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Samstag, 20. Oktober 1951

SÜDKURIER

Nr. 164 / Seite •

Die Not öer Menfchen ohne Heimat

Vom Kriege verweht — Schicksal der Flüchtlinge auf dem Lande

Oktobersonne liegt über den grünen Hügeln. Schon beginnt das Laub der Bäume sich bunt zu verfärben. Man müßte jetzt eine Wanderung machen und all die Schönheit mit vollen Zügen genießen! Aber man hat etwas weniger Erfreuliches zu tun: Man muß in die Dörfer gehen und nach den Flüchtlingen fragen. Man muß ein heikles Problem besprechen, in dem man sich nach ihren Wohnungsverhältnissen erkundigt.

Das Flüchtlingsproblem auf dem Lande ist ein ganz anderes als in der Stadt.

Taucht in der Stadt ein Fremder auf und bleibt, siedelt sich an, übt seinen Beruf aus, so ist das nichts Besonderes. Kommt aber ein Fremder in ein Dorf, so ist das ein Ereignis. Bleibt er länger, so werden sich die Dorfbewohner bald wundern und fragen: „Warum reist er noch nicht ab?“ Macht er aber gar keine Anstalten dazu, fängt er vielleicht an, seinen Beruf aus­zuüben, so wird er mit Sicherheit zunächst einmal mißtrauisch betrachtet, so wird abends im Wirtshaus über den „Eindring­ling“ ausgiebig gesprochen, und erst, wenn man sich darüber einig ist, daß der Frem­de ein Mensch ist, der keinem anderen das Brot nimmt, der sich den Sitten und Ge­bräuchen anpaßt und auch sonst keinen Anlaß zur Klage gibt, wird er vielleicht allmählich, ganz allmählich zum gleich­berechtigten Einwohner. So sind die unge­schriebenen Gesetze der menschlichen Ge­sellschaft auf dem Lande, sie bestehen seit Jahrhunderten, und noch nie hat es sich jemand einfallen lassen, daran zu rütteln.

Nun stelle man sich vor: Es kommt plötzlich eine Invasion von Fremden m ein Dorf, das kaum tausend Seelen zählt! Es kommen dreißig, vierzig Familien, Heimatlose, Verzweifelte, die einmal Haus und Hof besessen haben, denen alles genommen wurde, und denen der Staat nun neue Lebens­möglichkeiten bieten miuß Die Dorfgemeinde muß eie aufnehmen, weil der Staat es so bestimmt hat.

Das ist, als wenn ein menschlicher Magen, der bisher immer nur ein paar Körnchen Salz als Speisewürze zugeführt bekommen hat, plötzlich ein ganzes Pfund davon aufnehmen soll.

Nein, so ohne weiteres kann ein Dorf die hun­dert oder noch mehr Fremdlinge nicht ver­dauen. Sie, die gekom­men sind, um eine neue Heimat zu finden, mögen noch so guten Willens sein — es ist einfach

eine biologische Unmöglichkeit, aus einem ostpreußischen im Handumdrehen einen badischen Landwirt zu machen.

Schön und gut! Aber vor allem müssen einmal die Neuankömmlinge unterge­bracht werden! Das ist leicht gesagt. Man muß einmal gesehen haben, in welchen j Wohnungsverhältnissen ein großer Teil der einheimischen Landbevölkerung lebt. Das Haus des Bauern, vielleicht vor zweihun­dert Jahren erbaut, ist für eine einzelne Familie bestimmt. Denn wer hätte damals daran gedacht, daß eines Tages zwei oder drei Familien darin leben müßten? — Von den Zimmern sind bestenfalls zwei über­haupt heizbar. Ueberzählige Zimmer gibt es so gut wie gar nicht. Man pflegte eben in unserer Heimat keine sehr großen Bauern­häuser zu bauen.

Da kommt man also zu den Heimatver­triebenen und fragt: „Wie wohnt ihr?“ — und sie schauen dich an und sagen kein Wort. Es ist wahrhaftig kaum mit Worten zu sagen, wie viele von ihnen wohnen. Ein enger Raum, mit winzigen Fensterlöchem, mit niedriger Decke, verraucht, verrußt, oft mit morschen Fußbodendielen, mit rissi­gen Wänden, von denen der Putz infolge der Feuchtigkeit fällt — das ist der Wonn- raum, in dem sich vier, fünf und sechs Personen tagsüber aufhalten müssen, in dem die Kinder ihre Schularbeiten ma­chen, in dem die Mutter kocht, in dem der Vater die Schuhe besohlt. Nebenan, im Schlafraum, stehen die Betten so eng ne­beneinander, daß nicht einmal mehr ein Nachtkasten Platz hat. Da schlafen Vater, Mutter, Söhne und Töchter, vielleicht so­gar noch entferntere Verwandte zusam­men. Wie sich das auf den sittlichen Zu­

stand einer Familie auswirken kann, braucht wohl kaum noch. erörtert zu wer­den. In einigen Familien ist es so, daß zum Beispiel der eine Sohn mit Nacht­schicht in einer Fabrik arbeitet. Wenn er morgens um fünf nach Hause kommt, muß die Schwester aufstehen, um für ihn das Bett freizumachen.

Aber wie sollen wir nun Abhilfe schaf­fen? Die Wohnungsverhältnisse der Ein­heimischen sind so, daß man sie besten­falls noch als erträglich bezeichnen kann. Hier ist es nicht so, wie in manchen Städten, daß zwei bis drei Personen fünf bis sechs Zimmer zur Verfügung haben, ohne etwas davon abtreten zu müssen. Auf dem Dorf sind Vertriebene und Einheimi­sche beinahe in der gleichen Notlage. Die Bürgermeister der Gemeinden sind, von wenigen unrühmlichen Ausnahmen abge­sehen, bemüht, das Menschenmögliche zu tun, um ihren Neubürgern gute Unter­künfte zu verschaffen. Die Bevölkerung zeigt viel guten Willen bei der Ueberwin- dung des Mißtrauens und Beilegung der Mißverständnisse, die zwangsläufig auftre- ten müssen. Ein ostpreußischer Viehzüch­ter, der in seiner Heimat 100 Hektar Land besessen und in einem Landhaus mit allem Komfort gewohnt hat, kann sich eben nicht von heute auf morgen damit abfinden, zu sechs Personen in zwei Zimmern leben und vielleicht als Handwerksgehilfe arbei­ten zu müssen.

All diese Mißlichkeiten hätten ein Ende, wenn endlich einmal mit einer intensiven Bautätigkeit begonnen würde. Die Mög­lichkeiten dafür sind vorhanden. Wer sich mit Nachdruck dafür einsetzt, bekommt auch Baukredite. Tausend Schwierigkeiten und Entbehrungen sind aber damit ver­bunden. Doch es ist immer noch besser, diese eine Zeitlang auf sich zu nehmen, als zu resignieren. Lampe

Suferzeit am ßoöenlee

Gesegnete Oktobertage — Die Sonne hat vieles gutzumachen

lichem Einschlag, an Wärme und Witz ein­gekapselt schlummert, sprengt die Scha­len. Wie leicht trägt sich die schwere Hotte auf dem Rücken durch das Gewirr der Reben. Ein süßer Duft liegt schon in der Luft, kippt der Träger die kostbare Last.

In diesem Jahr war es der Herbst, der Rebe und Winzer am besten bedachte. Sonnige Oktobertage machten manches gut, was der Sommer am Bodensee ver­säumt hatte. Hebt sich in diesen Tagen der Morgennebel von See und Feld, so zie­hen von Hagnau und Meersburg die Ko­lonnen mit Pferd, Ochs und Wagen hin­aus. Die Weinlese ist im Gange. Langsam durchwandern Leser und Leserinnen schneidend Zeile um Zeile i.’.i Weinberg. Wie leuchten die Trauben hervor unter dem sich verfärbenden Laub. Wie spiegeln sich segenschwer die Weinberge im klaren Auge des Sees, wie grüßen sie hinüber durch die dünne Herbstluft zu den Firnen des Säntis. Jetzt öffnen sich um Meersburg die Rebgärten wieder, deren Stille in den letzten Wochen nur das Geschwätz trau- benJüstemer Stare störte. Die Arbeit wird zum Fest, der Alltag zum Feiertag, wenn jung und alt beim Herbsten ist. Alles was im verschlossenen Alemannen an süd­

Zeidinungen: Harald Gutschow

Eine Kette froher Tage! Sie erreichen ihren Höhepunkt, wenn der goldene Strom aus den uralten Torketo rinnt. Dann sind die Susertage, und das Bodenseevolk rüstet zu fröhlicher Fahrt nach dem jun­gen Wein. Man kennt sie nicht wieder, die verträumten Weinorte am See, wenn die Straußwirte den Kranz aus buntem Reb- laub an langen Stecken aus dem Fenster hängen. Mit dem Fäßlein wird die Freude auf die Straße getragen. Es hämmert und klopft; in allen Gassen und Höfen aber liegt der würzige Ruch des schäumenden Susers. Da fällt es schwer zu wählen. Soll man hinüberfahren auf die Sonnenseite, wo Meersburg , Hagnau , Markdorf und Kirchberg, gen Westen Birnau , Sipplingen und Ludwigshafen locken, soll man zu des heiligen Pirmin Insel Reichenau wallen oder gar weiter fahren über den Untersee , wo über Horn, Kattenhorn und Oehningen die Rebgärten an den Hörihängen empor - klettem. Sie sind ja alle gut, die Seeweine und im Jugendstadium einander noch ähnlicher, als wenn die Reife ihnen Cha­rakter und Blume gibt. Alle freilich sind sie frischer und nicht so weich und mild wie die Unterländer; aber diese Frische paßt zur Frische der Luft am See.

Reichhaltig ist die Weinkarte am Boden­ see vom bescheidenen Elbling bis zum ras­sigen Ruiänder und edlen Riesling oder zum flüchtigen Burgunder, feurigen Tra­miner und süffigen Weißherbst. Prognosen sind immer gefährlich, besonders beim Wein. Trotzdem wird man bei allem Vor­behalt sagen können, daß das Geschenk der bisher sonnigen Oktobertage einen gü­tigen Schicksalsspruch für den Jahrgang 1951 ergeben wird.

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Zeichnung: Hans Sauerbruch

Nur einmal im Jahr ift Kirchmeih

Wann das mit dem Kirchweihfest ange­fangen hat, läßt sich nicht mehr recht fest­stellen. Ursprünglich ein religiöses Fest, eben der Jahrestag der Einweihung einer Kirche, der später allgemein im Oktober gefeiert wurde, ist in einzelnen Gegenden Deutschlands eine Art Volksfest daraus geworden. Ein fröhliches weltliches Fest also, dessen einstiger religiöser Bedeutung sich bald kein Mensch mehr erinnerte.

Schon im Mittelalter wurde darüber ge­klagt, daß der Kinhweihtag immer mehr ausarte. Zu Ende des 15. Jahrhunderts ver­bot ein strenges Gesetz die Abhaltung von weltlichen Feiern in der Kirche, und Karl V. fügte diesem Verbot noch ein Ge­setz hinzu, das die Schändung und Ruhe­störung der Friedhöfe untersagte, weil hier oft Jahrmärkte abgehalten und Schau­buden aufgestellt wurden.

Em Tag voller Fröhlichkeit ist der Kirch­weihtag besonders in Süddeutschland im­mer geblieben. „Nur einmal im Jahr ist Kirchweih’“ und „Ist das Dörflein noch so klein, einmal im Jahr muß Kirchweih sein“, sagt das Sprichwort. Die Zahl der Kirchweihbräuche ist nicht minder groß, wie diese Bräuche mannigfaltig sind. Im badischen und württembergischen Ober­land ißt man an der Kirchweih besonders gut. Es ist in ländlichen Gegenden Brauch, auf diesen Tag ein Schwein zu schlachten und reichlich Kuchen zu backen. Allge­mein üblich und überall zu finden ist auch der Kirchweihtanz, dem ausgiebig gehul­digt wird.

Es ist eigenartig, daß sich diese alten Sitten so lange gehalten haben und, daß gerade dl. bäuerliche Bevölkerung so stark an ihnen hängt. Man findet auch heute noch kaum ein Bauernhaus, in dem nicht Kirchweih gefeiert wird. Vielleicht ist es darauf zurückzuführen, daß die Ernte jetzt eingebracht ist und Scheunen, Keller und Küche gefüllt sind. Die Arbeit im Freien ist getan. Die Natur geht zur Ruhe. Bald beginnt der Winter. Bevor Eis und Schnee und strenge Kälte die Menschen in die Häuser bannen, wollen sie noch einmal fröhlich und ausgelassen sein. Alles hat eben seine Zeit im Kreislauf des Jahres.

„OfitKreuz" in Offenburg

Die Landesvereinigung Baden der nord- ostdeutschen Landsmannschaften hat alle in Südbaden lebenden Baltendeutschen aufgerufen, an der Einweihung eines „Ost­kreuzes“ in Offenburg teilzunehmen. Die Errichtung des Kreuzes, das an Allerheili­gen geweiht werden soll, geht auf die Ini­tiative der vereinigten ostdeutschen Lands­mannschaften zurück. An dem Weiheakt werden auch Staatspräsident Leo Wohieb mit mehreren Mitgliedern der Regierung, die Landesvorsitzenden der Landsmann­schaften sowie zahlreiche andere Persön­lichkeiten des öffentlichen Lebens tedl- nehmen. Die Festrede wird der Vorsit­zende der vereinigten ostdeutschen Lands­mannschaften des Bundesgebietes. Staats­sekretär a. D. von Bismarck halten.

AUS DER CHRISTLICHEN WELT

Die Flucht ins 20. Jahrhundert

Landflucht — „Die innere Auswanderung“ Europas

Die ,,Oesterreidiisdie Furche" nimmt in einem längeren Artikel eingehend zu dem brennenden Problem der Landflucht Stellung, die sie als die „innere Auswanderung" Europas kennzeichnet. Wir geben die Grundgedanken des Artikels an­gesichts der entscheidenden soziologischen und politischen Bedeutung dieses Problems nach­stehend auszugsweise wieder.

Die Landflucht, jene „innere Auswan­derung“, von der ganz Europa betroffen ist, dauert nach wie vor an. Allein in der österreichischen Landwirtschaft fehlen 40 000 bis 60 000 landwirtschaftliche Ar­beitskräfte, und der österreichische Land­arbeitertag kennzeichnete den Emst der Situation kürzlich in einer Eingabe an den Bundeskanzler dahin, daß es in zehn Jah­ren in Österreich keine Landarbeiter mehr geben werde, wenn die Landflucht im bis­herigen Ausmaß anhalte.

Durch unmittelbare „gesetzliche Maß­nahmen“ (Arbeitsplatzwechsel-Verordnun­gen oder gar zwangsweiser Einsatz von Stadtbewohnern in der Landwirtschaft) wird man der Landflucht nie Herr werden. Sie ist die Flucht vor einer zu gering ein­geschätzten Leistung, vor überalterten Formen, vor einer Landwirtschaft ohne weiten Horizont und ohne Hoffnungen. Es geht darum, dem Landwirt die letzten Er­rungenschaften der Biologie, der organi­schen Chemie und der Elektrizität zu über­antworten d. h. ihm mit der Technik des 20. Jahrhunderts den Sinn der irdischen Berufung wieder näherzubringen: die Erde zu beherrschen und sich untertan zu ma­chen.

In Österreich gibt es auf dem Lande eine ebenso große Wohnungsnot wie in den Städten, von der am härtesten die Land­arbeiter betroffen sind. Zuviele Knechte j und Mägde bleiben zeitlebens zur Ehe­losigkeit verurteilt. Die hohe Zahl der un­

ehelichen Geburten, die in gewissen länd­lichen Gegenden 50 Prozent weit überstei­gen, spricht eine deutliche Sprache. Die Stelle eines gutqualifizierten Hilfsarbei­ters in der Stadt bedeutet für diese Men­schen einen Aufstieg, da sie als Landar­beiter nicht einmal Anspruch auf Arbeits­losenunterstützung erheben können. Es ist eine Flucht ins 20. Jahrhundert.

De r Landwirt von morgen

Die Landflucht ist ein Signal dafür, daß sich eine gewaltige Entwicklung vollzieht. Die Landwirte von heute befinden sich trotz allem in einer günstigeren Situation als die Arbeiter des vergangenen Jahr­hunderts, welche die industrielle Revolu­tion wie den Einbruch einer blinden Na­turkraft erlitten. Die Umwälzung in der Landwirtschaft findet Menschen vor, die in ihrer Gesamtheit ungleich entwickelter sind als das Industrieproletariat von 1830 oder von 1848. Es kommt darauf an, daß die Pioniere und mit ihnen die Gesamt­heit der Landwirte entschlossen und be­wußt den Weg beschreiten, der sich vor ihnen öffnet. Statt die unaufhaltsame Ent­wicklung zu erleiden, müssen sie an ihre Spitze treten und aus eigener gemeinsa­mer Kraft dafür sorgen, daß die tech­nische Entwicklung einen menschlichen Aufstieg mit sich bringt.

Die wirtschaftliche Selbstgenügsamkeit und Unabhängigkeit des Bauern hat weit­hin einen scheuen und mißtrauischen In­dividualismus begünstigt, der die notwen­digen Entwicklungen heute, da der Bauer nicht mehr weiter in seiner geschlossenen Welt verharren kann, am meisten hemmt. Der Landwirt von heute ist mit den Be­dürfnissen und Interessen der ganzen Welt verflochten, vor allem mit der In­dustrie, die er ernährt und der er in stei­

gendem Maße Rohstoffe liefert, um dage­gen Maschinen, chemische Produkte, Haus­haltsartikel, Bücher, Radioapparate, Treib­stoffe und Ersatzteile zu kaufen. Er braucht den Agrobiologen, den Geometer, den Agronomen, den Tierarzt, den Pflan­zenbiologen, den Schädlingsbekämpfer usw.

Früher sagte man, daß das schwerfäl­ligste Kind einer Familie für die Land­wirtschaft gerade gut genug sei, während man die aufgeschlossenen Kinder in die Stadt schickte. Heute dagegen scheint der i Begabteste, der Wissen, Intuition und Ini­tiative entschlußfreudig au vereinigen 1

Der bekannte Hamburger Physiker Professor Dr. Pascual Jordan sprach auf Einladung der Volkshochschule Darmstadt über das Thema „Religion und Natur­wissenschaft“. In großen Zügen ent­wickelte der Gelehrte, der zusammen mit Max Planck und Werner Heisenberg die Quantenmechanik begründete und durch seine Forschungen auf dem Gebiete der Atomtheorie, der Kosmologie und der Quantenbiologie berühmt geworden ist, ein klares Bild des naturwissenschaftlichen Denkens von Demokrit über Descartes , Darwin , Haeckel bis hin zu Max Planck und dessen letzten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Atomphysik. Die Vorausbe­stimmung des Ablaufs allen Naturgesche­hens habe seit Demokrit bis hinein in das

19. Jahrhundert ein völlig anderes religiö­ses Bild zu gestalten vermocht. Erst durch das seit 50 Jahren erforschte Atom sei eine grundlegende Wandlung in der Philo­sophie erfolgt, die für den Menschen des

20. Jahrhunderts neue, vielleicht nach den alten Gesichtspunkten engere, bei tieferer Einsicht aber doch weitere und endgültige Aspekte für eine religiöse Schau eröffnet hätten. Gerade dieses Wissen um die end­gültigen Grenzen menschlicher Forschung lasse eine weitere, größere Einbeziehung

mag, dazu berufen zu sein, Bauer zu wer­den. Es sind die gleichen Qualitäten, über die im entsprechenden Maße jene verfü­gen sollen, die an seiner Arbeit teilhaben und zu seinen mitverantwortlichen Mitar­beitern werden müssen. Mehr als andere den Fährnissen der Natur ausgesetzt, ständig von diesem Kampf beansprucht, den Geist durch die wechselnden Pro­bleme geschärft, den Körper durch das Leben unter freiem Himmel gestählt, wird der Landwirt von morgen einen überlege­nen Menschentyp bilden, einen bewußten Träger der Hoffnung auf eine bessere Welt.

der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in das religiöse Denken zu. Während das gesamte Weltbild bis zum 19. Jahrhundert in den Bahnen der Makrophysik durch eine materialistische Lehre eingeengt ge­wesen sei und der wirklichen Existenz einer überirdischen Macht nur beschränkt Raum gelassen habe, sei eben durch das Hinzukommen der Atomwissenschaft eine endgültige und unüberschreitbare Grenze für die gesamte Naturforschung festgelegt worden. Die Erkenntnisse der Mikro­physik ließen den modernen Menschen so in ein völlig neues Stadium der Philo­sophie eintreten und machten ihm eine ganz neue und positive religiöse Weltbe­wertung möglich. . ep>d

Keine Marienerscheinungen des Papstes Paris . Zu den Pressemeldungen über die Aeußerungen Kardinal Tedeschinis bei den Schlußfeierlichkeiten des Hl. Jahres in Fatima erklärte der Erzbischof von Lyon , Kardinal Gerlier , bei einer Feierstunde in der Pariser Kathedrale von Notre Dame, der Päpstliche Legat habe in Fatima kei­neswegs gesagt, daß der Hl. Vater die Er­scheinung der Jungfrau Maria gehabt habe. Er habe vielmehr festgestellt, der Papst j habe auf seinem Spaziergang in den vati- '

) kanischen Gärten das gleiche Sonnenwun­der beobachtet, wie es Tausende von Gläu­bigen im Jahre 1917 in Fatima erlebt hat­ten.

Diese Klarstellung Kardinal Gerliers entspricht dem im „Osservatore Romano “ veröffentlichten offiziellen Wortlaut der Ansprache Kardinal Tedeschinis. Darin heißt es u. a.: „Der Hl. Vater konnte in die strahlende Sonnenscheibe blicken und unter dem Beistand Mariens das Lebender Sonne sehen. Die Sonne war bewegt, völlig in Aufruhr und in ein Bild des Lebens und ein Schauspiel himmlischer Bewegungen verwandelt gleichsam als Uebermdttler stummer und doch inhaltsreicher Botschaf­ten für den Stellvertreter Christi“.

Altkatholische Bischofsweihe

Am 1. November (Allerheiligen) erhält der am 7. August in Heidelberg durch die Synode erwählte Bischof-Koadjutor J. J. Demmel in der Friedenskirche in Essen die Bischofsweihe. Konsekrator ist der Erz­bischof von Utrecht, Dr. Andreas Rinkel, Mitkonsekratoren sind Bischof Lagerwey von Deventer (Holland ), Weihbischof Dr. O. Steinwachs, Neckargemünd und ein noch vom Erzbischof von Canterbury zu benen­nender Bischof der Kirche von England . Männersonntag der Evangelischen Kirche Am kommenden Sonntag, dem 21. Oktober, wird in der Evangelischen Kirche in Deutschland der Männersonntag begangen. Das Männerwerk der evangelischen Lan­deskirche Badens hat diesen Sonntag unter das Thema gestellt „Die Rettung der Fa­milie in der wirtschaftlichen Not der Ge­genwart“. Dieser Aufgabe sollen auch alle Veranstaltungen des Männersonntag die­nen. Sie sollen den Eheleuten einerseits praktische Winke für die Stärkung des Fa­milienlebens unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen geben, aber auch andererseits nachdrücklich die Forderung nach einer Gestaltung des wirtschaftlichen Lebens vertreten, die der Gesundung d^s Familienlebens und nicht seiner Zerstö­rung dient. epd

Religion und Naturwissenschaft