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SÜDKURIER

Nr. 175 I Seite 5

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beit 8. 9looembet 1951

Bunte Sammeltagen

Wir haben am letzten Sonntag die sech­ste Sammeltasse bekommen. Eigentlich ist das ein Jubiläum, denn sechs Sammel­tassen bilden schon last ein kleines Ser­vice. Und wenn sie bei uns gesammelt wurden, ist das Service bunt und lebhaft wie eine Geburtstagsversammlung kleiner Kinder.

Unsere sechs Sammeltassen sind hübsch. Sie tragen alle unter dem Boden einen achtbaren Firmenstempel, den die schen­kenden Freundinnen der Hausfrau diskret gezeigt haben. Denn die Marke scheint so wichtig zu sein wie das Aussehen. So wichtig wie das warme Gelb im Grund­ton oder das vornehm-kühle Weiß, das Goldornament und die blaue Blume, die

roten Streifen und die grüne Schlangen­linie, die Schalenform und die Becher-An­deutung.

Wir haben außerdem noch zwei Sam­meltassen aus früheren Zeiten. An der einen steht „dem lieben Großvater“ ^ an der anderen „Zum Geburtstag“. Die eine ziert ein trompeten-blasender Engel, die zweite ein paar goldene Glocken. En­gel und Glocken ragen weit heraus und hindern beim Trinken. Die Hausfrau be­hauptet, die Tassen seien Kitsch und au­ßerdem schwer zu spülen. Wenn sie das sagt, lauscht der kleine Sohn andächtig. Wahrscheinlich will er das mit dem Kitsch von den sechs heutigen Tassen demnächst behaupten.

Sammeltassen sind Haltepunkte der Er­innerung. Wenn sie aufgestellt sind, gibt es ein „Weißt-du-noch?“-Gespräch. Auf al­len Gesichtern ist die Seligkeit des Rück­blicks, und ein bißchen davon spiegelt sich im gelblich-warmen oder weiß-vornehmen Porzellan. GIS.

Konkurrenz für Oie Fähre StaaOrMeereburg ?

Arbeitsausschuß für Autofähre-Betrieb Romanshorn —Friedrichshafen gegründet

Otto Schilt t

Nach längerem schwerem Leiden starb in Konstanz der Schriftsteller Otto Schilt im Alter von 67 Jahren. Er erkor sich mit Ab­schluß seiner Studien Konstanz zur Wahl­heimat. Otto Schilt kam verhältnismäßig spät zur Schrftstellerei und ist namentlich in den 30er Jahren durch eine Reihe phan­tasievoller Erzählungen und Romane h_r- vorgetreten, deren Handlung meist in In­ dien oder Amerika spielte. So schrieb „Der Karl May vom Bodensee “, wie er vielfach genannt wurde, u. a. die Erzählungen „Die Teufelsschlucht in der Sierra Madre“ und „Die Rache des Fakirs“ sowie die Romane „Sphinx Sahiba“ und die „Königin der Tigermenschen“, welch letzterer erstmals in der „Konstanzer Zeitung“ veröffent­licht und wegen seines abenteuerlichen und spannenden Inhalts von vielen Lesern förmlich verschlungen wurde. Das geistige Interesse Otto Schilts, dessen liebenswür­dige Persönlichkeit in seinem Freundes­kreis sich großer Wertschätzung erfreute, war aber weit über den Rahmen seiner literarischen Produktion hinaus gespannt. Am Kulturleben unserer Stadt nahm er jederzeit lebhaften Anteil.

Einschränkungen im Kur- und Hallenbad

Von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder Meldungen auf über das Projekt einer Autofähre Friedrichshafen —Romanshom. Vor allem auf deutscher Seite wird für diesen Plan ein reges Interesse bekundet. Voraussetzung für ein Gelingen ist jedoch, daß in Romanshorn eine Landebrücke er­stellt wird, die allerdings rund 100 000 Franken kostet.

Wie der „Thurgauer Volksfreund“ be­richtet, fand nun diese Woche auf Einla­dung des Gemeinderats von Romanshom dort eine Konferenz statt an der die zu­ständigen Instanzen vom deutschen und vom schweizerischen Bodenseeufer teil- nahmen. In der Diskussion gelang es, ver­schiedene Positionen abzuklären. Auf Schweizerseite wurde bekannt, daß die thurgauische und st. gallische Handelskam­mer, ferner die Nordostschweizerische und die Thurgauische Verkehrs Vereinigung, die Sektionen des schweizerischen Automobil­klubs und des Touringklubs der Schweiz sowie der Verkehrsverein und die Behörde von Romanshom einen Fährbetrieb aus verkehnspolitischen, touristischen und wirtschaftlichen Gründen begrüßen. Hin­gegen verhalten sich die Bundesbahnen und das Eidgenössische Amt für Verkehr dem Projekt gegenüber zurückhaltend, ja ablehnend, da sie am Bedürfnis, an der Frequenz und an der Rentabilität des Unternehmens zweifeln.

Im Gegensatz dazu wurden auf deut­scher Seite überzeugende Argumente und vor allem auch Zahlen für die Zweckmä­ßigkeit des geplanten Fährbetriebes gel­tend gemacht. Man erfuhr, daß sich von dreißig großen Firmen, an die sich die Handelskammer Ravensburg in einer Um­frage gewendet hat, 26 für den Fährebe­trieb aussprachen. Es wurde sodann dar­gelegt, daß die Kapazität der Fähre Kon­stanz/Staad—Meersburg zu klein sei, uro den Verkehr reibungslos zu bewältigen. Auch die ausgezeichneten Straßenverhält­nisse von Stuttgart über Ulm nach Fried­ richshafen an den Bodensee , der seit dem zweiten Weltkrieg verstärkte Zug nach der Schweiz aus Süddeutschland und der Reiz einer Ueberfahrt mit prächtigem Al­penrundblick sprechen für die Wiederauf­nahme des Autofähreverkehrs.

Selbstverständlich wurden, so erklärte man auf deutscher Seite, Vor- und Nach­teile gegeneinander abgewogen, doch kam man zum Schluß, mit ganzer Ueberzeugung könne hier die Einrichtung einer Auto­fähre befürwortet werden. Und zwar ist vorgesehen, zum Fahrplanwechsel 1952 zu- I nächst die „Schüssen“, die gegenwärtig gründlich renoviert und umgesbaltet wird, später ein zweites, neues Fährschiff einzu­setzen.

Nach ausgiebiger Diskussion wurde be­schlossen, einen Arbeitsausschuß zu be­

stellen, in den Vertreter des deutschen und des schweizerischen Bodenseeufers delegiert werden. Dieser Ausschuß wird die weiteren Arbeiten an die Hand nehmen und insbesondere noch die strittigen Fra­gen klären.

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Von zuständiger Seite in Konstanz wird darauf hingewiesen, daß nach der Fertig­stellung des neuen vierten Fährschiffes im Sommer kommenden Jahres die Fähre Staad-Meersburg allen Anforderungen ge­wachsen sein dürfte. Mit vier Fährschif­fen wird im Viertelstundenverkehr für die Autos keine zu große Wartezeit mehr eintreten. Um die technischen Vorausset­zungen zu schaffen, sind für einen Fähre­betrieb quer über den See große Investie­rungen notwendig. Der Bau eines Fähr­schiffes wird außerdem mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen.

Fußgänger, auch zu Deinem Schutz wird der Verkehr durch Polizeibeamte geregelt. I

Infolge Schwierigkeiten in der Brenn­stoffversorgung muß in kommender Woche eine Betriebseinschränkung im Kur- und Hallenbad erfolgen. Schwimmhalle, Wan­nen- und medizinische Bäder, Unterwasser­massagen und römisch-irische Abteilung können nur noch an dreieinhalb Tagen in der Woche, und zwar von Donnerstag bis einschließlich Sonntagvormittag, offen­gehalten werden. Die bisherigen Badezei­ten an diesen Tagen bleiben unverändert, wobei besonders darauf hingewiesen wird, daß am Sonntagvormittag nur die Schwimmhalle geöffnet ist.

Hubertusjagd der Damen Nach dem Hubertus-Jagdspringen der Herren am Sonntag waren es am Mittwoch die Damen des Konstanzer Reitclubs, die auf der gleichen Strecke zwischen Litzel- stettens Stockäcker und St. Katharina den Fuchs jagten. Das Feld der 16—17 Reite­rinnen wurde von Baronin v. Seydlitz als Fuchs angeführt. Siegerin des Jagdsprin­gens wurde Comtesse Brigitte Bernadotte.

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Das Fest der silbernen Hochzeit begehen am Freitag Augenarzt Dr. Heinen und Frau, Rosgartenstraße 4.

Seinen 74. Geburtstag feiert heute Rechtsbeistand Dr. jur. H. Rolf hack, Tumierstraße 17. — 74 Jahre alt wird am Freitag Frau Paulitia Schweiger, Witwe, Hindenburgstraße 22.

Frl. Maria Probst, Allmannsdorf, bestand vor der Prüfungskommission der Industrie- umdHandiedskammerdieGesellenprüfung als Wäscbeschneiderin mit bestem Erfolg. Sie war in der Lehre bei Schneidermeisterin Emilie Mauch, Wäschegeschäft Hans Arnold, Rosigartenstraße 10.

ln der Wollmatinger Straße fuhr abends ein 27 Jahre alter Motorradfahrer auf einen Pkw auf, weil der Fahrer des Autos plötz­lich abgebremst hatte. Der Motorradfahrer erlitt eine Gehirnerschütterung.

Gestern nachmittag fiel bei Reparatur­arbeiten an der Wallgutschule einem 17- jährigen Lehrling ein Backstein auf den Kopf. Der junge Mann mußte mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus überführt werden.

Der Lyceumclub veranstaltet heute Don­nerstagabend im Clubhaus (Europahaus) einen Konzertabend. Es singt Konzert­sängerin Käthe an Haack, begleitet am Flügel von Elisabeth Joos.

Heute albend beginnt die Industrie- Gewerkschaft Druck und Papier im Ge­werkschaftshaus, Obere Laube 63, einen Kalkulationslehrgang für ihre Mitglieder. Der Lehrgang findet voraussichtlich je­weils am Donnerstagabend statt und er­streckt sich auf 35 bis 40 Stunden.

Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft , Ortsgruppe Konstanz , hält heute abend im Saale Hussenstraße 19, eine Versammlung ab. Thema des Abends ist die Angestellten­versicherung sowie die neue Altershilfe der DAG.

Für die Gewerkschaft Handel, Banken und. Versicherungen findet am Freitagabend im „Alemanne“ für alle Angestellten und Arbeiter, die im Groß- und Einzelhandel, bei den Banken und Versicherungen be­schäftigt sind, eine Mitgliederversammlung statt. H. Henseler berichtet über den Ge­werkschaftstag in Köln .

Die Gewerkschaftsjugend Konstanz hält am Freitag im Europa-Haus eine Voll­versammlung ab. Wolfgang Maier-Radolf­zell wird über das internationale Gewerk­schaftstreffen in Paris berichten. Ferner wird das Programm des Familienabends der Konstanzer Gewerkschaften, der am 1. Dez. im Konzil stattflndet, besprochen.

Die Deutsche Fischwerbung führt am Freitag, nachmittags und abends, eine Werbe-Veranstaltang in der Oberen Sonne durch, um den Seefisch dem Binnenländer durch Vorträge und praktische Kochvor­führungen, durch Verabreichung von Kost­proben und Verteilung von guten Rezepten nahezubringen.

Der Oratorienchor Kreuzlingen, der Kon­ stanzer Kammerchor, das Städt. Orchester und die Solisten Margrit Ebner (Sopran) und Willi Kraus (Baß) bringen am Sonntag­nachmittag in St. Stephan unter der Leitung von Hermann Müller das „Deutsche Re­ quiem “ von Brahms zu Gehör. Das Werk wurde bereits am 7. Oktober mit großem Erfolg in Kreuzlingen aufgeführt.

Aus Der Arbeit Öee StaÖtarchioe

Wiederbeginn der Vorträge zur

Reute abend beginnen wieder die wöchent­lichen Vorträge des Stadtarchivs zur Stadt- und Heimatgeschichte. Die Reihe wird eröffnet mit einem Referat von Stadtarchivar Dr. Feger über die Tätigkeit des hl. Gallus am Bodensee aus Anlail des kürzlich begangenen 1300jähri- gen Gallus-Jubiläums. Die Vorträge finden bet freiem Eintritt Jeden Donnerstag um 20 Uhr statt, Jedoch nicht mehr wie bisher im Archiv, sondern in der Lesehalle am Rheintorturm.

Ein Bürger der Stadt Konstanz hat, ange­regt vielleicht durch vergilbte Briefe, die er in einer Truhe im Speicher des Hauses auf­stöberte, Lust bekommen, seinen Vorfahren nachzuforschen. Bei seinen Studien wird er aber wahrscheinlich bald an einer Grenze stehen, wo ihn seine Erinnerung verläßt und auch die in der Familie vorhandenen Schrif­ten nicht mehr weiterführen. Er braucht seine Bemühungen deshalb nicht gleich wie­der aufzugeben. Wenn er gut beraten ist, wird er sich an das Stadtarchiv wenden, das die Urkunden aufbewahrt, die über jene Grenze hinaus in die tieferen Räume der Stadtgeschichte weisen.

Es würde aber ein völlig falsches Bild von den Aufgaben eines Stadtarchivars geben, wollte man annehmen, er stünde nur An­fragen dieser Art zur Verfügung, und er selbst sei ein Mann in Filzpantoffeln, mit langem, weißem Bart und Zwicker, der in alten Chroniken blättert und Vergangenem nachträumt. Im Benutzungszimmer des Ar­chivs, das immer rege in Anspruch genom­men wird, sitzen Besucher neben einander, die die verschiedensten Anliegen haben. Macht man einen ersten Gang durch das Haus — im Jahre 1928 wurde das Archiv vom Rathaus in der Kanzleistraße in das alte Geschlechterhaus „Zur Katz“ verlegt — so findet man statt romantischer Butzen­scheiben und großer Spinnweben die nüch­terne und sachliche Atmosphäre eines Ver­waltungsapparates. Schreibmaschinen klap­pern, ein Telefon klingelt in den Räumen stehen neben alten Schränken Karteikästen auf Gestellen und Leitern zwischen Akten-

Stadt- und Heimatgeschichte

regalen, die bis unter die Decke reichen. In einem phototechnischen Labor werden für Konstanz wichtige Archivalien, die von an­deren Archiven nur geliehen werden können, auszugsweise im Bild festgehalten, in einem anderen Raum, der an die Werkstatt eines Buchbinders erinnert, werden alte Urkunden restauriert.

Hinter all diesen Lederrücken und Perga­menten schlummert das bürgerliche Leben eines städtischen Gemeinwesens bis zurück ins 13. Jahrhundert, städtische Gerichts- und Steuerakten, Testamente, Urbare und Zins­bücher, Stiche mit Stadtansichten und alten Stadtplänen und vor allem Protokolle, Akten und Register aller Abteilungen der Stadtver­waltung. Eigentlich ist nämlich das Stadt­archiv weiter nichts als die verlängerte Re­gistratur der städtischen Aemter, in der das Beibende der städtischen Verwaltungsarbeit aufbewahrt wird. Wo immer ein Amt seine tägliche Arbeit erledigt, ergeben sich Dinge, die „ad acta“ gelegt werden können, aber für eventuelle spätere Rückfragen ln Reich­weite bleiben müssen. Von Zeit zu Zelt nun, wenn den Aemtern diese Akten zuviel wer­den, können sie ins Archiv überführt wer­den, wo man sie auf ihre Archivwürdigkeit prüft. Diese Auswahl bürdet dem Archiv eine ziemliche Verantwortung auf, denn was ein­mal ausgeschieden wurde und in die Räder der Papiermühle geriet, ist nicht mehr zu­rück zu bringen. Das Stadtarchiv wird also nicht nur unterhalten zur Freude von Ama- teurhistorikem oder für Studenten auf der Suche nach einem Thema für ihre Doktor­arbeit, sondern ist ein Glied des städtischen Verwaltungsapparates wie etwa das Standes­amt auch.

Das Stadtarchiv ist der Ort, wo die tägliche Arbeit der Stadtverwaltung zur Geschichte wird, zur Geschichte aber, die weiter höchst lebendig ln unsere Gegenwart hineinwirkt. Hier gibt es keine Zäsur zwischen Geschichte gewordener Vergangenheit und dem Alltag unserer Tage, und ein Außenstehender wird

es kaum glauben, wie oft man einen Blick in vergangene Jahrhunderte tun muß, um für unsere Tage Rat und Recht zu finden. Um nur einige Fälle zu nennen, in denen in letzter Zeit das Archiv zu Rate gezogen wer­den mußte:

Als sich vor einiger Zeit einmal die Spital- stiftung dafür interessierte, warum sie eigent­lich jährlich eine bestimmte Summe an die Dreifaltigkeitskirche zu entrichten hat, konnte das Archiv nachweisen, daß diese Zahlung auf die Stiftung eines Konstanzer Chorher­ren aus dem 15. Jahrhundert zurückgeht. Ein geradezu klassisches Beispiel aber bietet der nach dem Krieg entbrannte Streit um das Tägermoos, die Allmende der Stadt Kon­ stanz , die — ein staatsrechtliches Kuriosum — in einem anderen Land, in der Schweiz liegt. Die Stadt hat das Tägermoos einst käuflich erworben, und die Kaufverträge wer­den Im Stadtarchiv aufbewahrt. Fischerei­rechte, Staatsgrenzen, Aufteilung der Flur, Grundstückrechte, alle sind die Ergebnisse geschichtlicher 'Entwicklung, und bei Nach­barstreiten, Fragen zur Bau- und Eigentums­geschichte alter Häuser kommt man selten ohne das Archiv aus.

Der Stadtarchivar muß also halbverblaßte Handschriften in altertümlichem Deutsch und mittelalterlichem Latein entziffern können und ihren Inhalt rechtsgeschichtlich zu deu­ten verstehen. Er muß Historiker sein aus Leidenschaft und doch, wenn auch der Blick von seinem Schreibtisch auch in einen ver­träumten Hinterhofgarten zwischen alten Häusern geht, Sinn für das Gegenwärtige behalten. Und er muß es verstehen, zusam­men mit seinen Mitarbeitern, über das Ein­ordnen und Eingliedern des Neuen hinaus, die leichte Auffindbarkeit alles Gesuchten und alles urkundlich Ergründbaren zu sichern, ohne die die Archivalien für die Oeffentlich- keit unbrauchbar wären.

Fast unmerklich ist in dem Archiv einer so alten Stadt wie Konstanz , die Grenze, wo der Dienst an aktuellen Verwaltungsauf­gaben übergeht in Probleme wissenschaft­licher Geschichtsforschung. Selbstverständlich ist es sich eine Stadt mit einer so reichen Vergangenheit schuldig, auch auf diesem Ge-

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Zollhaus am Emmishofer Tor wird abgebrochen — Neubau nicht vor dem Frühjahr

Nachdem, der schweizerische ZoHhof am Emmisfaofer Tor seit Tagen aufgerichtet ist und die beiden großen Gebäude seit Wochen ihre endgültige Form erkennen lassen, beginnen ab kommenden Montag nunmehr auch deutscherseits die Vor­arbeiten für den großen Umschlagszollhof. Der Baubeginn hat sich auf deutscher Seite deswegen verzögert, weil zunächst die Bundesmittel nicht genehmigt waren, in­zwischen aber eingetroffen sind. Die Höhe der Baukosten und damit die Summe, die vom Bund bezahlt wird, war allerdings vom Bezirksbauamt in Konstanz nicht zu erfahren, da man offenbar eine erneute Debatte über „Behördenbauten ja oder nein“, wie sie bekanntlich beim Bau des Arbeitsamtes am Webersteig entstanden war, vermeiden will.

Also wird am kommenden Montag mit dem Abbruch des in den 90er Jahren er­stellten deutschen Zollgebäudes am Emmis­hofer Tor begonnen. Obwohl der Bau­beginn schon seit Wochen zu erwarten war, kommt er für das Konstanzer Hauptzoll- amt doch überraschend. Das Amt hat erst gestern abend von privater (!) Seite vom Abbruch des Emmishofer Zollgebäudes er­fahren. Deswegen steht im Augenblick auch noch nicht fest, wie in Zukunft der Grenzgänger- und Autoverkehr an dieser Zollstelle geregelt wird. Vermutlich wird der Autoverkehr nach der Schweiz über

das Kreuzlinger Tor geleitet, während die Grenzgänger vorerst auf der Straße ab­gefertigt werden, was auch für die Zoll­beamten nicht angenehm sein dürfte.

Zunächst wird heute Donnerstag das Städtische Elektrizitätswerk mit dem Ver­legen der Starkstromleitungen beginnen, was insofern einige Schwierigkeiten mit sich bringen wird, als an diesem Netz­strang eine Reihe von Betrieben, u. a. auch die Bundesbahn angeschlossen sind. Außer­dem wird das Fernsprechbauamt mit dem Verlegen der Femsprechleitungen in den nächsten Tagen beginnen.

Als erster Bauabschnitt ist dann die Überbrückung des Grenzbaches vorgesehen, der sich dann die Tiefbauarbeiten für den deutschen Zollhof anschlteßen. Dabei sehen die Pläne vor, den deutschen Zollhof ohne Zwischenraum direkt an das schweizerische Zollgebäude anzubauen, so daß die deutsch - schweizerische Landesgrenze mitten durch das Haus geht und Konstanz somit um eine Grenzkuriosität reicher werden dürfte.

Sobald der deutsche Zollhof auf halber Höhe steht, was wegen der Frostgefahr nicht vor dem Frühjahr zu erwarten ist, wird mit dem Ausbau der Straße „zur Laube“ begonnen werden, wobei das Straßenknie Döbelestraße — Obere Laube ein schwieriges Verkehrsproblem ergeben dürfte.

Die in Oer Stille arbeiten

Treue Hausangestellte wurden geehrt

Das Badische Rote Kreuz hat nun, einer alten Tradition folgend, am Mittwoch- nachmittag in (St Johann die Haus­angestellten, die lange Jahre in der glei­chen Familie tätig sind, im Rahmen einer Feier würdig geehrt. Landgeriehtspräsi- dent Deufel begrüßte im Namen des Orts­vereins vom Roten Kreuz, sowie als Vor­sitzender des Kreisvereins vom Roten Kreuz die zahlreich erschienenen Gäste und übermittelte den dreißig Hausangestell­ten, die erschienen waren, .und an blumen­geschmücktem Tisch Platz genommen hat­ten, besondere Grüße. Ein ansehnlicher Geldbetrag wurde Jubilarinnen, die 40 big 50 Jahre in einer Familie tätig sind, im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft durch Oberregierungsrat Dr. Huggle mit herzlichen und anerkennenden Worten überreicht. Oberbürgermeister Knapp gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß ein alter, schöner Brauch nun wieder auflebt. Treue auf beiden Seiten, bei den Familien und ihren Angestellten, ein gegenseitiges Geben in dieser Art, sei die Grundlage für ein jahrzehntelanges bestes Einver­nehmen. Der jungen Generation möge die­ses treue Schaffen und Wirken zum Vor­bild werden.

Sehr schöne gesangliche Darbietungen wurden vom Kinderchor der Wessenberg’- schen Erziehungsanstalt — unter Leitung von Hauptlehrer Silber — dargeboten. Anschließend nahm der Vorsitzende des Ortsvereins vom Roten Kreuz, Apothe­ker Dr. Welsch, die Ehrung der 30 Jubi­larinnen vor, die Urkunde und Ehrengabe überreicht bekamen. Frau Regierungsrat Sturm fand herzliche Worte des Dankes namens der Angestellten sowie auch der Hausfrauen für die würdige Ehrung, die der stillen, unermüdlichen Tätigkeit der im Haushalt Schaffenden galt.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags Wurden die Jubilarinnen mit Kaffee und vorzüglichem Kuchen bewirtet. Die Kin­der der Weseenfoerg’schen Erziehungs- | anstatt trugen mit ihren reizvollen, volks- ' tümlichen Liedern und ihren hübschen I Gedichtvorträgen sehr zur Unterhaltung bei. Es wurden geehrt: Katherina Grund­ier 51 Jahre bei Familie Ellegast; Rosa Burger 50 Jahre bei Familie Prof. Neu­burger; Hedwig Burger 48 Jahre bei Fa­milie Abelmann; Theresia Hahn 43 Jahre bei Prof. Keller; Katherina Frick 40 Jahre

biet nicht allzusehr hinter anderen Städten zurückzubleiben. Das Programm der Ver­öffentlichungen „Quellen zur Konstanzer Ge­schichte“, das sich Stadtarchivar Dr. Feger gestellt hat, gilt hauptsächlich dem Stadt­recht, von dem bis jetzt mehrere Bände ab­zusehen sind. Zwei davon sind bereits er­schienen, einer ist im Drude und zwei sind im Manuskript fertig. Dem Ziel, in unserer schnellebigen Zeit das Interesse an der Ver­gangenheit in weiteste Kreise zu tragen, dienen die Vortragsabende, die beinahe jede Woche im Stadtarchiv einen zahlreichen Hörerkreis versammeln, und in denen immer wieder auch Laienhistoriker zu Wort kom­men, die — oft beraten von Dr. Feger — aus Freude an der Heimatgeschichte daran arbeiten, einzelne Gebiete städtischer Ver­gangenheit unserem Wissen zu erschließen.

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Neue Filme

Gloria: „Sensation in San Remo“, das ist der neueste deutsche Revue-Farbfilm mit Ma­ rika Rökk . Abend für Abend verwandelt sich die Gymnastiklehrerin Cornelia in die Chansonsängerin und Tänzerin Corry, bis sie bei einem Kapellen-Wettstreit in San Remo anerkannter Revuestar wird. — Capitol: „Zigeuner-Wildkatze“, ein Farbfilm um die Abenteuer der entführten Grafentochter un­ter den Zigeunern. Mit Maria Montez , Jon Hall und Peter Coe. (Freitag bis Montag.) — Scala: „Der alte Sünder“. Wien , wie es einst war, sorglos, glücklich, charmant, will dieser Film mit Paul Hörbiger wieder in Erinne­rung bringen. (Freitag bis Montag.) — Son­dervorstellungen (Samstag und Sonntag). Gloria: Carl Froelichs Meisterfilm um zwie­spältige Erziehungsprobleme: „Mädchen in Uniform“. Capitol: Der Schweizerfilm um den § 218: „Ist Dr. Ferrat schuldig?“ — Roxy: Vom Freitag bis Dienstag „Allotria in Flo­rida“, ein amerikanischer Farbfilm mit Don Ameche , Betty Grable und Robert Cummings . — Nachtvorstellung am 10. November und Matinee 11 Uhr am 11. November: „Zwischen den Eltern“, ein Eheproblem-Film mit Willy Fritsch , Hans Brausewetter und Erna Morena .

bei Familie Gottmann; Berta Noe 38 Jahre bei Frau v. Babo; Maria Frick 35 Jahre bei Familie Gottmann; Anna Meier 34 Jahre bei Familie Riggler; Lina Weiß 33 Jahre bei Familie Mannhart; Paula Fleig 33 Jahre bei Familie Horcher; Maria Fetscher 31 Jahre im Kloster Zoffingen ; Theresia Hilpert 28 Jahre bei Familie Haunz; Ella Rieger 27 Jahre bei Familie Mahler; Cäcilie Echle 26 Jahre bei Familie Gradmann; Susanne Weisser 26 Jahre bei Familie Mayrhofer; Walburga Gapp 25 Jahre bei Geistl. Prof. Schüler; Emma Butzengeiger 23 Jahre bei Familie Winter; Agnes Zimmermann 23 Jahre bei Familie Neumann; Friederike Bachhofer 22 Jahre bei Familie Burger; Maria Restle 22 Jahre bei Familie Roedenbeck; Luzia Grimm 21 Jahre bei Familie Haug; Wal­burga Hagen 20 Jahre bei Familie Kai­ser-Gradmann; Resi Baur 20 Jahre bei Familie Hogg; Anna Keller 20 Jahre bei Fräulein Schieß; Walburga Rief 20 Jahre im Marienhaus; Elsa Handlaser 19 Jahre bei Familie Rotzinger; Pauline Lutz 19 Jahre bei Frh. v. Rotberg; Johanna Schneider 19 Jahre bei Familie Penke; Ottilie Ströhle 18 Jahre bei Familie Kutt- ruff; Resi Riedmüller 16 Jahre bei Frau Reg.-Ra/t Sturm.

Verölenter Danh

Wer im Verlaufe der vergangenen Som­mersaison Gelegenheit hatte, einen Ein­blick in die Tätigkeit des Bodensee -Reise­büros zu tun, hat feststellen können, daß ein reibungsloser Ablauf des vom Reise­büro bewältigten Riesenprogrammes im Interesse des Fremdenverkehrs nur durch die restlose Tätigkeit aller Betriebsange­hörigen gewährleistet werden konnte. In unermüdlicher Tag- und Nachtarbeit muß­ten die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden. Ueber das Wochenende wurde nun den 20 Angestellten des Boden­ see -Reisebüros als Dank für ihre Arbeit während der Saison Gelegenheit geboten, die Teile der benachbarten Schweiz ken­nen zu lernen, die im vergangenen Som­mer nicht bereist wurden, im kommenden Jahr jedoch auch in das Ausflugspro­gramm einbezogen werden sollen, nämlich das Berner Oberland , das Wallis und den Genfer See . Die Schweizerische Bundes­ bahn , mit der, neben den einheimischen Verkehrsverbänden, eine enge und freund­schaftliche Zusammenarbeit bestand, hatte auf Anregung des Vorstandes des SBB - Bahnhcfes Konstanz , H. Jakob, das Reise­büro zu dieser schönen Fahrt eingeladen. Die Landeshauptstadt Bern , wo sich zur Begrüßung H. Meyer von der Direktion der Bern-tLötschberg-Simpilon-Bahn einge­funden hatte, das malerische Zermatt am Fuße des Matterhorns und das durch seine herrlichen Quais ganz südländisch anmu­tende Genf wurden besucht. Dankbar würdigte der Leiter des Bodensee -Reise­büros, Paul Dorsch, die geleistete Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Saison 1952 ein ebensolcher Erfolg be- schieden sein möge.

Malerinnung und Städtische Sparkasse

Es wurde vor kurzem berichtet, daß die Städtische Sparkasse Konstanz eine Vier­telmillion DM für Renovierungsarbeiten zur Verfügung gestellt hat. Die Gelder werden jedoch nur an Interessenten abge­geben, die sich verpflichten, die Aufträge an diejenigen Handwerker zu geben, die mit der Städtischen Sparkasse im Konto- Korrentverkehr stehen. In einem Schrei­ben an den Oberbürgermeister wendet sich nun die Malerianung gegen diese Bestim­mung, weil die Innung die Ansicht ver­tritt, die Städtische Sparkasse zwinge durch die Bedingung sämtliche Handwerker von Konstanz bei der Sparkasse ein Konto zu eröffnen, um sich eine evtl. Jahrzehnte alte Privatkundschaft zu erhalten. „Diese Bedingung seitens der Sparkasse “, so-heißt es in dem Schreiben an den Oberbürger­meister weiter „die immerhin eine städti­sche Einrichtung und somit der Allgemein­heit verantwortlich ist, hat im Handwerk großen Unwillen hervorgerufen.“ Der Oberbürgermeister wird ersucht, darauf hinzuwirken, daß die Eröffnung von Zwangskonten bei der Städtischen Spar­kasse rückgängig gemacht wird.