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SÜDKURIER
UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET
Erscheint Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Samstag. Verlag und Redaktion Konstanz , Marktstätte 4 Telefon-Anschlüsse: Nr. »24, »25, 1120, 1510, 1511.
6. JAHRGANG
DONNERSTAG 2. NOVEMBER 1950
NUMMER 135
Bezug monatlich durch die Post 2.50 Mark;, zuzügl. 36 Pf. Postzustellgebühr, durch Träger 2.30 Mark, zuzügl. 30 Pf. Trägerlohn — Einzelpreis 15 Pf.
Geläute für die Gefallenen
ROVERETO . Die Glocke von Rovereto wird am Allerseelentag (2. November), um 20.23 Uhr, für die Gefallenen der ganzen Welt läuten. Das Läuten wird von vielen Rundfunksendern übertragen werden. Die Glocke von Rovereto (Südtirol ) Ist die größte Italiens und wurde nach dem ersten Weltkrieg aus Spenden aller Nationen für die Gefallenen gegossen. Auf dem Mantel der Glocke sind für die deutschen Gefallenen die Noten des Liedes vom guten Kameraden eingraviert.
G. B. Shaw liegt im Sterben
AJOT-ST. LAWRENCE. Bemard Shaw Ist Anfang der Woche schwer erkrankt. Sein Zustand verschlimmerte sich zusehends, so daß er jetart mit dem Tode ringt. Am Mittwochabend wurden von der angli kanischen Kirche die Sterbegebete gesprochen.
29 Tot« bei Flugzeugabsturz
LONDON . 29 Personen sind beim Absturz einer britischen Viking-Verkehrs- maschine auf dem Londoner Flughafen ums Leben gekommen. Unter den beiden einzigen Ueberlebenden befindet sich die Stewardeß des Flugzeuges. Das Unglück ereignete sich, als die von Paris kommende Maschine zum Landen ansetzen wollte. Die Sicht war durch starken Nebel außerordentlich behindert. Das Flugzeug ging sofort in Flammen auf, die von den sofort herbeieilenden Feuerlöschkomman- dös nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten.
Wagemutiger Ozeantahrer
LONDON . Völlig erschöpft und mit einer gebrochenen Rippe traf der britische Schiffsarchitekt Edward Allcard dieser Tage nach einer zweieinhalbmonatigen, abenteuerlichen Fahrt von New York durch den Atlantik in Hora auf den Azo ren ein. Seine zehn Meter lange Jolle „Temtress“ hatte unterwegs einen Mast, ein kleines Rettungsboot und den Kompaß verloren. Die Ueberfahrt war so anstrengend, daß AUcard seit seiner Abreise aus New York 24 Pfund abgenommen hat.
Monarchen kommen nach Stockholm STOCKHOLM
. Zu der Beisetzung des am Sonntag gestorbenen schwedischen Königs Gustaf V. aun 9. November werden König Haakon und Kronprinz Olav von Norwegen, sowie das dänische Kö- nigspaar erscheinen. Der englische Hof wird durch den Bruder des Königs, den Herzog von Gloucester und durch Lord Mountbatten vertreten sein.
Zu den weiteren Trauergästen, mit deren eventuellem Erscheinen in der schwedischen Hauptstadt gerechnet wird, zählen König Leopold von Belgien, Exkönig Michael von Rumänien , der frühere deutsche Kronprinz Wilhelm und der finnisch« Staatspräsident Paasikivt Frankreich entsendet ein Regierungsmitglied. Aus Nizza kommt eine besondere Abordnung, da König Gustaf in jedem Jahr als Kurgast ln der Stadt weilte.
Soll Volk über Remilitarisierung entscheiden ? Mehr als ’ e zuvor
C5 Von
Schumacher und Niemöller für Auflösung des Bundestages — Bedenken der Regierungsparteien
BONN . (W.-Eigenbericht.) Gut unterrichtete Kreise in der Bundeshauptstadt glauben, daß in der Auseinandersetzung zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer auf der einen Seite und dem früheren Bundesminister Dr. Heinemann und seinem Freund Niemöller auf der anderen Seite noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Es ist aufmerksam wahrgenommen worden, daß die siebenstündige Unterredung, die Niemöller in Darmstadt mit dem SPD - Vorsitzenden Dr. Schumacher hatte, sogar das Bundeskabinett beschäftigt hat. Dabei scheint es Regierungskreisen von besonderer Bedeutung, daß Schumacher und Niemöller sich mit der gemeinsamen Forderung nach Neuwahlen für den Bundestag vor einer Entscheidung über die Wiederaufrüstung zu einem vereinten taktischen Vorgehen gefunden haben.
Von gut unterrichteter Seite wird angedeutet, daß möglicherweise eine innenpolitische Ueberaschung bevorstehe, deren Charakter aber nicht näher bezeichnet wird. Sicher scheint nur, daß die SPD die in einigen Ländern bevorstehenden Wahlkämpfe mit der — wenigstens moralischen — Unterstützung der protestantischen „bekennenden Kirche“ unter der Parole „Remilitarisierung ja — oder nein?“, führen wird. So unbequem diese
Parole schon für die bürgerlichen Parteien wäre, nimmt man doch an, daß sich die SPD hiermit keineswegs zufrieden geben würde, sondern im Anschluß an die Landtagswahlen unter Hinweis auf ihre (erhofften) Erfolge erneut die Auflösung des Bundestages verlangen wird. Jedenfalls weisen die Ausführungen, die Dr. Schumacher am Mittwoch vor der SPD - Fraktion des Bundestages gemacht hat, in diese Richtung.
Die Regierungsparteien stehen all diesen Bestrebungen feindlich gegenüber und führen eine Reihe guter Gründe an. Sie wissen zwar, daß das Argument, eine Auflösung des Bundestages sei im Grundgesetz nicht vorgesehen, nicht sehr zugkräftig wirkt bei der Bevölkerung, die noch kein rechtes Verhältnis zur Verfassung gewonnen hat. Stattdessen weisen sie aber mit großem Ernst auf die Gefahren hin, die jede Wahl oder Volksbefragung unter der Parole der Wiederbewaffnung heraufbeschwören würde. Gewinnen könnten bei dieser Gelegenheit, wie von CDU -Seite wiederholt zum Ausdruck gebracht worden ist, nur die Kommunisten mit ihren Friedensschalmeien und die Rechtsradikalen mit den Fanfaren des Nationalismus. „Im Grunde genommen“, heißt e* im Pressedienst der CDU/CSU ,
BERLIN . (AG.-iEigehbericht.) Seit dem 28. Oktober 1950 ist im sowjetischen Sektor von Berlin der Begriff des Privateigentums aufgehoben worden. Häuser, Grundstücke, Betriebe, Fahrzeuge, Haus- haltsgegenstände können künftig einem anderen durch Verwaltungsbescheid als Eigentum übertragen werden. Die „Rechtsgrundlage 1 hat sich die Verwaltung des sowjetischen Sektors in einer kürzlich erlassenen Verordnung über Anforderungen für den Wirtschaftsaufbau geschaffen. In der Verordnung heißt es, daß jeder Eigentümer oder Besitzer einer Sache aufgefordert werden kann, alle in seinem Besitz befindlichen oder seiner Verfügung unterstehenden Gegenstände einem anderen zu überlassen. Auch die Verlegung eines Betriebes an einen anderen Ort kann nach dieser Verordnung gefordert werden. Das gleiche gilt für die im Dienste des Betroffenen stehenden Arbeiter und Angestellten. Die Weiterführung und Erweiterung bestehender Wirtschaftsbetriebe, sowie die Neuerrichtung können verboten werden. Für alle Zweige der Wirtschaft kann man mit Hilfe dieser Anordnung Herstellungsverbote, Beförderungs- und Handelsein- schränkungen erlassen.
Die Möglichkeiten der Vermögens- und Besitzöbertragung gehen weit über das Reichsleistungsgesetz aus der Hitlerzeit
hinaus, das bis zum 28. Oktober ds. Js. im Sowjetsektor noch Gültigkeit hatte. Man glaubt, daß sich der Ostberliner Stadtsowjet auf diese Weise eine neue Basis für zu erwartende große Enteignten, gen geschaffen hat
„Krieg war nicht zu gewinnen*
BRÜSSEL. Der frühere Militärgouver- neur in Belgien , Alexander von Falken- haueen, sagte vor dem Militärgericht in Brüssel aus, es sei ihm immer klar gewesen, daß der Krieg nicht zu gewinnen war. Deshalb sei er von Anfang an bestrebt gewesen, das nationalsozialistische Regime zu stürzen. Er könnte heute beweisen, wie man den Krieg hätte gewinnen können. Es sei aber gut zu wissen, daß ein militärischer Sieg nie einen wahren Frieden schaffe. „Ich habe jedoch nie die Idee gehabt“, sagte Falkenhausen, „meinem Volk eine Niederlage zu wünschen. Im Gegenteil, ich wallte eine Niederlage verhindern. Ich war mir darüber klar, daß, wenn wir den Krieg verlieren, eg furchtbar sein wird. Wenn er jedoch gewonnen worden wäre, wäre es unerträglich geworden.“
„würde sich gegen heute nichts ändern, als daß dieses Volk, das der Ruhe so dringend bedürftig ist, bis ins tiefste aufgewühlt und erregt wird.“
McCloy und die deutsche Jugend
FRANKFURT . Vor Uniiversitätsrektoren aus der Bundesrepublik und alliierten Er- zäehungs sachverständigen versicherte der amerikanische Hohe Kommissar MoCloy: „Solange ich in Deutschland sein werde, wird mein Hauptbestreben der deutschen Jugend gelten“. McCloy wies darauf hin, daß das amerikanische Hohe Kommissariat außer den für das Erziehungs- und Austauschprogramm zur Verfügung gestellten Mitteln bereits vier Millionen Mark für Studentenheime, Unterkünfte und Herbergen der Universitäten im Bundesgebiet und in Berlin ausgegeben hat. Für Bücher, Bibliothekausstattungen und ähnliche Dinge seien von amerikanischer Seite bisher drei Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden. Diese Beträge seien jedoch im Vergleich zu dem Bedarf gering. Es müsse alles mögliche versucht werden, um aus deutschen Quellen mehr Geld für die Universitäten zu erhalten.
Heuß verlangt strenge Untersuchung
BONN . (W.-Edgenbericbt.) Auf besonderen Wunsch des Bundespnäßddenten, Prof. Theodor Heuß , soll streng untersucht werden, ab die Fragebogen der Volkszählung für Zwecke der Finanz- und Wohnungsämter mißbraucht worden sind. Prof. Heuß hat sich mit dieser Bitte an Bundesmnen- minister, Dr. Lehr, gewandt, weil er selbst vor der Volkszählung in einer Rundfunkansprache versichert hatte, die Angaben auf den Fragebogen würden ausschließlich zu statistischen Zwecken benutzt, so daß jedermann den Fragebogen ohne Sorge mit den richtigen Angaben ausfüllen könne. In den letzten Tagen war aber vor allem aus Südwestdeutschland berichtet worden, unter der Bevölkerung herrsche große Beunruhigung, weil die Fragebogen in einzelnen Orten in die Hände der Finanz- und Wohnungsämter gelangt seien.
Ein neuer Mißbrauch
ROTHENBURG o. d. T. In Rothenburg o. d. T. wurden die Volkszählungslisten zur finanzbehördli-chen Auswertung eingesehen. Das ist nach Eßlingen , Ludwigs burg und Braunschweig die vierte Stadt, von der das bekannt wurde. Der Leiter der Volkszählungsaktion der Stadt Ro thenburg , Fritz Deissenberger, erklärte dazu, daß — wie auch in den anderen Städten — die sogenannten „Pendler“, die in Rothenburg wohnen und außerhalb arbeiten, auf diese Weise festgestellt werden sollten.
Angemessener Beitrag zur Verteidigung
Premierminister Attlee über die Beteiligung der deutschen Bundesrepublik
Kurz notiert
Bundespr&sldent Heuß hat den hannoverischen Landesbischof Dr. Hans Lilie empfangen. Es wurden kirchliche und politische Fragen besprochen.
Der neuemannte spanische Missionschef in Bonn , Antonio Maria Aguirre, stattete Bundeskanzler Dr. Adenauer seinen ersten Besuch ab.
Der bisherige stellvertretende Leiter des Bundespresseamtes Dr. Box, ist ans seiner bisherigen Tätigkeit ausgeschieden und in den Auswärtigen Dienst eingetreten. Als neuer Letter der Anslandspressestelle amtiert der frühere Botschaftsrat Dr. Frlts von Twardowsky.
Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde der Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der Bayernpartei , Dr. Falkner, auf dem Münchner Ostfriedhof beigesetzt.
Der frühere deutsche Reichskanzler Frans von Papen traf auf einer Pilgerreise nun Heiligen Jahr tat Rom ein.
Die Bundesregierung hat beschlossen, den ZoRgreosschati zur besseren Bekämpfung des Warenschmuggels um 12M auf 33 074 Mann zu verstärken.
Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm hat in Verhandlungen mit der alliierten Hohen Kommission durchgesetzt, daS der Militärflughafen Wahn bei K51n deutscher Zivil- Sughsfen wird.
Dm bisherige leitende technische Direktor des volkseigenen Stahlwerkes Maxhütte in DuterweUenborn (Thüringen ) Herbert Sed- laesek traf als politischer Flüchtling mit seiner Familie aus Berlin kommend auf dem Rhein -Matn-Flughafen in Frankfurt/Main ein.
In mehreren Orten des Landes Branden burg wurden ln den letzten Tagen wieder Facharbeiter in die Sowjetunion verpflichtet.
Die letzten 11 Insassen des Arbeitslagers für ehemalige Nationalsozialisten in Dann stadt sind vorzeitig entlassen worden.
Auf der Zeche „Rosenbiumendelle“ inMüll- hcim-Heißen verunglückten zwei Bergleute durch Einatmen von SchieSschwaden. Fünf andere Bergleute erlitten leichte Gasvergiftungen.
Auf der stark abschüssigen Straße bei Msder-Ohn (Hessen ) stürzte ein Lastwagen
mit einer Fußballmannschaft eine t Meter ' hohe Böschung hinunter. Vier Insassen, darunter ein zehnjähriger Junge, wurden getötet, 14 schwer verletzt.
Ein Paket mit 85 lebenden Schlangen wurde in München aus einem parkenden Auto gestohlen. In dem Paket befanden sich auch sehr gefährliche südamerikanische Giftschlangen. Ueber den Rundfunk ist die Bevölkerung zur Vorsicht gemahnt worden.
Der erste politische Ausschuß der UN -Vollversammlung hat den sowjetischen Vier- Punkte-Friedensplan, der unter anderem die Aechtung der Atombombe vorsieht, abgelehnt.
Der zweite politische Ausschuß der UN - Vollversammlnng beschloß mit 37 gegen 1* Stimmen bei 13 Enthaltungen der UN -Voll- versammlung die Aufhebung des diplomatischen Boykotts gegen Franko-Spanien zn empfehlen.
Die USA -Regiernng erwägt, wie aus Prag verlautet, die Zurückziehung ihres Botschafters und seine Ersetzung durch einen Geschäftsträger.
Winsion Churchill feierte sein goldenes Jubiläum als Unterhausabgeordneter. Vor 50 Jahren wurde er zum erstenmal ins Parlament gewählt.
Der bisherige stellvertretende Leiter der tschechoslowakischen Handelsmission im Ber liner Sowjetsektor, Eduard Manyak, ist über Westberlin in die Schweiz geflohen.
Die dänische Polizei verhaftete auf dem Flugplatz von Kopenhagen den früheren norwegischen Nationalsozialisten Breien, der 1945 aus einem Internierungslager geflüchtet war. Er kam mit einem Flugzeug und argentinischem Paß und wollte sich nach Schwe den begeben.
Durch schwere Ueberschwemmnngen im Süden des Staates Oregon (USA ) und im nördlichen Kalifornien sind mindestens 2000 Familien obdachlos geworden.
Im Gebiet von Satara in der Indischen Provinz Bombay starben in der dritten Oktoberwoche 166 Personen an Cholera. In der vorhergegangenen Woche wurden 2M Todesfälle verzeichnet.
Aegypten wird gegenwärtig von einer für diese Jahreszeit außergewöhnlichen Hitzewelle heimgesucht. In Kairo stieg das Thermometer auf 35 Grad Wärme.
LONDON . Premierminister Clement Att lee erklärte int Unterhaus, die deutsche Bundesrepublik »oll nach Auffassung Groß britanniens in die Lage versetzt werden, „einen angemessenen Beitrag zum Aufbau der Verteidigung Westeuropas zu leisten“. Die Frage der Heranziehung Deutschlands werde vom Atlantischen Verteidiguiiqsaus- schuß in Washington erörtert. Bis ihre Prüfung abgeschlossen ist, sei es unmöglich, weitere Auskünfte zu erteilen. Zu dem französischen Plan einer Europa -Armee erklärte Attlee, Hauptziel Großbritanniens sei es, im Rahmen des Atlantikpaktsystems zu einem möglichst frühen Zeitpunkt eine „schlagkräftige gemeinsame Streitmacht in Europa “ aufzubauen. Der atlantische Ver- teddigungsausschuB prüfe, ob die fran zösischen Vorschläge mit dem Gedanken des Atlantikpakteg in Einklang gebracht werden könnten.
Attlee sprach in der Debatte über die Thronrede König Georgs VL, in deren Mittelpunkt die Forderung der Uabourregie- rung auf Vollmachten zur Kontrolle der Preise und zur Regulierung von Produktion, Verteilung und Verbrauch sternd. Großbritannien habe im letzten Jahr einen sehr bemerkenswerten wirtschaftlichen Wiederaufstieg erlebt. Die Goldreserven des Sterling-Gebietes hätten sich verdoppelt Das Pfund Sterling sei jetzt eine weitaus stärkere Devise als zuvor.
Vorher hatte der Führer der konservativen Opposition, Winston Churchill , festgestellt: „Es wird che Ansicht vertreten, daß Deutschland acht oder zehn Divisionen beisteuern soll. Die USA neigen zu einem Beitrag von zehn Divisionen. Soviel ich weiß, befindet sich die britische Regierung in allgemeiner Uebereinstimmung mit den, USA .“
Noch keine Einigung mit Frankreich
Meinungsverschiedenheiten Aber die Eingliederung deutscher Einheiten
WASHINGTON . Dem Atlantischen Ver- teidigungsausschuß, dem die Verteidigungsminister der zwölf Atlantikpaktmächte angehören, ist es bei seinen dreitägigeil Beratungen in Washington nicht gelungen, über das umstrittene Problem des deut schen Verteidigungsbeitrages eine Einigung zu erzielen. Der Ausschuß hat die Frage als dringlich an den Stabsausschuß sowie an den zuständigen Ausschuß der Atlantikpaktorganisation überwiesen und wird ach nach der Uefoerprüfung durch diese beiden Ausschüsse erneut selbst mit dem Problem beschäftigen.
Der amerikanische VertejcHgun gsmini- ster Marshall erklärte, er hoffe, daß die deutsche Verteidigungsfrage „in wenigen Wochen“ gelöst werden kann. „Das Problem kann gelöst werden und muß gelöst werden“, sagte MarshalL Möglicherweise müßten die Deutschen selbst in die Diskussion eingeschaltet werden.
Wie aus Erklärungen Marshalls und dem
nach Konferenzschluß herausgegebenen Kommunique des Verteidigungsausschusses hervorgieht, ist eine Einigung über die Frage des deutschen Verteidigungsbeitrages an den bekannten amerikanisch -französischen Meinungsverschiedenheiten gescheitert. Verteidigungsminister Marshall sagte in einer Pressekonferenz, daß der französische Verteidigungsminister Jules Moch bei den Beratungen Einzelheiten des Pleven -Plans für eine deutsche Beteiligung im Rahmen einer europäischen Armee dargelegt habe. „Es ist jedem klar“, fügte Marshall hinzu, „daß ein Plan, der zumindest eine teilweise Föderation in Europa und die Ernennung eines Verteidigungsministers für eine europäische Armee voraussetzt, bedeutende politische Probleme aufwirft.“ Die Verteidigungsminister hätten sich jedoch nicht auf rein politische Fragen einlassen können und diesen Fragenkomplex daher dem zuständigen Ausschuß überwiesen.
Von
Dr. Fritz Harzendorf
So verärgert wie der Bürger beim Osterspaziergang in Goethes „Faust“ mag in den letzten Tagen mancher Bürger und Steuerzahler gesprochen haben, als er nicht nur die überraschende Ankündigung neuer Steuergesetze durch die Bundesregierung, sondern auch die Erklärung des Bundeswirtschaftsministers Professor Erhard erfuhr, daß mit fiteuererhöhungen gerechnet werden müsse, ln der Tat, um die vielberedete „große Finanz- und Steuerreform ist es seit Monaten ganz still geworden und die „kleine Steuerreform“ war wirklich so klein, daß sie schon so gut wie vergessen ist, weil kaum jemand den Eindruck behalten hat, daß sie ihm eine fühlbare Erleichterung der Steuerlasten gebracht habe. Der allgemeine und durch die Ankündigungen nur noch verstärkte Eindruck der Steuerzahler ist vielmehr der, wie ihn Goethes Bürger ausdrückt. Sie sind verärgert und schimpfen auf den „neuen Bürgermeister”, was zeitgerecht übersetzt „die Demokratie“ heißt. Unter einem anderen „Bürgermeister”, so meinen sie» müßten sie weniger bezahlen und vor allem liegt ihnen das „mehr als je zuvor” schwer im Magen. Solange das Geld buchstäblich verpulvert wurde, schien ihnen die Steuerlast irgendwie gerechtfertigt zu sein. Daß der Nachkriegszustand aber noch teurer sein soll wie der Krieg, vermögen sie am allerwenigsten einzusehen.
Für den Kriegsverlierer war es schon immer so, daß das dicke Ende nachkommt. Seit den beiden Weltkriegen haben auch die Siegervölker die Erfahrung hinzulernen müssen, daß mit dem Kriegsende die Steuerschraube nicht am Ende ist, sondern sich stetig weiterdreht. Wir haben für die Kriegslasten die Nachkriegslasten eingetauscht und wie da die Bilanz aussieht» braucht man gar nicht erst in Einzelposten aufzurechnen. Manche von diesen betrachtet man lieber als ein Blüm- lein Rührmichnichtan, damit die Endsumme nicht noch dicker wird, al3 sie so schon ist. Aber das hilft nur eine kleine Weile. Eines Tages werden sie gebieterisch zur Zahlung angefordert, wie zum Beispiel eben jetzt die Kriegsopferrenten.
Was bleibt also übrig als zu schimpfen, aber resignierend weiter zu zahlen? Der Herr Bundeskanzler ist der Meinung, daß die Finanzlage zur Zeit es nicht möglich mache, an die große Steuerreform zu denken. Er meint damit offenbar, daß die Ausgaben des Bundes zur Zeit noch zu hoch seien, als daß man dem Steuerzahler das Geschenk einer Steuersenkung machen könne. Sein Wirtschaftsminister, Herr Professor Erhard, fügt hinzu, daß die Ausgaben unvermeidlich noch so steigen werden, daß man ebenso unvermeidlich die Steuern noch werde erhöhen müssen. Da Herr Professor Erhard die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zweifellos kennt, die zwischen der Besteuerung und den Steuerquellen bestehen, muß man daraus schließen, daß er entweder eine noch höhere Besteuerung wirtschaftlich für möglich und tragbar hält, oder aber daß er, weil die Ankündigung von Steuern nicht eigentlich Aufgabe seines Amtes ist, die Steuerzahler alarmieren wollte, um sie auf die ihnen drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Sein Kollege, der Herr Bundesfinanzminister, der einmal als der Vorkämpfer der „großen Steuerreform” galt, hat inzwischen einen Ausweg in der Richtung des geringsten Widerstands gesucht und das Automobil zum Objekt einer kleinen Steuerreform mit umgekehrtem Vorzeichen gemacht. Das alles mag nun der augenblicklichen Situation konform sein, die dadurch gekennzeichnet ist, daß die derzeitigen und demnächst hinzukommen- den Ausgaben des Bundes durch die derzeitigen Steuereinnahmen nicht gedeckt werden können. Diese Situation ist genau die, in der es nach allen großen finanzgeschichtlichen Vorbildern überhaupt keinen anderen Ausweg mehr gibt als den, durch eine grundsätzliche, also eine große Finanzreform die staatliche Finanzwirtschaft ln eine neue Ordnung, oder sagen wir ganz einfach, überhaupt in Ordnung zu bringen. Denn es ist die Situation, die es offenbar macht, daß die staatliche Finanzwirtschaft nicht in Ordnung ist. Sie ist nämlich, um eine finanzwissenschaft- liche Einsicht einmal so allgemeinver- ständlich wie möglich auszusprechen, immer dann nicht in Ordnung, wenn die öffentlichen Ausgaben schneller steigen als die öffentlichen Einnahmen und diese nicht mehr durch einfache Tariferhöhungen den davoneilenden Ausgaben angepaßt werden können. Wenn dieser Zustand eingetreten ist, — er ist es bei uns seit Jahr und Tag — dann gibt es nur noch einen einzigen Weg, der nicht in den Staatsbankerott führt und das ist der Weg der großen Finanzreform.
Man muß sich allerdings klar sein, was eine große Finanzreform ist und wie man sie macht. Es ist sicher keine Herabsetzung der Parlamente, wenn man ausspricht, daß die Grundsätze der Finanze