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Gut ach b. Waldkirch . (Heldentod.) Unterscharführer Hermann Schätzle, einziger Sohn der Witwe Elise Schätzle, deren Mann im letzten Weltkrieg aus Rußland nicht mehr zurückkehrte, fand im Osten den Heldentod für sein Vaterland.
Kreisstadt Wolf ach
Ein letztes Beisammensein
r. Die Schüler und Schülerinnen, die zur Schul entlassung gekommen waren, haben am vergangenen Sonntagnachmittag im „Kreuz“ nochmals ein kameradschaftliches Beisammensein veranstaltet, wozu auch Lehrer und Geistliche eingeladen und erschienen waren. Durch die Stiftung von Naturalien aus den Schülerkreisen konnte auch etwas für den Gaumen auf die Tische gebracht werden, und so nahm die Abschiedsfeier bei Kaffee und Kuchen einen schönen Verlauf. Es wird dies wohl die letzte Stunde gewesen sein,-die die Buben und Mädel einer letzten Sdiulksalle mit ihren Erziehern so kameradschaftlich und vollzählig vereint hatte.
Beerdigung
r. Gestern vormittag wurde hier Frau Johanna Heizmann unter zahlreicher Beteiligung aus ihren Verwandten- und Bekanntenkreisen zu Grabe getragen. Als Mutter eines kinderreichen Geschlechts hat sie nun im Alter von 79 Jahren nach längerer Krankheit der Tod erlöst.
Das bisher beste Sammelergebnis
Am Samstag und Sonntag hat die gesamte Bevölkerung unserer Kreises in ihrer Opferfreudigkeit sich selbst übertroffen; denn das bisher beste Ergebnis aller Sammlungen wurde heuer erzielt. Von 24 642.80 RM., dem Ertrag der 6. Reichsstraßensammlung, erhöhte sich das Ergebnis der nunmehrigen Sammlung auf 34 230.87 RM., so daß sich die außerordentliche Steigerung von fast 10 000 RM., das sind also 40 Prozent mehr, ergibt. Durchschnittlich wurden je Person 80 Pfg. gespendet. Diesmal sind die folgenden Gemeinden, die über dem Kreisdurchschnitt liegen, als die besten des Kreises besonders hervorzuheben:
1. Zell a. H. 3792.98 RM.
3. Schütach 3319.— RM.
4. Lehengericht 1028.10 RM.
W o 1 f a di. (Ehrung.) Der Postbetriebsassistent Raimund Armbruster erhielt das Treudienstehren- zeichen in Gold verliehen. Anläßlich eines Betriebsappells wurde ihm dies ausgehändigt.
Bad Rippoldsau . (Heldentod.) Obergrenadier Wilhelm Maier, Sohn des Holzhauers Karl Maier, fand im Osten den Heldentod.
St. Georgen. (Todesfall.) Im Alter von 56 Jahren verstarb unsere Mitbürgerin Frau Rosalie Wilauer geb. Willmger.
Villi-tigen. (Todesfall.) Lokomotivführer a. D. Karl Reinmuth ist im Alter von 73 Jahren gestorben. — Nach langem, schwerem Leiden verstarb unsere Mitbürgerin Frau Wilhelmine Burger geb. Kern.
Alte Bauernhöfe im Fischerbachtal
g. Heute Mittwoch treten alle Jungen und Mädel, eie am vergangenen Sonntag verpflichtet wurden, um io Uhr bei der Schule an. Es werden einige wich- Jigc Bekanntmachungen bekanntgegeben. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet.
Generalversammlung der Vereinsbank Hausach-Einbach
Die Vereinsbank Hausach-Einbach ' hatte au! Sonntag, den 28 . März, ihre Mitglieder in den Bürgersaal zur ordentlichen Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1942 eingeladen. Trotzdem, daß ein Großteil der Mitglieder zur Zeit den Waffenrock trägt, kann von einem sehr guten Besuch berichtet werden. Der erste Vorstand, Bürgermeister Kölmel begrüßte die Erschienenen und dankte für ihr Erscheinen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte er der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder, es sind dies: Alfred Armbruster, Hausach , Saarstraße; Andreas Schmider, Hofbauer, Einbach-Sulzbach; Ludwig Gutmann , Hofbauer, Einbach-Neuenbach; Bernhard Gebert, Zimmermeister, Hausach ; Josef Schmider, Steinsprenger, Hausach , Gummenstraße; Gottfried Hg. Schreinermeister, Hausach .
Vor allem aber gedachte die Versammlung all derer, die ihr Leben für den Bestand unseres Großdeutschen Reiches gaben.
Zu Punkt 1 der Generalversammlung gab der erste Vorstand Bericht über die geleistete Arbeit im verflossenen Geschäftsjahr und erteilte zur Vorlage des Jahresabschlusses dem zur Zeit die Geschäfte führenden Herrn Oberle das Wort. In allgemein verständlichen Worten erklärte derselbe den Anwesenden die Bilanz, erläuterte jeden einzelnen Posten und gab Auskunft über die Gewinn- und Verlustrechnung. Das erzielte Ergebnis (Reingewinn) kann als sehr gut bezeichnet werden, da es gegenüber dem Vorjahre um 66,8 Prozent höher liegt. Mit einigen Ausführungen über den Geschäftsverlauf und mit Worten des Dankes an die Mitglieder für das Vertrauen und die Mitarbeit schloß Herr Oberle seinen Bericht. Zu Punkt 2 der Tagesordnung erstattete der stellvertretende AufsichtsrafsvorsPzende, Herr Karl Harter, Hofbauer, Einbach-Hauserbach, Bericht über die Tätigkeit des Aufsichtsrates. Punkt 3 . die Genehmigung des Jahresabschlusses, und Punkt 4 Verwendung des Reingewinnes fanden einstimmige Genehmigung. Der Reingewinn wird zur Zahlung einer 4 -prozentigen Dividende und zur Stärkung der Reserven verwendet. Unter Punkt 6 wurde der Verwaltung und der Geschäftsführung einstimijiig Entlastung erteilt. Die zur Erledigung stehende Neuwahl bezw. Wiederwahl fand ebenfalls" in der vorgeschlagenen Form die Genehmigung. Unter Punkt 7 der Tagesordnung wurde eine Statutenänderung für die Sterbekasse vofgenommen.
Mit Worten des Dankes an die Mitglieder und besonders auch an die Gefolgschaft schloß der erste Vorstand die Versammlung.
b. Einback. (Schulentlassung.) Am Samstagvormittag fand im Schulhaus die Schulentlassunesfeier statt. Die Schüler hatten den Schulsaal mit Blumen und Girlanden geschmückt; denn es galt, ihr Fest zu feiern. Die Feier stand unter dem Motto: Männer machen Geschickte. An einer Reihe kleiner gesckickt- lier Vorträge wurde gezeigt, wie einzelne Männer in Liebe zum Vaterland ihre ganze Kraft zum Segen des Reiches eingesetzt. Trefflich gesungene Lieder, die zum Teil mit Harmonium begleitet waren, umrahmten die Feierstunde. Der Schulleiter sprach eindringliche Worte zu den Entlaßschülem, ihr ganzes Leben als ein Leben der Pf lickt aufzufassen, und gab ihnen die besten Wünsche auf den Lebensweg. Die Feier war von einer stattlichen Zahl Einwohner besucht.
Aus dem Elstal
E l z a ck. (Heldentod.) Unteroffizier Maximilian Schätzle fand im Osten im Alter von 29 Jahren den Heldentod. — Feldwebel Josef Weckbach hat im Osten im Alter von 29 Jahren den Heldentod gefunden.
Durch die Raumnot bedingt, stellen wir hiermit die beiden Artikelreihen .»Alte Höfe im im Fischerbachtal“ und „Schaffendes Volk im Kinzigtal “ ein. Die Artikel fanden in allen Berufsständen in Dorf und Stadt stärkste Beachtung und freudige Zustimmung. Ihr Verfasser, Karl May , Fischerbach , hat' sich den Dank aller Heimatfreunde und auch die Anerkennung maßgeblicher Kreise gewonnen.
Die Schriftleitung.
12. Der Buchholzenhof
Nack einer Urkunde vom 24 Februar 1456 besaß Aulber von Gippchen „eigene Güter bei dem Vyscherbadier Turm und im Vyscherbadi". Ohne Zweifel stand auf unserer Gemarkung also einstmals ein Turm. Er befand sich aller Vermutung nach in der Nähe des Buckholzenhofes. Karolina Buckholz, wdckx 10" starb, hörte oft von ihren Großeltern erzählen, daß ganz in der Nähe des Hofes ein Turm gestanden sei. In der Nähe des Hauses befindet s>'ck ein Felsen, von welckem man 1929 einen Teil wegsprerete. Vor dieser ^o-eno-ung hatte der Felsen eine Länge von etwa 60 Meter. Bei der Sprengung kamen mancherlei D'nge zum Vorschein Im nördlichen Teil des ^'l'ens zieht quer ein Graben von etwa 2 Meter Breite und 25 cm Tiefe, der aber ganz mit Boden ausgefüllt ist. An der Westseite des Felsens, und zwar gleichlaufend mit dem Weg. zieht ebenfalls ein Graben, worin kleinere Brocken Kalkmörtel zu sehen sind. Diese Funde dürften wohl die Vermutung bekräftigen, daß in der Nähe des t'uhholzenhofes einstmals ein Turm stand. Um das Jahr 1800 saß auf dem Moserhof (heute Kon- rad pirhold, Witwe) Christian F.isenmann. Am ’4. Oktober 1818 verkaufte er diesen Hof an fosef Moser. Bald darnach muß Eisenmann den Buchholzenhof erworben haben.
Christian Eisenmann war seit 30. Dezember 1802 mit Johanna Vollmer verheiratet. Am 17. Mai r 8 ti verkaufte E’*<*ntn»on den Hof an 8imot D’rhold und "war: „Das Wohnhaus bei dem Thurm: 8 Sester Wiesen: 2 Sester Acker. Strohacker genannt: c Sester Acker, die Rebbalde zum Tumloch: 5 V- Sester Acker, der Eise Acker genannt: Morgen Wald, der Cesselwald ge
nannt“. Für d : ese Liegenschaften waren 2513 Gulden zu zahlen. Dazu kamen nock j Kuh Gir 50 Gulden, 1 Schwein für 20 Gulden, ein
»esckirr für 2 Gulden; 2 Sester Weizen für 2 Gulden. D»r Verkäufer behielt sich vor. „daß er das Recht habe, auf der Hälfte fortzuhausen, bis ihm sein verschriebenes Leibeeding zufalle ab des Mosers Hof; sollte er aber genug haben, auf der Hälfte fortzuhausen, so solle er berechtigt sein,
die Hälfte abzutreten und dem'Käufer allein zu überlassen.“ Simon Dirhold hatte also zunächst nur den halben Hot. Am 14. Februar 1833 kaufte er um 1100 Gulden noch die andere Hälfte und war nun Alleinherrscher auf dem Hbf.
Simon Dirhold ist am 20. November 1799 geboren. Er war auf dem Dirholderhof im Waldstein daheim und war der Sohn des Simon Dirhold und der Maria Anna Sum. Am 31. Mai 1831 verheiratete er sich mit Katharina Roser, einer Tochter von Karl Roser auf dem Roserhof. Am 5. April verkaufte er den Hof um 3650 Gulden an Philipp Buchholz.
Philipp Buchholg ist am 10. Oktober 1798 in Mühlenbach geboren. Am 21. Mai 1835 verheiratete er sich mit Maria Anna Zähringer. Buchholz war ein Sohn von Matthias Buchholz und Monika Neumaier. Seine Frau war die Tochter des Küfers Lorenz Zähringer und dessen Ehefrau Elisabeth Grießhaber und stammte gleichfalls aus Müh lenbach . Die Ehe war mit sieben Kindern gesegnet: Andreas war geisteskrank und starb 1860; Alois ließ sich im unteren Dorf nieder; Maria Anna heiratete Roman Krämer und verzog nach Prinzbach ; Anton übernahm den Hof; Theresia starb 1918; Genoveva verheiratete sich mit Julius Geiger; Josef erreichte nur ein Alter von 5 Jahren. Der Bauer starb 1860, seine Frau 1876.
Anton Buchholz ist 1838 geboren und heiratete im Alter von 28 Jahren Agatha Dirhold, eine Tochter des Johann Dirhold und der Agatha Schmider aus dem Waldstein. Aus dieser Ehe stammen Severin und Kreszentia. Die Frau starb am 28. Juli 1878. Am 19. Dezember desselben Jahres heiratete der Witwer Karoline Hilbert, eine Tochter des Anton Hilbert und der Genoveva Vetter. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter, Theresia. Jhr Vater starb 1908, die Witwe 1934. Theresia Buckholz verheiratete sich 1906 mit Ludwig Sdimid und kam so ein anderes Geschlecht auf den Hof.
Ludwig Schmid stammt vom Schmidhansen- hof. Er ist 1874 geboren. Aus seiner Ehe mit Theresia Buckholz gingen drei Kinder hervor: Helena, Johann und Ludwig. Helena ist seit 1927 Martinsbäuerin. Johann übernahm den Hof. Jetziger Inhaber ist Johann S ch m i d. Er ist seit Januar 1942 mit Pauline Ruf vom Ob’errechgraben- hof verheiratet. Er steht, wie seine Brüder, im Dienste der Wehrmacht .
Beide Familien Schmid sind fleißige und stille Menschen. Sie gehen entschlossen ihrer Arbeit nach und tun sich um von früh bis spät. So haben sie ihren Hof im Schuß und können voll Stolz auf ihre Arbeit blicken. Da sie auch freundlich und friedfertig sind, so sind sie in der Dorfgemeinschaft wohl geschätzt. — Den zwei Kriegsteilnehmeren wünscht das Dorf eine gute, gesunde Heimkehr.
An unsere Leser im Kreise Wolfach
Wir haben über den totalen Krieg und den sich für uns alle daraus ergebenden Pflichten schon viel geschrieben. Es bedarf deshalb keiner besonderen Erklärung, wenn nun auch das „Offenburger Tageblatt — Anzeiger vom Kinzigtal “ seinen Beitrag zur restlosen Ausrichtung auf den Endsieg leistet.
Ab 1. April 1943 wird die Bezirksausgabe des „Offenburger Tageblatt“ für den Kreis Wolfach mit der Hauptausgabe vereinigt Daraus ergeben sich die vielfältigsten Einsparungen. Trotzdem werden auch fernerhin alle wichtigen Nachrichten aus dem Kreis Wolfach in unserem „Offenburger Tageblatt“ erscheinen. Das große Vertrauen, das schon bisher zwischen Verlag und unseren Lesern, Mitarbeitern und Freunden bestand, wird auch weiterhin unsere Arbeit tragen, bis wir nach einem siegreichen Ende des Krieges mit neuen erweiterten Leistungen unsere Aufgaben erfüllen dürfen. Jetzt aber ist die Losung: „Kämpfen und arbeiten für den Sieg.“
Heil Hitler!
Verlag und Schriftleitung des „Offenburger Tageblatt“.
Aus dem hinteren Kinxigtal
a. Sdienkenzell. (Gemeinsdiaftsabend.) Ein kameradschaftlicher Gemeinschaftsabend der Bürgerschaft und der Gäste fand unter der freundlicken Mitwirkung des Musikvereins im Gasthaus zum „Ochsen“ statt. Bürgermeister Pg. A. Herrmannn begrüßte dabei den Gaureferenten von der DAF. für das Reichserholungswerk. Pg. Alfred Birkenmaier. Dieser benützte die Gelegenheit, wertvolle und inhaltsreiche Worte an die Versammelten zu richten. — (Heldentod.) Im Alter von 34 Jahren starb an den Folgen einer schweren Verwundung in einem Feldlazarett unser Mitbürger Gefr. Rudolf E ch 1 e für Führer und Vaterland den Heldentod. Der Gattin Monika geb. Hermann mit ihren zwei Kindern sowie den Familienangehörigen wendet sich allgemeine Teilnahme an diesem herben Verlust zu. — (Variete.) Am Freitagabend gab das Varieti Groasser ein Gastspiel, daß großen Erfolg einbrachte, Die Ansprüche, welche man an ein solches Unternehmen stellen kann, befriedigten in jeder Weise.
Freudenstadt . (Heldentod.) Gefreiter Karl Gerstenmeier fand im Osten im Alter von 24 Jahren den Heldentod.
Todtmoos . (Vom Spiel in den Tod.) Auf dem Sägeplatz des elterlichen Grundstücks spielte der achtjährige Josef Maier. Die Stämme eines Stapelplatzes kamen ins Rollen. Auf diese Weise wurde der Knabe erdrückt. Mit einem Schädelbruch fand man ihn tot auf.
Meidepflicht von Wohnungen
Durch § 12 der Verordnung zur Wohnraumlenkung vom 27. Februar 1943 ist, wie wir schon kurz mitteilten, angeordnet, daß jeder Wohnungsinhaber, der über mehr als eine selbständige möblierte oder unmöblierte Wohnung für seinen eigenen Bedarf oder den seiner Familie verfügt, hierüber bis zum 10. April 1943 eine Meldung an jede untere Verwaltungsbehörde (Landrat oder Oberbürgermeister) zu macken hat, in deren räumlichen Bereich er eine oder mehrere derartige Wohnungen besitzt. Ferner hat jede Einzelperson, die eine selbständige möblierte oder unmöblierte Wohnung inne hat, dies unter Angabe der Zahl der zu der Wohnung gehörenden Räume und der etwa darin befindllichen Untermieter und Untermieterfamilien bis zum 10. April 1943 der Gemeinde zu melden. Hierdurch soll ein Ueber- blick über den vorhandenen Bestand gewonnen werden. Als selbständig gilt jede Wohnung, die mindestens eine eigene Kochgelegenheit hat und nicht Teil einer größeren Wohnung ist. Als Einzelperson gilt der Mieter oder Benutzer der Wohnung, wenn zu seinem Hausstand weder sein Ehegatte noch Verwandte oder Verschwägerte von ihm gehören. Die Angaben in den beiden Meldungen sind nach dem Stande vom 10. März 1043 zu melden. Die vorerwähnten beiden Meldepflichtigen bestehen allgemein kraft Gesetzes, ohne daß es einer besonderen Aufforderung bedarf. Auf die genaue Innehaltung des Termins wird besonders hingewiesen. Unterlassung der rechtzeitigen Meldung kann Bestrafung nach sich ziehen.
Lee Dopt oon llppenmooc
Roman von Willy Harms / Copyright by Prometheus- Verlag Or. Eidiacker. Orbbenzell bei Manchen
13 . Fortsetzung
Gegen Mittag gabs an einem kleinen Bach einen Aufenthalt. Das Vieh mußte getränkt werden und die Menschen brauchten eine Erholungspause, weil sie das Laufen nicht gewohnt waren. Wer hat'e es in den letzten Jahren noch gewagt, sich weit vom Dorf zu entfernen?
Der Vogt tat, als sähe er keinen Schweiß, keine von Anstrengung geröteten Gesichter. Körperliche Strapazen halfen am besten über den Auszug hinweg Aber als die Pferde wieder in die Sielen gespannt waren und Hedwig Wienecke sich erschöpft an eine Birke lehnte, trat er an sie heran und sagte.„Du setzst dich eine Zeitlang auf mein Pferd.“ Er wartete keine Zustimmung ab, sondern hielt ihr die verschränkten Hände hin, daß sie in den Sattel steigen konnte. 6ie wagte keinen Widerspruch. Wer wollte sich einem Manne widersetzen, der denen, die von Rittershagen noch lebten, eine neue Heimat wies?
„Damit du uns nicht in die Irre führst, werde ich neben dir hergehen“, sagte er scherzend und griff nach dem Zügel des Schimmels.
Langsam kamen die anderen nach.
„Freust du dich nicht, daß wir nach Uppenmoor kommen?“ fragte er.
„Freuen kann ich mich noch nicht. Der Überfall hätte nicht sein dürfen. Nun m iß ich immer denken —“
„Daß du mich verachtest.“
„Ich dich verachten? Soll ich dir das Gegenteil beweisen?“
Er blickte zu ihr hinauf. Ihre Nasenflügel bebten. „Du sollst nicht glauben, Hedwig Wienecke,
als wärest du erniedrigt worden, sollst in Uppenmoor kein Bleigewicht an den Füßen haben. Wir alle wollen ja sagen zum Tag. Tu du es auch. Sich allen Schwierigkeiten entgegenwerfen, das Gestern mit einem harten Dennoch überwinden, das verlange ich künftig von jedem. Von meiner Frau erst recht.“
Hedwig wurde bleich. Sie schloß die Augen und griff nach dem Sattel, um sich festzuhalten „Du hast — eine Frau —?“
„Noch nicht. Aber bald vielleicht. Wenn du willst, sollst du meine Frau werden “
„Ob ich will —.“ Die Tränen kollerten ihr aus den Augen. „Heb mich herunter, ich möchte neben dir gehen.“
Doch der Vogt schien plötzlich vergessen zu haben, was er eben gesagt hatte. Er warf Hedwig die Zügel zu und ehe sie wußte, was geschah, hatte er die Muskete schon von der Schulter gerissen und angelegt Unmittelbar neben ihr knallte der Schuß, daß der Gaul mit ihr zur Seite sprang, obwohl er schon manches Gefecht und manches Scharmützel mitgemacht hatte.
Die Männer neben den Wagen griffen nach den Waffen und kamen angelaufen, weil sie glaubten, daß eine Gefahr drohe. Da sahen sie einen Rehbock nach einigen Fluchten zusammenbrechen. Schmunzelnd kehrten sie zu ihren Pferden zurück ^ „Das wird unser Hochzeitsschmaus“, sagte der Vogt. Er holte die Beute und warf sie auf den letzten Wagen.
Hedwig stieg ab. Der Vogt wollte vorausreiten, um zu erkunden, ob der Schuß Leute angelockt hatte, Marodeure vielleicht. Dann wehe ihnen Wie dem Rehbock würde es ihnen ergehen.
Doch die Gegend blieb menschenleer.
Hedwig Wienecke ging neben ihrer Mutter. Sie mußte sprechen von dem, was ihr schier das Herz abdrücken wollte.
„Mutter, ich werde Dieters Frau!“ Unbändiger Stolz lag in ihren Worten.
Mutter Rieke konnte sich nicht gleich freuen, wie es Hedwig vielleicht erwartet hatte. Es strömte in diesen Tagen zu viel auf sie ein. Still hörte sie zu, als ihre Tochter ihr erzählte, daß Dieter gesagt hatte, in Uppenmoor gäbe es keine Füße mit Bleigewichten. Ihr selber waren die Füße sehr schwer. Lag es daran, daß sie jross einer Stunde zur anderen ihren Mann verloren hatte? Immer muß sie denken an das große Grab auf dem Friedhof, um das sich nun niemand kümmerte.
Sie blickte auf ihre Tochter. Hatte Hedwig das Dorf, in dem sie groß geworden war, schon ganz vergessen? Sie las es ihr vom Gesicht, daß sie nur an den Vogt dachte, an den künftigen Mann. Ein Umstand fiel ihr ein, der die Ehe in Frage {stellen konnte.
„Du willst die Frau vom Vogt werden, sagst du. Hast du schon daran gedacht, daß Langbehn tot ist?“ Wer wird euch in Uppenmoor trauen?“ Einen Augenblick 'stutzte Hedwig. Dann sagte sie: „Ich will Dieter fragen. Der wird es wissen.“ Als der Abend anfing zu dämmern, ließ der Vogt an einem Waldrand haltmachen Eine scharfe Grenze zwischen Wald und Feld war nicht mehr zu ziehen. Weil seit Jahren sich niemand um die Aecker gekümmert hatte, waren sie jetzt bestanden mit Birken- und Erlenbüsehen und anderem Gestrüpp. Alles wuchs wild durcheinander. Die Gegend machte den Eindruck, als sei sie lange nicht von Menschen betreten.
„Wer übernimmt die Wache?“ fragte der Vogt Achim Suhrbier meldete sich.
Dietmar wehrte lächelnd ab. „Du bist heute nicht abkömmlich, erster Viertelsmann.“
Da erklärten sich Tischler Brinkmann und Rademacher Pape bereit, bis zum Morgengrauen abwechselnd zu wachen.
Der Vogt nahm Jörn und Suhrbier beiseite und sprach mit ihnen. Die anderen sahen, daß beide überrascht den Kopf hochnahmen. Aber bald waren sie offenbar mit dem Vogt einverstanden. Sie nickten beide und gaben ihm die Hand.
Dietmar kam zurück und rief: „Bevor wir zur Nacht essen, möchte ich eine Angelegenheit erledigen, die mir sehr am Herzen liegt. Kommt heran!“
Auch Mieken Brinkmann, die, an einen Baum gelehnt, ihrem halbjährigen Jungen die Brust reichte, wollte sich erheben. Doch der Vogt litt es nicht. „Bleib, wo du bist, und laß dich nicht stören Was du tust, ist bester Mutterdienst. Wir kommen etwas näher zu dir, damit auch du alles hörst.“
So brauchte Miekens Junge seine Abendmahlzeit nicht zu unterbrechen. Sie war stolz auf ihn. Nach zehnjähriger Ehe hatte sie ihn noch bekommen. Das' schickte sich auch nicht anders. Sollte sie, die in Rittershagen schon oft Hebammendienste getan und den jungen Müttern in ihrer schweren Stunde geholfen hatte, ohne Kinder durch ihre Ehe gehen? Das hätte nur schlecht zu ihrem Beruf gepaßt.
Ruhig wartend stand der Vogt. Nebelschwaden zogen über die Büsche, der Wald verschwand allmählich im Dunst des Abends.
„Eine Feier wollen wir begehen.“
Die Männer und Frauen guckten verwundert. Eine Feier in Nacht und Nebel? In dieser Umgebung, wo fast kein Platz zum Sitzen vorhanden war? Kord Bohnsack legte vorsichtig ein paar Scheite nach. Das Feuer loderte auf und warf wunderliche Schatten auf die erwartungsvollen Gesichter.
(Fortsetzung fol^t)
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