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UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET

SUDKURIER

Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Bezugspreis monatlich durch Träger J.50 Mark zu-

Tel.: 924, 925. 1130, 1510, 1511. Fernschreiber: 06628. 7. JAHRGANG * SAMSTAG/SONNTAG 22./23. DEZEMBER 1951 * NUMMER 200 zügl. 30 Pfg. Trägerlohn, dureil die Post 2.79 Mark,

Verlag und Redaktion Konstanz . Marktstätte 4 * _ _ _ _ _ zuztigl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 30 Pfg.

Dunkelster Tag in London LONDON

. Der Tag des Winteranfangs — Freitag— war für London buchstäblich der dunkelste Tag des Jahres. Am Mittag brannten noch die Lampen in den Büros, und in den Straßen war es nicht heller als In der Morgendämmerung. Die Ursache der Verdunkelung war eine dicke Nebel- und Wolkendecke, durch die der Rauch aus den Hunderttausenden von Londoner Kaminen nicht abziehen konnte. Der Bodennebel selbst blockierte zeitweise den Verkehr in der City. Im Ueberl a ndverkehr und in den Luft-, Schiff- und Eisenbahnverbindungen •zum Kontinent traten erhebliche Verspä­tungen ein.

Schiff ausgebrannt — 11 Tote

SAN FRANZISKO . Der dänische 8000- Tonnen-Dampfer „Erria“ geriet vor der amerikanischen Westküste in Brand. Nach den letzten Berichten kamen elf Personen ums Leben. Das Schiff, das wegen unsich­tigen Wetters in der Mündung des Oregon geankert hatte, war innerhalb einer Stun­de ein Raub der Flammen geworden. 103 der 114 an Bord befindlichen Personen wurden von einer nur etwa einen Kilo­meter entfernten amerikanischen Küsten­station aus gerettet. Nachdem alle an Bord befindlichen Rettungsboote das Ufer er­reicht hatten, mußte die Hoffnung auf Ret­tung der elf Vermißten — drei Besat- eungsangehörigen und acht Passagieren — aufgegeben werden.

Schwere Explosion in München MÜNCHEN

. Eine schwere Explosion er­eignete sich im AGFA -Werk München . Daibei gab es nach den bisherigen Feststel­lungen eihe Tote und 18 zum Teil schwer Verletzte. Nach Mitteilung der Münchener Feuerwehr wird vermutet, daß sich in den Kellerräumen ein explosives Gemisch ent­zündet hat, da in dem darüber liegenden Geschoß gerade Schweißarbeiten vorge­nommen wurden.

Neuer Rekord der Gewinnbeteiligung

ISERjLOH'N. Die Duisburger Kupfer­hütte, bisher der Betrieb mit der höchsten Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, ist von der Maschinenfabrik A. Mengering­hausen in Iserlohn überholt worden. Dort erhielt ein Arbeitnehmer als Spitzenanteil am Gewinn 2340 DM. An zweiter Stelle steht ein Arbeitnehmer mit 1981 DM. Das Gewinnanteilsystem berücksichtigt die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Größe der Familie.

Gefangenenlisten nicht vollständig

PANMUNJON. In einer Note, die den kommunistischen Vertretern von den UN - Unterhändlem in Panmunjon übergeben wurde, wird erklärt, daß die von den Kommunisten überreichten Kriegsgefan- genen-Listen nicht vollständig seien. In dem Verzeichnis der allüerten Kriegsgefan­genen auf kommunistischer Seite fehlten mehr als tausend Namen, die im kommu­ nistischen Rundfunk bereits genannt wor­den seien. Außerdem heißt es in der Note, daß die von den Kommunisten mit 7142 angegebene Zahl von südkoreanischen Kriegsgefangenen „gänzlich unglaubhaft“ sei. — Die amerikanische 8. Armee plant, die in kommunistischer Hand befindlichen UN -Kriegsgefangenen über eine „Luft­brücke“ nach Japan zu transportieren; wenn sie nach Abschluß eines Waffenstillstandes ki Korea freigelassen werden.

Kurz notiert

97 deutsche Kriegsgefangene, die aus der Haft in Jugoslawien entlassen worden sind, kehren heute nach Deutschland zurück. Unter den 97 Deutschen befinden sich 15, die zum Tode verurteilt waren.

Die Kriegsgefangenenhilfe der Wohlfahrts­verbände hat in der Vorweihnachtszelt über 150 000 Mark Spenden erhalten. Die „Deutsche Bruderhilfe“ hat bisher Geld und Sachwerte in einer Höhe von 218 000 Mark erhalten und 20 000 Pakete in die Sowjelzone und in das Bundesgebiet geschieht.

Ein amerikanisches Flugzeug mit 1000 Kilo Spielzeug für Berliner Kinder traf auf dem Flugplatz Tempelhof ein. Das Spielzeug war auf Veranlassung eines Journalisten aus USA gesammelt worden, nachdem er im vergange­nen Sommer Berlin besucht hatte.

Die Stadt Bremen erhielt 442 000 Mark aas dem McCloy-Sonderfonds. die für die Ein­richtung eines Tbc-Kinderkrankenhauses und den Ban einer Schwesternschule verwendet werden.

Der 2. Vorsitzende der SPD , Erich Ollen- haner, wird am 3. Januar nach Stockholm fahren, um mit Mitgliedern der schwedischen Sozialdemokratischen Partei Probleme za be­sprechen, die mit den gesamtdeutschen Wah­len Zusammenhängen.

Drei amerikanische Soldaten der Garnison in Berlin sind nach Ost-Berlin desertiert. Dort wurde ihnen Asyl gewährt.

Der Vertreter Paul Lindberg wurde in Hannover wegen KameradenmiBhandlung in einem Kriegsgefangenenlager in der Sowjet­ union zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Aachener Schwurgericht verurteile den Üjährigen Schultheiß ebenfalls wegen Kame­radenmißhandlung in der Sowjetunion zu sechs Jahren Zuchthaus.

Nach Inkrafttreten des Schuman -Planes :

Ruhrstatut und Kontrollen fallen

Vereinbarung mit Alliierten veröffentlicht — Industrie-Enttlechtung bis 1952 abgeschlossen

BONN . Die internationale Ruhrbehörde und alle Beschränkungen für die deutsche Stahlindustrie werden mit dem Inkraft­treten des Schurnanplanes fallen. Das Riuhrstatut wird nach einem Beschluß der sechs Unterzeichnerstaaten mit der Errich­tung des gemeinsamen europäischen Kohlemarktes innerhalb der Montan-Union außer Kraft treten. Die Ruhrbehörde stellt ihre Tätigkeit ein, sobald die hohe Be­hörde der Montan-Union ihre Funktionen ausübt. Die hohen Kommissare werden das alliierte Abkommen über die verbotenen und beschränkten Industrien revidieren, wodurch sämtliche Beschränkungen fallen, die der deutschen Stahlproduktion auf­erlegt sind.

Diese alliierten Vereinbarungen wurden gestern von der Bundesregierung bekannt- gegeben. Lediglich die Entflechtung der Industrie nach Gesetz Nummer 27 bleibt noch in Händen der allijerten Hohen Kom­mission. Staatssekretär Professor Hall­stein teilte dazu mit, daß die Alliierten zugesichert haben, die Entflechtung so schnell wie möglich abzuschiießen. Ein Termin dafür sei allerdings noch nicht ab­zusehen. Hallstein hob hervor, daß »ach Verwirklichung des Sdhumanplanes das alliierte' Sichenheitsamt keine Eingriffs­möglichkeiten mehr in die Produktion von Kohle und Stahl hinsichtlich der Investi­tionen in diesen Industrien habe.

Die deutsche Stahlproduktion war bis­her auf 11,1 Millionen Tonnen jährlich begrenzt. Lediglich für Verteidigungs- zwecke durfte mehr produziert werden.

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SK Mit der Bekanntgabe dieser Verein­barungen zwischen Bundesregierung und Alliierten, die bisher geheim gehalten wur­den, werden die letzten Zweifelsfragen hinsichtlich des Schumanplanes beseitigt Es ist anzunehmen, daß die Regierungs­parteien daraufhin im Januar geschlossen für die Kohle- und S tahlgeme inschaft stimmen werden.

Mit der Unterzeichnung der Montan­ union erhält die deutsche Koblewirtsch-aft die Verfügungsberechtigung über die Kohleausfuhr zurück. Ebenso wird der ge­plante Aufbau wichtiger Industriewerke (Tbyseenhütte, Watenstedt-Salzgitter) wie­der möglich sein. Wenn bis Ende 19Ö2 die Entflechtung, d. h. die Auflösung der gro­ßen Industriekonzerne durchgeführt ist, wird die deutsche Wirtschaft völlig frei dastefaen. (Siehe auch Wirtschaftsteil: „Was Frankreich vom Schiumanplan erwartet“.)

Luxemburg Sitz der Behörde (

BONN . Politische Kreise in Bonn halten es für möglich, daß die Stada Luxemburg künftig Sitz der Schumanplan-Behörde wird. Die Regierungen der sechs an der Montan-Union beteiligten Länder haben

Eisenhower : Goldenes Zeitalter für Europa

Keine Kriegsgefahr, weil sowjetischer Sieg unmöglich

ROM. (Eigenbericht.) Ein goldenes Zeit­alter der Blüte und des Gedeihens kün­digte der atlantische Oberbefehlshaber General Eisenhower für Europa in einer Unterredung mit dem Pariser Korrespon­denten der italienischen Zeitung ,Ji Tempo" an. Er kleidet; dic-j: CA-Jcündigimg in einen Vergleich mit der römischen Ge­schichte, in deren Verlauf Cäsar der große Feldherr und Eroberer war, sein Nachfol­ger Aiugustus dagegen ein Friedensfiürst, unter dessen Herrschaft Wirtschaft, Wis­senschaft und Kunst aufblühten.

„Für das heutige Europa ", so sagte Eieen- hower, „ist die Zeit Cäsars vorüber und ein neues Zeitalter des Augustus steht be­vor." Eisenhower ist im tiefsten von dieser optimistischen Voraussage überzeugt, weil die Sowjetunion die Unmöglichkeit erken­nen muß, aus einem dritten Weltkrieg als Sieger hervorzugehen. Sieger kann nach Eisenbowers Auffassung heute nur eine Macht werden, die drei Schlachten gewinnt: Die Schlacht um die Rohstoffe, die Schlacht Um die höchsten Produktionszahlen und die Schlacht um spezialisierte Arbeits­kräfte. Die Sowjetunion aber könne bei ihrer Gesamtlage niemals hoffen, in allen

drei Schlachten zu siegen.

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SK. Das Zeitalter des Augustus galt in der Tat als das goldene Zeitalter des Friedens. Aber ein Europa , das einer sol­chen Entwicklung entgegenginge, müßte — was dem Rom des Augustus nicht ge­lang — aus sich selbst heraus neben dem Materiellen auch die sittlichen Kräfte der Erneuerung entwickeln. Nur dann kann

Ein französisches Militärgericht hat den ehemaligen deutschen Leiter der Wachmann­schaften in der Strafanstalt von Nantes , Niko­laus Wanken, zu fünf Jahren Gefängnis ver­urteilt. Er war beschuldigt worden, zwanzig Gefangene bei einem Fluchtversuch erschos­sen zu haben.

Im Betrieb eines Schrotthändlers in Lüne­ burg explodierte eine 8-cm-Granate, wobei zwei Arbeiter getötet wurden.

In Bochum stieß ein Lastzug mit einem Straßenbahnzug: zusammen, wobei ein Straßen­bahnwagen aufgerissen wurde. Dieser Ver- kehrsunfall forderte zwei Tote und fünf Schwerverletzte.

Auf der Bahnstrecke Nürnberg—Ansbach wurde an einem beschrankten, aber geöff­neten Übergang ein Traktor von einer Loko­motive erfaßt. Die beiden Fahrer des Trak­tors wurden getötet.

Stalin wurde am Freitag 72 Jahre alt. Sein Geburtstag wurde in der gesamten Sowjet­ union und den Satellitenstaaten in der üb­lichen byzantinischen Form gefeiert.

Das fliegende Personal der französischen Luftfahrtgesellschaft „Air France “ trat, wie angekündigt, in einen Streik, um Lohn­erhöhungen durchzusetzen.

Polen soll es jetzt gelungen sein, das 32 009 Tonnen große deutsche Schlachtschiff „Gnei- senau“ zu heben, das seit dem Ende des Krieges im Hafen von Gdingen lag und dort die Einfahrt sperrte.

In einem Bergwerk bei Vereeniging (Oranje- Freistaat ) ereignete sieh eine Grubengas-Ex­plosion, bei der dreizehn Arbeiter ums Leben kamen.

Zn 109 Pfand Sterling Geldstrafe verurteilte ein Londoner Gericht den Amateur-Piloten Miller, weil er vor einiger Zeit mit einem Kleinflugzeug unter der Tower-Brücke durch­geflogen war, um seinem 13jährigen Sohn einen Spaß zu machen.

ein Zeitalter der Blüte Bestand haben (siehe auch Seite 3: Die Weihnachtsbetrach­tung von Bischof Dr. Dibeliius).

Größere Vollmachten

WASHINGTON . Der Leiter des ameri­ kanischen Sicherheitsprogramms auf Ge­genseitigkeit, Averell Harriinan, erklärte, der atlantische Oberkommandierende, Ge­ neral Eisenhower . werde nach den gegen­wärtig vereinbarten Plänen für die euro­ päische Wiederaufrüstung im Januar 19o2 erhöhte Machtbefugnisse erhalten.

53 Milliarden Kriegsschäden

BONN . Der Vorsitzende des Lastenaus­gleichsausschusses des Bundestages bezif­ferte das voraussichtliche jährliche Ge- samtaufkoemmen aus dem Lastenausgleich auf 2,2 bis 2,3 Milliarden Mark.

Die durch den Krieg bedingten Schäden wurden — ohne Währungssehäden — auf 53 Milliarden Mark geschätzt. Dabei seien noch nicht diejenigen berücksichtigt, die kein Vermögen, aber eine Stellurig ver­loren hätten und die jetzt als alte Men­schen aus dem Lastenausgleich versorgt werden müßten.

Grundgesetzänderung abgelehnt

BONN . (W.-Eigenbericht.) Die vom Bun­destag beschlossene Aenderung des Grund­gesetzes ist vom Bundesrat mit großer Mehrheit abgelehnt worden. Es handelte sich um die Einfügung einer neuen Bestim­mung in däs Grundgesetz, die dem Bund die Errichtung eigener Behörden zur Durch­führung des Lastenausgleichs ermöglichen sollte. Alle Sprecher der Länder betonten, daß die Ablehnung sich keineswegs gegen den Lastenausgleich an sich richte. Man müsse aber mit Aenderungen der Verfas­sung sehr zurückhaltend sein. Dem bereits vom Bundestag gebilligten Investitions- hilf egesetz stimmte der Bundesrat zu.

bisher noch keine Entscheidung getroffen. Eine Kommission soll die Unterkunfts­möglichkeiten in verschiedenen Städten, wie Luxemburg , Straßburg und Lüttich , prüfen.

Italien -Vertrag wird revidiert

LONDON . Der italieppsche Geschäfts­träger in London nahm im Foreign Office die Note in Empfang, in der Großbritan­ nien — ebenso wie sieben andere Staaten — der Streichung der Präambel und einiger poltischer und militärischer Klauseln des italienischen Friedens Vertrages von 1946 zustimmt. Zu der Präambel des Vertrages, in der Italien moralisch für den Krieg ver­antwortlich gemacht wurde, stellt die bjj- tische Regierung fest, der Geist der Prä­ambel sei durch den Geist der UN -Satzung ersetzt worden.

Aehnliche Erklärungen wurden auch von der französischen, der amerikanischen und anderen Regierungen abgegeben.

Adenauer und Südweststaat

BONN . (Eigenbericht.) Ueber die Hal­tung Dr. Adenauers in der Südweststaat­frage und über seine Aussprache mit dem badischen Staatspräsidenten Wohieb sind einander stark widersprechende Vermu­tungen im Umlauf. Unterrichtete Kreise wollen wiesen, Dr. Adenauer habe ledig­lich zugesagt, er werde die Bedenken Wohiebs vor der GDU-Fraktion zur Sprache bringen. Staatspräsident Wohieb hat vor Journalisten allerdings erklärt, der Bundeskanzler habe der von Baden eingebrachten Novelle zum Neugliede­rungsgesetz Unterstützung zugeeagt. Der badische Antrag will die Schaffung des Südweststaates bis zur Neugliederung des gesamten Bundesgebietes verschieben.) Nach einer anderen Version habe Dr. Adenauer schon früher Vorbehalte gegen, über dem zweiten Neugliederungsgesetz erhoben und jetzt wiederum seiner Ab­neigung gegen einen Südweststaat Aus­druck gegeben.

Bisher hat Dr. Adenauer in dieser Frage strikte Neutralität bewahrt. Die SPD , die FDP und sehr wahrscheinlich auch ein Teil der CDU werden zweifellos der badischen Novelle die Zustimmung versagen und einen Aufschub der Süd­weststaatbildung nicht befürworten. .

Keine Pause im großen Spiel

Von Alf red Gerigk

Fast ein wenig traurig klang es, als in diesen Vorweihnachtstagen einer der lei­tenden deutschen Politiker auf einen Ap­pell seiner Familie in den Ruf ausbrach:

„Aber ich habe doch keine Zeit, Feste zu feiern!“

Bequem haben die handelnden Staats­männer es bestimmt nicht und am stärk­sten wird das spürbar in Zeiten, in denen andere doch einmal Termine und Arbeit zurückstellen können. Die Politiker brin­gen zu Festtagen Aktenberge mit nach Hause und sehen schon ungeduldig nach dem Schreibtisch, wenn eie sich dem Fami­lienleben nicht so scimell entreißen kön­nen, wie sie es vorhatten. Konferenzen gibt es für sie auch an Festtagen, höchstens werden sie der Familie gegenüber als Kaffee- oder Teestunde getarnt.

Besonders lebendig wird es in diesen Ta­gen, etwa rund um den Bundeskanzler und um den britischen Ministerpräsidenten zu­gehen. Der Bundeskanzler reist am 27. De­zember nach Paris , um dort die höchst ver­antwortungsvollen Verhandlungen über Deutschlands Stellung im Rahmen der europäischen Verteidigung zu führen.

Churchill reist am Ende der Weihnachts­woche nach Washington zu seiner ersten großen Auseinandersetzung mit dem Prä­sidenten Truman . Beide Reisen stehen trotz des verschiedenen Ziels und des verschie­denen Verhandlungsprogramms durchaus in einem inneren Zusammenhang.

Vielleicht haben manche nicht bemerkt, daß die USA einen Wamungsball aiuf- ziehen ließen, der Wetteränderung — in der politischen Atmosphäre —- mindestens möglich erscheinen läßt. Dieser Warniungs- ball war die Rede, die der amerikanische Hochkommissar McCloy in der Form einer Mahnung an die europäischen Länder hielt. Man ist in den USA enttäuscht über Europa . Eine Gruppe amerikanischer Senatoren hat das dem t Straßburger Buroparat bei einer Besuchsreise zu ver­stehen gegeben. Man ist enttäuscht, weil man nicht versteht, daß die europäischen Länder sich angesichts des Druckes und der Drohung aus dem Osten über die Mannigfaltigkeit ihres staatlichen Lebens hinweg nicht schneller zu einer euro­ päischen Gemeinschaft hinflnden.

Südwest-Ministerrat am 27. Dezember

Hauptaufgabe: Vorbereitung der Wahl zur verfassunggebenden Landesversanunlung

STUTTGART . (Tfz.-Eigenbericht.) Nach Information«! aus dem Bundesinnenmini- sterium soll das amtliche Ergebnis der Volksabstimmung über den Südweststaat am Samstag, den 22. Dezember, im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier wird nach dem Neugliederungsgesetz dann das achtköpfige Gremium, dem vier Regie­rungsvertreter aus Württemberg-Baden und zwei aus Südbaden und Wiirttemberg- Hohenzo Ilern angehören werden, zum 27. Dezember nach Stuttgart einberufen. Die Hauptaufgabe des Ministerrates wird die Vorbereitung der Durchführung der Wahl zur verfassunggebenden Landes­versammlung der drei südwestdeutschen Länder sein, die spätestens bis zum 9. März 1952 durchgeführt werden muß. Außerdem soll er die Beförderung von Beamten in den höchsten Stellen kontrollieren. Die Benennung der vier Vertreter Württem­ berg-Badens wird bei Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses im Bundes­anzeiger, also am 22. Dezember erfolgen.

Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier erklärte, alle bei der Auslegung des Neu­gliederungsgesetzes auftauchenden Zwei­felsfragen würden vom Ministerrat so ge­regelt werden, daß die Dinge weiter­

gingen und keine Verzögerungen ein­träten. Die Frage, ob die württemberg­badische Vertretung ausschließlich von den Regierungsparteien SPD und FDP gestellt würden, oder ob auch an die Heranziehung der CDU -Opposition ge­dacht sei, ließ der Ministerpräsident offen. Er erklärte, die Bedeutung des Minister­rates dürfe nicht überschätzt werden, da dieser streng an die Weisungen der Regie­rungen gebunden sein werde.

Arbeitsgemeinschaft der Badener

KARLSRUHE. Der Landesverband der Arbeitsgemeinschaft der Badener hat auf einer Ausschußsitzung in Karlsruhe ein­stimmig beschlossen, die Arbeitsgemein­schaften in ihrer alten Form weiterbeste­hen zu lassen. Die Arbeitsgemeinschaften sind bereit, durch die Gründung einer ba­dischen Volkspartei aus ihrer Ueberpartei- lichkeit herauszutreten. Eine Entscheidung darüber wurde jedoch bis zur Tagung der nordbadischen CDU heute, Samstag, zu­rückgestellt. Ale dringend notwendig wurde der Aufbau einer konstruktiven, auf die badischen Interessen ausgerichteten Opposition in der verfassunggebenden Landesversammlung bezeichnst.

Nun wählt im nächsten Jahr Amerika seinen Präsidenten. Wird er wieder Tru­ man heißen oder doch zum mindesten ein Mann der demokratischen Partei Trumans seih? Wird er Eisenhower heißen, der durch sein Europa -Oberkommando mit den europäischen Dingen stark verbunden ist? Oder wird er gar Taft heißen, der seit Jahr und Tag der Verschmelzung amerikanischer und europäischer Inter­essen schärfsten Widerstand entgegen­setzt? Auf eine kurze Formel gebracht: Wird die Präsidentenwahl dahin führen, daß Amerika , wenn auch nicht sein Ge­sicht von Europa wegwendet, so doch die­sem Europa ein weniger freundliches und verständnisvolles Gesicht zeigt? Der ein­fache Mann in den USA , der seit Jahr und Tag seine Steuergelder für Europa -Hilfe oder für Europa -Bewaffnung zahlt, ruft nach größerer europäischer Aktivität. Er könnte sich bei einer Wahl demjenigen Huwendien, der ihm verspricht, diese, Jedenfalls in der Meinung des amerikani­ schen Steuerzahlers, undankbaren Euro­päer, etwas mehr ihren eigenen Sorgen zu überlassen. Es ist vielleicht nicht bequem, sich in den Weihnachtstagen mit der Vor­stellung zu beschäftigen, daß die Amerika - Hilfe auch einmal aufhören hönnte. Aber töricht wäre es, diese Möglichkeit an­gesichts des aufgezogenen Wetterzeichens zu verschweigen.

Wie ernst diese Möglichkeit ist, zeigt sich gerade darin, daß unmittelbar nach McCloys Warnung an Europa der USA - Außenminister Acheson gegenüber der öffentlichen Meinung seines Landes die Europäer verteidigt hat: In vier Jahren hätten sie mehr Fortschritte in Richtung auf die Einheit gemacht, als in den vor­angegangenen fünf Jahrhunderten. Diese Nervosität der amerikanischen Politik ist es, was zwischen der Adenauer-Reise und der Churchill -Reise eine Verbindung her­stellt Seit einigen Monaten ist ein Still­stand in der USA -Poilitik zu erkennen. Uefoerall machen sich Hindernisse bemerk­bar. Im Nahen Osten geht es nicht so, wie es sollte, und in Europa machen bald die Beneluxstaaten, bald Frankreich , bald England dem Gedanken einer europäischen Armee Schwierigkeiten. So kommt aus dem eigenen Lager des Präsidenten Tru­ man Kritik.

Richard Bissei, der stellvertretende Lei­ter des Amtes für gegenseitige Sicherheit (also des Amtes, bei dem die wirtschaftliche und finanzielle Pflege der gemeinsamen Amerika -Europa -Verteidigung lief) hat das öffentlich ausgesprochen. Die Verbün­deten der USA , so meint er, hätten offen­bar manchmal den Eindruck, daß Amerika von einer „Besessenheit der Aufrüstung" erfüllt sei. Er mahnt, über der militäri­schen Hilfe nicht die wirtschaftliche und soziale Hilfe für Europa zu vergessen und „schöpferischen Geist" zu entwickeln, da­mit die Rüstung nicht als Selbstzweck er­scheint.

Hier ist der Punkt, wo Churchill ein­greif en will und wo er den Staatsmän­nern in Washington Sorgen macht. Chur­ chill braucht Erfolge. Innerwirtschaftliche gibt es kaum, weil die Labour-Regierung der konservativen Regierung sehr viele Sorgen hinterlassen hat. Also müßten es außenpolitische Erfolge sein. Churchill will den USA sozusagen Ideen liefern, die man dort in einer gewissen Verkrampfung wegen der übergroßen Last der Ost-West- Auseinandersetzung nicht ohne weiteres aus dem Aermel schütteTt. Eine dieser Ideen soll die Anknüpfung eines Gespräche mit der Sowjetunion sein. Aber im Kreise um Truman meint man. daß solche Ge­spräche erst dann Sinn hätten, wenn der