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Samstag, 26. April 1952

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Nr. 66 / Seite 6

600 Jahre Hotel Krone, Konstanz — Patriziersitz und Herberga

Eil

Das traditionsreiche Konstanzer Gast­stättenwesen kann in diesem Jahre ein ganz besonderes Jubiläum feiern: das Hotel Krone kann auf ein 600jähriges Be­stehen zurückblicken. Es ist nicht einfach, die Schicksale des Hauses aus vergilbten Akten und Urkunden zu entwirren; denn der ganze Komplex zwischen Marktstätte und Fischmarkt spielt in die Geschichte der „Krone“ hinein. Es zeigt sich dabei, daß der Name des Hauses, das ursprüng­lich unmittelbar an den „Adler“ stieß im­mer weiter nach Osten wanderte. Bis 1225 reicht die Geschichte dieses östlichen Flü­gels zurück. Als in diesem Jahre Ulrich Blarer gemeinsam mit Heinrich von Bit­zenhoffen das Große Spital (heute das Haus des „Südkurier“) stiftete, behielt er das danebenliegende Haus, das heute den Grundstock des Hotel Krone bildet. Die Auflage, jährlich am St. Peterstag eine Wachskerze an die Kapelle des Apostel­fürsten im Münster zu stiften, wurde von der Hofstätte des Spitals auf das Bla- rer'sche Anwesen übertragen. Dieses blieb bis zum Jahre 1454 im Besitz der Blarer, die es dann an das danebenliegende Spi­tal veräußerten.

Westlich an den alten Fatrizierwohnsitz stieß das Haus zum „Kiel “. Es war nach­weisbar über ein Jahrhundert, nämlich bis 1435, Eigentum der Familie Frey (Fry), deren Angehörige sich in den roma­nischen Ländern Francus nannten. Die Sippe stammte aus Lindau , erwarb früh das Konstanzer Bürgerrecht und gehörte ebenso wie die Blarer der großen Ravens­burgischen Handelsgesellschaft an. Der „Kiel “, in dem sehr früh gewirtet wurde, wechselte dann mehrfach den Besitzer. 1570 wird Balthasar Lenger ausdrücklich als Wirt zum „Kiel “ bezeichnet. Als sich die Stadt 1591 entschloß, eine Straße von der Marktstätte nach dem Bleicherstaad (heute Fischmarkt) zu brechen, erwarb sie das Gasthaus, um es ein Jahr später gegen das westlich daran anstoßende Haus zur Krone einzutauschen, das da­mals der Agathe von Kemi gehörte, sich unmittelbar an den „Adler“ anlehnte und im Zuge des geplanten Durchbruchs lag.

Auch die „Krone“ war Sitz Konstanzer Patriziergeschlechter, und zwar der Hürus und der Croaria. Beide Familien waren nicht nur untereinander, sondern auch mit den Blarer, Muntprat, Betminger, Wallen­berg (eine Zeitlang im Besitze des „Kiels“) verwandt und verschwägert. Alle diese Geschlechter stellten der Stadt geniale Kaufleute, tüchtige Bürgermeister, Reichs­vögte und Ammänner, wie sie auch be­deutende Gelehrte und Kleriker hervor­brachten. Die „Hürus“ sind darüber- hinaus in die Geschichte eingegangen durch die Einführung des Buchdrucks in Spanien . :

Die Stadt hatte den Kauf des „Kiels“ und den Tausch mit der „Krone“ nur wegen der beabsichtigten Querverbindung von der Marktstätte nach dem Bleicher­staad vorgenommen. Diesem Straßen­durchbruch (heute Brotlaube) fiel das Haus zur Krone zum Opfer, dessen Name nunmehr auf den „Kiel “ überging. Das Konstanzer Baubuch meldet darüber: „Im Jahre 1592 ist daß wurzhauß zur Khron genant zwuschen dem Adler und Khiel gelegen abgebrochen worden unnd ain durchgehende gassen ge­macht wie augenscheinlich unnd synd zue beydeb ledemly gemacht worden, darinne die Becken und Bryemelber sampt annderen ihre waren umb gebu- renden Zins verkaufen können.“ In den Mitteilungen des Badischen Statistischen Landesamtes wird die „Krone“ als ältestes badisches Gasthaus bezeichnet und . als Grüdungsjahr 1352 angegeben, eine Datie­rung, die zweifellos urkundlich belegt ist, wenn wir auch die Unterlagen nicht mehr ermitteln konnten. Indirekt wird dies auch durch Aloys Schulte , den Altmeister rheinischer Geschichtsforschung bestätigt. Er nimmt an, daß schon lange vor 1422,

AUS DER CHRISTLICHEN WELT

wo Ulrich von Croaria in der „Krone'* wohnte, die Hürus und die Sattler darin das Wirtsgewerbe ausübten.

Als die alte ,Krone“ abgebrochen wurde, war die große reichsstädtische Zeit von Konstanz schon fast zwei Menschenalter vorüber. Was aber hatte das alte Haus nicht alles bis dahin schon erlebt. Es' sah das Kaufhaus, das Rathaus am Fisch­markt, die „mure in dem see“, d. h. die östliche Stadtbefestigung, und den Pfen­nigturm Wachsen. Es blickte hinüber zum alten Komhaus der Stadt auf der Markt­stätte und stieß hinten an den Bleicher­staad, wo die Weber ihre Leinenstreifen ausgebreitet hatten und arme Missetäter am Pranger büßten. Es sah festliche Auf­züge, wenn Kaiser und Könige ihren Ein­zug in die Stadt hielten, und erlebte seine große Bewährungsprobe während des Konstanzer Konzils, 1414—1418, wo in der ganzen Stadt das letzte Bett jahrelang besetzt war. Weniger angenehm war es dem Kronenwirt, daß sich 1548 kurz vor dem Spaniersturm auf die Stadt ein öster­reichischer Spion in das Haus eingeschli­chen hatte. Rasch wechselten die Wirte. Die Ratriziernamen verschwinden lang­sam im Grundbuch. 1617 erwarb schließ­lich das große Spital das Haus und brachte damit den ganzen Straßenzug an der Marktstätte bis zur Brotlaube in seinen Besitz. Wo in der Frühzeit mächtige Han­delsherren bei feurigem Malvasier über ihre weltweiten Geschäfte redeten, wur­den nun die Creszenzen des Spitals aus­geschenkt.

1832 konnte das Spital fast das ganze Häu­sergeviert in seiner Hand vereinigen. Im gleichen Jahre wird die „Krone“ ein zwei- tesmal abgebrochen. Name und Wirtsge- rechtigkedt gehen auf das danebenliegende ehemals Blarer’sche Haus über. Lang­sam beginnt sich das Hotel zu erholen. Es wird Sitz des Bürgermuseums, des 1834 gegründeten führenden Vereins von Kon­ stanz . Die ersten und besten Bürger der Stadt bevölkern nun Lesesaal und Billard­zimmer des Hauses. Auch Prinz Louis Napoleon zählt zu seinen Gästen. Groß­zügig gestattet man dem Wirte Poppele im Jahre 1836 die Lokalitäten des „Museums“ während des ersten ~ großen Bodensee -Sängerfestes auf der Markt­stätte auch fremden Gästen zur Verfügung zu stellen. Das Jahr 1848 brachte wie in ganz Konstanz erneut einen schweren Rückschlag. Das Spital war inzwischen von der Marktstätte verlegt worden, und so stieß die Stiftung 1864 das Anwesen wieder in Privathand ab.

Eine neue Epoche in der Entwicklung der „Krone“ datiert vom Jahre 1898, wo das Haus käuflich an die Gebrüder Rup- paner, die Besitzer der bekannten Kon- stanzer Brauerei, überging. Diese, selbst in der „Krone“ wohnend, gaben dem Haus im wesentlichen seine heutige Gestalt. Konstanz war damals gerade im Begriffe, sich zum führenden Fremdenplatz am Bodensee zu entwickeln. Einer der weni­gen, die die Aussichten klar erkannten, war der jetzige Besitzer der ,Krone“, Karl Mayrhofer. So pachtete er 1907 zusammen mit seiner jungen Gattin das Hotel, um es zwei Jahre später käuflich zu erwer­ben. W. Sch.

Auftakt zur Schroefclnger Spargelernte

Das „Stechen“ beginnt in diesem Jahr früher

Seit über 300 Jahren wird in Schwetzin­ gen und seiner engeren Umgebung der Spargel angebaut. Der Sandboden und das meist warme Frühjahrswetter in der Rheinebene haben ihn zu einer Qualitäts­ware gemacht, so daß die etwa 300 Hek­tar große Anbaufläche nicht ganz aus­reicht, die große Nachfrage zu befriedigen.

Vom Schwetzinger Schloßpark dehnen sich die Spargelfelder weit hinüber bis Neulußheim , Reilingen und Hockenheim . In der Saison — von Mai bis Juni (oft schon April an, wie in diesem Jahr) — sind sie belebt von emsigen Bauern und Landarbeiterinnen. Früh und abends wer­den die Schößlinge gestochen, ehe die Kuppen aus dem Erdreich dringen.

Erst im dritten Anbaujahr beginnt der Spargel zu „tragen“; die besten Kulturen sind die achtjährigen. Dann liefert ein durchschnittlich 12 Ar großes Feld bei guter Witterung etwa 40 Pfund täglich.

Spargelschälerein bei der Arbeit

Bild: Hans Spedc

Die Selbsterlösung gelang nicht

Von Professor Dr. Friedrich Dessauer

Der 2. Präsident des 75. Deutschen Katho­likentages 1952 Berlin , Professor Friedrich Des­ sauer , der Verfasser des ausgezeichneten Büchleins „Am Rande der Dinge' (Verlag Jo­ sef Knecht , Frankfurt/Ml schreibt zu einem der wesentlichen Themen der Arbeitsgruppen des Jubiläums-Katholikentages: „Britagt die Technik uns voran?“:

Es ist wahr: die vom neuen Forschungs­system der Naturwissenschaft befruchtete Technik hat Großes für das Menschen­geschehen geleistet. Gefahren, denen die Vorfahren unterlagen, sind gebannt, Sehn­süchte, Träume, wie der Flug, das Fern­hören und Fernsehen, erfüllt, Bildimgs- mittel in so reicher Zahl zur Verfügung gestellt, daß sie fast jeden erreichen kön­nen. Der Mensch ist aus der bedrängten vegetativ-animalischen Zone heraufgestie­gen. Er trägt nicht mehr die Lasten mit seinen Muskeln: er regiert Krane. Seine Tätigkeit rückt vom Tierischen, Musku­lären in eine steigend geistigere Sphäre — trotz aller Rückstände, die uns bedrängen. Das ist der Sinn der Technik, daraus quillt ihr Ethos und die Lebensform ihrer Be­rufe.

Dessen wurde der Mensch inne; er sah, daß er mächtig wurde, daß naturwissen­schaftliches Forschen und technisches Ziel­gestalten ihn von vielem Lastenden be­freite, ihn von Gefahren aus der Natur, Hitze, Kälte, Hunger, Infektionen erlösen könne, ihm das Leben reicher mache. Das ging also wirklich und zwar gerade auf diese Weise! Ganz anders also, wie die Alten es versuchten. Man betet zu keinem Gott, um die Nächte zu erhellen. Die Ge­setze der Elektrodynamik reagieren nicht auf Bitten und Opfer. Nicht Engel, sondern Gravitationsgesetze regieren die Planeten­bahnen, und sie sind durch unsere Wünsche nicht zu ändern. Der Blitzableiter schützt

I besser als die geweihte Kerze der Groß­mutter, und die Verbauung des Berges schützt besser vor der Lawine als die Wallfahrt, auch Infektionen und Tumoren sind nicht böse Geister, die man beschwö­ren kann.

Die Naturgewalten sind „nicht wie wir“. Man muß sie erkennen, das ist, ihre Ge­setzesordnung von Ursache und Wirkung und von physikalischer Wahrscheinlichkeit und Wirkung in den eigenen Geist auf­nehmen. Der so erweiterte Menschengeist kann dann mit den Gefahren fertig wer­den, denen der Unwissende wie das Tier erliegt. So, nicht anders hat man Pest, Diphtherie und viel anderes überwältigt.

Der Beginn unseres Jahrhunderts stand mehr, als man heute weiß, in diesem Zei­chen: Die Städte wuchsen, die Schienen­fäden überspannten die Kontinente, die Fabriken brausten, Prachtschiffe, stolze Zeichen seefahrender Nationen, durch­furchten die Ozeane. Licht erhellte die Nächte, der Draht verband die Menschen und ihre Märkte:

Der erste Weltkrieg kam und damit die Enttäuschung des Zusammenbruches. Man hatte etwas — halb unternommen, halb zugelassen und war nicht damit fer­tig geworden — ganz und gar nicht! War­um ging es nicht? Die Hand, die Halt sucht in der Not, ward ausgestreckt. — Aber sie griff nach unten. Aus der Tiefe, dem Boden, dem Blut, dem Tier im Menschen sollten Kräfte kommen, die Bedrängnis abschütteln, ein Führer sollte erstehen, der alles zusammenballte und seine Ge­folgschaft herausführt — wohin, das war wenig klar. Der Führer fand sich, der alle irdischen Mittel, ohne Schwanken, heran­zog. Natürlich, das Wissen von den Na­turdingen und vom Gestalten, die Tech­nik, aber auch alles andere: die Rechts-

Aber 40 Pfund sind viele Hundert einzel­ner Spargelstangen. Um jede muß sich der Bauer bücken, muß sie ausgraben, stechen, die Ackerkrume wieder sorgfältig ein­ebnen. Gar mancher macht auf diese Weise viele hundert „Bücklinge“ am Tag.

Wenige Stunden später befindet sich der Spargel — gewaschen, nach vier Quali­tätsklassen sortiert und von den örtlichen Genossenschaften gesammelt — auf dem Hauptumschlagplatz des Schwetzinger An­baugebietes: in der Großmarkthalle Hei- delberg-Handschuhsheim. Die angeliefer­ten Körbe werden zu „Positionen“ zusam­mengestellt, von den Händlern begutach­tet, und dann beginnt das spannende Spiel der lautlosen Versteigerung .vor der Ver­steigerungsmaschine. Mit leisem Schnur­ren läuft der Zeiger: 1.90 - 1.87 -

1.85 - 1.83. Jetzt hält er an, eine Zahl

leuchtet auf. Sie bezeichnet eine Firma, deren Vertreter von seinem Sitz aus durch Druck auf einen Taster den Zeiger jeder­zeit anhalten kann. Er hat gekauft. Auf diese Weise dauert die Versteigerung jeder einzelnen Position nicht länger als 5 Sekunden. Das ist gerade bei dem hoch­empfindlichen Spargel — der ja schnell und ohne Zeitverlust von Hand zu Hand wandern soll — sehr wichtig. Die nach Zentnern zählende Tages-Spargelemte des gesamten Anbaugebietes ist in wenigen Minuten verkauft.

Noch in der Nacht rollen die Lastwagen in die Konservenfabriken der Umgebung, die sich in der Spargelzeit ganz auf die Verarbeitung dieses Gemüses eingestellt haben. Neun Kilo verarbeitet eine Schäle­rin durchschnittlich in der Stunde. Krum­me Stücke werden aussortiert und zu Brechsspargel zerschnitten. Je nach Güte und Färbung werden sieben Sorten Stan­genspargel und fünf verschiedene Sorten Brechspargel unterschieden. In großen Kesseln werden die einzelnen Sortierun­gen vorgekocht, die Füllungen der ein­zelnen Dosen abgewogen und eingefüllt. Spätestens 24 Stunden, nachdem der Spar­gel auf dem Acker gestochen wurde, schließt sich der Deckel der Konserven­büchse über ihm. Die Dosen kommen in den Sterilisierapparat und wandern dann ins Lager.

Ordnung, jede soziale Formierung, alle Lei­denschaften, alle und jegliche Kraft, die sich fand, und jeder Zwang und jede Ent­behrung. Ganz aus dem Irdischen heraus sollte die Erlösung geholt werden — nur ein Gedanke herrschen: Heraus aus dem Zusammenbruch des Prometheus , und zwar schnell, ohne Zögern, ohne Be­denken!

Daher erklären sich die Appelle, die uns noch in den Ohren klingen — der Auf­ruf an den hemmungslosen Fanatismus. Fanatismus erfordert Verzicht auf Besin­nung, Wertung, Ordnung, auf Menschlich­keit. Wenn ein Raubtier im Blutrausch viel mehr Opfer reißt, als es zu seiner Er­haltung benötigt, so ist die Schuldfrage nicht gestellt — denn es kennt nicht, wie

ALT-KONSTANZ. Das Aquarell, gezeichnet von G. Gagg , Konstanz , zeigt von links nach rechts: Das Gasthaus zum „Goldenen Adler', die Brotlaube (1830 abgebrochen) und das alte Gasthaus „Zur Krone“. Bild: Jeannine le Brun

Erzgruben unö Eifenroerhe am Hochrhein

1494 wurde in Laufenburg ein Hammerschmiedebund gegründet

w. Im eisenerzhaltigen Boden unserer Heimat haben schon die Römer nach Eisenerz gegraben und dieses in ihren „Schmelzen“ und Schmieden verarbeitet. Ebenso war den Kelten und Germanen die Eisengewinnung bekannt. Stumme Zeugen aus alter Zeit sind die spärlichen Mauerreste der „Heidenschmiede“ in der Nähe der Ruine Wieladingen bei Säckin- gen.

Im Jahre 1494 wurde in Laufenburg der Hammerschmiedebund gegründet, durch welchen der Bezug von Roherz, Holzkoh­len und der Verkauf der Erzeugnisse eine einheitliche Regelung erfuhr. Als Erzeug­nisse sind im Bundesbrief u. a. aufgeführt Pflugscharen, Schienen- und Radeisen. Von den 33 Hammerschmieden, die sich im Bund zusammenschlossen, waren allein 18 in Laufenburg , andere z. B. in Säckingen , Murg und Wehr.

In Jestetten wurde 1588 von Graf Rudolf von Sulz ein Schmelzofen erbaut, nachdem in Neuhausen Eisenerz gefunden wurde. 1620 war aber der Betrieb stark verschul­det, wurde daraufhin stillgelegt, doch 1622 von dem Grafen von Leiningen und Pap­ penheim wieder aufgenommen.

Die seit 1501 bestehende Eberflnger Schmelze bekam im Jahre 1622 als sehr bedeutendes Eisenwerk neuen Auftrieb. An diesem Unternehmen waren beteiligt das Kloster St. Blasien , die Grafen von Sulz, von Leiningen und Landgraf Maxi­milian von Stühlingen. Weil die Wälder der Umgebung bereits abgeholzt waren, wurde mit Zustimmung St. Blasiens in den ausgedehnten Waldungen hinter Gündel- wangen der laufende Holzbedarf gedeckt. Für die Holzhauerarbeiten wurden 1634 Tiroler Holzfäller verpflichtet. Das ge­schlagene Holz wurde auf dem Wasserweg der Wutach bis zum Eisenwerk geflößt.

Das Eisenwerk Gutenburg wurde 1600 vom Kloster St. Blasien und dem Grafen Johann Ludwig von Sulz errichtet. Wenig Glück hatte man aber mit dem nichterfah­renen Schmelzer, ebenso mit dem Ge­schützgießer. Von vier Alarmkanonen für das Schloß Gutenburg sind zwei beim ersten Probeschießen zersprungen. Besser fielen die beiden kleinen Geschütze von je 2,5 Zentner aus, die man 1663 der Stadt Waldshut zum Geschenk machte. Das Eisenwerk hatte 1665 eine Tagesproduk­tion von rund 30 Zentner Eisen, das nicht nur in der Umgebung, sondern auch in

der Mensch, Werte, hat nicht Besinnung. Der Mensch aber hat dies und kann es sich nicht wegnehmen. Unterdrückt er dies, sein Menschliches, so wird er nicht tierhaft, sondern gegen seine Eigennatur gekehrt; der entsprechende Ausdruck hier­für ist: Böse. Wer das Böse — oder einen Bösen zum Führer hat, muß sich nicht wundern, wenn er in einer Hölle an­kommt. Man kapa dort an. Die Selbst­erlösung gelang nicht. Der Versuch brachte das größte Verderben der Weltgeschichte. Und — das Verderben droht weiter. Die große Zahl der zerstörten haltlos gewor­denen Seelen ist in Gefahr! Es wurde deutlich, daß wir Menschen allein, auf uns selbst gestellt, den Halt nicht bieten, nach dem wir die Hände ausstrecken.

Kirche und Schulreform

In den Verhandlungen um die Regie­rungsbildung in Baden-Württemberg stand auch die Schulform zur Diskussion, da hier die Auffassungen der möglichen Koa­litionspartner aufeinander abgestimmt werden sollten. Die Schwierigkeiten beru­hen nicht so sehr auf parteipolitischen Mei­nungsverschiedenheiten, die sich aus dem Problem „Simultanschule oder Bekennt­nisschule?“ ergeben, sondern auf der Ver­schiedenartigkeit der Schulformen in den bisherigen Ländern: in Südbaden Simul­tanschule mit christlichem Charakter und konfessioneller Lehrerbildung, in Würt­ temberg-Baden christliche Gemeinschafts­schule, in Südwürttemberg-Hohenzollem verfassungsrechtlich anerkanntes Eltern­recht mit überwiegender Bekenntnisschule. Nach Äußerungen von CDU -Mitgliedem der Tübinger Regierung ist nicht damit zu rechnen, daß der künftige Landesbezirk Württemberg-Hohenzollem auf die bis­herige Schulregelung verzichtet. Landes­bischof D. Haug hält, wie er in der Er­öffnungssitzung des Landeskirchentages der evangelischen Kirchen Württembergs kürz­lich mitteilte, die christliche Gemeinschafts­

schule für die empfehlenswerteste Lösung. Wenn man in Südwürttemberg an der bis­herigen Schulgesetzgebung festhalten wolle, werde darauf Rücksicht genommen werden müssen; die Kirchenleitung bejahe das Mitwirkungsrecht der Eltern bei der Ge­staltung und Verwaltung des Schulwesens.

In Rheinland-Pfalz konnte vor kurzem noch in letzter Stunde eine Regierungs­krise überwunden werden, die durch einen Hirtenbrief von Bischof Dr. Stohr, Mainz , zur Schulfrage ausgelöst worden war. Auf Grund der Schulbestimmung der Verfas­sung forderte er die Eltern auf, eine Er­klärung für die Einführung der Konfes­sionsschule in Rheinhessen abzugeben. Die SPD stellte hierauf im Landtag von Rhein­ land-Pfalz den Antrag, die Regierung solle ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die rheinhessische Gemeinschaftsschule nicht angetastet werde. Da auch die FDP diesen Antrag unterstütze, gegen die Stim­men der CDU , richtete die SPD einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung Altmeier, der vier CDU -Minister angehö­ren. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt, da sich die überwiegende Mehrheit der

Schaffhausen , Luzern und Basel Absatz fand.

Das Kloster St. Blasien gründete nach seinem Ausscheiden (1649) aus dem Eber­flnger Werk eine eigene Eisenschmelze in Kutterau. Die Erzgruben im Klettgau, in Fützen , in Remetschwiel, Nöggenschwiel und Unteralpfen lieferten das Rohmaterial. 1662 wurde dazu noch eine Nagelschmiede erbaut und 1663 eine Hammerschmiede. Große Mengen Eisenerz bezog das Kloster aus der Schweiz und lagerte es in einem eigenen Lager in Waldshut . Die bläsmi- schen Bauern der Umgebung führten das Erz von hier in die Schmelze nach Kut­terau. Zum Transport wurden auch Trag­tiere, die sog. Werkesel, verwendet. Die gesamte Eisenproduktion war ausschließ­lich für das Kloster bestimmt. Obwohl 1672 noch 6000 Zentner Roherz geschmol­zen wurden, verblieb dem Kloster ein Ver­lust von 1683 Gulden. Die Kutterauer Schmelze wurde daraufhin stillgelegt, nur die Tlagelschmiede blieb noch in Betrieb.

Das bedeutendste im Jahre 1681 ent­standene Eisenwerk in Albbruck konnte sich am längsten halten und hat auch den größten wirtschaftlichen Einfluß auf un­sere Gegend ausgeübt. Die schweizerischen Begründer dieses Werkes wurden von der vorderösterreiehischen Regierung weit­gehend unterstützt. Schmelzöfen, Hammer­schmieden, Pech- und Köhlerhütten wur­den erstellt, das Erz aus der Schweiz und von den hauensteinischen Gruben bezo­gen. Das nötige Holz wurde im hinteren Hag, zwischen Niedermühle und Nöggen­ schwiel , und im Freiwald zwischen xMb und Wehra zugewiesen und größtenteils auf dem Ibach und der Alb zu Tal geflößt, wo es beim Werk an einem eigens dafür errichteten Wehr aufgefangen wurde. 1778 kaufte St. Blasien das Eisenwerk und be­zog sein Erz vorwiegend aus dem Klett­gau, wo zeitweise in 30 Gruben geschürft wurde. Bei der Aufhebung des Klosters im Jahre 1806 kam das Werk in badi­schen Staatsbesitz und erlebte in den Jah­ren 1830 bis 1840 eine stolze Blütezeit. Als aber bald darauf aus dem Rheinland das billigere Steinkohleneisen an den Hoch­ rhein kam und der beste Abnehmer des Werkes, die Schweiz , Eisen aus England einführte, konnte das Eisenwerk Albbruck nicht mehr konkurrieren und wurde 1866 stillgelegt. Auf dem Gelände entstand spä­ter die Papierfabrik Albbruck .

Hans Matt-Willmatt

FDP -Abgeordneten dem Nein der CDU an­schloß. Der Landtag von Nordrhein-West­ falen verabschiedete kürzlich das Gesetz zur Ordnung des Schulwesens, in dessen Kernstück die Gleichberechtigung der Be­kenntnis-, Gemeinschafts- und Welt­anschauungsschulen festgelegt ist. Der Elternwille soll für die Beibehaltung und die Veränderung der bestehenden Schulen entscheidend sein. Ein Antrag der FDP , die „Christliche Gemeinschaftsschule“ im Gesetz zu verankern, wurde gegen die Stimmen der beiden Regierungsparteien, CDU und Zentrum, abgelehnt. In einer großen Kundgebung in Düsseldorf mit rund 2500 Teilnehmern aus der ganzen Erz­diözese Köln bezeichnete der Kölner Erz­bischof, Kardinal Frings , das Schulgesetz als einen gewaltigen Fortschritt in Rich­tung auf die Gewissensfreiheit und das Elternrecht. — Eine weitere Aeußerung des Kölner Kardinals bezieht sich auf die katholischen Schulen in Hamburg , die vor­bildlich für das ganze Bundesgebiet seien. Im Haushaltsplan der Hansestadt 1952/53 ist ein um fast 25 v. H. höherer Zuschuß für die katholischen Schulen Hamburgs vorgesehen wie im Vorjahre.

Der Chronist begnügt sich mit dieser referierenden Wiedergabe von Nachrichten aus der Schulpolitik westdeutscher Länder, ohne zu den einzelnen Schulreformen Stel­lung zu nehmen. Es kann aber kein Zwei­fel darüber bestehen, daß die Schulfrage eine beherrschende Rolle in der künftigen Innenpolitik der deutschen Länder spielen wird, da die Befürworter der Simultan- und der Konfessionsschule heute weniger denn je zu Kompromissen bereit sind und da und dort mit dem bestehenden Zustand nicht zufrieden sind. Immerhin befinden wir uns in Westdeutschland noch in der glücklichen Lage, wenigstens eine Schule christlicher Prägung zu besitzen, während die Regierung der Ostzone drauf und dran ist, den Schulunterricht völlig dem wissen­schaftlichen Materialismus und der Gott­losigkeit auszuliefern. spectator

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