BADISCHES
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Das nächste Opfer
Atomkraft im Dienste des Friedens
Porträt eines Neofaschisten Hier irrt Prof. Langer!
Jahrgang 1 / Nr. 12
Donnerstag, 10. November 1949
Preis 15 Pf.
Wovor sie erschrecken
Der friedliche Wettkampf der Sowjetunion
Einem Artikel der Moskauer Wochenschrift „Neue Zeit“ über die amerikanischsowjetischen Beziehungen wird in politischen Kreisen der Westmächte höchste Beachtung- geschenkt. Nach diesem Artikel wünscht die' Sowjetunion den friedlichen Wettkampf mit dem kapitalistischen Westen.
Dies ist zwar schon hundertmal ausgesprochen worden und' bedeutet wahrhaftig keine Sensation. So allgemein hat sich aber durchgesetzt, daß es der Sowjetunion nicht nur ernst damit ist, sondern, sie auch mit ruhiger Gelassenheit dem Ausgang des friedlichen Wettkampfes zwischen dem Kapitalismus und Sozialismus, zwischen dem Osten und Westen entgegensehen kann. Die Vertreter des westlichen Imperialismus sind ihrer Sache nicht sicher und deshalb wirkt das erneute Angebot der Sowjetunion alarmierend für sie. Sie haben auch allen Grund beunruhigt zu sein, denn nicht nur, daß die westliche Welt unrettbar in den Strudel der Weltwirtschaftskrise gezogen wird, sich z. T. schon recht tief in ihm befindet, sind die immer wieder wirtschaftlich und politisch auf- klafi'enden Gegensätze alles andere als eine Voraussetzung, mit Beruhigung einem friedlichen Wettkampf ins Auge sehen zu können.
Im Hinblick auf die Zerrissenheit der westlichen Welt — mit dem Versuch Eindruck auf die Pariser Konferenz der Außenminister zu machen — wird die Beschwörungsformel gesprochen, „endlich doch das Tauziehen unter den Westmächten zu beenden“. Wenn sie es könnten, würden sie e-s gerne tun. Aber die Wurzel der Gegensätze der kapitalistischen Staaten untereinander zieht Nahrung aus dem Boden des faulenden Systems und bringt immer wieder aufs Neue, wenn auch in Abwandlungen hervor, was man vermeiden will. Das alles sind nicht Auswüchse, Verirrungen, Dinge die vermeidbar sind, sondern sind die Natur des imperialistischen Kapitalismus .
Eine Angst ist festzustellen, daß aHe Planungen und Maßnahmen, zu denen man steh bei den Westmächten entschließt, angeiifhts der Entwicklung im Osten, ehe man zur Verwirklichung kommt, überholt sind. Seit dem Telegramm Stalins an den Staatspräsidenten Pieck und den Ministerpräsidenten Otto Grotewohl der Deutschen Demokratischen Republik sind die Dinge in und hm Deutsch land in Fluß gekommen. Die im Westen machen sich vergebliche Mühe, Schritt ’ zu halten. Sie sind in Zeitnot geraten und hinken hinterher. Ihr kriegerisches Getue hat im Osten nicht schrecken können. Sie selber erschrecken aber, wenn sie vor die Alternative eines friedlichen Wettbewerbes gestellt werden. -ym-
Rekord-Dividende
der Ge neral-Motors-Corporation
Wie ADN aus New York berichtet, haben die größten Autowerke der Welt, die Gene- ral-Motors-Corporation, am Montag eine Jahres-Dividende in der Rekordhöhe von 350834720 Dollar an die 400000 Aktienbesitzer ausgeschüttet. Auf jede Aktie entfallen acht Dollar Gesamt-Dividende im Vergleich zu 4,50 Dollar im Vorjahr.
Kursstürze an der Londoner Börse
Berlin. (Eigenbericht) Die britischen Staatspapiere erlitten am Dienstag an der Londoner Börse erneut starke Verluste, meldet ADN aus London . Fachleute nehmen das anhaltende Absinken der britischen Staatspapiere äußerst ernst und sehen darin eine Vertiefung der Wirtschaftskrise. Sie bezweifeln, daß die Regierung in der Lage sein wird, der durch die Kursstürze sich Bedeutenden Entwicklungen zu begegnen.
In Paris wird über Deutschland gefeilscht
Am Ende darf vielleicht Adenauer kommen, um die Anordnungen in Empfang zu nehmen
Die drei Außenminister Acheson , Bevin Es wird angenommen, daß der erste konferenzen ohne Deutschland “ endlich ge- und Schuman führten gestern zwei Sitzungen Gegenstand der Besprechungen das Demon- brochen würde. Man übersieht zweierlei am Quai d’Orsay durch. Am Abend wurde tageproblem gewesen ist. dab'ei. Erstens, daß Adenauer nicht Deutsch
ein kurzes Kommunique veröffentlicht, das Die Wahrscheinlichkeit wird in der Presse land verkörpert und zweitens, daß, so wie folgenden Wortlaut hat: „Die Außenminister erörtert, daß an Dr. Adenauer eine Einladung die Dinge liegen, Adenauer als Vertreter des Frankreichs , Großbritanniens und der Ver- zur Pariser Konferenz vor ihrem Abschluß Separatstaates nicht als gleichberechtigter einigten Staaten traten am Mittwochmorgen erfolgen wird. Wenn sich die anderen drei Partner, sondern als Befehlsempfänger und -nachmittag im französischen Außen- einig geworden sind, dann darf Adenauer kommt. Die von Adenauer angebotenen Ga- ministerium zusammen, um Fragen von ge- kommen um entgegenzunehmen, was für rantien an die Westmächte verraten alles meinsamem Interesse zu prüfen. Vor allem Westdeutschland ausgebrütet worden ist. andere, nur nicht, daß man gewillt ist, dem wurden die großen Linien einer gemein- In der Presse ist über die Pariser Konfe- Kolonialstaat einen Funken souveräner samen Deutschlandpolitik erörtert. Die Be- renz das Wort gesprochen worden „Deutsch - Rechte einzuräumen. Es wird uns noch mehr sprechüngen sind zur Zufriedenheit verlau- landkonferenz noch ohne Deutschland “, um genommen.
fen und werden am Donnerstag wieder auf“ aus der möglichen Einladung Adenauers den _.. ™ .„ r . „„ , „
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Sicherheitsvorschlägen, daß sie einen hohen
„Brutales Geschäft auf Kosten des Volkes (
Dr. Schumacher findet ein Haar in der Suppe
Dr. Schumacher bezeichnete das Angebot, Dr. Adenauer jetzt dargebracht. Uebersenen gegenkommen bei den Pariser Außenmini- der Bundesregierung als ein „schriftliches wir bei der Frage nicht, daß itoit der „In- stergesprachen m Kauf zu nehmen. Zugeständnis an die Hegemonie Frank- ternationalisierung“ das Ruhrstatut geschaf-
reichs, zu dem der Bundeskanzler weder fen und ■ in Westdeutschland die Frage der Tschechoslowakischer Klerus vom Parlament noch vom Volke ermächtigt Eigentumsverhältnisse zu klären verhindert
wurde“. Zur Saarfrage sagte er: „Mit der wurde. Die Verstaatlichung der Schwer- antwortet oem v aiutan
Zustimmung der deutschen (!!) Regierung Industrie wurde unterbunden. Die deutsche |>as Nachiichtenblatt des katholischen zur Zulassung des Saargebietes zum Europa - Reaktion begab sich unter die Fittiche des Klerus in der Tschechoslowakei verurteilte rat hat Dr. Adenauer einen Trumpf unter ausländischen Monopolkapitals, um ihre Po- die vom Rundfunksender des Vatikans ver- den Tisch fallen lassen, mit dem er zu ei- sition, wenn auch in unselbständiger Stel- breitete Hetze gegen die Tschechoslowakei , nem späteren Zeitpunkt hätte stechen ltön- lung, im sozialen Kampf zu stärken. wird aus Prag gemeldet. Für die Katho-
nen. Damit ist die Autonomie des Saarge- Schumachers Erkenntnisse sind nur zu liken der Tschechoslowakei sei der Papst bietes und seine Position als Völkerrecht- richtig. Aber ihm geht es auch in diesen noch immer die höchste geistliche Autorität liehe Persönlichkeit präjudiziert und für die Fragen, wie mit dem Besatzungsstatut, das in Angelegenheiten des Glaubens und der Friedensverhandlungen ein Faktum gesdiaf- er forderte, und als es dann kam, beklagen Moral. Es wäre jedoch ratsam, wenn sich fen, das kaum mehr wegdiskutiert werden mußte, daß er es so nicht gewollt habe, die Vatikankreise bald klar machen würden, kann.“ > . Dr. Schumacher kann in mehr als einem was sie von den Gläubigen zu erwarten
Dr Schumacher nennt das Angebot der Punkt der von ihm in Westdeutschland hätten, wenn sie weiterhin ihre gehässigen Bonner Regierung ein schlechtes Geschäft praktizierten Politik wie jener sagen: „Die politischen Bestrebungen unter einem reli- Mit der Garantie einer totalen Sicherheit Geister, die ich rief, werd ich nun nicht giösen und moralischen Deckmantel verbergegen den Demontagestop verliere Deutsch- " u ~ ® en -
land die Basis für eine Revision des Ruhr-
Internationalisieruhg der westeufopäisehen Mannheim kein Boden für Neofaschismus
Preis für die Revision der Demontagepolitik darstellen. Die Bundesregierung habe sich bereit erklärt, harte Beschränkungen ihrer Souveränitätsrechte für ein allüertes Ent-
InduStrie wird durch die deutsche Anerkennung des Ruhrstatuts illusorisch, denn sie erübrigt sich in dem Augenblick, wo die westdeutsche Industrie einseitig internationalisiert ist.“
Wir sind mit Dr. Schumacher einig, wenn er den Schacher Adenauers als ein ganz brutales Geschäft auf Kosten des deutschen Volkes bezeichnet. Das Gerede von der In- temationalisierung der westeuropäischen Industrie war immer nur für uns Deutsche berechnet. Es sollte uns das Ruhrstatut schmackhaft machen, bei dem wir alle unsere Rechte über die Wirtschaft verlieren, mit dem Hinweis, daß auch die anderen auf europäischer Ebene Souveränitätsrechte genau wie wir abtreten würden.'Was die Westmächte damit erreichen wollten, hat ihnen.
RSF-Versammlung durch Sozialdemokraten und Kommunisten verhindert
Mannheim . Sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter verhinderten gestern eine Versammlung im Rosengarten, die die Radikal-Soziale Freiheitspartei durchführen wollte. Die Versammlung konnte gar nicht eröffnet werden. Der Mannhei mer Rechtsanwalt Dr. Panther trat mit dem Hitlergruß an das Rednerpult. Sein einzigster Ausspruch war: „An die Gewehre.“ Damit war es dann auch schon mit der Versammlung aus.
Dr. Panther, wie auch der Hauptredner Richard Batz, die wiederholt versuchten, zu Wort zu kommen, wurden niedergeschrieen. Nach dem Gesang der beiden Lieder: „Brüder zur Sonne zur Freiheit" und der „Inter
nationale“ stimmten die Anwesenden darüber ab, daß die Versammlung nicht abgehalten werde und schlossen sie.
In Auseinandersetzungen wurde die Verwandtschaft der Radikal-Sozialen Freiheitspartei mit Hitler herausgestellt. Die bestellten paar Anhänger der RSF konnten das zwar nicht bestreiten, versuchten aber die Sache so hinzustellen, daß nicht sie die Ideologie Hitlers , sondern dieser ihre übernommen hafie. Im Grund wäre das Jacke wie Hole.
Die Mannheimer Arbeiterschaft und politischen Interessierten haben gestern ihre Wachsamkeit gegenüber neofaschistischen Versuchen bewiesen.
Biederer Hausmeister, der Massenmörder von Wilna
30 00« Morde, von denen 7000 Martin Weiß aus Karlsruhe zugibt
Der ehemalige SS-Oberscharführer Weiß aus Karlsruhe hatte es in all den Jahren seit 1945 vorzüglich verstanden, sich zu tarnen, obwohl er der Mörder von 30 000 Juden in Wilna ist und unter direktem Befehl des oberverantwortlichen Ohlendorff, der in Nürnberg von dem amerikanischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden ist, stand. Weiß hat Karlsruhe gemieden und lebte seit über drei Jahren als biederer Hausmeister in Ochsenfurt . Jetzt ist er verhaftet worden und wird als erster Angeklagter in einem Kriegsverbrecherprozeß vor einem deutschen Gericht erscheinen.
Neue Lohnforderungen in England London . (EB) Während die Labour- Regierung auf ihrer Lohnstop-Politik be- harrf, wollen Gewerkschaftsverbände mit etwa vier Millionen Mitgliedern — die Hälfte der britischen Gewerkschaftsmitglieder — jetzt Lohnforderungen durchsetzen. Die Maschinenbau - und Schiffbauarbeiter und einige kleinere Gewerkschaftsverbände verlangen Lohnerhöhungen bis zu zwanzig Prozent.
Der falsche Ehemann Berlin . Acht Wochen lang pflegte und umhegte Frau Erna Stützer aus Lichterfelde einen fremden Heimkehrer, den sie für ihren Ehemann hielt. Der Vorsitzende des Amtsgerichts, vor dem die Angelegenheit- ihr Nachspiel hatte, stellte mit Kopfschütteln die große Aehnlichkeit zwischen dem Schwindler Lipinski und dem richtigen Ehemann fest, der inzwischen, ebenfalls heimgekehrt war.
Spät entdeckt
Freibnrg i. Br . .Vor dem .Freiburgei Schwurgericht begann am Montag die Verhandlung gegen den Gastreferendar der Staatsanwaltschaft Freiburg , Hans Müller Müller wurde angeklagt einen Menschen
vorsätzlich getötet zu haben. Als Oberleutnant und Batteriechef soll er nach der Kapitulation im Jahre 1945 die Erschießung eines Obergefreiten wegen angeblicher Fahnenflucht veranlaßt haben. Als vermutliche Mittäter sind drei weitere ehemalige Angehörige der Batterie angeklagt.
Der als Zeuge auftretende ehemalige Abteilungsführer, Rupprecht Weiler, wurde am Montag auf Veranlassung des Staatsanwaltes wegen des dringenden Verdachts der Mittäterschaft festgenommen.
Gibt es in Westdeutschland Pressefreibeit?
Düsseldorf . Die „Westdeutsche Rundschau“ ist durch den britischen Landeskommissar, General Bishop, für einen Mona- verboten worden, weil sie in der Oberhau - sener Ausgabe das Photo eines Plakats veröffentlichte, auf dein Demontagearbeiter mit Namen genannt und angegriffen wurden.
Nach dem schriftlichen Befehl Genera! Bishops erfoglte das Verbot, „weil Personer angegriffen wurden, die für die Alliierten Streitkräfte tätig“ sind. D^s Verbot erstreckt sich über einen Monat.
Die „Westdeutsche Rundschau“ steht der FDP nahe und ist die erste nichtkommunistische Zeitung, die verboten wurde.
Die Entdeckung von Martin Weiß ist zufällig. Einem Landespolizeibeamten in Ochsenfurt fiel die Aehnlichkeit Martins mit der Abbildung des gesuchten und berüchtigten Kriegsverbrechers auf. Er verständigte die Staatsanwaltschaft in Würzburg von seinem Verdacht
Die St aa tsa nw altschaft kümmerte sich um die Angelegenheit. Auf den ersten Anhieb ergab sich die Gewißheit daß Martin Weiß ein SS-Oberscharführer war. Verbrechen wollte er keine begangen haben. Wie so viele, sei er zur Waffen-SS im Westen eingezogqn worden. In Düben habe er seine Ausbildung als einer von sehr vielen SS - Soldaten erhalten, die dann ihre „soldatische Pflicht“ im Osten taten. Der Ausbildungsort Düben machte den Staatsanwalt stutzig. Im Nürnberger Ohlendorff-Prozeß spielte der Ort eine Rolle. Dort wurden "die berüchtigten „Einsatztruppen“ für den Osten ausgebildet. Der Staatsanwalt ließ nicht locker. Er kam darauf, daß Martin Weiß aus Karlsruhe stammt, wo er ehedem Klempnermeister war. Schließlich enthüllte sich die fürchterliche Wahrheit. SS-Oberscharführer Martin Weiß war der Massenmörder von Wilna . In mehr als 30 000 Fällen war er der Befehlsübermittler für die Hinrichtung, der Mann, der die Auswahl der Opfer traf und die Hinrichtung kontrollierte, um Vollzugsmeldung an die Vorgesetzten SS -Führer zu machen. Er selbst hat im Wilnaer Ghetto Menschen eigenhändig erschossen.
Klempnermeister Weiß aus Karlsruhe . Massenmörder von Wilna , dann wieder bie-
Unvermeidlicfae Anerkennung
Canberra . Unter dem Vorsitz des austr, sehen Außenministers Herbert Evgtt finde ;ine. von der australischen Regierung einbe rufenen Konferenz der -Femost-Fachleutr des britischen Commonwealth statt, um über die de-facto-Anerkennung der Regierung Mao Tse-Tungs in China zu beraten Außenminister Evatt hält die Anerkennung des kommunistischen China als unvermeidlich.
derer Hausmeister in Ochsenfurt hat nun ein Geständnis abgelegt. 30 000 Morde sollen es nicht gewesen sein. Nach seiner Rechnung nur 7 000!
Wieviele von diesen großen und kleinen Mördern laufen noch frei herum, 5 genießen alle Rechte, die es gibt und tragen noch dazu ihren Teil zur öffentlichen Meinungsbildung bei, in der Absicht, überhaupt ail die Scheußlichkeiten zu bestreiten, die von den Spezialtruppen der SS in ganz Europa , aber insbesondere in der Sowjetunion und Polen begangen wurden.
SS kehrt aus der Sowjetunion zurück
Hof. (dpa ). Etwa 770 ehemalige SS -Männer befanden sich unter den Heimkehrern aus der Sowjetunion , die am Montag in Hof- Moschendorf eintrafen. Wie der Leiter der Registrierstelle in Moschendorf, Leibei, mitteilte, konnten die SS -Männer ihre Tätowierung unter dem Arm vorweisen. Sie hätten berichtet, daß sie zum Wiederaufbau zerstörter Häuser, Straßen und Fabriken eingesetzt waren. - Ihre Arbeitsleistung sei allerdings gering gewesen, da sie glaubten, lebenslänglich in sowjetischen Lagern bleiben zu müssen. Die Sowjets hätten aber jetzt Leute aus ihren Reihen entlassen, um auf diese Weise die allgemeine Lebensfreude und Arbeitsleistung unter den Zurückgebliebenen zu steigern.
Gruß an ostasiatischen Gewerkschaftskongreß
Berlin . (Eigenbericht.) Der Freie Deutsche ■ tewerkschaftsbund richtete ein Telegramm m den asiatischen und australischen Gewerkschafts-Kongreß, der in Peking statt- fmdet. „Möge der soziale und nationale Befreiungskampf der Werktätigen im Femen Osten unter Führung der mächtigen Organisation WGB dazu beitragen, Frieden, Fortschritt und Demokratie in der ganzen Wel zu sichern“, heißt es in dem Telegramm.
Deutsche Nationalhymne
Nationalhymnen haben im Leben eines Volkes oft mehr als nur symbolische Bedeutung. Sie sind nicht nur Ausdruck des politischen Geistes, in dem ein Volk regiert wird, oder in dem es sich regieren läßt, sondern tragen nicht selten dazu bei, den Geist eines Volkes zu formen und das Verhältnis anderer Völker zu ihm wesentlich zu beeinflussen.
Die Marseülaise wird immer die Nationalhymne eines revolutionären Volkes bleiben, wie sehr auch die kapitalistischen Herrscher Frankreichs seit Generationen schon den Geist der Revolution vergewaltigt haben. Von den edhten Erben der großen Traditionen der französischen Revolution, von den französischen Arbeitern, wird die Marseillaise mit Liebe gesungen. Sie ist ihr Lied, und es sind die monopolistischen Feinde des Volkes, die sich bei den Klängen dieser Nationalhymne nicht mehr wohl fühlen.
In der Geschichte der deutschen Nationalhymne spiegelt sich der unglückliche Weg des deutschen Volkes. Die deutsche Nationalhymne entsprang nicht wie die Marseillaise dem lebendigen revolutionären Quell der Volksbewegung. Da die deutsche Nation nicht durch die Revolution von 1848 geeinigt wurde, sondern durch die Kriege der reaktionären preußischen Monarchie, wurde die Nationalhymne Symbol nicht eines revolutionären demokratischen Volkes, sondern eines säbelrasselnden reaktionären Staates. Es tut dabei wenig zur Sache, daß die preußische Reaktion ein revolutionär und demokratisch gemeintes Gedicht des freiheitlichen Dichters Hoffmann von Fal lersleben — der gezwungen war, seiner Gesinnung wegen in die Emigration zu gehen — mißbrauchte. Seine Strophen hatten nach 1871 eben eine völlig andere Bedeutung als vor 1848. Sie waren nicht mehr gegen Kleinstaaterei und Tyrannei gerichtet, wie Hoffmann sie gemeint hatte, sondern dienten nunmehr als Ausdruck des kraftmeierischen, gegen andere Völker gewandten Chauvinismus des wilhelminischen Militärstaates.
Obgleich die deutsche Arbeiterbewegung wahrhaftig mehr mit dem 1848er Demokraten Hoffmann v. Fallersleben zu tun hatte, als die preußischen Junker, so mußte sie doch die Nationalhymne des wilhelministi- schen Staates ebenso so sehr verabscheuen wie diesen selbst. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, daß sich die sozialdemokratischen Führer in der Weimarer Republik dazu .hergaben, diese unselige Nationalhymne zu übernehmen, obgleich eie inzwischen längst zum Symbol der Herrschaftsbestrebungen des deutschen Imperialismus geworden war. Nicht nur die Generäle und die Junker und die Herren der Schwerindustrie blieben — es blieben auch viele ihrer Symbole, und darunter ihr wichtigstes: das - „Deutschland , Deutschland
über alles“. Kein Wunder, daß sich die Reaktion und der Chauvinismus aus diesem Geiste nährten, und daß die Demokratie an ihm zugrunde ging.
Die neue deutsche Nationalhymne der Demokratischen Republik, die von Johannes R. Becher und Hanns Eisler geschaffen wurde, ist deshalb nicht nur politisch bedeutsam als Symbol neuer deutscher Souveränität. Sie ist mindestens ebenso bedeutsam als Abkehr von jenem kriegerisch- chauvinistischen Geiste, für den das Nationale bisher in Deutschland immer wieder mißbraucht wurde. Die neue Nationalhymne ist Ausdruck dafür, daß ein. neues deutsches Nationalbewußtsein entsteht, daß das Volk nunmehr selbst zur Nation geworden •ist und daß im Osten Deutschlands das wahrhaft Nationale an die Stelle des Nationalistischen getreten ist.
Die neue Nationalhymne ist durchdrungen vom Geiste der nationalen Einheit, des schöpferischen Aufbauwillens und des Friedens. Einheit, Arbeit und Friede sind ihre Grundgedanken, und es gibt wohl keinen ehrlichen Deutschen , der sich nicht gelobt hätte, daß ein neues Deutschland nur auf diesen Pfeilern errichtet werden kann. Eine Nationalhymne ist Attribut der. Souveränität und Selbstachtung eines Volkes, wenn auch nicht immer Ausdruck seines wahren politischen Empfindens und echter menschlicher Vernunft. Die neue deutsche Nationalhymne ist beides. Wenn der westdeutsche Separatstaat keine echte Nationalhymne haben kann, so allein deshalb, weil er der nationalen Souveränität entbehrt. Und es entspricht nur dem unter fremder Herrschaft hier wieder gezüchteten chauvinistischen, und daher antinationalen Geist, wenn im Bonner Bundestag der Antrag gestellt werden konnte, das Lied, das für alle Völker zum Symbol der faschistischen deut schen Weltherrschafts-Bestrebungen wurde, wieder zur Nationalhymne zu machen.
Daß die Deutsche Demokratische Repu blik einen neuen Abschnitt in der deut schen Geschichte einleitet, davon zeugt nicht zuletzt die Nationalhymne, die sie sich gegeben hat.. Aus ihren Versen spricht ein neues Deutschland , eip Deutschland friedlicher, schöpferischer Arbeit im Innern und brüderlicher Völkerfreundschaft nach außen. , Die neue Nationalhymne wird schon heute, trotz der von außen errichteten Mauern, die uns noch trennen, das Lied aller Deutschen sein, die die Einheit, die Unabhängigkeit Lind den Frieden unseres Vaterlandes ersehnen. J. Sch.