Samstag, 8. November 1952

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Nr. 178 / Seite B

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CDU und Zentrum zu einer evangelisch- katholischen und DP und FDP zu einer evangelischen Wählergemeinschaft Zusam­menschlüssen. Über 60 Wählergemein­schaften sind als Nachfolgeorganisationen der verbotenen SRP von der Wahl aus­geschlossen worden. Wohin werden sich die Anhänger der SRP, nachdem ihnen auch ihre Tamorganisationen zerschlagen wurden, wenden? Man spricht schon von Versuchen mit den Kommunisten. Auch hierüber werden die Wahlen vielleicht ganz wertvolle Aufschlüsse geben. Auch die politischen Gegensätze innerhalb des niedersächsischen Landes werden, sich irgendwie auswirken. Bekanntlich will sich das alte Oldenburg von dem neuen Land Niedersachsen trennen. Die Länderreform auf Grund des Artikels 29 des Grund­gesetzes soll ihm die Möglichkeit dazu geben. Wir haben hier ein recht inter­essantes Gegenstück zur Südweststaat­bildung.

Bei den Gemeindewahlen hat sich im allgemeinen die Listenwahl nach dem Pro­porzsystem (Verhältniswahl) als ungünstig und in kleineren Gemeinden oft als un­durchführbar erwiesen. Man kann der

Tendenz zur Bildung sogenannter freier Wählervereinigungen nur entgegentreten, indem man der Persönlichkeitswahl durch ein anpassungsfähiges Mehrheitswahlrecht Rechnung trägt. In den meisten Gemeinde­wahlgesetzen wurde diesem Umstand Rechnung getragen und wir wollen hoffen, daß auch die kommende Gemeindeordnung für das Land Baden-Württemberg dieser Erfahrungstatsache weitgehend Rechnung trägt. Im übrigen gilt für die Kommunal­wahlen in besonderem Maße der Grund­satz der Mitverantwortlichkeit des Bürgers für die Gemeindepolitik. Die Gegensätze, seien sie nun politischer oder rein sach­licher Natur, treffen eich innerhalb der Gemeinde auf einem verhältnismäßig engen Raum. Hier spürt der Bürger deut­licher noch als in der Landes- oder Bun­despolitik, daß das, was auf dem Rathaus geschieht, ihn ganz persönlich berührt und angeht. Vielleicht ist diese Einsicht in den letzten Jahren gewachsen. Dafür spricht die Tatsache, daß das Interesse für die Wahlen am Sonntag nicht nur bei den Wahlberechtigten in den drei Län­dern, sondern auch darüber hinaus sehr groß zu sein scheint

Deutschland -Debatte im Unterhaus

Eden verurteilt Ramcke-Rede — EVG-Vertrag der richtige Weg

LONDON . Die britische Labour-Opposi- tion stellte Deutschland in den Mittel­punkt der außenpolitischen Debatte des Unterhauses. Der ehemalige Brennstoff­minister Noel-Baker drückte seine Besorg­nis über die Entwicklung der deutsch­französischen Beziehungen aus, bedauerte den Beschluß zur Entschädigung Krupps und verwies auf die nachteilige Wirkung der Ramcke-Rede Mit jedem Monat, sagte er, werde es deutlicher, wie unheilvoll es sich ausgewirkt habe, „daß wir niemals Viermächte-Besprechungen über die deut­sche Einheit abgehalten haben“.

Außenminister Eden verlas einen Brief

Dr. Adenauers an den britischen Hohen Kommissar Kirkpatrick , in dem der Bun­deskanzler die Rede Ramckes scharf ver­urteilt. Eden sagte, der einzige Weg, der nationalistischen Gefahr entgegenzutreten, sei die Ermutigung der freien und demo­kratischen Kräfte in Deutschland .

Eden sagte, er glaube, daß viele Deut­ sche den Anschluß ihres Landes an eine westliche Organisation begrüßen und die Aufstellung einer nationalen Armee nicht wünschen. Wenn nicht ein anderer Plan gefunden wird, dann müsse man weiter versuchen, die Ratifizierung des EVG-Ver- trages herbeizuführen.

NodikeineFrühverbindungKonstanz-Stuttgart

Die Bundesbahn hat keine Wagen — Nur Rentabilität maßgebend?

STUTTGART (Tfz.-Eigenbericht). Das Zusammenwachsen der vier Landesbezirke Südwestdeutschlands wird immer mehr von der Tatsache behindert, daß die Ver­kehrsverbindungen der Bundesbahn vom Norden nach dem Süden und umgekehrt sich in einem fast mittelalterlichen Zu­stande befinden. So ist zum Beispiel ein Brief von Lörrach nach Stuttgart 36 Stun­den unterwegs. Geschäftsreisende und Aus­flügler, die die neue Landeshauptstadt, den Bodensee oder Freiburg besuchen wol­len, müssen sich Vorkommen, als starteten sie zu einer halben Europareise. Diese verbitternden Tatsachen sind den Verant­wortlichen der deutschen Bundesbahn seit langer Zeit immer und immer wieder von den Vertretern des Innenministeriums vor

-i„r— Montag

erscheinen in der Montagsansgabe des „Südkurier“ die Sportberichte vom Sonn­tag und das große Rnndfunkprogranun des

„SUDKURIER“

WETTERVORHERSAGE des Badischen Landeswetterdlenstes In der vorherrschenden Nordwestströmung ist ein Sturmtief von Island über Mitteleuropa wei­ter zum Balkan gezogen. Auf der Rückseite die­ser Störung strömt Kaltluft aus Norden bis nach Mitteleuropa , so daS sich bei uns der Hochdruck- einfluß von Westen nur zögernd durchsetzen kann. Wetteraussichten bis Samstagabend: Bei abflauenden, zum Teil aber noch böigen Winden aus Nordwest, wechselnde Bewölkung mit Re­genschauern, die oberhalb 600 m in Schnee über­gehen. Weiterhin mäßig kalt. Temperaturen in den Niederungen um 5 Grad Celsius. Weitere Aussichten: Langsamer Uebergang zu beständi­gem Wetter mit Nachtfrösten in den Niederun­gen_

100 DM ln Zürich: 7. 11.: 90/92; 6. 11.: 90/92 sfr.

Augen geführt worden. Bis heute waren alle Bittgänge und Beschwörungen fast umsonst, und auch für die kommenden Monate darf sich die Bevölkerung Süd­badens keine Hoffnungen auf Besserung der Verhältnisse machen. Die Fahrplan­experten der Bahn gehen bei ihren Kal­kulationen ausschließlich vom Rentabili­tätsprinzip aus und bestreiten an Hand ihrer Berechnungen einfach die Notwen­digkeit des Einsatzes von weiteren oder günstiger laufenden Zügen. Sogar den Vorschlag, ein Triebwagenpaar laufen zu lassen, lehnen sie bedauernd mit der Be­merkung ab, ihnen stünde ein so modernes Schienengefährt vorläufig einfach nicht zur Verfügung.

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SK. Bei aller Anerkennung der Not­wendigkeit einer kaufmännischen Ge­schäftsgebarung der Bundesbahn fehlt uns für eine derartige Argumentation ange­sichts des politischen Schadens, der durch sie angerichtet wird, jedes Verständnis. Verkehrsminister Dr. Seebohm und die Herren des Verwaltungsrates der Bahn sollten sich darüber klar sein, welche Ver­antwortung sie durch die Vernachlässigung weiter südwestdeutscher Bevölkerungs­kreise auf sich nehmen, wenn sie als all­gewaltige Herren der Eisenbahn erklären lassen, sie seien nicht in der Lage, auch nur zwei Triebwagen zwischen Konstanz und Stuttgart oder Freiburg —Stuttgart ver­kehren zu lassen. Es scheint uns an der Zeit zu sein, daß die Verhandlungen zwi­schen der Verkehrsabteilung des Innen­ministeriums und der Bundesbahn, die nun schon allzu lange kein brauchbares Er­gebnis brachte, auf einer Ebene geführt werden, auf der das schwerwiegende poli­tische Moment dieser Angelegenheit richtig bewertet wird.

Dr. Eckener gegen Europa -Verträge

FRIEDRICHSHAFEN . Auf Einladung von Dr. Hugo Eckener hat vor kurzem eine Aussprache von Persönlichkeiten stattge­funden, die die Europäischen Verteidigungs­verträge ablehnen. Das Ergebnis dieser Aussprache ist jetzt in einer Eingabe den Bundestagsabgeordneten zugestellt worden. Unterzeichner sind außer Dr. Eckener selbst u. a. der frühere Reichskanzler Dr. Josef Wirth, der jetzt in Göppingen lebende Intendant Heinz Hüpert und 30 andere Personen. Die Unterzeichner sind der Auf­fassung, daß die Verträge wichtige Inter­essen Deutschlands beeinträchtigen und die Spaltung Deutschlands verewigen könnten. Sie appellieren an die West­mächte, Verhandlungsmöglichkeiten mit der Sowjetunion wahrzunehmen. Die Unter­zeichner gehen von der Annahme aus, daß der Atlantische Oberkommandierende deutsche Kontingente einer Europa -Armee nach den Weisungen der amerikanischen Regierung einsetzen würde.

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SK. Die Deutschland - Verträge geben sehr genau die Bedingungen an — Krieg oder innere Unruhen, mit denen Deutsch­ land nicht fertig werden kann — unter denen die Besatzungsmächte vorüber­gehend ihre Machtbefugnisse wieder aus­üben könnten. Deutsche Kontingente einer Europa -Armee wären zunächst nur der Europäischen Verteidigungs-Gemeinschaft gegenüber verpflichtet, falls diese ange­griffen wird. Der Atlantische Oberkom­mandierende kann nicht auf Weisung der amerikanischen Regierung handeln, son­dern ist an den aus zahlreichen Staaten gebildeten Atlantischen Rat gebunden.

Prinz Adalbert hei Franco

MADRID. Prinz Adalbert von Bayern , der neue deutsche Botschafter in Madrid , überreichte am Donnerstag dem spani­schen Staatschef Franco sein Beglaubi­gungsschreiben. Die normalen diplomati­schen Beziehungen zwi^hen Deutschland und Spanien sind damit wieder hergestellt. Außenminister Martin Artajo nahm an der Zeremonie teil. Maurische Reiter mit wei­ßen Turbanen und Uniformen in glänzen­dem rot, blau und orange, begleiteten den deutschen Botschafter zu dem ehemaligen Königspalast, wo die Zeremonie stattfand. Der Botschafter saß in einer großen Staatskarosse. Maurische Trompeter ritten dem feierlichen Zuge voran, in der Sonne glitzerten die Lanzen der Reiter. Als der 66jährige Botschafter im Schloßhof der Karosse entstieg, spielte eine Kapelle der blaugekleideten Palastwache das Deutsch­landlied,

Mit Gold gewogen - nie zu leicht befunden

Aga Khan beging leinen 75. Geburtstag — Märchenprinz für drei Frauen

PARIS . (K. P.-Eigenbericht.) Am 2. No­vember feierte Sultan Mohammed Schah ,

Aga Khan III. , seinen 75. Geburtstag.

Jahrzehntelang galt er als der reichste Mann der Welt, jahrzehntelang sah man ihn in Begleitung schöner Frauen an den berühmten Stätten des Reichtums und der Lebensfreude in aller Welt. Seine Pferde siegten in englischen und französischen Rennen, seine Hochzeiten glichen Märchen aus 1001-Nacht, seine Reisen brachten ihn mit allen gekrönten und vielen ungekrön­ten Königen dieser Erde zusammen. An seinem 75. Geburtstag wollten ihn die Anhänger der mohammedanischen Sekte der Ismaeli , deren geistliches Oberhaupt er ist, mit Platin aufwiegen, wie sie es 1936 mit Gold und 1946 mit Diamanten taten. Sonst aber ist es um den wohl­beleibten, in letzter Zeit kränklichen indischen Fürsten mit dem mächtigen Schädel und der dunklen Hornbrille recht still geworden.

Die Sekte der Ismaeli zählt 6 —$ Mil­lionen Anhänger unter den Moslems in Indien , Kleinasien und Afrika . Sie ver­ehren ihren Imam Aga Khan als Gott.

Denn er stammt in direkter Linie von Fatima, der Tochter des Propheten ab. Als Aga Khan , der am 2. November 1877 in Karachi in Indien geboren wurde, nach dem frühen Tod seines Vaters achtjährig zum 41. Imam der Ismaeli ausgerüfen wurde, begann für ihn ein Leben voller religiöser, politischer und wirtschaftlicher Pflichten, zugleich aber auch ein Leben des Genusses und der weltlichen Freuden.

Denn die Ismaeli haben die Lebensfreude zu ihrem Grundprinzip gemacht — nach dem alten orientalischen Sprichwort: „Um eine Versuchung loszuwerden, muß man ihr nachgeben“. Aga Khan hat sich zeit­lebens an diese Weisheit gehalten.

Zum 60. Regierungsjubiläum der Königin Victoria von England fuhr der junge, schon damals zur Fülle neigende Prinz zum erstenmal nach London und kam dabei auf den Geschmack an Europa . Nur einige Monate des Jahres verbrachte er künftig noch in Indien . Die übrige Zeit war mit Reisen ausgefüllt, die teils politischer, teils auch rein privater Natur waren. Man traf Aga Khan damals im Kreise der Lady Astor in der Fifth Avenue ebenso wie bei Rockefeller , an der französischen Riviera ebenso wie in Schweizer Kurorten. Geld spielte nie eine Rolle — denn neben den vom Vater ererbten Schätzen und einem riesigen Grundbesitz in Indien hatte Aga Khan durch geschickte Spekulationen in Erdöl — insbesondere in persischem! —

Geschenkpakete stapeln sich in der Sowjetzone

Sowjetzonen-Behörden stellen Besserung in Aussicht

BERLIN . Auf den Postämtern der So­wjetzone stapeln sich immer mehr Ge­schenksendungen, weil sämtliche Pakete Und Päekchen aus dem Westen genau kontrolliert werden. Genaue Ausführungs- bestimmungen für den Geschenkpaket- Verkehr vom Ausland, von Westdeutsch­ land und Westberlin wach der Sowjetzone sind noch immer nicht veröffentlicht wor­den. Ein Sprecher des Sowjet-Ministe­riums kündigte lediglich an, daß sich die Zollpflicht nur auf Geschenksendungen aus dem Ausland beschränken soll. Liefoes- gaben-Pakete aus Westdeutschland und Westberlin würden nicht verzollt. Bei Ge­schenksendungen laius dem Bundesgebiet ist das Höchstgewicht je Sendung für Kaffee, Kakao oder Schokolade auf 250 g, für Tabakwaren auf 50 g, festgesetzt. Pa­kete in die Sowjetzone dürfen insgesamt nicht schwerer als 7 kg sein. Es sei mög­lich, daß die Zahl der Pakete einge­schränkt werde. Voraussichtlich würde den Einwohnern des sowjetischen Besat­zungsgebietes der Empfang von Geschenk­paketen zu den gesetzlichen Feiertagen

und zu Familienfesten, möglicherweise auch alle vier Wochen, gestattet sein.

Die Geschenksendungen aus dem Aus­land werden für nach- ■ . .. . .

stehende Waren folgende Zollsätze pro Kilo fest­gelegt: Kaffee 40 DM,

Kakao 30 DM, Schoko­lade 30 DM, Tabakwaren 250 DM. Auch für Aus­landssendungen beträgt das Höchstgewicht für Sendungen von Kaffee,

Kakao oder Schokolade je 250 g, für Tabakwaren 50 g.

Personen, die außer­halb der Sowjetzone wohnen, können Ge­schenksendungen bei der Handelsorganisation(HO) bestellen. Die HO soll sine Auswahl von Nah­rungs- und Genußmit­teln für Geschenksen­dungen zusammenstellen.

sein Vermögen um ein Vielfaches ver­mehrt. Über 50 Villen uni Schlösser be­sitzt Aga Khan noch heute in allen Teilen der Welt.

Für drei europäische Frauen wurde Aga zum Märchenprinzen. Er holte sie alle aus kleinen Verhältnissen und überschüttete sie mit Reichtum. Die erste, Therese Magliano, eine italienische Tänzerin, spä­ter auch als Bildhauerin bekannt gewor­den, heiratete Aga Khan im Jahre 1908, nachdem sie zum Islam übergetreten war. Dieser Ehe entstammt Ali Soloman Khan, der klatschumwitterte Gemahl der ameri­ kanischen Filmschauspielerin Rita Hay- worth . Als Therese 1926 starb, vergrub sich Aga Khan wieder in die Arbeit. Er kehrte nach Indien zurück und in seinem Palast ln Bombay konnte jeder ihn spre­chen, er hatte ein offenes Ohr für alle Anliegen seiner Untertanen und Gläubi­gen. Nach zwei Jahren hatte er seinen Schmerz über den Verlust der geliebten Frau überwunden.

Im Herbst 1929 traf Aga Khan ln einer kleinen Konditorei des berühmten Kur­ortes Aix-les-Bains die hübsche Verkäu­ferin Andree Carron. Sie gab ihrem bürgerlichen Verlobten den Laufpaß und heiratete den Märchenfürsten. Smaragd­grün und schokoladebraun, ihre Lieblings­farben, wurden zu den Hausfarben des Khan.

Am 10. März 1936, zur Feier seines 50jährigen Jubiläums als Imam der Is­ maeli , wogen ihm seine Gläubigen das eigene Gewicht in Gold auf. 70 000 Zu­schauer füllten das Bradbourne-Stadion in Bombay , als Aga Khan auf die Waage stieg und Goldbarren auf Goldbarren den 213 Pfund schweren Mann langsam in die Höhe drückten. Zehn Jahre später wieder­holte eich dieses Schauspiel am gleichen Ort, nur daß diesmal Diamanten als Gegengewicht aufgelegt wurden. Damals wog Aga Khan 243 Pfund — das sind 600 000 Karat Diamanten im Wert von etwa 2,2 Millionen Dollar. Jedesmal stellte der Fürst den Ertrag der Zeremonie für wohltätige Zwecke zur Verfügung.

Ein Zwischenspiel in der Politik: 1937 wählte die 18. Vollversammlung des Gen­ fer Völkerbundes den indischen Delegier­ten Aga Khan zum Präsidenten. Zwei Jahre später brach der Krieg aus und Aga Khan zog sich in die Schweiz zurück. Dort ließ er sich 1943 von Andree scheiden und heiratete mit 67 Jahren nochmal: die 38- jährige französische Modistin Yvette Lahrousse, ehemalige „Miss Frankreich 1932“. Noch heute ist sie als Begum eine gefeierte Schönheit, die unermüdlich am Krankenbett ausharrt, wenn den alten Herrn schwere Gichtanfälle plagen.

Wie man hört, schreibt Aga Khan an seinen Memoiren. Es werden Erinnerungen an eine Zeit sein, die versunken ist und die auch für seinen Nachfolger nicht mehr wiederkehrt. :

Die unbequemen Geschenke

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»Sehen Sie nidit, daß diese Sendimgen den .fortschrittlichen Aufbau' stören!“ (Berliner Morgenpost )

Der Genuß, den sich jeder leisten kann

Eine fröhliche Plauderei von Karel Capek

Ich könnte eine ganze Reihe großer und ungemein erfreulicher Lebensfreuden an­führen wie die Liebe, tugendhafte Taten, einen sonnigen Maientag, Erfolg, einen Haupttreffer in der Lotterie, und viele andere gute Dinge. Wenn ich es aber so weitläufig anpacken möchte, vergäße ich sicher eine wohltuende Lebensfreude, die sich jeder leisten kann, nämlich den Ge­nuß, seinem Nächsten Rat zu geben.

Jeder von uns gibt furchtbar gern Rat­schläge. Es liegt einfach in der Natur des Menschen, daß er bei jedem Anlaß bereit­willig seine Überlegenheit kundtut, indem er einem anderen auseinandersetzt, was er tun sollte.

Gibt ein bedächtiger Mensch einen Rat, sagt er gewöhnlich nicht: „Machen Sie das oder machen Sie jenes“, sondern: „Ich •würde an Ihrer Stelle folgendes tun: Ich würde mich an Ihrer Stelle nach einem einträglichen Erwerb Umsehen, um keine Not zu leiden. Ich würde an Ihrer Stelle diesen Kerl verklagen und er müßte zah­len. Ich würde an Ihrer Stelle nach Argen­ tinien gehen und eine Maisplantage an- legen, und es müßte mit dem Teufel zu­gehen, wenn Sie dann nidit reich würden.“

Der Mensch weiß meistens mit bewun­dernswürdiger Sicherheit, was er an der Stelle eines andern machen müßte, sofern er seinem. Nebenmenschen Rat gibt, kommt ihm das ganze Leben als etwas wunderbar Einfaches, Leichtes, Vielversprechendes und Geordnetes vor.

Solchen Überschwang an Sicherheit hat

Wenn Ihr nicht wollt, daß Euer Rat­schlag fehlschlägt, so ratet in möglicnst allgemeinen Umrissen. Nehmen wir ein­mal an, ein unpraktischer Mensch kommt zu Euch, der sich ernähren will, aber nir­gends ankommen kann. Gewöhnlich könnt

solchen allgemeinen Ratschlags lieber etwas Geld geben. Denen bleibt, möchte ich be­haupten, dann allerdings das angenehme Bewußtsein versagt, sie hätten einen moralischen Einfluß auf das Leben und die ganze Zukunft ihres Nächsten gehabt.

Unsere Freude und Bereitwilligkeit, Rat­schläge zu erteüen, beschränkt sich aber keineswegs auf Menschen unserer Um-

und werdet Ihr ihm auch nicht sagen: j.gebung. Wir sind so menschenfreundlich

„Gehen Sie da und da hin und es wird für Sie gesorgt sein“. Sondern Ihr werdet etwa folgendermaßen sprechen: „Kopf hoch, lieber Freund! Sie dürfen nicht ver­zweifeln! Schauen sie sich nach einer dauernden Arbeit um, und haben Sie sie gefunden, halten Sie sie fest! Mein Gott, in jedem Fach kann der Mensch es zu

und uneigennützig, daß wir auch gern etwas für das allgemeine Wohl tun möch­ten. Wir möchten Einfluß auf die' wirt­schaftlichen und politischen Verhältnisse nehmen und praktische und wohldurch­dachte Ratschläge erteilen, die, wenn man sie befolgen würde, nach unserer Ansicht eine fühlbare Besserung der Lage herbei-

etwas bringen! Nur den Mut nicht ver- j führen könnten. Da die Welt sich jedoch

lieren! Sie müssen die Augen offen halten!“ Geben wir auf diese Weise Rat, so fühlen wir mit besonderer Genugtuung, wie weise und lebensklug wir sind. Wenn wir einen Rat erteüen, so tun wir es in der Regel nicht, damit dem anderen geholfen wird, sondern nur wegen dieser rechtschaffenen Freude am Raterteüen. Es gibt verlegene Menschen, die dem Betroffenen statt eines

um unsere Ratschläge im allgemeinen wenig kümmert, bleibt uns wenigstens die Genugtuung, daß es ihr gerade deshalb, weü sie unsere Ratschläge nicht be­folgt, so schlecht geht. Einfach deshalb, weü sie sich nicht nach unserem Kopf richtet, und wir können sagen, daß es ihr deshalb recht geschieht. Die Folgen soll sie sich selebst zuschreiben.

Die Nobelpreise für 1952

Ein Franzose, zwei Engländer und zwei Amerikaner

Literatur

Der Nobelpreis 1952 für Literatur wurde dem Romanschriftsteller und Publizisten Frangois Mauriac zugesprochen. Die schwe­dische Akademie für Literatur in Stock­ holm ehrte so den französischen Schrift- steüer für seine „durchdringende Seelen­der Mensch nur dann, wenn es sich um die | kennerschaft und künstlerische Intensität“,

“ mit der er das menschliche Lebensdrama gedeutet habe.

Mauriac , dessen Werke auch in Deutsch­ land zahlreiche Freunde gewonnen haben, ist literarischer, kultureller und auch poli­tischer Publizist und Leitartikler der Pari­

ser Zeitung „Figaro “, deren Miteigentümer er seit 1946 ist. Er gehört zu den meist­gelesenen und am stärksten diskutierten zeitgenössischen Schriftsteüem Frankreichs , und hinter seinem Lebenswerk steht eine mutige, aufrichtige Persönlichkeit von hohem literarischem Niveau. Seit 1SÖ3 ist Mauriac Mitglied der Academie frangaise. Er zog 1922 mit seinem Werk „Le baiaer aux Lepreux“ (Ein Kuß den Leprakran­ken) zum erstenmal das Interesse der lite­rarischen Weltöffentlichkeit auf sein Schaf­fen und hat seitdem zahlreiche Romane, drei Bühnenstücke und drei Bände Memo­

iren sowie zahllose Zeitungsartikel ver­öffentlicht.

Francois Mauriac , der am 11. Oktober 1885 in Bordeaux geboren wurde, güt heute als einer der führenden katholischen Autoren. Die realistische Schilderung menschlicher Wirklichkeit hat dem Ver­fasser aber in Frankreich trotz seiner Re­ligiosität und tiefen katholischen Gläu­bigkeit auch starke Kritik in kirchlichen Kreisen eingetragen. 1925 erhielt er für „Le desert de l’amour“ (Die Wüste der Liebe) den großen Romanpreis der Aca­demie frangaise. Zu der geistigen Arbeit, mit der Mauriac während der deutschen Besetzung die Widerstandsbewegung we­sentlich unterstützte, gehört das 1941 heim­lich geschriebene Werk „Cahier noir“.

Physik undChemie

Die diesjährigen Nobelpreise für Physik erhielten die amerikanischen Professoren Bloch von der Stanford-Universität und j Purceü von der Harvard-Universität . Beide haben sich um die Entwicklung von Präzisions - Meßmethoden über magne­tische Eigenschaften des Atomkerns große Verdienste erworben. Bloch stammt aus Zürich , promovierte in Leipzig und emi­grierte 1933 nach den USA . Purceü hat sich vor aüem mit den Strahlungen von Rundfunkwellen aus dem Weltenraum und mit der Deutung ihrer Entstehung beschäf­tigt. Diese Forschungen führten zu einem tieferen Verständnis kernphysikalischer Vorgänge. Beide Nobelpreisträger haben unabhängig voneinander und gleichzeitig ihre neuen Meßmethoden entwickelt.

Den Chemienobelpreis erhalten zwei I Engländer, Dr. Martin und Dr. Synge, die vor mehr als 15 Jahren in Cambridge zu­sammengearbeitet und sich tun die Ent­wicklung der sogenannten chromatogra­phischen Analyse hochverdient gemacht haben. Hierbei wird eine Lösung der zu trennenden Stoffe z. B. durch eine Säule von Puderzucker geleitet. Dabei werden die verschiedenen Stoffe mit verschiedener Geschwindigkeit absorbiert und dadurch

in Schichten voneinander getrennt. Mit die­ser Methode gelang es, äußerst verwik- kelte Gemische von Stoffen, die bei der Zersetzung großer Moleküle von kompli­ziertem Bau entstehen, zu analysieren. Beide Chemiker, heute an verschiedenen Forschungsinstituten tätig, wurden bereits für würdig befunden, der Royal Society als Mitglieder anzugehören. — Bloch ist 47, Martin 42, Purceü 40 und Synge 38 Jahre alt.

Journalist als Kulturattache

Der Feuületonchef der „Neuen Zeitung“ in München -Frankfurt , Dr. Bruno E. Wer­ ner , ist zum Kulturattache des deutschen Geschäftsträgers in Washington ernannt worden. Werner ist als Journaüst durch seine zeitkritischen Kunstbetrachtungen und auf dem Gebiet der Literatur durch seinen Roman „Die Galeere“ bekannt ge­worden, der wesentüch zum Verständnis des Auslandes für die Lage der geistig Schaffenden unter der Herrschaft der Na­tionalsozialisten beigetragen hat.

Nach Dr. Wilhelm Hausenstein , dem Schriftsteller und Journalisten, der die Bundesrepublik als Diplomat vertritt, Ist mit Bruno E. Werner der zweite deutsche Publizist in den diplomatischen Dienst ge­treten. Es ist sicher, daß gerade der gei­stig Schaffende in vielen Fällen eine be­sondere Mission zu erfüllen hat und sie besser erfüüen kann als der Berufsdiplo­mat. Manche Länder, so u. a. Frankreich und England , haben schon seit Jahrzehnten Künstler, Gelehrte und Journalisten als Botschafter verwandt und auf solche Weise vielfach eine vertiefte geistige Beziehung zu anderen Staaten hergesteüt.

Das Institut für Demoskopie veranstaltet am 7. und 8. November in Al­ lensbach eine Arbeitstagung: „Gegenwarts­fragen der deutschen Rundfunk-Hörerfor­schung“. Sie wird Vertreter aller deutschen Rundfunksender mit in- und ausländischen Fachleuten auf dem Gebiet der Hörerfor­schung zusammenführen.