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BADISCHES

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Das nächste Opfer

Atomkraft im Dienste des Friedens

Porträt eines Neofaschisten Hier irrt Prof. Langer!

Jahrgang 1 / Nr. 12

Donnerstag, 10. November 1949

Preis 15 Pf.

Wovor sie erschrecken

Der friedliche Wettkampf der Sowjetunion

Einem Artikel der Moskauer Wochen­schrift „Neue Zeit“ über die amerikanisch­sowjetischen Beziehungen wird in politi­schen Kreisen der Westmächte höchste Be­achtung- geschenkt. Nach diesem Artikel wünscht die' Sowjetunion den friedlichen Wettkampf mit dem kapitalistischen Westen.

Dies ist zwar schon hundertmal ausge­sprochen worden und' bedeutet wahrhaftig keine Sensation. So allgemein hat sich aber durchgesetzt, daß es der Sowjetunion nicht nur ernst damit ist, sondern, sie auch mit ruhiger Gelassenheit dem Ausgang des fried­lichen Wettkampfes zwischen dem Kapitalis­mus und Sozialismus, zwischen dem Osten und Westen entgegensehen kann. Die Ver­treter des westlichen Imperialismus sind ihrer Sache nicht sicher und deshalb wirkt das erneute Angebot der Sowjetunion alar­mierend für sie. Sie haben auch allen Grund beunruhigt zu sein, denn nicht nur, daß die westliche Welt unrettbar in den Strudel der Weltwirtschaftskrise gezogen wird, sich z. T. schon recht tief in ihm befindet, sind die im­mer wieder wirtschaftlich und politisch auf- klafi'enden Gegensätze alles andere als eine Voraussetzung, mit Beruhigung einem fried­lichen Wettkampf ins Auge sehen zu können.

Im Hinblick auf die Zerrissenheit der westlichen Welt — mit dem Versuch Ein­druck auf die Pariser Konferenz der Außen­minister zu machen — wird die Beschwö­rungsformel gesprochen, „endlich doch das Tauziehen unter den Westmächten zu be­enden“. Wenn sie es könnten, würden sie e-s gerne tun. Aber die Wurzel der Gegensätze der kapitalistischen Staaten untereinander zieht Nahrung aus dem Boden des faulenden Systems und bringt immer wieder aufs Neue, wenn auch in Abwandlungen hervor, was man vermeiden will. Das alles sind nicht Auswüchse, Verirrungen, Dinge die vermeidbar sind, sondern sind die Natur des imperialistischen Kapitalismus .

Eine Angst ist festzustellen, daß aHe Pla­nungen und Maßnahmen, zu denen man steh bei den Westmächten entschließt, angeiifhts der Entwicklung im Osten, ehe man zur Ver­wirklichung kommt, überholt sind. Seit dem Telegramm Stalins an den Staatspräsidenten Pieck und den Ministerpräsidenten Otto Grotewohl der Deutschen Demokratischen Republik sind die Dinge in und hm Deutsch­ land in Fluß gekommen. Die im Westen machen sich vergebliche Mühe, Schritt ’ zu halten. Sie sind in Zeitnot geraten und hin­ken hinterher. Ihr kriegerisches Getue hat im Osten nicht schrecken können. Sie selber erschrecken aber, wenn sie vor die Alter­native eines friedlichen Wettbewerbes ge­stellt werden. -ym-

Rekord-Dividende

der Ge neral-Motors-Corporation

Wie ADN aus New York berichtet, haben die größten Autowerke der Welt, die Gene- ral-Motors-Corporation, am Montag eine Jahres-Dividende in der Rekordhöhe von 350834720 Dollar an die 400000 Aktien­besitzer ausgeschüttet. Auf jede Aktie ent­fallen acht Dollar Gesamt-Dividende im Vergleich zu 4,50 Dollar im Vorjahr.

Kursstürze an der Londoner Börse

Berlin. (Eigenbericht) Die britischen Staatspapiere erlitten am Dienstag an der Londoner Börse erneut starke Verluste, meldet ADN aus London . Fachleute neh­men das anhaltende Absinken der britischen Staatspapiere äußerst ernst und sehen darin eine Vertiefung der Wirtschaftskrise. Sie bezweifeln, daß die Regierung in der Lage sein wird, der durch die Kursstürze sich Be­deutenden Entwicklungen zu begegnen.

In Paris wird über Deutschland gefeilscht

Am Ende darf vielleicht Adenauer kommen, um die Anordnungen in Empfang zu nehmen

Die drei Außenminister Acheson , Bevin Es wird angenommen, daß der erste konferenzen ohne Deutschland “ endlich ge- und Schuman führten gestern zwei Sitzungen Gegenstand der Besprechungen das Demon- brochen würde. Man übersieht zweierlei am Quai d’Orsay durch. Am Abend wurde tageproblem gewesen ist. dab'ei. Erstens, daß Adenauer nicht Deutsch­

ein kurzes Kommunique veröffentlicht, das Die Wahrscheinlichkeit wird in der Presse land verkörpert und zweitens, daß, so wie folgenden Wortlaut hat: „Die Außenminister erörtert, daß an Dr. Adenauer eine Einladung die Dinge liegen, Adenauer als Vertreter des Frankreichs , Großbritanniens und der Ver- zur Pariser Konferenz vor ihrem Abschluß Separatstaates nicht als gleichberechtigter einigten Staaten traten am Mittwochmorgen erfolgen wird. Wenn sich die anderen drei Partner, sondern als Befehlsempfänger und -nachmittag im französischen Außen- einig geworden sind, dann darf Adenauer kommt. Die von Adenauer angebotenen Ga- ministerium zusammen, um Fragen von ge- kommen um entgegenzunehmen, was für rantien an die Westmächte verraten alles meinsamem Interesse zu prüfen. Vor allem Westdeutschland ausgebrütet worden ist. andere, nur nicht, daß man gewillt ist, dem wurden die großen Linien einer gemein- In der Presse ist über die Pariser Konfe- Kolonialstaat einen Funken souveräner samen Deutschlandpolitik erörtert. Die Be- renz das Wort gesprochen worden „Deutsch - Rechte einzuräumen. Es wird uns noch mehr sprechüngen sind zur Zufriedenheit verlau- landkonferenz noch ohne Deutschland “, um genommen.

fen und werden am Donnerstag wieder auf“ aus der möglichen Einladung Adenauers den _.. ™ .„ r . „„ , „

S en —• “ ** luß zi€hen ’ daß mit 0“ „Deutschland - Än“ übe^en

Sicherheitsvorschlägen, daß sie einen hohen

„Brutales Geschäft auf Kosten des Volkes (

Dr. Schumacher findet ein Haar in der Suppe

Dr. Schumacher bezeichnete das Angebot, Dr. Adenauer jetzt dargebracht. Uebersenen gegenkommen bei den Pariser Außenmini- der Bundesregierung als ein „schriftliches wir bei der Frage nicht, daß itoit der „In- stergesprachen m Kauf zu nehmen. Zugeständnis an die Hegemonie Frank- ternationalisierung“ das Ruhrstatut geschaf-

reichs, zu dem der Bundeskanzler weder fen und ■ in Westdeutschland die Frage der Tschechoslowakischer Klerus vom Parlament noch vom Volke ermächtigt Eigentumsverhältnisse zu klären verhindert

wurde“. Zur Saarfrage sagte er: „Mit der wurde. Die Verstaatlichung der Schwer- antwortet oem v aiutan

Zustimmung der deutschen (!!) Regierung Industrie wurde unterbunden. Die deutsche |>as Nachiichtenblatt des katholischen zur Zulassung des Saargebietes zum Europa - Reaktion begab sich unter die Fittiche des Klerus in der Tschechoslowakei verurteilte rat hat Dr. Adenauer einen Trumpf unter ausländischen Monopolkapitals, um ihre Po- die vom Rundfunksender des Vatikans ver- den Tisch fallen lassen, mit dem er zu ei- sition, wenn auch in unselbständiger Stel- breitete Hetze gegen die Tschechoslowakei , nem späteren Zeitpunkt hätte stechen ltön- lung, im sozialen Kampf zu stärken. wird aus Prag gemeldet. Für die Katho-

nen. Damit ist die Autonomie des Saarge- Schumachers Erkenntnisse sind nur zu liken der Tschechoslowakei sei der Papst bietes und seine Position als Völkerrecht- richtig. Aber ihm geht es auch in diesen noch immer die höchste geistliche Autorität liehe Persönlichkeit präjudiziert und für die Fragen, wie mit dem Besatzungsstatut, das in Angelegenheiten des Glaubens und der Friedensverhandlungen ein Faktum gesdiaf- er forderte, und als es dann kam, beklagen Moral. Es wäre jedoch ratsam, wenn sich fen, das kaum mehr wegdiskutiert werden mußte, daß er es so nicht gewollt habe, die Vatikankreise bald klar machen würden, kann.“ > . Dr. Schumacher kann in mehr als einem was sie von den Gläubigen zu erwarten

Dr Schumacher nennt das Angebot der Punkt der von ihm in Westdeutschland hätten, wenn sie weiterhin ihre gehässigen Bonner Regierung ein schlechtes Geschäft praktizierten Politik wie jener sagen: „Die politischen Bestrebungen unter einem reli- Mit der Garantie einer totalen Sicherheit Geister, die ich rief, werd ich nun nicht giösen und moralischen Deckmantel verber­gegen den Demontagestop verliere Deutsch- " u ~ ® en -

land die Basis für eine Revision des Ruhr-

Internationalisieruhg der westeufopäisehen Mannheim kein Boden für Neofaschismus

Preis für die Revision der Demontagepolitik darstellen. Die Bundesregierung habe sich bereit erklärt, harte Beschränkungen ihrer Souveränitätsrechte für ein allüertes Ent-

InduStrie wird durch die deutsche Anerken­nung des Ruhrstatuts illusorisch, denn sie erübrigt sich in dem Augenblick, wo die westdeutsche Industrie einseitig internatio­nalisiert ist.“

Wir sind mit Dr. Schumacher einig, wenn er den Schacher Adenauers als ein ganz brutales Geschäft auf Kosten des deutschen Volkes bezeichnet. Das Gerede von der In- temationalisierung der westeuropäischen Industrie war immer nur für uns Deutsche berechnet. Es sollte uns das Ruhrstatut schmackhaft machen, bei dem wir alle un­sere Rechte über die Wirtschaft verlieren, mit dem Hinweis, daß auch die anderen auf europäischer Ebene Souveränitätsrechte ge­nau wie wir abtreten würden.'Was die West­mächte damit erreichen wollten, hat ihnen.

RSF-Versammlung durch Sozialdemokraten und Kommunisten verhindert

Mannheim . Sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter verhinderten ge­stern eine Versammlung im Rosengarten, die die Radikal-Soziale Freiheitspartei durch­führen wollte. Die Versammlung konnte gar nicht eröffnet werden. Der Mannhei­ mer Rechtsanwalt Dr. Panther trat mit dem Hitlergruß an das Rednerpult. Sein einzig­ster Ausspruch war: „An die Gewehre.“ Damit war es dann auch schon mit der Ver­sammlung aus.

Dr. Panther, wie auch der Hauptredner Richard Batz, die wiederholt versuchten, zu Wort zu kommen, wurden niedergeschrieen. Nach dem Gesang der beiden Lieder: „Brü­der zur Sonne zur Freiheit" und der „Inter­

nationale“ stimmten die Anwesenden darü­ber ab, daß die Versammlung nicht abgehal­ten werde und schlossen sie.

In Auseinandersetzungen wurde die Ver­wandtschaft der Radikal-Sozialen Freiheits­partei mit Hitler herausgestellt. Die bestell­ten paar Anhänger der RSF konnten das zwar nicht bestreiten, versuchten aber die Sache so hinzustellen, daß nicht sie die Ideo­logie Hitlers , sondern dieser ihre übernom­men hafie. Im Grund wäre das Jacke wie Hole.

Die Mannheimer Arbeiterschaft und po­litischen Interessierten haben gestern ihre Wachsamkeit gegenüber neofaschistischen Versuchen bewiesen.

Biederer Hausmeister, der Massenmörder von Wilna

30 00« Morde, von denen 7000 Martin Weiß aus Karlsruhe zugibt

Der ehemalige SS-Oberscharführer Weiß aus Karlsruhe hatte es in all den Jahren seit 1945 vorzüglich verstanden, sich zu tar­nen, obwohl er der Mörder von 30 000 Juden in Wilna ist und unter direktem Befehl des oberverantwortlichen Ohlendorff, der in Nürnberg von dem amerikanischen Kriegs­gericht zum Tode verurteilt worden ist, stand. Weiß hat Karlsruhe gemieden und lebte seit über drei Jahren als biederer Hausmeister in Ochsenfurt . Jetzt ist er ver­haftet worden und wird als erster An­geklagter in einem Kriegsverbrecherprozeß vor einem deutschen Gericht erscheinen.

Neue Lohnforderungen in England London . (EB) Während die Labour- Regierung auf ihrer Lohnstop-Politik be- harrf, wollen Gewerkschaftsverbände mit etwa vier Millionen Mitgliedern — die Hälfte der britischen Gewerkschaftsmitglie­der — jetzt Lohnforderungen durchsetzen. Die Maschinenbau - und Schiffbauarbeiter und einige kleinere Gewerkschaftsverbände verlangen Lohnerhöhungen bis zu zwanzig Prozent.

Der falsche Ehemann Berlin . Acht Wochen lang pflegte und umhegte Frau Erna Stützer aus Lichterfelde einen fremden Heimkehrer, den sie für ihren Ehemann hielt. Der Vorsitzende des Amtsgerichts, vor dem die Angelegenheit- ihr Nachspiel hatte, stellte mit Kopfschütteln die große Aehnlichkeit zwischen dem Schwindler Lipinski und dem richtigen Ehe­mann fest, der inzwischen, ebenfalls heim­gekehrt war.

Spät entdeckt

Freibnrg i. Br . .Vor dem .Freiburgei Schwurgericht begann am Montag die Ver­handlung gegen den Gastreferendar der Staatsanwaltschaft Freiburg , Hans Müller Müller wurde angeklagt einen Menschen

vorsätzlich getötet zu haben. Als Oberleut­nant und Batteriechef soll er nach der Ka­pitulation im Jahre 1945 die Erschießung eines Obergefreiten wegen angeblicher Fah­nenflucht veranlaßt haben. Als vermutliche Mittäter sind drei weitere ehemalige An­gehörige der Batterie angeklagt.

Der als Zeuge auftretende ehemalige Ab­teilungsführer, Rupprecht Weiler, wurde am Montag auf Veranlassung des Staatsanwal­tes wegen des dringenden Verdachts der Mittäterschaft festgenommen.

Gibt es in Westdeutschland Pressefreibeit?

Düsseldorf . Die „Westdeutsche Rund­schau“ ist durch den britischen Landeskom­missar, General Bishop, für einen Mona- verboten worden, weil sie in der Oberhau - sener Ausgabe das Photo eines Plakats ver­öffentlichte, auf dein Demontagearbeiter mit Namen genannt und angegriffen wurden.

Nach dem schriftlichen Befehl Genera! Bishops erfoglte das Verbot, „weil Personer angegriffen wurden, die für die Alliierten Streitkräfte tätig“ sind. D^s Verbot erstreckt sich über einen Monat.

Die „Westdeutsche Rundschau“ steht der FDP nahe und ist die erste nichtkommuni­stische Zeitung, die verboten wurde.

(Nach dpa )

Die Entdeckung von Martin Weiß ist zu­fällig. Einem Landespolizeibeamten in Ochsenfurt fiel die Aehnlichkeit Martins mit der Abbildung des gesuchten und berüch­tigten Kriegsverbrechers auf. Er verstän­digte die Staatsanwaltschaft in Würzburg von seinem Verdacht

Die St aa tsa nw altschaft kümmerte sich um die Angelegenheit. Auf den ersten An­hieb ergab sich die Gewißheit daß Martin Weiß ein SS-Oberscharführer war. Verbre­chen wollte er keine begangen haben. Wie so viele, sei er zur Waffen-SS im Westen eingezogqn worden. In Düben habe er seine Ausbildung als einer von sehr vielen SS - Soldaten erhalten, die dann ihre „soldati­sche Pflicht“ im Osten taten. Der Ausbil­dungsort Düben machte den Staatsanwalt stutzig. Im Nürnberger Ohlendorff-Prozeß spielte der Ort eine Rolle. Dort wurden "die berüchtigten „Einsatztruppen“ für den Osten ausgebildet. Der Staatsanwalt ließ nicht locker. Er kam darauf, daß Martin Weiß aus Karlsruhe stammt, wo er ehedem Klempnermeister war. Schließlich enthüllte sich die fürchterliche Wahrheit. SS-Ober­scharführer Martin Weiß war der Massen­mörder von Wilna . In mehr als 30 000 Fäl­len war er der Befehlsübermittler für die Hinrichtung, der Mann, der die Auswahl der Opfer traf und die Hinrichtung kontrollierte, um Vollzugsmeldung an die Vorgesetzten SS -Führer zu machen. Er selbst hat im Wilnaer Ghetto Menschen eigenhändig er­schossen.

Klempnermeister Weiß aus Karlsruhe . Massenmörder von Wilna , dann wieder bie-

Unvermeidlicfae Anerkennung

Canberra . Unter dem Vorsitz des austr, sehen Außenministers Herbert Evgtt finde ;ine. von der australischen Regierung einbe rufenen Konferenz der -Femost-Fachleutr des britischen Commonwealth statt, um über die de-facto-Anerkennung der Regie­rung Mao Tse-Tungs in China zu beraten Außenminister Evatt hält die Anerkennung des kommunistischen China als unvermeid­lich.

derer Hausmeister in Ochsenfurt hat nun ein Geständnis abgelegt. 30 000 Morde sol­len es nicht gewesen sein. Nach seiner Rechnung nur 7 000!

Wieviele von diesen großen und kleinen Mördern laufen noch frei herum, 5 genießen alle Rechte, die es gibt und tragen noch dazu ihren Teil zur öffentlichen Meinungs­bildung bei, in der Absicht, überhaupt ail die Scheußlichkeiten zu bestreiten, die von den Spezialtruppen der SS in ganz Europa , aber insbesondere in der Sowjetunion und Polen begangen wurden.

SS kehrt aus der Sowjetunion zurück

Hof. (dpa ). Etwa 770 ehemalige SS -Män­ner befanden sich unter den Heimkehrern aus der Sowjetunion , die am Montag in Hof- Moschendorf eintrafen. Wie der Leiter der Registrierstelle in Moschendorf, Leibei, mit­teilte, konnten die SS -Männer ihre Täto­wierung unter dem Arm vorweisen. Sie hätten berichtet, daß sie zum Wiederaufbau zerstörter Häuser, Straßen und Fabriken eingesetzt waren. - Ihre Arbeitsleistung sei allerdings gering gewesen, da sie glaubten, lebenslänglich in sowjetischen Lagern blei­ben zu müssen. Die Sowjets hätten aber jetzt Leute aus ihren Reihen entlassen, um auf diese Weise die allgemeine Lebens­freude und Arbeitsleistung unter den Zu­rückgebliebenen zu steigern.

Gruß an ostasiatischen Gewerkschafts­kongreß

Berlin . (Eigenbericht.) Der Freie Deutsche ■ tewerkschaftsbund richtete ein Telegramm m den asiatischen und australischen Ge­werkschafts-Kongreß, der in Peking statt- fmdet. „Möge der soziale und nationale Be­freiungskampf der Werktätigen im Femen Osten unter Führung der mächtigen Orga­nisation WGB dazu beitragen, Frieden, Fort­schritt und Demokratie in der ganzen Wel zu sichern“, heißt es in dem Telegramm.

Deutsche Nationalhymne

Nationalhymnen haben im Leben eines Volkes oft mehr als nur symbolische Be­deutung. Sie sind nicht nur Ausdruck des politischen Geistes, in dem ein Volk regiert wird, oder in dem es sich regieren läßt, son­dern tragen nicht selten dazu bei, den Geist eines Volkes zu formen und das Verhältnis anderer Völker zu ihm wesentlich zu beein­flussen.

Die Marseülaise wird immer die Natio­nalhymne eines revolutionären Volkes blei­ben, wie sehr auch die kapitalistischen Herrscher Frankreichs seit Generationen schon den Geist der Revolution vergewal­tigt haben. Von den edhten Erben der gro­ßen Traditionen der französischen Revolu­tion, von den französischen Arbeitern, wird die Marseillaise mit Liebe gesungen. Sie ist ihr Lied, und es sind die monopolistischen Feinde des Volkes, die sich bei den Klängen dieser Nationalhymne nicht mehr wohl fühlen.

In der Geschichte der deutschen Natio­nalhymne spiegelt sich der unglückliche Weg des deutschen Volkes. Die deutsche Nationalhymne entsprang nicht wie die Marseillaise dem lebendigen revolutionären Quell der Volksbewegung. Da die deutsche Nation nicht durch die Revolution von 1848 geeinigt wurde, sondern durch die Kriege der reaktionären preußischen Monarchie, wurde die Nationalhymne Symbol nicht ei­nes revolutionären demokratischen Volkes, sondern eines säbelrasselnden reaktionären Staates. Es tut dabei wenig zur Sache, daß die preußische Reaktion ein revolutionär und demokratisch gemeintes Gedicht des freiheitlichen Dichters Hoffmann von Fal­ lersleben — der gezwungen war, seiner Ge­sinnung wegen in die Emigration zu gehen — mißbrauchte. Seine Strophen hatten nach 1871 eben eine völlig andere Bedeutung als vor 1848. Sie waren nicht mehr gegen Kleinstaaterei und Tyrannei gerichtet, wie Hoffmann sie gemeint hatte, sondern dien­ten nunmehr als Ausdruck des kraftmeie­rischen, gegen andere Völker gewandten Chauvinismus des wilhelminischen Militär­staates.

Obgleich die deutsche Arbeiterbewegung wahrhaftig mehr mit dem 1848er Demokra­ten Hoffmann v. Fallersleben zu tun hatte, als die preußischen Junker, so mußte sie doch die Nationalhymne des wilhelministi- schen Staates ebenso so sehr verabscheuen wie diesen selbst. Daran hat auch die Tat­sache nichts geändert, daß sich die sozial­demokratischen Führer in der Weimarer Republik dazu .hergaben, diese unselige Na­tionalhymne zu übernehmen, obgleich eie inzwischen längst zum Symbol der Herr­schaftsbestrebungen des deutschen Imperia­lismus geworden war. Nicht nur die Gene­räle und die Junker und die Herren der Schwerindustrie blieben — es blieben auch viele ihrer Symbole, und darunter ihr wich­tigstes: das - „Deutschland , Deutschland

über alles“. Kein Wunder, daß sich die Reaktion und der Chauvinismus aus die­sem Geiste nährten, und daß die Demokra­tie an ihm zugrunde ging.

Die neue deutsche Nationalhymne der Demokratischen Republik, die von Johannes R. Becher und Hanns Eisler geschaffen wurde, ist deshalb nicht nur politisch be­deutsam als Symbol neuer deutscher Sou­veränität. Sie ist mindestens ebenso be­deutsam als Abkehr von jenem kriegerisch- chauvinistischen Geiste, für den das Natio­nale bisher in Deutschland immer wieder mißbraucht wurde. Die neue Nationalhymne ist Ausdruck dafür, daß ein. neues deut­sches Nationalbewußtsein entsteht, daß das Volk nunmehr selbst zur Nation geworden •ist und daß im Osten Deutschlands das wahrhaft Nationale an die Stelle des Natio­nalistischen getreten ist.

Die neue Nationalhymne ist durchdrun­gen vom Geiste der nationalen Einheit, des schöpferischen Aufbauwillens und des Frie­dens. Einheit, Arbeit und Friede sind ihre Grundgedanken, und es gibt wohl keinen ehrlichen Deutschen , der sich nicht gelobt hätte, daß ein neues Deutschland nur auf diesen Pfeilern errichtet werden kann. Eine Nationalhymne ist Attribut der. Souveräni­tät und Selbstachtung eines Volkes, wenn auch nicht immer Ausdruck seines wahren politischen Empfindens und echter mensch­licher Vernunft. Die neue deutsche Natio­nalhymne ist beides. Wenn der westdeut­sche Separatstaat keine echte National­hymne haben kann, so allein deshalb, weil er der nationalen Souveränität entbehrt. Und es entspricht nur dem unter fremder Herrschaft hier wieder gezüchteten chauvi­nistischen, und daher antinationalen Geist, wenn im Bonner Bundestag der Antrag ge­stellt werden konnte, das Lied, das für alle Völker zum Symbol der faschistischen deut­ schen Weltherrschafts-Bestrebungen wurde, wieder zur Nationalhymne zu machen.

Daß die Deutsche Demokratische Repu­ blik einen neuen Abschnitt in der deut­ schen Geschichte einleitet, davon zeugt nicht zuletzt die Nationalhymne, die sie sich ge­geben hat.. Aus ihren Versen spricht ein neues Deutschland , eip Deutschland fried­licher, schöpferischer Arbeit im Innern und brüderlicher Völkerfreundschaft nach außen. , Die neue Nationalhymne wird schon heute, trotz der von außen errichteten Mauern, die uns noch trennen, das Lied aller Deutschen sein, die die Einheit, die Unabhängigkeit Lind den Frieden unseres Vaterlandes er­sehnen. J. Sch.