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Samstag, 8. Dezember 1951

SÜDKURIER

Nr. 192 / Seite 6

! I

II

Säekingen - Staöt am Strom unö an Öer Grenze

Ueberlieferung und lebendige Gegenwart formen das Bild der Fridolinstadt

ln einer holzgetäfeiten Säckinger Gast­stube hängt tief im Innenraum ein Selbst­bildnis Heins Thomas. Mit ernstem und doch aufgeschlossenem Gesicht schaut der Meister erwartungsvoll in die Welt An an­derer Stelle schmücken Erinnerungstafeln an Joseph Viktor von Scheffel das Halb­dunkel der Wände. Es sind zwei Künstler, welche die Stadt, die sie auf ihre Weise schauten, in unserem Vaterland erst be­kannt gemacht haben. — Von den Höhen des südlichen Schwarzwaldes, den Hans Thema in kaum mehr erreichter bildlicher Realität liebevoll gemalt hat. ist es nicht mehr weit bis zum südlichen Abhang des Hotzenwaldes, wo drunten im Rheintal das 'Fridolinsmünster aus der nebligen Tiefe herauswächst. Dort Hegt das Schloß derer von Schönau, worin Scheffel seinen alten wunderlichen Freiherm die Tochter Mar­garetha in den Keller schicken ließ, um den jungen Werner mit einem Begrüßungs­trunk zu bewirten. Nicht alle Gäste des Säekingen von heute werden mit solchen Erinnerungen erfreut. Das Zeitalter, in dem ungefähr um die gleichen Jahre zwischen 1840 und 1850 ein Gottfried Keller am Hochrhein bei Glattfelden im Ufergebüsch saß, um nach dem romantischen Deutsch­ land hinüberzub licken, ist ein für allemal dahin.

Heute dröhnt über dem Rheintal das Rol­len der Eisenbahnen. Jenseits der alten Holzbrücke, die Stein und Münchwilen mit der Fridolinstadt verbindet, fahren die aus Paris und Skandinavien kommenden Orient- und Italien -Expreßzüge ins Frick- täl hinein, um eine gute halbe Stunde spä­ter in Zürich zu sein. Diesseits erreichen die gelben Postwagen der Deutschen Post über die Serpentinen der Eggbergstraße die Hö­hen des Hotzenwaldes. Am Rande des Waldweges, der vom Bergsee herab ins Tal führt, liegen Fabriken. Die Zeit wird nicht mehr fern sein, da die alte Holzbrücke, die auf das Jahr 1571 zurückreicht, einer mo­dernen Betonstraßenbrücke weichen muß, unter der vielleicht Frachtkähne aus Hol­ land und aus demRuhrgebiet dem Bodensee zusteuem werden. Säekingen ist nicht nur eine Stadt an der Landesgrenze, es spürt wie kaum ein anderer Ort die Grenzscheide von Vergangenheit und voranstrebender Gegenwart, den Uebergang von gestern auf morgen. Jahrhundertelang bestimmte das Stift und Frauenkloster die Entwicklung, Aufstieg und Niedergang der Stadt. Bereits seit Jahrzehnten sind es jedoch Wirtschaft und Industrie, welche den Lebensrhyttomus der Fridolinstadt bezeichnen. Zwar ist Säk- kingen zu keiner ausgesprochenen Indu­striestadt wie das benachbarte badische Rheirafelden geworden; wer jedoch mit ver­träumten Erinnerungen an Scheffel und seine Zeit durch die Straßen geht, dem wird das heutige Daseinsgesetz der alten Wald­stadt nicht zugänglich und erklärbar sein. Das örtliche Handwerk und Gewerbe blüht. Ein Blick in die winkligen Gassen zwischen Münster und Rathaus bis hinab zum Zoll­gebäude vor der Rheinbrücke macht es deutlich. Doch Säekingen, das heute über 8000 Einwohner zählt, wird sich draußen vor der Altstadt weiter ausdehnen. Neue Industrien werden sich ansiedeln, denn die bisher schon eingerichteten Werke der Tex­til- und Seiden-Industrie, der pharmazeu­tischen oder holzverarbeitenden Betriebe zeugen von Blüte und Fortentwicklung. — Seit den letzten dreißiger Jahren ist Säk- kingen Kreisstadt geworden. Der Landkreis erstreckt sich bis hinauf nach Todtmoos und bis dicht an St. Blasien heran. Laufenburg und Rheinfelden gehören zum Verwal­tungsbereich der Dienststelle, die nur we­

nige Meter vom Fridolinsmünster entfernt ihren Sitz hat In nächster Zeit »oll ein neues Kreisverwaltungsgebäude am Stadt­rand entstehen. Ueberall kann man hören, daß noch weittragendere Veränderungen erfolgt wären, hätte erst der Ausbau der Kraftwerke am Hochrhein Fortschritte ge­macht Noch lähmen die verschiedensten Pläne um die Rheinregulierung und um ein neues Kraftwerk dieses oder jenes Vor­haben. Doch die Zeit steht nicht still.

Vor wenigen Jahren noch lag Säekingen, von der Mitte Deutschlands her gesehen, am Ende unseres Vaterlandes. Geographisch betrachtet besaß die Stadt weder Ausdeh- nungsmoglichkeiten, noch war sie leicht er­reichbar. Der Rhein war Ende und Grenze, gegen Norden hin bildete und stellt der Schwarzwald heute noch eine Barriere dar. Auch hier hat sich manches verändert. Im Verkehr steht sowohl der Weg über Basel nach Fredburg als auch derjenige über Schaffhausen an den Bodensee wieder of­fen. Ueber die dumpf dröhnenden Balken der Holzbrücke fahren wie früher schwei­zerische und deutsche Autos. Mancher Säk- kinger geht hinüber, um sich seine Grenz­gängerration zu holen, dieser oder jener Schweizer kommt herüber, um in die Säk- kniger Geschäfte hereinzuschauen und sich etwas zu erwerben. In beiden Richtungen vollzieht sich andererseits ein Austausch von Arbeitern, indem zahlreiche deutsche Grenzanwohner drüben auf dam Bau oder

in der Fabrik tätig sind und der eine oder ändere Schweizer herüber kommt. Man fährt nach Basel oder Zürich ins Theater; denn es sind die nächst erreichbaren Groß­städte für den Säckinger . Während des Sommers legten ungezählte Reisegesell­schaften in der alten Fridolinstadt eine Ruhepause ein, um nach einem Stadtbum­mel und einer Stärkung die Reise in Rich­tung Süden, nach jenseits der Zollschran­ken fortzusetzen.

Säekingen hat trotz der starken indu­striellen Entwicklung dem Besucher immer noch etwas zu bieten. Im vergangenen Jahr spielte man Freilichttheater im Schloßpark. Wer sich an einem Sonntagmorgen vor die wuchtige Barockfaseade des Fridolinmün­sters stellte, um danach durch alte Gassen und Durchgänge zu streifen, wird eine solche Unterbrechung seiner Reise nie be­reut haben. Ganz zu schweigen von einem Spaziergang hinauf zum Bergsee, wo sich am Fuß von Granitfelsen und im Schatten alter Bäume ein Stück, wenn auch gemach­ter Idylle erhalten hat — Wie immer man auch diese Stadt im Wandel der Zeiten sehen mag, sie hat neben ihrem Namen, der an Romantik, Lied und liebenswerte Phi­listerei erinnert, vor allem das bewahrt, was man Atmosphäre nennt. Scheffel prägte als Zueignung in der dritten Auflage seines „Trompeters von Säekingen“ den Vers:

Schwarzwaldluft und Rheineswelle

Strömen stets gesund und rein ...

Und darin scheinen dort am Hochrhein auch heute noch Dichtung und Wirklichkeit übereinzustimmen. —fx—

Neftor Der Bo£>enfeM3eologie

Ein Gedenkwort für Geheimrat Professor Dr. W. Schmidle

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Das Lebenswerk des kürzlich in Frei­ burg -Günterstal verstorbenen Geheimrat Dr. W. Schmidle war stet® im Wachsen, die bessere Erkenntnis mußte der frühe­ren weichen. Neben der Schularbeit al® Direktor des Meersburger Lehrerseminars und der Konstanzer Zeppelin-Oberreal- schule widmete er seine ganze Persönlich­keit der Erforschung der Geologie de® Bo­densees, dessen molassesandigen Felsland­schaften und eiszeitlichen Moränenhügel für immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Die Moränenzüge der vier ver­schiedenen Eiszeiten, die schon Penck in den Grundzügen in seinem Werke: „Die Alpen im Eiszeitalter“ herausarbeitete, hat Schmidle vertieft und ausgebaut. Dem Deckenschotter der 1. und 2. Eiszeit hat er nachgespürt, unvergeßlich bleibt der badischen Heimat eine Exkursion mit Schmidle zu dem Hügelstein, (2. Eiszeit, unterer Deckenschotter). Wenn heute der Deckenschotter anders eingereiht, und gar der 3. Eiszeit zugerechnet wird, so fand sich Schmidle philosophisch damit ab, er wußte von der Unzulänglichkeit alles menschlichen Wissen®. Die Erkenntnis, daß der Bodensee seine merkwürdige Form, die Dreiteilung in Ober-, Ueberlinger- und Untersee durch Einbruch, also durch Tek­tonik erhalten hatte, verfocht er mit Zä­higkeit bis Zum Siege seiner Anschauung. Die Grabung Dr. H. Reinerths im stein­zeitlichen Pfahlbau von Sipplingen war der Anlaß zu der programmatischen Streit­schrift: „Stand der Sipplinger Pfahlbau trocken?“

Wenn Schmidle, der von der Botanik kam — er war vor allem ein guter Algen­kenner — hier auf Grund von Bodenpro­ben, die er dem Schlamm de® versunkenen Pfahlbaus entnahm, diese Fragestellung bejahte, so hatte dieses Urteil Gewicht Manche seiner Erkenntnisse sind aus dem Studium der Karte heraus ergrübelt, und stets versuchte er auch, durch Zeichnun­gen seine Theorien zu unterbauen. Als ich dem Geheimrat Neues vom Trocken tal Egg (eiszeitliche Abflußrinne bei Konstanz ) berichtete, da horchte er auf: „Ja, das habe ich mit meinem Freunde Schalch zusam­men begangen und kartiert, „wir haben auch mit dem Handbohrer gearbeitet“, ant­wortete der 90jährige mit erstaunlicher Gedächtnisschärfe. „Aber geologisch wei­

terforschen kann ich nicht mehr, mein ganzes Material mußte wegen der Bom­benangriffe in Kisten, und nun lese ich nur noch leichte Romane. „Das war in Günterstal im Juni I960, jenem reizenden Vorort von Freiburg zwischen den hohen Schwarzwaldbergen.

Markgraf Bertold von Baden hatte sei­nem einstigen Lehrer und Direktor der Schloßschule zu Salem seine Mitarbeit nie vergessen. Ein freiheitlicher Geist, getra­gen von dem Zweigestim Schmidle-Hahn, lehrte man in den ehrwürdigen Hallen des alten Schlosses. Mit Stolz zeigten die Schü­ler die Wandmalereien, die sie entworfen und angebracht hatten. Es mag um 1930 gewesen sein, also wir Schmidle in Salem besuchten, wo sein nimmermüder Geist nach seiner Pensionierung ein neues Tä­tigkeitsfeld gefunden hatte. Schmidles Gattin war gerade beim Aquarellieren, sie liebte wie ihr Mann die Bodenseeland­schaft, aber — auch die Singvögel. Als Schmidle die ersten Feuersteinwerkzeuge der Mittelsteinzeit sah, da leuchteten seine Augen und er sagte nur: „Da ist man nun jahrzehntelang am Bodensee herumgelau- fen und hat nichts davon gesehen.“ Für die Probleme der Urgeschichte hatte er großes Interesse, die jungsteinzeitlichen Wohngruben bei Unteruhldingen hat er; l entdeckt, und die Ringwälle des Bodensee - * Gebiets haben ihn immer beschäftigt.

Seine letzte Veröffentlichung, erschienen im Thurgauisehem historischen Verein 1947, befaßte sich nochmals mit diesen, in der Zeitstellung oft so fraglichen - Erdaufschüt­tungen. 1945 brachte die Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen noch die Arbeit heraus: „Ueber das Alter des heutigen Oberseespiegels“, fußend auf der römi­schen Uferlinie von Konstanz . Vorher war noch die Geologie Singens und der Hegau­vulkane in 2. Auflage erschienen. Zum 90. Geburtstage ehrte ihn die Universität Freiburg durch Besuch und Gratulation.

Wenn wir uns heute trauernd vor der Bahre des Verstorbenen neigen, so wissen seine Freunde vom Bodensee , was sie mit diesem einmaligen Gelehrten verloren haben: Geheimrat Prof. Dr. Schmidle war ein großer Erforscher unserer Heimat, der seine Schüler in das geheime Land der Sehnsucht und zu den ungelösten Rätseln der Natur führte. Afons B e ck

DAS FRIDOLINSMÜNSTER IN SÄCKINGEN

Bild: Jeannine le Brun

Sagen unO Schwanke t>om ßoOenfee

Das friedliche Bild der schimmernden Fläche des Bodensee ® mit ihrem Kranz von Fischerdörfern und Weinbergen, von Burgen, Städten und Klöstern, läßt uns heute kaum noch ahnen, wie sehr dieses Land bis in dunkle Anfänge zurück Schauplatz stürmischer und wechselvoller Geschichte War. In den Bauern- und Fischerdörfern 'abSt- wie in den Städten lebt ein besinnlich-heiterer Menschen­schlag, dem unter allen deutschen Stäm- hien eine besondere Erzählergabe zuteil wurde, und das alemannisch-schwäbische Volk ist auch in der ernsten Literatur nicht schlecht vertreten. Etwas von dieser Erzählergabe trifft man jedoch auch in mancher dunkelgetäfelten Weinstube am See, am eichenen Tisch unter Fischern und Winzern, wenn der Rote oder der Weiße die sonst nicht sehr gesprächigen Zungen plötzlich löste. Müßte da die bewegte ge­schichtliche und kulturelle Vergangenheit dieses von Römern und Alemannen, von Schwaben , Schweizern und Schweden um­strittenen Landes nicht ihren reichen Nie­derschlag in Sage und Volksmärchen ge­funden haben?

Der Konstanzer Stadtbibliothekar Dr. Bern­ hard Möking hat sich die Mühe gemacht, diesem Gut nachzuspüren, das gewiß ne­ben den alten Kirchen und Baudenkmälern seinen eigenen Wert behaupten darf. Er hat in den Archiven, in den Folianten

nachgeforscht, was sich dort, in alten Per. gamenten aufgezeichnet, noch erhielt, er hat Heiligenviten und Stadtchroniken stu­diert und von Gottesurteilen und Fas- nachtsspässen, von Spuk in Kirchen und Weinkeltern, von Ortsneckereien und Re­liquienwundem gelesen. Er scheute sich aber auch nicht, in den Uferdörfern und den einsamen Höfen unter den Lebenden herumziuhorchen, und so hat er schließlich eine reiche Ernte eingebracht und im Netze seines wissenschaftlichen Sammel­eifer® so manchen glitzernden Fang getan.

Das Beste und Köstlichste tischt er uns in dem Buch „Sagen und Schwänke vom Bodensee “ auf, das seit Jahren vergriffen war und nun im Südveriag Konstanz neu herausgebracht wurde. Das meiste hat er in natürlicher kerniger Sprache erzählt, einigem ist die dichterische Form belassen, in die es von Ludwig Uhland oder Gott­ fried Keller gebracht wurde. Nicht nur Jugendliche werden die Sammlung als ein Märchenbuch ganz eigener Art mit Freude lesen, sondern auch Erwachsenen wird e® manche ergötzliche Geschichte im Gedächt. nis auffrischen, der sie in ihrer eigenen Ju_ gend einmal lauschten.

Die bunten Farbtafeln, die Sepp Biehler beisteuerte, treffen das Ungesucht-Volks­tümliche aufs Vorzüglichste, weil in ihnen die gleiche ungebrochene Formkraft des Volkes wirksam ist, der wir die Sagen selbst verdanken. W. Q.

AUS DER CHRISTLICHEN WELT

Die Kirche gegen Geburtenkontrolle

Auf der Erde werden jeden Tag 60 000 Menschen geboren. Betrug das Durch­schnittsalter der Deutschen um 1500 fünf­undzwanzig Jahre, um 1870 vierzig Jahre, ist es jetzt auf ungefähr 62 Jahre ange­wachsen. Mit solchen Zahlen wird von ge­wissen Kreisen die Forderung nach der Geburtenkontrolle begründet, vor allem in den dichtbesiedelten Ländern Japan und Indien . Diese Propaganda für die Gebur­tenregulierung behauptet insbesondere, die Emährungsbasis der Menschheit werde immer geringer und deshalb wären die Menschen gut beraten, wenn sie von sich aus den Bevölkerungszuwachs verringern würden.

Bereits ist der Generaldirektor der Welt­gesundheitsorganisation der UN in Indien eingetroffen, um dort zu einem ausge­dehnten Propagandafeldzug für die Ge­burtenbeschränkung als Berater mitzuwir­ken. Die katholischen Bischöfe Indiens ha­ben gegen diesen Plan scharf protestiert und dabei festgestellt, daß die Geburten­verhütung und die Zerstörung des keimen­den Lebens Verbrechen darstellten, die an Mord grenzen. Die katholische Kirche und die Tradition Indiens hätten zu allen Zei­ten die Heiligkeit des Familienlebens ge­wahrt.

In Japan werden öffentliche Versamm­lungen abgehalten, um die Frage der Uebervölkerung und der Mittel zu ihrer Ueberwindung zu diskutieren, wobei im­mer wieder die Geburtenkontrolle als eines der wirksamsten Mittel bezeichnet wird. An einer derartigen Aussprache legte erstmals eine Japanerin die Auffassung der katholischen Kirche dar und erklärte, ein Ausweg könne nur durch die Entwick­lung der industriellen und landwirtschaft­lichen Möglichkeiten sowie durch die Aus­wanderung gefunden werden.

Wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche in zwei, kurz aufeinander folgenden Ansprachen — am 29. Oktober vor den Teilnehmerinnen am Kongreß des katholi­ schen Geburtshelferinnenbundes Italiens und am 28. November an die „Front der Familie“ — zu dem hier angeschnittenen Problem Stellung genommen hat, so unter­streicht dies nur die Aufmerksamkeit der katholischen Kirche für ein sehr ernstes Anliegen unserer Zeit. Mit besonderem Nachdruck betonte der Papst di® Unver­letzbarkeit des menschlichen Lebens., auch des Kindes im mütterlichen Schoß. Dieses unschuldige menschliche Leben dürfe nicht zerstört werden; in welchem Zustand es sich auch befinde, es sei vom ersten Augenblick seiner Existenz an jedem di­rekten absichtlichen Eingriff entzogen. Sollten trotz aller Fortschritte der Wissen­schaft Fälle übrig bleiben, in denen man (vor und während der Geburt des Kindes) mit dem Tod der Muter rechnen müsse, so bleibe dem Menschen, der sich bis zum letzten bemühe zu helfen und zu retten, nichts übrig, als ach in Ehrfurcht den Ge­setzen der Natur und dem Walten der göttlichen Vorsehung zu beugen.

Den evangelischen Standpunkt vertrat Kirchenrat Dr. Wenzel auf einer Arbeits­tagung evangelischer Aerzte, Hebammen und Fürsorgerinnen in Berlin . Von den Verhaltungsmaßregeln, nach denen man glaube, die Tötung des ungeborenen Kin­des und die Geburtenverhütung regeln zu dürfen, könnten die medizinischen allein ein Recht dort anmelden, wo der Arzt, der sich selber vor den Augen des Schöpfers prüft, glaubt, eine regelnde Hand anlegen zu müssen, wenn Gefahr für das Leben der Mutter oder des Kindes besteht. Die Kirche habe den Auftrag, Mut zu machen

zu einem Leben des Wagnisses gegenüber der fatalen Atmosphäre, in der alle® nach menschlicher Berechnung gesichert und versichert sein soll. spectator

Alt-Katholiken wieder in St. Ursula

Freiburg. Anläßlich der Wieder- Uebernahme der St. Ursula-Kirche fand am vergangenen Sonntag ein von dem neugeweihten Bischof Johannes Demmel zelebriertes Pontifikalamt statt, das aus der weitesten Umgebung besucht war. Pfarrer Rosch-Freiburg predigte über das Thema „Wir Alt-Katholiken und die Oeku- mene“. Die ganze Feier machte in ihrer liturgischen Prachtentfaltung auf die An­wesenden einen großen Eindruck. Nach Beendigung begrüßte der Bischof die An­wesenden und erteilte den bischöflichen Segen. Der Vertreter des Staatspräsiden­ten, der selbst zu einer Totenfeier aus­wärts weilte, überbrachte die Grüße der

Landesregierung. Nachmittags fand eine Familienfeier in den Harmoniesälen statt, bei der Bischof Demmel hervorhob, welch innige Beziehungen ihn mit der Una- Sancta-Bewegung verbinden

Landessyntode empfiehlt Einzelbeichte

Hannover , Die Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche Hannover hat auf ihrer letzten Tagung auf Antrag mehrerer Sjujocihlen beschlossen, die Pa­storen der Landeskirche zu bitten, in ihrer Amtsführur^ der Einzeibeichte stärker als bisher Raum - zu gewähren. Die Gemein­den sind gleichzeitig auf die Möglichkeit der Einzelbeichte in den evangelisch-lu­therischen Kirchen hingewiesen worden. Die Landessynode Hannover folgte damit dem Beispiel der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, die bereits vor einiger Zeit beschlossen hat, dem Bedürfnis nach stärkerer Einzelbeichte nachzukommen.

Katholische und evangelische Lehrer-Akademie eröflnet

Freiburg . In Freiburg wurden in An­wesenheit von Erzbischof Dr. Wendelin Rauch, Oberkirchenrat Katz als Vertreter des Landesbischofs D. Bender, des Rektors der Freiburger Universität, Professor Dr. Vincke, sowie staatlicher, städtischer und kirchlicher Behörden die beiden neuerrich­teten pädagogischen Akademien für die Ausbildung des katholischen und evange­lisch«! Lehrernachwuchses durch Staats­präsident Wohieb feierlich eröffnet.

Staatspräsident Wohieb betonte in bei­den Eröffnungsfeiern, mit der Errichtung konfessioneller Akademien habe nunmehr jeder Studierende die Möglichkeit, die Art seiner Lehrerbildung selbst zu wählen. Der Staatspräsident verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Lehrerbildung sei in Ba­ den jetzt konfessionell. „Das ist nicht wahr“, sagte Wohieb, „wir geben jedem die Freiheit, aber wir fordern auch Frei­heit für den, der sich für die katholische

oder evangelische Akademie entscheiden will“. Die Notwendigkeit, in Baden eine dritte Akademie zu errichten, habe der Landesregierung die Möglichkeit gegeben, mit der Einrichtung konfessioneller An­stalten auch auf dem Gebiet der Lehrer­bildung der Badischen Verfassung zu ent­sprechen. Wohieb bekannte sich nach­drücklich zur christlichen Simultanschule, die stes eine „meisterhafte Schule“ ge­wesen sei, große Erfolge erzielt und gute Staatsbürger hervorgebracht habe. Die christliche Elternschaft habe einen An­spruch darauf, daß diese Schulart auch in die Verfassung des wiederhergestellten Landes Baden übernommen werde.

Erzbischof Dr. Rauch betonte bei der Er­öffnungsfeier der katholischen Akademie, eine der größten Sorgen seine® Vorgän­gers, Erzbischof Dr. Conrad Gröber, sei es gewesen, daß die Religion wieder die ihr gebührende Stellung in den Akademien

erhalte. Die jetzt eröffnete katholische Akademie werde deshalb so herzlich be­grüßt, weil man sie lange herbeigesehnt habe.

Bei der Eröffnung der evangelischen Akademie überbrachte Oberkirchenrat Katz die Grüße und Glückwünsche des Landesbischofs und sagte, die evangelische Kirche halte „mit aller Kraft“ an der christlichen Simultanschule fest, die ein Segen für unser Volk sei. Bereits bei Vor-, Verhandlungen im Jahre 1946 habe die evangelische Kirche die christliche Simul- tanechule bejaht, gleichzeitig aber die nach Konfessionen getrennte Lehrerbildung ge­fordert

Vom Gfockeofriedhof zum Glocke natlas Hamburg

. Ende dieses Jahres wird in Hamburg das Verwaltungsbüro geschlossen, das die 16 000 bei Kriegsende auf dem Hamburger Glockenfriedhof liegenden deutschen Kirchenglocken betreute. Die durch das Kriegsende vor der Einschmel­zung bewahrten Glocken, deren Gewicht zwischen 7 und 12 000 kg lag, wurden in­zwischen in ihre Heimatgemeinden im westlichen und östlichen Deutschland zu­rückgeschafft.

Alle in Hamburg lagernden Glocken- sind systematisch in einem Archiv erfaßt wor­den, das heute einen einmaligen kulturge­schichtlichen Wert darstellt. Dieses Archiv wird auch nach der Auflösung des Verwal­tungsbüros Weiterarbeiten können, denn finanzielle Hilfe ißt von der evangelischen und katholischen Kirche sowie der Bun­desregierung zugesagt worden. Zur Ver­vollständigung des Archivs werden zur Zeit in ganz Deutschland jene Kirchen­glocken, die nicht auf den Hamburger Glockenfriedhof geschafft worden waren, untersucht und karteimäßig erfaßt. Eine „Deutsche Glockenkunde“ mit mehreren Bänden wird die Auswertung des Archivs darstellen und einen umfassenden Ueber- blick über die kulturgeschichtliche Ent­wicklung der deutschen Kirchenglocken geben.