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Dienstag, 3. April 1951

SÜDKURIER

Nr. 51 / Seite 2

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Heuß ruft Jugend zur Toleranz auf

Der BtmdespräsMent und Innenminister Lehr besuchten Salzgitter SALZGITTER

. In zwei Kundgebungen wandten sich Bundespräsident Prof. Heuß und die Bundesminister Dr. Robert Lehr und Jakob Kaiser in Lebenstedt und in Salzgitter-Bad an die deutsche Jugend. Der Bundespräsident forderte von der Jugend Toleranz gegenüb« der Meinung Andersdenkender. Er sprach sich gegen eine staatlich gelenkte, genormte Jugend aus. Er glaube, sagte der Bundespräsident, daß heute eine echte Bewegung durch die europäischen Völker gehe, die Größeres anstrebe.

Bundesinn «minister Dr. Robert Lehr bezeichnet in Lebenstedt die Jugend als d« berufenen Fackelträger für Verstän­digung zwischen den Völkern und für Menschenwürde. Das Jugendtreffen in Salzgitter fordere auf, die Schranken zwi­schen den Völkern fallen zu lassen. Die Jugend West- und Ostdeutschlands, die auf Gedeih und Verderb zusammengehöre,

werde einst wieder in Freiheit geeint wer­den. Bundesminister Kaiser, der in Salz­gitter-Bad sprach, nannte die Stadt ein Symbol der deutschen Nachkriegspassion. Er forderte die Jugend auf, Vertrauen zur Bundesrepublik zu haben. Die Republik sei der einzige Ansatzpunkt für einen Wie­deraufbau Deutschlands . Kaiser forderte von der Jugend eine aktive friedliche Ost­politik ohne Verzicht auf die deutschen Ostgebiete.

Am Samstag war in Anwesenheit des Bundespräsidenten ein „Haus für alle“ des Heimatlosen-Lagerdienstes des Christ­ lichen Vereins junger Männer im Flücht­lingslager Immendorf eröffnet worden. Der Vorsitzende des Heimatlosen-Lager­dienstes in Deutschland , Dr. Otto Noelle, teilte mit, daß außer den bereits in der Bundesrepublik bestehenden zwanzig „Häusern für alle“ im Laufe dieses Jah­res noch 100 neue gebaut werden sollen.

Die Gefallenen der ehemaligen Wehrmacht

Auskunftssteile beurkundete 2,6 Millionen Tote - 20 Millionen Karten geben Auskunft

BERLIN . Bis Ende März hat die „Wehrmachts- Auskunftsstelle“ in Berlin amtlich rund 2 665 000 ehemalige deutsche Soldaten als Gefallene des zweiten Welt­krieges registriert und die Angehörigen benachrichtigt. Diese Zahl führt die kürz­lich vom statistischen Bundesamt genann­ten Zahlen weiter, das mit Stichtag 29. Oktober 1946 1 650 000 Gefallene genannt und zugleich die Mehrzahl der 1,6 Millio­nen Vermißten als wahrscheinlich eben­falls tot bezeichnet hatte. In ihren neuen großen Räumen in einer ehemaligen Fabrik in Berlin -Wittenau , Eichhomdamm 167/209 (Postfach), verwalten und bearbeiten etwa 500 Stammangestellte und 250 Hilfskräfte auf einer Fläche von 13 000 qm die um­fangreichsten noch in deutschen Händen befindlichen amtlichen Unterlagen über Verluste der ehemaligen deutschen Wehr­macht und des Wefarmaehtsgefolges.

Die Zentralkartei mit mehr als 20 Mil­lionen Karten gibt Auskunft über Perso­nalien der Soldaten sowie über ihr Schick­sal: tot, vermißt, verwundet, krank oder kriegsgefangen. Die Zusammenfassung des amtlichen Verlustmate ritals bei der Aus­kunftsstelle bedeutet eine wesentliche Er­leichterung für die Kriegsteilnehmer und Hinterbliebenen, aus allen Teilen Deutsch­ lands , die hier an einer Stelle maßgebliche mündliche oder schriftliche Auskünfte oder Bescheinigungen als Unterlagen für Ren­tenansprüche und für die Klärung von Rechtsfragen aller Art erhalten.

In den Spezialabteiliungen der Aus- kunftesibefLte befinden sich nach der Zen- traükartei vor allem die Erkennungsmar­ken Verzeichnisse der früheren Wehrmachts. einheiten, die Feldpostnuminerverzeich- nösse und die Nachweise der bis jetzt kar­teimäßig erfaßten rund 13 700 Friedhöfe mit Gräbern deutscher Soldaten. Davon liegen 7648 im Ausland. Noch jetzt wer­den, besonders bei Umibettungen, täglich Gefallene geborgen, aus deren Erkennungs­marken das Schicksal manches Vermißten aufgeklärt werden kann.

Mit der Entdeckung bisher unbekannter Gefallener im In- und Ausland kommen oft auch deren noch erhalten gebliebene

WETTERVORHERSAGE des Amtlichen Landes Wetterdienstes

Auf der Südseite eines nun über der Nordsee liegenden Tiefs, das sich rasch auffüilt, gelangt Meeresluft nach Mitteleuropa . In der Kaltluft tritt kurzer Zwischenhocheinfluß auf. Aussichten bis Dienstagabend: Veränderliche Bewölkung mit nur kurzen Zwischenaufheiterungen. Noch ein­zelne Schauer. Tagestemperaturen 10 bis 15 Grad.

100 DM in Zürich : 2. 4.: 80/82 sfr.i 31. 3.: 79/81 sfr.

Nachlaßsachan wie Uhren und Brust­beutel zur AusfcunftssteHe. Von bisher ein­gegangenen 211 000 Soldatennachlässen hat die Dienststelle 173 000 an die Hinterblie­benen gegeben, während rund 38 000 noch in Lagerräumen des berechtigten Erben harren.

Unter dem Einfluß von Karl Barth

HERBORN . Evangelische Theologen der Bekennenden Kirche wandten sich auf einer Tagung gegen jede Remilitarisierung Deutschlands . In einer Stellungnahme wurde betont, daß eine Wiederbewaffnung nach wie vor abgelehnt werden müsse, weil die wirtschaftlichen und moralischen Voraussetzungen im deutschen Volk fehl­ten. Unter den - Tagungsteilnehmern be­fanden sich der Schweizer reformierte Theologe Prof. Karl Barth , einer der füh­renden Männer der Bekennenden Kirche in Deutschland während der national­sozialistischen Herrschaft, ferner der Vor­sitzende des Bruderrates der Bekennen­ den Kirche , Kirchenpräsiident Martin Nie­ möller , und der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, der ehemalige Bundesinnenminister Dr. Gu­ stav Heinemann .

Synode der EKD eröffnet

HAMBURG . Die dritte Tagung der Sy­node der Evangelischen Kirche in Deutsch­land (EKD ) wurde im Hamburger Rat­haus durch den Präses, Bundesinnen­minister a. D. Dr. Heinemann, eröffnet. Mit den Mitgliedern der Synode und den zusätzlich gewählten Vertretern der Ost­vertriebenen nehmen die Mitglieder de® Rates und der Kirchenkonferenz der EKD an den Beratungen teil, die vor allem der caritativen Aufgabe der Kirchen dienen sollen. Die Synode steht im Lichte eines großen Jubiläums: Der 1900-Jahrfeier des Apostelkonzils in Jerusalem , der ersten Synode der Christenheit überhaupt.

Gefängnis wegen Papstbeleidigung

CHIEFTI. Die 30jährige kommunistische Abgeordnete Laura Diaz, die „schönste Frau des italienischen Parlaments“, wurde wegen Beleidigung des Papstes zu 8 Mo­naten Gefängnis mit Bewährungsfrist ver­urteilt. Außerdem hat sie die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Laura Diaz hat, wie die Anklage fest- stellte, den Papst dadurch beleidigt, daß sie erklärte: „Die Hände des Papstes triefen vom Blute der Kinder in Grie­ chenland und Palästina, weil er nicht einen Finger gerührt hat, den Krieg in Griechenland und in Palästina ein Ende zu machen. Ebenso wenig hat er einen Finger gerührt, um den Weltkrieg

„Dr. med. Hiob Prätorius"

Curt Götzens Geschichte ohne Politik imTheater amBodeneee

Über der Neuinszenierung des nachdenk­lich kritischen und dennoch heiteren Schau­spiels von Curt Götz „Dr. med. Hiob Prä­torius“ im Konstanzer Theater am Boden­ see schwebte der Geist eines Jubiläums, früher wäre der Abend ein sogenanntes „Benefiz “ gewesen. Dr. Arthur Schmied­hammer, der Leiter des Theaters, kann auf 25 Jahre erfolgreicher Tätigkeit als Schau­spieler, Regisseur und Theaterleiter zu­rückblicken. Zur Feier dieses Jubiläums spielte er seine Lieblingsrolle von früher, nämlich den „Dr. med. Hiob Prätorius“.

Das Publikum des Theaters am Boden­ see zeigte sich mit dieser Wahl des Inten­danten 6ehr einverstanden. Brachte sie doch eine Wiederbegegnung mit dem wohl wesentlichsten Stück des Schweizer Schau­spielers und Dramatikers Curt Goetz , der nach dem Krieg über Konstanz wieder nach Deutschland zurückgekehrt war. Sein „Dr. med. Hiob Prätorius“, dessen Ge­schichte „nach alten, aber guten Motiven“ dramatisch erzählt wird, gibt einen beden­kenswerten ' Beitrag zum Problem des Justizirrtums.

Immer wieder beschäftigten sich die Büh­nenschriftsteller gern mit Verurteilungen und Hinrichtungen Unschuldig«. Das macht es so leicht, den Zuschauer zu rüh­ren, zu erschüttern, zu empören. Durch alle diese Gemütsbewegungen gewinnt man ihn schnell als Verbündeten. Außerdem sind die Themen der Fehljustiz an Un­schuldigen immer aktuell. Denn irgendein umstrittener oder auch sonnenklarer Fall solch« Art hält fast zu jed« Zeit die Gemüter in Erregung. Auch unsere Zeit leidet daran, Gott sei’s geklagt, durchaus keinen Mangel. Nun aber Curt Goetzens Meinungen zu diesem Thema zu hören, ist

reine Ohrenweide. Denn da geht alles ohne Zorn und böse Töne ganz menschlich zu. Ein „Fall“, zugegeben: besonders kraß und unwahrscheinlich, wird vorgeführt. Uas Urteil darüber wird dem Publikum über­lassen, ab« in einer Weise, daß es nicht möglich wäre, nicht des Autors Meinung zu teilen. Denn das Licht seines abgrün­digen, manchmal schon unheimlichen, immer aber in den Grenzen des Mensch­lichen bleibenden Humors läßt Curt Goetz leuchten üb« Schuldigen und Unschuldi­gen. Man kann also höchstens sagen: ich glaube nicht, daß es einen solchen Fall und ein solches Urteil jemals gab. Aber einmal vorausgesetzt, es hätte das gegeben — der Aut« hat recht. (Der Autor ab« würde vermutlich sagen: Bitte sehr, hier sind die Akten, d« Fall ist tatsächlich da und pas­siert ...).

Hans Hennen, der seine leichte Hand für derlei problematisches Schauspiel schon des öfter« bewiesen hat, führte Regie. Es gelang ihm, abgesehen von einigen nicht unbeträchtlichen Störungen d« Dialoge durch Premieren-Nervosität und Tücke des Objekts, einen mit Spannung geladenen Ablauf d« Szenenfolge in den freundlichen Dekorationen Paul-Josef Komanns einzu­richten. Es gelang ihm vor allem, gewisse Fähigkeiten einzeln« Schauspieler zu ent­wickeln, die bish« noch nicht so aus­geprägt bem«kt wurden. So das humo­ristische Talent in Eleonore S c h r o t h, der die Valerie-v.-Martens-Rolle der „Violetta“ wirklich reizend zu Gesicht stand. Und Guido v. Kaullas beträchtliche mimische Fähigkeit« in d« Rolle des Gehenkten und Geretteten, des Faktotums „Shunder- son“; er spielte das mit sparsam« Gesten, sehr zurückhaltend und trotz erschrecken­der Maske mit aller schauspielerischen Noblesse. Auch Günther E p p e r 1 ei n wirkte in der Rolle des Kolleg« Prof.

m beend« oder wenigstens elnzuschrfin- fcen“. Die Angeklagte bestritt in d«V«- handlung, diese Aeußerungen getan zu haben.

PeFsien weiterhin unruhig

TEHERAN . D« Vetter d« Kaiserin von Persien , Yahay Baüdhtiar, ist von einem Feldwebel aageschossen und lebensgefähr­lich v«letzt worden. Während eines Ge­spräches in einem Dorf zog d« Attentat« plötzlich eine Pistole und schoß Baktotiar in d« Miund.

Oer Schah von Persien hat es atogelehnt, das geistliche Oberhaupt d« Sekte Fidaiyan. Kaschani verhaften oder des Landes verweis« zu lassen. Ein Angehö­riger der Sekte erschoß vor kurzem den persisch« Ministerpräsidenten. Zu der Nachricht, daß sich im Persisch« Golf britische FJotteneiniheiten b«eithielten, um nötigenfalls Truppen zum Schutze d« Oel- felder zu landen, erklärte der Sektenfüh- r«: „Sie sollen nur kommen, ganz Persien wird ein Flammenmeer sein. Wenn die Engländer die Hölle auf Erden sehen wol­len, dann soll« sie nur ein« Soldaten an Land setz«!“

In d« letzten Tagen wurden in der irakisch« Hauptstadt Bagdad Personen­kraftwag« aius Persien festgestellt. Sie gehör« reich« Persern, die mit ihr« Familien nach dem Libanon reisen. Poli­tische Beobachter in Irak fuhr« die Flucht prominenter persisch« Kreise auf eine schwarze Liste zurück, die in den letzten Tag« von der fanatischen Fid&iiyan-Sekte veröffentlicht wurde.

Eigene Regierung für Lybien

TRIPOLIS. Am 1. April übernimmt die neugebildete libysche Regierung auf Grund eines UN -Beschlusses die Staats­gewalt von den bisherigen Besatzungs­mächten. Die volle Souveränität wird der neue, 1,7 Millionen qkm große Staat, der aus den Ländern Tripolitani « und Barka (die ehemalige Cyrenaika) und dem Fez- zan besteht, jedoch erst am 1. Januar 1952 erhalten. Während Tripolitanien und Barka unter britischem Besatzungsregime stan­den, wurde der Fezzan bisher von den Franzosen verwaltet. Alle drei Gebiete haben jetzt eigene Regierungen erhalten. Ueber diesen Regierungen steht eine Zen­tralregierung mit dem Sitz in Tripolis . Diese setzt sich aus drei Tripolitanern, zwei Vertretern Barkas und einem des Fezzan zusammen.

Vorschläge für Japan -Frieden

LOS ANGELES . Der republikanische Sonderberater des amerikanischen Außen­ministeriums, John Foster Dulles teilt in Los Angeles Einzelheiten des von den USA ausgearbeiteten Entwurfs für einen Frie­densvertrag mit Japan mit.

Dulles nannte u. a, folgende Punkte des Friedensvertrags-Entwurfes: 1. Die Prä­ambel werde in allgemeinen Wendungen dem japanischen Volk die Möglichkeit zu- erk«nen, seine künftigen politischen Ab­sichten zum Ausdruck zu bringen. 2. Ge­bietsfragen. Das japanische Staatsge­biet werde auf die vier japanischen Haupt­inseln und die kleineren dazugehörigen Inseln beschränkt. Japan würde auf alle Rechte und Ansprüche auf Korea , Formosa , die Fischerinseln und das antarktische Ge­biet verzichten müssen. 3. Sicherheit. Japan erhalte das Recht, eigene Verteidi­gungsvorkehrungen zu treffen und sich an kollektiv« Verteidigungsvorkehrungen zu beteiligen. 4. Handelsfragen. In einer Übergangsperiode von 3 Jahren könnte Japan den alliierten Mächten Meistbegünstigungs­klauseln gewähren. 5. Eigentumsfra­gen. Alle vier Mächte würden das Recht behalten, über japanisches Eigentum auf ihren Gebieten zu verfügen. Japan solle alliiertes Eigentum aus der Vorkriegszeit in Japan zurückerstatten und aus der Vor­kriegszeit herrührende Ansprüche der alli­ierten Mächte wirksam werd« lassen.

Nack durchaus zuhause, Max D i e t z als „Sherlock Holmes “ und Hans M ö b e s als dess« unvermeidlich« „Dr. Watson “ bau­ten die Rahmensz«e, in der man nie weiß, wo die Scherze aufhör«, mit innerer Span­nung und nicht ohne trockenen Witz auf. Auch alle kleineren Rollen waren liebevoll gezeichnet und aufgeführt. Neb« d« be­währten Kräften Gudrun Bayer, Else v. Seemen, Rosemarie Reymann, Walther Brück, Josef Rada, Rupert Ritzi, Gerhard Kauffmann , Walter Hoor , begegnete man Hildegard Diem in einer winzigen, aber nett bewältigt« Episode und der klein« Ruth M«kle, deren unbefangener Ton alle Abneigung gegen die Beschäftigung kleiner Kinder auf der Bühne zum Schweig« brachte.

Arthur Schmiedhammer in der Titelrolle zog naturg«iäß die Aufmerk­samkeit des Publikums an seinem Jubi­läumsabend mit besonderem Nachdruck auf sich. Die Schwierigkeit cter Situation für ein« Schauspiel« liegt bei solch« Gele­genheiten darin, daß er stets im Vorder­grund zu stehen hat, ohne auch nur eine Idee des Gefühls aufkommen lassen zu dürfen, er spiele sich in d« Vordergrund. An seine Fähigkeit, als Person hinter der Rolle zu verschwinden, ganz von sich selbst abzusehen, mit aller Diskretion nur eb« überzeugend da zu sein, werden beträcht­liche Anforderungen gestellt. Diesen wird d« Schauspiel« Schmiedhammer in fast rührend« Weise gerecht Die Sympathie des Hauses gehörte ihm dann auch um so mehr, als er nach dem viel« mit Blumen- gaben unterstützt« Beifall zum Schluß das Wort nahm und d« Löwenanteil des Er­folges dem Dichter zuwies. Und wohl noch mehr, als « die Gelegenheit wahmahm, um in einem bewegend« Appell für die Sache des Theaters zu werben, die, wie man weiß, wieder einmal sehr bedroht ist. D« bewußten fruchtbar« Boden, auf den solche Appelle nun einmal angewiesen sind, gönnte man sein« Worten. L.E.Reindl

Dr.Eckener : Luftschiffpläne aussichtslos

Sonderbericht für den „Südkuirier“

Durch die Weltpresse gingen Meldungen, die von einer Renaissance des Luftschiffbaues spra­chen, zumal Luftschiffe wirtschaftlich rentabler seien als Flugzeuge, Wir haben unseren Be­richterstatter in Friedrichshafen ersucht, sich über dieses sensationelle Thema mit Dr. Edce- ner zu unterhalten; er berichtet uns darüber:

Bereitet die Welt rund um Deutschland in aller Stile ein „coene back“ des Luft­schiffes vor? Werden in Kürze wieder die Riesenzigarren aus der Ideenwelt des al­ten Graf« Zeppelin am Himmel zu sehen sein?

Immer wieder ist in der Weltpresse — und jüngst auch in deutschen Zeitungen — die Rede von einer Luftschiff-Renais­sance. Wirtschaftsunternehmen der Welt und ihre-Techniker wollen angeblich dem Luftschiff noch einmal eine Chance geben. So soll in Frankreich ein neues Riesen­luftschiff für d« Atlantik , gewissermaßen eine Luxus-Ausgabe einer „Normandie der Luft“, vor der Vollendung stehen. Holländische Interessenten, so wird be­hauptet, experimentieren mit einem künst­lich« Molekular-Helium. In Madrid er­streben angeblich Verkehrsgesellschaften die Wiedereröffnung der alten Zeppelin- Route nach Südamerika mit einig« in Spani « erbauten Luftschiffen, und selbst die Russen sollen in diesem Wettlauf nicht fehlen. Sie hätten kürzlich ein Luftschiff v« Stapel gelassen und es „Patriot “ ge­nannt. In England habe man während des Krieges durch die mit Helium-Gas gefüll­ten Ballonsperren neue Erfahrungen für d« Neubau von Luftschiffen gesammelt.

V« d« Verfechtern der Luftschiff-Er­bauer werd« der große Komfort, die Ge­räuschlosigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Zeppeline hervorgehoben, und es wird darauf verwiesen, daß die deutschen Zep­pelin-Gesellschaften 181 Atlantik-Ueber- querung« durchgeführt haben, ohne daß ein einziger Passagier luftkrank geword« sei. Eine amerikanische Luftfahrt-Gesell­schaft habe versichert, daß ihre Pläne vollendet seien; ihre Luftschiffe könnten als Luxus-Fahrzeuge und der Beförderung von Epreßfrachten dienen. Es handele sich um 300 Meter lange Ungetüme, die mit sechs Motoren von insgesamt 6300 PS ausgerüstet seien und 280 Passagiere, bil­liger als kn Flugzeug, befördern könnten. Der Preis für die ersten sechs Luftschiffe wurde mit je 25 Mill. Dollars angegeben.

Wie erinn«lich, gingen vor Jahresfrist bereits Meldungen durch die Weltpresse, in Friedrichshafen würd« wieder Luft­schiffe gebaut. Wir mußten diese Phanta­sie-Meldungen damals sch« dementieren.

Da in den oben angeführten Berichten auch Dr. Ecken« zitiert wurde, d« angeblich mit einem amerikanischen Korresponden­ten ein Interview gehabt und sich bei dieser Unterredung „trotz vorsichtiger Formulierung« sehr optimistisch für die Verwirklichung all« Luftschiff-Pläne aus­gesprochen“ habe, haben wir uns mit Df. Eckener in Verbin­dung gesetzt. Der alte Luftschiff - Pionier und Experte auf diesem Ge­biet hält alle diese Mel­dungen für einen April­scherz. „Ich kann mich“, so sagte er unserem Be­richterstatter, „an eine solche Unterredung nicht erinnern. Diese Behaup­tungen sind völlig aus der Luft gegriffen. Von ernsthaften Bestrebun­gen, Luftschiffe wieder zu bau«, habe ich nichts gehört. 1 * Dr. Eckener hält derartige Pläne auch für völlig aussichtslos und unpraktisch. Die einzi­gen, von denen bekannt ist, daß sie sich theo­retisch mit solchen Plä- n« befassen, sind die

Engländ«. Aber diese Pläne steh« bis jetzt nur auf dem Papier.

Dr. Eckener erinnerte an sie kn Zu­sammenhang mit der ihm angetragen« Auszeichnung, Vizepräsident des briti­schen Airship-Clubs zu werden. Der Ent­wurf des in dieser Meldung angeführt« Ingenieurs sieht ein nicht starres, ein „elastisches Luftschiff“, vor. Dr. Ecken« hält es für fraglich, ob der Gedanke über­haupt realisierbar ist. Er hatte diese Pläne an den früheren ersten Statiker des Luftschiffbaues, Forst«, nach Amerika weitergeleitet, der die negative Meinung von Dr. Eckener offenbar teilt. Das Flug­zeug habe heute, so begründete Dr. Ecke­ ner seinen Standpunkt, ein« <so großen Vorsprung, daß es von einem Luftschiff nicht mehr eingeholt werden kann. Das ist kn wörtlichen Sinne zu verstehen. Flug­zeuge überfliegen heute mit Riesenge­schwindigkeit den Atlantik und Ge­schwindigkeit ist heute, so fügte Pr. Ecke­ner hinzu, Trumpf in der Welt. Da käme das Luftschiff nicht mehr mit. Ein Luft­schiff-Welt-Verkehr erfordere einen enor­men Apparat. Mar müsse Ankermasten, riesige Hallen und sonstige für die War­tung und die Sicherheit notwendige andere Anlag« «stellen, in d«en große Kapita- lien zu investier« seien. Auch cter Ge­winnung des JMolekular-Heliums“, ein künstliches Gas, steht Dr. Eckener sehr skeptisch gegenüber. Der Vorteil, eine große Zahl von Passagieren befördern zu können, sei beim Luftschiff ebenfalls nicht mehr vorhanden. Diese Ueberlegenheit sei heute durch die Tatsache ausgeglichen, daß auch Flugzeuge eine erhebliche Anzahl von Reisend« mit sich führen könn«.

April, April

Die Glosse ,,D« Tuntenhaus«er Kreis“ in der letzten Samstagnummer werden die Leser des Südkurier unschw« als politi­schen Sarkasmus zum 1. April «kannt ha­ben. Immerhin sei ausdrücklich klarge­stellt: Tuntenhausen existtert, es ist ein uralt« Wallfahrtsort (seit 1441). Politisch ist es durch die alljährlich im H«bst dort abgehaltene „Tuntenhausener Bauemver- sammlung“ bekannt geworden, bei welcher d« „Bayrisch-patriotische Bauernverein“ Fach- und Heimatfragen besprach, aber regelmäßig auch seine weißblau« Kampf­ansag« nach Berlin , „das großkopfete wendische Fischerdorf a. d. Spree “, rich­tete

Durchaus ernst zu nehmen war dagegen das Photo mit dem festlichen amerikani­ schen Kopfschmuck auf der ersten Seite, die Versuchsrakete in Neumexiko und die Ar­beitsgemeinschaft der nordbayerischen Po­lizeichefs, die u. a. einen Führerschein für Radfahrer gefordert haben.

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jetzt werden wir aber alle Hindernisse überspringen . . .

(Hess. Nachrichten)

KULTURNACHRICHTEN

Dr. Fritz Pustet, der Regensburger Verleger, ist von Papst Pius XII. für die Herausgabe seiner weitverbreiteten vor­bildlichen liturgischen Drucke zum päpst­lichen Ehrenkämmerer ernannt worden. Die Auszeichnung erfolgte aus Anlaß des 125jährigen Jubiläums des Verlages Kösel und Pustet, Regensburg .

Egon Caesar Conte Corti , einer der meistgelesenen biographischen Schrift­steller der Gegenwart, vollendet in Wien sein 65. Lebensjahr. Von seinen histori­schen Arbeiten biographischen Charakters sind vor allem bekannt geworden: „Lud­wig I. von Bayern“, „Ich, eine Tochter Maria Theresias “, „Der Aufstieg des Hau­ses Rothschild“, und .Elisabeth, die selt­same Frau“.

Eine Ausstellung „Die baye­rische Schule“ wurde vom bayeri­ sch « Kultusminister Dr. Josef Schwaiber in Anwesenheit zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens in München eröffnet als Auftakt zur bayerischen Schulwoche. Die Ausstellung, die während der Schul­woche vom 31. März bis zum 7. April im Münchener Ausstellungspark gezeigt wird, soll in aller Oeffentlichkeit Erziehungs­methoden darstellen und die Veranstal­tungen der Schulwoche sollen der Eltern­schaft allerorts die Probleme der Erzie­hung näherbringen.

Die deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde hat in einer auf ihrer Mitgliederversammlung in Stuttgart gefaßten Entschließung die Kultusminister der Bundesrepublik gebet«, Lehrstühle für Fragen der Ostforschung zu schaff« und mit arbeitslosen vertriebenen For­schem aus dem Osten zu besetzen. Der Heranziehung des Nachwuchses von Ost­forschem müßte die Einführung des rus­sischen Sprachunterrichts als Wahlfach in den deutschen Schulen dienen.

Der Fachverband Südbad'i- scher Bildender Künstler hält am 3. April in Freiiburg eine Mitglieder­versammlung ab, wobei auch Angaben über den Plakatwettbewerb der Landes­gewerbeämter Freiburg und Karlsruhe ge­macht werden. Prospekte dieses Wettbe­werbes können sowohl vom Bad. Landes­gewerbeamt Freiburg wie auch von der Geschäftsstelle des Verbandes bezog« werden.

Gegen Erbrechen und Übelkeit nach Narkose und anderer Betäubung scheint ein neues wirksames Mittel gefun­den zu sein, das die amerikanische Uni­versität von Pennsylvani« als „Drama­mine“ bekannt gibt. Während 60V« der be­obachteten Patienten ohne „Dramamine“ ühle Folgen nach einer Narkose hatten, wurden diese Folg« nach Verabreichung der Droge vor der Betäubung nur bei 25V« beobachtet

Multipiktismus...

Der Multipiktismus, dessen „Erfindung“ wir am Samstag mitteilten, ist natürlich auch ein Aprilscherz gewes«! Ist das aber wirklich so „natürlich“? Sicherlich war es nicht nur ein vereinzelter Fall, wenn ein Leser der Meinung war, diese neue Kunst­richtung gäbe es wirklich und wir hätten die Meldung darüber nur für den 1. April aufgespart, um die Leser auf die falsche Spur zu lock«. D«n, so glaubte dieser den Kunstdingen sonst nicht so fernste­hende Mann, in der modernen Kunst sei eben alles möglich. Nun, er hat recht, die­ser Mann, es wird dem Liebhaber der schön« Künste manchmal recht viel zuge­mutet an Abstraktion und Ungeg«ständ- lichkeit. Und das Urteil der Betrachter wird daher ebenso unsicher, wie die Ma­lerei selbst manchmal ist. Deshalb war es so leicht für den Maler Adolf Etermann („Homme d’oeftf“!), sich einmal üb« die Malerei solcher Art lustig zu mach« und die Leser eben ein bißch« in den April zu schicken.

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