Mittwoch, 25. Juni 1952

SÜDKURIER

Nr. 99 / Seite 8

Nicht Anklage, fonOern Ueberroinhung

Die Wanderausstellung „Kriegsgefangene reden“ in Freiburg Freiburg

. (A.-Eigenbericht). Ein Gang durch die große Wanderausstellung „Kriegsgefangene reden“, die zur Zeit in Freiburg bei außerordentlichem Andrang dies Publikums, darunter auch viele Schweizer , gezeigt wird, gleicht einer Wanderung durch die Bezirke tiefsten menschlichen Leids, seelischer Qualen und Nöte, er öffnet aber auch den Blick in das Reich der Sehnsucht und Hoffnung auf die Stunde der Heimkehr, die unseren Kriegsgefangenen vielfach letzter und ein­ziger Halt geblieben sind. Was da in Fe­der- und Bleistiftzeichnungen, in Oel - und Aquarellbildem an Szenen aus den Kriegs­gefangenenlagern des zweiten Weltkriegs und seiner Vorgänger, der Kriege 1870/71 und 1914—18, festgehalten ist. ist die grau­same Projektion eines Zeitalters, dem Achtung und Ehrfurcht vor der Würde des Menschen verlorengegangen sind. An­gehörige von deutschen Kriegsgefangenen, die diese Ausstellung besuchen, stehen deshalb auch erschüttert und vielfach mit Anzeichen innerer Verzweiflung vor die­sen Dokumenten, den andern Besuchern stockt düs Herz angesichts dieser endlosen Kette menschlicher Not: angefangen im 70er-Krieg über das erste große Völker­ringen bis in die unterirdischen Kerker russischer Lager in unseren Tagen, bis in di© „Splittergräben“ am Ural , in denen deutsche Kriegsgefangene in den letzteh Jahren ihre toten Kameraden zu vielen Tausenden begraben haben. Dokumente einer Welt, die keine Seele und kein Herz mehr hat. Ein Mahnruf an das ganze deutsche Volk, sich Tag um Tag seiner Kriegsgefangenen zu erinnern.

Freiherr von Lersner, der in beiden Weltkriegen das Los der Kriegsgefangen­schaft kennenlemte, kommt das große Verdienst zu, in mühsamer Kleinarbeit diese Dokumente des Grauens aus allen Teilen der Bundesrepublik zusammenge­tragen zu haben. Es mutet schon wie ein Märchen aus alten Zeiten an. wenn man in der Eingangshalle das edle Bildnis der menschenfreundlichen Elsa Brandström ! sieht, jenes „Engels“, dem sich — im ersten ! Weltkrieg noch — die Tore der sibirischen Gefangenenlager öffneten, wenn man Großaufnahmen findet von einwandfreien Verhören Gefangener in einem Haupt­quartier der Entente oder Reproduktio­nen von Massendemonstrationen in deut­ schen Großstädten aus den Jahren 1919—20 gegen die Zurückhaltung der Gefangenen. Noch war der Prozeß der Menschen­entwürdigung nicht aufgeblüht, aber kräf­tig begann er schon zu keimen.

Dem „Erfinder des Stacheldrahts“ hat der Kriegsgefangene Professor Theilmann ein eindrucksvolles Relief gewidmet. Es

hängt im „Raum der Anklage“, der den Besucher mit dem grinsenden Bildnis des „Spitzels“ empfängt. Fürwahr ein typi­sches Produkt der Gefangenenlagerpsy­chose! Dem Spitzel gegenüber seine Opfer: Hunderttausende sind in den letzten Jah­ren ihren Tod gestorben, in Ost und West, doch alle in gleicher Weise im Zei­chen der Charta der Menschenrechte. Je­der einzelne — das zeigen die künstlerisch bedeutsamen Bilder — starb seinen ganz besonderen Tod, durch Hunger, Folter, Kerker und Zwangsarbeit, durch Typhus , Ruhr oder Ungeziefer, durch Kälte, Hitze oder am Heimweh. Man ist versucht, eilen­den Schrittes durch diesen „Raum der An­klage“ zu gehen, die Bilder zwingen aber zum Verweilen: unvergeßlich der lßjäh- rige Kriegsgefangene, ein Kind noch, des­sen Augen in unendlicher Ferne das An­gesicht der Mutter suchen, oder jene Szene von einem Verhör, bei dem drei fetten, aufgeschwemmten Politruks ein spindel­dürres Wesen, fast ein Skelett nur, gegen­übersteht, um Rede und Antwort zu stehen.

Sind sie wirklich verzweifelt, diese Men­schen ohne Brot, ohne ärztliche Hilfe, ohne jegliches Recht und ohne Nachrichten von der Heimat, diese „Nummern“, stündlich am Rande des Grabes dahinwandelnd,

ohne jemals ein wirksames Zeichen menschlicher Hilfsbereitschaft und Liebe zu empfangen? Der letzte Teil der Aus­stellung beweist, daß sie durchgehalten haben. „Ueberwindung“ könnte man über diese Dokumente schreiben: es sind die selbst gefertigten, täglichen Gebrauchsge­genstände der Gefangenen, Eßnapf und Holzlöffel, Kamm und Rasierzeug, Holz­schuhe und Kopfbedeckung oder die von gefangenen Frauen genähten Blusen und Röcke. Besieht man sich dann noch die Briefe, Tagebücher oder handgeschriebe­nen Lagerzeitungen näher, dann erkennt man, daß ihre Verfasser gar zu oft mit letzter physischer Kraft den Bleistift ge­führt haben. Um so heller strahlt einem die Zuversicht, das Uebermaß von Glau­ben und Hoffnung auf Heimkehr und Wie­dersehen entgegen, die aus jeder Zeile sprechen.

Der Rundgang durch diese Ausstellung zwingt den Besucher zu einer ernsthaften Gewissenserforschung. Was trägt e r zur Ueberwindung des kalten Krieges bei, den die Sowets zu einem großen Teil mit dem Faustpfand der deutschen Gefange­nen ausspielen? Muß er sich etwa von je­nen abgerissenen und abgehärmten Ge­stalten beschämen lassen, die ihm auf den Bildern begegnet sind, und die trotz ihrer menschlichen Verlassenheit so selten ein Wort des Verzagens in die Heimat schik- ken?

Blick über die (Grenzen

Spende für das Musikkollegium Schafihausen

Schaffhausen. Die Georg-Fischer-AG hat dem Musikkollegium Schaffhausen als Sonder­fonds für die Deckung von Ausfällen künftiger Betriebsrechnungen 50 00Ö Franken 'gespendet. Dadurdi soll die Weiterführung der jährlichen Abonnementskonzerte in Schaffhaus,en unter Hin­zuziehung des Winterthurer Orchesters mit So­listen und Gastdirigenten für eine längere Zeit gesichert werden.

Trolleybus setzt sich durch

Winterthur . Der Winterthurer Stadtrat unterbreitete dem Großen Gemeinderat zuhanden der Stimmberechtigten eine Kreditvorlage im Betrage von 910 000 Franken für die Anschaffung von zwei weiteren Trolleybussen, zwei Autobus­sen und drei Anhängern für die Städtischen Ver­kehrsbetriebe. Ihre Frequenz hat seit der im Herbst vorigen Jahres erfolgten Umstellung auf Trolleybus-Betrieb auffallend stark zugenommen.

Ganymed auf der Bürkli-Terrasse

Zürich . Der Stadtrat veranstaltete eine schlichte Feier aus Anlaß der Übergabe der auf der Bürkli-Terrasse bei der Kaibrücke aufgestell­ten Ganymed-Statue. Der vor einigen Jahren verstorbene Schweizer Kunsthistoriker Professor Heinrich Wölfflin hat diese von Dr. h. c. Hüb­scher in doppelter Lebensgröße ausgeführte grie­chische Sagenfigur des schönen Knaben, den der Adler des Zeus entführt, für Zürich gestiftet.

Hochbetrieb in Öen Jugenöherbergen

Der Schwarzwald ist vorbereitet — Rekordbesuche am Bodensee

Der Bruder des Schenkers, Dr. Ernst Wölfflin, und der Zürcher Stadtpräsident Dr. Landolt hiel­ten Ansprachen. Ein Vertreter des Bauamts wies auf die vielverheißenden Pläne zum Ausbau der Bürklv-Terrasse am See hin imd teilte mit, daß eine Züricher Versicherungsfirma 200 000 Franken für die weitere Ausgestaltung des Kais zur Verfügung gestellt.

Zürich hat Jetzt 400 000 Einwohner Zürich . Ende vergangener Woche ist der 400 000 Einwohner in Zürich registriert worden. Im Jahre 1900 zählte die Stadt rund 150 000 Ein­wohner, 1920 waren es 200 000 und 1940 rund 334 000.

Ein Sdtlofigut der Öffentlichkeit übergeben Basel. Das jüngst vom Kanton Baselland er­worbene Schloßgut Ebenrain in Sissach bei Liestal wurde jetzt der Öffentlichkeit übergeben. Das 1766 erbaute Schloß gehört mit seinen prächtigen Park­anlagen zu den schönsten Baudenkmälern der Nordschweiz und soll künftig vor allem kulturel­len Zwecken dienen. Nach der offiziellen Eröff­nungsfeier mit Musik von Haydn und Beethoven fand die Vernissage einer großen Ausstellung von 19 Baselbieter , Künstlern in den Räumen des Schlosses statt.

Wenn die Milch überkocht...

Basel. In der Küche ihrer Wohnung wurde eine 68jährige alleinstehende Witwe reglos am Tische sitzend gefunden. Während sie in einer Zeitschrift gelesen hatte, war die Milch auf dem Herd übergekocht und hatte die Flamme aus­gelöscht, so daß. das Gas ausströmte und die Frau betäubte und tötete.

Holländer konzertierten vorm Bundeshaus

Freiburg . (A.-Eig.-Bericht.) 22 Jugendherbergen mit insgesamt 1506 Betten und 337 Notlagern stehen der wanderlustigen deutschen und aus­ländischen Jugend in diesem Sommer im Bereich des Landesverbandes SchwarzWald -Bodensee des Deutschen Jugendherbergswerkes zur Verfügung. Dazu kommen noch 13 Häuser im Schwarzwald und am Bodensee , die keine eigentlichen Jugend­herbergen sind, jedoch in gastlicher Weise und unter besonderen Bedingungen der Jugend offen­stehen. Die 22 Jugendherbergen sind über den gesamten mittleren und südlichen Schwarzwald und das Bodenseegebiet verstreut. Die südbadi­schen Herbergen hatten im Jahre 1951 insgesamt 186 957 Übernachtungen von Deutschen und 6396 von Ausländern zu verzeichnen. Weitaus an der Spitze der Ubernachtungszahlen stand im vergan­genen Jahr die Jugendherberge „Allmannshöhe" in Konstanz-Staad , wo 40 332 Inländer und 575 Ausländer eingekehrt waren. An zweiter Stelle stand die Herberge in Titisee mit 19 803 Inländer­und 1135 Ausländer-Übernachtungen. Dann folgten Meersburg und Uberlingen und an fünfter Stelle Freiburg . Mit ihrer Rekordübernachtungsziffer steht die Konstanzex Jugendherberge an sechster Stelle aller deutschen Jugendherbergen.

Augenblicklich bemüht sich der Landesverband Schwakzwald-Bodensee im Deutschen Jugend- herbeigswerk um die Rückgabe der noch nicht wieder in seinem Besitz befindlichen Herbergen in

Schloß Ortenberg bei Offenburg und in der Villa Stroh in Baden-Baden . In beiden Fällen hat das Landesamt für kontrollierte Vermögen in Freiburg versucht, die Herbergen, die zu einer Zeit erbaut wurden, als es einen „Relchs'-Verband der Jugend­herbergen gab, zugunsten des Wiedergutmachungs- fonds zu verkaufen. Gegen dieses Ansinnen hat sich der Landesverband des DJH nachdrücklidist gewandt. Um die Jugendherberge in Titisee ist ein Rechtsstreit entstanden, weil die doTtige Herberge auf einem Gelände steht, das dem ehemals preußi­schen Fiskus gehört. Auch hier sind Verhandlungen eingeleitet, um die Herberge in Titisee baldmög­lichst in die Hand des DJH zu bekommen. Die Herbergen in Triberg und auf der Küssaburg sind vom Landesverband auf 25 bzw. 30 Jahre gepach­tet worden. Die Triberger Herberge gehört der Stacft Triberg und die auf der Küssaburg .dem «Küssaburgbund e. V.'.

Der Landesverband des DJH hat'große Pläne, die allerdings nur schrittweise verwirklicht wer­den können. Neue Jugendherbergen sollen erbaut werden in Breisach , auf dem Feldberg und in St. Margen. Die neue Herberge in Stühlingen ist bereits im Bau und soll bis zum Herbst im Rohbau fertig sein. Die Finanzierung des gesamten Her­bergsbetriebes erfolgt duTch die laufenden Eigen­einnahmen des Verbandes, durch staatliche Zu­schüsse des Landes und durch Mittel aus dem Bundesjugendplan.

Bern . Zur Mittagsstunde fand sich jüngst vor dem Eidgenössischen Militärdepartement im Bundeshaus eine holländische Musikgesellschaft mit holländischen Trachtenmädchen und Landes­fahnen ein, um ein Ständchen zu bringen. Als Bundespräsident Kobelt mit dem holländischen Gesandten an seiner Seite unter dem Portal er­schien, spielte die Musik zuerst die schweize­rische und dank die holländische Landeshymne.

Interparlamentarische Union kommt nach %ern

Bern . Der Bundesrat hat beschlossen, die In­ terparlamentarische Union einzuladen, ihre dies­jährige Tagung vom 28. August bis zum 2. Sep­tember in Bern abzuhalten. Die Sitzungen sollen im großen Parlamentssaal des Bundeshauses stattfinden.

Im Genfer See mit der Tochter ertrunken Vevey . Der junge Arzt Dr. Stucki unternahm mit seiner fünfjährigen Tochter und einem Be­kannten eine abendliche Seefahrt in seinem Mo­torboot. Plötzlich fiel das kleine Mädchen ins Wasser. Der Vater sprang sofort nach, um das Kind zu retten. Inzwischen entfernte sich jedoch das Boot mit dem weiterarbeitenden Motor' von der Unfallstelle; der dritte Bootsinsasse ver­mochte das Fahrzeug nicht zu meistern. Dr. Stucki konnte das Ufer nicht mehr erreichen und ertrank zusammen mit seiner Tochter.

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1-2-3, was ist dabei ‘i

Bild Nr, 107: Welche der nachstehenden Unterschriften Ist richtig: 1, 2 oder 3?

1. Reichenöuer Bürgergarde in ihrer neuen Uniform an Mariä Himmelfahrt am 15. August 1924.

2. Szene aus dem historischen Festspiel „Volk ans Gewehr" am 17. März 1913 an Säckingen .

3. Ein Bild von der Chilbi in St. Georgen am 19. Oktober 1924.

Die richtige Unterschrift zu Bild Nr. 106 war Nr. 1: Kriegsgefangene Russen bei der Heuernte auf dem Reinerhof bei Furtwangen am 29. Juli 1915. (Die Aufnahme hatte F. Otto Wulst, Villingen , eingesandt.)

Den Preis von zehn D-Mark erhält: Werner PhMippi, Bahnarbeiter, Leipferdingen. Ferner ermit­telte das Los zehn weitere Einsender von richtigen Lösungen, die durch Nennung ihres Namens an dieser Stelle ausgezeichnet werden: Ernst Brodmann, Sipplingen : Dipl.-Met. H. Trenkle, Bleibach, Kreis Emmendingen : Heia Bürsner, Mauenheim bei Engen ; Revierförster Nisle, Uhlingen, kreis Waldshut ; Karl Feucht, Weil: Willy Bayh, Friedrichshafen : Berufsschülerin Edelgard Maria Siebold, Oberhof , Post Murg: Albert Reichle, Ruschweiler bei Pfullendorf : Lothar Mager, Furtwangen ; Johanna Meier, Konstanz , Schulstraße 8. —Die beste und kürzeste Begründung für die Richtigkeit der Unterschrift 1 bzw. die Falschheit der Unterschriften 2 und 3 gab Ernst Utz, Sin­gen, Ekkehardstraße 72. Er erhält dafür eine Belohnung von zehn Mark. Dicht hinter ihm folgt, mit nur einem Buchstaben mehr, ein Konstanzer!

Sdtwarzwald oder Mainau

Ein Leser, der die Mainau noch nicht besucht hat, meint, er stelle sich diese Insel ebener vor. Nun, wer einmal von der Schiffslände her zum Schloß emporgestiegen ist, mrd bestätigen, daß * die Insel doch nicht gajiz eben ist. Andere sind der Ansicht, daß Tannen, wie sie auf dem Bilde zu sehen waren, doch gar nicht exotisch aussähen. Richtig, aber es gedeihen dort auch exotische Ge­wächse. So herum kann man die Falschheit der Unterschrift Nr. 3 also nicht nachweisen. Auch nicht so, daß man sagt: Der Bodensee fehlt. Und, wenn man etwa die Richtigkeit der Unterschrift Nr. 1 begründen will, so kann man nicht einfach „Wachmann” schreiben. Das wäre zwar ein schö­ner Rekord an Kürze, aber der Wachmann würde ja auch — wenn nicht andere Gründe gegen diese Unterschrift sprächen — zu Nr. 3 passen.

Für Unterschrift 1 sprachen: Heuernte im Juli (bei schlechtem Wetter manchmal auch sogar erst im August). Typische Schwarzwaldlandschaft. Viel­leicht auch die kräftigen Pferde, wie man sie frü­her dort zum Transport von Baumstämmen be­nutzte (aber dieses Argument ist nicht ganz so schlagkräftig). Manche glauben in der Bäuerin eine echte Schwarzwälderin zu erkennen, aber da ist m das Bild wohl etwas viel hineingesehen worden.

Gegen Unterschrift 2 sprach: Mitte September ist bei Engen keine Heuernte mehr, auch die öhmd wäre in dieser Gegend wohl schon zu Ende um diese Zeit. 1939 würde der Wachmann keine so „historische'’ Uniform mehr tragen, mit Schützen­schnur und blauer Uniform mit blanken Knöpfen. Vor allem aber würden nicht 14 Tage nach Kriegs­beginn schon polnische Gefangene im Schwarzwald eingesetzt sein; außerdem tragen diese Gefange­nen keine polnische Uniform.

Gegen Unterschrift 3 (Mainau ) sprach — neben dem vielleicht nicht allen Lesern bekannten Land­schaftsbild — der zu frühe Termin für die Heu­ernte, die nirgendwo in Deutschland schon Anfang April stattßndet, auch wenn das Klima noch s 6 günstig wäre. — Ein Leser aus Furtwangen schreibt uns, daß „der kleine Mann ganz rechts” er selber sei und am kommenden Samstag seine Silberhoch­zeit feiere. Eine andere Leserin, ebenfalls aus Furtwangen , bedauert, daß das Bild nur im Aus­schnitt veröffentlicht sei („leider!”), denn auf diese Weise ist sie „abgeschnitten" worden. Zum Beweis legt sie die Originalaufnahme bei, auf der sie zu sehen ist und das nun schon 37 Jahre in ihrem Fotoalbum liegt. Diese Leserin kann sich auch noch an den Namen des russischen Gefangenen neben der „Reiner-Büri” erinnern. Er heißt (oder hieß) „Kyriano". Im übrigen schreibt sie, daß der kleine Bub (zweiter von links) der heutige „Reinerbuer" ist. In den vielen Schreiben aus der Furtwanger

Gegend kommt immer wieder zum Ausdruck, daß dieses Bild besonders viel Freude gemacht und schöne Erinnerungen geweckt hat.—Schönen Dank für einige Gedichte, zu denen das Bild angeregt hat. Eine Leserin aus Waldshut reimt im Stile alter Bauernregeln: „Heuet im September oder im April... das mag glauben, wer will." — (Zehn D-Mark Belohnung für seine Mitteilung — und herzlichen Glückwunsch zur Silberhochzeit! an Albert Scherzinger, Furtwangen ; je fünf DM Be­lohnung für ihre Mitteilungen an Karl Stetter , Villingen und Adolf Müller, Donaueschingen ; fer­ner ein Buch an Frau Josefine Sutter, Konstanz .)

Den Rhein entlang

Änderung der Abschußzeiten Freiburg . Das Landesjagdamt in Freiburg hat nach Anhörung des Landesjagdbeirats folgende Schußzeitänderungen verfügt: 1. Der Abschluß von Rehböcken im Jagdjahr 1952/53 wird erst ab 1. Juni 1952 freigegeben. Die Schußzeit für weib­liches Rehwild endet mit dem 31. Dezember 1952 (§ 44 Abs. 3 des Landesgesetzes über die Jagd in Baden ). 2. Der Abschuß von Fasanenhennen wird bis auf weiteres verboten (§ 44 Abs. 4 des B.J.G. ). 3. Der Abschuß von Ringeltauben wird bereits ab 1. Juli freigegeben

Die schönste Rose gesucht Baden-Baden . Die Bäder- und Kurdirektion hat die Kurgäste und die Einwohner Baden- Badens in einem Aufruf gebeten, sich an der Wahl der schönsten Rose Baden-Badens zu be­teiligen. Vom 1. bis 10. Juli ist die Gönner- Anlage nur für die Teilnehmer ah dieser Ro­senwahl geöffnet, wobei der Eintritt frei ist. Je­der Kurgast und Einwohner kann sich Wahl­karten abholen und dann sein Urteil abgeben. Am letzten Wahltag ergibt sieb dann aus dieser freien und geheimen Wahl die Entscheidung des Publikums für die schönste Rosensorte. Diese Wahl ist auch für die Rosenzüchter von einiger Bedeutung, denn -die Fachleute können dadurch feststellen, welchen Geschmack das heutige Publikum hat.

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„In der Hauptrolle:

28) CHARLOTTE LENZ"

Roman von Roland Marwitz

„Legen Sie mir den Frack zurecht, John“, eagte er und er wußte, daß es unmöglich war, heute abend hier in. diesem Hause allein zu sein, allein mit Phöbe, die Char- lottes Fortgang völlig verstört hatte. Nach wenigen Minuten zog er wieder den Brief hervor. Ja, es war ein Telegramm, für Charlotte gekommen. Gestern, als man aus Herald Hills zurückgekommen war, hatte es ihr der Diener gegeben. Unten in der Halle. Ohne abzulegen war sie mdt dem Telegramm nach obrä gelaufen, in Ihr Zim­mer, und es hatte lange gedauert, bis sie wieder zurückkam. Sie hatte gelächelt, aber es schien gar nicht ihr Lächeln zu sein, irgendein fremdes Lächeln war das, und ihren Augen sah man trotz des Schmink­strichs an, daß sie geweint haben mußte. Warum? Warum mußte Charly weinen? Wer hatte ihr das angetan, daß sie weinen mußte?

Nachdem er sich umgekleidet hatte, ging er zu Phöbe hinunter, die im Speisezimmer am Kamin saß. Der Raum war dunkel. Nur von den brennenden Buchenschiedten kam ein seltsam flackerndes Licht, dessen Schein mitunter wie fließendes Gold über die alten Bilder rann, zuweilen aber fast ganz er­losch, und nur über Phöbes bleiche Hände, die in ihrem Schoße ruhten, einen korallen- farbenen Glanz legte.

„Du willst fort, Percy?“, fragte sie, ohne aufzublicken.

„Ja, ich bitte dich, nicht auf mich zu war­ten, Phöbe.“

Sie nickte nur.

„Charly hat auch zu dir nichts gesagt?“, fragte er nach einer Weile, und er brannte sich dabei eine Zigarette an, um die Frage recht gleichmütig Idingen zu lassen.

„Nein, Percy. Aber ich verstehe sie nicht

Ich habe sie oft nicht verstanden. Keine Engländerin wäre wie sie.“

„Sie ist keine Engländerin, Phöbe. Sie ist eine Deutsche . Unsere Mutter war es auch.“

„Ist das eine Entschuldigung?“

„Sie hat sich nicht zu entschuldigen, Phöbe.“

„Du liebst sie sehr?“

Percy antwortete nicht, er setzte sich in den Sessel, der dem Phöbes gegenüberstand, und nun floß auch über seine herabhän­gende Hand der Schimmer des Feuers und der dunkle Stein seines Wappenringes leuchtete auf.

„Entsinnst du dich, Phöbe, wie wir vor ein paar Wochen über den Waterlooplatz gingen?“

Sie nickte und Percy erzählte noch ein­mal von dem seltsamen Bild dort, auf den Steinen, und wie sehr Charlotte Lenz die­sem Bild ähnelte, dem Bilde, das er zuvor auf jener Photoschau Tag für Tag betrach­tet hatte, das ihm unvergeßlich blieb.

„Kannst du dir das erklären, Phöbe?“

„Nein“, sagte sie, und ihre Stimme zit­terte. War es nicht sinnlos, diese Komödie noch immer weiter zu spielen? Sie fühlte, daß sie nicht mehr lange die Kraft haben würde, vor Percy zu lügen. Als Charlotte noch im Hause war, war es möglich gewe­sen, den Schein zu wahren, Zuschauer und halber Mitspieler zu sein. Jetzt aber? -— Wer war dieses Mädchen, daß eie es fertig gebracht hatte, ganz und immer in dieser seltsamen Rolle aufzugehen? Wie war es möglich, heiter und sicher als etwas zu er­scheinen, was man nicht ist? Vielleicht aber war auch eie am Ende gewesen! Vielleicht konnte sie nicht eine Stunde länger mehr die Maske tragen! Denn dieser Fortgang war eine Flucht! Kein Zweifel, Charlotte Lenz war geflohen. Sie (hatte die Hälfte des Honorars im Stich gelassen, um diese Rolle loszuwerden, die sie eine ganze Woche mei­sterhaft gespielt hatte, und nun waren die Tage zu zählen, die Stunden vielleicht, wo Percy alles erfahren mußte. Man würde ihm sagen, daß man es aus Liebe getan

hatte, aber er würde es nicht verstehen und nicht verzeihen. — Warum aber Qjatte Char­lotte dann gefragt, ob sie noch länger blei­ben dürfe? Das war rätselhaft. Vieles war rätselhaft an ihr, die keine Engländerin war.

Percy warf den Zigarettenrest in die Glut und stand au^.

„Leb wohl, Phöbe.“

„Leb wohl, Percy.“

An der Tür wandte er sich noch ein­mal um.

„Wird Charly wiederkommen?“, fragte er.

Nein!, wollte säe aufschreien. Nein, sie wird nie wiederkommen! Oh, ich bin an allem schuld, ich allein! Sie fand nicht die Kraft das zu sagen. Heute noch nicht.

„Gewiß wird sie wiederkommen“, sagte Phöbe, aber es war gut, daß es dunkel war und Percy ihr Gesicht nicht sehen konnte.

Auf dem Münchner Flugplatz, wo die Ma­schine gegen 11 Uhr abends gelandet war, nahm Charlotte eine Taxe und fuhr in die Stadt Es schien ihr völlig unwahrscheinlich, wieder in München zu sein. Vor wenigen Stunden noch war sie im Gewirr von Piccadilly Circus gewesen, hatte sich nach Bondstreet dtnrehgefragt und war ein wenig zaghaft am Schaufenster vorbeigegangen, in denen die Gold-, Silber- und Platin­schätze der ganzen Erde zu liegen schienen. Vor den Türen der Juweliere hatten gewal­tige, bärenstarke Männer gestanden, in bunten goldbetreßten Mänteln, und feier­lich wie Denkmäler. Ais sie aber endlich den Mut fand, eines der Geschäfte zu be­treten, hatte der monumentale Portier die Tür aufgerissen und sie gegrüßt wie eine Königin.

Jetzt zeigten sich an ihrer linken Hand ein paar helle Streifen. Dort hatte sie die Ringe getragen, für die ein Londoner Ju­welier viel mehr gezahlt, als sie je erhofft hatte. Einer dieser Ringe war ein Geschenk Karl Wagners gewesen. Wie durfte man über den Verlust betrübt sein? Man hatte mehr verloren, als einen Ring.

In der Handtasche war das Telegramm,

das sie gestern abend erhalten hatte. „Fall Storkow hoffnungslos“, lautete es, und Charlott© entsann sich, daß sie den Text lange nicht begriffen hatte. War Wagner betrunken gewesen, als er es absandte? Erst viel später war es ihr bew-ußt geworden, daß er ja nichts von Percy wußte, daß eie seinen Namen nicht genannt hatte und er nur annehmen konnte, sie hätte ihn be­schworen, Peter Storkow zu retten. „Ich sterbe ohne dich.“ Wie lange war das her, daß sie geglaubt hatte, dies sei ein Ruf des Mannes, den sie einmal geliebt? Kaum mehr als eine Woche, und es schienen Jahre zu sein! Dennoch, hatte denn nicht Dr. Fenn den Krankheitsbericht Percys an Karl Wagner gesandt...?

Die Taxe fuhr eine Straße herauf. Sie fuhr sehr langsam, denn zahlreiche Men­schen überquerten den Fahrdamm. Die hellflammende Inschrift an der Fassade eines großen Gebäudes spiegelte sich im regennassen Asphalt. Es war ihr Theater, an dem sie vorüberfulhr. Eben war die Vorstellung dort zu Ende. Die Menschen kamen aus dem Vestibül auf die Straße; Charlotte sah leuchtende Abendkleider un­ter dunklen Mänteln hervorschimmern, sie erkannte in den Händen der Vorübergehen­den Operngläser und Programmhefte und zuweilen glaubte sie ein paar Worte zu ver­stehen. Sie sprechen von der Vorstellung, von der Vorstellung, in der sie nicht ge­spielt hatte. Sie las mit einem Blick die leuchtende Reklameschrift. Wellers Name stand dort, und der einer Kollegin, die ein reizendes Geschöpf war und die nur den einen Fehler hatte, zu reizend zu sein.

Und ich? dachte sie, bin ich schon ver­gessen? Sie wollte den Fahrer halten las­sen, sofort. Sie wollte in die Garderobe stürzen oder hinauf zum Büro und Floris Reuter suchen. Irgendwo mußte er wohl nojh sein. Sie wollte ihm sagen: Da bin ich! Laß mich spielen! O Gott, wie ist es schwer, nicht bei euch spielen zu dürfen, sondern im Leben, im Leben, das voller Leid und Tränen ist!

Nein, diese Rolle war nicht zu Ende. Keiner konnte sie ihr abnehmen, auch Floris Reuter nicht, und niemand wußte, wie eie ausgehen und wann der Vorhang fallen würde.

Charlottes Hand hämmerte gegen die Glasscheibe. „So fahren Sie doch schneller, Mann!“ rief sie, und der am Steuer nickte. Er hatte wieder freie Bahn.

Gegen Mitternacht stand sie vor dem großen Mietshaus, in dessen ausgebauten Dach Karl Wagner eine kleine Wohnung hatte. Sie schaute hinauf, und sah, daß alle Fenster dunkel waren. Er war noch nicht daheim. Sie stellte sich in den Ein­gang, aber auch hier traf sie der Regen, und der Wind war sonderbar weich und warm, und er spielte mit der blonden, wi­derspenstigen Locke, die unter dem Hut­rand hervorxruoll.

Sie versuchte, eine Zigarette anzubren­nen, doch das Flämmchen erlosch immer wieder. Schließlich gab sie es auf. Nur Karl Wagner verstand es, im tollsten Sturm ein Streichholz anzuzünden, daß es wie eine Fackel aufflammte.

Bei jeder Gestalt, die im Schein der Straßenlaterne auftauchte, zuckte sie zu­sammen. Wenn er es wäre! Aber er war es nicht. Sie blickte auf die Uhr. Die Zei­ger schienen sich kaum zu bewegen. Sie beschloß, bis 1 Uhr zu warten. Aber als es 1 Uhr war, verlängerte sie die Frist um eine Viertelstunde. Auch diese ver­strich, und nun schwor sie sich fort zu ge­hen, sobald es halb wäre. Fünf Minuten nach halb trat sie auf die Straße, da sah sie Karl Wagner kommen, und sie erschrak mehr als je zuvor, wie sie ihn* auf sein Haus zugehen sah. Nicht, daß er schwankte. Er ging aufrecht und sicher, aber etwas war in seinem Schritt, das an den Gang eines Menschen erinnerte, der herumirrt und ohne Ziel ist. Er hatte den Mantel geöffnet und die Hände in den Taschen vergraben. Sein Blick war gesenkt und seine Lippen lallten leise eine Melodie. rFnrtco*7,i n g folgt.)