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Mittwoch, 11. Januar 1950

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Sind Volksschüler unwürdig, Meisterwerke zu hören?

Um den Sitz des Bundesgerichtes

Unverständliche Ablehnung des Karlsruher Stadtschnlamtes

Karlsruhe. Am Freitag besichtigte Bundes­justizminister Dr. Dehler, die für die Unter­bringung des Bundesgerichtes von der Stadt­verwaltung in Vorschlag gebrachten Gebäude. Es handelt sich dabei um das frühere Großher­zogliche Palais, die frühere Landeshauptkasse, das Finanzministerium und das alte Rathaus.

Neben Karlsruhe bemühen sieh bereits Köln , Berlin , Kassel , Hamburg , Frankfurt und Wiesbaden um das Projekt.

Die „Atmosphäre“ der Stadt Karlsruhe be- zeichnete Dr. Dehler als sehr günstig. Den Aufwand an Personal bezifferte er mit 120 Angestellten und Beamten, darunter 50 Rich­ter.

Da das Bundesgericht bereits bis zum April d. J. seine Tätigkeit aufnehmen soll, muß der Entscheid über den künftigen Sitz in nächster Zeit erfolgen. In der Zwischenzeit wird sich der „run“ der verschiedenen Stadtverwaltun­gen um das begehrte Objekt noch verschär­fen. Wer beim Endspurt schließlich den län­geren Atem oder „oben“ den längeren Arm haben wird, bleibt noch abzuwarten. -ä-

Aus tierghauseti

In seiner 48. und zugleich letzten Sitzung für 1949 stellte der Gemeinderat eine neue Satzung über das Bekanntmachungswesen auf, di© ab 1. Januar 1950 in Kraft tritt. Danach werden alle amtlichen und privaten Bekannt­machungen in 14, an verschiedenem Ortsteilen angebrachten Aushängekasten veröffentlicht. Das Ausschellen durch den Ratsdiener erfolgt nur noch’ in besonders." dringenden Fällen.

Der frühere Dorfbabier, Carl Gröhbühl, hat .nach Vollendung seines 81. Lebensjahres dem Dienst als Leichenschauer niedergelegt. Dieses Amt bekleidete er ununterbrochen 51 Jahre lang. Als sein Nachfolger übernimmt der Friedhofwärter, Wilhelm Sambel, ab 1. 1.1950 diesen Dienst.

Der Bürgermeister sprach zum Schluß der Sitzung allen Gemeinderäten den Dank aus für ihre aufopfernde Mitarbeit im vergangenen und die Hoffnung auf eine gute und erfolg­reiche Arbeit im neuen Jahr.

Bilanz des Friedensgerichtes Linkenheim. Seit dem 8. Juli 1949, dem Zeitpunkt der Aufnahme seiner Tätigkeit, wurden vor dem Friedensgericht folgende Fälle bearbeitet und entschieden: 57 Verkehrs- Übertretungen, 3 Jugendschutzsachen, 9 Nicht­besitz (Fälle) gültiger Personalausweise, 5 Forst- und Felddiebstahle, 8 sonstige Verfeh­lungen, 4 Zivilsachen.

Auf Grund der zahlreichen Verkehrsüber­tretungen beabsichtigt der Gemeinderat im Ortsblatt unter dem Motto: „Was viele nicht wissen — oder nicht wissen wollen" eine Auf­klärungskampagne zu starten.

Wasser statt Benzin gekauft Schwäbisch Hall (hvb). Dieser Tage wollte ein Autofahrer an einer Haller Tankstelle Benzin kaufen. Da sich nach längerem Läutein niemand meldete, war der Autofahrer schnell bereit, einem jungen Mann einen Kanister Benzin abzukaufen, den dieser ihm ohne Mar­ken anbot. Unterwegs mußte der Fahrer zu seinem Entsetzen feststellen, daß er Wasser statt Benzin gekauft hatte.

Veranstaltungen der KPD Karlsruhe

— Veranstaltungen der KPD Karlsruhe Innenstadt-West. Am Freitag, dem 13. Januar 1950, um 20 Uhr, im Parteibüro Jahres­hauptversammlung.

Südstadt. Am Freitag, den 13. Januar 1950, um 20 Uhr, im „Auerhahn“ Jahreshauptver­sammlung.

Karlsruhe . Es ist zwar schon eine beträcht­lich© Zeit her, daß von seiten der Orchester- leitung der badischen Konzertkapelle Karls­ ruhe beim Kultusministerium der Antrag ein­gereicht wurde, durch eine Konzertreihe der Karlsruher Schuljugend eine Einführung in die Werke großer europäischer Komponisten zu vermitteln.

Inzwischen sind acht Monate verflossen, bis die hob© Ministerialbürokratie endlich ihre Ge­nehmigung erteilte. Ganz ohne Einwendungen ging das natürlich nicht. So würden von den neun in Vorschlag gebrachten Konzerten ledig­lich sechs genehmigt. Außerdem waren noch einige andere Bedenken zu überwinden.

Di© Kürzung der vorgesehenen Konzerte er­scheint uns um so unverständlicher, als mau zwar immer von allerhöchster Stelle sein Be­dauern über die geistige Verwahrlosung der Jugend kundtut, andererseits aber jegliche Initiative durch solche bürokratischen Amts- schimmeieiem hemmt. Während die Teilnahme der höheren Schulen (von der- Untertertia ab) an dem Konzertzyklus zugesagt wurde, ist dies© für da© siebte und achte Klasse der Volksschulen, nicht gestattet worden.

Diese Entscheidung traf das Stadtschulamt Karlsruhe mit der mehr ais merkwürdigem Begründung, daß diesen Schülern di© notwen­dige „sittliche Reife“ fehle. Wozu auch die Allgemeinbildung der Volksschüler erhöhen, dachte vermutlich das Stadtschulamt, als es sich zü dieser Entscheidung entschloß.

Wir sind der Meinung, daß eine Einführung in die Kunst der Musik, wie auch in alle an­deren Künste zumindest vom .zwölften Le­bensjahr ab gerechtfertigt erscheint. Somit hätte bei den höheren Schulen ab Quarta und bei den Volksschulen von der siebten Klasse ab di© Teilnahme an den Konzerten genehmigt werden können. Daß dies nicht geschehen ist, beweist, wie wenig man in den Schulämtern und Behörden vom nun einmal ausgetretenen Pfad abzuweiehen gewillt ist, denn in alten Bahnen läßt sichs bekanntlich gut wandeln. Neue Wege zu gehen, erfordert Lösung von starren Gewohnheiten, und das ist bekanntlich für Menschen, die dem allgemeinen Trägheits­gesetz unterworfen sind, ein Greuel.

Schullandheim geplant

Karlsruhe . Wie wir erfahren, wurde vom Karlsruher Stadtschulrat die Errichtuug eines Schul-Landheimes in Herrenalb vorgeschlagen, das der Mittelstufe aller Karlsruher Volks­schulen zur Verfügung stehen soll. Den El­tern wird Gelegenheit gegeben, ihre Kinder an Samstagen dort zu besuchen.

Zweck der Einrichtung ist, dem Heimat­kunde-Unterricht eine anschauliche Grundlage 39.SSl>S®k,<Ü!B Ba??iderJ>emifctelte Teil unse­rer Stadtkinder sonst entbehren muß, ganz ab­gesehen von den gesundheitlichem Vorteilen eines Schwarzwaldaufenthaltes.

Mehrere Bauräte haben für die Durchfüh­rung dieses Unternehmens ihre kostenlose

Schwein gehabt

Neckarge'münd. Der mit Ausbesserungsar- beiten auf dem Dache eines dreistöckigen Wohnhauses beschäftigte Installateur Robert Hoffmann rutschte plötzlich auf den mit Reif belegten Ziegeln aus und stürzte etwa 12 m in die Tiefe, Ein Seil, das unten im Garten des Hauses gespannt war, hemmte jedoch seinen Fall. Der Verunglückte wurde dadurch in eine andere Richtung geschleudert und fiel auf wei­chen Gartenboden. Er brach sich lediglich einen Arm und erlitt leichte Schürfungen am Kopfe. Ohne das rettende Seil wäre er unmit­telbar auf einen Stapel Balken gestürzt und völlig zerschmettert worden.

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Hilfe zugesagt. Die bisher aufgestellten Be­rechnungen schätzen den nötigen Aufwand für dieses Projekt auf 120—150000 DM ein.

Letztem Endes hängt die Verwirklichung dieses Gedankens vom Interesse der Eltern­schaft ab, da die Mittel aus Spenden der Karls­ ruher Bevölkerung beschafft werden sollen.

Wir hoffen aber, daß auch die Stadtverwal­tung hierbei ihre soziale Einstellung unter Be­weis stellt.

F ortbildungskurse der Karlsruher Volkshochschule

Anmeldungen für das 1. Trimester 1950 vom 9. bis 14. Januar im Gebäude der Goethe­schule, Renckstraße 2, Zimmer 9, von 11—13 Uhr und 15—18 Uhr. Der genaue Lehrplan liegt dort aus. Das Trimester beginnt am 16. Januar 1950 und läuft über 10 Wochen bis zum 24. März 1950.

Folgende Kurse sind vorgesehen: Staats- künde, Bürgerliches Recht, Sozialethik, Volks­wirtschaft, Sozialfürsorge, Kunstgeschichte,

Literarische Kulturkunde, Gutes Deutsch , Ge­dächtnisschulung, Englisch , Französisch, Ita­lienisch, Algebra, Mathematik, Physik, Che­mie, Länderkunde, Handelsrecht, Betriebswirt­schaftslehre, Steuerkunde, Kaufmännisches Rechnen, Buchführung, Verkaufsschulung,Pla­katschrift, Stenographie, Zeichnen und Aqua­rellieren, technisches Zeichnen und ein Volks­liederkreis.

Die Gebühr beträgt bei den meisten Kursen 0,50 DM für eine Doppelstunde. Begabten Be­rufstätigen gibt die Abendoberschule die Mög­lichkeit zur Vorbereitung auf die Reifeprü­fung.

Hochschnlnachrichten ausKarisruhe

Karlsruhe (lwb). Der Präsident des Landes­bezirks Baden ernannte Dr. Ing. Walter Barth unter Zuweisung zur Fakultät für Maschinen­wesen zum Honorarprofessor an der Techni­schen Hochschule Karlsruhe. Dr. Barth ver­tritt das Lebrgebiet Strömungslehre und Ma­schinenzeichnen.

MordalfaireDr. Marum vor der Spruchkammer

10 und 5 Jahre Arbeitslager für die Hauptangeklagten

Karlsruhe . Wegen Beteiligung an der Er­mordung des ehemaligen Staatsrats und Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Marum reihte di© Zentralsprüchkammer Nordbaden in Karlsruhe am Samstag Karl Sauer mit 10 Jahren Arbeitslager und Einzug des Vermö­gens sowie Heinrich Stix mit 5 Jahren Ar­beitslager und Einzug des Vermögens in di© Gruppe der Hauptschuldigen ein. Das Verfah­ren gegen Otto Weschenfelder, der ebenfalls wegen Beihilfe an der Ermordung Dr. Marums vor der Zentralspruchkammer stand, wurde abgetrennt und auf einen späteren Termin festgelegt.

Von den drei Betroffenen waren im Jahre 1948 wegen des gleichen Delikts Sauer bereits zu lebenslänglichem Zuchthaus, Stix zu drei Jahren und Weschenfelder zu 15 Monaten Zuchthaus von der Strafkammer Karlsruhe verurteilt worden.

Dr. Ludwig Marum wurde in der Nacht zum 19. April 1933 in der damaligen Strafanstalt Kislau in seiner Zelle ermordet. An der Er­mordung nahmen Sauer und Stix direkt teil, während Weschenfelder sich auf der Wache aufhielt.

Wie wir hierzu ergänzend erfahren, hat nach Aussagen des Klägers, Karl Sauer den Mord geplant und sorgfältig vorbereitet und hierauf mit Stix dessen Ausführung bis ins

einzelne durcbgesprochen. Stix übernahm wäh­rend der Tat di© Rolle des Aufpassers. We­schenfelder, so erklärte der Staatsanwalt, sei ebenfalls wegen Beihilfe zum Mord zur Ver­antwortung zu ziehen. Der ebenfalls als Mit­täter in Frage kommende Paul Heupel war lediglich als Zeuge anwesend, da sein Ent­nazifizierungsverfahren noch nicht abgeschlos­sen wurde.

Als „einen charakterlich einwandfreien Kameraden“ bezeichnet© ein Entlastungszeuge den Hauptangeklagten, ebenso betonte ein ehemaliger Insasse des Lagers Kislau, daß Sauer das Los der Lagerhäftlinge nach Kräf­ten erleichtert habe. Der Verteidiger Sauers, ein Kriegskamerad des Angeklagten, sprach sich ebenfalls in diesem Sinne aus. Insbeson­dere forderte dieser für seinen Mandanten! eine Beschränkung der Rechtsprechung auf jene Punkte, aus denen klar hervorgehe, daß Sauer den Nationalsozialismus gefördert und ihm Beistand geleistet habe.

Heinrich Stiix, der sich selbst verteidigte, erklärte, es sei ihm unmöglich gewesen, an­ders zu handeln, als er es getan habe. Der Verteidiger Otto Weschenfelders, bezeichnet© die Tat der Angeklagten als hinreichend durch das verhängte Strafmaß gesühnt. Er forderte daher die Abtrennung des Falles Weschenfel­der vom Hauptverfahren.

Angeblich gute Verbindung zum Pfandhaus

Heidelberger Garderobedieb könnte Kleiderladen eröffnen

Heidelberg . Mit der Festnahme des langge­suchten Garderobendiebes Hans Meixner hat di© Heidelberger Kriminalpolraei einen ausge­zeichneten Fang gemacht. Es kostete die Be­amten erhebliche Zeit, all die Mäntel, Anzüge und sonstige Kleidungsstücke zu sortieren, die Meixner gestohlen und in Landau sicherge­stellt hatte. Neben diesem „Kleiderladen“, der sich im Polizeirevier auftürmtc, sah man eine Unzahl verlockender Schnapsflaschen, eine Schreibmaschine, drei Radies und verschie­dene Uhren, die alle in Heidelberg gestohlen waren und nunmehr ihren Besitze™ zurück- gegeben werden können.

Der größte Teil des Diebesgutes dürfte da­mit sichergestellt sein. Der mit mehreren Vorstrafen behaftete Kleiderdieb leugnet nach wie vor. Die Heidelberger Kriminalpolizei

hofft jedoch binnen kurzem auch den Rest der Diebesbeute wieder zurückgeben zu können. Einen Teil seiner Beute hatte Meixner schon weiterverkauft. Seine Kunden hatte er mit der Erklärung zu beschwichtigen versucht, er habe gute Beziehungen zum Heidelberger Pfandhaus und könne dort sehr günstig ein- kaufen.

Neben der Festnahme des Gardecobendic- bes ist es der Heidelberger Kriminalpolizei außerdem gelungen, einen Automarder zu ver­haften, der sich insbesondere darauf speziali­siert hatte, durch Demolieren der Wagen­schlösser und Aufschneiden der Verdecks in parkende Autos einzubrechcn. Obwohl auch bei ihm ein großer Teil des gestohlenen Gutes in seiner Wohnung sichergestellt werden konnte, wies er ebenfalls alle Anschuldigun­gen von sich.

Nächste öffentliche Stadtratssitzung

Heidelberg . Am Donnerstag, den 12. Januar 1950, findet um 17 Uhr, im Saal des „Prinz Carl“ eine Sitzung des Heidelberger Stadtrates statt. Auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung stehen folgende Punkte: 1. Nachtrags­haushalt 1949, 2. Uebernahmc der Ausfall­haftung durch die Stadtverwaltung Heidelberg für das Darlehen der Bad. Landeskreditanstalt für Wohnungsbau Heidelberg , an Bauhütte Heidelberg , Gern. Wohnungs- und Siedlungsge- nossenschaft eGmbH., Heidelberg , Heiliggc-ist- straßc 17, 3. Beteiligung der Stadt bei der Großmarktgesellschaft Heidelberg eGmbH., 4. Ergänzung des Schulausschusses, Verwaltungs­ausschusses und des Wohlfahrtsausschusses (für Dr. Kaufmann-Bühler), 5. Allmende in Wieblingen und Kirchheim , 6. Bericht über das amerikanische Wohnungsbauprogramm, 7. Bericht über die Lage der Städtischen Bühnen.

Universitäts -Nachrichten

Heidelberg . Dem wissenschaftlichen Assi­stenten an der psychiatrische^ und neurolo­gischen Klinik, Privatdozent Dr. Carl-Friedrich! Wendt , und dem wissenschaftlichen Assisten­ten an der Ludolf-Krehl -Klinik, Privatdozent Dr. Peter Friedrich Büchmann, wird für die Dauer der Zugehörigkeit zum Lehrkörper der Universität Heidelberg die Amtsbezeichnung außerplanmäßiger Professor verliehen.

Th. Th. Heine-Gedächtnisausstellung eröffnet Heidelberg (lwb). Im kurpfälzischen Mu­seum in Heidelberg wurde am Sonntag eine Gedächtnisausstellung des bekannten Zeich­ners Thomas Theodor Heine eröffnet. Th. Th , Heine, der besonders durch seine Zeichnun­gen im „Simplizissimus “ bekannt geworden ist, verstarb 1948 kurz nach Vollendung seines 80. Lebensjahres in Stockholm . Die Ausstel­lung gibt mit mehr als 200 Zeichnungen und einigen Oelbildem einen umfassenden Ueber- blick über das Lebenswerk des Künstlers.

Mozart-Abend

Heidelberg . Im Rahmen des dies aeädemieud veranstaltet das Kulturreferat im ASTA der Universität Heidelberg am 12. Januar um 20 Uhr einen Musikabend mit Liedern, Arien und Motetten von Mozart . Es singt Ursula Krieg , am Flügel begleitet von Werner Wolz. Unko­stenbeitrag 0,80 DM, für Studenten 0,20 DM,

Rattenbekämpfungswoctae Heidelberg. In der Zeit zwischen dem 9. und 14. Januar soll in Heidelberg eine Ratten^ bekämpfungsaktion durchgeführt werden. Die Stadtverwaltung ruft dazu die Bevölkerung und vor allem die Hausbesitzer auf, diese Ak­tion gründlich durchzuführen. Von seiten der 'Abteilung Landwirtschaft werden Kontrollen über die sachgemäße Durchführung der Ah? tion vorgenommen, wozu die Haushaltungen als Beleg die Quittungen über erhaltene Rat­tenvertilgungsmittel vorzulegen haben. Es liegt im Interesse aller Hausbesitzer, bei den Drogerien und Apotheken rechtzeitig die Be­kämpfungsmittel anzufordern.

Veranstaltungen der KPD Mosbach Mosbach . Am Freitag, den 13. Januar 1950, um 19.30 Uhr, im Lokal „Odenwald “ öffent­liche Versammlung. Es,spricht der frühere Arbeitsminister Rudolf Kohl. Neckargerach . Am Freitag, den 13. Januar 1950, um 19.30 Uhr, im „Grünen Baum“, öffentliche Versammlung. Es spricht Erwin Holzwarth (Mitglied des Landesvorstandes). Obrigheim . Am Freitag, den 13. Januar 1950, um 19.30 Uhr, im „Anker“ öffentliche Ver­sammlung. Es spricht Karl Weber (Mitglied des Landesvorstandes).

JACQUES ROUMAIN

VERLAG VOLK UND WELT BERLIN

14. Fortsetzung

Ein rascher, weicher Lufthauch ließ ihn aufsehen zu einem vorbeifliegenden Schwarm Holztauben. Er verfolgte ihren Zug, bis sie verstreut auf der nächsten Höhe einfielen.

Plötzlich wurde er von einem Gedanken gepackt, der. ihn auf fahren ließ: „Holztauben brauchen Wasser. Caramba, wenn das ein Zeichen des Himmels wäre...?“ Er lief bei­nahe den Berg herunter. Das Herz klopfte ihm in schweren Schlägen. Was fällt dir eigentlich ein, Manuel? fragte er sich. Man könnte meinen, du gingest das erstemal zu einem Mädchen. Dein Blut kocht ja. Eine sonderbare Angst schnürte ihm die Kehle zu. Ich habe Furcht, daß es wieder ein Irr­tum und eine Enttäuschung wird wie bisher noch immer, und ich fühle, wenn ich diesmal nichts finde, werde ich den Mut verlieren. Ich werde mir wohl sagen: nun gut, dann eben nicht. Nein, das ist nicht möglich. Kann man die Erde verlassen, kann man ihr den Rücken kehren, kann man sich von ihr trennen, ohne damit das Recht zum Leben zu verlieren — und den Gebrauch seiner Hände — und die Freude am Leben? Doch, er würde wieder anfangen zu suchen, er wußte es genau, das war seine Sendung und seine Pflicht. Die Bauern von Fonds Rouge, diese Dickschädel diese cabezes aus Stein, mußten Wasser ha­ben, um die brüderliche Freundschaft wie­derzufinden, um das Leben wieder zu dem zu machen, was es sein soll: eine gutwillige Hilfsbereitschaft unter Menschen, die gleich sind aus Notwendigkeit und Schicksal.

Er überquerte die Ebene, er ging schnell, er hatte Eile, er war ungeduldig, und es schien ihm, daß sein Blut sich staute und aus­gepreßt werden sollte durch das dumpfe Pochen in der Tiefe seiner Brust.

> Dort hinten sind die Tauben eingefallen. Ein dichtbewachsener Berg, sogar , Maha­

goni wächst dort, und das graue Laub, das in der Sonne ganz silbern aussieht, ich täusche mich nicht, das sind Trompeten­bäume, und Gummibäume fehlen natürlich auch nicht, aber von welcher Seite könnte ich eindringen?

Sein Ohr leitete ihn mehr als sein Auge. Bei jedem Schritt, für den er sich in dem Flechtwerk von Bäumen und Schlingpflanzen mit dem Buschmesser erst Bahn schaffen mußte, erwartete er, das erschreckte Auf­fliegen der Tauben zu hören.

Er hieb seinen Weg quer durch, in das dich­teste Dickicht hinein. Schon früher hatte er diese Stelle bemerkt, diese düstere Anhäu­fung, wo die Bäume sich zusammenballten zu einer dunklen Masse im grellen Licht

Ein steiler Absturz öffnete sich vor ihm. Er stieg ihn hinab, sich an den Sträuchem fest­haltend. Die unter ihm abrollenden Steine verursachten sofort ein lautes Flügelschlagen, die Tauben hatten sich von den Zweigen er­hoben, und durch die Lücken im Blätterwerk sah er, wie sie sich in alle Winde zerstreuten.

Sie waren weiter oben; es saßen welche auf dem verfluchten Feigenbaum dort.

Manuel befand sich in einem schmalen Gang, der noch mehr eingeengt wurde durch die Lianen, die in dichten Büscheln von den Bäumen herabhingen. Ein feuchter Hauch strömte hindurch, daher kam es wohl, daß die wirren Schlingpflanzen so stark und dicht wuchsen. Er stieg zu dem Feigenbaum hin­auf; um ihn war tiefes Schweigen, er trat in ein grünes Halbdunkel ein, und sein letzter Messerhieb öffnete ihm ein felsumschlosse­nes Plateau, über dem sich die mächtigen Formen des Feigenbaumes erhoben. Die von hängendem Moos bedeckten Aepte überdach­ten den Boden mit ehrwürdigem Schatten, und seine ungeheuren Wurzeln streckten be­sitzergreifende Hände über das Geheimnis dieses Erdwinkels.

Manuel blieb stehen; er traute kaum seinen Augen, und seine Knie begannen zu zittern. Das kam, als er Malangas sah; er berührte eines ihrer glatten, wie übereisten Blätter, — und die Malangas sind Pflanzen, die in Gemeinschaft mit Wasser Vorkommen.

Er schlug das Messer in den Boden, er wühlte in heftiger Aufregung weiter, und das Loch war noch nicht einmal sehr tief und breit, als in der kreideweißen Erde das Was­ser schon anfing aufzusteigen.

Dann versuchte er es ein Stück weiter, er stürzte sich auf die Malangas, er riß sie büschelweise ab, er kratzte sie mit den Nä­geln aus dem Boden; jedesmal gab es ein Sprudeln, das sich zu einer kleinen Pfütze ausdehnte und ein helles Auge bildete, sobald es zum Stehen kam.

Manuel warf sich bei der Quelle auf die Erde. Er schmiegte sich an sie.

„Sie ist da, die Liebe, die Gütige, die Strö­mende, die Singende, die Kühlende, die Seg­nende, die Lebenspenderin.“

Er küßte die Erde, und er lachte.

IX

Hast du auf unseren Manuel geachtet?

Seit zwei Tagen ist es, als ob er in einen Ameisenhaufen gefallen wäre. Er ist hier, er ist da, aber niemals auf der gleichen Stelle. Er geht auf die Landstraße, er sitzt vor dem Hause, er steht wieder auf. Du rufst ihn an, er scheint aus einem Traum aufzuwachen: ja. was ist, fragt er, aber du merkst, er hat dir gar nicht zugehört. In der Nacht höre ich, wie er sich im Bett herumwälzt, er sucht den Schlaf und findet keinen. Heute, am frühen Morgen habe ich gehört, wie er ganz für sich allein lachte, als er sich hinter dem Hause wusch. Ist etwa sein Geist verwirrt? Bien- aime, mein Alter, antworte mir doch, Bien- aime.“

„Was soll ich dazu sagen“, antwortete der Alte übelgelaunt Manuel ist eben ein leb­hafter Mensch, ein beweglicher Mensch; es gibt Leute, die sind langsam von Natür.und andere sind rasch wie der Blitz. Was soll da­ran merkwürdig oder beunruhigend sein? Du möchtest, daß er immer in deinen Rock­falten steckt wie ein kleiner Junge, und daß er zu dir sagt: Mama, ich hab dies — und; Mama, ich hab das, — als wenn er nicht groß geworden wäre, als wenn er nicht ein ausge­wachsener Mann wäre, mit eigener Vernunft und eigenem Urteil. Also laß ihm doch seine Freiheit; die jungen Füllen müssen über die Savanne galoppieren können. Gib mir ein Stück Kohle, damit ich meine Pfeife anzün­den kann.

Hast du dich nicht gestern darüber aufge­halten, daß er immer unterwegs ist?“

„Ich? Wann denn?“ Der Alte tat erstaunt. „Suchst du Streit mit mir, Delira?“

„Und der Spaten, den er gestern in der Stadt gekauft hat, willst du mir mal sagen, wozu er den braucht, und warum er diesen

Morgen mit ihm in die Berge gegangen ist, und warum, als er nach Hause kam, eine ganz weiße Erde daran klebte, wie sie hier herum gar nicht vorkommt?“

„Aber wie soll ich dir denn auf all diese Warums antworten? Frag mich doch mal nach dem Grund, weshalb der Mond an manchen Tagen aussieht wie eine Melonenschnitte, und an anderen ist er rund wie ein Teller. Ja, Delira, du kannst einen wirklich zur Ra­serei bringen. Warum versetzest du mir den ganzen lieben langen Tag Rippenstöße mit deinen Fragen? In deiner Jugend warst du eigentlich eher schweigsam, man müßte dir die Worte erst mühsam herausziehen. Wenn ich die Wahrheit sagen soll: ich wünsche mir manchmal, daß es jetzt noch so wäre.“

Er kauerte sich knurrig und mißvergnügt auf seinem Stuhl zusammen, die Lippen fest um das Mundstück der Pfeife geschlossen.

Ein Unglück kommt nie allein. Es heißt, wenn ein Mensch Pech hat, kann er sich an geronnener Milch den Schädel einrennen. Die gescheckte Färse hatte sich in den Strick ver­wickelt und einBein gebrochen. Dormeus hatte sie behandelt für drei Piaster, der Halsab­schneider, aber sie wollte noch nicht gesund werden, und Bienaime mußte mit dem Ver­kauf warten. Lherisson war fortgegangen, um in der Nähe von Croix-des-Bouquets in einer Straßenbaukolonne zu arbeiten. Andere dachten daran, seinem Beispiel zu folgen und sogar daran, Fonds Rouge für immer zu ver­lassen. Und nun das mit Manuel, der sich aufführte, als ob er vom Vetstanz befallen wäre. Wann endlich, beim Barte des Heili­gen Geistes — Herrgott im Himmel, Ich habe gelästert, ich werde es nicht mehr tun, mea culpa —, wann endlich wird dieser Scheiß­dreck aufhören?

Und da erschien auch noch die Gevatterin Destine. Wie macht sie es bloß, all ihr Fett zu behalten, fragte sich Bienaime. Ihr breites, schwarzes Gesicht glänzt wie blankgewichstes Leder.

„Ich wollte dir nur mal guten Tag sagen, Delira. Guten Tag auch, Bienaime.“

„Guten Tag, Destine*, antwortete der Alte. Und dann stellte er sich schlafend. Er batte keine Lust zu sprechen.

Delira hat Destine einen Schemel hingescho­ben. Sie selbst bleibt stehen. Destine breitet sich auf dem Schemel aus und hängt an allen Seiten über.

„Wie geht es?* fragt sie.

„Die Quälerei geht weiter*, seufzt Delira.

Sie weist mit einer Kopfbewegung auf die Felder und erhebt die Augen zum unbarmher­zigen Himmel.

Es ist die heißeste Zeit des Tages, nicht mehr Mittag, so gegen zwei Uhr, wenn die Erde anfängt zu dampfen, die Luft zitternd tanzt, daß man die Lider zusamenkneifen muß so blendend ist das.

Aus den Bayahondas ertönt das traurige Gurren der Turteltauben, und der Täuberich antwortet mit rauhem Lockruf. Aber ihr Zwie­gespräch unterbricht nicht die Stille, es beglei­tet sie und macht sie schwerer und fühlbarer^

„Ich werde nun auch fortgehen*, erklärte Destine.

„Sag das nicht.. .*, ruft Delira entsetzt aus.

„Ja, Liebste, es ist so. Wir werden das Land unserer Väter verlassen, Joachim und ich. Wir haben Verwandte in der Nähe von Boucan Corail, es sind nur entfernte Verwandte, aber vielleicht werden sie uns gegenüber so barm­herzig sein und ein Stück Land herqeben, auf dem, wir uns eine Ajupa bauen können und einen kleinen Garten anpflanzen. Für Gottes­lohn, Delira, aber da doch die Not so groß ist.*

Sie weinte: die Tränen zogen schmutzige Furchen über ihre Wangen.

Das Leben war erloschen in Fonds Rouge. Man brauchte nur dem Schweigen zu lauschen, und man hörte den Tod, — sich nur dieser Mattigkeit zu überlassen, und man fühlte sich begraben. Das regelmäßige Stampfen der Stö­ßel in den Mörsern war zum Schweigen ge­kommen, es gab nicht mehr ein Körnchen Hirse, und fern lag die Zeit der gemeinsamen Arbeit, des lauten, freudigen Gesanges der Männer, des blinkenden Schwunges der Hak- ken, dia. glückliche Zeit unseres Tanzes unter den Lauben, zu dem die sorglosen Stimmen der jungen Negerinnen ertönten, wie das Rieseln eines Brunnens in der Nacht. Lebt wohl, ich sage: lebt wohl, ihr Zeiten der Gnade und des Erbarmens, lebt wohl, lebt wohl, wir gehen, es ist zu Ende. Oh, ihr Loa, meine Loa Guineas ihr habt die Arbeit unserer Hände und unse* Teil an der Not nicht richtig gewogen, eure vr aage hat falsches Gewicht, und darum ster­ben wir ohne Hilfe und ohneHoffnung; ist das gerecht? Antwortet irr r doch. Nein, wahrhaf­tig, das ist nicht gerecht.