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UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET

SUDKURIER

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Verlag und Redaktion Konstanz . Marktstatte 4 sazttgl. 20 Pfg. Postzustellgebühr. Einzelpreis 20 Plg

Vormilitärische Ausbildung in der Sowjetzone

„Freiwillige Erfassung" der Jungen und Mädchen - Sechs Monate Lager - 10000 Flüchtlinge im Juli

Truman für Stevenson

CHIKAGO. Der Vertreter Präsident Tra­in ans auf dem demokratischen Partei­konvent in Chikago — der für den Prä­sidenten die Stimme abgibt, — teilte mit, daß er Trumans Stimme für Gouverneur Adlai Stevenson abzugeben beabsichtigt. Das Weiße Haus in Washington bestätigte, daß Truman seinen Vertreter auf dem Parteikonvent beauftragt habe, für Steven­son zu stimmen.

Klage gegen Investitionshilfe

KARLSRUHE . (Gr.-Eigembericht). Im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe häufen sich die Aktenstücke für einen neuen Pall, in denen das Material von einigen Dutzend Industriellen zur Be­schwerde gegen das Investitionshilfegesetz gesammelt • wird. Ziel der Klage ist, wesentliche Paragraphen des Investitione- hilfegesetzes der gewerblichen Wirtschaft (zugunsten der Grundstoffindustrien) als verfassungswidrig zu erklären. Begründet wird dieser Schritt mit dem Hinweis auf den Gleichheitsgrundsatz des Artikel 3 des Grundgesetzes. In ihrem über 40 Sei­ten starken Schriftsatz beklagen die An­tragsteller sich, daß durch das Gesetz eine ungleiche Wettbewerbsbasis zwischen pri­vaten Betrieben der verarbeitenden In­dustrie und gleichgearteten konzem- gebundenen Betrieben, die in „Organ­schatt“ zur Schwerindustrie gehören, ge­schaffen wird. Die vom Gesetz Betroffenen müßten also ihrer Konkurrenz auf die Beine helfen. Die Elektrizitätswerke Z.B., die auch zu den glücklichen Investitione- empfängem gehören, verkaufen nebenbei Elektrogeräte. Solche Geräte werden aber auch van Betrieben hengesteilt, die die Investitionsgelder aufbringen müssen.

Millionär in Sachsen

BERLIN . In der sächsischen Kleinstadt Elsterberg (Kreis Plauen) ist von der zen­tralen staatlichen Kontrollkommission in der Sowjetzone ein Millionär entdeckt worden, der „neben anderen umfangrei­chen Vermögenswerten an Grundstücken und landwirtschaftlichen Nutzflächen eine Brauerei, zwei Molkereien, Wohn- und Geschäftshäuser und 25 Gaststätten“ be­sitzt. ln einem Bericht des Kontrollkom­missions-Vorsitzenden Fritz Lange (SED ) wird die „Sorglosigkeit unserer Verwal­tungen gegenüber der Tatsache expansions­lüsterner, großkapitalistischer Elemente“ gerügt

Kein Vorurteil gegen Mischlinge

NÜRNBERG . Eine von der Nürnberger Gesellschaft für christlich-jüdische Zu­sammenarbeit und der World Brotherhood einberufene Erziehertagung kam zu dem Ergebnis, daß es Pflicht der deutschen Schulen sei, Mischlingskinder ohne Vor­urteil in die Schularbeit einzugliedern. Die Landesvorsitzende des deutschen evange­lischen Frauenbundes unterstrich, daß die Sorge für die illegitimen Kinder der farbi­gen Besatzungstruppen in Deutschland eine menschliche, ethische und religiöse Verpflichtung des deutschen Volkes sei.

Der Wolf ist tot

UELZEN . Einen starken männlichen Wolf erlegte der Bauer Arnulf Münstermann aus Wriedel im niedersächsischen Kreis Uelzen in einem Waldstück am Rande des Truppenübungsplatzes Münster . Der Rüde wiegt 80 Pfund. Mit der starken Kopf­partie, dem kräftigen kurzen Genick, der fliehenden Stirn, den stark ausgebildeten Krallen und den langen Reißzähnen zeigt das Tier die typischen Merkmale eines acht- bis zehnjährigen Wolfes. Mit diesem seltenen „Waidmannsheil“ des Bauers Münstermann sind die Gerüchte bestätigt worden, die wissen wollten, daß ein Wolf in der Umgebung von Hermannsburg im Kreis Celle sein Unwesen trieb.

Kurs no&i&rt

Aut der Konteren* de« Internationalen Roten Kremes in Toronto (Kanada ), wurde gegen die Opposition der Sowjetunion und des kommunistischen Chinas die Aufnahme der deutschen Bundesrepublik in den Ver­band der Roten-Krem-Gesellschaften be­schlossen.

Der Ministerpräsident von Baden-Württem­ berg , Dr. Reinhold Maier , wird In der kom­menden Woche vom Bundesrat in Bonn für ein Jahr xum Präsidenten dieses Organs ge­wählt. Das Präsidium fan Bundearat wechselt jedes Jahr.

Bewohner des sowjetisch besetzten Gebie­tes, die zu den groüea Kirchentagen in das Bundesgebiet reisen wollen, haben keine Möglichkeit, einen Intersonenpaü an bean­tragen.

Das sowjetische Kommando in Deutschland hat Beschränkungsmafinahmen für die ame­ rikanische Militärmission in der Sowjetsone verfügt.

Der Westberliner Kaufmann Heins Bta- dinski wurde am Zonengrenzpunkt Marien­born von der Volkspolizei verhaftet.

Die Abiturienten von Halberstadt (Sowjet. I Zone) zerrissen nach abgelegter Prüfung ihre russischen Hefte. Daraufhin wurde die Prü­fung für ungültig erklärt.

Anf einem nichtbeschrankten Bahnüber­gang bei Nürnberg wurde ein Auto von

BERLIN . (G.-Eigenbericht.) Die sowjet- deutsche Regierang hat jetzt die Bildung eines Arbeitsdienstes mit vormilitärischer Ausbildung für männliche und weibliche Jugendliche im Alter von 17 Jahren ver­kündet. Die Organisation wird den Namen „Dienst für Deutschland“ tragen. In der offiziellen Mitetilung des sowjetzonalen Informationsamtes heißt es, der Arbeits­dienst solle auf „freiwilliger“ Grundlage aufgebaut werden. Gleichzeitig wird aber mitgeteilt, daß „für wichtige Großbauten der Verwaltung das Recht zugesprochen wird, Jugendliche zum sechsmonatigen Arbeitsdienst zu verpflichten“. Die Ange­hörigen des Arbeitsdienstes werden Uni­formen erhalten, in Lagern kaserniert und täglich mit einer Ostmark entlohnt wer­den. Für „hervorragende Leistungen“ in­nerhalb der vormilitärischen Ausbildung will die Pankower Regierung eine Me­daille stiften. Für jeden Teilnehmer ist nach Abschluß des Dienstes die Verleihung eines Abzeichens und einer Ehrenurkunde vorgesehen.

In Berliner politischen Kreisen erwartet man, daß der kommende Monat weitere Absperrungsmaßnahmen der sowjetdeut­schen Regierung gegen die Westsektoren bringen wird. Vielfach wird der 1. August als ein neuer entscheidender Termin ge­nannt. Wie aus zuverlässigen Informa­tionen hervorgeht, soll vor allem der Per­sonenverkehr innerhalb der Ostzone künf­tig stärker überwacht werden. Die Volks­ polizei wird sogenannte Reisezulassungs­karten ausstellen. Nur sie berechtigen zum Fahrkartenkauf. Alle Ostzonenbewohner, die bei einer Reise den Hauptwohnsitz länger als 24 Stunden verlassen wollen, sollen der polizeilichen Meldepflicht unter­worfen werden. Die Ostzonenbewohner sollen vor Antritt ihrer Fahrt auf den Meldebehörden der Volkspolizei angeben, aus welchen Gründen die Reise unter­nommen wird, welches Ziel die Reise hat und über welchen Zeitraum sie sich er­stredet. Die Reisenden sollen sich außer­dem nach Abschluß jeder Reise erneut bei

LONDON . (JFR.-Eigenbericht). Nach dem jüngsten Militärputsch in Aegypten ist kein Zweifel mehr daran möglich, daß die Zeit der Demokratie im gesamten Nahen Osten ihr Ende erreicht hat. Das ist die Auffassung britischer Kreise, die berufs- und traditionsmäßig mit der Welt des Islam besonders eng verbunden sind.

In Syrien ging die Demokratie vor einem halben Jahr sang- und klanglos zugrunde, als Oberst Shishakli an der Spitze der Armee die Macht ergriff und General Fawzi Selo zum Staatschef ernannte. In Persien kapitulierte die Demokratie vor den tobenden Massen auf der Straße. In Aegypten übernahm General Naguib Mo­hammed widerstandslos die Regierungs­gewalt von den demokratisch-konstitutio­nellen Organen. In allen Fällen dankte die Demokratie ab, ohne auch nur den Ver­such zu machen, ihre Rechte zu ver­teidigen.

Es ist heute zu früh, Untersuchungen darüber anzustellen, warum die demokra­tische Idee im Nahen Osten versagt hat. Zum Teil war sie den Völkern, die viel­fach noch vor wenigen Jahren unter der direkten oder verschleierten Herrschaft fremder Mächte standen, von außen auf­gepfropft worden, und fand schon darum bei den Massen nur wenig Gegenliebe. Zum andern Teil ist die soziale Entwick­lung in diesen Ländern noch so weit zu­rück, daß die Einführung demokratisch- konstitutioneller Staatsformen nur bei

einem Zoe erfaßt and völlig zertrümmert. Der Fahrer dee Wagens und seine Frau wur­den getötet.

Das britische Unterhaus wird am 1. Ansaat über die Bonner Vertrüge abstimmen.

Die neue, nach dem Vorbild der Sowjet­ union entworfene Verfassung der „Volks­republik Polen“ ist in Kraft getreten. An die Stelle des Staatspräsidenten tritt ein fünfzehnköpfiger Staatsrat, der dem Präsi­dium dee Obersten Sowjets der UdSSR ent­spricht.

Der zum Tode verurteilte Oscar Collaxo aus Puerto Rico , der vor eineinhalb Jahren versuchte, den amerikanischen Präsidenten zu töten, wurde von Truman begnadigt. Er wird nun eine lebenslängliche Freiheits­strafe verbüßen.

Gegenwärtig kämpfen MM Italiener in den Verbänden der französischen Fremdenlegion in Indodüna. Es handelt sich hauptsächlich um frühere Faschisten.

Die UN -Luftstreikrffte setzten die schwe­ren Luftangriffe auf Ziele in Nordkorea fort. Ueber 2M Flugzeuge warfen Bomben auf Versorgungslager südlich von Wonsan ah.

Australien wird im nächsten Jahr nur HM Einwanderer, das lat etwa die Hälfte der bisherigen Quote, aufnehmen.

Durch eine Explosion in einer Pulver­fabrik im brasilianischen Staat See Faule kamen neun Arbeiter um* Leben.

der Volkspolizei melden. Auf diese Weise hofft Pankow den Flüchtlingsstrom, der sich seit der hermetischen Absperrung der Zonengrenzen zur Bundesrepublik fast ausschließlich nach Westberlin ergießt, eindämmen zu können. Allein in diesem Monat wird die Zahl der Flüchtlinge 10 000 überschreiten. Die 45 Berliner Flüchtlings­lager sind bisl auf den letzten Platz ge­füllt. Tausende warten auf den Abflug nach Westdeutschland .

Juristen-Kongreß in Berlin BERLIN . (G.-Eigenbricht.) In Berlin be­gann der Internationale Juristenkongreß, an dem 170 prominente in- und aus­ländische Juristen teilnehmen. Der Kon­greß wird untersuchen 1. ob und wieweit in den Ländern hinter dem Eisernen Vor­hang das Recht nach den Maßstäben der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert ist und 2. ob und wieweit in diesen Ländern die in ihrer eigenen Gesetzgebung garantierten Rechte zur An­wendung kommen. Als Unterlage für die Untersuchungen dient eine Dokumenten­sammlung mit Urkunden, Protokollen und Zeugenaussagen vor ostzonalen Gerichten, aus der hervorgeht, daß im Jahre 1951 gegen 51 596 Angeklagte über 50 000 Jahre Gefängnis und gegen 10114 Angeklagte über 30 000 Jahre Zuchthaus verhängt wurden.

Geheimnis um Dr. Gerecke

BERLIN . Der ehemalige Landwirt­schaftsminister von Nieder Sachsen , der vor einiger Zeit wegen seiner kommunisten­freundlichen Haltung sein Amt niederlegte, soll nach einer Meldung des Scrwjetzonen- Nachrichtendienstes um Asylrecht in der Sowjetzone nachgesucht haben. Der Vor­stand der Deutschen Sozialen Partei, der IDr. Gerecke angehört, bezeichnet diese Meldung als eine offenbar bfewußte Falsch­meldung. Gerecke hat sich Anfang dieser Woche nach Ostberlin begeben, um Nach­forschungen nach seinem seit Tagen ver­schwundenen Mitarbeiter Horst Schaues

Ueberspringung ganzer Entwicklungsepo­chen möglich wäre. Die dünne Schicht der Intellektuellen, die den demokratischen Vortrupp bilden, ist — wie jede Minorität — anfällig für einen ungezügelten Radi­kalismus, der sie zum leichten Opfer derer werden läßt, die von Demokratie sprechen, aber Revolution meinen.

Der Aufstand der Massen in Teheran richtete sich nicht nur gegen die im Amt befindliche Regierung, sondern auch gegen den Schah und gegen die Institution der Monarchie und der Militärputsch in Kairo war eine deutliche Absage an König Faruk. Wie lange der Schah und wie lange Kö­nig Faruk noch in der Lage sein werden, ihre Thronrechte auszuüben, bleibt abzu­warten.

Verhaltungen in Aegypten

ALEXANDRIEN. Der nach dem Staats­streich des Heeres neu ernannte ägypti­sche Ministerpräsident Ali Mäher Pascha hat eine neue ägyptische Regierung ge­bildet. Mäher Pascha übernahm in dem Kabinett das Außenministerium, das In­nenministerium sowie das Kriegs- und Marineministerium.

Drei Generale und zwei Obersten der ägyptischen Polizei sind auf Befehl der Armeeführung festgenommen worden. Un­ter den Verhafteten sind der Unterstaats­sekretär im Innenministerium, General Abdel Monsef Mahmud Pascha und der Chef der Kaioer Polizei General Ahmed Tallat.

anzustellen, der zu Inter zonen-Handelsge- schäften in Ostberlin weilte. Gericke ist von seiner Reise nach Ostberlin nicht mehr nach Westdeutschland zurückgekehrt. Ver­suche, mit Dr. Gerecke in der Ostzone in Verbindung zu treten, sind bisher ge­scheitert.

Audi eine Begründung

BERLIN . Der Beauftragte der sowjeti­schen Kontrollkommission in Berlin , S. A. Dengin, hat den Westberliner Komman­danten mitgeteilt, daß die kürzlich einge­leiteten Absperrmaßnahmen der Sowjet- zonen-Regierung gegen Westberlin „durch Terror-, Spionagetätigkeit und andere Umtriebe von Spionageorganisationen“ hervorgerufen wurden.

Dengin antwortet mit seinem Schreiben auf Proteste der Westkommandanten, die am 6. und 28. Juni wegen der Absperr­maßnahmen an ihn gerichtet worden waren.

„In jedem Land, das zurückerobert wird, sollte man sofort die Grenzpfähle aus­reißen und die Vereinigten Staaten von Europa ausrufen — jetzt wird das hin­genommen, in ein paar Jahren wird es viel schwerer zu organisieren sein.“ So ungefähr soll der Rat gelautet haben, den der Franzose Jean Monnet der amerikani­ schen Regierung gab, als sie ihn während des Krieges über die Neuorganisation der europäischen Staaten befragte, die damals unter der Herrschaft Hitlers standen. Der Rat wurde nicht befolgt. Aber der gleiche Jean Monnet ist jetzt zum Präsidenten der Hohen Behörde gewählt worden, die von nun an die Kohle- und Stahlunion von sechs westeuropäischen Ländern regiert.

Ohne daß man viel davon bemerkt hätte, sind nun in der Nacht zum letzten Freitag Grenzpfähle gefallen. In dieser Nacht zum Freitag trat der Vertrag über die westeuropäische Stahlunion in Kraft. Und wenn auch weiterhin Paß- und Zoll­kontrollen bestehen —Kohlenbergbau und Stahlindustrie dieser sechs Länder werden über die Grenzen hinweg als ein gemein­sames Ganzes verwaltet werden.

Tatsächlich erleben wir ln diesen Tagen drei politische Neubildungen, die das Ge­sicht des europäischen Erdteils ebenso wie das Gesicht der engeren Heimat ganz wesentlich verändern können: Europa ver­wandelt sich aus einem rein geographi­schen in einen politischen Begriff. Die kommunistische Regierung der sowjetisch beherrschten Zone Deutschlands hat fast über Nacht die achtzehn Millionen Deut­ schen , über die sie Gewalt ausübt, ln einem zentralistischen Einheitsstaat zusammen­gefaßt. Und in unserem eigenen engeren Gebiet geht die Arbeit weiter am Aufbau des Südweststaates — ein Beispiel der politischen Neubildung, das sich neben den anderen durchaus sehen lassen kann, denn es handelt sich um die staatliche Vereinigung von Gebieten, die ein Jahr­tausend lang politisch zerrissen waren.

Der französische Außenminister Schu- man schlug bei der jetzigen Pariser Konferenz vor, Saabrücken zur künfti­gen europäischen Hauptstadt zu machen. Eine solche europäische Hauptstadt würde bei der Verwirklichung der Kohle- und Stahlunion und der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft ein wichtiges Zentrum überstaatlicher Politik werden. Dort würde regelmäßig der Minräterrat der beteiligten Länder tagen. Dort würde die Hohe Behörde, die Kohle und Stahl und damit eigentlich das gesamte Wirt­schaftsleben regiert, ihren Sitz haben. Daneben der europäische Verteidigungs-

US -Stahlstreik beigelegt

PITTSBURG (USA ). Amerikas 53tägiger Stahlarbeiterstreik wurde zu folgenden Bedingungen für die Arbeiter beigelegt: eine durchschnittliche Erhöhung des Stundenlohns um 16 Cents (der bisherige Stundenlohn lag knapp unter zwei Dollar). Sechs bezahlte Feiertage im Jahr und doppelter Lohn für Arbeit an diesen Tagen. Eine Erhöhung der Zuschläge für Spät- und Nachtschichten von 4 und 6 Cents pro Stunde auf 6 und 9 Cents.

Die 600 000 Beteiligten an diesem kost­spieligsten Streik in der Geschichte der USA -Stahlindustrie hatten einen Gesamt­lohnausfall von schätzungsweise andert­halb Milliarden D-Mark. Über eine Mil­lion Arbeiter in anderen Industriezweigen wurden durch den Stahlarbeiterstreik zeit­weilig beschäftigungslos oder mußten auf Kurzarbeit gesetzt werden.

Der unter Mitwirkung von Präsident Truman erzielte Vergleich wird eine Er­höhung des Stahlpreises um mindestens 20 DM pro Tonne mit sich bringen. Man erwartet ein erneutes Ansteigen der Le­benshaltungskosten in USA .

kommissar, der die Rüstungsaufträge an die einzelnen Länder vergibt, ein euro­päischer Generalstab und europäische Kommandabehörden. Umidi schließlich würde in der europäischen Hauptstadt auch das Parlament, die Sechs-Völker- Vertretung, arbeiten, die, wenn sich die Pläne erfüllen, sehr bald von den Völkern unmittelbar zu wählen wäre. Kein Zwei­fel, daß es von großer Bedeutung werden kann, wenn diese europäische Atmosphäre auf deutschem Boden, auf dem Boden des Saargebiets zur Entfaltung käme. Aber wenn man das Saargebiet durch eine Politik, wie sie in den letzten Jahren be­trieben wurde, erst französisch, ehe man es europäisiert, so wird das ganze Projekt einer politischen Vereinigung Europas leiden. Am Anfang stünde dann der Ver­such eines der Partner, einen anderen Partner zu übervorteilen.

Ein Verschmeizurigsprozeß ganz anderer Art geht auf dem deutschen Boden der sowjetisch beherrschten Zone vor sich. Am gleichen Tag, an dem die westeuropäische Kohle- und Stahlunion in Kraft tritt, sollen die Landtage der fünf Länder der sowjetisch besetzten deutschen Gebiete ihre Selbstauflösung beschließen. MSan weiß, wie so etwas gemacht wird. Nun sollen also die alten Ländernamen „Thü­ ringen “, „Sachsen “, „Brandenburg “, „An­halt“, „Mecklenburg “ verschwinden.

So wie die Sowjets Belebung der alten preußischen Heldenlegenden um Gneisenau, York , Bismarck befahlen, so scheinen sie nun eine Auferstehung des preußischen Zentralismus zu versuchen. Aber so selt­sam die Namen dieser preußischen Gene­räle und Staatsmänner in der kommunisti­ schen Propaganda wirken, so unecht ist dieser Versuch einer Wiederbelebung Preu­ ßens . Vom alten Preußen ist nur ein klei­ner Teil Brandenburgs und Vorpommerns übrigeblieben, der neue sowjetische Ein­heitsstaat auf deutschem Boden ist ein Preußen auf sächsisch -thüringischer Basis. Trotzdem soll man die Bedeutung dieses Schrittes nicht verkennen: Den Sowjets schwebt offenbar vor, daß Zentralismus Machtzusammenballung in der Hand einer kleinen Zentrale bedeutet — eine Macht-, Zusammenballung, die sie der föderalisti­schen Bundesrepublik gegenüberstellen.

Auch bei dem Verschmelzungsprozeß im Südwestraum verschwinden geschichtliche Namen und Begriffe. Aber Ausgangspunkt dieses Verschmelzungsprozesses sind demo­kratische Akte: Volksabstimmung, Wahl. Worauf es hier ankommt, ist die Erhaltung der demokratischen Ursprünge des wer­denden Staates. Die politische Atmosphäre war bei der Arbeit an diesem neuen Staat, schon kühler und sachlicher geworden, als in den leidenschafterfüllten Tagen der Abstimmung. Aber man sollte vermeiden, diese ruhig-sachliche Arbeit immer wieder zu erhitzen. Die große Sensation, die durch Erklärungen über die schwierige Finanz­lage des badischen Landesteils hervor- gerafen wurde, scheint eine solche Erhit­zungsaktion zu sein. Daß Baden bei der übermäßigen Höhe der Besatzungskosten mit schweren finanziellen Lasten in den neuen Staat hineinging, war nichts neues, ja, die Aussicht auf Erleichterung dieser Lasten war mit einer der Antriebe für die Befürworter des Südweststaates in Baden . Man sollte doch auch hier nicht über­sehen, daß es sich bei dieser staatlichen Neubildung um ein Werk von Dauer handeln soll, das nicht unetr Zufällen, Er­regungen, Abneigungen, leiden dürfte.

Drei Vorgänge politischer Neubildung spielen sich vor den Augen der Mitleben­den in unserem Raum ab. Den Einheits­staat der Sowjetzone kann man als Son­derfall ansehen — hier handelt es sich um einen reinen Willkürakt, geboren aus dem sowjetischen Machtstreben. Aber bei dem

Glänzende Leichtathleten in Helsinki

Aber nur zwei Medaillen für die deutschen Teilnehmer

HELSINKI . Deutschland gewann am Don­nerstag durch Storch im Hammerwerfen eine Silbermedaille und durch Schade im 5000-m-Lauf eine Bronzemedaille. Im Tur­nen der Frauen teilten sich die Russinnen und Ungarinnen ausschließlich den Medail­lensegen. Im Freistilringen gewannen die Sowjetrussen, Türken und Schweden je zwei Medaillen, Japan und USA waren je einmal erfolgreich.

5000—Meter-Lauf:

Gold: Zatopek Tschechoslow. 14:06,6 Min.

Silber: Mimoun Frankreich 14:07,4 Min. Bronze: Schade Deutschland 14.-08,6 Min.

400-Meter-Lauf:

Gold: Rhoden Jamaica 45.9 Sek.

Silber: McKenley Jamaica 45.9 Sek.

Bronze: Mastson USA 46.8 Sek.

Hammerwerfen:

Gold: Czermak Ungarn 60.34 m

Silber: Storch Deutschland 58.86 m

Bronze: Nemeth Ungarn 57.74 m

110-Meter-Hürdenlauf:

Gold: Dillard USA 13.7 Sek.

Silber: Jack Davis USA 13.7 Sek.

Bronze: Arthur Bamad USA 14.1 Sek.

Speerwerfen, Frauen:

Gold: Zatopekowa Tschechosl. 50.57 m

Silber: Tschudina UdSSR 50.01 m

Bronze: Gorschakowa UdSSR 49.76 m

M Meter Hürden, Frauen:

Gold: Strickland Australien 10.9 Sek.

Silber: Golubicfanaja UdSSR 11.1 Sek. Bronze: Sander Deutschland 11.1 Sek.

3000 Meter Hindernis:

Gold: Ashenfelter USA 8:45,4 Min.

Silber: Kasantzew UdSSR 8:51,6 Min. Bronze: Disley England 8:51,8 Min.

Heekey:

Gold: Indien

Silber: Holland

Bronze: England

Demokratische Fassade im Nahen Osten fällt

Generale treten In den Vordergrund — Monarchien ln Gefahr

Europa und der Südweststaat

Von Alfred Gerigk