UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET
SUDKURIER
Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Bezugspreis monatlich durch Träger J.50 Mark zu-
Tel.: 924, 925. 1130, 1510, 1511. Fernschreiber: 06628. 7. JAHRGANG * SAMSTAG/SONNTAG 22./23. DEZEMBER 1951 * NUMMER 200 zügl. 30 Pfg. Trägerlohn, dureil die Post 2.79 Mark,
Verlag und Redaktion Konstanz . Marktstätte 4 * _ _ _ _ _ zuztigl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 30 Pfg.
Dunkelster Tag in London LONDON
. Der Tag des Winteranfangs — Freitag— war für London buchstäblich der dunkelste Tag des Jahres. Am Mittag brannten noch die Lampen in den Büros, und in den Straßen war es nicht heller als In der Morgendämmerung. Die Ursache der Verdunkelung war eine dicke Nebel- und Wolkendecke, durch die der Rauch aus den Hunderttausenden von Londoner Kaminen nicht abziehen konnte. Der Bodennebel selbst blockierte zeitweise den Verkehr in der City. Im Ueberl a ndverkehr und in den Luft-, Schiff- und Eisenbahnverbindungen •zum Kontinent traten erhebliche Verspätungen ein.
Schiff ausgebrannt — 11 Tote
SAN FRANZISKO . Der dänische 8000- Tonnen-Dampfer „Erria“ geriet vor der amerikanischen Westküste in Brand. Nach den letzten Berichten kamen elf Personen ums Leben. Das Schiff, das wegen unsichtigen Wetters in der Mündung des Oregon geankert hatte, war innerhalb einer Stunde ein Raub der Flammen geworden. 103 der 114 an Bord befindlichen Personen wurden von einer nur etwa einen Kilometer entfernten amerikanischen Küstenstation aus gerettet. Nachdem alle an Bord befindlichen Rettungsboote das Ufer erreicht hatten, mußte die Hoffnung auf Rettung der elf Vermißten — drei Besat- eungsangehörigen und acht Passagieren — aufgegeben werden.
Schwere Explosion in München MÜNCHEN
. Eine schwere Explosion ereignete sich im AGFA -Werk München . Daibei gab es nach den bisherigen Feststellungen eihe Tote und 18 zum Teil schwer Verletzte. Nach Mitteilung der Münchener Feuerwehr wird vermutet, daß sich in den Kellerräumen ein explosives Gemisch entzündet hat, da in dem darüber liegenden Geschoß gerade Schweißarbeiten vorgenommen wurden.
Neuer Rekord der Gewinnbeteiligung
ISERjLOH'N. Die Duisburger Kupferhütte, bisher der Betrieb mit der höchsten Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, ist von der Maschinenfabrik A. Mengeringhausen in Iserlohn überholt worden. Dort erhielt ein Arbeitnehmer als Spitzenanteil am Gewinn 2340 DM. An zweiter Stelle steht ein Arbeitnehmer mit 1981 DM. Das Gewinnanteilsystem berücksichtigt die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Größe der Familie.
Gefangenenlisten nicht vollständig
PANMUNJON. In einer Note, die den kommunistischen Vertretern von den UN - Unterhändlem in Panmunjon übergeben wurde, wird erklärt, daß die von den Kommunisten überreichten Kriegsgefan- genen-Listen nicht vollständig seien. In dem Verzeichnis der allüerten Kriegsgefangenen auf kommunistischer Seite fehlten mehr als tausend Namen, die im kommu nistischen Rundfunk bereits genannt worden seien. Außerdem heißt es in der Note, daß die von den Kommunisten mit 7142 angegebene Zahl von südkoreanischen Kriegsgefangenen „gänzlich unglaubhaft“ sei. — Die amerikanische 8. Armee plant, die in kommunistischer Hand befindlichen UN -Kriegsgefangenen über eine „Luftbrücke“ nach Japan zu transportieren; wenn sie nach Abschluß eines Waffenstillstandes ki Korea freigelassen werden.
Kurz notiert
97 deutsche Kriegsgefangene, die aus der Haft in Jugoslawien entlassen worden sind, kehren heute nach Deutschland zurück. Unter den 97 Deutschen befinden sich 15, die zum Tode verurteilt waren.
Die Kriegsgefangenenhilfe der Wohlfahrtsverbände hat in der Vorweihnachtszelt über 150 000 Mark Spenden erhalten. Die „Deutsche Bruderhilfe“ hat bisher Geld und Sachwerte in einer Höhe von 218 000 Mark erhalten und 20 000 Pakete in die Sowjelzone und in das Bundesgebiet geschieht.
Ein amerikanisches Flugzeug mit 1000 Kilo Spielzeug für Berliner Kinder traf auf dem Flugplatz Tempelhof ein. Das Spielzeug war auf Veranlassung eines Journalisten aus USA gesammelt worden, nachdem er im vergangenen Sommer Berlin besucht hatte.
Die Stadt Bremen erhielt 442 000 Mark aas dem McCloy-Sonderfonds. die für die Einrichtung eines Tbc-Kinderkrankenhauses und den Ban einer Schwesternschule verwendet werden.
Der 2. Vorsitzende der SPD , Erich Ollen- haner, wird am 3. Januar nach Stockholm fahren, um mit Mitgliedern der schwedischen Sozialdemokratischen Partei Probleme za besprechen, die mit den gesamtdeutschen Wahlen Zusammenhängen.
Drei amerikanische Soldaten der Garnison in Berlin sind nach Ost-Berlin desertiert. Dort wurde ihnen Asyl gewährt.
Der Vertreter Paul Lindberg wurde in Hannover wegen KameradenmiBhandlung in einem Kriegsgefangenenlager in der Sowjet union zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Aachener Schwurgericht verurteile den Üjährigen Schultheiß ebenfalls wegen Kameradenmißhandlung in der Sowjetunion zu sechs Jahren Zuchthaus.
Nach Inkrafttreten des Schuman -Planes :
Ruhrstatut und Kontrollen fallen
Vereinbarung mit Alliierten veröffentlicht — Industrie-Enttlechtung bis 1952 abgeschlossen
BONN . Die internationale Ruhrbehörde und alle Beschränkungen für die deutsche Stahlindustrie werden mit dem Inkrafttreten des Schurnanplanes fallen. Das Riuhrstatut wird nach einem Beschluß der sechs Unterzeichnerstaaten mit der Errichtung des gemeinsamen europäischen Kohlemarktes innerhalb der Montan-Union außer Kraft treten. Die Ruhrbehörde stellt ihre Tätigkeit ein, sobald die hohe Behörde der Montan-Union ihre Funktionen ausübt. Die hohen Kommissare werden das alliierte Abkommen über die verbotenen und beschränkten Industrien revidieren, wodurch sämtliche Beschränkungen fallen, die der deutschen Stahlproduktion auferlegt sind.
Diese alliierten Vereinbarungen wurden gestern von der Bundesregierung bekannt- gegeben. Lediglich die Entflechtung der Industrie nach Gesetz Nummer 27 bleibt noch in Händen der allijerten Hohen Kommission. Staatssekretär Professor Hallstein teilte dazu mit, daß die Alliierten zugesichert haben, die Entflechtung so schnell wie möglich abzuschiießen. Ein Termin dafür sei allerdings noch nicht abzusehen. Hallstein hob hervor, daß »ach Verwirklichung des Sdhumanplanes das alliierte' Sichenheitsamt keine Eingriffsmöglichkeiten mehr in die Produktion von Kohle und Stahl hinsichtlich der Investitionen in diesen Industrien habe.
Die deutsche Stahlproduktion war bisher auf 11,1 Millionen Tonnen jährlich begrenzt. Lediglich für Verteidigungs- zwecke durfte mehr produziert werden.
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SK Mit der Bekanntgabe dieser Vereinbarungen zwischen Bundesregierung und Alliierten, die bisher geheim gehalten wurden, werden die letzten Zweifelsfragen hinsichtlich des Schumanplanes beseitigt Es ist anzunehmen, daß die Regierungsparteien daraufhin im Januar geschlossen für die Kohle- und S tahlgeme inschaft stimmen werden.
Mit der Unterzeichnung der Montan union erhält die deutsche Koblewirtsch-aft die Verfügungsberechtigung über die Kohleausfuhr zurück. Ebenso wird der geplante Aufbau wichtiger Industriewerke (Tbyseenhütte, Watenstedt-Salzgitter) wieder möglich sein. Wenn bis Ende 19Ö2 die Entflechtung, d. h. die Auflösung der großen Industriekonzerne durchgeführt ist, wird die deutsche Wirtschaft völlig frei dastefaen. (Siehe auch Wirtschaftsteil: „Was Frankreich vom Schiumanplan erwartet“.)
BONN . Politische Kreise in Bonn halten es für möglich, daß die Stada Luxemburg künftig Sitz der Schumanplan-Behörde wird. Die Regierungen der sechs an der Montan-Union beteiligten Länder haben
ROM. (Eigenbericht.) Ein goldenes Zeitalter der Blüte und des Gedeihens kündigte der atlantische Oberbefehlshaber General Eisenhower für Europa in einer Unterredung mit dem Pariser Korrespondenten der italienischen Zeitung ,Ji Tempo" an. Er kleidet; dic-j: CA-Jcündigimg in einen Vergleich mit der römischen Geschichte, in deren Verlauf Cäsar der große Feldherr und Eroberer war, sein Nachfolger Aiugustus dagegen ein Friedensfiürst, unter dessen Herrschaft Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst aufblühten.
„Für das heutige Europa ", so sagte Eieen- hower, „ist die Zeit Cäsars vorüber und ein neues Zeitalter des Augustus steht bevor." Eisenhower ist im tiefsten von dieser optimistischen Voraussage überzeugt, weil die Sowjetunion die Unmöglichkeit erkennen muß, aus einem dritten Weltkrieg als Sieger hervorzugehen. Sieger kann nach Eisenbowers Auffassung heute nur eine Macht werden, die drei Schlachten gewinnt: Die Schlacht um die Rohstoffe, die Schlacht Um die höchsten Produktionszahlen und die Schlacht um spezialisierte Arbeitskräfte. Die Sowjetunion aber könne bei ihrer Gesamtlage niemals hoffen, in allen
drei Schlachten zu siegen.
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SK. Das Zeitalter des Augustus galt in der Tat als das goldene Zeitalter des Friedens. Aber ein Europa , das einer solchen Entwicklung entgegenginge, müßte — was dem Rom des Augustus nicht gelang — aus sich selbst heraus neben dem Materiellen auch die sittlichen Kräfte der Erneuerung entwickeln. Nur dann kann
Ein französisches Militärgericht hat den ehemaligen deutschen Leiter der Wachmannschaften in der Strafanstalt von Nantes , Nikolaus Wanken, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Er war beschuldigt worden, zwanzig Gefangene bei einem Fluchtversuch erschossen zu haben.
Im Betrieb eines Schrotthändlers in Lüne burg explodierte eine 8-cm-Granate, wobei zwei Arbeiter getötet wurden.
In Bochum stieß ein Lastzug mit einem Straßenbahnzug: zusammen, wobei ein Straßenbahnwagen aufgerissen wurde. Dieser Ver- kehrsunfall forderte zwei Tote und fünf Schwerverletzte.
Auf der Bahnstrecke Nürnberg—Ansbach wurde an einem beschrankten, aber geöffneten Übergang ein Traktor von einer Lokomotive erfaßt. Die beiden Fahrer des Traktors wurden getötet.
Stalin wurde am Freitag 72 Jahre alt. Sein Geburtstag wurde in der gesamten Sowjet union und den Satellitenstaaten in der üblichen byzantinischen Form gefeiert.
Das fliegende Personal der französischen Luftfahrtgesellschaft „Air France “ trat, wie angekündigt, in einen Streik, um Lohnerhöhungen durchzusetzen.
Polen soll es jetzt gelungen sein, das 32 009 Tonnen große deutsche Schlachtschiff „Gnei- senau“ zu heben, das seit dem Ende des Krieges im Hafen von Gdingen lag und dort die Einfahrt sperrte.
In einem Bergwerk bei Vereeniging (Oranje- Freistaat ) ereignete sieh eine Grubengas-Explosion, bei der dreizehn Arbeiter ums Leben kamen.
Zn 109 Pfand Sterling Geldstrafe verurteilte ein Londoner Gericht den Amateur-Piloten Miller, weil er vor einiger Zeit mit einem Kleinflugzeug unter der Tower-Brücke durchgeflogen war, um seinem 13jährigen Sohn einen Spaß zu machen.
ein Zeitalter der Blüte Bestand haben (siehe auch Seite 3: Die Weihnachtsbetrachtung von Bischof Dr. Dibeliius).
Größere Vollmachten
WASHINGTON . Der Leiter des ameri kanischen Sicherheitsprogramms auf Gegenseitigkeit, Averell Harriinan, erklärte, der atlantische Oberkommandierende, Ge neral Eisenhower . werde nach den gegenwärtig vereinbarten Plänen für die euro päische Wiederaufrüstung im Januar 19o2 erhöhte Machtbefugnisse erhalten.
53 Milliarden Kriegsschäden
BONN . Der Vorsitzende des Lastenausgleichsausschusses des Bundestages bezifferte das voraussichtliche jährliche Ge- samtaufkoemmen aus dem Lastenausgleich auf 2,2 bis 2,3 Milliarden Mark.
Die durch den Krieg bedingten Schäden wurden — ohne Währungssehäden — auf 53 Milliarden Mark geschätzt. Dabei seien noch nicht diejenigen berücksichtigt, die kein Vermögen, aber eine Stellurig verloren hätten und die jetzt als alte Menschen aus dem Lastenausgleich versorgt werden müßten.
Grundgesetzänderung abgelehnt
BONN . (W.-Eigenbericht.) Die vom Bundestag beschlossene Aenderung des Grundgesetzes ist vom Bundesrat mit großer Mehrheit abgelehnt worden. Es handelte sich um die Einfügung einer neuen Bestimmung in däs Grundgesetz, die dem Bund die Errichtung eigener Behörden zur Durchführung des Lastenausgleichs ermöglichen sollte. Alle Sprecher der Länder betonten, daß die Ablehnung sich keineswegs gegen den Lastenausgleich an sich richte. Man müsse aber mit Aenderungen der Verfassung sehr zurückhaltend sein. Dem bereits vom Bundestag gebilligten Investitions- hilf egesetz stimmte der Bundesrat zu.
bisher noch keine Entscheidung getroffen. Eine Kommission soll die Unterkunftsmöglichkeiten in verschiedenen Städten, wie Luxemburg , Straßburg und Lüttich , prüfen.
Italien -Vertrag wird revidiert
LONDON . Der italieppsche Geschäftsträger in London nahm im Foreign Office die Note in Empfang, in der Großbritan nien — ebenso wie sieben andere Staaten — der Streichung der Präambel und einiger poltischer und militärischer Klauseln des italienischen Friedens Vertrages von 1946 zustimmt. Zu der Präambel des Vertrages, in der Italien moralisch für den Krieg verantwortlich gemacht wurde, stellt die bjj- tische Regierung fest, der Geist der Präambel sei durch den Geist der UN -Satzung ersetzt worden.
Aehnliche Erklärungen wurden auch von der französischen, der amerikanischen und anderen Regierungen abgegeben.
Adenauer und Südweststaat
BONN . (Eigenbericht.) Ueber die Haltung Dr. Adenauers in der Südweststaatfrage und über seine Aussprache mit dem badischen Staatspräsidenten Wohieb sind einander stark widersprechende Vermutungen im Umlauf. Unterrichtete Kreise wollen wiesen, Dr. Adenauer habe lediglich zugesagt, er werde die Bedenken Wohiebs vor der GDU-Fraktion zur Sprache bringen. Staatspräsident Wohieb hat vor Journalisten allerdings erklärt, der Bundeskanzler habe der von Baden eingebrachten Novelle zum Neugliederungsgesetz Unterstützung zugeeagt. Der badische Antrag will die Schaffung des Südweststaates bis zur Neugliederung des gesamten Bundesgebietes verschieben.) Nach einer anderen Version habe Dr. Adenauer schon früher Vorbehalte gegen, über dem zweiten Neugliederungsgesetz erhoben und jetzt wiederum seiner Abneigung gegen einen Südweststaat Ausdruck gegeben.
Bisher hat Dr. Adenauer in dieser Frage strikte Neutralität bewahrt. Die SPD , die FDP und sehr wahrscheinlich auch ein Teil der CDU werden zweifellos der badischen Novelle die Zustimmung versagen und einen Aufschub der Südweststaatbildung nicht befürworten. .
Keine Pause im großen Spiel
Von Alf red Gerigk
Fast ein wenig traurig klang es, als in diesen Vorweihnachtstagen einer der leitenden deutschen Politiker auf einen Appell seiner Familie in den Ruf ausbrach:
„Aber ich habe doch keine Zeit, Feste zu feiern!“
Bequem haben die handelnden Staatsmänner es bestimmt nicht und am stärksten wird das spürbar in Zeiten, in denen andere doch einmal Termine und Arbeit zurückstellen können. Die Politiker bringen zu Festtagen Aktenberge mit nach Hause und sehen schon ungeduldig nach dem Schreibtisch, wenn eie sich dem Familienleben nicht so scimell entreißen können, wie sie es vorhatten. Konferenzen gibt es für sie auch an Festtagen, höchstens werden sie der Familie gegenüber als Kaffee- oder Teestunde getarnt.
Besonders lebendig wird es in diesen Tagen, etwa rund um den Bundeskanzler und um den britischen Ministerpräsidenten zugehen. Der Bundeskanzler reist am 27. Dezember nach Paris , um dort die höchst verantwortungsvollen Verhandlungen über Deutschlands Stellung im Rahmen der europäischen Verteidigung zu führen.
Churchill reist am Ende der Weihnachtswoche nach Washington zu seiner ersten großen Auseinandersetzung mit dem Präsidenten Truman . Beide Reisen stehen trotz des verschiedenen Ziels und des verschiedenen Verhandlungsprogramms durchaus in einem inneren Zusammenhang.
Vielleicht haben manche nicht bemerkt, daß die USA einen Wamungsball aiuf- ziehen ließen, der Wetteränderung — in der politischen Atmosphäre —- mindestens möglich erscheinen läßt. Dieser Warniungs- ball war die Rede, die der amerikanische Hochkommissar McCloy in der Form einer Mahnung an die europäischen Länder hielt. Man ist in den USA enttäuscht über Europa . Eine Gruppe amerikanischer Senatoren hat das dem t Straßburger Buroparat bei einer Besuchsreise zu verstehen gegeben. Man ist enttäuscht, weil man nicht versteht, daß die europäischen Länder sich angesichts des Druckes und der Drohung aus dem Osten über die Mannigfaltigkeit ihres staatlichen Lebens hinweg nicht schneller zu einer euro päischen Gemeinschaft hinflnden.
Südwest-Ministerrat am 27. Dezember
Hauptaufgabe: Vorbereitung der Wahl zur verfassunggebenden Landesversanunlung
STUTTGART . (Tfz.-Eigenbericht.) Nach Information«! aus dem Bundesinnenmini- sterium soll das amtliche Ergebnis der Volksabstimmung über den Südweststaat am Samstag, den 22. Dezember, im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier wird nach dem Neugliederungsgesetz dann das achtköpfige Gremium, dem vier Regierungsvertreter aus Württemberg-Baden und zwei aus Südbaden und Wiirttemberg- Hohenzo Ilern angehören werden, zum 27. Dezember nach Stuttgart einberufen. Die Hauptaufgabe des Ministerrates wird die Vorbereitung der Durchführung der Wahl zur verfassunggebenden Landesversammlung der drei südwestdeutschen Länder sein, die spätestens bis zum 9. März 1952 durchgeführt werden muß. Außerdem soll er die Beförderung von Beamten in den höchsten Stellen kontrollieren. Die Benennung der vier Vertreter Württem berg-Badens wird bei Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses im Bundesanzeiger, also am 22. Dezember erfolgen.
Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier erklärte, alle bei der Auslegung des Neugliederungsgesetzes auftauchenden Zweifelsfragen würden vom Ministerrat so geregelt werden, daß die Dinge weiter
gingen und keine Verzögerungen einträten. Die Frage, ob die württembergbadische Vertretung ausschließlich von den Regierungsparteien SPD und FDP gestellt würden, oder ob auch an die Heranziehung der CDU -Opposition gedacht sei, ließ der Ministerpräsident offen. Er erklärte, die Bedeutung des Ministerrates dürfe nicht überschätzt werden, da dieser streng an die Weisungen der Regierungen gebunden sein werde.
Arbeitsgemeinschaft der Badener
KARLSRUHE. Der Landesverband der Arbeitsgemeinschaft der Badener hat auf einer Ausschußsitzung in Karlsruhe einstimmig beschlossen, die Arbeitsgemeinschaften in ihrer alten Form weiterbestehen zu lassen. Die Arbeitsgemeinschaften sind bereit, durch die Gründung einer badischen Volkspartei aus ihrer Ueberpartei- lichkeit herauszutreten. Eine Entscheidung darüber wurde jedoch bis zur Tagung der nordbadischen CDU heute, Samstag, zurückgestellt. Ale dringend notwendig wurde der Aufbau einer konstruktiven, auf die badischen Interessen ausgerichteten Opposition in der verfassunggebenden Landesversammlung bezeichnst.
Nun wählt im nächsten Jahr Amerika seinen Präsidenten. Wird er wieder Tru man heißen oder doch zum mindesten ein Mann der demokratischen Partei Trumans seih? Wird er Eisenhower heißen, der durch sein Europa -Oberkommando mit den europäischen Dingen stark verbunden ist? Oder wird er gar Taft heißen, der seit Jahr und Tag der Verschmelzung amerikanischer und europäischer Interessen schärfsten Widerstand entgegensetzt? Auf eine kurze Formel gebracht: Wird die Präsidentenwahl dahin führen, daß Amerika , wenn auch nicht sein Gesicht von Europa wegwendet, so doch diesem Europa ein weniger freundliches und verständnisvolles Gesicht zeigt? Der einfache Mann in den USA , der seit Jahr und Tag seine Steuergelder für Europa -Hilfe oder für Europa -Bewaffnung zahlt, ruft nach größerer europäischer Aktivität. Er könnte sich bei einer Wahl demjenigen Huwendien, der ihm verspricht, diese, Jedenfalls in der Meinung des amerikani schen Steuerzahlers, undankbaren Europäer, etwas mehr ihren eigenen Sorgen zu überlassen. Es ist vielleicht nicht bequem, sich in den Weihnachtstagen mit der Vorstellung zu beschäftigen, daß die Amerika - Hilfe auch einmal aufhören hönnte. Aber töricht wäre es, diese Möglichkeit angesichts des aufgezogenen Wetterzeichens zu verschweigen.
Wie ernst diese Möglichkeit ist, zeigt sich gerade darin, daß unmittelbar nach McCloys Warnung an Europa der USA - Außenminister Acheson gegenüber der öffentlichen Meinung seines Landes die Europäer verteidigt hat: In vier Jahren hätten sie mehr Fortschritte in Richtung auf die Einheit gemacht, als in den vorangegangenen fünf Jahrhunderten. Diese Nervosität der amerikanischen Politik ist es, was zwischen der Adenauer-Reise und der Churchill -Reise eine Verbindung herstellt Seit einigen Monaten ist ein Stillstand in der USA -Poilitik zu erkennen. Uefoerall machen sich Hindernisse bemerkbar. Im Nahen Osten geht es nicht so, wie es sollte, und in Europa machen bald die Beneluxstaaten, bald Frankreich , bald England dem Gedanken einer europäischen Armee Schwierigkeiten. So kommt aus dem eigenen Lager des Präsidenten Tru man Kritik.
Richard Bissei, der stellvertretende Leiter des Amtes für gegenseitige Sicherheit (also des Amtes, bei dem die wirtschaftliche und finanzielle Pflege der gemeinsamen Amerika -Europa -Verteidigung lief) hat das öffentlich ausgesprochen. Die Verbündeten der USA , so meint er, hätten offenbar manchmal den Eindruck, daß Amerika von einer „Besessenheit der Aufrüstung" erfüllt sei. Er mahnt, über der militärischen Hilfe nicht die wirtschaftliche und soziale Hilfe für Europa zu vergessen und „schöpferischen Geist" zu entwickeln, damit die Rüstung nicht als Selbstzweck erscheint.
Hier ist der Punkt, wo Churchill eingreif en will und wo er den Staatsmännern in Washington Sorgen macht. Chur chill braucht Erfolge. Innerwirtschaftliche gibt es kaum, weil die Labour-Regierung der konservativen Regierung sehr viele Sorgen hinterlassen hat. Also müßten es außenpolitische Erfolge sein. Churchill will den USA sozusagen Ideen liefern, die man dort in einer gewissen Verkrampfung wegen der übergroßen Last der Ost-West- Auseinandersetzung nicht ohne weiteres aus dem Aermel schütteTt. Eine dieser Ideen soll die Anknüpfung eines Gespräche mit der Sowjetunion sein. Aber im Kreise um Truman meint man. daß solche Gespräche erst dann Sinn hätten, wenn der