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SUDKURIER

UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET

Erscheint Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Samstag. Bezug monatlich durch die Post 2.50 Mark, zuzögl.

Verlag und Redaktion Konstanz , Marktstätte 4 6. JAHRGANG * DIENSTAG 10. OKTOBER 1950 * NUMMER 122 38 Pf. Postzustellgebühr, durch Träger 2.30 Mark,

Telefon-Anschlüsse: Nr, 92«, 925, 1130, 1510, 1511. * zuzügl. 30 Pf. Trägerlohn — Einzelpreis 15 Pf.

Alarmzustand in Thüringen ?

BERLIN . Nach einer Meldung des West­berliner „Montags-Echo“ wurde am Sonn­tag die gesamte Volkspolizei Thüringens in Alarmstufe I versetzt. Die SED des Landes soll überlegen, wie sie den ständig an­wachsenden Abwehraktionen der Bevölke­rung gegen den Wahlterror begegnen kann. In Gera , Gotha , Weimar , Jena und Erfurt und in anderen Städten sollen viele Pla­kate geklebt und Flugblätter verteilt wor­den sein, die dazu auffordem, der Wahl am 15. Oktober fernzubleiben. Bei zahl­reichen Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und der Volkspolizei seien die Volkspolizisten wiederholt tätlich an­gegriffen worden.

Sonnenbäder gegen Gefängnisluft

U1DINE. Neun italienische Diplomaten, die jetzt nach sechsjähriger sowjetischer Gefangenschaft in ihre Heimat zurückge­kehrt sind, erklärten, die Sowjets hätten sie zu Sonnenbädern gezwungen, damit sie nicht allzu blaß aussähen. Die Diplomaten, denen die Sowjets verschiedene Kriegsver­brechen zur Last gelegt hatten, wurden drei Wochen vor ihrer Uebergabe an das italienische Konsulat in Wien in ein so­wjetisches Konzentrationslager in Oester­ reich gebracht. Sie mußten sich dort den ganzen Tag über der Sonne aussetzen, um eine „gesunde Hautfarbe“ zu bekommen.

Gold in den Schuhen

PARIS . Schmuggler sollen in den letz­ten drei Jahren insgesamt eine Tonne Gold in ihren Schuhen über die belgisch­französische Grenze gebracht haben. Grenzbeamte nahmen zwei Personen fest, idie 10 kg Gold in den doppelten Sohlen ihrer Schuhe verborgen hatten. Darauf konnten noch weitere sieben Personen verhaftet werden, die auf dem gleichen ungewöhnlichen Wege Gold über die Grenze geschmuggelt haben sollen. Von der internationalen Kriminalpolizeikom- mission wurde mitgeteilt, daß es sich um Mitglieder einer weitverzweigten fran­zösisch-belgischen Goldschmuggelorgani­sation handele.

Es blieb bei „Spucknapf"

RATZEBURG . Die Ratzeburger Stadt­vertreter hatten über den Namen eines kleinen Sees bei Ratzeburg zu entscheiden, der bisher im Volksmund allgemein „Bade­wanne" oder „Spucknapf“ genannt wurde. Nachdem mehrere „seriöse“ Vorschläge wie „Stadtsee“ oder „Mühlensee“ für das bisher amtlich namenlose Gewässer ge­macht worden waren, setzte sich schließ­lich ein SPD -Vertreter dafür ein, es beim „Spucknapf“ zu belassen. „Man soll dem Volk aufs Maul schauen“ sagte er mit Luther . Mit 13 gegen 4 Stimmen wurde dieser Vorschlag von den Ratsvertretern akzeptiert.

Kurz notiert

Im Durchgangslager Friedland bei Göttin­ gen trafen in den letzten 3 Tagen 700 Um­siedler aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie ein.

120 Volksdeutsche Kinder aus Jugoslawien haben die jugoslawisch-österreichische Grenze überschritten, um zu ihren Angehörigen nach Deutschland zurückzukehren.

Die württembergisch-badische Regierung hat dem Landtag vorgeschlagen, die Gemeinde­ratswahlen auf den 28. Januar 1951 anzu­setzen.

Der ehemalige Bundestagspräsident Dr. Erich Köhler wird aller Voraussicht nach ein überseeisches Konsulat übernehmen.

In München trafen 237 deutsche Nonnen der Kongregation „Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz“ ein, deren Kloster in Eger von tschechoslowakischen Behörden auf­gelöst wurde.

Mit 137 000 Besuchern wurde am Samstag ein neuer Tagesrekord auf der deutschen Industrie-Ausstellung in Berlin aufgesteiit.

Dr. Max Adenauer , der Sohn des deutschen Bundeskanzlers, ist in New York eingetrof­fen, um sich im Rahmen des amerikanischen Austauschprogramms über die Gemeindever­waltung in den Vereinigten Staaten zu unter­richten.

Eine Reihe von Geschädigten-Verbänden hat sich in Hannover zu einer Arbeitsgemein­schaft der Bombengeschädigten-Verbände des Bundesgebietes zusammengeschlossen.

Uber 600 leitende Funktionäre der SED sind bei der neuen großen Säuberungsaktion aus der Fartei ausgeschlossen oder zum Rücktritt gezwungen worden.

Eine Demonstration von rund 1300 FDJ - Angehöfigen wurde in Dinslaken (Nieder­ rhein ) von der Polizei aufgelöst, 55 Demon­stranten wurden verhaftet.

Das Spruchkammer-Verfahren gegen den ehemaligen Reichsaußenminister Konstantin von Neurath ist von der Zentralspruchkam­mer Stuttgart so lange ausgesetzt worden, bis der Betroffene persönlich vor der Spruch­kammer erscheinen kann.

McCloy hat angeordnet, daß 11 frühere Wehrmachtkasernen, die z. Z. von heimatlosen Ausländern bewohnt werden, bis zum No­vember geräumt werden müssen.

Der Deutsch-Amerikaner Norbert Römann, der nach 25jähr!ger Abwesenheit aus den USA gekommen war, um seinen Bruder in Lohne (Niedersachsen ) zu besuchen, wurde von einem Lastwagen tödlich überfahren.

Mehr Freiheit geboten - Sicherheit gefordert

Zonengrenzen fallen — Gemeinschaftliche Verteidigungsinteressen bedingen engere Zusammenarbeit

FRANKFURT . Hohe Beamte der west­lichen Besatzungsmächte kündigten in Frankfurt den Beginn eines neuen Ab­schnittes der alliierten Besatzungspolitik in Deutschland an. Der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy teilte mit, daß im Zusammenhang mit der bevor­stehenden Verstärkung der alliierten Trup­pen in der Bundesrepublik die Zonen­grenzen zwischen den drei westlichen Be* eatzungsgebieten endgültig fortfaiien wer­den. Der französische Hohe Kommissar Frangois-Poncet legte dar, daß die Alli­ierten angesichts der gegenwärtigen inter­nationalen Lage Deutschland , früher als ursprünglich vorgesehen, ein größeres Maß von Freiheit und Unabhängigkeit einräumen und gemäß den New Yorker Außenministerbeschlüssen das Besatzungs­statut entsprechend abändern müssen.

Konkrete Einzelheiten des „neuen Ab­

schnitts der Besetzung“ gab der stellver­tretende amerikanische Hohe Kommissar George P. Hays bekannt. Danach soll die Bundesregierung den Alliierten gewisse Sicherheiten geben, nach deren Vorliegen die Besatzungsmächte die bisher ausgeüb­ten Kontrollen Zug um Zug aufgeben oder weitgehend einschränken werden. Die Bundesregierung müsse im Rahmen ihrer Möglichkeiten die deutschen Aus­landsschulden der Vorkriegszeit und die nach dem Kriege entstandenen wirtschaft­lichen Verbindlichkeiten übernehmen. Zu klären sei, welche Verträge des ehemali­gen Deutschen Reiches jetzt für die Bun­desrepublik wieder in Kraft gesetzt wer­den sollen.

Die Bundesregierung müsse ferner zu- sichem, „daß sie mit den Westmächten in der unparteiischen und gerechten Zutei­lung von gemeinsamen Verteidigungsmit-

Innenminister Heinemann tritt zurück

Meinungsverschiedenheiten mit Adenauer Aber Remilitarisierung

BONN . Bundesinnenminister Dr. Gustav Heinemann hat seinen Rücktritt erklärt Zwischen Dr. Adenauer und Dr. Heine mann hat am Montag eine einstündige Aussprache stattgefunden, in der Heine­ mann dem Bundeskanzler ein elf Seiten langes Schreiben mit den Gründen für seinen Rüdetritt vorlegte. Daraufhin hat Dr. Adenauer dem Bundesinnenminister gesagt, daß er Bundespräsident Professor Dr. Heuß Vorschlägen will, dem Rücktritts­gesuch Dr. Heinemanns zuzustimmen. Gleichzeitig hat der Bundeskanzler dem Minister für seine Mitarbeit in der Bundes­regierung gedankt.

Wie Dr. Heinemann erklärte, beziehen sich die größten Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und de^a-JC analer auf die deutsche Teilnahme an einer westeuro­päischen militärischen Verteidigungsgemein- sdiaft. Dr. Hetnemenn ist der Ansicht, daß die Bundesregierung hierüber erst dann ent­scheiden sollte, wenn von. seiten der west­lichen Mächte konkrete Angaben gemacht worden seien. Das deutsche Volk sei nach dem letzten Krieg heute durchaus noch nicht wieder bereit, einer Wiederaufrüstung zu­zustimmen. Dr. Heinemann kündigte wei tere Erklärungen für die nächsten Tage an. *

SK. Der Rüdetritt des Bundesinnenmini­sters kommt nicht überraschend, nachdem bekannt geworden war, daß seine Auf-

Auf dem schrankenlosen Bahnübergang bei Jesberg (Landkreis Ziegenheim) wurde ein Lieferwagen von einem Zug erfaßt und 140 m mifgesehleift. Die vier Insassen des Wagens waren sofort tot.

Eine Halle des Blechwalzwerkes der Rhei­nischen Röhrenwerke in Mülheim an der Ruhr ist aus noch nicht geklärter Ursache eingestürzt. Die in der Halle beschäftigten Arbeiter konnten sich im letzten Augenblick retten.

Uber 1000 Flugzeuge von 6 Nationen neh­men an den Luftmanövern von Großbritan­ nien teil, die am Samstag begannen.

Ein italienisches Verkehrsflugzeug landete in Rom , nachdem es die Flugstrecke New York —Rom ohne Zwischenlandung in 15 Stunden 4 Minuten zurückgelegt hatte.

Der österreichische Aaßenminister Dr. Gro­ber traf in New York ein, um über die Um­wandlung der alliierten Militärverwaltung in Österreich in eine Zivilverwaltung zu ver­bandein.

Vier tschechoslowakiiche ehemalige Ange­stellte des amerikanischen Konsulats in Prag wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten im Juni versucht, nach West­ deutschland zu fliehen, wurden aber an der Grenze festgenommen.

Die italienische Polizei hat in den Fiat- Werken bei Turin ein neues geheimes Waf­fenlager entdeckt.

Der Vatikan gab bekannt, daß der katho­lische Bischof von Mostar in Jugoslawien , Pietro Cule, von den jugoslawischen Behör­den aus der Gefangenschaft entlassen worden ist. Dies ist der erste Fall, daß ein zu Ge­fängnis verurteilter Bischof in Jugoslawien auf freien Fuß gesetzt wird.

Getulio Vargas , der bereits als sicherer Sieger der brasilianischen Präsidentschafts­wahlen gilt, konnte nach der letzten Zwi­schenzählung seinen Vorsprung gegenüber dem nächsten Kandidaten verdoppeln.

Ein riesiges Tabaklsger ln Bethnne (Nord­ frankreich ), aus dessen Beständen 3M Mil­lionen Zigaretten hätten angefertigt werden können, verbrannte vollständig. Uber 200 Feuerwehrleute waren mit dem Löschen des Brandes beschäftigt.

Die Philippinen -Issel Luzon wird gegen­wärtig von riesigen Überschwemmungen heimgesucht. Uber 10 000 Familien sind be­reits obdachlos geworden.

Ein großer Erdrutsch ereignete sich im Hafen von Drontheim (Norwegen ). Auf einer Breite von etwa 100 Metern stürzten etwa 10 000 cbm Erde In den Hafen und rissen Kaianlagen, Kräne, Maschinen, Eisenbahn­geleise mit sich in« Wasser. 1

fassungen in der Frage der Länderpolizei und die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit nicht mit denen des Bundes­kanzlers überemstirnmten. Sein Ausschei­den bedeutet immerhin einen Verlust für das Kabinett Die gerade Art und die hohe Auffassung von den Pflich­ten seines Amtes haben ihm das Vertrauen weiter Kreise gesichert. Dr. Heinemann hat als christlicher Mann und Politiker gehandelt und die Konsequenzen gezogen, als er glaubte, den Anforderun­gen, die an ihn gestellt wurden, nicht mehr genügen zu können. Das verdient Achtung.

Adenauer äußert sich

BONN . Bundeskanzler Dr. Adenauer erklärte am Montagabend, daß die Be­hauptung, die Bundesregierung führe Ver­handlungen über eine Remilitarisierung Deutschlands , frei erfunden sei. „Ich habe das Bundesinnenminister Dr. Heinemann heute auch gesagt“, fügte Dr. Adenauer hinzu. Ueber den Nachfolger Dr. Heine­manns äußerte sich Dr. Adenauer nicht.

teln“ oder knappen Erzeugnissen Zusam­menarbeiten wird. Die Alliierten werden die deutschen Stellen bei der Aufstellung der 30 000 Mann starken Bereitschafts­polizei soweit wie irgend möglich unter­stützen.

Der Außenhandel mit gewissen Gütern soll aus Sicherheitsgründen noch weiter­hin überwacht werden. In der Handels­politik und im Devisenverkehr bleiben gewisse Kontrollen bestehen, bis sich die Bundesrepublik durch Beitritt zu den ent­sprechenden internationalen Verträgen und dem internationalen Währungsfonds selbst verpflichtet, die international gülti­gen Abmachungen in der Zoll-, Handels­und Devisenpolitik zu beachten. Eine ge­wisse Kontrolle bleibe noch bestehen, um ausländische Forderungen an Deutschland zu regeln. Die alliierte Kontrolle über die Verwendung von Geldern, Nahrungsmit­teln und anderen Gütern wird aufgehoben. Die alliierten Entflechtungsmaßnahmen im Kohlenbergbau, in der Eisen- und Stahl­industrie, bei der IG-Farben , in der Film­industrie und den Großbanken werden noch zu Ende geführt. Die Bundesregie­rung muß künftig durch eigene Dekartel- iisierungsgesetze das Entstehen neuer großer Kartelle und übermäßige Konzen­tration wirtschaftlicher Macht verhindern.

Frangois-Poncet wies darauf hin, daß die Sowjetunion nach wie vor versuchen wird, die Bundesrepublik „unter die so­wjetische Version der Einheit zu zwingen und so einen neuen Satelliten Moskaus zu schaffen“. Das Problem, welche Rolle deutsche Kontingente in einer europäi­ schen Armee spielen sollten, bedürfe noch ernster Ueberlegungen. Neue deutsche Streitkräfte müßten auf jeden Fall von einem neuen Geist beseelt sein, der sich von dem der Wehrmacht völlig unter­scheide. Frangois-Poncet warnte vor allzu aktiven antikommunistischen Jugendor­ganisationen. Auch die SA sei durch den „Kampf gegen die Ro^en“ volkstümlich ge­worden. Er bedauerte, daß die Bundes­regierung keine größere moralische Auto­rität besitze und meinte, daß auch die Alliierten alles tun sollten, um sie darin zu stärken.

Mac Arthur kämpft in Nordkorea

Beschluß der UN-Vollversammlung — Ganz Korea soll frei wählen

NEW YORK . Die UN -Vollversa.m/mlung nahm mit 47 gegen 5 Stimmen bei sieben Enthaltungen den Achtmächteplan für die Zuikunft Koreas an. Sie ermächtigte da­mit den UN -Öberkommandierenden, Ge­ neral MacArthur , die Ueberschredtung des 38. Breitengrades zur Verfolgung der nordkoreanischen Streitkräfte zu befeh­len. Gegen diesen Antrag stimmte nur die Sowjetunion und die anderen Ostblock­staaten, während sich Indien , Aegypten , Saudi-Arabien , der Jemen , Jugoslawien , Indonesien und der Libanon der Stimme enthielten.

Bevor der Gesamtwortlaut des Antrages angenommen wurde, stimmte die Vollver­sammlung mit geringfügigen Unterschie­den. in der Stimmenmehrheit folgenden Einzelbestimmungen des Achtmächte-Plans zu: 1. Zur Sicherung stabiler Verhältnisse in ganz Korea sind alle geeigneten Maß­nahmen zu treffen. 2. Zur Bildung einer geeinten, unabhängigen und demokrati­schen Regierung in Korea sind alle kon­stituierenden Schritte, einschließlich von Wahlen unter UN -Aufsicht in die Wege zu leiten, 3. Alle Bevölkerungsschichten und Organisationen Nord- und Südkoreas sollen an der Wiederherstellung des Frie­dens, der Abhaltung von Wahlen und der Regierungsbildung mitarbeiten. 4. Die UN - Streitkräfte sollen nicht länger in irgend­einem Teil Koreas bleiben, als es zur Er­reichung der Ziele dieses Planes notwen­dig ist 5. Zum wirtschaftlichen Wieder­aufbau Koreas sind alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. 6. Eine aus Ver­tretern Australiens , Chiles , Hollands , Pa­ kistans

, der Philippinen , der Türkei und Thailands bestehende neue Korea -Kom­mission der UN soll gebildet werden.

Ein sowjetischer Antrag auf Zurückzie­hung aller ausländischen Truppen aus Korea und anschließende Abhaltung freier Wahlen wurde anschließend von der Voll-

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Versammlung Punkt für Punkt mit 48 gegen 5 Stimmen bei 6 Enthaltungen ab- gedehnt.

In der Debatte hatte der sowjetische Delegierte Malik den Achtmächte-Plan als „völlig unannehmbar“ bezeichnet, weil er die völlige Besetzung Koreas vorsehe und nicht die friedliche Regelung des Koreakonfliktes fordere.

Die Südkoreaner in Wonsan

TOKIO. Südkoreanische Truppen 6ind in Wonsan , dem bedeutendsten Hafen an der Ostküste Nordkoreas , eingedrungen. Berichte, daß die Nordkoreaner von Won­ san aus Truppen in westlicher und nörd­licher Richtung abziehen, deuten darauf hin, daß an eine energische Verteidigung des strategisch wichtigen Gebietes nicht gedacht wird.

Die Eroberung des wichtigsten Hafens Wonsan an der noncLcoreanischen Ost­küste und der gleichzeitige Vorstoß von UN -Streitkräften über den Westabschnitt des 38. Breitengrades hat eine für die Nordkoreaner so aussichtslose Lage ge­schaffen, daß der amerikanische General­stab mit einer baldigen Beendigung des Koreakrieges rechnet. Mit der Eroberung von Wonsan ist gleichzeitig die Haupt­nachschublinie für Pjoengjang nbgeschnit- ten.

Die erste USA -Kavallerisdivision ist am Montagmorgen zum Angriff über den 38. Breitengrad angetreten. Der Angriff traf auf unerwarteten Widerstand. Pan­zerspitzen der angreifenden Division wurden von nordkoreanischen Verbänden angegriffen, die sich in feste Stellungen verschanzt hatten. Die Amerikaner wur­den »vorn Gegner mit Artillerie- und Gra- natwerferfeuer bekämpft.

General McArthur richtete an die Nord- koreaner die Aufforderung, sich sofort zu ergeben, damit die Beschlüsse der Voll­versammlung der Vereinten Nationen un­verzüglich durchgeführt werden können. Sollte die nordkoreanische Regierung nicht sogleich antworten, so würden ohne weitere Verzögerung die erforderlichen militärischen Maßnahmen getroffen wer­den, um die Beschlüsse der UN durch­zusetzen.

Und die Kosten ?

Von

unserem Bonner Mitarbeiter

Die Kosten für die Verstärkung der Be­satzungstruppen sind ein Thema, das in Bonn immer stärker in den Vordergrund rückt Die deutschen und die alliierten Sachverständigen haben sich noch nicht darüber ausewiandergesetzt. Aber die Fronten beginnen sich allmählich abzu­zeichnen. Bundesfinanzminister Dr. Schaf­fer rüstet sich, die Hohen Kommissare darauf aufmerksam zu machen, daß der Bundeshaushalt über keine Reserven ver­fügt. Mit anderen Worten: er enthält einen Betrag von rund viereinhalb Milliar­den für Besatzungkosten. Was darüber hinaus erforderlich wird, kann nur durch neue Steuern aufgebracht werden, es sei denn, daß die Alliierten sich zu einer ein­schneidenden Kürzung der bisherigen Be­satzungskosten verstehen.

Die Alliierten legen demgegenüber plan­mäßig immer stärker den Ton darauf, daß es sich nicht mehr um Besatzungs-, son­dern um Sicherheitstruppen handele, die I sich auf deutschem Boden befinden. Ihr letztes Ziel ist offensichtlich der pauschale deutsche Verteidigungsbeitrag von 10 Pro­zent des Arbeitseinkommens, also etwa acht Milliarden D-iMark. Um dieses Be­trages willen haben sich alle Beteiligten bereits an die Klagemaiuer begeben.

Auf deutscher Seite wiird angeführt, die Belastungen der Bundesrepublik durch Zerstörungen, Demontagen und das Flücht- lingsprobleim seien so ungewöhnlich, daß sie in irgendeiner Form auf den deutschen Beitrag angerechnet werden müßten. Diese deutsche Argumentation hat der britische Hochkommissar Sir Ivone Kiirckpatrick bereits zurückgewiesen. Er hat seinerseits eine Rechnung über die Kriegsopfer und -Verluste Großbritanniens aufgemacht, die er augenscheinlich für noch eindrucksvol­ler als die deutsche Rechnung hält. Aehn- liche Töne kann man in französischen Kreisen vernehmen. Es wird also ein hei­ßes Ringen um die Frage einsetzen, wie viel die Bundesrepublik zunächst und wie viel sie am Ende mehr aufbringen soll als den bisherigen Betrag für die Besat­zungskosten.

Sehr wahrscheinlich werden die deut­ schen Sachverständigen der Hohen Kom­mission sehr genau nachweisen, daß diese Besatzungskosten unverhältnismäßig hoch sind. Die Beweisführung fällt nicht schwer. Es gibt manchen Posten im Be­satzungshaushalt, den eine sachgemäße Buchführung dort nicht verbuchen würde. Dazu kommt das Problem der alliierten Behörden in den Ländern, Kreisen und Kommunen. Die deutsche Auffassung geht dahin, daß sie weitgehend überflüssig geworden seien, um so mehr, als ihre Kontrollfunktion mit der Revision des Besatzungsstatutes automatisch hinfällig werden. Bisher hat es jedoch nicht den Anschein, als ob die Alliierten für dieses Argument besonders zugänglich wären, wenn auch zugegeben wird, daß die Be­satzungskosten sehr gut Abstriche ver­tragen könnten.

Das allierte Hauptargument aber ist, daß die Verstärkung der Truppen in der Bundesrepublik nicht auf alliierte, son­dern auf deutsche Initiative zurückgehe. Bundeskanzler Dr. Adenauer habe diese Truppen ja ausdrücklich aus Besorgnis um die Sicherheit der Bundesrepublik ge­wünscht, und es sei füglich nur recht und billig, wenn die Bundesrepublik, nachdem ihr Verlangen erfüllt sei, der Kostenfrage nicht auszuweichen versuche. Angesichts dieser Sachlage hat es den Anschein, als ob man eich in Kreisen der Bundesregierung grundsätzlich damit abgefunden habe, daß man den bitteren Kelch zusätzlicher Be­lastungen leeren muß und nur versuchen kann, so billig wie möglich davon, zu kom­men. Aber auch in dieser Hinsicht ma­chen sich ernste Leute keine großen Illusionen.

Unter diesen Umständen fragt man sich aber mit doppelter und dreifacher Ein­dringlichkeit, woher das Geld genommen werden soll. Die Sachverständigen in den Bundesministerien sind mit diesem Pro­blem noch nicht offiziell befaßt worden. Aber es ist klar, daß sie sich bereits ein­gehende Gedanken machen. Daibei drängt sich mehr und mehr der Gedanke auf, daß die Lebenshaltung des einfachen Mannes nicht noch stärker belastet werden sollte. Man erörtert deshalb etwa die Möglidfc» keit einer zusätzlichen Umsatzsteuer von zwei Prozent auf Edle nicht lebenswich­tigen Waren oder einer Exportabgabe, nicht zuletzt im Hinblick darauf, daß für gewisse deutsche Erzeugnisse die Aus­landpreise erheblich über den Inlandprei­sen liegen. Aber das alles sind, wie ge­sagt, zunächst nur Ueberlegungen, die noch in keiner Weise offiziellen Charakter angenommen haben. Sie mögen indessen zeigen, welche Risiken für den deutschen Steuerzahler im Schoß der Zukunft liegen.