Samstag, 8. Dezember 1951
SÜDKURIER
Nr. 192 / Seite 6
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II
Säekingen - Staöt am Strom unö an Öer Grenze
Ueberlieferung und lebendige Gegenwart formen das Bild der Fridolinstadt
ln einer holzgetäfeiten Säckinger Gaststube hängt tief im Innenraum ein Selbstbildnis Heins Thomas. Mit ernstem und doch aufgeschlossenem Gesicht schaut der Meister erwartungsvoll in die Welt An anderer Stelle schmücken Erinnerungstafeln an Joseph Viktor von Scheffel das Halbdunkel der Wände. Es sind zwei Künstler, welche die Stadt, die sie auf ihre Weise schauten, in unserem Vaterland erst bekannt gemacht haben. — Von den Höhen des südlichen Schwarzwaldes, den Hans Thema in kaum mehr erreichter bildlicher Realität liebevoll gemalt hat. ist es nicht mehr weit bis zum südlichen Abhang des Hotzenwaldes, wo drunten im Rheintal das 'Fridolinsmünster aus der nebligen Tiefe herauswächst. Dort Hegt das Schloß derer von Schönau, worin Scheffel seinen alten wunderlichen Freiherm die Tochter Margaretha in den Keller schicken ließ, um den jungen Werner mit einem Begrüßungstrunk zu bewirten. Nicht alle Gäste des Säekingen von heute werden mit solchen Erinnerungen erfreut. Das Zeitalter, in dem ungefähr um die gleichen Jahre zwischen 1840 und 1850 ein Gottfried Keller am Hochrhein bei Glattfelden im Ufergebüsch saß, um nach dem romantischen Deutsch land hinüberzub licken, ist ein für allemal dahin.
Heute dröhnt über dem Rheintal das Rollen der Eisenbahnen. Jenseits der alten Holzbrücke, die Stein und Münchwilen mit der Fridolinstadt verbindet, fahren die aus Paris und Skandinavien kommenden Orient- und Italien -Expreßzüge ins Frick- täl hinein, um eine gute halbe Stunde später in Zürich zu sein. Diesseits erreichen die gelben Postwagen der Deutschen Post über die Serpentinen der Eggbergstraße die Höhen des Hotzenwaldes. Am Rande des Waldweges, der vom Bergsee herab ins Tal führt, liegen Fabriken. Die Zeit wird nicht mehr fern sein, da die alte Holzbrücke, die auf das Jahr 1571 zurückreicht, einer modernen Betonstraßenbrücke weichen muß, unter der vielleicht Frachtkähne aus Hol land und aus demRuhrgebiet dem Bodensee zusteuem werden. Säekingen ist nicht nur eine Stadt an der Landesgrenze, es spürt wie kaum ein anderer Ort die Grenzscheide von Vergangenheit und voranstrebender Gegenwart, den Uebergang von gestern auf morgen. Jahrhundertelang bestimmte das Stift und Frauenkloster die Entwicklung, Aufstieg und Niedergang der Stadt. Bereits seit Jahrzehnten sind es jedoch Wirtschaft und Industrie, welche den Lebensrhyttomus der Fridolinstadt bezeichnen. Zwar ist Säk- kingen zu keiner ausgesprochenen Industriestadt wie das benachbarte badische Rheirafelden geworden; wer jedoch mit verträumten Erinnerungen an Scheffel und seine Zeit durch die Straßen geht, dem wird das heutige Daseinsgesetz der alten Waldstadt nicht zugänglich und erklärbar sein. Das örtliche Handwerk und Gewerbe blüht. Ein Blick in die winkligen Gassen zwischen Münster und Rathaus bis hinab zum Zollgebäude vor der Rheinbrücke macht es deutlich. Doch Säekingen, das heute über 8000 Einwohner zählt, wird sich draußen vor der Altstadt weiter ausdehnen. Neue Industrien werden sich ansiedeln, denn die bisher schon eingerichteten Werke der Textil- und Seiden-Industrie, der pharmazeutischen oder holzverarbeitenden Betriebe zeugen von Blüte und Fortentwicklung. — Seit den letzten dreißiger Jahren ist Säk- kingen Kreisstadt geworden. Der Landkreis erstreckt sich bis hinauf nach Todtmoos und bis dicht an St. Blasien heran. Laufenburg und Rheinfelden gehören zum Verwaltungsbereich der Dienststelle, die nur we
nige Meter vom Fridolinsmünster entfernt ihren Sitz hat In nächster Zeit »oll ein neues Kreisverwaltungsgebäude am Stadtrand entstehen. Ueberall kann man hören, daß noch weittragendere Veränderungen erfolgt wären, hätte erst der Ausbau der Kraftwerke am Hochrhein Fortschritte gemacht Noch lähmen die verschiedensten Pläne um die Rheinregulierung und um ein neues Kraftwerk dieses oder jenes Vorhaben. Doch die Zeit steht nicht still.
Vor wenigen Jahren noch lag Säekingen, von der Mitte Deutschlands her gesehen, am Ende unseres Vaterlandes. Geographisch betrachtet besaß die Stadt weder Ausdeh- nungsmoglichkeiten, noch war sie leicht erreichbar. Der Rhein war Ende und Grenze, gegen Norden hin bildete und stellt der Schwarzwald heute noch eine Barriere dar. Auch hier hat sich manches verändert. Im Verkehr steht sowohl der Weg über Basel nach Fredburg als auch derjenige über Schaffhausen an den Bodensee wieder offen. Ueber die dumpf dröhnenden Balken der Holzbrücke fahren wie früher schweizerische und deutsche Autos. Mancher Säk- kinger geht hinüber, um sich seine Grenzgängerration zu holen, dieser oder jener Schweizer kommt herüber, um in die Säk- kniger Geschäfte hereinzuschauen und sich etwas zu erwerben. In beiden Richtungen vollzieht sich andererseits ein Austausch von Arbeitern, indem zahlreiche deutsche Grenzanwohner drüben auf dam Bau oder
in der Fabrik tätig sind und der eine oder ändere Schweizer herüber kommt. Man fährt nach Basel oder Zürich ins Theater; denn es sind die nächst erreichbaren Großstädte für den Säckinger . Während des Sommers legten ungezählte Reisegesellschaften in der alten Fridolinstadt eine Ruhepause ein, um nach einem Stadtbummel und einer Stärkung die Reise in Richtung Süden, nach jenseits der Zollschranken fortzusetzen.
Säekingen hat trotz der starken industriellen Entwicklung dem Besucher immer noch etwas zu bieten. Im vergangenen Jahr spielte man Freilichttheater im Schloßpark. Wer sich an einem Sonntagmorgen vor die wuchtige Barockfaseade des Fridolinmünsters stellte, um danach durch alte Gassen und Durchgänge zu streifen, wird eine solche Unterbrechung seiner Reise nie bereut haben. Ganz zu schweigen von einem Spaziergang hinauf zum Bergsee, wo sich am Fuß von Granitfelsen und im Schatten alter Bäume ein Stück, wenn auch gemachter Idylle erhalten hat — Wie immer man auch diese Stadt im Wandel der Zeiten sehen mag, sie hat neben ihrem Namen, der an Romantik, Lied und liebenswerte Philisterei erinnert, vor allem das bewahrt, was man Atmosphäre nennt. Scheffel prägte als Zueignung in der dritten Auflage seines „Trompeters von Säekingen“ den Vers:
Schwarzwaldluft und Rheineswelle
Strömen stets gesund und rein ...
Und darin scheinen dort am Hochrhein auch heute noch Dichtung und Wirklichkeit übereinzustimmen. —fx—
Neftor Der Bo£>enfeM3eologie
Ein Gedenkwort für Geheimrat Professor Dr. W. Schmidle
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Das Lebenswerk des kürzlich in Frei burg -Günterstal verstorbenen Geheimrat Dr. W. Schmidle war stet® im Wachsen, die bessere Erkenntnis mußte der früheren weichen. Neben der Schularbeit al® Direktor des Meersburger Lehrerseminars und der Konstanzer Zeppelin-Oberreal- schule widmete er seine ganze Persönlichkeit der Erforschung der Geologie de® Bodensees, dessen molassesandigen Felslandschaften und eiszeitlichen Moränenhügel für immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Die Moränenzüge der vier verschiedenen Eiszeiten, die schon Penck in den Grundzügen in seinem Werke: „Die Alpen im Eiszeitalter“ herausarbeitete, hat Schmidle vertieft und ausgebaut. Dem Deckenschotter der 1. und 2. Eiszeit hat er nachgespürt, unvergeßlich bleibt der badischen Heimat eine Exkursion mit Schmidle zu dem Hügelstein, (2. Eiszeit, unterer Deckenschotter). Wenn heute der Deckenschotter anders eingereiht, und gar der 3. Eiszeit zugerechnet wird, so fand sich Schmidle philosophisch damit ab, er wußte von der Unzulänglichkeit alles menschlichen Wissen®. Die Erkenntnis, daß der Bodensee seine merkwürdige Form, die Dreiteilung in Ober-, Ueberlinger- und Untersee durch Einbruch, also durch Tektonik erhalten hatte, verfocht er mit Zähigkeit bis Zum Siege seiner Anschauung. Die Grabung Dr. H. Reinerths im steinzeitlichen Pfahlbau von Sipplingen war der Anlaß zu der programmatischen Streitschrift: „Stand der Sipplinger Pfahlbau trocken?“
Wenn Schmidle, der von der Botanik kam — er war vor allem ein guter Algenkenner — hier auf Grund von Bodenproben, die er dem Schlamm de® versunkenen Pfahlbaus entnahm, diese Fragestellung bejahte, so hatte dieses Urteil Gewicht Manche seiner Erkenntnisse sind aus dem Studium der Karte heraus ergrübelt, und stets versuchte er auch, durch Zeichnungen seine Theorien zu unterbauen. Als ich dem Geheimrat Neues vom Trocken tal Egg (eiszeitliche Abflußrinne bei Konstanz ) berichtete, da horchte er auf: „Ja, das habe ich mit meinem Freunde Schalch zusammen begangen und kartiert, „wir haben auch mit dem Handbohrer gearbeitet“, antwortete der 90jährige mit erstaunlicher Gedächtnisschärfe. „Aber geologisch wei
terforschen kann ich nicht mehr, mein ganzes Material mußte wegen der Bombenangriffe in Kisten, und nun lese ich nur noch leichte Romane. „Das war in Günterstal im Juni I960, jenem reizenden Vorort von Freiburg zwischen den hohen Schwarzwaldbergen.
Markgraf Bertold von Baden hatte seinem einstigen Lehrer und Direktor der Schloßschule zu Salem seine Mitarbeit nie vergessen. Ein freiheitlicher Geist, getragen von dem Zweigestim Schmidle-Hahn, lehrte man in den ehrwürdigen Hallen des alten Schlosses. Mit Stolz zeigten die Schüler die Wandmalereien, die sie entworfen und angebracht hatten. Es mag um 1930 gewesen sein, also wir Schmidle in Salem besuchten, wo sein nimmermüder Geist nach seiner Pensionierung ein neues Tätigkeitsfeld gefunden hatte. Schmidles Gattin war gerade beim Aquarellieren, sie liebte wie ihr Mann die Bodenseelandschaft, aber — auch die Singvögel. Als Schmidle die ersten Feuersteinwerkzeuge der Mittelsteinzeit sah, da leuchteten seine Augen und er sagte nur: „Da ist man nun jahrzehntelang am Bodensee herumgelau- fen und hat nichts davon gesehen.“ Für die Probleme der Urgeschichte hatte er großes Interesse, die jungsteinzeitlichen Wohngruben bei Unteruhldingen hat er; l entdeckt, und die Ringwälle des Bodensee - * Gebiets haben ihn immer beschäftigt.
Seine letzte Veröffentlichung, erschienen im Thurgauisehem historischen Verein 1947, befaßte sich nochmals mit diesen, in der Zeitstellung oft so fraglichen - Erdaufschüttungen. 1945 brachte die Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen noch die Arbeit heraus: „Ueber das Alter des heutigen Oberseespiegels“, fußend auf der römischen Uferlinie von Konstanz . Vorher war noch die Geologie Singens und der Hegauvulkane in 2. Auflage erschienen. Zum 90. Geburtstage ehrte ihn die Universität Freiburg durch Besuch und Gratulation.
Wenn wir uns heute trauernd vor der Bahre des Verstorbenen neigen, so wissen seine Freunde vom Bodensee , was sie mit diesem einmaligen Gelehrten verloren haben: Geheimrat Prof. Dr. Schmidle war ein großer Erforscher unserer Heimat, der seine Schüler in das geheime Land der Sehnsucht und zu den ungelösten Rätseln der Natur führte. Afons B e ck
Bild: Jeannine le Brun
Sagen unO Schwanke t>om ßoOenfee
Das friedliche Bild der schimmernden Fläche des Bodensee ® mit ihrem Kranz von Fischerdörfern und Weinbergen, von Burgen, Städten und Klöstern, läßt uns heute kaum noch ahnen, wie sehr dieses Land bis in dunkle Anfänge zurück Schauplatz stürmischer und wechselvoller Geschichte War. In den Bauern- und Fischerdörfern 'abSt- wie in den Städten lebt ein besinnlich-heiterer Menschenschlag, dem unter allen deutschen Stäm- hien eine besondere Erzählergabe zuteil wurde, und das alemannisch-schwäbische Volk ist auch in der ernsten Literatur nicht schlecht vertreten. Etwas von dieser Erzählergabe trifft man jedoch auch in mancher dunkelgetäfelten Weinstube am See, am eichenen Tisch unter Fischern und Winzern, wenn der Rote oder der Weiße die sonst nicht sehr gesprächigen Zungen plötzlich löste. Müßte da die bewegte geschichtliche und kulturelle Vergangenheit dieses von Römern und Alemannen, von Schwaben , Schweizern und Schweden umstrittenen Landes nicht ihren reichen Niederschlag in Sage und Volksmärchen gefunden haben?
Der Konstanzer Stadtbibliothekar Dr. Bern hard Möking hat sich die Mühe gemacht, diesem Gut nachzuspüren, das gewiß neben den alten Kirchen und Baudenkmälern seinen eigenen Wert behaupten darf. Er hat in den Archiven, in den Folianten
nachgeforscht, was sich dort, in alten Per. gamenten aufgezeichnet, noch erhielt, er hat Heiligenviten und Stadtchroniken studiert und von Gottesurteilen und Fas- nachtsspässen, von Spuk in Kirchen und Weinkeltern, von Ortsneckereien und Reliquienwundem gelesen. Er scheute sich aber auch nicht, in den Uferdörfern und den einsamen Höfen unter den Lebenden herumziuhorchen, und so hat er schließlich eine reiche Ernte eingebracht und im Netze seines wissenschaftlichen Sammeleifer® so manchen glitzernden Fang getan.
Das Beste und Köstlichste tischt er uns in dem Buch „Sagen und Schwänke vom Bodensee “ auf, das seit Jahren vergriffen war und nun im Südveriag Konstanz neu herausgebracht wurde. Das meiste hat er in natürlicher kerniger Sprache erzählt, einigem ist die dichterische Form belassen, in die es von Ludwig Uhland oder Gott fried Keller gebracht wurde. Nicht nur Jugendliche werden die Sammlung als ein Märchenbuch ganz eigener Art mit Freude lesen, sondern auch Erwachsenen wird e® manche ergötzliche Geschichte im Gedächt. nis auffrischen, der sie in ihrer eigenen Ju_ gend einmal lauschten.
Die bunten Farbtafeln, die Sepp Biehler beisteuerte, treffen das Ungesucht-Volkstümliche aufs Vorzüglichste, weil in ihnen die gleiche ungebrochene Formkraft des Volkes wirksam ist, der wir die Sagen selbst verdanken. W. Q.
AUS DER CHRISTLICHEN WELT
Die Kirche gegen Geburtenkontrolle
Auf der Erde werden jeden Tag 60 000 Menschen geboren. Betrug das Durchschnittsalter der Deutschen um 1500 fünfundzwanzig Jahre, um 1870 vierzig Jahre, ist es jetzt auf ungefähr 62 Jahre angewachsen. Mit solchen Zahlen wird von gewissen Kreisen die Forderung nach der Geburtenkontrolle begründet, vor allem in den dichtbesiedelten Ländern Japan und Indien . Diese Propaganda für die Geburtenregulierung behauptet insbesondere, die Emährungsbasis der Menschheit werde immer geringer und deshalb wären die Menschen gut beraten, wenn sie von sich aus den Bevölkerungszuwachs verringern würden.
Bereits ist der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation der UN in Indien eingetroffen, um dort zu einem ausgedehnten Propagandafeldzug für die Geburtenbeschränkung als Berater mitzuwirken. Die katholischen Bischöfe Indiens haben gegen diesen Plan scharf protestiert und dabei festgestellt, daß die Geburtenverhütung und die Zerstörung des keimenden Lebens Verbrechen darstellten, die an Mord grenzen. Die katholische Kirche und die Tradition Indiens hätten zu allen Zeiten die Heiligkeit des Familienlebens gewahrt.
In Japan werden öffentliche Versammlungen abgehalten, um die Frage der Uebervölkerung und der Mittel zu ihrer Ueberwindung zu diskutieren, wobei immer wieder die Geburtenkontrolle als eines der wirksamsten Mittel bezeichnet wird. An einer derartigen Aussprache legte erstmals eine Japanerin die Auffassung der katholischen Kirche dar und erklärte, ein Ausweg könne nur durch die Entwicklung der industriellen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten sowie durch die Auswanderung gefunden werden.
Wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche in zwei, kurz aufeinander folgenden Ansprachen — am 29. Oktober vor den Teilnehmerinnen am Kongreß des katholi schen Geburtshelferinnenbundes Italiens und am 28. November an die „Front der Familie“ — zu dem hier angeschnittenen Problem Stellung genommen hat, so unterstreicht dies nur die Aufmerksamkeit der katholischen Kirche für ein sehr ernstes Anliegen unserer Zeit. Mit besonderem Nachdruck betonte der Papst di® Unverletzbarkeit des menschlichen Lebens., auch des Kindes im mütterlichen Schoß. Dieses unschuldige menschliche Leben dürfe nicht zerstört werden; in welchem Zustand es sich auch befinde, es sei vom ersten Augenblick seiner Existenz an jedem direkten absichtlichen Eingriff entzogen. Sollten trotz aller Fortschritte der Wissenschaft Fälle übrig bleiben, in denen man (vor und während der Geburt des Kindes) mit dem Tod der Muter rechnen müsse, so bleibe dem Menschen, der sich bis zum letzten bemühe zu helfen und zu retten, nichts übrig, als ach in Ehrfurcht den Gesetzen der Natur und dem Walten der göttlichen Vorsehung zu beugen.
Den evangelischen Standpunkt vertrat Kirchenrat Dr. Wenzel auf einer Arbeitstagung evangelischer Aerzte, Hebammen und Fürsorgerinnen in Berlin . Von den Verhaltungsmaßregeln, nach denen man glaube, die Tötung des ungeborenen Kindes und die Geburtenverhütung regeln zu dürfen, könnten die medizinischen allein ein Recht dort anmelden, wo der Arzt, der sich selber vor den Augen des Schöpfers prüft, glaubt, eine regelnde Hand anlegen zu müssen, wenn Gefahr für das Leben der Mutter oder des Kindes besteht. Die Kirche habe den Auftrag, Mut zu machen
zu einem Leben des Wagnisses gegenüber der fatalen Atmosphäre, in der alle® nach menschlicher Berechnung gesichert und versichert sein soll. spectator
Alt-Katholiken wieder in St. Ursula
Freiburg. Anläßlich der Wieder- Uebernahme der St. Ursula-Kirche fand am vergangenen Sonntag ein von dem neugeweihten Bischof Johannes Demmel zelebriertes Pontifikalamt statt, das aus der weitesten Umgebung besucht war. Pfarrer Rosch-Freiburg predigte über das Thema „Wir Alt-Katholiken und die Oeku- mene“. Die ganze Feier machte in ihrer liturgischen Prachtentfaltung auf die Anwesenden einen großen Eindruck. Nach Beendigung begrüßte der Bischof die Anwesenden und erteilte den bischöflichen Segen. Der Vertreter des Staatspräsidenten, der selbst zu einer Totenfeier auswärts weilte, überbrachte die Grüße der
Landesregierung. Nachmittags fand eine Familienfeier in den Harmoniesälen statt, bei der Bischof Demmel hervorhob, welch innige Beziehungen ihn mit der Una- Sancta-Bewegung verbinden
Landessyntode empfiehlt Einzelbeichte
Hannover , Die Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche Hannover hat auf ihrer letzten Tagung auf Antrag mehrerer Sjujocihlen beschlossen, die Pastoren der Landeskirche zu bitten, in ihrer Amtsführur^ der Einzeibeichte stärker als bisher Raum - zu gewähren. Die Gemeinden sind gleichzeitig auf die Möglichkeit der Einzelbeichte in den evangelisch-lutherischen Kirchen hingewiesen worden. Die Landessynode Hannover folgte damit dem Beispiel der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, die bereits vor einiger Zeit beschlossen hat, dem Bedürfnis nach stärkerer Einzelbeichte nachzukommen.
Katholische und evangelische Lehrer-Akademie eröflnet
Freiburg . In Freiburg wurden in Anwesenheit von Erzbischof Dr. Wendelin Rauch, Oberkirchenrat Katz als Vertreter des Landesbischofs D. Bender, des Rektors der Freiburger Universität, Professor Dr. Vincke, sowie staatlicher, städtischer und kirchlicher Behörden die beiden neuerrichteten pädagogischen Akademien für die Ausbildung des katholischen und evangelisch«! Lehrernachwuchses durch Staatspräsident Wohieb feierlich eröffnet.
Staatspräsident Wohieb betonte in beiden Eröffnungsfeiern, mit der Errichtung konfessioneller Akademien habe nunmehr jeder Studierende die Möglichkeit, die Art seiner Lehrerbildung selbst zu wählen. Der Staatspräsident verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Lehrerbildung sei in Ba den jetzt konfessionell. „Das ist nicht wahr“, sagte Wohieb, „wir geben jedem die Freiheit, aber wir fordern auch Freiheit für den, der sich für die katholische
oder evangelische Akademie entscheiden will“. Die Notwendigkeit, in Baden eine dritte Akademie zu errichten, habe der Landesregierung die Möglichkeit gegeben, mit der Einrichtung konfessioneller Anstalten auch auf dem Gebiet der Lehrerbildung der Badischen Verfassung zu entsprechen. Wohieb bekannte sich nachdrücklich zur christlichen Simultanschule, die stes eine „meisterhafte Schule“ gewesen sei, große Erfolge erzielt und gute Staatsbürger hervorgebracht habe. Die christliche Elternschaft habe einen Anspruch darauf, daß diese Schulart auch in die Verfassung des wiederhergestellten Landes Baden übernommen werde.
Erzbischof Dr. Rauch betonte bei der Eröffnungsfeier der katholischen Akademie, eine der größten Sorgen seine® Vorgängers, Erzbischof Dr. Conrad Gröber, sei es gewesen, daß die Religion wieder die ihr gebührende Stellung in den Akademien
erhalte. Die jetzt eröffnete katholische Akademie werde deshalb so herzlich begrüßt, weil man sie lange herbeigesehnt habe.
Bei der Eröffnung der evangelischen Akademie überbrachte Oberkirchenrat Katz die Grüße und Glückwünsche des Landesbischofs und sagte, die evangelische Kirche halte „mit aller Kraft“ an der christlichen Simultanschule fest, die ein Segen für unser Volk sei. Bereits bei Vor-, Verhandlungen im Jahre 1946 habe die evangelische Kirche die christliche Simul- tanechule bejaht, gleichzeitig aber die nach Konfessionen getrennte Lehrerbildung gefordert
Vom Gfockeofriedhof zum Glocke natlas Hamburg
. Ende dieses Jahres wird in Hamburg das Verwaltungsbüro geschlossen, das die 16 000 bei Kriegsende auf dem Hamburger Glockenfriedhof liegenden deutschen Kirchenglocken betreute. Die durch das Kriegsende vor der Einschmelzung bewahrten Glocken, deren Gewicht zwischen 7 und 12 000 kg lag, wurden inzwischen in ihre Heimatgemeinden im westlichen und östlichen Deutschland zurückgeschafft.
Alle in Hamburg lagernden Glocken- sind systematisch in einem Archiv erfaßt worden, das heute einen einmaligen kulturgeschichtlichen Wert darstellt. Dieses Archiv wird auch nach der Auflösung des Verwaltungsbüros Weiterarbeiten können, denn finanzielle Hilfe ißt von der evangelischen und katholischen Kirche sowie der Bundesregierung zugesagt worden. Zur Vervollständigung des Archivs werden zur Zeit in ganz Deutschland jene Kirchenglocken, die nicht auf den Hamburger Glockenfriedhof geschafft worden waren, untersucht und karteimäßig erfaßt. Eine „Deutsche Glockenkunde“ mit mehreren Bänden wird die Auswertung des Archivs darstellen und einen umfassenden Ueber- blick über die kulturgeschichtliche Entwicklung der deutschen Kirchenglocken geben.