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UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET

SUDKURIER

Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark zu-

Tel.: 924, 925, 1130, 1510, 1511. Fernschreiber: 06628. 7 JAHRGANG * DONNERSTAG 20. DEZEMBER 1951 * NUMMER 199 zügl. 30 Ffg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark,

Verlag und Redaktion Konstanz . Marktstätte 4 ‘ ___zuzügl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Pfg-

Kinder aus vier Nationen

BONN . Kinder vier verschiedener Natio­nen werden am Donnerstag unter dem Tannenbaum in der amerikanischen Sied­lung in Godesberg versammelt sein. Über 100 amerikanische Kinder nehmen zusam­men mit 130 deutschen, 60 englischen und 30 französischen Kindern an dieser inter­nationalen Weihnachtsfeier teil. Die Feier beginnt mit einer in drei Sprachen gehal­tenen Begrüßungsansprache der amerika­ nischen Kinder, auf die ihre Gäste antwor­ten werden. Anschließend trägt jede der Gruppen Weihnachtslieder vor, die in ihrem Land am beliebtesten sind.

General Christiansen entlassen

AMSTERDAM . Der ehemalige Wehr- machtbefehlshaber in Holland , General der Flieger a. D. Friedrich Wilhelm Christian­sen, wurde am Mittwoch — einige Tage nach seinem 72. Geburtstag — aus der Haft entlassen. Er wurde aus dem Ge­fängnis in Scheveningen von der holländi­schen Polizei über die Grenze geleitet Ge­neral Christiansen wurde im Jahre 1948 von einem Sondergericht in Amheim zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Er be­fand sich seit 1946 in Haft.

„Klettermaxe" auf Kurfürstendamm

BERLIN . Mehrere hundert Berliner unterbrachen am Mittwoch ihre Einkäufe und Spaziergänge auf dem Kurfürsten­ damm , um „Klettermaxe“, einen aus der Vorkriegszeit bekannten Berliner Artisten, zu beobachten, der an der Fassade eines vierstöckigen Hauses emporkletterte. — „Klettermaxe“ hatte um 1930 den seinerzeit in Berlin berüchtigten Fassadenkletterer und Einbrecher gleichen Namens als Artist imitiert. Die Zuschauer hielten den Atem an, als sich im dritten Stock der Verputz eines Vorsprungs löste, auf dem der Artist stand. Ohne Zwischenfall erreichte „Klet­termaxe“ aber unter dem Beifall der Menge das Dach.

Als US -Saboteure erschossen

MOSKAU . Sowjetische Exekutionskom- mandoe haben zwei Russen erschossen, die schuldig befunden wurden, als „Saboteure der USA “ durch Fallschirmabsprung aus einem amerikanischen Flugzeug mit Spio­nage- und Sabotageaufträgen in die So­ wjetunion gekommen zu sein. Die Moskauer Nachrichtenagentur „Tass“ meldete, die beiden Erschossenen seien im August d. J. „im Schutze der Nacht“ über der Mol­ dau-Republik abgesetzt worden, die im Südwesten der Sowjetunion zwischen Ru­ mänien und der Ukraine liegt.

Hochzeit nadi 42 Jahren Zuchthaus

WASHINGTON. 42 Jahre hinter Schwe­ dischen Gardinen haben den Lebenswillen des Amerikaners Ernest Linquist nicht ge­brochen. Der wegen Ermordung eines Po­lizisten 1909 zu lebenslänglich Zuchthaus Verurteilte wurde jetzt im Alter von 61 Jah­ren begnadigt. Er wird als erstes eine 69- jährige Witwe heiraten, die ihm vor zwei Jahren zu Weihnachten ein Geschenk ins Zuchthaus brachte.

Libyen We»hnaditen unabhängig

LONDON . Das Weihnachtsgeschenk für Libyen wird seine politische Unabhängig­keit sein. Sie soll zu Weihnachten ver­kündet werden. Libyen gehört zu den ehe­mals italienischen Kolonien in Nordafrika , die nach dem Kriege unter vorläufige bri­ tische Verwaltung kamen. Großbritannien wird dem jungen Staat wirtschaftliche Be­rater stellen und auch finanzielle Zu­schüsse zum Staatshaushalt leisten, wie in einem Vertrag festgelegt werden soll.

Kurz notiert

Der von der Einheitsgewerkschaft des Saar­landes beschlossene Generalstreik wird vor­aussichtlich nicht stattfinden. Die Verhand­lungen über einen Ausgleich, zu denen sich die Regierung mit den christlichen Gewerk­schaften bereit erklärte, führen offenbar zu einem positiven Ergebnis.

Der Bayrische Landtag beschlofi, für den sozialen Wohnungsbau im kommenden Jahr 150,3 Millionen DM auszugeben.

Ein Sprecher des britischen Hohen Kom­missariats gab bekannt, daß die deutschen Gefangenen im Zuchthaus Werl in der Weih­nachtszeit nur ein Paket bis zu 5 Kilo er­halten dürfen.

Zwei britische Soldaten der englischen Gar­nison in Berlin haben in der Sowjetzone um Asyl nachgesucht.

Der französische Finanzminister gab be­kannt, daß der Rüstungsbeitrag Frankreichs für das kommende Jahr auf 190 Milliarden Francs (14,3 Milliarden DM) festgesetzt wor­den sei.

Schweden hat sich als drittes Land grund­sätzlich bereiterklärt, Offiziere in die neu­trale Kommission zu entsenden, die den Waffenstillstand in Korea überwachen sollen.

Premierminister Winston Churchill und Außenminister Eden trafen nach ihrem zwei­tägigen Besuch in Paris wieder in London ein.

Papst Pius XII. wird in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag eine Mitternachtsmesse lesen, die der »lundfunk in alle Teile der Welt überträgt.

Moskau vor Deutschland -Entscheidung

UN mit 45:6 iür Prüfung gesamtdeutscher Wahl-Möglichkeiten — Muß Grotewohl ablehnen ?

PARIS . (Eigenbericht.) Die Sowjetregie­rung ist vor eine der schwierigsten Ent­scheidung in der Deutschland -Frage gestellt worden; Der zuständige politische Ausschuß der Vereinten Nationen hat sich mit 45 gegen 6 Stimmen bei 8 Enthaltungen dafür ausgesprochen, eine internationale unpar­teiische Kommission nach beiden Teilen Deutschlands zu entsenden, um an Ort und Stelle die Möglichkeiten und Voraussetzun­gen für eine gesamtdeutsche Wahl überprü­fen zu lassen.

Die Sowjetunion , die bis zuletzt gegen eine solche Möglichkeit kämpfte und auch die Regierung Grotewohl dagegen kämpfen ließ, hat dagegen gestimmt. Ebenso die zur Sowjetunion gehörenden UN -Mitglieder Weißrußland und Ukraine sowie schließlich die sowjetischen Satellitenstaaten Tsche­ choslowakei und Polen . Unverständlich bleibt, daß auch die Stimme Israels gegen die Entsendung einer UN -Kommission ab­gegeben wurde, da ja gerade die Herstel­lung geordneter demokratischer Zustände in Gesamtdeutschland auch die Wiedergut- machungsmögiichkeiten Deutschlands bes­sern würden.

Die Moskauer Regierung muß nun ent­scheiden, ob sie durch die Sowjetzonen-

Regierlang einer solchen UN -Kommission , die Einreise in die sowjetisch besetzte Zone verbieten lassen oder ob sie sich einer in­ternationalen Untersuchung fügen will. Die politische Bedeutung dieser Entscheidung liegt darin, daß ein Einreiseverbot von der Umweit in doppeltem Snn gegen die So­ wjetunion ausgelegt werden würde: Ein­mal ala Beweis dafür, daß sie eine unpar­teiische Uebeiprüfung der bestehenden Ver­hältnisse scheut. Zum anderen auch als Be­weis, daß sie wirklich freie Wahlen und da­mit die Wiederherstellung der deutschen Einheit gar nicht will, sondern durch' die Regierung Grotewohl den Wahlvorschlag nur opit dem Ziel der Beeinflussung West­ deutschlands machen ließ.

Um eine solche Entwicklung zu verhin­dern, hatte die Sowjetunion den Antrag auf Entsendung einer UN -Kommission mit ganz andersartigen Argumenten be­kämpft: 1. Es würde sich um eine Ein­mischung in innerdeutsche Angelegenhei­ten handeln. 2. Die UN -Satzung erlaube keine Einmischung in die Angelegenheit besetzter Gebiete. Die weit überwiegende Mehrheit der UN -Mitglieder hat sich aber auf den Standpunkt gestellt, daß die Sat­zung ganz eindeutig der UN die Aufgabe

stellt, überall da einzugreifen, wo Ver­hältnisse vorliegen, die den Frieden ge­fährden. Daß das in dem Spannungsfeld Deutschland der Fall ist, wurde allgemein anerkannt. Auch die schwedische Delega­tion, die zuerst vorgeschlagen hatte, die vier Besatzungsmächte sollten von sich aus die Voraussetzungen für gesamtdeut­sche Wahlen schaffen, hat sich der Mehr­heitsauffassung angeschlossen und ihren Antrag zurückgezogen.

Daß der Ostblock die Schwierigkeit sei­ner Situation spürt, zeigte die Heftigkeit der voran/gegangenen Debatte. Der polni­sche Delegierte Katz-Suchy protestierte laut, als der Ausschuß-Vorsitzende Selim Sarper (Türkei ) die Redezeit auf fünf Mi­nuten begrenzen wollte. Als der Ausschuß ihm aber unbegrenzte Redezeit zubilligte, verlangte er Rücktritt des Vorsitzenden, weil in dieser Ausschuß-Entscheidung ein Mißtrauensvotum gegen den Vorsitzenden liege. Alle diese Verzögerungsvensuche hatten keinen Erfolg.

Der britische Delegierte Jebb suchte eine Vermittlung herbeizuführen, indem er vor­schlug, Polen in die geplante Kommission aufzunehmen. Polen lehnte den Vorschlag ab mit der Begründung, daß die ganze Kommission ein illegales Unternehmen sei.

AbrüstungsVorschlag gutgeheißen

Beschluß des Politischen Ausschusses

PARIS . Der Politische Ausschuß der UN -Vollversammlung stimmte dem Plan der drei Westmächte zu einer schrittwei­sen Abrüstung in Verbindung mit einer internationalen Kontrolle zu. Sowjetische Zusatzanträge, die die Forderungen auf ein bedingungsloses Verbot der Atom­waffen vor Bildung eines internationalen Kontrollorgans und apf eine Abrüstung der fünf Großmächte tun ein Drittel in­nerhalb eines Jahres, "enthielten, wurden vom Ausschuß abgelehnt. Der Abrü­stungsplan der Westmächte wird nunmehr der Volliversammluj.*: .wir abschließenden Beratung und Entscheidung zugeleitet.

Nachdem der Politische Ausschuß die einzelnen Artikel des westlichen Entschlie- ßungsentwurfes mit wechselnden Mehr­heiten gutgeheißen und die sowjetischen Anträge verworfen hatte, sprachen sich in

Adenauer am 27. 12. nach Paris

BONN . Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am 27. Dezember nach Paris fliegen, um an der Sechser-Konferenz über die Bil­dung einer europäischen Verteidigungs- gemeinschaft teilzunehmen. Am Mittwoch konferierte er mit dem amerikanischen Hohen Kommissar McCloy über die Finan­zierung der Verteidigung in der Bundes­republik.

der Schlußabstimmung 44 Delegierte für und 5 gegen den gesamten Abrüstungs­plan der USA , Großbritanniens und Frankreichs aus. Zehn Nationen enthiel­ten sich der Stimme. Die Gegenstimmen kamen von der Sowjetregierung, der Ukraine , Weißrußland , der Tschechoslo­ wakei und Polen . Zu den 10 Ländern, die sich der Stimme enthielten, zählte neben arabischen und asiatischen Staaten auch Argentinien .

Der Abrüstungsplan der Westmächte sieht die Bildung einer dem Sicherheits­rat unterstehenden Abrüstungskommission vor. Ihr sollen die Mitglieder des Sicher­heitsrats u nd Kanada angehören. Die Kommission soll ihre Tätigkeit innerhalb eines Monats nach Verabschiedung des

Die USA und England haben die sowje­tische Note vom 24. November zurückgewie­sen, in der Moskau gegen die geplante Er­richtung des Nahost -Kommandos protestiert hatte.

Das alliierte Hauptquartier in Japan hat der japanischen Regierung die Verwaltungs­hoheit über die nördlich des 29. Breiten­grades gelegenen Riu - Kiu - Inseln zurück­gegeben.

der UN - Sowjetstaaten stimmten dagegen

Plans aufnehmen und bis zum 1. Juni 1952 ihren ersten Bericht vorlegen. Die neue Abrüstungskommiseion soll an Stelle der bisherigen UN - Kommissionen für Atomenergie und herkömmliche Rüstun­gen treten. Sie soll Vorschläge zu einem Vertragsentwurf über die Regulierung, Begrenzung und ausgewogene Herabset­zung der Rüstungen und eine wirksame internationale Kontrolle der Atomenergie ausarbeiten. Ziel der Tätigkeit der neuen

Churdiill nach Moskau '<

BERN . Der Pariser Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung “ meldet, in angel­sächsischen Kreisen der französischen Hauptstadt begegne man der Version, daß Churchill bei seinem Pariser Besuch mit den französischen Staatsmännern seinen Plan einer eventuellen Reise nach Moskau besprochen und die grundsätzliche Zustim­mung Pievens und Schumans erreicht habe. Der britische Premier solle versuchen, das Gespräch zwischen dem Westen und dem Osten von neuem in Fluß zu bringen.

TÜBINGEN . (H.-Eigenbericht). „Wir strecken erneut die Hand aus und meinen es ernst damit. Man soll diese Hand nicht zurückstoßen und beschmutzen“, mit die­sen Worten richtete sich der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollem, Dr. Geb­ hard Müller , an die Südweststaat-Gegner am Schluß einer Erklärung, die er zum Abstimmungsergebnis vorn 9. Dezember vor dem Landtag in Bebenihausen abgab. Kaum sei je ein Staat so legal entstanden wie der Südweststaat, der sich sowohl auf ein Votum des Volkes wie auch auf einen Spruch des Bundesverfassungsgerichtes gründe. „Wir sind Brüder gleichen Stam­mes und nicht feindliche Völker“, so rief Staatspräsident Dr. Müller aus. Die ele­mentaren Bedürfnisse des neuen Staates verlangten nun engste Zusammenarbeit. Schließlich erinnerte Dr. Müller an einen Vorschlag der badischen Regierung auf der Konferenz in Wildbad am 12. Oktober 1950, mit dem eine enge Arbeitsgemeinschaft der drei südwestdeutschen Länder in die Wege geleitet werden sollte und das Be­dürfnis nach einem Zusammenschluß von Freiburg selbst praktisch bejaht worden sei.

In der gleichen Landtagssitzung wurden 16 Millionen DM, das ist die gleiche Sum­me wie im Vorjahr, für den sozialen Woh-

Von der Delegation, die die Bundesrepu­blik zu den, UN -Verhandlungen entsandt hat, wohnten Dr. von Brentano und der Berliner regierende Bürgermeister Pofes- so Reuter der Sitzung bei.

Keine Annäherung London -Kairo

PARIS . Zu einer auch nur teilweisen Ueberbrückung der zwischen Großbritan­ nien und Aegypten herrschenden starken Spannungen ist es bei der Unterredung, die der britische Außenminister Eden in Paris mit dem ägyptischen Außenmini­ster Salaheddin Pascha geführt hat, nicht gekommen. Die erst am vergangenen Wochenende von Salaheddin Pascha be­kräftigte Einstellung Aegyptens , daß le­diglich eine Räumung der Süezkanalzone und des Sudan Grundlage von britisch­ägyptischen Verhandlungen sein könnte, hat sich offenbar nicht geändert. Eden hat sich bei seiner Unterredung bemüht, Sa­laheddin Pascha klarzumachen, daß die britischen Streitkräfte in Aegypten und dem Sudan durch die Schaffung einer ge­meinsamen Nahost - Verteidigungsorgani­sation ihren Charakter als britische Gar­nisonen verlieren würden.

nungsbau und die Förderung des Wieder­aufbaues zur Verwendung im Haushalts­jahr 1952 gesetzlich einstimmig bewilligt.

Wohieb bei Dr. Adenauer

BONN . (W.-Eigenbericht.) Der badische Staatspräsident Leo Wohieb ist von Bun­deskanzler Dr. Adenauer zu einer längeren Unterredung empfangen worden, in deren Verlauf er dem Vernehmen nach Bundes­kanzler Dr. Adenauer versichert hat, die badische CDU wolle keineswegs aus dem Gesamtverband der CDU ausbrechen, um nach Art der bayerischen CSU eine eigene Partei zu bilden. Dr. Wöhleb soll die „Ba­dische christliche Union“ gegenüber Dr. Adenauer, der zugleich Vorsitzender der gesamten CDU ist, so erklärt haben, daß sie nur der inneren Politik Südwest­ deutschlands eine Besonderheit darstellen werden, nicht aber im Verhältnis zur Ge­samtpartei. Der Kanzler könne sich daher in Bonn auch in Zukunft auf die Gefolg­schaft der badischen CDU -Abgeordneten verlassen. Außerdem hat Wohleb aber auch, wie wir hören, seine weiteren Ab­sichten zur Sprache gebracht Er hat ge­genüber dem Kanzler betont, daß er die Auseinandersetzungen um den Südwest­staat noch nicht als abgeschlossen betrach­te, und Pläne für das weitere Verhalten in dieser Frage entwickelt.

Für enge Zusammenarbeit im Südweststaat

Staatspräsident Dr. Müller: „Wir sind Brüder gleichen Stammes“

Rund 20 000 Holländer werden im kommen­den Jahr nach Kanada auswandern.

Vor einem Militärgericht in Antwerpen begann ein Prozeß gegen 18 belgische Sol­daten, die beschuldigt werden, seit Septem­ber vergangenen Jahres insgesamt 9000 Liter Armee-Benzin gestohlen und an Tankstellen verkauft zu haben.

Die Gewerkschaft des fliegenden Personals der französischen Luftfahrtgesellsdbaft „Air France “ droht, ihre Arbeit vom 21. Dezember bis 9. Januar wegen Lohn-Differenzen ein- zustellen.

Durch den Taifun, der vergangene Woche über die Visaya-Insein in den mittleren Phi­lippinen hinweggingen, wurden 588 Menschen getötet. 49 330 Hänser wurden zerstört.

Große Teile Nordenropas lagen am Diens­tag wieder in dichtem Nebel. Der Flugver­kehr zwischen England nnd dem Kontinent war lahmgelegt.

In einer Warschauer Schule erhielten die zehnjährigen Knaben folgendes Anfsatzthema gestellt: „Mit welchen Sätzen würdest Du Dich an Marscfaal! Stalin wenden, wenn Du ihn um die Eingliederung Polens in die Sowjetunion zu bitten hättest?“

stand der SPD fordert in einer Entschlie­ßung einen umfassenden staatlichen Ge­sundheitsdienst mit gleichen Leistungen für jedermann. Der Bundestag soll eine soziale Studienkommission einsetzen, die ein neues und umfassenderes System der sozialen Sicherung zu entwerfen hat Die einst bahnbrechende deutsche Sozialver­sicherung sei durch Krieg und Inflation im Kern getroffen und bestehe heute nur noch aus einem „unübersehbaren Gestrüpp von Paragraphen und Organisationen“. Uber die Finanzierung dieses riesigen Planes sagt die Entschließung der SPD : „Zur Fi­nanzierung der Sozialversicherung hat jeder nach der Höhe seines Einkommens beizu tragen.“

In einer zweiten Entschließung setzt sich I der SPD -Vorstand für eine beschleunigte *

Umsiedlung der Vertriebenen ein. Die vor­handenen finanziellen Mittel für diesen Zweck müßten zusammengefaßt und erhöht werden, um die dringendsten Notstände zu beseitigen.

Mit der Annahme dieser beiden Ent­schließungen fand die zweitägige Vor­standsitzung der SPD ihren Abschluß. Ihre Ergebnisse sind überraschend. Man hatte allgemein angenommen, außenpolitische Themen würden im Vordergrund stehen, man werde vorwiegend über den Schuman- Plan und die Frage des Verteidigungsbei­trages sprechen, Anscheinend hat die SPD aber ihre Einstellung zu diesen wichtigen außenpolitischen Fragen gerade dadurch kennzeichnen wollen, daß sie umgekehrt auf bedeutende innerdeutsche Probleme aufmerksam machte.

SPD fordert staatlichen Gesundheitsdienst

Entschliefiungen des Parteivorstandes — Außenpolitische Fragen nicht berührt

BONN (W.-Eigenbericht). Der Parteivor-

Was bietet Churchill ?

Von E. Chr. Schepky

Das Wort von den großen Ereignissen, die ihre Schatten voraiuswerfen, gilt auch von der bevorstehenden Reise des briti­ schen Premiers nach Washington . Und diese Reise ist gewiß ein großes Ereignis, insofern jedenfalls, als von ihrem Ergeb­nis — wenn nicht alle Anzeichen trügen — die künftige Weltpolitik in ihrer Entwick­lung und Gestaltung erheblich mitbe- stiimmt werden wird. Von britischer Seite ist in letzter Zeit verschiedentlich mit Nachdruck betont worden, daß die Reise Churchills nach Amerika kein Bittgang sei, daß Großbritannien nicht die Absicht habe, etwa eine neue Anleihe oder ander­weitige Finanzhilfe von den Vereinigten Staaten zu verlangen, sondern daß ihr Hauptzweck der sei, das alte freundschaft­liche Verhältnis zwischen den beiden angelsächsischen Nationen, das in den Nachkriegsjahren eine erhebliche Locke­rung erfahren hatte, wieder fester zu knüpfen, um es dann für die Friedens­politik des Westens nutzbar zu machen. Wie meistens in solchen Fällen, dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen, das heißt, der erste und hauptsächlichste Zweck der Amerikareise Churchills ist zweifellos die Erreichung dieses poltitisichen Zie­les, wobei man aber in London sich offen­bar der auch nicht unberechtigten Hoff­nung hingibt, daß nach einer solchen Wiederbefestigung der alten Freundschaft und nach einer Klärung der außenpoliti­schen Positionen der beiden Mächte eine neuerliche Finanzhilfe England als reife Frucht in den Schoß fallen wird.

Eine Schweizer Zeitung brachte dieser Tage einen äußerst aufschlußreichen Ar­tikel ihres Londoner Korrespondenten über die britische Außenpolitik, in dem auch die Politik des verstorbenen Außen­ministers Bevin von der Labourregierung gewürdigt wurde. Bevins Politik, so meinte der Korrespondent dies Schweizer Blattes, sei zwar keine Politik der starken Hand gewesen, aber in Gesprächen mit Labour- Politikem könne man doch immer wieder den Hinweis hören, daß Bevin in den Jahren nach dem Weltkriege ein Großes gelungen sei, er habe die Vereinigten Staaten in Europa und im Nahen Osten zu engagieren verstanden. So habe bei­spielsweise Amerika praktisch die Verant­wortung für die Türkei übernommen, die traditionsgemäß bisher immer bei Eng­ land gelegen habe. Kurz, man könne heute sagen, daß der amerikanische Riese eigent­lich genau das tue, was England ihm zu tun nahelege. Diese Feststellung ist zwei­fellos richtig, wobei man höchstens die Frage aufwerfen kann, ob ■wirklich der britischen Diplomatie das Verdienst zu­kommt, Amerika in diesen Räumen „engagiert“ zu haben oder Ob diese Ent­wicklung nicht den Zwangsläufigkeiten der durch die Politik Moskaus geschaffe­nen neuen Lage in Europa und im Nahen Osten entsprang. Wie dem aber auch sei: entscheidend sind nur die Tatsachen. Und Tatsache ist nun einmal das Engagement der Vereinigten Staaten in diesen beiden Räumen, die bisher weitgehend eine Domäne der britischen Diplomatie waren. Nichts wäre nun logischer, als daß sich der Konservative Churchill, der ja in seinem politischen Vorstellungen weit­gehend in den Begriffen des alten briti­ schen Empire wurzelt, bemüht, „to make the best of it“, d. h. aus dieser durch die weltpolitischen Machctverhältnisse gegebe­nen Lage für England so viel wie mög­lich herauszuholen.

In London und auch anderwärts spricht man neuerdings davon, daß Churchill eine Art atlantischer Schiuman-Plan voitschwebe, d. h. eine weitgehende anglo-amerikani- sche Interessengemeinschaft, bei der Eng­ land die Rolle des Mentors übernehmen könnte, d. h. bei der Großbritannien seine besonderen Kenntnisse und Erfahrungen für den zweckvollsten Einsatz der ameri­ kanischen Machtmittel in Westeuropa und im Nahen Osten zur Verfügung stellen würde. Mancherlei Anzeichen deuten dar­auf hin, daß auch die Vereinigten Staaten an einer solchen Konstruktion Interesse haben. Das gilt insbesondere für den Raum des Nahen Ostens, wo sich die amerikanische Diplomatie noch immer mit einer merklichen Unsicherheit bewegt, wo aber andererseits infolge der jüngsten Entwicklungen in Iran und in Ägypten die Lage so gefährlich geworden ist, daß eine Zusammenarbeit zwischen London und Washington im Augenblick als die einzige Möglichkeit für die Wiederherstellung des politischen Gleichgewichtes in diesen Ge­bieten erscheint. Jedenfalls zeigt man sich in Washington , und zwar im Pentagon, ebenso wie im Weißen Haus , über den Gang der Ereignisse besonders in Teheran äußerst beunruhigt. Hier könnte jenes Projekt eines atlantischen Schuman-PIanes mit einer klaren Aufteilung der Verant­wortlichkeiten als Ausdruck der Stärke wirken und dementsprechend auch einen beruhigenden Einfluß ausüben. Es darf ja auch nicht übersehen werden, daß Amerika allein mit seinen politischen Methoden ge­rade bei den Völkern des Nahen Ostens auf keine besondere Gegenliebe stößt» Das „Denken in Dollars“ und das daraus entspringende Handeln mag für den Ein-