Fasienmarkt
' gr. Wie alljährlich fand gestern der Fasten- markt statt Am M&rgen herrschte im Städtchen reger Betrieb. Viel Kauflustige aus der nahen Umgebung hatten sich zum Markt eingefunden. Auch auf dem Viehmarkt herrschte große Ge- igehäftigkeit
Mittwodi, 17. März, 14 bis 16 Uhr: Sdiaukodien in der Kochsdiule der Volksschule. Alle Frauen von Haslach , die Interesse daran haben, sind eingeladen. Teller und Löffel mitbringen.
Ferienkinder
Vor kurzer Zeit kamen in unser Städtchen einige holländische Ferienkinder zur Erholung. Sie werden jetzt einige Wochen im schönen Schwarzwald verbringen, und dann wieder gesund und frisch in ihre Heimat zurückkehren.
Vortray
Wie bereits vor kurzem berichtet, sprach in der vergangenen Woche ein Feldwebel der Luftwaffe tu den Hitlerjungen der Fliegergefolgschaften des Bannes 733 Wolf ach. Er setzte den Hitler jungen in gut verständlicher Art, die Möglichkeiten aus- v einander, die sich heute für einen deutschen Menschen in der Luftwaffe geben. Er zeigte auch, wie vielseitig der Dienst bei der Luftwaffe ist. Sei es heim fliegenden Personal, bei der Flakartillerie oder der Luftnachrichtentruppe oder bei den Fallschirmjägern, überall stehen bei Bewährung die Aufstiegsmöglichkeiten offen. Der Redner forderte - die Jugend auf, sich für den Dienst in der Luft- wafef zu melden und so dem Wunsche des Reichs- ' marschalls nachzukommen: „Das deutsche Volk muß ein Volk der Flieger werden!“ Einige Lieder umrahmten den Vortragsabend.
Generalversammlung der Volksbank Haslach i. K. am Sonntag, den 11 . März, im Nebenzimmer der Wirtschaft Robert Vollmer in Haslach
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Karl Faul- haber, leitete die Versammlung, die einen guten Besuch aufzuweisen hatte. Karl Neuxeither, Has- lich amtierte als Schriftführer und Hugo Schaett- gen, Haslach und Xaver Schwendemann in Steinach als Urkundspersonen. Der Vorsitzende gedachte zunächst der tapferen Männer, die zur Fahne geeilt sind, um Haus und Hof Vor dem Feinde zu schützen. Im Anschluß daran ehrte er die im Laufe des Jahres .verstorbenen Mitglieder Otto Blank, jr., Mechanikermeister, Haslach, Josef Schmider, Ochsenwirt, Mühlenbach , Horst Streitz, Musiker in Haslach -Schnellingen, Mag- dalene Kopf, Witwe, Hebamme in Steinach , Desi- dorius Armbruster, Hofbauer, Steinach , Hermann Heitzmann, Hofbauer, Steinach , Vitus Rapp, La- garist in Welschensteinach und den jungen Ar- heitskämeraden~der Volksbank, Willy Schneider von Steinach . / Zum ehrenden Andenken der Verstorbenen erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen.
Das Vorstandsmitglied Sauer, streifte in treffenden Worten die Bewährung der Front und Heimat im Jahre 1942 , erstattete den Rechenschaftsbericht und gab hierzu die nötigen Erläuterungen. Faulhaber erstattete darauf den Bericht des Aufsichis- rates. Zu Punkt 2 der Tagesordnung stellte er im Anschluß daran den Antrag an die Versammlung, die Jahresrechnung zu genehmigen und Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung zu erteilen. Namens der Mitglieder dankte Neureither, Vorstand und Aufsichtsrat, für ihre Tätigkeit und so fand auch dieser Punkt der Tagesordnung einstimmige Genehmigung. Ebenso stimmte die Versammlung dem Gewinnverteilun'gsvorschlag zu, wonach 4 Prozent Dividende zur Verteilung gelangen und ein ansehnlicher Teil des Gewinnes dem gesetzlichen Reservefond zugeschlagen wird.
Im weiteren Punkt der Tagesordnung beschloß die Versammlung die Höchstgrenze bei der Hereinnahme fremder Gelder auf 5 Millionen festzusetzen. Die Aufsichtsratswahlen, die das Aufsichtsratsmit- giied Otto Blank, Haslach , leitete, weil der Vorsitzende selbst ausschied, ergab die Wiederwahl des Karl Faulhaber und Rudolf Winterer, beide von Haslach .
Dec Bogt non Uppenmooc
Roman von Willy Harms / Copyright by Promethens- Verlag Dr. Bidiadcer. GrObenzell bei MAndien
„Wir können sie aber doch nicht einkulen wie dal liebe Vieh“, sagte der Totengräber Johann Rodendank und machte den Rücken gerade, um einen Augenblick zu verschnaufen
„Stroh?* fragte sein Freund, der alte Rade- nacher Steffen Pape, und strich sich verloren über das stachelige Kinn Er war sparsam mit Worten, und manchmal vergingen Tage, ohne daß •r den Mund aufmachte. Ein Wunder war es nicht
Johann Rodendank schob die Mütze in den Nacken und wischte sich mit dem Aermel über die Stirn. Der Vorschlag des Rademachers gefiel ihm nicht Mit Stroh streute man die Ställe. Aber hatte man schon je davon gehört, daß Tote damit Augedeckt wurden? Das ging gegen allen Brauch.
„Ich hole die Altardecke!“
Rodendank nickte. Das war ein vernünftiger Vorschlag von Steffen. „Tu das. Dann fällt ihnen der Sand nicht in die Augen Unser Herrgott wird es uns übelnehmen.“
Er half dem Freund aus der Grube und griff dann wieder zum Spaten. Noch war die Grube lange nicht groß genug. Zwar hatte noch keiner die Toten gezählt, die darauf warteten, daß sie in die Erde kamen, dann waren aber die Kinder mit gerechnet. Für jeden Toten einen Sarg, wie es Pflicht und Sitte war? Das war unmöglich. Es fehlte an Brettern. Es fehlte an Fäusten, die die Bretter bearbeiteten Der Tischler Hannes Brinkmann fiel aus, weil er einen Schlag mit der Zaunlatte gekriegt hatte und nun herumlief, als habe er den Verstand verloren; er allein hätte iie Arbeit auch nimmer geschafft. Und andere?
Unter Punkt Verschiedenes gab das Vorstandsmitglied Sauer den anwesenden Mitgliedern einige Anregungen über den Geschäftsverkehr mit der Bank, wobei er den Sinn und Zweca des Sparens gegenüber dem letzten Kriege besonders streifte. Der Vorsitzende, Herr Faulhaber, schloß hierauf die Versammlung, mit der Bitte an die Mitglieder, der Volksbank weiterhin die Treue zu wahren und sie immer als das anzusehen, wie es schon ihr Name sagt, als die Bank des Volkes, des Mittelstandes.
ö. H a u s a di. (Heldentod.) Für Führer und Vaterland gab im Alter von 34 Jahren Obergefreiter Georg Zwick sein Leben. Er erlitt im Osten einen tödlichen Unglücksfall. Vor der Einberufung war derselbe bei der Firma Wölber 8c Pfaff, Strohhut- und Mützenfabrik, hier als Hutmacher beschäftigt, und war sowohl im Betrieb als auch sonst allgemein geschätzt und beliebt. Dei „Liederkranz“ verliert einen treuen Sangesbruder, dessen Andenken man stets in Ehren halten wird. — (Handballsport.) Die Jugendmannschaften Hausach und Schenkenzell trafen sich am Sonntag auf dem Spielfeld des letztgenannten Vereins zur Austragung eines Pflichtspieles, welches Hausach mit 3:2 Toren gewinnen konnte. — (Vom Lichtspielhaus.) Das Filmprogramm vom vergangenen Sonntag fand besonders guten Anklang. Das Filmwerk „Violanta" mit seiner dramatischen
Handlung und seiner Bezaubernden Landschaft hin- terließ auf alle Besucher einen tiefen und nachhaltigen Eindruck. Die Vorstellungen waren jeweils gut beucht.
Vom Hochschufarzutald
Triberg. (Todesfall.) Im Alter von 61 Jahren verstarb unsere Mitbürgerin, Frau Johanna Stockburger geb. Burger. — (Altersjubilarin.) Frau Witwe Anna Simon geb. Kaiser feierte bei bester Gesundheit ihren 70. Geburtstag.
Triberg . (Altersjubilar.) Unser Mitbürger Christian Kämmerer vollendete bei guter Gesundheit sein 88. Lebensjahr.
Furtwangen . (Heldentod.) Gefreiter Egon Josef Bäurle gab im Osten im Alter von z 3 Jahren sein Leben für das Vaterland.
Unterkirnach . (Heldentod.) Gefreiter Edwin Dold ist im Osten im Alter von 23 Jahren für sein Vaterland gefallen.
Vi 1 lingen. Die Villinger Bank kann dieser Tage auf 73 Jahre ihres Bestehens zurückblicken.
Bad Dürrbeim. (Heldentod.) Die Familie Emil Sulzmann wurde nun das zweite Mal in tiefe Trauer versetzt. Auch ihr zweiter Sohn, der Unteroffizier Paul Sulzmann, fand im Osten in treuer Pflichterfüllung den Heldentod.
Donaueschingen . (Heldentod.) Stabsgefreiter Emil Brahm fand im Osten jm Alter von 27^ Jahren den Heldentod.
Donaueschingen . (Heldentod.) Oberfeldwebel Heinz Schreiner ist im Osten an der Spitze seines Zuges gefallen. — Kaufmann Willy Gerig, Gefreiter in einem Grenadier-Regiment, fand im Osten den Heldentod.
Landesökonomierat Nauwerk, der seit zwei Jahren in Karlsruhe Dienst tut, war am Sonntag besonders nach Haslach gekommen, um in einer schlichten Feier Schüler und Schülerinnen zu entlassen. Von einer öffentlichen Veranstaltung hat man im vierten Kriegsjahr abgesehen. In einem mit Frühlingsblumen geschmückten Saale bot sich gleich zu Beginn ein schönes Bild: sämtliche Schülerinnen trugen die farbenfrohen Trachten des Kinzig- und Wolftales. Oekonomierat Nauwerk gedachte erst der gefallenen Schüler der Anstalt und sprach dann seinem Vertreter Herrn Zipf, wie auch dem Lehrkörper herzlichen Dank für die geleistete Arbeit aus. Er streifte die Geschehnisse unserer Zeit und wies auf den totalen Krieg hin. Dorf und Stadt sind eine unlösliche Schicksalsgemeinschaft. Der Bauer ist' heimatgebunden, ist bodenverwurzelt. Stolz und glücklich darf sein, wer im Bauernhof zur Welt kam. Die bolschewistischen Horden wissen nichts von Haus und Hof, von Heimat. Gegen sie, wie. gegen die Plutokraten, verteidigen wir unsere Heimat, das Reich.
Preise für besondere Leistungen erhielten: Josef Matt aus Fischerbach , Theresia Krumer aus Hof stetten , Theresia Moser aus Mühlenbach , Rosa Armbruster aus Oberwolfach und Maria Feiertag aus Niederwasser. An die Preisverteilung schloß sich eine gemütliche Kaffeestunde. Im gemütlichen Teile erfreuten frohe Lieder und kleine, gut gespielte Schwänke das Herz. Dann aber bot sich ein besonderes Erlebnis. Herr Nauwerk, der mit künstleri
schem Empfinden und technischem Geschick, viel Schönheit unserer Heimat in Farbenlichtbilder ge- afngen hat, ließ einen Blick auf die Leinwand tun. Man wanderte durch den winterlichen Märchenwald, jubelte dem Lenze, stand unter dem hohen Bogen des Sommers und neigte sich dem Verglühen und Dufte des Herbstes. Heimat, Heimat, adi, wie einzig schön bist du!
In einem Schlußwort dankte Herr Nauwerk ganz besonders Fräulein Prilipp, die im vergangenen Winter ein gerüttelt Maß von Arbeit und Verantwortung getragen hat. Ihrem Können, ihrer Tatkraft, ist es zu danken, daß vor allem der Mädchenkurs so gut durchgeführt werden konnte. Herzlichen Dank sagte Herr Nauwerk auch Frau Hermann, die lange Jahre als guter Geist ihres Amtes auf dem Büro waltete, und nun aus dem Dienste scheidet. Ihr und ihrem Manne, der gerade von der Ostfront im Urlaub weilt, gelten die besten Wünsche für die Zukunft.
Eine kleine Ausstellung gab einen Ausschnitt der Tätigkeit der Mädchen. Man erblickt selbstgefertigte Kleider, Schürzen, Hemden, Pullover usw. Auch schöne Kuchen und Gebäck waren bereitet worden. Fräulein Prilipp und Fräulein Großholz -gebührt für all ihre Mühe und Arbeit Dank und Anerkennung.
Was die Schüler und Schülerinnen lernten, werden sie nun im elterlichen Haus und Hof anwenden und die Arbeit wird dann Früchte tragen — für den Einzelnen und die Gemeinschaft.
Die Raumfrage für unser deutsches Volk
ln erster Lihie geht diese Frage und die damit verbundenen Aufgaben unser Landvolk an
Ferienkinder im Kreis Woifach
gb. Wir haben wieder eine Anzahl Ferienkinde# in unserem Kreis zur Erholung bekommen. Kinde# aus Gebieten, denen eine Erholung sehr wohl zu gönnen ist. Wie mögen sich diese Kleinen gefreut haben, als sie davon unterrichtet wurden, daß sie in Ferien fahren dürfen, daß sie in einem weit von ihrer Heimat entfernten Gebietsteil unseres Vaterlandes Erholung finden dürfen. Wie schnell wird wohl das Nötigste ihrer Bedürfnisse zusammengerichtet gewesen sein, und nun kam J 'j Bahnfahrt, die lange Bahnfahrt, die ja für Kinder immer da* Höchste der Freuden bedeutet. Schweren Herzen* wohl werden die Eltern ihre Kinder abgegeben haben, aber doch freudig, weil sie wissen, daß sie nun für einige Wochen in gute Pflege und treue Obhut kommen.
Und nun sind sie angekommen, ihre Gesichtche« voller Spannung und Erwartung. Mit großen Augen sahen sie unsere Berge, die Tannenwälder unseres Schwarzwaldes, und ihre Gefühle schwankten zwischen banger Erwartung und froher Hoffnung. Aber sie sahen nur freudige Gesichter am Bahnhof, denn gar liebevoll wurden sie empfangen und aufgenommen. Herzlich war der WillkommengrufJ, und verscheucht waren aus den Kinderaugen di* Gefühle einer Unsicherheit. Ein kräftiges Patschhändchen sagte den Kindern, daß sie hier gerne aufgenommen werden und daß man ihrem Kommen mit Freude entgegengesehen hat. Und dann kam die Fahrt oder der Weg zu den neuen Pflegeeltern, auf den Hof, auf dem Berge oder im Tale. Auch dort lachten ihnen die anderen Kinder entgegen und freundlich und herzlich, aber auch ebenso ehrlich war der Gruß in der Ferienheimat.
Und - nun kommen Wochen der Erholung, der Freude und der Gesundung. Das fremde Kind wird bald mit allen anderen Kindern bekannt sein, wird sich bald auskennen mit den Tieren des Hofes und wird auch der Pflegemutter bei der Hausarbeit ein wenig mithelfen. Wenn dann Sonnenschein und Schwarzwaldluft noch das ihre beitragen, dann wird das Ferienkind bald aufleben, bald andere Backen bekommen und sich mitfreuen mit den anderen Kindern des Hofes oder des Dorfes.
So wünschen wir also unseren Ferienkindern recht gute Erholung und gute Gesundung. Unser Schwarz wald hat ja schon vielen Kindern und auch Erwachsenen Gesundung gebracht und so werden auch diese Ferienkinder einstmals wieder gesund an Leib und Seele zu ihren Eltern zurückkehren können.
Moltke, der große Schweiger, sprach einmal das bekannte Wort: „An dem Tage, an dem der letzte Bauer stirbt, stirbt ohne einen Kanonenschuß das ganze Volk.“ Es spricht aus diesem Satze eine Grundwahrheit, eine Grundtatsache völkischen Lebens: das Bauerntum bildet den Urständ der Nation. Das Bauemvolk sichert mit seiner Arbeit dem Volke das tägliche Brot; das Bauertum ist aber auch der Blutsquell, der immer fließt und fließt, und durch den sich unser Volk erneuert. Moltke hat ganz richtig gesehen und daher auch ganz richtig gesprochen. Zu Moltkes ^eit, da war aber zu solcher Befürchtung noch kein Anlaß. Unser Volk bestand ja damals noch zum größten Teil aus Landwirten und Bauern. Im Jahre 1870 waren nicht weniger als 64 Prozent unseres Volkes in der Landwirtschaft tätig. Zwei Drittel der Nation lebten damals auf dem Lande, waren mit der Scholle verwachsen und zwangen ihr das tägliche Brot ab. Die großen Leistungen des Volkes in den Kriegen 1864, 1866 und
Das Bauerndorf Rittershagen war seit gestern arm an Menschen.
War es noch ein Dorf? Oder nur ein rauchender, schwelender Trümmerhaufen? So arg wie gestern hatte Rittershagen noch nie gelitten in diesem schlimmen Krieg, der nun schon seit einem Vierteljahrhundert die deutschen Lande verwüstete —, nicht als vor einem Jahrzehnt schwedische Truppen in der Gegend gewesen waren und Schrecken und bitterste Armut zurückgelassen hatten —, nicht als ein paar Jahre später die Kaiserlichen alles, mochte ee auch niet- uni aagelfest sein, hatten mitgehen heißen, sogar die Bleieinfassungen der Kirchenfenster, in die es seitdem hineinregnete und -schneite —, nicht als gleich darauf die Pest, der Schwarze Tod, — gekommen war und kaum eine Haus verschont hatte. Immer hatten die Uebriggebliebenen einen neuen Anlauf zum Leben genommen, wenn auch die Lippen enger, das Sprechen leiser und die Augen größer und starrer geworden waren.
Aber nun? Konnte man noch arbeiten, im Ohr das tierische Brüllen des Schulzen Svenson? Am Hahnenbalken auf der großen Diele hatten die Marodeure ihn an den Füßen aufgehängt und ihn hin und her geschaukelt, damit er bekennen sollte, wo er sein Geld versteckt hätte; denn sie hatten es ihm nicht geglaubt, daß die Kaiserlichen ihn ausgeplündert hätten bis aufs Hemd Als das Schaukeln nichts genützt hatte, obgleich sein Kopf schon blaurot angelaufen war, hatte die Horde die gebundene Tochter zu - ihm auf die Diele geschleppt; er hatte es mit ansehen müssen, daß man ihr die Kleider vom Leibe riß und Schindluder mit ihr trieb. Häuserweit war sein ohnmächtiges Brüllen zu hören gewesen Beide, Vater und Tochter, sollten auch in die Grube, die Johann Rodendank auswarf.
Er stieß den Spaten in den moorigen Boden
1870/71 sind nicht zuletzt auf die Tatsache zuriiek- zuführen, daß wir eben damals noch ein Baüernvolk waren.
Der Krieg 1870/71 endete mit einem deutschen Siege, mit einem Siege unserer Waffen. Er brachte uns als schönste Frucht das Kaiseneich, das Zweite! Reich. Nach langen Jahrhunderten der Zwietracht und der’Uneinigkeit hatten sich unter Preußens Führung endlich die nord- und süddeutschen Staaten zusammengeschlossen. Das Volk jubelte und, war voll Freude und Zuversicht.
Und doch war die Gründung Bismarcks nur eine halbe Lösung: sein Reich war nämlich nur ein kleindeutsches Reich; denn die Deutschen Oesterreichs waren davon ausgeschlossen. Es war aber auch ein kleindeutsches Reich, weil es für seine Bewohner nicht den notwendigen Raum bot. Das hat die ganze Entwicklung nach 1871 bis in unsere Zeit hinein mehr als schmerzlich aufgezeigt. Nach 1871 ist unser Volk stark gewachsen. Man braucht da nur einige Zahlen zu nennen: Im Jahre 1870 hatte
und kniff die Lippen zusammen. Was nützte es? Trotzdem sah er das letzte Entsetzen im Blick der Nachbarin, der jungen Bauersfrau Stine Haver- kost, als sie von unbarmherzigen Fäusten in die Flammen gestoßen wurde. Was hatte sie getan? Sich vor die Banditen gestellt, als diese die einzige Kuh vom Hof zerrten, nachdem sie das Haus angezündet hatten. Deswegen mußte Stine, mußte das, was von ihr übrig war, nun ins Grab.
Johann Rodendank kannte sie alle, für die er nun stumm Arbeit tat. Christoph Wienecke,, der Schneider- und Schulmeister, konnte von Glück sagen, denn er hatte einen schnellen Tod gehabt; einer der Marodeure hatte ihm gleich nach dem Einbruch ins Haus den Spieß in die Gurgel gejagt. Nicht so gut hatte es der alte Pastor Langbehn gehabt: ein Schwedentrunk sollte ihn gefügig machen, die »bernen Abendmahlsgeräte herauszugeben, wo doch jedermann im Dorfe wußte, daß er schon lange den selbstgekelterten Obstwein, der das heilige Blut bedeutete, in Tonkrügen gereicht hatte. Die zappelige' aufgeregte Fiek Babendiek hatte die Marodeure Mordbrenner, Hunde und Teufelsbrut genannt. Hatte sie etwa zuviel gesagt? Ein dünner Strick, der sonst wohl zum Reinigen der Musketen gebraucht wurde, hatte sie still gemacht. Der Totengräber Johann Rodendank kannte auch die Kinder, die Mädchen und Buben, für die er auch die letzte Ruhestatt grub. Sie hatten ihr Leben lassen müssen, damit die, die ihnen das Leben gegeben hatten, gefügig wurden.
Rodendank konnte es kaum begreifen, daß er selber dem Hexensabbat entronnen war. Ohne Minna, seine Frau, hätte er ihn wohl nicht überstanden, und darum hatte er ihr manches abzn- bitten, wollte sich künftig nicht mehr ärgern, wenn sie zu ihm sagte: „Du hast das Regiment auf dem Kirchhof, ich hab’s im Hause.“ Resolut hatte sie die Gefahr erkannt und ihn mit in den
das Reich 4t Millionen Einwohner, 1900 36 Millionen und 1914 68 Millionen. Innerhalb 44 Jahren ist unser Volk also um 27 Millionen gewachsen. Jahr um Jahr hat es sich ganz beträchtlich vermehrt. Der Boden aber, der Raum zum Leben, der blieb. Mit dem Wachstum des Volkes hielt der Raum nicht Schritt. Und so kam, was kommen mußte, der Raum wurde zu klein, wir wurden ein Volk ohne Raum. Auf eine kleine Fläche gepreßt, rangen wir um unser tägliches Brot. Das Land, der Boden, konnte unser Volk nicht mehr ernähren, und so strömte aller Geburtenüberschuß vom Lande weg. Entweder ging der Menschenstrom nach Uebersee und damit unserem Volkstum für immer verloren, oder aber er strömte hinein in die Städte, und damit begann eine verhängnisvolle Entwicklung, die man am besten als Verstädterung unser« Volke* bezeichnet. ,
Daß es sich um eine Verstädterung handelt, da* zeigen am besten auch wieder Zahlen. Im Jahre 1870 leben 26 Millionen oder 64 Prozent aller Deut schen auf dem Land und 15 Millionen oder 36 Prozent in den Städten. Bei Ausbruch des Weltkrieges lebten in unseren Dörfern 25 Millionen Menschen, in den Städten aber hausten 43 Millionen. Wie man sieht, hat sich das Verhältnis gut umgekehrt. Allen Ueberschuß saugten die Städte auf und damit war auch sein Schicksal besiegelt. Denn die Städte vergrößerten sich nun in schnellstem Tempo zu Riesengebilden. Hatten wir 1871 nur 8 Großstädte, so waren es bis 1919 deren 43 geworden. Die Großstädte erhöhten sich um das Fünffache, die Mittelstädte um das Vierfache, die Kleinstädte verdoppelten sich, die Landstädte blieben fast auf ihrem Stand. Die Großstadt also triumphierte und das mit Redit. Die Großstädte, diese Wüsten aus Stein und Zement, aus Stahl und Eisen, sie sind so recht die Sinnbilder jener Zeit. Voll Stolz blickte jene Zeit, schaute der Liberalismus auf seine Kinder, diese Elefantenstädte. Sie galten als Gipfelpunkt in dem großen Geschehen.
Daß sich die Menschen in die Städte ergossen, da* hatte schon seinen Grund. Die Stadt allein mit ihren großen Fabriken, ihren Geschäften aller Art bot den Menschen die Möglichkeit,- ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dort winkte zudem eine kürzere Ar-
hinter jungen Fichten versteckt liegenden Backofen — in Langebehns großen Obstgarten — gezogen. Wenn es bei dem Geschrei im Dorfe in seinen Fingern gekribbelt hatte, wenn er hatte aufspringen wollen, hatte sie ihn niedergedrückt und festgehalten. Gott war ihm gnädig gewesen. Gegen Abend waren die Marodeure mit ihrer Beute weiteBgezogen, und im Dorf war es still geworden; Tote machen keinen Lärm. In der Nacht und gegen Morgen waren die anderen zurückgekommen, die sich in Busch und Waid hatten retten können: in der Nähe von dem kleinen Bruch, Wo 'der Köhler Schorß Lüttjemann seine Meiler hatte, waren die meisten gewesen.
Was war nun zu tun in dem niedergebrannten Dorf? Die Toten mußte unter den Rasen. Und dann? Johann Rodendank wußte es nicht.
Hinter ihm war ein Geräusch. Hoffentlich reichte die Decke, die Steffen brachte. Was sollte sie noch in einer Kirche, die gestern ein Pferde- sta.ll gewesen war?
„Was machst du da?“
Das war eine fremde Stimme. Der Totengräber fuhr herum und erschrak bis ins Mark. Und wenn es wie gestern um Leben und Sterben gegangen wäre, kein Glied hätte er rühren können.
Hinter ihm zwischen den Gräbern hielt auf einem Grauschimmel ein wild aussehender Reiter. Oder kam die Wildheit nur von der Narbe, die ihm über die linke Stirnseite ging? Aber herrisch und hart blickte er, und sicher war es der Anführer von den Marodeuren, der zurückgekommen war, um zu sehen, ob noch etwas zu holen war.
Rodendank schnappte nach Luft und brachte keinen Laut heraus. Kein Backofen war in der Nähe, der Sicherheit bot vor dem schwerbewaffneten Reiter im abgewetzten Lederkoller.
(Fortsetzung folgt)
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