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SUDKURIER
UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET
Erscheint Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Samstag. Bezug monatlich durch die Post 2.50 Mark, zuzögl.
Verlag und Redaktion Konstanz , Marktstätte 4 6. JAHRGANG * DIENSTAG 10. OKTOBER 1950 * NUMMER 122 38 Pf. Postzustellgebühr, durch Träger 2.30 Mark,
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BERLIN . Nach einer Meldung des Westberliner „Montags-Echo“ wurde am Sonntag die gesamte Volkspolizei Thüringens in Alarmstufe I versetzt. Die SED des Landes soll überlegen, wie sie den ständig anwachsenden Abwehraktionen der Bevölkerung gegen den Wahlterror begegnen kann. In Gera , Gotha , Weimar , Jena und Erfurt und in anderen Städten sollen viele Plakate geklebt und Flugblätter verteilt worden sein, die dazu auffordem, der Wahl am 15. Oktober fernzubleiben. Bei zahlreichen Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und der Volkspolizei seien die Volkspolizisten wiederholt tätlich angegriffen worden.
Sonnenbäder gegen Gefängnisluft
U1DINE. Neun italienische Diplomaten, die jetzt nach sechsjähriger sowjetischer Gefangenschaft in ihre Heimat zurückgekehrt sind, erklärten, die Sowjets hätten sie zu Sonnenbädern gezwungen, damit sie nicht allzu blaß aussähen. Die Diplomaten, denen die Sowjets verschiedene Kriegsverbrechen zur Last gelegt hatten, wurden drei Wochen vor ihrer Uebergabe an das italienische Konsulat in Wien in ein sowjetisches Konzentrationslager in Oester reich gebracht. Sie mußten sich dort den ganzen Tag über der Sonne aussetzen, um eine „gesunde Hautfarbe“ zu bekommen.
Gold in den Schuhen
PARIS . Schmuggler sollen in den letzten drei Jahren insgesamt eine Tonne Gold in ihren Schuhen über die belgischfranzösische Grenze gebracht haben. Grenzbeamte nahmen zwei Personen fest, idie 10 kg Gold in den doppelten Sohlen ihrer Schuhe verborgen hatten. Darauf konnten noch weitere sieben Personen verhaftet werden, die auf dem gleichen ungewöhnlichen Wege Gold über die Grenze geschmuggelt haben sollen. Von der internationalen Kriminalpolizeikom- mission wurde mitgeteilt, daß es sich um Mitglieder einer weitverzweigten französisch-belgischen Goldschmuggelorganisation handele.
Es blieb bei „Spucknapf"
RATZEBURG . Die Ratzeburger Stadtvertreter hatten über den Namen eines kleinen Sees bei Ratzeburg zu entscheiden, der bisher im Volksmund allgemein „Badewanne" oder „Spucknapf“ genannt wurde. Nachdem mehrere „seriöse“ Vorschläge wie „Stadtsee“ oder „Mühlensee“ für das bisher amtlich namenlose Gewässer gemacht worden waren, setzte sich schließlich ein SPD -Vertreter dafür ein, es beim „Spucknapf“ zu belassen. „Man soll dem Volk aufs Maul schauen“ sagte er mit Luther . Mit 13 gegen 4 Stimmen wurde dieser Vorschlag von den Ratsvertretern akzeptiert.
Kurz notiert
Im Durchgangslager Friedland bei Göttin gen trafen in den letzten 3 Tagen 700 Umsiedler aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie ein.
120 Volksdeutsche Kinder aus Jugoslawien haben die jugoslawisch-österreichische Grenze überschritten, um zu ihren Angehörigen nach Deutschland zurückzukehren.
Die württembergisch-badische Regierung hat dem Landtag vorgeschlagen, die Gemeinderatswahlen auf den 28. Januar 1951 anzusetzen.
Der ehemalige Bundestagspräsident Dr. Erich Köhler wird aller Voraussicht nach ein überseeisches Konsulat übernehmen.
In München trafen 237 deutsche Nonnen der Kongregation „Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz“ ein, deren Kloster in Eger von tschechoslowakischen Behörden aufgelöst wurde.
Mit 137 000 Besuchern wurde am Samstag ein neuer Tagesrekord auf der deutschen Industrie-Ausstellung in Berlin aufgesteiit.
Dr. Max Adenauer , der Sohn des deutschen Bundeskanzlers, ist in New York eingetroffen, um sich im Rahmen des amerikanischen Austauschprogramms über die Gemeindeverwaltung in den Vereinigten Staaten zu unterrichten.
Eine Reihe von Geschädigten-Verbänden hat sich in Hannover zu einer Arbeitsgemeinschaft der Bombengeschädigten-Verbände des Bundesgebietes zusammengeschlossen.
Uber 600 leitende Funktionäre der SED sind bei der neuen großen Säuberungsaktion aus der Fartei ausgeschlossen oder zum Rücktritt gezwungen worden.
Eine Demonstration von rund 1300 FDJ - Angehöfigen wurde in Dinslaken (Nieder rhein ) von der Polizei aufgelöst, 55 Demonstranten wurden verhaftet.
Das Spruchkammer-Verfahren gegen den ehemaligen Reichsaußenminister Konstantin von Neurath ist von der Zentralspruchkammer Stuttgart so lange ausgesetzt worden, bis der Betroffene persönlich vor der Spruchkammer erscheinen kann.
McCloy hat angeordnet, daß 11 frühere Wehrmachtkasernen, die z. Z. von heimatlosen Ausländern bewohnt werden, bis zum November geräumt werden müssen.
Der Deutsch-Amerikaner Norbert Römann, der nach 25jähr!ger Abwesenheit aus den USA gekommen war, um seinen Bruder in Lohne (Niedersachsen ) zu besuchen, wurde von einem Lastwagen tödlich überfahren.
Mehr Freiheit geboten - Sicherheit gefordert
Zonengrenzen fallen — Gemeinschaftliche Verteidigungsinteressen bedingen engere Zusammenarbeit
FRANKFURT . Hohe Beamte der westlichen Besatzungsmächte kündigten in Frankfurt den Beginn eines neuen Abschnittes der alliierten Besatzungspolitik in Deutschland an. Der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy teilte mit, daß im Zusammenhang mit der bevorstehenden Verstärkung der alliierten Truppen in der Bundesrepublik die Zonengrenzen zwischen den drei westlichen Be* eatzungsgebieten endgültig fortfaiien werden. Der französische Hohe Kommissar Frangois-Poncet legte dar, daß die Alliierten angesichts der gegenwärtigen internationalen Lage Deutschland , früher als ursprünglich vorgesehen, ein größeres Maß von Freiheit und Unabhängigkeit einräumen und gemäß den New Yorker Außenministerbeschlüssen das Besatzungsstatut entsprechend abändern müssen.
Konkrete Einzelheiten des „neuen Ab
schnitts der Besetzung“ gab der stellvertretende amerikanische Hohe Kommissar George P. Hays bekannt. Danach soll die Bundesregierung den Alliierten gewisse Sicherheiten geben, nach deren Vorliegen die Besatzungsmächte die bisher ausgeübten Kontrollen Zug um Zug aufgeben oder weitgehend einschränken werden. Die Bundesregierung müsse im Rahmen ihrer Möglichkeiten die deutschen Auslandsschulden der Vorkriegszeit und die nach dem Kriege entstandenen wirtschaftlichen Verbindlichkeiten übernehmen. Zu klären sei, welche Verträge des ehemaligen Deutschen Reiches jetzt für die Bundesrepublik wieder in Kraft gesetzt werden sollen.
Die Bundesregierung müsse ferner zu- sichem, „daß sie mit den Westmächten in der unparteiischen und gerechten Zuteilung von gemeinsamen Verteidigungsmit-
BONN . Bundesinnenminister Dr. Gustav Heinemann hat seinen Rücktritt erklärt Zwischen Dr. Adenauer und Dr. Heine mann hat am Montag eine einstündige Aussprache stattgefunden, in der Heine mann dem Bundeskanzler ein elf Seiten langes Schreiben mit den Gründen für seinen Rüdetritt vorlegte. Daraufhin hat Dr. Adenauer dem Bundesinnenminister gesagt, daß er Bundespräsident Professor Dr. Heuß Vorschlägen will, dem Rücktrittsgesuch Dr. Heinemanns zuzustimmen. Gleichzeitig hat der Bundeskanzler dem Minister für seine Mitarbeit in der Bundesregierung gedankt.
Wie Dr. Heinemann erklärte, beziehen sich die größten Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und de^a-JC analer auf die deutsche Teilnahme an einer westeuropäischen militärischen Verteidigungsgemein- sdiaft. Dr. Hetnemenn ist der Ansicht, daß die Bundesregierung hierüber erst dann entscheiden sollte, wenn von. seiten der westlichen Mächte konkrete Angaben gemacht worden seien. Das deutsche Volk sei nach dem letzten Krieg heute durchaus noch nicht wieder bereit, einer Wiederaufrüstung zuzustimmen. Dr. Heinemann kündigte wei tere Erklärungen für die nächsten Tage an. *
SK. Der Rüdetritt des Bundesinnenministers kommt nicht überraschend, nachdem bekannt geworden war, daß seine Auf-
Auf dem schrankenlosen Bahnübergang bei Jesberg (Landkreis Ziegenheim) wurde ein Lieferwagen von einem Zug erfaßt und 140 m mifgesehleift. Die vier Insassen des Wagens waren sofort tot.
Eine Halle des Blechwalzwerkes der Rheinischen Röhrenwerke in Mülheim an der Ruhr ist aus noch nicht geklärter Ursache eingestürzt. Die in der Halle beschäftigten Arbeiter konnten sich im letzten Augenblick retten.
Uber 1000 Flugzeuge von 6 Nationen nehmen an den Luftmanövern von Großbritan nien teil, die am Samstag begannen.
Ein italienisches Verkehrsflugzeug landete in Rom , nachdem es die Flugstrecke New York —Rom ohne Zwischenlandung in 15 Stunden 4 Minuten zurückgelegt hatte.
Der österreichische Aaßenminister Dr. Grober traf in New York ein, um über die Umwandlung der alliierten Militärverwaltung in Österreich in eine Zivilverwaltung zu verbandein.
Vier tschechoslowakiiche ehemalige Angestellte des amerikanischen Konsulats in Prag wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten im Juni versucht, nach West deutschland zu fliehen, wurden aber an der Grenze festgenommen.
Die italienische Polizei hat in den Fiat- Werken bei Turin ein neues geheimes Waffenlager entdeckt.
Der Vatikan gab bekannt, daß der katholische Bischof von Mostar in Jugoslawien , Pietro Cule, von den jugoslawischen Behörden aus der Gefangenschaft entlassen worden ist. Dies ist der erste Fall, daß ein zu Gefängnis verurteilter Bischof in Jugoslawien auf freien Fuß gesetzt wird.
Getulio Vargas , der bereits als sicherer Sieger der brasilianischen Präsidentschaftswahlen gilt, konnte nach der letzten Zwischenzählung seinen Vorsprung gegenüber dem nächsten Kandidaten verdoppeln.
Ein riesiges Tabaklsger ln Bethnne (Nord frankreich ), aus dessen Beständen 3M Millionen Zigaretten hätten angefertigt werden können, verbrannte vollständig. Uber 200 Feuerwehrleute waren mit dem Löschen des Brandes beschäftigt.
Die Philippinen -Issel Luzon wird gegenwärtig von riesigen Überschwemmungen heimgesucht. Uber 10 000 Familien sind bereits obdachlos geworden.
Ein großer Erdrutsch ereignete sich im Hafen von Drontheim (Norwegen ). Auf einer Breite von etwa 100 Metern stürzten etwa 10 000 cbm Erde In den Hafen und rissen Kaianlagen, Kräne, Maschinen, Eisenbahngeleise mit sich in« Wasser. 1
fassungen in der Frage der Länderpolizei und die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit nicht mit denen des Bundeskanzlers überemstirnmten. Sein Ausscheiden bedeutet immerhin einen Verlust für das Kabinett Die gerade Art und die hohe Auffassung von den Pflichten seines Amtes haben ihm das Vertrauen weiter Kreise gesichert. Dr. Heinemann hat als christlicher Mann und Politiker gehandelt und die Konsequenzen gezogen, als er glaubte, den Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, nicht mehr genügen zu können. Das verdient Achtung.
BONN . Bundeskanzler Dr. Adenauer erklärte am Montagabend, daß die Behauptung, die Bundesregierung führe Verhandlungen über eine Remilitarisierung Deutschlands , frei erfunden sei. „Ich habe das Bundesinnenminister Dr. Heinemann heute auch gesagt“, fügte Dr. Adenauer hinzu. Ueber den Nachfolger Dr. Heinemanns äußerte sich Dr. Adenauer nicht.
teln“ oder knappen Erzeugnissen Zusammenarbeiten wird. Die Alliierten werden die deutschen Stellen bei der Aufstellung der 30 000 Mann starken Bereitschaftspolizei soweit wie irgend möglich unterstützen.
Der Außenhandel mit gewissen Gütern soll aus Sicherheitsgründen noch weiterhin überwacht werden. In der Handelspolitik und im Devisenverkehr bleiben gewisse Kontrollen bestehen, bis sich die Bundesrepublik durch Beitritt zu den entsprechenden internationalen Verträgen und dem internationalen Währungsfonds selbst verpflichtet, die international gültigen Abmachungen in der Zoll-, Handelsund Devisenpolitik zu beachten. Eine gewisse Kontrolle bleibe noch bestehen, um ausländische Forderungen an Deutschland zu regeln. Die alliierte Kontrolle über die Verwendung von Geldern, Nahrungsmitteln und anderen Gütern wird aufgehoben. Die alliierten Entflechtungsmaßnahmen im Kohlenbergbau, in der Eisen- und Stahlindustrie, bei der IG-Farben , in der Filmindustrie und den Großbanken werden noch zu Ende geführt. Die Bundesregierung muß künftig durch eigene Dekartel- iisierungsgesetze das Entstehen neuer großer Kartelle und übermäßige Konzentration wirtschaftlicher Macht verhindern.
Frangois-Poncet wies darauf hin, daß die Sowjetunion nach wie vor versuchen wird, die Bundesrepublik „unter die sowjetische Version der Einheit zu zwingen und so einen neuen Satelliten Moskaus zu schaffen“. Das Problem, welche Rolle deutsche Kontingente in einer europäi schen Armee spielen sollten, bedürfe noch ernster Ueberlegungen. Neue deutsche Streitkräfte müßten auf jeden Fall von einem neuen Geist beseelt sein, der sich von dem der Wehrmacht völlig unterscheide. Frangois-Poncet warnte vor allzu aktiven antikommunistischen Jugendorganisationen. Auch die SA sei durch den „Kampf gegen die Ro^en“ volkstümlich geworden. Er bedauerte, daß die Bundesregierung keine größere moralische Autorität besitze und meinte, daß auch die Alliierten alles tun sollten, um sie darin zu stärken.
NEW YORK . Die UN -Vollversa.m/mlung nahm mit 47 gegen 5 Stimmen bei sieben Enthaltungen den Achtmächteplan für die Zuikunft Koreas an. Sie ermächtigte damit den UN -Öberkommandierenden, Ge neral MacArthur , die Ueberschredtung des 38. Breitengrades zur Verfolgung der nordkoreanischen Streitkräfte zu befehlen. Gegen diesen Antrag stimmte nur die Sowjetunion und die anderen Ostblockstaaten, während sich Indien , Aegypten , Saudi-Arabien , der Jemen , Jugoslawien , Indonesien und der Libanon der Stimme enthielten.
Bevor der Gesamtwortlaut des Antrages angenommen wurde, stimmte die Vollversammlung mit geringfügigen Unterschieden. in der Stimmenmehrheit folgenden Einzelbestimmungen des Achtmächte-Plans zu: 1. Zur Sicherung stabiler Verhältnisse in ganz Korea sind alle geeigneten Maßnahmen zu treffen. 2. Zur Bildung einer geeinten, unabhängigen und demokratischen Regierung in Korea sind alle konstituierenden Schritte, einschließlich von Wahlen unter UN -Aufsicht in die Wege zu leiten, 3. Alle Bevölkerungsschichten und Organisationen Nord- und Südkoreas sollen an der Wiederherstellung des Friedens, der Abhaltung von Wahlen und der Regierungsbildung mitarbeiten. 4. Die UN - Streitkräfte sollen nicht länger in irgendeinem Teil Koreas bleiben, als es zur Erreichung der Ziele dieses Planes notwendig ist 5. Zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Koreas sind alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. 6. Eine aus Vertretern Australiens , Chiles , Hollands , Pa kistans
, der Philippinen , der Türkei und Thailands bestehende neue Korea -Kommission der UN soll gebildet werden.
Ein sowjetischer Antrag auf Zurückziehung aller ausländischen Truppen aus Korea und anschließende Abhaltung freier Wahlen wurde anschließend von der Voll-
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Versammlung Punkt für Punkt mit 48 gegen 5 Stimmen bei 6 Enthaltungen ab- gedehnt.
In der Debatte hatte der sowjetische Delegierte Malik den Achtmächte-Plan als „völlig unannehmbar“ bezeichnet, weil er die völlige Besetzung Koreas vorsehe und nicht die friedliche Regelung des Koreakonfliktes fordere.
Die Südkoreaner in Wonsan
TOKIO. Südkoreanische Truppen 6ind in Wonsan , dem bedeutendsten Hafen an der Ostküste Nordkoreas , eingedrungen. Berichte, daß die Nordkoreaner von Won san aus Truppen in westlicher und nördlicher Richtung abziehen, deuten darauf hin, daß an eine energische Verteidigung des strategisch wichtigen Gebietes nicht gedacht wird.
Die Eroberung des wichtigsten Hafens Wonsan an der noncLcoreanischen Ostküste und der gleichzeitige Vorstoß von UN -Streitkräften über den Westabschnitt des 38. Breitengrades hat eine für die Nordkoreaner so aussichtslose Lage geschaffen, daß der amerikanische Generalstab mit einer baldigen Beendigung des Koreakrieges rechnet. Mit der Eroberung von Wonsan ist gleichzeitig die Hauptnachschublinie für Pjoengjang nbgeschnit- ten.
Die erste USA -Kavallerisdivision ist am Montagmorgen zum Angriff über den 38. Breitengrad angetreten. Der Angriff traf auf unerwarteten Widerstand. Panzerspitzen der angreifenden Division wurden von nordkoreanischen Verbänden angegriffen, die sich in feste Stellungen verschanzt hatten. Die Amerikaner wurden »vorn Gegner mit Artillerie- und Gra- natwerferfeuer bekämpft.
General McArthur richtete an die Nord- koreaner die Aufforderung, sich sofort zu ergeben, damit die Beschlüsse der Vollversammlung der Vereinten Nationen unverzüglich durchgeführt werden können. Sollte die nordkoreanische Regierung nicht sogleich antworten, so würden ohne weitere Verzögerung die erforderlichen militärischen Maßnahmen getroffen werden, um die Beschlüsse der UN durchzusetzen.
Und die Kosten ?
Von
Die Kosten für die Verstärkung der Besatzungstruppen sind ein Thema, das in Bonn immer stärker in den Vordergrund rückt Die deutschen und die alliierten Sachverständigen haben sich noch nicht darüber ausewiandergesetzt. Aber die Fronten beginnen sich allmählich abzuzeichnen. Bundesfinanzminister Dr. Schaffer rüstet sich, die Hohen Kommissare darauf aufmerksam zu machen, daß der Bundeshaushalt über keine Reserven verfügt. Mit anderen Worten: er enthält einen Betrag von rund viereinhalb Milliarden für Besatzungkosten. Was darüber hinaus erforderlich wird, kann nur durch neue Steuern aufgebracht werden, es sei denn, daß die Alliierten sich zu einer einschneidenden Kürzung der bisherigen Besatzungskosten verstehen.
Die Alliierten legen demgegenüber planmäßig immer stärker den Ton darauf, daß es sich nicht mehr um Besatzungs-, sondern um Sicherheitstruppen handele, die I sich auf deutschem Boden befinden. Ihr letztes Ziel ist offensichtlich der pauschale deutsche Verteidigungsbeitrag von 10 Prozent des Arbeitseinkommens, also etwa acht Milliarden D-iMark. Um dieses Betrages willen haben sich alle Beteiligten bereits an die Klagemaiuer begeben.
Auf deutscher Seite wiird angeführt, die Belastungen der Bundesrepublik durch Zerstörungen, Demontagen und das Flücht- lingsprobleim seien so ungewöhnlich, daß sie in irgendeiner Form auf den deutschen Beitrag angerechnet werden müßten. Diese deutsche Argumentation hat der britische Hochkommissar Sir Ivone Kiirckpatrick bereits zurückgewiesen. Er hat seinerseits eine Rechnung über die Kriegsopfer und -Verluste Großbritanniens aufgemacht, die er augenscheinlich für noch eindrucksvoller als die deutsche Rechnung hält. Aehn- liche Töne kann man in französischen Kreisen vernehmen. Es wird also ein heißes Ringen um die Frage einsetzen, wie viel die Bundesrepublik zunächst und wie viel sie am Ende mehr aufbringen soll als den bisherigen Betrag für die Besatzungskosten.
Sehr wahrscheinlich werden die deut schen Sachverständigen der Hohen Kommission sehr genau nachweisen, daß diese Besatzungskosten unverhältnismäßig hoch sind. Die Beweisführung fällt nicht schwer. Es gibt manchen Posten im Besatzungshaushalt, den eine sachgemäße Buchführung dort nicht verbuchen würde. Dazu kommt das Problem der alliierten Behörden in den Ländern, Kreisen und Kommunen. Die deutsche Auffassung geht dahin, daß sie weitgehend überflüssig geworden seien, um so mehr, als ihre Kontrollfunktion mit der Revision des Besatzungsstatutes automatisch hinfällig werden. Bisher hat es jedoch nicht den Anschein, als ob die Alliierten für dieses Argument besonders zugänglich wären, wenn auch zugegeben wird, daß die Besatzungskosten sehr gut Abstriche vertragen könnten.
Das allierte Hauptargument aber ist, daß die Verstärkung der Truppen in der Bundesrepublik nicht auf alliierte, sondern auf deutsche Initiative zurückgehe. Bundeskanzler Dr. Adenauer habe diese Truppen ja ausdrücklich aus Besorgnis um die Sicherheit der Bundesrepublik gewünscht, und es sei füglich nur recht und billig, wenn die Bundesrepublik, nachdem ihr Verlangen erfüllt sei, der Kostenfrage nicht auszuweichen versuche. Angesichts dieser Sachlage hat es den Anschein, als ob man eich in Kreisen der Bundesregierung grundsätzlich damit abgefunden habe, daß man den bitteren Kelch zusätzlicher Belastungen leeren muß und nur versuchen kann, so billig wie möglich davon, zu kommen. Aber auch in dieser Hinsicht machen sich ernste Leute keine großen Illusionen.
Unter diesen Umständen fragt man sich aber mit doppelter und dreifacher Eindringlichkeit, woher das Geld genommen werden soll. Die Sachverständigen in den Bundesministerien sind mit diesem Problem noch nicht offiziell befaßt worden. Aber es ist klar, daß sie sich bereits eingehende Gedanken machen. Daibei drängt sich mehr und mehr der Gedanke auf, daß die Lebenshaltung des einfachen Mannes nicht noch stärker belastet werden sollte. Man erörtert deshalb etwa die Möglidfc» keit einer zusätzlichen Umsatzsteuer von zwei Prozent auf Edle nicht lebenswichtigen Waren oder einer Exportabgabe, nicht zuletzt im Hinblick darauf, daß für gewisse deutsche Erzeugnisse die Auslandpreise erheblich über den Inlandpreisen liegen. Aber das alles sind, wie gesagt, zunächst nur Ueberlegungen, die noch in keiner Weise offiziellen Charakter angenommen haben. Sie mögen indessen zeigen, welche Risiken für den deutschen Steuerzahler im Schoß der Zukunft liegen.