Seite
  

Samstag, 5. Juli 1952

SÜDKURIER

K

Nr. 105 / Seite 12

nach Beginn die Sitzung wieder verlas­sen. In der Abstimmung wurde der Haus­haltsplan von allen anwesenden Stadträten gut geheißen.

Die Beratung des außerordentlichen Haushaltsplanes ging schnell vonstatten. Auch dieser. Plan wurde ohne Einsprüche genehmigt.

Schließlich wollte Stadtrat Windlinger (CDU ) noch Auskunft haben, bis zu wel­cher Grenze die Stadt mit der Höhe ihrer Schulden gehen könne. Rechnungsdirek­tor Mödinger erklärte, die Verschuldung der Stadt werde in diesem Jahr um rund 2 % Millionen DM zunehmen und sich dann auf etwa 8,5 Millionen DM zu be­laufen. Zur Zeit betrage der Schulden­dienst der Stadt 750 000 D(M.

Stadtrat Hengartner brachte abschlie­ßend zum Ausdruck, der neue Haushalts­plan dürfte ausgewogen und gut sein. Es sei ja auch tatsächlich keine Kritik erfolgt, mit Ausnahme des Wohnungsamtes. Sehr zu begrüßen sei, daß ein Prüfer des Deut­schen Städteverbandes nach Konstanz komme. Er machte den Vorschlag, im Per­sonalausschuß der Stadt sollten nur Per­sonen vertreten sein, die beruflich und personell mit der Stadt nicht in Verbin­dung stehen. Dieser Wunsch wurde beifäl­lig aufgenommen. Er soll empfehlend an den neuen Stadtrat weitergegeben werden, weil die Ausschüsse bis zu jenem Zeit­punkt noch in ihrer bisherigen Zusam­mensetzung weiter arbeiten.

Am Raa de vermerkt:

Haushalteplan bei 30 Grab Htße

Ueber sieben Stunden kämpfte am Donnerstag der Stadtrat gegen Hunderte von Zahlen — und gegen die Hitze. Die ehrwürdigen Formen fielen unter den Tisch: Es begann mit dfer Entledigung der Röcke. Dann folgten die Krawatten.

Mit Geduld warteten am Donnerstag O. Strauß, einer der Einsprecher gegen das Jachthafenprojekt, und ein Begleiter über fünf Stunden auf einen einzigen Satz im außerordentlichen Haushaltsplan. Dieser Satz lautete: „Wasserläufe“: Erstellung eines neuen Jachthafens an der Seestraße“. Nach all dem, was in dieser Angelegenheit gegangen, mußte Oberbürgermeister Knapp etwas sagen. Es war eine gewisse Ueber- raschung, als er mitteilte, die beiden letz­ten Einsprechenden (Strauß Erben und Prym Erben) hätten durch ihren Rechts- anwaltKlagebeimVerwaltungsgerichterho- ben, damit die bekannte Entschließung des Landratsamtes aufgehoben und die Kosten den Beklagten (also der Stadt) auferlegt würden. Als Begründung wurde angege­ben, die Kläger seien in ihren Interessen durch das Landratsamt ungenügend be­rücksichtigt worden. Außer dieser Klage sei noch ein Rekurs beim Finanzministe­rium eingegangen mit dem Ersuchen, die Weiterführung der bereits begonnenen Bauarbeiten zu untersagen.

Oberbürgermeister Knapp war der An­sicht, man solle in Ruhe die Entscheidung des Finanzministeriums abwarten. Dem­gegenüber richtete Frau Stadtrat Leon­hardt (SPD ) sichtlich erregt an den Ober­bürgermeister die Anfrage, welche Beamte dafür haftbar gemacht werden könnten, wenn aus dem Bau des Jachthafens große Schadenersatzansprüche gegenüber der Stadt geltend gemacht würden. Sie brach­te dabei zum Ausdruck, daß verschiedene Beamte bei der Stadtverwaltung und beim Landratsamt wahrscheinlich nicht ganz ihre Pflicht getan hätten. „Der Stadtrat hat ein Recht darauf, daß solche Projekte nicht leichtfertig gemacht werden“, meinte Frau Leonhardt zum Schluß. Oberbürger­meister Knapp erklärte, rechtlich sei die Bautätigkeit der Stadt durch die Entschei­dung des Landratsamtes gedeckt.

Auf Anfrage teilte Baurat Dauner mit, die Bauarbeiten am Jachthafen gingen nor­mal weiter. Bis jetzt seien für den Bau 32 000 DM ausgegeben worden. Bis zum Beginn der Bodensee -Woche könne der Jachthafen zum großen Teil benutzt wer-

Schließlich wurde dieser schweißtriefende Kampf aufgegeben. Selbst die Mithilfe des großen städtischen Spritzenwagen« konnte zur Abkühlung nichts beitragen. Denn in den Morgenstunden tagte der Stadt­rat im Bürgersaal. „Heute kommt der Spritzenwagen gleich zweimal, sonst über­haupt nie“, sagte eine Nachbarin boshaft. J®, das Tiefbauamt weiß, was es dem Stadtrat schuldig ist!

Aber die Hitze konnte dem Redeeifer des Stadtrats nichts anhaben. Immer wie­der wurden Fragen gestellt und Anregun­gen gegeben. Oft wegen Dingen, die mit dem Haushaltsplan nicht im Zusammen­hang standen. So kam man immerhin auf eine Sitzungedauer von 7*/i Stunden, ge­gen vier Stunden im letzten Jahr. Am re­defreudigsten war Frau Leonhardt von der SPD . Ihr tat die Hitze anscheinend den geringsten Abbruch. Einige Male schoß sie mit ihren Reden über das Ziel hinaus. Dafür wurde ihr die Hitze als mil­dernder Unstand angerechnet. Sonst war es ziemlich ruhig auf seiten der SPD .

Dagegen war man bei der CDU umso redseliger. Insbesondere die Stadträte Bader und Hengartner waren neugierig. Stadtnat Bader hatten es die sportlichen Dinge angetan. Stadtrat Hengartner such­te sich einige Rosinen aus dem Haushalts­plan heraus. Aber Rechnungsdirektor Mö­dinger ist ein findiger Mann. Er hatte immer beruhigende Worte. Stadtrat Fi­scher (FDP ) übte eine sonst bei ihm nicht gewohnte Zurückhaltung. Erst am Nach­mittag an der vertrauten Stätte im Stadt­ratssaal kam er mehr in Fahrt.

Beachtenswert der Schluß: Ein Vertre­ter des Städteverbandes wird nach Kon­ stanz kommen. Er soll die Verwaltung prüfen. Ob sie zu teuer ist und zu teuer arbeitet. Der Oberbürgermeister erklärte sich sofort mit dem Vorschlag einverstan­den. Demnach muß er ein ruhiges Gewis­sen haben! -ck

den. Die Meldungen für die Bodensee - Woche 1952 in Konstanz weisen die Re­kordzahl von 160 auf, gegenüber 105 M / ' 1 - dungen im vergangenen Jahr. Stadtrat Fi­scher (FDP ) erklärte, eih Verschulden städtischer Beamter dürfte in diesem Fad nicht vorliegen. Dem Stadtrat seien alle Dinge vorgetragen worden.

In der späteren, nichtöffentlichen Sit­zung wurde nochmals über den Jachthafen gesprochen. Auch diese Gelegenheit be­nutzte Frau Leonhardt nochmals, um ihr Mißtrauen gegenüber der Beamtenschaft auszusprechen. Sie verwahrte sich ganz allgemein dagegen, daß von der Beamten­schaft öffentliche Gelder verwirtschaftet oder mißbraucht würden. Der Leiter des Tiefbauamtes. Baurat Dauner, wehrte sich entschieden dagegen, beim Projekt des Jachthafens leichtfertig gehandelt zu ha­ben. Der Stadtrat sei jeweils über den Stand der Dinge und über die genauen Pläne unterrichtet worden. Auch Stadtrat Hengartner (CDU ) meinte, daß Frau Leon­hardt in ihren Ausführungen zu weit ge­gangen sei." -ck

SK. Auch wir sind der Meinung, daß Frau Stadtrat Leonhardt in ihren Ausfüh­rungen zu weit gegangen ist. Allerdings hätten wir gerne gehört, wenn auch von bürgermeisterlicher Seite etwas zu diesem Punkt gesagt worden wäre. Letzten Endes kann man nicht mit allgemein gehaltenen Ausführungen ohne jedes Beweismaterial einen ganzen Stand verunglimpfen.

Verkehrsunfall und Fahrerflucht Am Donnerstagnachmittag überholte in der Mainaustraße ein Motorrad kurz vor der Eichhomstnaße einen Omnibus, Der Omnibus erhöhte darauf seine Geschwin­digkeit und überholte das Motorrad. Da­durch wurde der Motorradfahrer gezwun­gen, nach links abzubiegen. Er streifte ein vor ihm fahrendes Motorrad, verlor die Herrschaft über das Fahrzeug und stürzte. Der Motorradfahrer und seine Ehefrau er­litten leichte Verletzungen. Der Omnibus­fahrer fuhr davon, ohne sich um die Ver­letzten zu kümmern. Die Nummer des Fahrzeugs konnte jedoch festgestellt wer­den.

Diamantenes Priefterjublläum

Heute Samstag begeht Geistlicher Rat Professor i. R. Dr. Sebastian Hahn sein diamantenes Priester jubiläum. Geboren am 19. Januar 1869 in Rast bei Meßkirch , ist dem Priesterjubilar Konstanz zur zweiten Heimat geworden. Hier verbrachte er seine Gymnasialjahre von 1881—1888, die letz­ten drei Jahre als Zögling des Konradi- hauses mit dem späteren Erzbischof Dr. Gröber . Volle 25 Jahre vermittelte er als Professor am Konstanter Gymnasium vie­len Hunderten von Schülern das geistige Rüstzeug für Leben und Beruf.

Nach Abschluß der Gymnasialjahre stu­dierte Geistl. Rat Dr. Hahn Theologie an den Universitäten Innsbruck und Freiburg und wurde am 5. Juli 1892 in St. Peter zum Priester geweiht. Die nächsten fünf Jahre sahen ihn als Studienpräfekt am Erzb. Gymnasialkonvikt in Freiburg . 1896 legte er in Freiburg das Staatsexamen ab. Es folgten Jahre als Lehramtspraktikant in Rastatt , Offenburg und Karlsruhe und von 1902 bis 1908 als Professor am Lehrersemi­nar in Meersburg . 1903 promovierte Geistl. Rat Hahn zum Doktor der Philosophie. 1908 nach Konstanz versetzt, unterrichtete der Priesterjubilar ein Vierteljahrhundert am Gymnasium in Deutsch , Latein, Grie­chisch, Religion und Hebräisch. Er ver­stand es in ausgezeichneter Welse, den Schülern die Offenbarungswahrheiten des kath. Glaubens nahezubringen und auch in den übrigen Fächern, in denen er unter­richtete, wertvolle Kenntnisse zu vermit­teln. Dankbar werden sich deshalb alle die vielen Schüler, des Konstanzer Gymna­siums, die durch Geistl. Rat Dr. Hahn in das für ihr späteres Leben und den Beruf den Grund legende Wissen eingeführt wurden, ihres einstigen Lehrers dankbar gedenken. Bekannt geworden ist Geistl. Rat Dr. Hahn ferner durch sein Lehrbuch der Kirchengeschichte für die Höheren Schulen der Erzdiözese Freiburg .

Kirchenmusik in St. Stephan Anläßlich der Primiz des Neupriesters Emil Braun am Sonntag trägt der St. Ste­phanschor folgende Werke vor: Zum Ein­zug: Tu es Petrus, von Otto Siegl , Veni creator von J. B. Hilber; zum Hochamt: Krönungsmesse von W. A. Mozart, Kir­chensonate K. V. Nr. 65, Motette „Sub tuum praesidium“ von W. A. Mozart ; zum Auszug: Halleluja von G. Fr. Händel . Es wirken mit: Ursula Buckel (Sopran), Gertrud Krause (Alt), Friedrich Hausburg (Tenor), Willi Kraus (Baß), Hilde Thoma (Orgel), das Städt. Orchester. Die Leitung hat Studienrat Hermann Müller .

Heißer Wochenmarkt So früh wie möglich begeben sich die Hausfrauen jetzt auf den Wochenmarkt, denn die Julisonne beginnt schon in den Morgenstunden ihre etwas übertriebenen Hitzewellen auszustrahlen. Aber es ist Einmiachzeit, das Obst auf dem Markt wartet darauf, in die Gläser zu kommen und der Markt hat viel zu bieten. Kir­schen für 45 Pf. waren gestern wieder reichlich vorhanden. Auch Erdbeeren sah man diesmal wieder; sie.kosteten, 1.10 DM,- die Walderdbeeren 2 DM. Reineclauden ließen sich für 55 Pf. verkaufen. Mira­bellen und Pflaumen zeigten sich ebenfalls in süßer Reife und waren mit 45 Pf. aus­gezeichnet. Fein in Kistchen verpackt, präsentierten sich die pastellfarbenen Pfirsiche und ließen sich für 1 DM ver­kaufen. Heidelbeeren haben eine kleine Reise vom Schwarzwald an den Bodensee gemacht und konnten für 90 Pf. erstanden werden. Aprikosen ließen sich für 80 Pf. verkaufen. Stachelb seren, die es diesmal reichlicher gab, kosteten 65 Pf. und die Johannisbeeren, die besonders viel ge­kauft wurden, 40 Pf. An den Gemüsestän­den machten sich die Blumenkohlköpfe besonders breit. Man bekam eie von 10 Pf. an bis zu 70 Pf. Tomaten kaufte man für 65—70 Pf., Gurken ließen sich mit 60 Pf. bezahlen. Erbsen waren mit 50 Pf. ausge­zeichnet, Bohnen, in reichen Mengen vor­handen, kosteten 60 Pf. Wir notieren wei­ter: Salat 15—20, Spinat 30, Gelberüben 25, Rhabarber 20, Rahne 25, Kartoffeln 35. Eier kosteten 24 Pf. und für Blaufelchen bezahlte man 1.50 DM.

Jachthafenbau roieöer vor bem Stabtrat

Jetzt Klage vor dem Verwaltungsgericht und Rekurs beim Finanz • Ministerium

Im Zeltlager ber beutfehen Lanbjugenb

Am Südufer des Ueberlinger Sees , un­weit des Dorfes Litzelstetten , ent­stand in schönster landschaftlicher Lage eine große Zeltstadt: die Unterkunft der Deutschen Landjugend, die anläßlich des Deutschen Bauerntages 1952 nach Konstanz gekommen ist. Auf den sanft zum See­ufer abfallenden Wiesen erheben sich acht Großzelte, in denen jeweils 400 Jung­bauern oder Bauernmädel übernachten. Außerdem stehen zur Betreuung und Be­köstigung der Lager­insassen ein Rot-Kreuz- Zelt und ein Wirtschafts­zelt zur Verfügung. Ein Zelt für die Lagerlei­tung sowie ein Zelt für die Wache und Abort­anlagen vervollständigen das Lager. Eine weithin tönende Lautsprecher­anlage dient der Unter­haltung; frohe Weisen und flotte Marschrhyth­men hallen über di^ grü­nen Wiesen.

Vom „Hohen Norden", den Ufern von Nord- und Ostsee , aus der Lüneburger Heide , von der Pfalz , dem Schwarz­ wald — aus allen Gauen der Bundesrepublik — hat sich die deutsche Bauernjugend in diesem Zeltlager ein Stelldichein gegeben. Alle Mund­arten schwirren durch­einander: das behäbige Platt der Niedersachsen , die fröhlichen Laute der Rheinländer, die gut­turalen Töne der Bayern und die singende Aus­sprache der Schwaben , ein buntes Gemisch der Dialekte, das klingende Spiegelbild unserer Heimat, die trotz des Fehlens der mittel- und ostdeutschen Gebiete so un­endlich reich und vielfältig ist. Doch nicht nur dem Ohr wird offenbar, daß hier junge Menschen aller deutschen Land­schaften der Bundesrepublik beieinander sind, — die bunte Fülle der Volkstrachten kündet auch dem Auge, daß Nord und Süd, West und Ost, — von letzterem aber

leider nur der „mittlere Osten“ — sich hier die Hände reichen, um gemeinsam einige frohe Tage am Bodensee zu verbringen.

Einige Kilometer weiter hat die Hes­sische Landjugend am Seeufer beim Flie­senhorn ein eigenes Zeltlager errichtet, in dem sie auch eine Anzahl ausländischer Besucher untergebracht hat. Hier-herrscht ein buntes Gemisch europäischer Spra­chen: Vertreter der Landjugendorganisa- tionen von Oesterreich, Frankreich , Schwe­

Trachten aus dem Markgräflerland im Lager der Landjugend

Aufnahme: Finke

den, Dänemark und der Schweiz nehmen als Gäste am Tag der Deutschen Land­jugend in Konstanz teil.

Neben den Kundgebungen und den kul- turellep Darbietungen, die die Deutsche Landjugend nach Konstanz riefen, lockte auch der Bodensee , den sie in diesen Tagen auf festlich bewimpelten Schiffen durch­fahren, und der ihnen eia, neues, beglük- kendes Erlebnis der vielfältigen deutschen Landschaften vermittelt.

Lanöjugenö tanzte unö lang im Konzil

Begrüßungsabend des Deutschen Bauerntages

Es war ein glücklicher Gedanke der Festleitung des Deutschen Bauerntages, die Ausgestaltung des Begrüßungsabends der bäuerlichen Jugend zu überlassen. Ihre fröhlichen Lieder und Tänze, die sie den frohgestimmten Gästen in ihren bun­ten, kleidsamen Volkstrachten darbot, ga­ben dem Abend im großen Konzilsaal eine jugendliche, heitere Beschwingtheit und ein besonderes Kolorit, das wohltuend von den sonst oft so steif offiziell abgewickel­ten Veran^faltupgen ähnlicher Art'abstach.'

In einem glückhaften Zeichen stand der ungezwungen arrangierte Abend, bei dem selbst das an der Ehrentafel sitzende, sehr ehrenwerte Präsidium nebst den Ehren­gästen in totaler Kapitulation vor der glutvollen Hitze sich der lästigen Röcke entledigt hatte. Die gleichfalls leger aufge­lockerten Gäste begrüßte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes , Reichsmini­ster a. D. Dr. h. c. Andreas Hermes in lie­benswürdiger Weise. Sein besonderer Gruß galt den Bäuerinnen und Jungbäuerinnen, wie allen im bäuerlichen Betriebe arbeiten­den Frauen überhaupt; die in ihrer frucht­baren Zusammenarbeit mit den Bauern und den Männern der Berufsorganisatio­nen eine sichere Gewähr für eine wirksame Fortentwicklung des Berufsstandes böten. Inmitten zahlreicher führender Persönlich­keiten der Raiffeisenverbände und anderer repräsentativer Berufsvereinigungen sah man als markanten Vertreter unserer hei­mischen Landwirtschaft und Fachorganisa­tionen auch Carl Diez , Radolfzell .

Alle diese ungezwungen im Kreise der

| Landjugend sitzenden prominenten Gäste unterhielten die Trachtengruppen der süd- badischen und der südwürttembergischen Bauernjugend mit ihren vom Südwestfunk und dem Süddeutschen Rundfunk aufge­nommenen volkstümlichen Darbietungen in edlem landsmannschaftlichem Wett­streit. Bei ihm wurde unter der geschickten Direktion des Leiters der badischen Land­jugend, Hetzel, und des Vorstehers der Schwertzener Bauernschule, Ullner, zum sichtlichen Vergnügen aller vielfach nach dem Prinzip, „Was sich liebt, das' heckt' sich!“, verfahren, wobei die Schwaben und Alemannen eich aufs liebenswürdigste die bekannten netten, kleinen Wahrheiten sag­ten. Die Schwaben , deren bühnen- und mi­krofonsicherer Sprecher eine umfängliche, von den Staufenkaisern bis zum Erfinder- Bosch reichende schwäbische Enzyklopädie entwickelten, legten mehr auf brillierende Wirkung Wert. Die geruhigen, „net so hu­delnden“ Alemannen ließen mehr sich selbst..., ihr Herz und Gemüt sprechen. Auf diese Art gab es einen wirklich ,,bunten Abend“, bei dem alle südbadischen uhd süd­württembergischen Landschaften und die Landsmannschaften ihre eigenständige Note in Liedern, Tänzen, Dialogen, Sdnmsprü- chen und Szenen mit mannigfaltiger Fülle reihum in vielgestaltigem Wechsel entfal­ten konnten.

Wasserwärme am 4. Juli, 12 Uhr: Rhein­strandbad: 25 Grad; Freibad Horn und Strand­bad Jakob: 24 Grad.

Konstanzer Hafenpegel: 3. 7.: 407; 4. 7.: 406 cm.

Nicht mltzuhaffen, mitzulteben \"

//

Zur Antigone-Aufführung de«

R. Am kommenden Mittwoch und dann noch einmal am Freitag werden Schüler des Suso-Gymnasiums im Rathaushof eines der größten Werke der Weltliteratur, die Tra­gödie „Antigone“ von Sophokles , aufführen. Das Gymnasium folgt damit einer alten Tra­dition. Manche älter«» Konstanzer werden sich vielleicht daran erinnern, daß z. B. der spätere Intendant des Konstanzer Theaters, Dr. Schmiedhammer , seine Laufbahn als Schauspieler bei einer solchen Schülerauf- führung des Gymnasiums in Konstanz als „Orest “ in Goethes „Iphigenie “ begann.

Die Mitteilung nun des Gymnasiums über die Jetzt bevorstehende Antigone-Aufführung wirkt elektrisierend. Was bedeutet uns heute die ergreifendste Gestalt des griechischen Dramas der Antike, was bedeutet uns Anti­gone?

Junge Menschen, Schüler und Schülerin­nen, geleitet von idealistischen, an der hohen Aufgabe der Menachenbildung leidenschaftlich interessierten Lehrern, wollen versuchen, darauf eine Antwort zu finden und sie in ihrem Spiel auszudrücken. Es wird nicht nur eine Antwort der Jugend sein. Es wird, bei aller Bescheidenheit der Interpretierenden, doch auch so etwas wie eine Antwort der Zeit sein, in der wir leben.

Wer hat recht in dieser Tragödie? Der Tyrann, Kreon, der den Kampf gegen seinen Feind, Antigones Bruder, den Sohn des un­seligen Königs Ödipus , über den Tod hinaus fortsetzt in totenschänderischer Wut, indem er die Bestattung des im Kampf Gefallenen bei Todesstrafe verbietet? Oder Antigone , die liebende Schwester, die das Gebot der Reli­gion: den Toten zu bestatten, über die Ge- horsamsforderung des Tyrannen stellt? Sie bestattet den Bruder, bekennt sich zu der Tat, jubelt als Frau ihre Antwort: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!“ und nimmt den schrecklichen Tod, den der Staats­moloch ihr bereitet, getrost und tröstend auf sich.

Hegel , der philosophische Repräsentant des 19. Jahrhunderts, hat die Idee des Antigone-

Suso-Gymnasiums im Rathaushof

Dramas dahin gedeutet, daß in ihr beide Mächte, die des Einzelnen, des liebenden Menschen, und die des Staates, der sich über den Einzelnen hinwegsetzt, „im ungetrübten Glanz der Sittlichkeit als geltend anerkannt“ werden. „Es ist nur die Einseitigkeit, gegen die die Gerechtigkeit auftritt.“

Unser 20. Jahrhundert hat diesen „dialekti­schen Grundgedanken“ der Weltauffassung Hegels , in welchem die Keime der Staats­katastrophen unserer Zeit doch schon zur Triebkraft erwärmt wurden, durch einen schreckensvollen Anschauungsunterricht in seinen düstersten Konsequenzen beleuchtet.

Haben wir, hat unsere Jugend begriffen, daß Kreon im Bereich des Sittlichen und also auch im Bereich der absoluten Staatsmoral nicht gleichwertig ist mit Antigone , der Ver­fechter des Buchstabenrechts mit der Mär­tyrerin aus Liebe?

Allein die Tatsache, daß Jugend wieder — und wenn auch' angeleitet von ihren Leh­rern — nach der Gestaltung dieses Dramas drängt und sich damit der Öffentlichkeit in allem Ernste stellt, ist Antwort. Die Auffüh­rung wird dartun, wieweit diese Antwort im Bewußtsein der ganzen ungeheuren Aufgabe geschieht.

•

Am Montag, 7. Juli, 20 Uhr, gibt in der Turnhalle des Suso-Gymnasiums dessen Lei­ter, Oberstudiendirektor Dr. Malzacher, eine Einführung in die „Griechische Tragödie“, wozu die Besucher der Antigone-Aufführun­gen freundllchst eingeladen sind.

Oie neuen Filme

„Frühlingsstimmen“ (Roxy)

Etwa nach Johann Straußens „Frühlings- stimmen“-Walzer? Leider nein, aber immer­hin ein Film (nicht der erste) mit den Früh­lingsstimmen der Wiener Sängerknaben , dazu erstmals auch ein Wien in Farben. Kein Heurigen-Film, gottlob, doch natürlich ein Hörbiger-Film. Im Internat der Sänger­knaben kann Paul Hörbigers Hausmeister

ohne alkoholischen Zusatz all seine mensch­liche Güte, seine wienerische Herzenswärme leuchten lassen. Denen, die Wien kennen und lieben, werden im übrigen mancherlei Züge der alten Kaiserstadt angenehm auffallen, die man im Film bisher noch nicht gesehen; be­sonders rührend der unvergeßliche Gesang der Lavendel-Frauen: „A Büschele Lavendel! Kauft an Lavendel!“ Da spürt man die Regie des erfahrenen Wieners Hans Thimig . Zwei Waisenkinder, die bei der Wiener „Tant’n“ unterschlüpfen wollen, verdienen mit den duftenden Lavendelbluten auch ihre ersten Schillinge. Und die siebzehnjährige Grete (mit jung-herbem Gesicht Senta Wengraf ) findet in einem Modesalon Beschäftigung, während ihr zehnjähriges Brüderchen, ein reizender Blondkopf (Fritz Friedl), sich bald bei den Sängerknaben auszeichnet. Allerdings ist der Junge ein fast zu altklug-eifersüchtiger Be­schützer seiner Schwester und stellt damit einige Verwirrung an, die sich schließlich doch zum Guten wendet. Hans Jaray ist ein jugendlich-vornehmer Rektor. Frauen, die man früher als erste Liebhaberinnen gesehen (Alma Seidler , Susi Nicoletti , Christi Mar- dayn) sind nun Tante, Näherin oder besten­falls Modesalon-Inhaberin, doch sie spielen so fein wie einst. Ein keineswegs aufregen­der, doch anheimelnder und von den erlese­nen Knabenstimmen über den Alltag hinaus­gehobener Film. cw

„Die Försterchristi“ (Gloria)

Bei dieser Hitze ist der angenehmste Auf­enthalt entweder im Wasser, oder — bei der Försterchristi. Obwohl sich Christls Geschichte bei Schnee und Eis im Winterwald abspielt, wird einem doch warm dabei. Warm ums Herz bei der natürlichen, resoluten, aber doch mädchenhaft kühlen und anmutigen Johanna Matz , die uns ein wenig an Liane Haid oder die junge Paula Wessely erinnert. Christls Geschichte ist einfach: Sie verguckt sich ein wenig in den fremden Jäger, liebt aber in Wirklichkeit doch den anderen Franzi und dringt für ihn bis zum Kaiser vor. Dieser aber ist — glücklicherweise — nicht bloß der fremde Jäger und thront bei aller Mensch­lichkeit so hoch über der kleinen Försters­tochter, daß der irdischen Liebe und dem

irdischen Glück nun nichts mehr im Wege stehen kann. Christi ist so nett und rührend in ihrer fast himmlischen Verehrung für den Kaiser, aber zugleich so weiblich betulich, daß man entwaffnet die Arme sinken läßt und sich dem süßen Märchen hingibt. Dieser Film mit seinen geschickt gemachten Dia­logen nach einer alten Operette von Arthur Maria Rabenalt inszeniert, ist einer der rei­zendsten deutschen Nachkriegsfilme. Christls feuriger Franzi wird von Will Quadflieg , der Kaiser von Karl Schönböck mit Christlscher Natürlichkeit gespielt. Oskar Sima mimt mit Humor einen Geheimpolizisten. -ng.

„Rhythmus der Nacht“ (Scala)

In einem feudalen Pariser Luxusrestaurant, auf dessen Bühne Artisten und Girls sich mit ihren Nummern produzieren, amüsieren sich Halb- und Unterwelt bei Champagner und Whisky. Schal das Vergnügen — schal das Milieu. Darum wird es mit einigen dramati­schen Einlagen gewürzt. Die Schauplätze die­ser untergründigen, nicht ganz programm­mäßigen Sonderdarbietungen sind die in den muffigen Kellern des noblen Hauses gelege­nen Künstlergarderoben, deren eine zu einem blutigen Tatort wird. Als ein betrunkener Baron sagt: „Unten im überschwemmten Kel­ler schwimmen die Girls im Wasser — und ein Toter liegt auch drunten!“, glaubt es ihm nieinand. Aber dennoch ist es, weil es der Regisseur so wollte, wirklich wahr. Wir sahen derlei schon oft, aber selten in so krasser, ja abstoßender Form wie in dieser nudi- tätenreichen, ganz unrhythmischen Nacht, die auch dadurch nicht mehr aufgehellt werden konnte, daß sich — eine Viertelstunde nach dem Mord! — weiblicher und männlicher Star in einem seelenvoll getanzten happy-end- Tango nach einigen erheblichen Mißheilig­keiten ausgesöhnt wiederflnden. Kff.

„Flammendes Tal" (Capitol)

Zwei Vorzüge besitzt dieser Farbfilm mit einer reichlich kühnen Handlung aus den wirrnisreichen Jahren nach dem amerikani­ schen Bürgerkrieg: die Hauptrollen werden von zwei sympathischen Darstellern verkör­pert, Hedi Lamarr und Ray Milland — und die ins Bild gezauberte Landschaft ist fast

romantisch' eigentümlich, reizvoll in der Ein­zelszene. Doch das turbulente Geschehen auf den roten Felsen und in den sattgrünen Tä­lern des Westens ist bei aller verstand­raubenden Spannung und trotz versuchter historischer Anknüpfung leider nur dasjenige eines der üblichen Reißer. Knapp fünfzig Tote — es können auch mehr sein — bleiben auf der Strecke, und wenn am Schluß auch die gerechte Sache zum Sieg gelangt, die fünf gesunden Sinne des Betrachters kommen nicht auf ihre Rechnung. -fx-

Neuerwerbungen dei Städt. Büchereien

Stadtbücherei. Schöne Literatur: Stefan Andres : Die Arche; Mary Davenport: Die große Karriere; Ernst Jünger : Besuch auf Godenholm; Richard Kaufmann: Der Him­mel zahlt keine Zinsen; Josef Leitgeb : Chri­stian und Brigitte; Thyde Monnier : Maja; Joseph Roth : Radetzkymarsch ; Marguerite Steen : Die schwarze Sonne; Franz Turnier: Der alte Herr Lorenz. — Sachschrifttum: Georges Bernanos : Wider die Roboter; Her­mann Bünemann: Franz Marc ; Margaret Cooper Gay: Umgang mit Katzen; Carl Diem : Wesen und Lehre des Sports; Walter Görlitz : Der deutsche Generalstab. Geschichte und Gestalt 1657—1945; Romano Guardini : Das Ende der Neuzeit; Walter Lietzmann : Lusti­ges und Merkwürdiges von Zahlen und For­men; Salvador de Madariaga : Christoph Columbus ; Fritz Nemitz : Deutsche Malerei der Gegenwart; Hermann Schnitzler : Mittel- alter und Antike; Herbert Tichy : Die Wand­lung des Lotos. Ein Indienbericht; Otto Weber : Grundriß der Bibelkunde.

Wessenberg-Bibliothek. Bernhard Bavink : Ergebnisse und Probleme der Naturwissen­schaften (Zürich 1949); Paul Joachimsen : Die Reformation als Epoche der deutschen Ge­schichte (München 1951); Reinhard Lauth : Die Philosophie Dostojewskijs (München 1950); Eugen Rosenstock-Huessy : Die europäischen Revolutionen und der Charakter der Natio­nen (Stuttgart 1951); Friedrich Sengle : Wie­land (Stuttgart 1949); F. Willi: Geschichte der Stadt Rorschach und des Rorschacher Amtes bis zur Gründung des Kantons St. Gallen (Rorschach 1947).