Samstag, 26. April 1952
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Nr. 66 / Seite 6
Eil
Das traditionsreiche Konstanzer Gaststättenwesen kann in diesem Jahre ein ganz besonderes Jubiläum feiern: das Hotel Krone kann auf ein 600jähriges Bestehen zurückblicken. Es ist nicht einfach, die Schicksale des Hauses aus vergilbten Akten und Urkunden zu entwirren; denn der ganze Komplex zwischen Marktstätte und Fischmarkt spielt in die Geschichte der „Krone“ hinein. Es zeigt sich dabei, daß der Name des Hauses, das ursprünglich unmittelbar an den „Adler“ stieß immer weiter nach Osten wanderte. Bis 1225 reicht die Geschichte dieses östlichen Flügels zurück. Als in diesem Jahre Ulrich Blarer gemeinsam mit Heinrich von Bitzenhoffen das Große Spital (heute das Haus des „Südkurier“) stiftete, behielt er das danebenliegende Haus, das heute den Grundstock des Hotel Krone bildet. Die Auflage, jährlich am St. Peterstag eine Wachskerze an die Kapelle des Apostelfürsten im Münster zu stiften, wurde von der Hofstätte des Spitals auf das Bla- rer'sche Anwesen übertragen. Dieses blieb bis zum Jahre 1454 im Besitz der Blarer, die es dann an das danebenliegende Spital veräußerten.
Westlich an den alten Fatrizierwohnsitz stieß das Haus zum „Kiel “. Es war nachweisbar über ein Jahrhundert, nämlich bis 1435, Eigentum der Familie Frey (Fry), deren Angehörige sich in den romanischen Ländern Francus nannten. Die Sippe stammte aus Lindau , erwarb früh das Konstanzer Bürgerrecht und gehörte ebenso wie die Blarer der großen Ravensburgischen Handelsgesellschaft an. Der „Kiel “, in dem sehr früh gewirtet wurde, wechselte dann mehrfach den Besitzer. 1570 wird Balthasar Lenger ausdrücklich als Wirt zum „Kiel “ bezeichnet. Als sich die Stadt 1591 entschloß, eine Straße von der Marktstätte nach dem Bleicherstaad (heute Fischmarkt) zu brechen, erwarb sie das Gasthaus, um es ein Jahr später gegen das westlich daran anstoßende Haus zur Krone einzutauschen, das damals der Agathe von Kemi gehörte, sich unmittelbar an den „Adler“ anlehnte und im Zuge des geplanten Durchbruchs lag.
Auch die „Krone“ war Sitz Konstanzer Patriziergeschlechter, und zwar der Hürus und der Croaria. Beide Familien waren nicht nur untereinander, sondern auch mit den Blarer, Muntprat, Betminger, Wallenberg (eine Zeitlang im Besitze des „Kiels“) verwandt und verschwägert. Alle diese Geschlechter stellten der Stadt geniale Kaufleute, tüchtige Bürgermeister, Reichsvögte und Ammänner, wie sie auch bedeutende Gelehrte und Kleriker hervorbrachten. Die „Hürus“ sind darüber- hinaus in die Geschichte eingegangen durch die Einführung des Buchdrucks in Spanien . :
Die Stadt hatte den Kauf des „Kiels“ und den Tausch mit der „Krone“ nur wegen der beabsichtigten Querverbindung von der Marktstätte nach dem Bleicherstaad vorgenommen. Diesem Straßendurchbruch (heute Brotlaube) fiel das Haus zur Krone zum Opfer, dessen Name nunmehr auf den „Kiel “ überging. Das Konstanzer Baubuch meldet darüber: „Im Jahre 1592 ist daß wurzhauß zur Khron genant zwuschen dem Adler und Khiel gelegen abgebrochen worden unnd ain durchgehende gassen gemacht wie augenscheinlich unnd synd zue beydeb ledemly gemacht worden, darinne die Becken und Bryemelber sampt annderen ihre waren umb gebu- renden Zins verkaufen können.“ In den Mitteilungen des Badischen Statistischen Landesamtes wird die „Krone“ als ältestes badisches Gasthaus bezeichnet und . als Grüdungsjahr 1352 angegeben, eine Datierung, die zweifellos urkundlich belegt ist, wenn wir auch die Unterlagen nicht mehr ermitteln konnten. Indirekt wird dies auch durch Aloys Schulte , den Altmeister rheinischer Geschichtsforschung bestätigt. Er nimmt an, daß schon lange vor 1422,
AUS DER CHRISTLICHEN WELT
wo Ulrich von Croaria in der „Krone'* wohnte, die Hürus und die Sattler darin das Wirtsgewerbe ausübten.
Als die alte ,Krone“ abgebrochen wurde, war die große reichsstädtische Zeit von Konstanz schon fast zwei Menschenalter vorüber. Was aber hatte das alte Haus nicht alles bis dahin schon erlebt. Es' sah das Kaufhaus, das Rathaus am Fischmarkt, die „mure in dem see“, d. h. die östliche Stadtbefestigung, und den Pfennigturm Wachsen. Es blickte hinüber zum alten Komhaus der Stadt auf der Marktstätte und stieß hinten an den Bleicherstaad, wo die Weber ihre Leinenstreifen ausgebreitet hatten und arme Missetäter am Pranger büßten. Es sah festliche Aufzüge, wenn Kaiser und Könige ihren Einzug in die Stadt hielten, und erlebte seine große Bewährungsprobe während des Konstanzer Konzils, 1414—1418, wo in der ganzen Stadt das letzte Bett jahrelang besetzt war. Weniger angenehm war es dem Kronenwirt, daß sich 1548 kurz vor dem Spaniersturm auf die Stadt ein österreichischer Spion in das Haus eingeschlichen hatte. Rasch wechselten die Wirte. Die Ratriziernamen verschwinden langsam im Grundbuch. 1617 erwarb schließlich das große Spital das Haus und brachte damit den ganzen Straßenzug an der Marktstätte bis zur Brotlaube in seinen Besitz. Wo in der Frühzeit mächtige Handelsherren bei feurigem Malvasier über ihre weltweiten Geschäfte redeten, wurden nun die Creszenzen des Spitals ausgeschenkt.
1832 konnte das Spital fast das ganze Häusergeviert in seiner Hand vereinigen. Im gleichen Jahre wird die „Krone“ ein zwei- tesmal abgebrochen. Name und Wirtsge- rechtigkedt gehen auf das danebenliegende ehemals Blarer’sche Haus über. Langsam beginnt sich das Hotel zu erholen. Es wird Sitz des Bürgermuseums, des 1834 gegründeten führenden Vereins von Kon stanz . Die ersten und besten Bürger der Stadt bevölkern nun Lesesaal und Billardzimmer des Hauses. Auch Prinz Louis Napoleon zählt zu seinen Gästen. Großzügig gestattet man dem Wirte Poppele im Jahre 1836 die Lokalitäten des „Museums“ während des ersten ~ großen Bodensee -Sängerfestes auf der Marktstätte auch fremden Gästen zur Verfügung zu stellen. Das Jahr 1848 brachte wie in ganz Konstanz erneut einen schweren Rückschlag. Das Spital war inzwischen von der Marktstätte verlegt worden, und so stieß die Stiftung 1864 das Anwesen wieder in Privathand ab.
Eine neue Epoche in der Entwicklung der „Krone“ datiert vom Jahre 1898, wo das Haus käuflich an die Gebrüder Rup- paner, die Besitzer der bekannten Kon- stanzer Brauerei, überging. Diese, selbst in der „Krone“ wohnend, gaben dem Haus im wesentlichen seine heutige Gestalt. Konstanz war damals gerade im Begriffe, sich zum führenden Fremdenplatz am Bodensee zu entwickeln. Einer der wenigen, die die Aussichten klar erkannten, war der jetzige Besitzer der ,Krone“, Karl Mayrhofer. So pachtete er 1907 zusammen mit seiner jungen Gattin das Hotel, um es zwei Jahre später käuflich zu erwerben. W. Sch.
Auftakt zur Schroefclnger Spargelernte
Das „Stechen“ beginnt in diesem Jahr früher
Seit über 300 Jahren wird in Schwetzin gen und seiner engeren Umgebung der Spargel angebaut. Der Sandboden und das meist warme Frühjahrswetter in der Rheinebene haben ihn zu einer Qualitätsware gemacht, so daß die etwa 300 Hektar große Anbaufläche nicht ganz ausreicht, die große Nachfrage zu befriedigen.
Vom Schwetzinger Schloßpark dehnen sich die Spargelfelder weit hinüber bis Neulußheim , Reilingen und Hockenheim . In der Saison — von Mai bis Juni (oft schon April an, wie in diesem Jahr) — sind sie belebt von emsigen Bauern und Landarbeiterinnen. Früh und abends werden die Schößlinge gestochen, ehe die Kuppen aus dem Erdreich dringen.
Erst im dritten Anbaujahr beginnt der Spargel zu „tragen“; die besten Kulturen sind die achtjährigen. Dann liefert ein durchschnittlich 12 Ar großes Feld bei guter Witterung etwa 40 Pfund täglich.
Spargelschälerein bei der Arbeit
Bild: Hans Spedc
Die Selbsterlösung gelang nicht
Von Professor Dr. Friedrich Dessauer
Der 2. Präsident des 75. Deutschen Katholikentages 1952 Berlin , Professor Friedrich Des sauer , der Verfasser des ausgezeichneten Büchleins „Am Rande der Dinge' (Verlag Jo sef Knecht , Frankfurt/Ml schreibt zu einem der wesentlichen Themen der Arbeitsgruppen des Jubiläums-Katholikentages: „Britagt die Technik uns voran?“:
Es ist wahr: die vom neuen Forschungssystem der Naturwissenschaft befruchtete Technik hat Großes für das Menschengeschehen geleistet. Gefahren, denen die Vorfahren unterlagen, sind gebannt, Sehnsüchte, Träume, wie der Flug, das Fernhören und Fernsehen, erfüllt, Bildimgs- mittel in so reicher Zahl zur Verfügung gestellt, daß sie fast jeden erreichen können. Der Mensch ist aus der bedrängten vegetativ-animalischen Zone heraufgestiegen. Er trägt nicht mehr die Lasten mit seinen Muskeln: er regiert Krane. Seine Tätigkeit rückt vom Tierischen, Muskulären in eine steigend geistigere Sphäre — trotz aller Rückstände, die uns bedrängen. Das ist der Sinn der Technik, daraus quillt ihr Ethos und die Lebensform ihrer Berufe.
Dessen wurde der Mensch inne; er sah, daß er mächtig wurde, daß naturwissenschaftliches Forschen und technisches Zielgestalten ihn von vielem Lastenden befreite, ihn von Gefahren aus der Natur, Hitze, Kälte, Hunger, Infektionen erlösen könne, ihm das Leben reicher mache. Das ging also wirklich und zwar gerade auf diese Weise! Ganz anders also, wie die Alten es versuchten. Man betet zu keinem Gott, um die Nächte zu erhellen. Die Gesetze der Elektrodynamik reagieren nicht auf Bitten und Opfer. Nicht Engel, sondern Gravitationsgesetze regieren die Planetenbahnen, und sie sind durch unsere Wünsche nicht zu ändern. Der Blitzableiter schützt
I besser als die geweihte Kerze der Großmutter, und die Verbauung des Berges schützt besser vor der Lawine als die Wallfahrt, auch Infektionen und Tumoren sind nicht böse Geister, die man beschwören kann.
Die Naturgewalten sind „nicht wie wir“. Man muß sie erkennen, das ist, ihre Gesetzesordnung von Ursache und Wirkung und von physikalischer Wahrscheinlichkeit und Wirkung in den eigenen Geist aufnehmen. Der so erweiterte Menschengeist kann dann mit den Gefahren fertig werden, denen der Unwissende wie das Tier erliegt. So, nicht anders hat man Pest, Diphtherie und viel anderes überwältigt.
Der Beginn unseres Jahrhunderts stand mehr, als man heute weiß, in diesem Zeichen: Die Städte wuchsen, die Schienenfäden überspannten die Kontinente, die Fabriken brausten, Prachtschiffe, stolze Zeichen seefahrender Nationen, durchfurchten die Ozeane. Licht erhellte die Nächte, der Draht verband die Menschen und ihre Märkte:
Der erste Weltkrieg kam und damit die Enttäuschung des Zusammenbruches. Man hatte etwas — halb unternommen, halb zugelassen und war nicht damit fertig geworden — ganz und gar nicht! Warum ging es nicht? Die Hand, die Halt sucht in der Not, ward ausgestreckt. — Aber sie griff nach unten. Aus der Tiefe, dem Boden, dem Blut, dem Tier im Menschen sollten Kräfte kommen, die Bedrängnis abschütteln, ein Führer sollte erstehen, der alles zusammenballte und seine Gefolgschaft herausführt — wohin, das war wenig klar. Der Führer fand sich, der alle irdischen Mittel, ohne Schwanken, heranzog. Natürlich, das Wissen von den Naturdingen und vom Gestalten, die Technik, aber auch alles andere: die Rechts-
Aber 40 Pfund sind viele Hundert einzelner Spargelstangen. Um jede muß sich der Bauer bücken, muß sie ausgraben, stechen, die Ackerkrume wieder sorgfältig einebnen. Gar mancher macht auf diese Weise viele hundert „Bücklinge“ am Tag.
Wenige Stunden später befindet sich der Spargel — gewaschen, nach vier Qualitätsklassen sortiert und von den örtlichen Genossenschaften gesammelt — auf dem Hauptumschlagplatz des Schwetzinger Anbaugebietes: in der Großmarkthalle Hei- delberg-Handschuhsheim. Die angelieferten Körbe werden zu „Positionen“ zusammengestellt, von den Händlern begutachtet, und dann beginnt das spannende Spiel der lautlosen Versteigerung .vor der Versteigerungsmaschine. Mit leisem Schnurren läuft der Zeiger: 1.90 - 1.87 -
1.85 - 1.83. Jetzt hält er an, eine Zahl
leuchtet auf. Sie bezeichnet eine Firma, deren Vertreter von seinem Sitz aus durch Druck auf einen Taster den Zeiger jederzeit anhalten kann. Er hat gekauft. Auf diese Weise dauert die Versteigerung jeder einzelnen Position nicht länger als 5 Sekunden. Das ist gerade bei dem hochempfindlichen Spargel — der ja schnell und ohne Zeitverlust von Hand zu Hand wandern soll — sehr wichtig. Die nach Zentnern zählende Tages-Spargelemte des gesamten Anbaugebietes ist in wenigen Minuten verkauft.
Noch in der Nacht rollen die Lastwagen in die Konservenfabriken der Umgebung, die sich in der Spargelzeit ganz auf die Verarbeitung dieses Gemüses eingestellt haben. Neun Kilo verarbeitet eine Schälerin durchschnittlich in der Stunde. Krumme Stücke werden aussortiert und zu Brechsspargel zerschnitten. Je nach Güte und Färbung werden sieben Sorten Stangenspargel und fünf verschiedene Sorten Brechspargel unterschieden. In großen Kesseln werden die einzelnen Sortierungen vorgekocht, die Füllungen der einzelnen Dosen abgewogen und eingefüllt. Spätestens 24 Stunden, nachdem der Spargel auf dem Acker gestochen wurde, schließt sich der Deckel der Konservenbüchse über ihm. Die Dosen kommen in den Sterilisierapparat und wandern dann ins Lager.
Ordnung, jede soziale Formierung, alle Leidenschaften, alle und jegliche Kraft, die sich fand, und jeder Zwang und jede Entbehrung. Ganz aus dem Irdischen heraus sollte die Erlösung geholt werden — nur ein Gedanke herrschen: Heraus aus dem Zusammenbruch des Prometheus , und zwar schnell, ohne Zögern, ohne Bedenken!
Daher erklären sich die Appelle, die uns noch in den Ohren klingen — der Aufruf an den hemmungslosen Fanatismus. Fanatismus erfordert Verzicht auf Besinnung, Wertung, Ordnung, auf Menschlichkeit. Wenn ein Raubtier im Blutrausch viel mehr Opfer reißt, als es zu seiner Erhaltung benötigt, so ist die Schuldfrage nicht gestellt — denn es kennt nicht, wie
ALT-KONSTANZ. Das Aquarell, gezeichnet von G. Gagg , Konstanz , zeigt von links nach rechts: Das Gasthaus zum „Goldenen Adler', die Brotlaube (1830 abgebrochen) und das alte Gasthaus „Zur Krone“. Bild: Jeannine le Brun
w. Im eisenerzhaltigen Boden unserer Heimat haben schon die Römer nach Eisenerz gegraben und dieses in ihren „Schmelzen“ und Schmieden verarbeitet. Ebenso war den Kelten und Germanen die Eisengewinnung bekannt. Stumme Zeugen aus alter Zeit sind die spärlichen Mauerreste der „Heidenschmiede“ in der Nähe der Ruine Wieladingen bei Säckin- gen.
Im Jahre 1494 wurde in Laufenburg der Hammerschmiedebund gegründet, durch welchen der Bezug von Roherz, Holzkohlen und der Verkauf der Erzeugnisse eine einheitliche Regelung erfuhr. Als Erzeugnisse sind im Bundesbrief u. a. aufgeführt Pflugscharen, Schienen- und Radeisen. Von den 33 Hammerschmieden, die sich im Bund zusammenschlossen, waren allein 18 in Laufenburg , andere z. B. in Säckingen , Murg und Wehr.
In Jestetten wurde 1588 von Graf Rudolf von Sulz ein Schmelzofen erbaut, nachdem in Neuhausen Eisenerz gefunden wurde. 1620 war aber der Betrieb stark verschuldet, wurde daraufhin stillgelegt, doch 1622 von dem Grafen von Leiningen und Pap penheim wieder aufgenommen.
Die seit 1501 bestehende Eberflnger Schmelze bekam im Jahre 1622 als sehr bedeutendes Eisenwerk neuen Auftrieb. An diesem Unternehmen waren beteiligt das Kloster St. Blasien , die Grafen von Sulz, von Leiningen und Landgraf Maximilian von Stühlingen. Weil die Wälder der Umgebung bereits abgeholzt waren, wurde mit Zustimmung St. Blasiens in den ausgedehnten Waldungen hinter Gündel- wangen der laufende Holzbedarf gedeckt. Für die Holzhauerarbeiten wurden 1634 Tiroler Holzfäller verpflichtet. Das geschlagene Holz wurde auf dem Wasserweg der Wutach bis zum Eisenwerk geflößt.
Das Eisenwerk Gutenburg wurde 1600 vom Kloster St. Blasien und dem Grafen Johann Ludwig von Sulz errichtet. Wenig Glück hatte man aber mit dem nichterfahrenen Schmelzer, ebenso mit dem Geschützgießer. Von vier Alarmkanonen für das Schloß Gutenburg sind zwei beim ersten Probeschießen zersprungen. Besser fielen die beiden kleinen Geschütze von je 2,5 Zentner aus, die man 1663 der Stadt Waldshut zum Geschenk machte. Das Eisenwerk hatte 1665 eine Tagesproduktion von rund 30 Zentner Eisen, das nicht nur in der Umgebung, sondern auch in
der Mensch, Werte, hat nicht Besinnung. Der Mensch aber hat dies und kann es sich nicht wegnehmen. Unterdrückt er dies, sein Menschliches, so wird er nicht tierhaft, sondern gegen seine Eigennatur gekehrt; der entsprechende Ausdruck hierfür ist: Böse. Wer das Böse — oder einen Bösen zum Führer hat, muß sich nicht wundern, wenn er in einer Hölle ankommt. Man kapa dort an. Die Selbsterlösung gelang nicht. Der Versuch brachte das größte Verderben der Weltgeschichte. Und — das Verderben droht weiter. Die große Zahl der zerstörten haltlos gewordenen Seelen ist in Gefahr! Es wurde deutlich, daß wir Menschen allein, auf uns selbst gestellt, den Halt nicht bieten, nach dem wir die Hände ausstrecken.
Kirche und Schulreform
In den Verhandlungen um die Regierungsbildung in Baden-Württemberg stand auch die Schulform zur Diskussion, da hier die Auffassungen der möglichen Koalitionspartner aufeinander abgestimmt werden sollten. Die Schwierigkeiten beruhen nicht so sehr auf parteipolitischen Meinungsverschiedenheiten, die sich aus dem Problem „Simultanschule oder Bekenntnisschule?“ ergeben, sondern auf der Verschiedenartigkeit der Schulformen in den bisherigen Ländern: in Südbaden Simultanschule mit christlichem Charakter und konfessioneller Lehrerbildung, in Würt temberg-Baden christliche Gemeinschaftsschule, in Südwürttemberg-Hohenzollem verfassungsrechtlich anerkanntes Elternrecht mit überwiegender Bekenntnisschule. Nach Äußerungen von CDU -Mitgliedem der Tübinger Regierung ist nicht damit zu rechnen, daß der künftige Landesbezirk Württemberg-Hohenzollem auf die bisherige Schulregelung verzichtet. Landesbischof D. Haug hält, wie er in der Eröffnungssitzung des Landeskirchentages der evangelischen Kirchen Württembergs kürzlich mitteilte, die christliche Gemeinschafts
schule für die empfehlenswerteste Lösung. Wenn man in Südwürttemberg an der bisherigen Schulgesetzgebung festhalten wolle, werde darauf Rücksicht genommen werden müssen; die Kirchenleitung bejahe das Mitwirkungsrecht der Eltern bei der Gestaltung und Verwaltung des Schulwesens.
In Rheinland-Pfalz konnte vor kurzem noch in letzter Stunde eine Regierungskrise überwunden werden, die durch einen Hirtenbrief von Bischof Dr. Stohr, Mainz , zur Schulfrage ausgelöst worden war. Auf Grund der Schulbestimmung der Verfassung forderte er die Eltern auf, eine Erklärung für die Einführung der Konfessionsschule in Rheinhessen abzugeben. Die SPD stellte hierauf im Landtag von Rhein land-Pfalz den Antrag, die Regierung solle ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die rheinhessische Gemeinschaftsschule nicht angetastet werde. Da auch die FDP diesen Antrag unterstütze, gegen die Stimmen der CDU , richtete die SPD einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung Altmeier, der vier CDU -Minister angehören. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt, da sich die überwiegende Mehrheit der
Schaffhausen , Luzern und Basel Absatz fand.
Das Kloster St. Blasien gründete nach seinem Ausscheiden (1649) aus dem Eberflnger Werk eine eigene Eisenschmelze in Kutterau. Die Erzgruben im Klettgau, in Fützen , in Remetschwiel, Nöggenschwiel und Unteralpfen lieferten das Rohmaterial. 1662 wurde dazu noch eine Nagelschmiede erbaut und 1663 eine Hammerschmiede. Große Mengen Eisenerz bezog das Kloster aus der Schweiz und lagerte es in einem eigenen Lager in Waldshut . Die bläsmi- schen Bauern der Umgebung führten das Erz von hier in die Schmelze nach Kutterau. Zum Transport wurden auch Tragtiere, die sog. Werkesel, verwendet. Die gesamte Eisenproduktion war ausschließlich für das Kloster bestimmt. Obwohl 1672 noch 6000 Zentner Roherz geschmolzen wurden, verblieb dem Kloster ein Verlust von 1683 Gulden. Die Kutterauer Schmelze wurde daraufhin stillgelegt, nur die Tlagelschmiede blieb noch in Betrieb.
Das bedeutendste im Jahre 1681 entstandene Eisenwerk in Albbruck konnte sich am längsten halten und hat auch den größten wirtschaftlichen Einfluß auf unsere Gegend ausgeübt. Die schweizerischen Begründer dieses Werkes wurden von der vorderösterreiehischen Regierung weitgehend unterstützt. Schmelzöfen, Hammerschmieden, Pech- und Köhlerhütten wurden erstellt, das Erz aus der Schweiz und von den hauensteinischen Gruben bezogen. Das nötige Holz wurde im hinteren Hag, zwischen Niedermühle und Nöggen schwiel , und im Freiwald zwischen xMb und Wehra zugewiesen und größtenteils auf dem Ibach und der Alb zu Tal geflößt, wo es beim Werk an einem eigens dafür errichteten Wehr aufgefangen wurde. 1778 kaufte St. Blasien das Eisenwerk und bezog sein Erz vorwiegend aus dem Klettgau, wo zeitweise in 30 Gruben geschürft wurde. Bei der Aufhebung des Klosters im Jahre 1806 kam das Werk in badischen Staatsbesitz und erlebte in den Jahren 1830 bis 1840 eine stolze Blütezeit. Als aber bald darauf aus dem Rheinland das billigere Steinkohleneisen an den Hoch rhein kam und der beste Abnehmer des Werkes, die Schweiz , Eisen aus England einführte, konnte das Eisenwerk Albbruck nicht mehr konkurrieren und wurde 1866 stillgelegt. Auf dem Gelände entstand später die Papierfabrik Albbruck .
FDP -Abgeordneten dem Nein der CDU anschloß. Der Landtag von Nordrhein-West falen verabschiedete kürzlich das Gesetz zur Ordnung des Schulwesens, in dessen Kernstück die Gleichberechtigung der Bekenntnis-, Gemeinschafts- und Weltanschauungsschulen festgelegt ist. Der Elternwille soll für die Beibehaltung und die Veränderung der bestehenden Schulen entscheidend sein. Ein Antrag der FDP , die „Christliche Gemeinschaftsschule“ im Gesetz zu verankern, wurde gegen die Stimmen der beiden Regierungsparteien, CDU und Zentrum, abgelehnt. In einer großen Kundgebung in Düsseldorf mit rund 2500 Teilnehmern aus der ganzen Erzdiözese Köln bezeichnete der Kölner Erzbischof, Kardinal Frings , das Schulgesetz als einen gewaltigen Fortschritt in Richtung auf die Gewissensfreiheit und das Elternrecht. — Eine weitere Aeußerung des Kölner Kardinals bezieht sich auf die katholischen Schulen in Hamburg , die vorbildlich für das ganze Bundesgebiet seien. Im Haushaltsplan der Hansestadt 1952/53 ist ein um fast 25 v. H. höherer Zuschuß für die katholischen Schulen Hamburgs vorgesehen wie im Vorjahre.
Der Chronist begnügt sich mit dieser referierenden Wiedergabe von Nachrichten aus der Schulpolitik westdeutscher Länder, ohne zu den einzelnen Schulreformen Stellung zu nehmen. Es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, daß die Schulfrage eine beherrschende Rolle in der künftigen Innenpolitik der deutschen Länder spielen wird, da die Befürworter der Simultan- und der Konfessionsschule heute weniger denn je zu Kompromissen bereit sind und da und dort mit dem bestehenden Zustand nicht zufrieden sind. Immerhin befinden wir uns in Westdeutschland noch in der glücklichen Lage, wenigstens eine Schule christlicher Prägung zu besitzen, während die Regierung der Ostzone drauf und dran ist, den Schulunterricht völlig dem wissenschaftlichen Materialismus und der Gottlosigkeit auszuliefern. spectator
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