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-Berger Anzeiger
belesenstes Tageblatt Zer v^or^ DanKmSes.
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Nr. 188
Druck und 8er lag der
Buchdruckers Akel-Hei«. Adolf Heppel« Telrfv» Nr. 18 »«t »del-hei«
Ad^lShei«, Dienstag, 17. August 1915
»s. Jahrg.
Tagesberichte.
»TV «r-tze- -a«ptchu«rtier. 1«. «»,. (Amil.)
Westlicher Ariegssch«npl«tz.
Nördlich v»n ««merrweiler (nordöstlich von Aa««erktrch) brach ei» franzöfischer Teilangriff »er «»seren Hi«der»1ffe« i« Feuer z«fa««e».
westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe de- Ge«eralseld«arscha>- do« Hi«de«b»rg:
vei weitere« erfolgreiche« ««griffe» gegen die vorgeschobene« Stellungen vo» stow«» wurde« «tster«
173« Ruffen,
darunter 7 Offiziere, gefa»ge» geuommr«.
Ter «it de« erfolgreiche« R«rzee Ueberga«g ««gebahnte Durchbruch der russischen Stellungen g«la«g i« volle« U«fa«g De« vo« der Durch» druch-stelle ausgehexdeu^Druck «ud de« a«f der g«»ze« Kr»«t er«e«t ei»setze«de« Angriffe« «ach- -ebeud, weicht der Gegner aus seine« Stellung»« vo« Rare» biß zn« Bng. Unsere verfolgenden Truppe« erreichten die Höhe vo« Braust. Ueber
S««« Gefangene
Men in n»sere Hände.
Vei Nowo Georgiew-k wnrde« die Verteidiger netter a»f de» Fortsgürtel znrückgewerfen- Heeresgruppe des Ge«eralkeld«arfchalls Prinz Leopold vo» Batzern:
Der linke Flügel erzwa«g i« der Nacht de« Uebergaug über den vng westlich vo« Drohiszy«.
Nachde« Mitte und rechter Flügel am gestrige« stermitlag Lofiee n«d «iendrzhrzee durchschritten h«tte«, stieße« fie an de« Abschnitt der T»ez«a «ld «lnkowka (zwischen Drohiszy» n»d Biala) ««f er «e»t e« Widerstand; er wurde heute bei
L Ehre und Liebe.
N Roman von Käthe LubowSki. 36
.Ich habe geschlagen, gebissen und gekratzt. Aber zuletzt erlahmte ich doch. Wir waren in hartem Kampf an jenen Tisch, »ns dem, neben den Resten einer üppigen Mahlzeit, Gläser und Flasche» umherstanden, gekommen. Da ergriff ich eine der Flaschen nnd schlug auf ihn ein. in jähem Entsetzen, ohne zu wissen, wohin meine Schläge trafen. Er ließ ab von mir. Ich glaube, er blutete. In diesem Augenblick bin ich zur Tür hinansgestiirzt. auf die Straße und zum Bahn- Hof weiter. Fünfzig Mark hatte ich in der Tasche. Die reichten Made für das Billet, daS Jackett und den Hut, die ich mir irgendwo unterwegs kaufen mußte, denn ich hatte nur ein Tuch um die Schultern.
Nicht wahr, Hans Weddo, ich konnte doch nicht anders, «lr z» Dir zu kommen. Wo sollte ich in meiner Verzweiflung denn sonst wohl Hinsehen?"
Tarenberg war von der schlichten Darstellung, die einen flkgrund von Schlechtigkeit barg, erschüttert. Das Herz tat ihm weh und in seine Angen stiegen heiße Tränen.
Ja, ja. wohin hätte sie sonst auch gehen können, wenn Acht zu ihm. Höchstens noch in das Unglück, in die Schande. « wäre ihr gar kein anderer Ausweg geblieben.
Das rüttelte an ihm. ES warf die Vorurteile mit starker Hand in Scherben und zerbrach im voraus alles, was Men» Dennwrt und Menschentücke gegen ihn anfbauen könnten. De, welche ihn lieb hatten, würden auch dann an ihn glau» selbst wenn sich die Verleumdung mit dunkel» schmutzt- M Geschichten zu ihnen wagte.
Es galt nur noch die Frage zu beantworten, wo er die Schwester unterbringen sollte. Daß er sie bis zu des Sani- llnsrat DunkerS Rückkehr in Trantenberg behalten würde, «md bei ihm fest. Das kleine zurzeit unbewohnte Jnspek» toihrms hinter der Stadt, für das der Besitzer seit langer ükit einen Mieter suchte, fiel ihm ein.
, - Ja. das würde gehen. Die spätere Zukunft müßte ihr ^ Mi» «inen Beruf geben, der ihr junges Leben ausfüllte und - Kraft in Anspruch nahm. Einen Beruf, dem sie geivach»
T«ge-a«vruch östlich vo» Lofiee durch ve« An» griff schlesischer Landwehr gevroche«. Er wird verfolgt.
Heeres gruppe des Generalfeldinars«Halls von Mackensen r
Die Verfolgung wurde fortgesetzt; Viala «nd Slawatysze find durchschritte».
vestlich vo« Wlodawa dringe« ««sere Truppe« aus de« Dstnser de- Vng vor.
Oberste Heeresleitung.
Die Meldung des jüngsten Tagesberichtes der Obersten Heeresleitzmg vom westlichen Kriegsschauplatz beschrankt sich auf die Mitteilung, daß nördlich von Ammerzweiler, nordöstlich von Dam- merkirch im Oberelsaß, ein französischer Angriff in unserem Feuer zusammenbrach.
Der Kessel, in dem sich der große Rückzug der westlich und südlich der Buglinie kämpfenden russischen Truppen abwickelt, hat sich wieder um eine beträchtliche Kilometerzahl verengert. Besonders interessant sind die verschiedenen Zahlen von Gefangenen, die von unseren Truppen bei der weiteren Verfolgung des Feindes gemacht wurden und im krassen Gegensatz zu den Mitteilungen des russischen Generalstabes stehen, der dreist behauptet, die russischen Heere seien unversehrt. So wurden bei weiteren erfolgreichen Angriffen gegen die vorgeschobenen Stellungen von Kowno wieder 1730 Russen, darunter 7 Offiziere, gefangen. Vom Kampfplatz zwischen Bug und Narew wird die erfreuliche Nachricht gemeldet, daß der mit dem erfolgreichen Nur - zec-Uebergang angebahnte Durchbruch der russischen Stellung in vollem Umfang gelungen ist. Der Gegner hatte sich an dem Nurzec und an der Slina erneut auf einen Widerstand eingerichtet. Der Nurzec ist ein Nebenfluß des Bug, der sein Quellgebiet bei Kletschtscheli hat und in pinem halbkreisförmigen Bogen, der erst nordwestlich, dann südwestlich verläuft, unter vielen Windungen südöstlich des Ortes Nur in den Bug mündet. Es war vorauszusehen, daß die Russen diese Flußstellungen nicht lange würden halten können, denn es erwuchs ihnen hier die große Gefahr, im Rücken gefaßt zu werden. Tatsächlich muß der Gegner auch unter dem von der Durchbruchsstelle ausgehenden Druck, sowie vor den neu ein- setzenden Angriffen aus seinen Stellungen zwischen Narew
sin war und dessen Ausübung ihr Freude machte. Das würde
das Richtigste sein.
Für heute mußte sie natürlich bei ihm bleiben. Ts ging nicht anders. Er mußte ihr nach dem trostlosen Nmherirren «ine Nacht voll ruhigen Schlafes gönnen. Vielleicht erlosch dadurch die Fieberhitze in ihrem abgezehrten Gesicht, und der stoßweise und aufgeregt über die Lippen kommende Atem würde in den stärkenden Stunden, in denen er über ihre Ruhe Wache halten wollte, wieder ruhig.
Er begleitete sie bis an die Schwelle seines behaglichen, eleganten Schlafgemaches.
„Nun schlaf gut, kleine Nora," sagte er weich.
„Und Du, Hans Weddo, wo wirst Du bleiben?"
„In dem schönen, weichen Lehnstuhl, Schwesterlein."
„Laß mich doch lieber dort."
„Nein, Kind, geh' nur. Du brauchst eine ruhige Nacht sehr nötig, damit Du bann morgen mit Hellen Augen in Dein einstweiliges Heim einziehen kannst."
Sie sah ihn scharf an.
„Wenn ich nun aber sehr krank würde, HanS Weddo ?"
Er erschrickt. Vorher, als bei ihrem veränderten Aussehen der gleiche dunkle Gedanke in ihm anfblitzte, hat er ihn nicht zu Ende denken können. Nun sie ihn anrührt, muß er eS tun.
Ihr entgeht sein plötzliches Erblaßen nichr. ES tut ihr so leid, daß sie ihn geängstigt hat.
„ES wird schon wieder vorüber gehen," sagte sie tröstend. „und nun gute Nacht, lieber, guter HanS Weddo."
Aber sie glaubt nicht an das, was sie soeben gesagt hatte.
ES ist auch wirklich nicht vorüber gegangen. DaS Fie» ber, daS vielleicht schon wochenlang in ihr glüht, ihr Lebensfreude und Arbeitslust nahm, mit bleierner Müdigkeit und jenem niederdrückenden Gefühl der Entbehrlichkeit, daS schweren Krankheiten häufig voranzugehen pflegt, auf ihr lag, ist endlich zum AuSbruch gekommen. Vielleicht deshalb so schwer und heimtückisch, weil sie eS verstanden hat, sich so lange dagegen zu wehren.
Tarenberg hat eine furchtbare Nacht erlebt. Er hat gemeint. daß sie ihm unter den Händen sterbe« müßte und doch
und Bug weichen. Auch in diesem Kampfabschnitt ist die Gefangenenzahl außerordentlich groß. Ueber 5000 Gefangene fielen hier in die Hände der Verfolger. Ueber das Schicksal der Festung Nowogeorgiewsk kann kein Zweifel mehr herrschen. An ein Entkommen der Besatzung in östlicher Richtung ist nicht zu denken, ebenso auch nicht an einen Entsatz» und so wird das Los Fall und Gefangenschaft sein.
Die Truppen der Generalfeldmarschälle Prinz Leopold und Mackensen konnten ihren konzentrischen Vormarsch gegen das Zentrum des künftigen russischen Widerstandes, gegen Brest-Litowsk , erfolgreich fortsetzen. Die Russen waren nicht imstande, dauernden Widerstand zu leisten. Die Annäherung gegen die Festung ist überall sehr erschwert, da von verschiedenen Seiten von Sümpfen umsäumte Wasserläufe auf diesen festen Platz zustreben. Trotz dieser Schwierigkeiten ist aber bis jetzt noch keine Stockung im Vormarsch eingetreten. Der linke Flügel der Heeresgruppe des Prinzen Leopold erreichte bereits den Bug und erzwang in der Nacht den Uebergang westlich von Drohiszy n. Mitte und rechter Flügel durchschritten im Laufe des Vormittags Losice und Miendrzyrzec. Die Entfernung dieser Linie von Brest-Litowsk beträgt nur noch rund 55 Kilometer. Nachdem auch der neuerliche Widerstand der Russen gebrochen ist, verringert sich dieser Abstand weiterhin. In der gleichen Entfernung von der Festung stehen die Truppen des Generalseidmarschalls von Mackensen, die den unaufhaltsam fl öchtfu d en, Fpn d vor sich her treiben, Biala und Slawath'sze'Krch- schritten und in einer Frontbreite von 70 Kilometern auf Brest-Litowsk marschieren. Die ganzen Operationen zeigen deutlich, daß die von dem russischen Generalissimus angewandte „Ermattungsstrategie", wie sie 1812 von den Russen angewandt wurde, diesmal völlig versagt.
WTB. Paris, 16. Aug. Amtlicher Bericht von abends 11 Uhr: Der Tag war auf der ganzen Front ruhig. In den Argonnen unterbrach das Eingreifen unserer Artillerie die feindliche Beschießung in Courtchausse und Fontaine-aux-Larmrs. In dem Abschnitt von Bagatelle veranlaßt die Explosion einer Mine einen Kampf um den Besitz des Erdtrichters, der in unseren Händen blieb. Der Feind warf einige Granaten auf weite Entfernung auf die offene Stadt Montdidier . Unsere Abwehrbatterien brachten sein Feuer zum Schweigen. Um andererseits die Beschießung von Saint Die und unseres Lagers am Wettstein (westlich vom Lingekops) zu beantworten, beschossen wir den Bahnhof von Markt rch und das deutsche Lager von Barrenstall.
nicht den Mut gehabt, zu einem Arzt zu stürzen, weil er 'wußte, daß der einzige, zu dem er volles Vertraue» besaß, erst gegen Morgen von einer Operation heimkehrte. So hat er denn allein versucht, durch kalte Umschläge die zunehmende Fieberhitze zn bannen. Seine ganze starke Manneskraft mußte er gegen daS schwächliche Mädchen anwenden, um sie im Bett zu halten.
Um sechs Uhr morgens endlich konnte er zn de», alten Gene- ralarzt a. D. Wiedenhöfft, welcher der einzige Freund seines verstorbenen Vaters gewesen war, gehen. Der kam, obgleich noch nicht aus dem Riesenmantel heraus, sofort mit ihui.
Er ließ kein Wort des Erstaunens fallen, als er das junge wunderhübsche Mädchen in Tarenbergs Wohnung erblickte.
Zurückgezuckt war er freilich und sein Blick hatte Tarenbera seltsam feindlich gestreift.
„TyphnS," sagte er nach der gründlichen Untersuchung kurz „Aller Wahrscheinlichkeit nach der schwerste Fall von Oeöo» minalis."
Als er an Hans Weddos Schreibtisch das Rezept gegeben hatte, stand er noch ein wenig vor ihm still und legt« die Hände auf seine Schulter. Schwer nnd fest lagen sie da, als wollten sie das Hanpt, daS so stolz und schuldlos in die West sah, dnrch den kraftvollen Druck herunterzivnrgen. Es gelang ihnen abe- nicht. Indem vornehmen Greijenantiitz deS gesuchten Arztes wetterleuchtete es plötzlich.
„Die Edelleute werden immer seltener," sagte er langsam und schüttelte den jungen Offizier ein wenig.
Larenbergs Augen hielten den langen Blick, dem etwas wie Verachtung beigemischt war, aus, ohne mit der Wimper zu zucken.
„Der Schein trügt. Herr Generalarzt," entgegnete er ruhig „Jenes Mädchen nnd mich verbündet nichts weiter, als ein trauriges Geheimnis, um dessentwillen ich Barmherzigkeit cm ihr üben will und muß. Mehr darf ich Ihnen nicht sagen. Ich bitte Sie inständixst, über ihre Gegenwart in meiner Wohnung nichts verlauten zu lasten. Sie kennen die Trauten- berger ja länger inid besser wie ich. Es würde viel zngedichtet werden, wenn sich die Oeffeutlichkeit dieser Sache bemach- t'gte." 22020