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UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG EUR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET
SUDKURIER
Erscheint Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag. Bezugspreis monatlich durch Träger 2.50 Mark *u-
Tel.: 924, 925. 1130. 1510. 1511 Fernschreiber: 07828 8. JAHRGANG * DIENSTAG 22. APRIL 1952 * NUMMER 63 ztigl. 30 Pfg. Trägerlohn, durch die Post 2.70 Mark,
Verlag und Redaktion Konstanz . Marktstätte 4 zuzügl. 36 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Pfg.
Butter billig ins Ausland
BONN . (W.-Eigenbericht.) Das Bundes- Tkabinett hat das erste größere Butteraue- fuhrgeschäft genehmigt. Insgesamt sollen angesichts des deutschen Ueberflusses 15 000 Tonnen Butter nach Großbritannien exportiert werden. Das Geschäft ist nur dadurch möglich geworden, daß ein außerordentlich niedriger Preis angesetzt wurde, nämlich 3,65 DM je Kilo bei einem Wassergehalt von 16 Prozent.
Diese Ausfuhr soll die Lage während der Zeit der Milch- und Butterschwemme erleichtern. Im Herbst würde die Bundesregierung dagegen gerne die gleiche Menge wieder hereinnehmen. Die Bundesregierung hat daher in Großbritannien angefragt, ob nicht im Herbst dieselbe Menge zum gleichen Preis wieder zurückgekauft werden könne. Wie es heißt, hat sich die britische Regierung im Prinzip damit ein. verstanden erklärt, jedoch will sie nicht den gleichen niedrigen Preis gewähren.
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SK. Jede Hausfrau, die diese Meldung liest, wird denken: Zu diesem verbilligten Preise hätte auch ich mir von der Butter gekauft. Tatsächlich ist der hohe inländische Butterpreis schon lange ein Sorgenkind unserer Wirtschaftspolitik. Auch dm landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen mehren sich die Stimmen, die einen Ausgleich auf dem Buttermarkt fordern. Die Rücksicht auf viele bäuerliche Existenzen, für die das Milchgeld die einzige bare Einnahmequelle ist, stellt jedoch die verantwortlichen privaten und öffentlichen Stellen vor eine schwierige Entscheidung.
Gegen Demontage Hamburger Docks
HAMBURG . Der Hamburger Ortsausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbundes wandte sich gegen einen Verkauf oder eine Verschrottung der von der britischen Besatzungsmacht in Hamburg beschlagnahmten sechzehn Docks und ersuchte den internationalen Bund freier Gewerkschaften um Beistand. Die Bundesregierung hat sich bereiterklärt, mit der britischen Regierung über den Preis für einen Rückkauf der sieben beschlagnahmten Marinedocks' zu verhandeln. Bei den neuen privaten Docks erkennt sie jedoch ein britisches Eigentumsrecht nicht an. Auch der Hamburger Senat und die SPD haben gegen das britische Vorhaben protestiert.
In der Entschließung der Gewerkschaften werden die britischen Absichten als ein Wiederaufleben der Demontagen bezeichnet. Ein Verkauf der Docks würde zu einem Zusammenbruch der Hamburger Schiffsbauwirtschaft und ihrer Zubringerbetriebe führen und damit das Kernstück der Hamburger Wirtschaft zerstören.
OMAHA . Der Wasserstand des Missis sippi ist in den Staaten Iowa und Illinois bedrohlich angeschwollen, während das Hochwasser des Missouri im Sinken begriffen ist. Man erwartet, daß der Missouri in diesem Teil seines Laufes bis Mittwoch wieder auf den normalen Wasserstand absinkt. Die evakuierte Bevölkerung wurde vor einer sofortigen Rückkehr gewarnt, weil die Gefahr erst bei einem weiteren Rückgang des Hochwassers vorüber sei.
Der Missouri hat bei Rulo an der südöstlichen Spitze des Staates Nebraska jetzt eine Breite von 25 Kilometern. Der Sachschaden, der zwischen Rulo und der Mis souri -Mündung durch die Fluten verursacht wurde, beträgt schätzungsweise 13,5 Millionen Dollar.
Kurz notiert
Die Bundesrepublik und Japan haben beschlossen, die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen, sobald der Unterzeichnete Friedensvertrag für Japan in Kraft tritt.
Verschiedene Verkehrs wichtige Straßenzüge Kehls wurden der deutschen Verwaltung zu- rfickgegiben.
Das ehemalige deutsche Afrikakorps bereitet für den 13. nnd 14. September ein Bun- destreflen in Stuttgart vor.
Eine Delegation der Bundesregierung ist in Australien eingetroffen, nm über eine verstärkte deutsche Auswanderung Verhandlungen zu führen.
Bei einem Streik der Bocholter Textilarbeiter kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei nnd Streikposten. Zwei Polizisten nnd mehrere Arbeiter wurden verletzt.
M ehemalige Flngzeugingen!enre der Junkerswerke in Dessau sollen in den letzten Tagen von sowjetischer Geheimpolizei verhaftet worden sein.
Die Kriminalpolizei hat gegen die Krefelder Kreisgruppe dev „Stahlhelm “ Anzeige erstattet, weil bei einer Sffentlichen Bismarck - Gedenkfeier drei Mitglieder dea Stahlhelm in Wehrmachtsuniform erschienen waren.
Heute beginnt in Verden a. d. Aller der Prozeß gegen den Sprengstoffattentäter Erich Halazc.
Die Filmschauspielerin Leni Riefenstahl Wurde von der Spruchkammer des Berliner Senats als Entlastete eingestuft.
Wenig Hoffnung auf Große Koalition
Schulfrage im Vordergrund — Absage der SPD an CDU — DVP-FDP berät mit SPD und BHE
STUTTGART . (Tfz.-Eigenbericht.) Trotz der offensichtlichen Bereitschaft der CDU , der DVP/FDP im Interesse des Zustandekommens einer bürgerlichen Koalition nach Bonner Muster die größten Kompromisse zu machen, und sogar unter Umständen die Ministerpräsidentschaft Dr. Reinhaid Maier zu übertragen, werden diesen Bemühungen nur sehr geringe Chancen eingeräumt. Offensichtlich befürchtet man in der DVP/FDP später in den Fragen des innergebietlichen Verwaltungsaufbaues von der CDU überstimmt zu werden, selbst wenn die CDU sich schriftlich zu den DVP/FDP -Forde- rungen vom Sonntag festlegen sollte. Am Montagnachmittag trafen im Anschluß an die Ministerratssitzung Vertreter der SPD , DVP/FDP und des BHE in der Villa Reitzenstein zu ihrer ersten gemeinsamen Sitzung zusammen, um Fragen der etwaigen Bildung einer Kiemen Koalition zwischen diesen drei Parteien zu erörtern. An den Verhandlungen nahmen Dr. Wolfgang Haußman (DVP/FDP ), Abg. Alex Möller (SPD ) und die Abgeordneten Dr. Mocker und Dr. Bartunek vom BHE teil.
Obwohl Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier in einer Erklärung vom Sonntag es als unmöglich und unzweckmäßig bezeichnet hat, entweder die in den südlichen Landeshälften vorherrschende CDU oder die „traditionelle Sachwalterin der Industrie-Arbeiterschaft“ von der Regierungsverantwortung auszuschließen, glaubt in Stuttgarter politischen Kreisen niemand mehr ernsthaft an das Zustandekommen einer großen Koalition von CDU , SPD und DVP/FDP , die noch vor wenigen Tagen von allen drei Parteien als die bestmögliche Lösung bezeichnet worden war. Dies wird durch die Erklärungen von SPD -Seite bekräftigt, in denen die am Freitag ausgesprochene Absage an die CDU als eine endgültige bezeichnet wird.
Auch die CDU richtete an die DVP/FDP die Aufforderung, am Montag mit der (CDU zu weiteren Verhandlungen über eine etwaige gemeinsame Regierungsbildung zusammenzu treten. Die von der CDU vorgeschlagenen mündlichen Verhandlungen wurden von der DVP/FDP zunächst abgelehnt, weil nach Lage der Dinge kein Fortschritt zu erwarten sei, „wenn nicht vorher eine verbindliche offizielle Erklärung der Gesamtfraktion der CDU zu unseren Forderungen vorliegt.“ Die DVP/
FDP verlangt Verzicht auf den Vorbehalt der Wiederauflösung des südwestdeutschen Bundeslandes, auf die Einrichtung von zwei Landesbezirken, auf ein alsbald zu verabschiedendes Verwaltungsgesetz und auf die Durchführung einer Volksabstimmung über die Annahme der neuen Verfassung. Schließlich möchte die DVP/ FDP wissen, welche Vorstellung die CDU von den Zuständigkeiten der künftigen Mittelinstanzen und über die endgültige Wahl der Landeshauptstadt habe. Auch die Forderungen in der Schulfrage würden stark von dem Standpunkt der FDP abwei chen .
Die S1P1D hatte der CDU am Freitag mitgeteilt, daß sie weitere Verhandlungen über eine gemeinsame Regierungsbildung für nutzlos halte. Das Vorstandsmitglied der SIBD-Ffaktiori, Willi Lausen , gab am Sonntag vor den Delegierten des SfPD- Kreisverbandes Stuttgart eine Erklärung zur Haltung der SPD in der Koalitionsfrage ab. Die Ablehnung sei in erster Linie auf die Forderungen der CDU in der Schulfrage und auf die Haltung der altbadischen CDU -Abgeordneten zurückzuführen. Die SPD wolle nunmehr schnellstens Verhandlungen mit der DVP/FDP aufnehmen, um zu prüfen, ob außer in der Schulfrage auch in den wichtigsten anderen Punkten Uefoerednstimmung erzielt werden könne.
Nur 40 neue Planstellen
STUTTGART . (Tfz.-Eigenbericht.) Der Ministerrat der drei südwestdeutschen Länder trat gestern in Stuttgart zu seiner letzten Arbeitssitzung zusammen und
empfahl der Verfassunggebenden Landesversammlung die staatlichen Zentralstellen, die nicht zwangsläufig an den Regierungssitz gebunden sind, in andere geeignete Ort zu verlegen, insbesondere in die bisherigen Landeshauptstädte. Außerdem beschäftigte sich der Ministerrat eingehend mit dem Nachtragshaushalt Slüdbadens für 1951, in dem unter anderen 120 neue Beamtenstellen für die. Finanzverwaltung gefordert werden. Gegen die Stimmen der badischen Vertreter wurden 80 neue Planstellen abgelehnt. Die würt- tembergisch-badischen Vertreter hatten beantragt, im gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt keine neuen Beamtenstellen zu genehmigen, da sowohl Württemberg- Baden als auch Württemberg-Hohenzollern bei Neubesetzungen von Stellen größte Zurückhaltung geübt hätten. Nach Ablehnung dieses Antrages einigte man sich auf Vorschlag Tübingens auf die Genehmigung van 40 neuen Planstellen, die auf entsprechende Angestelltenstellen angerechnet werden sollen.
Auch gegen verschiedene Abweichungen des badischen Nothaushaltgesetzes gegenüber den Nothaushalten der beiden anderen Länder erhob der Ministerrat Einspruch. Insbesondere wurde beanstandet, daß der badische Nothaushalt keine generelle lOprozentige Kürzung der Staatsausgaben vorsieht und keine Bestimmung enthält, der zufolge keine zusätzlichen Beamtenplanstellen geschaffen werden dürfen.
General vertrag schon am 18. Mai?
Acheson kommt , nach Bonn — Die Schlußphase der deutsch -alliierten Verhandlungen
BONN . (W.-Eigenbericht.) Der amerika nische Außenminister Dean Acheson hat in einem Schreiben an Bundeskanzler Dr. Adenauer angekündigt, daß er während seines Europaaufenthaltes zwischen dem 9. und dem 20. Mai auch nach Bonn kommen werde. In diesen Tagen soll dann das Vertragswerk zur Ablösung des Besatzungsstatuts und unter Umständen auch der Vertrag über die europäische Verteidigungsgemeinschaft unterzeichnet werden. Als wahrscheinlichster Termin wird der 18. Mal genannt. !Dr. Adenauer hat vorgeschlagen, den Generalvertrag und die
Mehr Selbstverwaltung für Gemeinden
Kommunalpolitiscfae Tagung der SPD in Frankfurt FRANKFURT
a. M. In der Paulskirche I sehen Demokratie von dem Ausmaß der
in Frankfurt fand am Wochenende eine kommunal-politische Tagung der SPD statt Mit einer Eröffnungsrede wies der hessische Ministerpräsident Zinn auf das noch immer umstrittene Verhältnis der gemeindlichen Selbstverwaltung zum Staat hin. Die Gemeinden hätten immer noch Probleme zu bewältigen, die zum Bereich der Länder gehörten. Staatssekretär Bleek, der die Grüße der Bundesregierung überbrachte, betonte, es sei zu hoffen, daß die den Gemeinden im kommenden Lastenausgleich zugemuteten Opfer wirklich die letzten in der kommunalen Verlustliste der Nachkriegszeit seien. Es sei eine dringende Aufgabe die kommunale Finanzmasse zu stärken.
Der zweite SPD -Vorsitzende Ollenhauer unterstrich, daß die Existenz der deut-
Bei einem schweren Bergwerks Unglück im Msrtin-Hoop-Schaeht in Zwickau wurden 13 Bergleute getötet und 37 verletzt.
In Minden (Westfalen ) stfirste das Hotel „Westfälischer Hof“ aus bisher ungeklärten Gründen ein. Zwei Hotelgäste wurden getötet.
In Herringen bei Hamm löste sich der Anhänger eines Tankwagens in voller Fahrt nnd raste in eine Fußgingergruppe. Ein Kind wurde getötet, vier weitere Personen worden schwer verletzt.
Königin Elizabeth II. beging gestern ihren 26. Geburtstag, den ersten seit der Thron- Übernahme.
Ein Prager Gericht verurteilte vier Personen wegen Fälschung von Lebensmittelkarten und Schwarzhandel znm Tode.
Der ehemalige britische Schatzsekretär Sir Stafford Cripps , der zeit langem mit Rückenmark-Tuberkulose in einer Züricher Klinik liegt, ist seit Montag ohne Bewußtsein, bei ständig fortschreitender Körperschwäche.
Ein amerikanisches Verkehrsflugzeug stürzte in Südkalifornien ab. Die 38 Insassen kamen ums Leben.
An t der Strecke Glasgow —London entgleiste ein Scfanellrng, 56 Personen wurden znm Teil schwer verletzt.
Eine Fähre mit 43 Perzonen an Bord ist in der Nähe Bnxar (Indien ) während eines Sturmes gekentert. Man rechnet damit, daß etwa 34 Fahrgäste ertranken sind.
Östlich des Tschad -Sees (Afrika ) kam es zwischen französischen Polizeitrappen und Eingeborenen zn schweren Zusammenstößen, wobei 14 Menschen nms Leben kamen.
sozialen Sicherheit abhänge, die dem schaffenden Menschen gegeben werde. Dieses Problem könne nur durch Änderungen ln den Besitzverihältnissen der Großindustrie und durch gelenkte Produktion gelöst werden.
Der zweite Hamburger Bürgermeister Dr. Hevermanmn warnte davor, im Städtebau gedankenlos zu restaurieren. Die Armut der Städte dürfe nicht dazu führen, daß auf eine Neuplanung verzichtet und alte Baufehler der kapitalistischen Bodenausnutzung wiederholt werden. Der Präsident des Deutschen Gemeindetages , Wil helm Mellies , betonte, daß weitgehende Selbstverwaltung der Gemeinden nicht die einheitliche Politik in Bund und Ländern gefährden dürfe. Die Selbstverwaltung sei allerdings die beste Grundlage für wirkliche Demokratisierung des öffentlichen Lebens. Mellies kritisierte den Bundestag, der bisher keine übermäßig ,gemeindefreundliche Einstellung“ bewiesen habe.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin , Professor Reuter, unterstrich auf der Abschlußkundgebung die Bedeutung der öffentlichen Wirtschaft, ohne die die Privatwirtschaft nicht existieren könne. Die Preisgestaltung der kommunalen Versorgungswirtschaft sei eine Angelegenheit der Öffentlichkeit. Die Gemeinden hätten die Pflicht, ihre Betriebe nach kaufmännischen Gesichtspunkten zu führen.
Zusatzverträge in Bonn , den Verteidigungsvertrag im Haag zu unterzeichnen» Eine letzte Entscheidung hierüber ist noch nicht gefallen.
Am Montag haben Dr. Adenauer und die Hohen Kommissare abermals stundenlang über Einzelheiten der Verträge verhandelt. Sowohl in deutschen wie in alliierten Kreisen wird erklärt, daß damit die Schlußphase dieser Verhandlungen begonnen habe. An großen Problemen seien zur Zeit noch offen:
1. Die Frage, wie der deutsche Verteidigungsbeitrag von monatlich 850 Millionen DM zwischen den alliierten Truppen einerseits und den kommenden deutschen Truppen andererseits verteilt werden sollen, 2. die Frage der rechtlichen Stellung der fremden Truppen auf deutschem Boden, soweit sie nicht zur europäischen Verteidigungsgemeinschaft gehören, also besonders der Engländer und Amerikaner, die zum Beispiel ihre eigenen Militärgerichte behalten wollen, 3. Die Frage des Lebensstandards dieser Truppen, in der von deutscher Seite auf eine Angleichung an den sonstigen „europäischen “ Lebensstandard gedrängt wird, während besonders die Amerikaner für ihre Truppen einen höheren Lebensstandard für notwendig halten.
Hohe Kommission setzte sich durch
BONN . Die wiederholten Vorstellungen wegen zu luxuriöser Lebensführung der amerikanischen Truppen auf Besatzungskosten haben zu einem Erfolg geführt: Die amerikanische Kommission hat trotz Einspruch der Besatzungsarmee beschlossen, das neue Budget für die Besatzungstruppen um 45 Millionen Dollar jährlich, das sind rund 189 Millionen DM, zu kürzen. Gestrichen werden: Alle Hausangestellten, Feriensonderzüge, verbilligte Fahrten auf der Eisenbahn, Serviererinnen in denClubs, soweit sie bisher aus Besatzungskosten bezahlt worden sind, und zahlreiche andere Vorrechte. Damit gelangt eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit zwischen der Hohen Kommission und der „Army“ in den Scheinwerfer der Oeffentlichkeit — ein Streit, der bereits viele Monate dauert und seine Wellen bis zum State Departement und dem Pentagon in Washington geschlagen hat.
LINZ . Der stellvertretende Ministerpräsident der Sowjetzonen-Regierung, Otto Nuschke , der zur Zeit eine Vortragsreise in der sowjetisch besetzten Zone Oester reichs unternimmt, erklärte in Urfahr (Ober-Oesterreich), bei gesamtdeutschen Wahlen würden seiner Meinung nach die meisten ostdeutschen Arbeiter die Sozial demokratische Partei wählen. Er sei sicher, daß dann die SPD zur stärksten Partei Deutschlands würde.
Nach der Begründung für seine Vorhersage eines SPD -Sieges befragt, erklärte Nuschke, die SED sei nach Kriegsende nur aus einer Notlage heraus gegründet worden. Nuschke sagte weiter, er glaube, daß
ein wieder vereinigtes Deutschland amerikanische Kredite willkommen heißen würde, vorausgesetzt, daß sie nicht mit politischen Bedingungen verknüpft wären. Bei gesamtdeutschen Wahlen würde es seine eigene Partei, die Ostzonen-CDU , sehr schwer haben, da sie weder Geld noch eigene Zeitungen habe.
Die Oder-Neiße-Grenze bezeichnete der stellvertretende Sowjetzonen-Ministerprä- sident als die „unwiderrufliche Friedensgrenze“. „Nur mit blutendem Herzen“, sagte Nuschke, „stimmt die Deutsche De mokratische Republik dieser Grenze zu“, aber nur Kriegstreiber könnten versuchen, diese Grenze zu ändern.
Streiflichter:
Höchste Zeitl
KG. Am kommenden Freitag soll der Regierungschef des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg gewählt werden. Bis dahin muß man zum mindesten wissen, welche Parteien die neue Regierung bilden werden. Nach der ziemlich schroffen Absage der SPD an die CDU und ihrem sehr deutlich zum Ausdruck gebrachten Wunsch nach einer Koalition mit DVP-FDP und BHE bleibt der CDU nur noch der Versuch einer Kleinen Koalition mit diesen beiden Parteien. Darüber wird im Augenblick verhandelt.
Ohne wesentliche Zugeständnisse auf sachlichem Gebiet, also in der Schulfrage und in verschiedenen Fragen des künftigen Verwaltungsaufbaus, wird es dabei nicht abgehen. Auch die Frage des künftigen Regierungschefs spielt eine Rolle. Wird die DVP-FDP von ihrem bisherigen Standpunkt in der Schulfrage abgehen und der CDU wenigstens den bisherigen Zustand in Württemberg-Hohenzollern garantieren? Wird die CDU dann bereit sein, in persönlichen Fragen Zugeständnisse zu machen und Dr. Reinhold Maier als Regierungschef akzeptieren? Oder sind die gegenseitigen Standpunkte so unverrückbar fest, daß auch diese Verhandlungen zu Bruch gehen? Dann bliebe wirklich nichts anderes übrig als die alte württem- bergisch-badische Koalition zwischen SPD und DVP-FDP . Das aber würde nach einer Aeußerung von Dr. Reinhold Maier selbst „unzweckmäßig und beinahe unmöglich“ sein.
Es ist kein Geheimnis, daß man in Bonn und gerade auch in den Kreisen der FDP großen Wert auf die Bildung einer der Bonner Koalition emtsprechen- Regierung legt. Auch die badisch- württembergi sehe FDP wird eich den Gründen hierfür nicht gut versagen können. Auf jeden Fall würde eine Aende- rung des Stimmenverhältnisses im Bundesrat im Sinne eines stärkeren sozialdemokratischen Einflusses unter Umständen zu sehr unliebsamen Konsequenzen führen. Will die FDP die Verantwortung dafür übernehmen?
Andererseits wird auch die CDU wohl kaum auf die Forderung verzichten, daß die bisherigen Schulverhältnisse in Würt- temberg-Hohenzollem geändert werden. Hier bestehen drei Schularten, katholische und evangelische Konfessionsschule und christliche Gemeinschaftsschule, nebeneinander. Ueber die Schulform entscheiden jeweils die Erziehungsberechtigten in geheimer Abstimmung. In Südbaden besteht wohl die christliche Gemeinschaftsschule, aber mit konfessioneller Lehrerbildung. Auch hier würde die Beseitigung dieses Zustandes wohl nicht widerspruchslos hingenommen werden. Man täte gut daran, auf diese Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen und den neuen Bundesstaat nicht von vornherein mit konfessionellen Streitigkeiten zu belasten.
Begegnung Franco - Salazar
—th. Das zweitägige Zusammentreffen Francos und Salazars, das in Cuidad Rodrigo, nahe der portugiesischen Grenze, stattfand, ist mit einer Verlautbarung abgeschlossen worden, die womöglich die Solidarität der beiden iberischen Regime noch nachdrücklicher unterstrich als dies nach früheren Begegnungen der Fall war. Nachdem auf der Lissaboner Konferenz des Atlantikrates der portugiesische Vorschlag, Spanien in die atlantische Gemeinschaft einzubeziehen, keinen Anklang fand, andererseits aber auch die Verhandlungen über das spanisch-amerikanische Militärabkommen bisher nicht die erwarteten Fortschritte gemacht haben, ergibt eich gegenwärtig für die beiden zum „Iberischen Block“ vereinten Partner eine grundsätzlich veränderte Situation. Das Leitmotiv, das auch diesmal wieder die Verhandlungen begleitete, war die „strategische Unteilbarkeit“ der Halbinsel.
Das bedeutet — mit anderen Worten — daß die Einschränkungen weiterhin gelten, unter denen Portugal seinerzeit seinen Beitritt zum Atlantikpakt vollzog. In der Praxis läuft das darauf hinaus, daß Portugal , was die Azoren und die dortigen amerikanischen Stützpunkte angeht, im Atlantikpakt Ist, aber was das Mutterland betrifft, außerhalb bleibt. Man will, auf eine knappe Formel gebrach, den Anschluß an den Westen finden, aber sich dabei doch ein Maximum an politischer und militärischer Bewegungsfreiheit reservieren.
Solche Tendenzen werden erleichtert durch die jüngste Entwicklung im spanisch-amerikanischen Verhältnis, die einen im Ganzen wenig befriedigenden Verlauf genommen hat. Der neue ameri kanische Botschafter, Mac Veagh, der kürzlich sein Beglaubigungsschreiben übergab. Ist in Madrid wesentlich zurückhaltender empfangen worden als man seinen Vorgänger Griffis verabschiedet hatte. Am Vorabend der mit großer Sorgfalt und Zeitverschwendung vorbereiteten Verhandlungen mit der amerikanischen Mili-