Seite
  

UNABHÄNGIGE HEIMATZEITUNG FÜR OBERBADEN UND DAS BODENSEEGEBIET

SUDKURIER

Erscheint Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, Bezugspreis monatlich: durch Träger 185 D-Mark

Samstag. Tel.: 914, 925,1130,1510,1511. Femschr. 07S2M. 8. JAHRGANG * DONNERSTAG 18. DEZEMBER 1952 * NUMMER 206 (und JS Pf* Trägerlonn), durch die Post 1.05 D-Mark

Verlag und Redaktion Konstanz , Marktstätte 4 (und 45 Pf*. Postzustellgebühr). Einzelpreis M Pfg.

Tito bricht mit Vatikan

BELGRAD . Die jugoslawische Regie­rung hat die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Der stellver­tretende jugoslawische Außenminister Dr. Ales Bebler überreichte dem Geschäftsträ­ger der pästlichen Nuntiatur in Belgrad eine Note, worin der Vatikan auf gef ordert wird, seinen Vertreter in Belgrad zurück­zuziehen. Marschall Tito hatte die Ernen­nung des von Jugoslawien nicht mehr an­erkannten Erzbischofs von Agram, Aloy­ sius Stepinac , zum Kardinal kritisiert und als „feindliche Geste des Vatikans“ gegen­über Jugoslawien bezeichnet

Adenauer spricht mit OJlenhauer

BONN . Heute soll die angekündigte Be­sprechung des Bundeskanzlers mit dem SPD -Vorsitzenden Erich Ollenhauer statt- finden. „Ich halte Ollenhauer für einen besonnenen und ruhigen Mann“, meinte der Bundeskanzler kürzlich in einem In­terview. Die bevorstehende Zusammen­kunft sei auf jeden Fall von Nutzen. Man könne mit einer Unterhaltung nicht alle Gegensätze aus der Welt schaffen, aber „es liegt mir daran, aus der Fühlung­nahme zwischen Regierung und Opposition eine regelmäßige Einrichtung zu machen.“

CDU : „Eine blasse Illusion"

BONN . (W.-Eigenbericht). Die in der letzten Zeit vom Bundeskanzler und von der CDU -Fraktion verfolgte Politik hat die Zustimmung des Bundesparteivorstandes der CDU erhalten. Der Parteivorstand hat sich für baldige Ratifizierung der außen­politischen Verträge ausgesprochen, ande­rerseits aber die Notwendigkeit einer Fest­stellungsklage vor dem Bundesverfas­sungsgericht bejaht.

In einer Verlautbarung heißt es, es er­fülle die CDU mit großer Sorge, daß das Bundesverfassungsgericht in zunehmendem Maße zum Gegenstand politischer Ausein­andersetzungen geworden sei. Der vom SPD -Vorsitzenden Ollenhauer in der letz­ten Zeit mehrfach vorgebrachte Gedanke, an Stelle der europäischen Verteidigungs­gemeinschaft und der europäischen Inte­gration, wie sie von der Bundesregierung angestrebt wird, ein System der interna­tionalen Sicherheit und eine „Internatio­nale Gemeinschaft von Völkern von Freien und Gleichen“ zu setzen, wurde abgelehnt. Dies sei „eine blasse und angesichts der Weltlage geradezu lebensgefährliche Illu­sion.“

Totgesagter heimgekehrt

DILLE NB URG. Nacht achtjährigem Auf­enthalt in Schweden ist der 1944 totgemel­dete 29jährige Günter Han« Lehnert aus Breslau zu seiner Mutter und Schwester in Dülenburg (Hessen ) zurückgekehrt und hat noch eine Frau und drei Kinder mit­gebracht. Lehnert war nach der Versen­kung eines deutschen Handelsschiffes vor Riga amtlich für tot erklärt worden, hatte sich aber in Wirklichkeit mit fünf Mann auf einem Gummifloß an die Küste retten können und war in sowjetische Gefangen­schaft geraten. Mit seinen Kameraden floh er in einem Boot nach Finnland und schlug sich nach Schweden durch. Er lebte dort acht Jahre als Gelegenheitsarbeiter und war im Begriff, mit seiner schwedi­schen Frau und seinen drei Kindern nach Kanada auszuwandem, als seine Bemü­hungen, mit seiner Mutter in Verbindung zu kommen, endlich Erfolg hatten.

Kurz notiert

Auf einer Bundesratuitznng, die noch In dieser Woche stottfinden soll, dürfte unter anderem die Herabsetzung der Kaffee- und Tee-Stener behandelt werden.

Auf Grand des deutsch -französischen Grenz- zwischenfalles bei Schweigen ist Bundeskanz­ler Dr. Adenauer bei der alliierten Hohen Kommission vorstellig geworden, um Anwer­bungen für die Fremdenlegion künftig zu verhindern.

In Kairo wurde die Ernennung von Feld­marschall Azis el Masri zum ersten Bot­schafter Aegyptens in Bonn bestätigt.

Der bisherige Bezirksleiter der Industrie- Gewerkschaft Metall. Otto Brenner , wurde zum neuen Gewerkschaftsvorsitzenden ge­wählt.

Bundespräsident Theodor Heues hat dem ersten Vorsitzenden des Deutsch » Jonrnaü- stenverbandes, Dr. Helmnt Cron, das GreBe Verdienstkreuz des Bundesverdienst ordens verliehen.

Am Zonengrenzübergang Toepen-Jnchhoeh wurden von Volkspolizisten rin bayerischer Grenzoberjäger und sein Kraftfahrer festge­nommen. Der Wagen wurde beschlagnahmt.

Nach einem Erfahrungsbericht der Bundes­bahn haben sich die bisher verwendeten Schienenomnibusse gut bewährt. IW weitere Fahrzeuge sollen in Auftrag gegeben werden.

Laut Mitteilung des ÜS-Haoptqnartiers in Enropa sollen die amerikanischen Infante­risten auf dem Kontinent künftig zu ihren Uniformen blaue Halstücher, Schulterschnüre und nene Insignien tragen.

Der Domdekan und Generalvikar von 8t. Gallen, Monsignore August Zöllig, Ist im Alter von 79 Jahren verstorben.

Die Besatzung des mit Weihnachtstruthähnen für die US -Streitkräfte beladenen Kühlschif­fe« „Grommet“, da« vor der Hafeneinfahrt

14 Millionen für die Landwirtschaft

Hilfsaktion für Dürre-Gesdiädigte und notleidende Kleinbetriebe — Gesetz in Baden-Württemberg STUTTGART . (Tfz-fEigenbericht.) Die Ver­

fassunggebende Landesversammlung nahm in ihrer letzten diesjährigen Sitzung ein­stimmig ein Gesetz zur Behebung drin­gender Notstände in der Landwirtschaft an, durch das der heimischen Landwirt­schaft insgesamt 14 Millionen DM zur Ver­fügung gestellt werden. Ein CDU -Gesetz- entwurf, der den gleichen Zweck verfolgte, jedoch in der letzten Sitzung auf Einspruch der Opposition rächt behandelt worden war, wurde zurückgezogen. Regierungsparteien und Opposition sprachen sich nach der Annahme des Gesetzes befriedigt aus und unterstrichen die volkswirtschaftliche Be­deutung der großen Hilfsaktion, die sich nicht nur für die Bauern, sondern auch für die Verbraucherschaft in den Städten gün­stig auswirken werde.

Das Verdienst, die Hilfsmaßnahmen noch vor dem Weihnachtsfest ermöglicht zu ha­ben, nahmen die CDU und der Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Bauernver­bände, Heinrich Stooß , für sich in An­spruch, da das Gesetz auf ihre Initiative hin so beschleunigt erlassen worden sei. Landwirtschaftsmdnister Herrmann und Sprecher der Regierungsparteien dagegen erklärten, auch ihnen sei es auf beschleu­nigte Hilfe für die Bauern angekommen. Das gehe schon daraus hervor, daß sie den Präsidenten der Verfassungsvensamm­lung ausdrücklich ermächtigt hätten, noch vor Weihnachten die Sondersitzung des Parlaments zur Verabschiedung des von ihnen in songfäitiger Prüfung mit dem Fi­nanzminister erarbeiteten Gesetzes einzu­berufen. Einig war sich die Verfassungs- Versammlung aber schließlich darüber, daß

STUTTGART . (Tfz-Eigerabericht). Sämt­liche Ministerpräsidenten und der Regie­rende Bürgermeister von Berlin hielten am Mittwoch am Dienstjftr des Ministerprä­sidenten von Baden-Württemberg , Dr. Reinhold Maier , eine Konferenz ab.

'In der bis in die Abendstunden dauern­den Sitzung entwickelte sich ein reger Meinungsaustausch über die politische Lage der Bundesrepublik und deren vor­dringliche Probleme. Di« Ministerpräsi­denten erörterten in erster Linie die durch die politischen Ereignisse der letzten Zeit hervorgerufenen ernsten Schwierigkeiten und gaben ihrer Sorge um die Lösung der entstandenen Konflikte Ausdruck.

In einem am Spätnachmittag ausgegebe­nen Kommunique heißt es. die Länder­chefs seien sich bewußt, daß manche Ur­sachen, die zur gegenwärtigen Lage ge­führt hätten, in dier aufgezwungenen Hast begründet lägen, mit der die Gesetz­gebungsarbeiten der Aufbauzeit hätten geleistet werden müssen. Die Minister­präsidenten seien sich darüber einig, daß die großen außenpolitischen Entscheidun­gen, vor die das deutsche Volk jetzt ge­stellt sei, durch innenpolitische Zerwürf­nisse nicht noch erschwert werden dürf­ten. Diese Entscheidungen könnten nur dann fruchtbar und die von allen erstrebte nationale Selbstbehauptung könnt« nur gesichert werden, wenn sie von einer breiten Mehrheit des deutschen Volks ge-

von Livorno (Italien ) in zwei Telle auselnan- dergebrochen ist, konnte gerettet werden.

Ein ProzeB gegen swei deutsche Mediriner, die angeklsgt sind, während des Krieges Versuche an Menschen vorgenommen n haben, beginnt vor dem Militärgericht in Mets.

Auf einer Londoner Auktion wurde Her­mann Görings kugelsicherer Mereedeswagen für 12 OM DM an einen Autohändler ver­steigert.

Im Mordproseß gegen den 19jährigen Eng­länder Harold Winstanley, der, wie berichtet, vor kurzem die Gattin Lord Derbys verlötet und zwei Hausangestellte getötet hatte, kam ee sn einer Ueberraechung: Der Gerichtsarst stellte fest, daß der Angeklagte an Bewußt­seinsspaltung leide und iu eine Heilanstalt

eingeliefert werden müsse.

Englands Außenminister Eden erklärt« dem US -Außenminister Acheson , daß Großbritan­ nien nach wie vor auf Schadenersats in der persischen Oelfrage bestehe. Die Werte der Anglo-Iranian -Compaaie in Persien tollen rund SM Millionen Pfand Sterling betragen.

Ein Höhenrekord für Einphaeen-Kmkoton stellte eine Vlking-9-Bakete der amerikani­ schen Flotte anf. Sie erreichte eine Höhe von 217 Kilometern.

Auf dem Paraguay -Fluß, in der Nähe von Asnncion, sank ein Motorboot, wobei elf Per­sonen ums Leben kamen.

Innerhalb von swei Tagen wurden In der Gegend des Yalu (Nordkorea ) fünf kommu­nistische Düsenjäger abgeechoseen.

Bel einer Bergwerkskatastrophe anf den Philippinen ertranken M Bergleute. Mehrere Stollen eines Geldbergwerkes waren ringe­brochen, mnd Wasser ans einem nahegelegenen Fluß hate die Gänge überflutet.

„Der geheimnisvolle Mann der Berge“, rin llßjährlger Einsiedler, der bis vor knrsem in einer entlegenen Gegend Neuseelands ge­wohnt hatte, starb in einem Altersheim.

im Zusammenwirken von Opposition und Koalition ein Gesetz verabschiedet wor­den sei, das — wie Abg. König (FDP ) Kehl erklärte — eine für die Bauernschaft ein­malige Leistung seit dem Zusammenbruch darstelle.

Das Gesetz, das am 17.12. verkündet und in Kraft getreten ist, gewährt der süd­westdeutschen Landwirtschaft zur Behe­bung dringender Notstände Kredite in einer Höhe von 10 Millionen DM, die wie folgt zu verwenden sind: 2,5 Millionen DM für die Instandsetzung und Verbesserung von Wirtschaftsgebäuden, 3,5 Millionen DM für Umlegung und Meliorationen, 2 Millionen DM für Erbauseinandersetzun­gen zur Verhinderung der Realteilung und für die Ermöglichung der Uebemahme von Pachtbetrieben durch junge und heimat­vertriebene Landwirte, 1 Million DM für Inventar und Betriebsmittelbeschaffung, 0,6 Millionen DM für Elektrifizierung ab­gelegener Höfe und 0,4 Millionen DM für die Errichtung von Gemeinschaftsanlagen in Landgemeinden.

Außerdem werden dein in den Sommer­monaten dieses Jahres dyreh Dürre und Engerlinge besonders schwer geschädigten Gebieten zur Verbilligung von Futtermit­teln Landeegelder als verlorene Zuschüsse bis zur Höhe von 4 Millionen DM zur Ver­fügung gestellt. Ueber die gesamten Mittel darf sofort verfügt werden.

Ferner wird die Landesregierung ersucht, die Einkommensteuer für nicht buchfüh­rende Landwirte entsprechend dem Scha­densumfange zu ermäßigen und beim Bund dafür einzutreten, daß deren Umsatzsteuer ebenfalle entsprechend gesenkt wird. Fi­

nanzminister Dr. Karl Frank appellierte an die landwirtschaftlichen Organisatio­nen, das Entgegenkommen der Verfas- sungsversammlung dadurch zu belohnen, daß sie für eine sinnvolle Verwendung der Mittel einträten und verhinderten, daß die Gelder in Taschen flössen, in die ßie nicht hineingehörten.

Während die Sitzung im allgemeinen ruhig verlief, kam es zu erregten Zwi­schenrufen, als Sprecher der Opposition und der Koalition jeweils den Erfolg für die großzügige Bauemhilfe ihrem Vorge­hen und dem ihrer Parteien zusprechen wollten. Nach einer Mahnung des Präsi­denten („Meine Herren, in echt Tagen ist Weihnachten “) trat jedoch wieder Ruhe ein, so daß die einstimmige Annahme des Hilfsprogramms den Tagesordnungspunkt zur Zufriedenheit aller beendete. Der Ge­setzentwurf über den gemeinsamen Schul­jahranfang und den Beginn der Schul­pflicht wurde nach längerer Debatte an den kulturpolitischen Ausschuß zur Uelberar- beitung überwiesen.

Vorschläge Adenauers

BONN . (W-Eigenbericht). Bundeskanzler Dr. Adenauer bemüht sich gegenwärtig, in diplomatischen Verhandlungen mit den Vertretern der Westmächte das Eis zu lö­sen, das sich um den „Bonner Vertrag “ und den Vertrag über die europäische Ver­teidigungsgemeinschaft gelegt hat. Im Mit­telpunkt seiner Bemühungen stehen zwei Vorschläge: 1. Die Einrichtung eines stän­digen „Rates der Regierungschefs“ der europäischen Staaten einschließlich Groß­ britanniens , 2. Eine Erklärung der West­mächte zu einigen besorgten Fragen in be­zug auf die Verträge, die bei der Bera­tung der Verträge im Bundestag immer wieder aufgetaucht sind.

In erster Linie scheint es dem Bundes­kanzler darum zu gehen, daß der franzö­ sischen Nationalversammlung auf jeden Fall die Billigung der Verträge ermög­licht wird.

Außer diesem Vorschlag hat bei den Unterredungen, die der Kanzler In den letzten Tagen mit dem französischen Ho­hen Kommissar Frangois-Poncet und dem vertretenden amerikanischen Hohen Kom­missar Reber hatte, der Wunsch Dr. Ade­nauers eine besondere Rolle gespielt, die Westmächte möditen durch eine gemein­same Erklärung deutsche Einwände und Befürchtungen entkräften.

EVG-Vertrag fest

Verteidigungsgemeinschaft

Mountbatton untersteht dem NATO -Ober- befehlshaber in Europa , General Ridgway . Großbritannien hatte ursprünglich ge­wünscht, daß Ridgway und dem NATO - Oberkommandierenden im Atlantik, dem USA -Admiral McCormick, gleichgestellt wird. Im Kriegsfall obliegt dem Befehls­bereich Mountbattons die Sicherung der Seeverbindungen im Mittelmeer , der Schutz der Geleitzüge und die Gleich­schaltung der See- und Luftstreitkräfte. Die USA -Flotte behält ihre Selbständig­keit unter dem Kommando des Admirals Carney.

Der Atlantikrat hatte in einer Ent­schließung zum Thema Indochina fest­gestellt, daß der Widerstand, der von Frankreich dem direkten und indirekten Angriff geleistet werde, ein wesentlicher Beitrag zur gemeinsamen Sicherheit der freien Welt sei.

Der britische Außenminister Anthony Eden gab vor der Annahme dieser Ent­schließung durch den Atlantikrat eine längere Erklärung über die sowjetische Durchdringung der Sowjetzone sowie die Bemühungen der Bundesregierung ab, eine baldige Ratifizierung des EVG-Vertrages herbeizuführen.

Länder lehnen Schaffers Vorschlag ab

Gegen Erhöhung des Bundesanteil« an der Einkommen nnd Körperschaftsteuer

tragen würden. Die Ministerpräsidenten appellieren deshalb an alle verantwor­tungsbewußten demokratischen Kräfte, eich zueammenzufinden, um die Grund­lagen des demokratischen Staates zu ai- chem.

Di* Ministerpräsidenten sind, so heißt es in dem Kommunique weiter, einmütig der Auffassung, daß eine Erhöhung des Bundesanteils an der Einkommen- und Körperschaftsteuer für die Länder un­tragbar ist, wenn die den Ländern oblie­genden Aufgaben insbesondere in sozialer und kultureller Hinsicht nicht ernsthaft gefährdet werden sollen.

Atlantikrat hält an

Eine Entschließung zur Europäischen

PARIS . Die Entschließung, die der At­lantikrat am Mittwoch zur europäischen Verteidigungsgemeinschaft angenommen hat, stellt fest, daß besonders auf wirt­schaftlichem Gebiet durch die Schaffung der schon funktionierenden Gemeinschaft für Kohle und Stahl Fortschritte in Rich­tung auf den europäischen Zusammen­schluß erzielt wurden. Er betont erneut, daß die Verteidigung Europas mit Ein­schluß Westdeutschlands die umgehende Schaffung der EVG notwendig macht. Er unterstreicht die Wichtigkeit der gegen­seitigen Garantien, die zwischen den Mit­gliedern der NATO und der EVG verein­bart wurden, und weist nachdrücklich auf das große Interesse hin, das die atlantische Gemeinschaft an der raschen Inkraftset­zung des Vertrages für die EVG und also an seiner Ratifizierung durch alle Mit­gliedstaaten sowie an der Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum Atlantikpakt hat, in dem die NATO -Mitglieder den Mitglie­dern der EVG die erwähnten Garantien geben.

Der Atlantikrat stimmte der Bildung eines NATO -Flottenoberkommandos im Mittelmeer unter dem Kommando des britischen Admirals Lord Mountbatton zu.

EIN RIESEN AAL wurde im Kattegatt in der Nihe von Göteborg di« Beute schwedischer Fischer. Es ist ris Seeaal, dar zonnaierweiee im Atlantik lebt. Der Riesenfisch wiegt 32 Kilogramm und hat ein# Längs von zwei Metern.

, 1 i

Streiflichter:

Der Fragebogen

t In welchem Umfang sich die ursprüng­lichen Pläne der Atlantikpaktmächte ge­ändert haben, ergab die Analyse der von den Mitgliedstaaten eingereichten Frage­bogen. Den in Paris tagenden Außenmi­nistern der Atlantikpaktstaaten und den zuständigen Generalstabschefs wird jetzt nachgewiesen, daß die für Ende 1952 ge­planten Divisionen nicht vollständig auf­gestellt und nicht ausreichend ausgerüstet werden konnten.

Washington und London haben wissen lassen, daß 1953 mit keinen weiteren an­gelsächsischen Verstärkungen gerechnet werden könne. Es heißt, daß auch Holland und - Belgien diesen Standpunkt einneh­men. Frankreich beabsichtigt zwar 1953 zwei weitere Divisionen aufzustellen. Zu­nächst aber muß es die bereits bestehen­den Divisionen vollständig ausrüsten, was noch geraume Zeit beanspruchen dürfte. Im Hauptquartier der NATO in Paris wird laut „Daily Mail“ angedeutet, daß die für 1953 geplanten 70 Divisionen nicht erreicht werden, sondern daß der NATO nur 60 Divisionen zur Verfügung stehen werden. Die Hälfte, also 30 Divisionen, sollen be­reit stehen, die andere Hälfte wären Re­servedivisionen. Von der Ausrüstung und anderen Faktoren wird es aber abhängen, ob diese Reserven auf einem so hohen Be­reitschaftsstand gehalten werden können, daß sie wie geplant innerhalb von dreißig Tagen mobilisiert werden könnten.

Angesichts dieser Verlangsamung des Rüstungstempos rückt auf der Tagung der Atlantikpaktmächte die deutsche Frage stärker denn je in den Vordergrund. Der Bedarf nach deutschen Divisionen ist ge­wachsen, aber nicht mehr mit dem stra­tegischen Ziel, die vorgeschobenen Posi­tionen des Sowjetblocks unter Druck zu setzen, sondern zunächst mit dem vor­dringlichen Zweck, die sich verlangsamen­de Aufrüstung der Atlantikpaktstaaten mindestens etwas auszugleichen.

Ein weiterer Verhandlungspunkt ist die Dauer der Dienstzeit in den Atlantikpakt­staaten. Erneut wird vom Hauptquartier General Ridgways auf zwei Jahre ge­drängt, während beispielsweise den deut­schen Fachleuten 18 Monate ausreichend scheinen. Erhebliches Kopfzerbrechen hat inzwischen den Atlantikpaktstaaten auch die Errichtung der Befehlshierarchie im Mittelmeer gemacht, weigerte sich Eng­ land doch, seine eigene Mittelmeerflotte unter amerikanischen Oberbefehl zu stel­len. Jetzt ist ein Kompromiß geschlossen worden, der so aussieht, daß die britische Flotte unter britischem, die amerikanische unter amerikanischem Oberbefehl bleibt, während beide der NATO zwgeteilt wer­den. Der brit Oberbefehlshaber Mount- batton untersteht nur General Ridgway .

Man glaubt aber, daß das Zögern der europäischen Staaten, ihr Soll nicht zu er­füllen, noch einen anderen Grund habe. Immer wieder fällt das Wort, daß „Quali­tät, nicht Quantität“ not sei. Die euro­ päischen Staaten scheinen nicht gewillt zu sein, Schrott zu fabrizieren, wenn man doch munkelt, daß Amerika für eigenen Gebrauch Atom-Artillerie herstelle, ja die Atom-Artillerie schon serienmäßig fabri­ziert werde. Hier, im bedrängten Europa , möchte man nicht darauf verzichten, und statt dessen den eigenen Soldaten veral­tetes Material in die Hand geben.

Neue Formen für EVG?

JFR. Die Konferenz der Außenminister in Paria wird eich auch mit der deutschen Frage befassen. Obwohl amtliche Stellen ebenso wie die Organe der öffentlichen Meinung jede Stellungnahme zu den ver­fassungsrechtlichen Vorgängen in Bonn und Karlsruhe strikt ablehnen, wird in politischen und diplomatischen Kreisen doch jetzt erstmals die Frage aufgeworfen, was geschehen soll, falls Generalvertrag und EVG-Abkommen nicht programmge­mäß durchgeführt werden können. In der Theorie bleibt das Besatzungsrecht so lange in Kraft und die Bundesrepublik so lange unbewaffnet, bis die Westverträge von allen beteiligten Staaten ratifiziert worden sind.

Grundsätzlich muß hierzu festgestellt werden, daß bisher weder in Washington noch in London oder einer anderen euro­ päischen Hauptstadt irgendwelche Alter­nativpläne für den Fall der Nichtratiflzie- rung ausgearbeitet oder auch nur erörtert worden sind. Vielmehr gehen die führen­den Westmächte, d. h. insbesondere die USA und Großbritannien , nach wie vor weiter von der Voraussetzung aus, daß die Verträge schließlich doch unter Dach und Fach kommen werden, wenn auch mit Programm widriger Verspätung.

Aber die jüngsten Ereignisse in Bonn und Karlsruhe haben dazu geführt, daß man anfängt, sich mit neuen Ueberlegun- gen zu befassen und zu befreunden, und diese Uefoerdegungen werden gefördert da­durch, daß inzwischen auch den militäri­schen Sachverständigen neue Zweifel an der Durchführbarkeit gewisser Bestim-