Dienstag, 6. Dezember 1949

Badisches Volksecho

Seite 3

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Marathontanx

-m- Drei Jünglinge und drei Mädchen quälten sich über das Parkett im „Femina “ mit todernsten Gesichtem. Die Jünglinge hatten Nummern auf dem Rücken ange­heftet, die Hosen hochgekrempelt und San­dalen an den Füßen, einer bewegte krampf­haft die Kinnbacken, vermutlich um mit einem Stück Kaugummi fertig zu werden. Die Jünglinge waren stark unrasiert und bewegten mechanisch die Beine nach dem Rhythmus einer Samba oder eines Tangos.

In den Armen hingen ihnen wie leblose Puppen die Partnerinnen, die müde mit den Augen klapperten. Auch sie bewegten me­chanisch die Beine, als wenn sie bleierne Füße hätten. Was die Paare wechselweise mit den Füßen beschrieben, waren beileibe keine Tanzfiguren, sondern ein Hin- und Hergeschiebe ohne Zweck und Ziel. Eines der Mädchen machte den Eindruck, als sei sie von der Tse-Tsefliege gestochen und nun von der Schlafkrankheit befallen, so müde sah sie aus. Eine ebenso schläfrige Kapelle machte dazu die entsprechende Mu­sik, und wenn die Kapelle pausierte, setzte ein sogenanntes „play back“ ein mit Schallplattenbetrieb. Auch die Tanzpaare pausierten hin und wieder, wobei sie auf der Stelle trippelten, wie Langstreckenläu­fer vor dem Start.

Auf Befragen erfuhr man von dem ge­sprächigen Ober, das dies hier ein Mara­thontanz sei, daß seit Beginn dieses edlen tanzsportlichen Kampfes bereits 240 Stun­den verflossen und von anfänglich dreizehn Paaren nur noch diese drei (Nr. 6, 8, 12) übrig geblieben seien. Man wolle hier den Münchener „Rekord“ brechen, das siegende Paar bekäme 600 DM, usw.

Deshalb also hatten die Jünglinge Num­mern auf dem Sakko und Stoppeln am Kinn, deshalb die Mädchen zerdrückte Fri­suren, rotgeränderte Augen und unordent­liche Kleider! Früher einmal war der Ge­sellschaftstanz Ausdruck elementarer Le­bensfreude und nicht nur für die Jugend, hier tanzte man bis zur Erschöpfung für 600 DM und den zweifelhaften Ruhm, Sie­ger im Dauertanz zu werden, der neue­sten Modenarrheit- made in USA ! Arme Dauertänzer und armes Amerika !

500 000.- DM für das Mannheimer Gaswerk

Auf Grund eines Beschlusses des Techni­schen Ausschusses des Stadtrates wird das Mannheimer Gaswerk einen Kredit von 500 000.- DM zur Wiederherstellung seiner Anlagen aufnehmen. Das Gaswerk wurde im Oktober 1944 durch Fliegerangriff stark beschädigt. Man hat versucht, provisorisch die Anlagen wieder in Gang zu setzen, um die Bevölkerung mit Gas versorgen zu kön­nen. Mit viel Schwierigkeiten ist das auch gelungen, aber es macht sich notwendig, die provisorisch hergerichteten Anlagen wieder endgültig in Stand zu setzen. Zur völligen Wiederherstellung des Gaswerkes sind, so wurde uns von den zuständigen Stellen er­klärt, noch mehrere Millionen DM erforder­lich. Der jetzt angeforderte Kredit von 500 000.- DM soll dazu dienen, die dringlich­sten Arbeiten erledigen zu können. Durch diese Investition wird e»auch möglich sein, die Erzeugung des Werkes, die sich heute etwa auf 170 000 cbm pro Tag beläuft, noch zu steigern, und damit dem ständig steigen­den Bedarf sowohl der Haushalte wie auch der Industrie gerecht zu werden. Bisher wurde das in Mannheim verbrauchte Gas zum größten Teil auch hier erzeugt. Nur wenig Prozent wurden über die Ferngaslei­tung aus dem Saargebiet bezogen. Dieses Gas aus dem Saargebiet war den Stadtwer­ken sehr willkommen, um die Qualität des an die Vcpbraucher abgegebenen Gases zu verbessern.

Bewirtschaftung von Brot, Mehl und Nährmittel „T“

Der Präsident des Landesbezirkes Baden, Abteilung Landwirtschaft und Ernährung, teilt mit, daß unter grundsätzlicher Aufrechterhal­tung der Bewirtschaftung von Brot, Mehl und Nährmittel „T" für diese Erzeugnisse ab 1. Dezember 1949 die Abrechnung der Abschnitte und die Ausstellung von Bezugscheinen fortfällt. Reis-Abschnitte sind noch abzurechnen.

Durchführungsbestimmungen werden noch bekanntgegeben.

Versammlungen der KPD Mannheim

Achtung! Am Donnerstag, 8. Dezember, um 19.30 beginnt in S 3, 10 ein Lehrgang für junge Parteimitglieder.

Thema: Geschichte der Arbeiterbewegung.

Lehrgangsleiter: A. Breede.

Alle jungen oder auch interessierte ältere Genossen beteiligen sich daran.

Nachruf

Im Alter von nahezu 72 Jahren verstarb unser Genosse

Jakob Scfaaaf.

Schon in früher Jugend zur Arbeiterbe­wegung gestoßen war sein Leben ausgefüllt mit dem Kampf um die Befreiung seiner Klasse. Wir verlieren in ihm einen treuen Genossen. Sein Andenken werden wir stets bewahren.

Kommunistische Partei Deutschlands Ortsgruppe Neckarau

Abonnier* dam

Badisdhe Volhsecho

Viel Weihnachtsglanz — weniger Weihnachtsgeld

Nur Steigerung der Massenkauikrait bringt gutes Geschält

Die letzten drei Sonntage vor Weihnach­ten, an denen die Ladengeschäfte geöffnet sind, sollen in ansteigender Kurve das Weihnachts-„Geschäft“ bringen und so er­lebten wir denn am vergangenen Sonntag zunächst den „kupfernen“ von den dreien. Er soll nach den begeisterten Schilderungen der freiwirtschaftlichen Presse mit und ohne Lizenz über alles Erwarten großartig? so richtig „friedensmäßig“ gewesen sein.Die Besucherzahl im Rosengarten hatte am Nachmittag bereits die 40 000 überschritten und der Zutritt mußte zeitweise rationiert werden. Auch die Parkplätze sollen über­füllt gewesen sein — gewiß ein guter Maß­stab für die gesteigerte Kaufkraft des klei­nen Mannes. Daß sich auch die Leute, die kein Geld zum Kauf der lebenswichtigsten Dinge, geschweige denn für Weihnachts­geschenke, haben, einmal ansehen wollen, was man alles kaufen könnte — wenn man Geld hätte — ist ja verständlich. Mit ihnen kann man dann Statistiken aufmachen und von künftigem „Wohlstand“ phantasieren — wobei die Zehntausende, die ihr Elend und ihre Not im engen, kalten Kämmerlein verbergen, ein nebensächlicher, Faktor sind.

Die Kundschaft vom Lande soll begei­stert gewesen sein über die „Unzahl neuer Geschäfte“ und die Vielseitigkeit und Preis­würdigkeit des Mannheimer Einzelhandels.

Was nun die Vielseitigkeit und Qualität be­trifft, so darf dem Mannheimer Einzelhan­ del hierbei eine gewiß absolut geltende Zu­stimmung gemacht werden, das Urteil über die Preiswürdigkeit ist aber relativ und hängt vom Geldbeutel des Urteilenden ab.

Auch der „engstirnigste Parteipolitiker“ wird dem Mannheimer Einzelhandel ein befriedigendes Weihnachtsgeschäft wün­schen, denn er weiß, daß davon die Arbeits­plätze für eine große Anzahl von kleinen Angestellten im nächsten Jahr abhängig sind. Er weiß weiterhin auch, daß die Wohnhausruinen nicht geringer werden, wenn Handel und Wandel darniederliegen. Daß aber hieraus Wohlstand erwächst — Wohlstand für wen? —' und daß „dann auch wieder unsere Ruinen zu Wohnhäusern werden“, das ist eine Behauptung, deren Naivität schon an Vermessenheit grenzt! Läden und sonstige Geschäftsräume sind vor und besonders nach der Währungs­reform in einem solchen Umfang entstan­den und erstehen immer noch, daß man daraus auf einen außerordentlichen Auf­schwung des Handels und auf einen ent­sprechenden Wohlstand schließen muß. Es wird aber niemand behaupten können, daß sich nun auch ein entsprechender Wohl­stand bei den breiten Massen des schaffen­den Volkes gebildet hat. Das Gegenteil ist

der Fall. Und der ununterbrochene Neubau, Wiederherstellungsbau und Erweiterungs­bau von Läden, Warenhäusern und sonsti­gen Geschäftsräumen hat bisher den aus Gründen der „Menschlichkeit und des Chri­stentums“ doch viel wichtigeren Wohnungs­bau für die breite Masse der Minderbemit­telten auch nicht Im allergeringsten be­schleunigt. Man könnte auch hierbei sagen: das Gegenteil ist der Fall!

Das Weihnachtsgeschäft des Mannheimer Einzelhandels ist ganz gewiß von großer wirtschaftlicher Bedeutung und hat auch seine sozialen Auswirkungen, wir dürfen aber über dem Prunk der Schaufensteraus­lagen, den illuminierten Schweinebraten usw., über der Farbigkeit der Lichtreklame und über dem Andrang kauflustiger Mas­sen nicht die weit größere Zahl derer ver­gessen, die im kalten Schatten dieses Glan­zes und vor dem oberflächlichen und von Aeußerlichkeiten geblendeten Blich verbor­gen leben. Diese Mitbürger werden längst an Entbehrungen dahingeschwunden sein, bis der angekündigte Wohlstand auf diesem freiwirtschaftlichen Umweg zu ihnen durch­gedrungen ist. Sie können an diesen kup­fernen, silbernen und goldenen Sonntagen nichts kaufen, weil sie höchstens mit Blech­marken bezahlen könnten! Die unzähligen kleinen Rädchen werden von den großen Rädern nicht mitgenommen.

Schleier über Mannheimer Postraub gelüftet

Affäre Huber am 20. Dezember verhandelt — Informationen des Oberstaatsanwaltes.

Der neuernannte Oberstaatsanwalt am Landgericht Mannheim , von Mühlenfels, gab gestern der Presse über den verwege­nen Postraub am 9. August d. J. in Mann­ heim folgende Informationen:

Wie bereits kurz mitgeteilt, ist es den Strafverfolgungs-Organen in monatelanger Kleinarbeit gelungen, den am 9. August d. J. zum Nachteil der Deutschen Bundespost durchgeführten Straßenraub aufztfklären und die seit drei Monaten in Haft befind­lichen Täter zu überführen, worauf sie nun­mehr Geständnisse abgelegt haben.

Infolge einer Kriegsbekanntschaft beka­men zwei Brüder in der Neckarstadt, die mit dem Strafgesetzbuch schon Bekanntschaft gemacht haben, Informationen darüber, wie die Post den Transport des Geldes zur Lan­deszentralbank durchführt. Sofort reifte in ihnen der Plan, sich auf irgend eine Weise in den Besitz des Geldes zu setzen, um end­lich aus dem „Brand“ herauszukommen. Je­doch fehlte ihnen bei ihrem Verlangen nach dem Gelde der Mut, selbst die Tat au*zu- führen.

So wurde nun im März 1949 der Plan an drei Kriminelle herangetragen, von denen zwei grundsätzlich ihre Zustimmung gaben. Der Plan war bereits bis in die Einzelheiten festgelegt, als die Polizei die beiden als Haupttäter vorgesehenen Personen nach einem zwischenzeitlich durchgeführten Ein­bruchsdiebstahl festnahm.

Erst zwei Monate später wurden drei an sich voll strafmündige, aber noch minder­jährige Burschen für den Plan gewonnen. Bei den Vorbereitungen zeigten die Brüder eine unermüdliche Ausdauer, und ein an ihnen sonst nicht gekannte Geschäftigkeit, wobei den jungen Leuten jedoch stets die schwierigeren Aufgaben zufielen. So mußten sie zur Durchführung des Straßen­raubes am 2. August in der vorhergehenden Nacht einen amerikanischen Pkw entwen­den und dieses Unternehmen in der Nacht vom 8. August erneut durchführen, nach­dem am 2. August die Tat infolge unvorher­gesehener Umstände gescheitert war. Ob­wohl die Durchführung der Tat unter der Regie der Brüder bis in die letzten Einzel-

15000 DM Brandschaden in Feudenheim

Der Polizeibericht meldet:

Alle Hände voll zu tun hatte die Berufs­feuerwehr bei einem Brand in Feudenheim , der dort in einer Scheune äusbräcH und bei dem die Gefahr bestand, daß das Feuer auf die benachbarten Wohnhäuser übergreifen könnte. In der Scheune lagerten hauptsäch­lich Stroh und Heu, das vermutlich durch Selbstentzündung in Brand geriet. Nach zweistündiger Löschtätigkeit war der Brand soweit eingedämmt, daß keinerlei Gefahr mehr bestand. Der Schaden ist mit 15 000 DM außerordentlich hoch. An einem an­grenzenden Wohnhaus, das durch das Feuer stark gefährdet war, entstand bei den Löscharbeiten großer Wasserschaden. Am Brandherd war auch ein Löschzug der ame­ rikanischen Feuerwehr sowie eine Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr in Feudenheim erschienen, die sich sehr tatkräftig am Lö­schen des Brandes beteiligten.

Brand in Neckarau

Nachdem sie den Maschendraht eines Hühnerlaufs in Neckarau durchschnitten hatten, gelangten bis jetzt noch unbekannte Diebe in ein Anwesen in der Friedrichstr. Beim Durchsuchen der dunklen Räume be­nützten die Täter anscheinend ein offenes Licht; denn kurze Zeit später stand der Heuspeicher in hellen Flammen. Wenn auch die Diebe in aller Eile nur einen Hasen mit- nahmen, so verendeten doch infolge des dichten Rauches 5 Hühner, während ein Schwein Brandwunden davontrug und not­geschlachtet werden mußte. Der Brand wurde innerhalb kurzer Zeit gelöscht.

Die einen schossen Hasen ...

Eine richtige Knallerei veranstalteten am Sonntag nachmittag drei amerikanische Soldaten im Waldpark. Sechs Hasen waren bereits zur Strecke gebracht worden, als die sofort verständigte Militärpolizei eintraf und die 3 Soldaten entwaffnete und mit­nahm. Nach Aussagen eines Jagdaufsehers sollen in den letzten Tagen gegen 20 Hasen und einige Fasanen abgeschossen worden sein.

. . . der andere schlag die Scheibe ein

Recht aggressiv wurde ein amerikanischer Soldat in einer Sec kenheimer Wirtschaft ,

Ausbildungsbeihilfe

Das Arbeitsamt Mannheim bittet um Veröffentlichung folgender Notiz:

Für die Ausbildungsbeihilfe aus Mitteln der Soforthilfe kommen männliche und weibliche Lehrlinge und Anlernlinge in Betracht sofern sie Flüchtlinge, Spätheim­kehrer oder politisch Verfolgte sind. Flücht­linge weisen durch einen gültigen Flücht­lingsausweis nach, daß sie antragsberech­tigt sind. Als Spätheimkehrer gelten deut­sche Kriegsgefangene, die nach dem 1. Ja­nuar 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurden und in Württemberg- Baden Wohnsitz begründet oder dauern­den Aufenthalt genommen haben. Politisch Verfolgte müssen sich durch eine Bescheini­gung des öffentlichen Anwalts für die Wiedergutmachung ausweisen können. Bei Jugendlichen unter 18 Jahren ist der An­trag vom gesetzlichen Vertreter zu stel­len. Der Antrag ist beim Arbeitsamt Mann­ heim - Abt. Berufsberatung - Zimmer 114. einzureichen. Vordrucke können beim Arbeitsamt Mannheim , M 3 a, sowie bei den Nebenstellen Weinheim , Hockenheim . Schwetzingen und Ladenburg abgeholt werden. Da die Anträge nach Möglichkeit bereits am 15. Dezember 1949 bei den Lan- desämtem für Soforthilfe vorliegen sol­len, ist größte Eile zu empfehlen.

wo er die Gäste mit einem Messer bedrohte. Zum Abschluß seines Auftretens schljig er noch mit eirf^.^^fjton jliuslsch&g, die Glasscheibe der Wimchaftsfüre ein. Das hätte er lieber nicht getan, denn dabei hat er sich vermutlich die Schlagader am rech­ten Unterarm durchschnitten. Die Militär­polizei verbrachte den Verletzten Heidelberger Krankenhaus.

in ein

Neue Opfer des Verkehrs

Beim Ueberschreiten der Weinhelmer Straße wurde ein 48 Jahre alter Wachmann von einem aus Richtung Viernheim kom­menden Personenkraftwagen erfaßt und so schwer verletzt, daß der Mann zwei Stun­den später im Städtischen Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist.

Beim zweiten Unfall war es ein Radfah­rer, der auf der Mannheimer Straße in Kä­ fertal von einem in Richtung Mannheim fahrenden Personenkraftwagen von hinten angefahren wurde. Der Bedauernswerte er­litt eine Unterschenkelfraktur sowie eine Kopfplatzwunde. Lebensgefahr besteht nicht. Ob der Fahrer des Kraftwagens un­ter Alkoholeinwirkung stand, wird die ent­nommene Blutprobe zeigen.

Versammlung der Heimkehrer Zu unserem gestrigen Hinweis wird uns noch mitgeteilt, daß in der Versammlung der Heimkehrer am 7. Dezember 1949, um 20 Uhr, in der „Landkutsche“ unter ande­rem auch zur Vorlage zu einem Heimkeh­rer-Gesetz Stellung genommen werden soll. Als Redner hierzu ist der 1. Vorsitzende des Zentralverbandes der Heimkehrer, Jung- hans, vorgesehen.

heiten unter allen Beteiligten festgelegt und besprochen worden war, führten am 9. Au­gust nur die drei jungen Menschen aus der Gartenstadt Waldhof die ihnen zu- gedachten Aufgaben vollkommen durch, während die Brüder nur weniger riskante Teilaufgaben erfüllten.

In der amerikanischen , sehr schnell fah­renden Limousine wurde der Postwagen in der Heinrich-Lanz-Straße erwartet und vom Bahnpostamt über den Bahnhofsplatz, den Kaiserring, die Bismarckstraße und die Straße L 10 bis L 12 verfolgt, wo bereits zwei der Täter Aufstellung genommen hat­ten. Nach Schneiden der Fahrbahn war der Postwagen zum Stehen gebracht worden. Verabredungsgemäß traten die beiden war­tenden Täter von links und rechts an den Postwagen heran und öffneten die Wagen­türen des Führerhauses. Unter Bedrohung und Aufforderung der Postbeamten zum Hochnehmen der Hände entriß der links herangetretene Jugendliche den Postbeam­ten den Geldsack, worauf .die Täter ihr Fahrzeug bestiegen und in höchster Ge­schwindigkeit den Tatort verließen, um den Pkw im Käfertaler Waldgelände abzustel­len und die Beute zu teilen.

Ergänzend ist dazu noch mitzuteilen: Am 28. August wurden die fraglichen Brüder aus der Neckarstadt verhaftet, am 11. Sep- .tegiber die jugendlichen Mittäter.,Von der Beute konnten noch ungefähr 40 000 DM in bar sichergestellt werden, an Sachwerten etwas über ein Viertel des Gesamtbetrages von 160 000 DM. Das Geld wurde zum Teil in dem lockeren Boden eines Kellers in der Gartenstadt vergraben aufgefunden, zum anderen Teil in einer Wandluke des Spei­chers. Einer der Täter hatte versucht, sich Papiere für eine Ausreise nach Argentinien zu vers€haffen, als das Schicksal ihn ereilte. *

Fall Huber wird am 20. Dez. verhandelt

Ueber den Fall des Ex-Stadtrates Willi Huber herrschte in Mannheim lange absolu­tes „Schweigen im Walde“. Es wurde zwar geflüstert und geraunt, offiziell aber, von behördlicher Seite, war durchaus nichts in Erfahrung zu bringen. Es ist begreiflich, daß man der gefallenen Größe der CDU und der Europa-Union diesen Tribut glaubte zollen zu müssen. Nun trat die Staatsanwaltschaft nach wiederholtem Drängen aus ihrer Reserve heraus und er­klärte, daß Willi Huber am 20. Dezember vor seinem Richter stehen wird. Auch ein Finanz-Inspektor, inzwischen aus dem Dienst entlassen, wird ihm wegen Beihilfe auf der Anklagebank Gesellschaft leisten müssen.

Die Haupttäter in dieser Schieberaffäre, die sich Hubers bedienten, um zollpflichtige Waren, als Liebesgaben deklariert, nach Deutschland zu schmuggeln, sind allerdings noch frei. Einer derselben, der der deut­ schen Gerichtsbarkeit nicht untersteht, wird sich im Laufe des Januar vor dem amerika - nischen Militärgericht zu verantworten haben.

30-jähriges Jubiläum der Kleingärtner

Großveranstaltung im Volkshaus Neckarau

Im überfüllten großen Saale des Volks­hauses Neckarau fand in würdigem Rah­men das 30jährige Jubiläumsfest der Be­zirksgruppe der Kleingärtner und Siedler Mannheims statt. Herr Knapp, der Vorsit­zende der Bezirksgruppe Mannheim konnte in seiner Begrüßungsrede feststellen, daß trotz der vielen Schwierigkeiten die Be­zirksgruppe eine rege Tätigkeit entfaltete und heute bereits über 10 000 Mitglieder zählt. Namens des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung beglückwünschte Bei­geordneter Riedel die Kleingärtner. Er be­tonte die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und dem Kleingärtner- und Siedlerverein. Starken Beifall fand er bei seinen Ausführungen, daß die Secken­heimer bald Gelände bekommen und die Stadtverwaltung bemüht sei, Daueranlagen als Jubiläumsgeschenk zu schaffen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Festrede des Landesbundvorsitzenden Beck. Unter Würdigung der vorbildlichen Arbeit der Bezirksgruppe Mannheim und des Dankes an die Stadtverwaltung für ihre Unterstützung, zeigte er die noch bestehen­den Schwierigkeiten und das Unverständ­nis eines Großteils der Verwaltungsbüro- kratie*gegenüber den Kleingärtnern auf. Er forderte, daß der Staat Mittel für die Über­windung der durch den Krieg entstandenen Schäden zur Verfügung stellt. Ausführlich schilderte der Redner den erzieherischen Wert des Kleingartens. Wenn es nach den Kleingärtnern ginge, würden es heute keine Besatzungsmächte geben. Als Anerkennung

für die vorbildliche Arbeit wurden der Be­zirksgruppe 2 Vorführungsapparate vom Bund gestiftet. Der Vertreter des Landwirt­schaftsministeriums, Dr. Klett, führte aus, daß die Mannheimer Kleingärtner auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes bzw. der Schädlingsbekämpfung alles im Land über­troffen hätten. Die Bezirksgruppen Karls­ ruhe und Heidelberg waren durch Delega­tionen vertreten.

Unserer, schon in der zur Erinnerung herausgegebenen Festschrift zugesagten Unterstützung dürfen die Kleingärtner auch in dej- Zukunft gewiß sein.

Im weiteren Verlauf des Jubiläumsfestes sorgte ein buntes Programm für angenehme Unterhaltung. Zu Lachsalven riß immer wieder „Onkel Ludwig“ und „Tante Binche“ hin, ebenso der verwegen fahrende Kunst­radfahrer mit seinen Spässen. Große Ge­genliebe fanden 3 Tänze von Ballettschüle­rinnen des Nationaltheaters. Nicht zu ver­gessen die Kapell Wahl, die mit ihrer Blech­musik viel zur nötigen Stimmung beitrug. Eine reichhaltige Tombola ohne Nieten ließ ieden auf seine Kosten kommen. Unter 'eucht-fröhlicher Stimmung wurde gefeiert bis in die Morgenstunden. hena.

„Unser Tag“ — täglich

Freibnrg (lwb). Die Zeitung „Unser Tag“, das Organ der KPD Südbadens, wird 1. Januar 1950 an täglich erscheinen.

vom

Die unter dieser Rubrik veröffentlichten Ein­sendungen unserer Leser decken sich nicht in Jedem Falle mit der Auffassung der Redaktion.

Was ich selber denk und tu

Es ist zu einer notorischen Gepflogenheit der westlich orientierten Presse geworden, Zerfallserscheinungen in den „paradiesi­schen“ Gefilden des Westens immer im Zu­sammenhang mit der Sowjetunion zu be­handeln und zwar dergestalt, daß beim Le­ser der Eindruck erweckt wird, in der ka­ pitalistischen Welt des Westens seien die Verhältnisse immerhin noch erträglicher als in der sozialistischen Sowjetunion . Die angestellten Vergleiche lassen nicht nur die tatsächlichen Verhältnisse in der SU außer Acht, sondern sind meistens geradezu idio­tische Erfindungen. Zu diesen Schmutz­artikeln zählen auch die Schreibereien eines gewissen U. B. im „Mannheimer Morgen“. U. B. stellt fest, daß sich „das lawinen­artige Anwachsen der jährlichen Eheschei­dungsziffern in den Ländern des Westens zu einem Problem erster Ordnung ent­wickelt“ hat.

Dieser merkwürdige U. B. fragt nicht nach den Ursachen dieser Zerfallserschei­nung der bürgerlichen Gesellschaft. Mög­lich, daß ihn dabei eine dunkle Ahnung be­schleicht, daß auch hierin der Niedergang der bürgerlichen Ordnung zum Ausdruck kommt. Aber das darf er natürlich nicht aussprechen. Erfahren hat er nur, daß in der Sowjetunion Ehescheidungslawinen nicht zu entdecken sind. Das ist natürlich für einen Vertreter einer sterbenden Welt­ordnung eine Gemeinheit..Und was liegt in solch einem Falle näher, als die Ursache zu einer ganz und gar nicht in das bürgerliche Konzept passenden Erscheinung in einer von Staats wegen verordneten Unauflös­lichkeit der Ehe zu suchen. Man müßte ja sonst zugeben, wie die Beständigkeit der Sowj&ehe ihre Wurzeln in der aufstreben­den sozialistischen Gesellschaftsordnung hat. Die wirtschaftlich und gesellschaftlich begründete Moral der Sowjetehe steht berghoch über derjenigen der bürger­lichen Ehe und bedarf infolgedessen keines staatlichen Eingriffes in bezug auf ihre Dauerhaftigkeit.

Nehmen wir an, U. B. kann diesen Zu­sammenhang nicht fassen. Aber dicke Lü­gen tischt er auf, wenn er bei Lenin ge­lesen haben will, die körperliche Vereini­gung von Mann und Frau stelle nichts wei­ter dar als eine notwendige Funktion, wie etwa die Nahrungsaufnahme. Wenn U. B. wissen will, in welchem Teile der Welt den Beziehungen zwischen den Geschlechtern ein so beschriebener Charakter beigemes­sen wird, so braucht er sich nur den be­kannten Zeitschriftenschmutz im Westen Deutschlands anzusehen. Das sogenannte Lenin -Zitat erinnert mich an eine vor 1933 verbreitete Nazi-Broschüre, in der bei einer Schilderung russischen Frauenlebens er­klärt wurde, das Wort Genossin heiße in richtiger Uebersetzung Geschlechtstier. Ein solcher Uebersetzgjr ist. eben auch Herr U. B. (oder auch eine Sie?) vom .Mann­heimer Morgen“). H. St., Mannheim

Und dafür 3000 englische Pfund

In welch eine Gesellschaft der Deutsche Gewerkschaftsbund durch den Beitritt Böck- lers zu der in London neugegründeten Inter­nationalen Gewerkschaftsspalterorganisation geraten ist, ist- noch nicht allen Kollegen be­wußt geworden. Der wahre Zweck dieses Zu­sammenschlusses ist die Bildung einer den Weltmonopolen hörigen Organisation unter Führung der dafür bekannten amerikanischen Gewerkschaft A.F.O.L. Diese Gewerkschaft sieht ihre Hauptaufgabe nicht in der Bekämp­fung der kapitalistischen Ausbeutung, sondern der Unterstützung der Pläne des amerikani­ schen Monopolkapitals. Dazu gehört natürlich auch die Unterdrückung des Sozialismus und Kommunismus, wie jeder freiheitlichen Be­wegung überhaupt. Einen Beitrag zu diesem Thema liefert z. B. die sozialdemokratische Mannheimer „AZ“ vom 29. November 1949.

In einem Artikel „Um den Taft-Hartley- Akt“ heißt es:

... „Als der Taft-Hartley-Akt Gesetz wurde, hatte sich eine Anzahl Gewerkschaf­ten geweigert, die im Gesetz vorgesehenen eidesstattlichen Versicherungen ihrer Funk­tionale abzugeben, da sie keine Kommuni­sten seien. Aber der Kampf gegen die Kom­munisten hat sich so verschärft, daß die Abgaben dieser Erklärungen nicht nur er­folgt ist, sondern sie wurden sozusagen zu einem Vergnügen.“

Wie gesagt, solche Gewerkschaften wün­schen sich die amerikanischen Monopolisten auch in ihrer jüngsten Kolonie Westdeutsch­land. Mit dem „Kanzler der Alliierten“ für das Ruhrstatut und die Ausplünderung der deutschen Wirtschaft und Hilfsorganisation im Kampf gegen den Kommunismus. Nicht wahr, es wird Zeit, daß die Gewerkschafts­mitglieder sich aktiver als bisher bestimmend in die Politik der Gewerkschaften West­deutschlands einschalten. J.A.,Mannheim

25 Jahre „Endspurt“

Im Rahmen einer kleinen Feier beging der RRC „Endspurt“ sein 25jähriges Jubi­läum. 1924 wurde der Verein, der den Rad­rennsport pflegt, gegründet.Trotz der Rück­schläge, die der Krieg begreiflicherweise hervorgerufen hat, kann dieser Verein heute wieder mit sehr beachtlichen Leistun­gen aufwarten. Es war ihm möglich, in den letzten Jahren mehrere Meisterschaften zu erringen.

Bei der Jubiläumsfeier wurden langjäh­rige Mitglieder durch Ueberreichung eines Diploms und einer Ehrennadel geehrt. Im­merhin waren es noch etwa ein Dutzend Radsportler, die diese Ehrung für sich in Anspruch nehmen konnten. Dazu kamen eine ganze Reihe von Mitgliedern, die auf ihre 20jährige Zugehörigkeit zum Verein zurückblicken können.

Die Feier, welche im Lokal „Feldschlöß­chen“ am 3. Dezember 1949 durchgeführt wurde, nahm einen würdigen Verlauf. Die Tanzkapelle Karl Bopp sorgte für die nötige Stimmung.

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