übrigen OEEC -Staaten eine Welthandelsfunktion, die dem künftigen „Epunit“ in gewisser Weise entspricht. Würde das Pfund durch den Epunit aus seiner Stel­lung als Währungsreserve vieler Länder und aus dem intereuropäischen Zahlungsverkehr verdrängt, so käme dies einer empfindlichen Wertminderung gleich. Ja, es könnten sich aus dem Rückfluß der Pfund-Guthaben | schwere Folgen für den englischen Außen­handel ergeben. Deshalb hat man dem Pfund '

schließlich die gleiche Stellung wie dem Epu­nit eingeräumt: Schulden an die Zahlungs­union können jederzeit mit englischen Pfun­den bezahlt werden, Guthaben sind jederzeit in Pfund Sterling umwandelbar.

In der günstigsten Lage sind solche Länder, deren Zahlungsbilanz mit den übrigen Mit­gliedstaaten ausgeglichen ist, deren Konten bei der Zahlungsunion am Schluß Null zu Null aufgehen. Westdeutschland ist heute etwa in dieser Lage. D. h. der westdeutsche Außenhandel mit Europa hat die Tendenz, daß die Exporte etwas schneller zunehmen als die Importe. Allerdings sind wir in letz­ter Zeit mit den Importfreilisten etwas ins Hintertreffen geraten, müssen also in näch­ster Zeit einen weiteren Teil unserer' Pro­duktion der scharfen Zugluft internationaler Konkurrenz aussetzen.

Es zeigt sich jetzt, wie dringend notwendig die vorherige Rationalisierung im eigenen Land gewesen ist. Im ganzen gesehen können wir an der immer stärkeren Außenhandels­verflechtung und der gleichzeitigen Ausdeh­nung der Märkte nur gewinnen, weil zu­nehmende Arbeitsteilung und Arbeitsratio­nalisierung die Grundlagen allen Wohlstan­des sind. Wenn jeder einzelne von uns nur ein wenig zur Idee des geeinten Europa bei­trägt, so dürfen wir sicher sein, daß wir schon in wenigen Jahren durch einen we­sentlich höheren Lebensstandard für unsere Mühe belohnt werden.

Sportdiemt des Südkurier

Westdeutsche Wirtschaft im Aufschwung

Umstellungsprozeß beendet - Steigende Fertigwarenausfuhr — Rationalisierungszwang

Frankfurt (R. Br.-Eigenbericht). Die modernen Konjunkturtheorien müßten alle falsch sein, wenn wir nicht heute den An­fang eines echten Konjunktur-Aufschwungs in Westdeutschland feststellen könnten. Der Wendepunkt der bisherigen Entwicklung ist der Februar 1950, in dem die steil aufstei­gende Kurve der Arbeitslosigkeit und die weniger auffallende und beachtete Kurve der Konkurse plötzlich abbrechen. Was ist ge­schehen?

Der Umstellungsprozeß der westdeutschen Wirtschaft von einer totalen Befehlswirt- Schaft zur Selbststeuerung des Marktes hat von der Währungsreform an genau andert­halb Jahre gedauert. Die notwendig scharfe Rationalisierung hat vor allem solche Ar­beitskräfte freigesetzt, die eine konkurrenz­fähige westdeutsche Wirtschaft in ihren über­setzten Berufen nicht verkraften kann (Büro­angestellte, Flüchtlingsbauern). Wenn die bis­

Goldener Boden - stark durchlöchert

Außenstände des Handwerks in Westdeutschland betragen Uber 1 Milliarde DM

Von der Handwerkskammer Freiburg i- Br.

erhalten wir folgende Zuschrift:

Es wird häufig und ausgiebig über den Handwerker geschimpft. Er komme nicht wie versprochen, liefere nicht pünktlich und oft nicht einwandfrei, sei unhöflich, halte sich nicht an Kostenvoranschläge und mache zu hohe Rechnungen, kurzum, er habe es immer noch nicht begriffen, daß er wieder um den Kunden werben müsse. Diese Vorwürfe mö­gen zum Teil nicht unberechtigt sein, doch hat der Kunde manche Möglichkeiten, sich gegen derlei Mißhelligkeiten von seiten des Hand­werkers zu schützen.

Ob der Kunde sich aber auch Gedanken darüber macht, was der Handwerker an ihm auszusetzen hat? Die langen Reihen fertig­gestellter Schuhe, Kleider, Pelze, Uhren und vieler anderer Reparaturen und Neuanferti­gungen, die in den Werkstätten der Hand­werker ihrer Abholung harren, sprechen be­redter als alle Worte für die Unzuverlässig­keit und Rücksichtslosigkeit zahlreicher Kun­den. Noch schwerer aber wiegen die ständig steigenden Außenstände der Handwerks­betriebe, die vielen unbezahlten Rechnungen. Das Deutsche Handwerksinstitut, München , schätzte die Außenstände der rund 900 000 Handwerksbetriebe in Westdeutschland auf über 1 Milliarde DM!

Der Handwerker ist heute mehr noch als andere Gewerbetreibende auf laufende Ein­nahmen angewiesen, da er mit wenig Rück­

Das stärkere Leben

39) Roman von Oskar Gluth

„Ich kann mir denken, was du planst. Er war ein netter Kamerad; mit einer wirtschaftlichen Sicherung für ein, zwei Jahre wäre ihm weitergeholfen. Wenn er einmal ein weltberühmter Opernstern und Herzensbrecher ist, kann er ja die Summe wieder zurückgeben oder weiterstiften. Verleihen wir ihm also das neue Prugger- Stipendium?“

Damit brachte er Barbara wieder zum Lachen. „Eigentlich müßt’ ich dir bös sein, nicht nur den armen Franzi, auch mich nimmst du nicht ernst. Aber du läßt einen vergessen, daß man nur das häß­liche Entlein in der Familie ist. Wie ich dich damals bei der Testamentseröffnung zum erstenmal sah, hast du mich fast er­schreckt. Ganz finster hast du geschaut und dem Vater warst du so erstaunlich ähnlich. Ich hätt’ mir damals nicht vor­stellen können, ich würde durch dich er­leben, was einem ein Bruder für ein Trost sein kann!“

Damit war das Wichtigste zwischen ihnen gesagt und Gregor fand es an der Zeit, daß Barbaras durch Abschiedsstim­mung beschwerte Gedanken durch ein paar Gläser steirischen Landweins wieder in fröhlichere Gefilde gelenkt wurden.

Als die Geschwister am Abend des fol­genden Tages mit dem Rumpelbähnchen, am schon ruhenden Prugger-Werk vor­über, wo nur noch rauchgeschwärzte Mauern an die Brandnacht erinnerten, in die Station Hochreith einfuhren, wurde Gregor ernstlich enttäuscht, wenn er sich auch bemühte, es Barbara nicht merken zu lassen. Wohl wartete der Wagen vor dem kleinen Bahnhof, wie er gewünscht hatte, aber nicht der Kerstl-Xaver saß am Steuer, sondern einer der Werksfah- xer, und die Zen z erwartet ihn auch

lagen die Währungsumstellung stärker spürte, der Reparaturbedarf der Bevölkerung stän­dig abnimmt, Kredite für ihn kaum zu er­halten sind und die Lieferanten meist Bar­zahlung verlangen. Wie soll er existieren können, wenn seine Kunden in der Bezah­lung ihrer Rechnungen sich derart passiv verhalten, wie es heute allgemein festge­stellt werden kann? Anmahnungen oder per­sönliche Vorsprachen nutzen wenig und rau­ben dem Handwerker Zeit und Geld. Die Möglichkeiten einer gerichtlichen Beitreibung der Außenstände sind dem Handwerker zu unbekannt, sind unbeliebt und wirken sich für die Erhaltung und Erweiterung des Kun­denkreises vielfach schädlich aus.

Sollte es nicht möglich sein, an das Ge­wissen des Kunden zu appellieren? Schon Knigge verlangt in seinem berühmt gewor­denen „Umgang mit Menschen“ insbesondere für den Umgang mit Handwerkern: „Man be­zahle ordentlich, pünktlich, bar und dinge ihm nicht über die Grenzen der Billigkeit ab.“

Mancher Handwerker wird in Zukunft noch einiges an Höflichkeit, Pünktlichkeit und Ordentlichkeit sich aneignen müssen, um sich seinen Kundenkreis zu erhalten und seine Existenz zu sichern. Er darf andererseits auch vom Kunden ein höfliches Entgegen­kommen verlangen, das vor allem in einer ordnungsgemäßen Bezahlung der Rechnungen zum Ausdrude kommen möge!

nicht am Bahnhof, auf deren Kommen er bestimmt gehofft hatte!

Barbara aber schien nichts zu vermis­sen, und es fiel ihr wohl nichts auf. Mit einem leisen, entspannten Lächeln sah sie über Gregor hin ergriffen in die heimat­liche Bergwelt hinein und schwieg. Als sie dann über den Buchenhang hinauf zum Pruggerhof fuhren, legte sie die Hand auf Gregors ärgerlich und ungeduldig in­einander geschlungene Hände.

„Wenn die Katze weg ist, tanzen die Mäuse! Wer weiß, was sie heute unter­nommen haben, bei dem herrlichen Wet­ter! neckte sie ihn. „Aber wenigstens die Zenz, selbst wenn’s ihr Abrecht nicht ver­raten haben sollte, daß du kommst, hätte doch fühlen müssen —!“

„Hör auf —!“

Aber sie achtete nicht auf seinen Zorn. „Ach je, und wenn die andern erst erfah­ren, was ich jetzt weiß!“

Der Wagen hielt. Gregor sprang hinaus und vergaß fast, Barbara behilflich zu sein. Er eilte die steinernen Stufen hin­auf. Die Türe war versperrt. Ungeduldig riß er an der Glocke, daß es zornig durch das ganze Haus gellte.

Barbara war ihm nachgekommen. ,.Alles ausgeflogen!“ sagte sie erstaunt.

Nichts rührte sich im Haus. Noch herri­scher begehrte Gregor Einlaß. „Na, end­lich —!“ brummte er dann und schämte sich ein wenig seiner Erregung.

Kinderfüße tappten eilig durch den steinbelegten Flur, hastige Händchen stie­ßen den Riegel zurück, aber als nun Gre­gor die Türe auf riß, sah er nur noch, wie sich Klein-Hertha in das große Wohn- und Eßzimmer flüchtete, als werde sie vom bösen Wolf verfolgt.

Verblüfft sah Gregor die Schwester an. „Verstehst du das?“ Eine Ahnung über­kam ihn, daß hier freundliche Geister ihr Spiel mit ihm trieben. Da ertönte Musik. Bei weit offener Türe mußte Rolf oben in seinem Zimmer spielen und mächtig in

Inoffizielle Länderspiele ab sofort

Die Meldungen und Dementis der ausländi­schen Nachrichtenagenturen schufen in der Frage der Wiederaufnahme Deutschlands in den Fuß­ballweltverband einen Wirrwarr, der erst jetzt durch eine Mitteilung des Herausgebers des „Sportmagazin" Nürnberg , Dr. Frdedebert Becker, eine Klärung erfuhr. Danach ist Deutschland auf­gefordert worden, einen Wiederauinataneantrag in die FIFA zu stellen. Dieser Antrag ist erfolgt. Allen Ländern der FIFA ist aber bereits freige- stel'lt worden, die Beziehungen mit Deutschland und Japan wieder aufzunehmen. Auch inoffizielle Länderspiele, die nicht als „amtliche Länder­spiele" notiert werden, können ab sofort mit Deutschland wieder ausgetragen werden. Ein großes Verdienst um diese Tatsache hat vor allem die Schweiz .

Zugvögeln werden die Flügel gestutzt

Die immer häufiger gewordenen Verstöße ge­gen das Vertragsspieler-Statut bedurften drin­gend einer Abhilfe. An sich hat des Vertrags­spielerwerk schon entsprechende Paragraphen, um diese Auswüchse zu verhindern. „In der Praxis zeigte sich jedoch, daß die Musikanten dieses komplizierte Instrument nicht richtig zu spielen verstanden", erläuterte Curt MülSer, der Vorsitzende des DFB -Profi-Ausschusses, die neuen Ausführungsbestimmungen. „Die jetzt for­mulierten Ausführunijsbestijnmungen stellen klar heraus, daß in Streitfällen vor ordentlichen Ge­richten die Betroffenen schwören müssen, ob verbotene Handgelder die Ursache des Vereins­

wechsels von Spielern waren. Auch das Vor­bringen angeblich verbesserter beruflicher Mög­lichkeiten bedarf einer genauen Nachprüfung. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Vereins- Vorstand einen Meineid schwört (für den Zucht­hausstrafe droht), nur um verbotene Zuwendun­gen zu verschleiern!"

Die neuen Schutzbestimmungen sehen vor, daß bei nicht einwandfreiem Vereins Wechsel zu­nächst der betroffene Spieler bis zu einem hal­ben Jahr gesperrt, der für schuldig befundene Verein mit Geld bis zu 10000 Mark oder mit Sperre bestraft wird. Künftig kann sich ein Verein durch e ne hohe Abiösesumme für seinen bisherigen Spieler gegen den neuen Verein schützen. Die Ablösesumme nach oben ist nicht begrenzt. Der neue Verein kann dann bei nicht zustande kommender Einigung das Schiedsgericht des DFB anrufen. I

Brasilien der Erbe Italiens ?

Nun sind die weiteren Spielansetzungen für die Fußballweltmeisterschaft bekanntgeworden. (Zur Ermittlung des Weltmeistertitels, den Ita­ lien nach seinem Ausscheiden nicht wieder ver­teidigen kann, tritt „Jeder gegen Jeden" an) Eis treffen aufeinander: 9. Juli: Brasilien — Schweden in Rio : Spanien — Uruguay ih Sao Paolo , 13. Juli: Brasilien — Spanien in Rio : Schweden — Uruguay in Sao Paolo : 16. Juli: Brasilien — Uruguay in Rio und Schweden — Spanien in Sao Paolo.

herigen Erfolge nicht aufgegeben werden sol­len, dann müssen rund 800 000 strukturell Arbeitslose für andere Berufe umgeschult werden oder auswandern oder dauernd Un­terstützung beziehen.

Diese wiedererlangte Konkurrenzfähigkeit hat jetzt den stärksten und besten Konjunk­tur-Motor in Bewegung gesetzt: die Fertig- waren-Ausfuhr. Sie hat sich vom November 1949 bis zum April dieses Jahres mehr als verdreifacht und erreicht jetzt immerhin 62 v.H. der Gesamtausfuhr. Dabei ist natür­lich die Tatsache einer zunehmenden Arbeits­teilung und einer allseitigen Ausweitung der Weltmärkte, die wir dem Marshallplan ver­danken, ebenso wichtig wie unsere Konkur­renzfähigkeit.

Aber auch auf dem Gebiet der Kapitalbil­dung zeigt sich heute eine wesentliche Besse­rung. Das unerbittliche Festhalten am stabi­len Wert der D-Mark gewinnt langsam das Vertrauen der währungsreformierten Sparer zurück. Das Münchener Institut für Wirt­schaftsforschung rechnet allein mit 4,8 bis 5,2 Mrd. DM Spargeldern, die im Viertel­jahresdurchschnitt (April bis September 1950) langfristig investiert werden. Dazu kommen DM-Gegenwerte aus Marshallplan-Einfuhren, öffentliche Gelder und — wenn auch in ge­ringem Umfang — Mittel des Kapitalmarktes (durch Ausgabe von Wertpapieren), so daß voraussichtlich fast 2 Milliarden mehr als im letzten Viertel des Jahres 1949 neu angelegt werden. •

So erfreulich diese Aussichten auch alle sind, so wenig haben wir Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Noch hinkt unsere Erzeugung hinter der unserer westlichen Nachbarn her, noch ist unsere Wirtschaft durch Forschungs- und Produktionsbeschrän­kungen aller Art schwer gehemmt, noch be­lasten die Folgen des Krieges, Flüchtlings­elend, Arbeitslosigkeit und Besatzungskosten das neue Gebäude der westdeutschen Wirt­schaft mit einer untragbaren Hypothek, zu deren Tilgung unsere Kraft nicht ausreicht. So wird beispielsweise die Aufhebung des Kapital-Einfuhrverbots wenig Gelder anlok- ken, solange hier die Steuern zwangsläufig viel höher sind als bei unseren westlichen Nachbarn. Aber wir dürfen zuversichtlich sein, wenn wir nur Geduld haben und zäh für ein besseres Europa arbeiten. Niemand wird schließlich einem fleißigen, friedlichen, aufstrebenden Deutschland die Gleichberech­tigung in der europäischen Gemeinschaft ver­sagen wollen, denn auch die Konjunktur, der Wirtschaftsaufschwung, ist unteilbar.

die Tasten greifen; festliche Klänge über­wältigten plötzlich die Stille des Hauses.

Da zog auch schon Barbara Gregor der Türe zu, durch die das Kind geflüchtet war. „Du hast doch überraschen wollen — nun bist du es selbst!“

Als wäre es das erlösende Zauberwort, tat sich die Türe weit auf und Hertha war drinnen nicht mehr zu bändigen, ihr hell triumphierendes Rufen übertönte das Lachen und Grüßen der andern, sie flog Onkel Gregor entgegen und warf sich in seine Arme; die Musik oben verstummte und Rolf stürmte über die Treppe herab, um den großen Augenblick mitzuerleben. Nun erst konnte Gregor die Zenz an sich ziehen, die ihm, geführt von Tante Anna, feierlich geleitet von Vater Kerstl und Abrecht und fröhlich umringt von den andern, bei denen auch Florin nicht fehlte, in der alten, heimatlichen Tracht ent­gegentrat.

Tante Anna zur Rechten, die glückliche stille Zenz zu seiner Linken, mußte Gre­gor an dem festlich gedeckten, mit Blu­men und Tannengrün geschmückten Tisch in der Mitte, an der Stelle des Hausherrn Platz nehmen. Ihm gegenüber kam sein künftiger Schwiegervater, der wackere Kerstl, zu sitzen, der sich gerührt und mit gutem Humor in die neue Rolle schickte, zwischen Barbara und Abrecht, der sich die kleine Hertha als Tischdame ausbedungen hatte. Rolf aber führte Hed­wig und Florin Ebba zu Tisch. Es war deutlich, daß zwischen diesen beiden der eheliche Frieden wieder ehrlich herge­stellt war und darüber freute sich Gregor besonders.

Er war noch leicht betäubt. Die festliche Überraschung, die Barbara angestiftet hatte, war trefflich gelungen, und daß alle so herzlich dem unausgesprochenen Leit­gedanken dieser Familienkundgebung, wie Rolf scherzte, sich unterwarfen, emp­fand er als ein beglückendes Geschenk. Er nickte Barbara dankend zu. Wie klug und

Talbert und Sturgess ausgeschieden

Die Herren-Einzelmeisterschaft in Wimbledon

(d.-e.HEigenbericht.) Die am Montag abgebro­chenen Viertellinals der Herren-Ein/elmeister- schaft konnten am Dienstag zu Ende gespielt werden. Frank Setfgman konnte im Kampfe ge­gen den Amerikaner Larsen die ihm drohende Niederlage abwenden, dagegen mußte sich der als Nr. 2 gesetzte Billy Talbert mit dem Verlust seiner Partie gegen Budge Patty abfinden. Die letzten 'Runden des Damen-Einzels werden sich wie erwartet, zu einer rein amerikanischen An­gelegenheit gestalten.

Ergebnisse: Herrem-Einzel: Väeitels-

finals: Budgy Patty (USA ) schlägt Bill Talbert (USA ) 3:6, 6:4, 6:2, 6:3. Frank Sedgman (Austra­ lien ) schlägt Artur Larsen (USA ) 8:10, 5:7, 7:5, 6:3, 7:5. Jaroslav Drobny (Aegypten ) schlägt Gardner Mulloy (USA ) 6:3, 6:4, 6:4. Victor Sei- xas (USA ) schlägt Eric Sturgess (Südafrika ) 9:7, 6:8, 3:6, 7:5, 6:4. — Damen-Einzel. Achtels­finals: Betty Harrison-Hilton (England ) schlägt Dorothy Head (USA ) 6:3, 6:2. Gussie Moran (USA ) schlägt W. Halford (England ) 6:2, 6:1. Louise

Brough (USA ) schlägt E. Endrews (England ) 6:0, 6:0. Barbara Scofield (USA ) schlägt Heraldo Weiß (Argentinien ) 6:4, 8:6. Margaret Dupout (USA ) schlägt Jeanne Quertier (England ) 6:2, 6:2. —

Herren-Doppel: 3. Runde. John Brom- wich/Adrian Quist (Australien ) schlägt Torsten Johansson/Enrico Morea (Schweden/Argentinien) 6 : 2 , 6 : 2 , 6 : 2 .

Im Herreneinzel erreichten Sedgman, Drobny , Seixas und Patty die Vorschlußrunde- Das Damen- Einzel und die Doppelkonkurrenzen mit Aus­nahme des „Gemischten" konnten bis zu den letzten acht gefördert werden.

Meister von 100 m bis zum Speerwurf

Bei den Badischen LeichtathJletikmeisterschaften in Heidelberg , über die wir bereits berichteten

gab es, wie die Resultate bezeugen, z. T. aus­gezeichnete Leistungen.

Männer : 100 m: 1. Tinnen (Heidelberg ) 11.0 Sek, — 200 m: Tlnnin USA (Student in Heidel­ berg ) 22,1 Sek. — 400 m: 1. Baas (Freiburg ) 48.5 Sek. — 800 m: 1. Dengler (Phönix Karlsruhe) 1:57,8 Min.: 2. Presdiany (Karlsruhe ) 1:58,5 Min.

— 1500 m: 1. Lehmann (VfL Konstanz) 4:02.2 Min.; 3. Kieninger (St. Georgen) 4:05,8. Min. — 5000 m: 1. iRiimek (Nordrach ) 15:59,2 Min. — 10 000 m: 1. Gesell (Singen) 35:00,4 Min.i 2. Mast (Lörrach ) 35:29,0 Min. — 110 m Hürden: 1. Bien­stock (MfG Mannheim) 17,2 Sek. — 400 m Hür­den: 1. Wenz (TV Pforzheim) 59,1 Sek. -• 4X100 m, Männer: 1. ASV Nordrach 43,0 Sek.

— 3X1000 m: 1. ASV Lörrach 7:56,4 Min.j 3. VfL Konstanz 8:05 Min. — Weitsprung: 1. Bieser (Nordradi) 6,70 m. — Dreisprung: 1. Müller (SC Pforzheim) 13,35 m. — Hochsprung: 1. Biesei (ASV Nordradi) 1,75 m. — Stabhochsprung: 1. Schneider (Pforzheim ) 3,70 m ; 2. Bauer (Sin­gen) 3,50 m. — Kugelstoßen: 1. Helnker (Heidel­ berg ) 13,75 m. — Diskus: 1. Mersinger (TSG Heidelberg) 41,60 m. — Hammerwerfen: 1. Woif (TV 46 Karlsruhe! 55.24 m. — Speerwerfen: 1. Büttner (Schwetzingen ) 55,74 m: 2. Berg (Sin­gen) 51,40 m.

Frauen: 100 m: 1. Knab (Freiburg ) 12,5 Sek. — 200 m: 1. H. Schmidtke (VfR Mannheim)

26.4 Sek. — 80 m Hürden: 1. Haudc (SG Mann­heim) 14,4 Sek. — 4Xl00 m: 1. USC Heidelberg

53.5 Sek. — Diskuswerfen: 1. Hettich (Singen) 41,07 m. — Kugelstoßen: 1. Kähler (USC Heidel­berg) 11,09 m: 3. Beim (R.-W. Lörrach) 10,16 m.

— Speerwerfen: 1. W. Pape (Phönix Karlsruhe) 35,93 m. — Hochsprung: 1. Gerächter (Freiburg ) 1,53 m; 2. Butz (Eintracht Singen) 1,53 m. — Weitsprung: 1. Frau Gerechter (SC Freiburg ] 5,06 m.

Segelflieger um Weltmeistertitel

(SiiEicjenberidit.) Die 60 000 Einwohner zäh­lende Stadt Oerebro in Schweden , die als Zen­trum der Leder- und Sdiuhindiusitrie gilt, steht seit Montag im Zeichen der Weltmeisterschaft im Segelflug. Mit Ausnahme der Polen und Aegyp- tei sind alle angekündigten Konkurrenten einge­troffen. Während der Konkurrenz dürfte der Wol'kenflug vorherrschen. Hangwindsegeln-ist in dieser Gegend fas>t ausgeschlossen. Die Orientie­rung im Gelände wird eine wesentliche Rolle spielen. Gegenwärtig liegt ein großes Hochdruck­gebiet über Skandinavien , das Inversionen in Höhe von 2000 bis 2500 m verursacht. Diese Wet­terlage dürfte noch einige Tage anhalten. Die Winde sind schwach und die Sonneneinstrahlung ist intensiv. Die Situation ist ausgesprochen gün­stig für Streckenflüge*

Die Teilnehmer haben ein intensives Training hinter sich. Der Schwede Per Axel Persson schuf einen Streckenflug von 172,4 km und überhol da­mit die bisherige schwedische Bestleistung ziem­lich erheblich. Der Dienstag wurde von den Flie­

gern aller Länder mit den Trainingsflügen auf den eigenen Maschinen verbracht. Es wurden Höhen- gewinne von 3000—4000 m erzielt und der Fran­zose Lepanse erreichte mit 4700 m die höchste Höhe. Borisek (Jugoslawien ) blieb während sechs Stunden in der Luft.

Südbadischer Ruderverband gegründet

Dieser Tage trafen sich die Vertreter der in Südbaden bestehenden Rudervereiue im Club- heim des Rudervereins Neptun Konstanz. Stadt­rat Deiisle-Konstanz sprach über die Notwen­digkeit einer engen Zusammenarbeit der Ruder­vereine, um den großen Aufgaben des Ruder­sports gerecht zu werden und seine weitgesteck­ten Ziele zu erreichen. Diesen beifällig aufge­nommenen Ausführungen schloß eich die Grün­dung des Verbandes südbadischer Ruder vereine an, der seinen Sitz in Konstanz hat. An der Spitze der Verbandsleitung, d.e sich aus Herren der angeschlossenen Rudervereine zusammen- setzt, steht der 1. Vorsitzende des Rudervereins Neptun, Stadtrat Oskar Delisie, Konstanz.

schwesterlich sie an ihm Verrat geübt hatte! Während der Rückreise hatte ihn die Sorge gequält: Wie sollte er seine Fahrt nach Graz und Barbaras unerwartete Rückkunft vor den anderen erklären uni wie sollte er es der Schwester ersparen, daß ihre Heimkehr peinliche Deutung fand und vielleicht wie eine Herausforde­rung auf Ebba und Florin wirkte?

Und nun hatte sie den Mut gehabt, als sie Tante Anna ohne sein Wissen gestern von Graz aus anrief, ihr alles zu er­zählen.

Lächelnd begegnete sie seinem Blick. „Es hätte ja so auegeschaut, alfi müßtest du mich als Familienbüttel per Schub heim- schaffen, weil ich weiß Gott was für dum­mes Zeug in Graz anstellte.“ Sie hielt sich sehr tapfer und niemand spielte auf ihre Enttäuschungen in der Stadt an. Alle begegneten ihr aufgeschlossen und herz­lich. Florin billigte sogar nachdrücklich ihren Entschluß, künftig im Werk tätig zu sein, und bemerkte nebenbei, daß er in den nächsten Tagen schon nach Wien fah­ren werde, wo er sich mit einem befreun­deten Architekten zusammentun wolle.

Nichts störte die schöne Eintracht und Gregor fühlte beruhigt, daß der Friede nicht nur für diesen Abend Geltung und Bestand haben sollte.

Als dann Rolf die geschliffenen Gläser mit altem, köstlichem Wein gefüllt hatte, da war er der Jüngste und die Zenz durfte heute doch nicht mithelfen, blickten die anderen unwillkürlich und in beinahe feierlicher Erwartung auf Gregor, als müßte jetzt von ihm das Wort kommen, das den Sinn dieses so bedeutungsvollen Zusammenseins prägte.

Er war nicht gesonnen, diese Erwartung zu enttäuschen. Und doch erhob er sich fast zögernd, es fiel ihm nicht leicht, aus­zusprechen, wovon ihm das Herz voll war. Seine noch immer stark behinderte Linke streifte, wie zufällig, Zenzens heiße Wange, als wollte er sich vergewissern,

Was geschah im Bankhaus Lindström?

Dde Antwort auf diese Frage zu linden, ist der Inhalt unseres neuen Romans und sie macht der Kriminalpolizei viel Kopfzerbrechen. Um einen ebenso verwegen durchgeführten wie in seinen Umständen geheimnisvollen Einbruch in das Safe des Bankhauses häufen sich eine Menge zunächst völlig unerklärlicher Begebenheiten, deren dra­matische Verwirrung durch das geheimnisvolle Verhalten der Tochter des Bankdirektors Lind- ström gesteigert wird.

Hans Hyan

der Verfasser unsere« neuen Roman«, der in der nächsten Nummer des „Südkurier" beginnt, er­weist, wie in seinen erfolgreichen früheren Roma­nen, auch Eier wieder seine große Meisterschaft, einen schwierigen kriminalistischen Fall mit aller Spannung darzusteUen, wozu ihm die genaue Kenntnis der Methoden, ein Verbrechen aufeukJä- ren, starke Mittel und Möglichkeiten gibt. Die mitreißende Wirkung des Roman* beruht aber nicht so sehr auf der allmählich sich findenden Lösung des Falles selbst, als in der Schilderung eines ergreifenden Schicksals, in das die Tochter Lindströms tragisch verstrickt ist

daß das alles dock Wirklichkeit war. Zärt­lich ließ er sie auf ihrer Schulter ruhen, während er mit dem Glas in der Rechten die andern grüßte.

Bedächtig wählte er seine Worte. Das erste Glas sollten sie dem Andenken der Vordem und der Zukunft des Hauses weihen. „Wir verstehen uns jetzt und wir gehören zusammen! Damit ist der klare Weg in die Zukunft gewonnen! Wir wer­den unser Zusammengehören, unser Ver­tragenmüssen und Vertragenwollen auch mit unseren Unterschriften bekräftigen, aber dieses gegenseitige Verstehen soll und wird sich als zähere Bindung erwei­sen denn jeder Vertrag.“

Die Gläser klangen zusammen, und sie hatten einen reinen und hellen Klang.

End«

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