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SS. Jahrg.

Tagesberichte.

MTV. Große» Hauptquartier, 7. Dez. (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei Berry au Bac glückte eine größere Sprengung. Der französisch» Graben ist mit seiner Besatzung ver­schüttet, eine fast vollendete feindliche Miuenanlage ist prstört.

Oestlich von Auberive (in der Champagne ) wurden etwa 250 Meter der vorderen französtschev Grabens ge- «ommen, über 60 Mann fielen gefangen in unsere Hand.

Oestltcher Kriegsschauplatz:

Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Balkau-Sriegsschauplatz:

Jpek ist erreicht. Etwa

1250 Gefangene

»erden eiagebracht.

Die Franzosen haben vor der drohenden Umfassung hre Stellungen im Crrne-(Karas«-)Dardar Bogen aufgeben rüsten.

Oberste HeereSleituug.

Aus der Westfront machten sich unsere Truppen durch snige größere Unternehmungen den Franzosen unliebsam bemerkbar. Durch eine gelungene Sprengung wurde bei Berry-au-Bac der französische Graben mit der gesamten Besatzung verschüttet und gleichzeitig eine fast vollendete feindliche Minenanlage zerstört. Einem kühnen Vorstoß in der Champagne östlich von Auberive fiel ein Stüä don etwa 250 Meter des vordersten französischen Gra­ins zum Opfer. Dabei machten unsere Tapferen über ^ Franzosen zu Gefangenen.

Trotz riesiger Schwierigkeiten und unausgesetzter Wit­trungsunbilden, meterhohen Schnees und Borastürme, Nenvältigten unsere unausgesetzt mit größter Energie smdringenden Truppen nun auch westlich und südwestlich ^vn Novibasar die über 1200 Meter hohen mont egrini scheu Grenzaebirge und haben auch aus c von Mitrowitza nach Jpek führenden Straße die stei- Ausläufer der Suha-Planina und der Mokra-Vlanina

bewältigt, wobei sie die dort noch eingenisteten kleineren feindlichen Abteilungen vor sich her trieben. In der Pe- stera genannten, sehr verkarsteten, über 1000 Meter hohen Hochebene, die durch ihre Rauheit und Wasserarmut be. rühmt ist, wurden montenegrinische Truppen angegriffen und zurückgeschlagen. Die zogen sich mit bedeutenden Ver- lüsten auf ihre Hauptstellungen zurück, die in der zwischen 1300 und 1400 Meter hohen Kruschitza-Planina zu ver­muten sind. Die von Osten her aus Jpek vorrückenden österreichisch -ungarischen Streitkräfte, die durch das Berg­land gegen diese Stadt Vordringen, warfen nach heftigeyi Kampfe eine serbische Nachhut zurück. Die Spitzen dieser unserer Kolonne haben bereits die Stadt Jpek er­reicht. Zur Verbesserung der Wege in Albanien sollen schon italienische technische Truppen gelandet sein, die dort Wege und Straßen landeinwärts bereits aus­bauen.

Wohin der Rückzug der Serben aus Monastir erfolgt ist, darüber verlautet noch nichts. Offenbar werden die Serben aber versuchen, nach Westen um den Presba-Sec herum nach Albanien zu entkommen. Ein Rückzug nach Osten zum Zwecke eines Anschlusses an die Entente-Trup­pen ist ihnen ja schon seit längerer Zeit durch den bulga. rischen Vorstoß östlich von Monastir gegen die griechische Grenze unmöglich gemacht worden. Ein schmaler Strei­fen der Südwestecke Serbiens ist jetzt noch das einzig« Stück serbischen Bodens, das noch nicht von den Ver­bündeten besetzt ist. Und auch aus ihm ist der Rest des serbischen Heeres in vollem Rückzug. Auf der Straße von Krcova (Kicero, 45 Kilometer westlich von sPrilep) nach Ohrida (an der Nordostecke des Ohrida-Sees) »sowie im Jama-Gebirge (zwischen Krcova und dem an der alba­nischen Grenze gelegenen Debra) kam es zu 'Kämpfen mit den serbischen Nachhuten, die geworfen wurden. Auch die von Prizren nach Albanien zurückgehenden Reste des serbischen Hauptheeres hat das Geschick nochmals ereilt. Sie wurden südwestlich von Prizren, also offenbar schon auf albanischem Gebiet, nochmals von den Bulgaren ge­stellt und vernichtend geschlagen.

WTB. Paris, 7. Dez. Amtlicher Bericht von gestern ibend 11 Uhr: Im Laufe des Tages ziemlich lebhafte Ar- 'illerietätigkeit im Artais. um Laos und Souchez, sowie livischen Somme und Oise , wo unsere Batterien Eisenbahnzüge bei ?ay getroffen und Truppen, die hinter der Front bei Hatton- : ourt und Laucourt ihre Stellungen wechselten, unter Feuer renommen hatten. In der Champagne gleichfalls sehr hef­

iges Geschützfeuer von der Gegend von Saint Souplet bis Mas- iges und in den Argonnen bei Haute Chevauchee. — Belgi­scher Bericht: Auf der belgischen Front kein Infanterie- rampf. Unsere Batterien führten verschiedenem«! wirksames Feuer r«s Gruppen deutscher Soldaten und namentlich bei Schoorbach ind bei Woumen. Die deutsche Artillerie zeigte am Nachmittag .'inige Tätigkeit. Wir haben sie Mt Erfolg bekämpft. — Belm Expeditionskorps an den Dardanellen herrschte währen?» les 4. Dezember lebhafte Tätigkeit der beiden Artillerien. Un- «re Artillerie nahm feindliche Arbeiter in der Gegend der Mün- »ung des Kerevizdere unter ihr Feuer. Unsere Flieger warfen >ahlrejche Bomben auf ein Lager der Türken.

WTB. Wien, 7. Dez. Amtlich wird verlauibart >om 7. Dezember 1915 mittags: j ,

Südöstlicher Kriegsschauplatz: Südlich von Llevlje schlugen wir montenegrinische Vorstöße ab. , ihn Grenzraum nördlich von Berane greifen unsere Gruppen die montenegrinischen Hauptstellungen an. Sie rstürmten gestern mittag die Verschanzungen bei Suho- vl. Südlich von Novipazar brachten wir abermals .300 Gefangene ein. Der Raum östlich von Jpek war gestern neuerlich der Schauplatz heftiger Kämpfe. Der ZÄnd wurde überall geworfen und verlor 6 Geschütze, deute früh drangen wir in Jpek ein. Djakova wur- >e von den Bulgaren besetzt.

* »

*

Der Antergang des serbischen Heeres.

Wie die amtliche Mitteilung unserer Obersten Hee­resleitung, so hat auch der bulgarische Generalstabsbericht die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die serbische Ar­mee für den Krieg als operationsfähiges Ganzes ausge­schieden sei. Seitdem haben die verbündeten Streitkräfte, die von Prisren im Süden und von Mitrowitza im Nor­den gegen den Raum von Dschakowa Vordringen, noch Tausende von Gefangenen gemacht, so daß nur noch ge­ringe Reste der Serben Widerstand leisten oder im Ab­züge nach Montenegro und Albanien begriffen sind. Es gibt in der Kriegsgeschichte kaum ein Gegenstück zu dem Feldzuge der Verbündeten gegen Serbien , der mit der Üeberwindung großer Stromschranken begann, dann einen tapfern kriegserfahrenen Feind aus stärken Stellungen warf, eine Verfolgung durch unwegsame Gebirge im Winter fortsetzte und mit der Vernichtung der gegnerischen Strcitkräfte und der Besetzung des ganzen Landes bis ans unbedeutende Streifen abschloß. Selbst die durch

Der Kampf um das Testament.

Roman von Carola v. Eynatten. 57

Es war im „Club of Sportsmen, der die hohe Schule der Eleganz, aber auch der Liederlichkeit und Verschwendung in jeder Form ist. Zum Theater soll er gleichfalls sehr enge Be­gehungen unterhalten und große Freigebigkeit mit Brillant- koulonS und Armbändern entwickeln! — Infolgedessen ist Nama Csallovary in Heller Verzweiflung und hat ihre sehr wertvollen Juwelen verpfändet, um wenigstens die Spiel­schuld sofort zu decken. Wie sie aber die andern Geschichten K in Ordnung bringen soll, bereitet ihr schweres Kopfzerbre­chen, denn der Vater darf natürlich nichts erfahren, sonst würde er dem jungen Herrn die sehr dienliche nähere Bekannt- ichast mit der Hundspeitsche vermitteln."

„Neußerst nettl —Wie haben Sie das alles herausge- iracht?"

„Durch den bekannten Privat-Detektiv Sigossy, dessen Beistand wir in Anspruch nahmen und noch nehmen; er wird das Herrchen streng überwachen. — Wie denken Sie Über diesen Plan?"

„Ich halte ihn für zweckdienlich und will wünschen, daß « in Bälde zu dem gewünschten Erfolg führt. Je eher Sza- rvlta mit der ganzen häßlichen Wahrheit bekannt wird, um lv eher und um so leichter kommt sie darüber hinweg," ant­wortete Margits. „Und nun eine delikate Frage. Meister. Be der wärmsten Teilnahme für unsere Freundin entspringt. Ich habe seit längerer Zeit schon den Eindruck, als wäre ve Herrn Kerkhelyi nicht ganz gleichgültig?"

Des Malers Gesicht überflog ein Schatten. „Diesen Ein- Kuck habe auch ich, sogar sehr stark." sagte er. „und ich freute wich darüber, denn eS war mir immer, als ob auch Sza- r°lta ihn sehr gern hätte. — Der arme Kerl!"

Mayerstein gab dem Gespräch eine andere Wendung, an neuen Thema sesthaltend, bi» er aufstand und sich ver­abschiedete. wobei ihm ein in Seidenpapier geschlagener Ge- ««nstand aus einer Eeitentasche seines Rockes glitt. Die Hülle Uste sich, und eS kam eine Zigarrentasche von Juchtenleder kMt aufgelegtem Monogramm von Silber zum Vorschein.

„Das ist hübsch I" sagte Margits.

Der Maler reichte ihr die Tasche und sagte: „Es ist für Mellik. Er hat sich gegen Szarolra so nett benommen, daß ich ihm eine Kleinigkeit als Zeichen der Dankbarkeit schenken will."

„Das ist nett von Ihnen, Mayersteinl — Aber — Sie sind nicht böse, wenn ich eine freche Bemerkung loslasse? — seit einiger Zeit sind Sie wunderbar gut bei Kasse!"

„Kennen Sie den Schwur nicht, den ich mir wegen mei­ner Finanzen geleistet habe?"

„Gehört habe ich davon, aber nicht daran geglaubt."

„Dann sind Sie böse daneben geraten, teuerster Doktor, denn bis dato habe ich ihn nie verletzt, und das war keine Kleinigkeit für mich. Wissen Sie, was es heißt, pro Woche mindestens ein Tapetenmuster, einen Kronleuchter-Entwurf und was es dergleichen mehr gibt, zu verbrechen, wenn man die kunstgewerblichen Künste haßt, wie ich sie hasse? Na, se­hen Sie. dieses Opfer brachte ich all diese Zeit, bringe es noch und werde es auch künftighin bringen l Doktor Margit«, wa­rum ist dieses bißchen Leben nur so teuer?"

„Weil Sie eS sich teuer machen! Doch, Ihnen Vernunft predigen, ist verlorene Zeit."

„Kommt darauf an, wer sie predigt. Wissen Sie, daß Sie da» achte Weltwunder find?"

.Ich-?"

„Ja Sie. die Sie mit noch nicht sechsundzwanzig Jahren schon ein ausgewachsener Doktor der Medizin, freiuch ohne einen einzigen Patienten» sind und fast von nichts leben! Weiß der Kuckuck, wie eS zugeht, ich mag noch so sparen, ein Tafelaufsatz oder ein Pracht-Bucheinband ist das Wenigste, waS ich verzehre l"

„Und Ihre Gemälde dazu!" lachte Margit«.

„Fehlgeschossen, teurer Doktor I Seit ich den großen Schwur getan, werden sie nicht mehr benagt, alle diese Einnahmen wandern finge auf die — Bank;sogar mein „BöseS Gewis­sen" liegt dort deponiert»"

.Ah. kahl"

Margit«» grenzenlose Verblüffung fand in Ton und Miene so scharfen Ausdruck, daß der Maler laut herauslachte.

„Sie halten das sür höheren Schwindel? — Gut. wenn

wir Malernestler wieder das Glück haben, Sie in unfern Mauern begrüßen zu dürfen, werde ich Ihnen mein Bank- Konto vorlegen und mich weiden an Ihrem Erstaunen!"

„Wenn das wirklich geschieht, ernenne ich Sie feierlichst zum nennten Weltwunder!"

„Der gebesserte alte Lump oder das nennte Weltwun­der!" — Wäre ein feiner Titel für ein Rührstück! — Die Sache liegt so — man muß endlich auch einmal an die Zukunft denken, kann nicht bis an sein seliges Ende allein hernmlau- fen. Will man sich aber einen Wegkameraden werben, so ist's Unsinn, zu warten, bis man so auf dem Hund ist. daß er ab­solut keinen Spaß mehr an einem haben kann. Ist das nicht richtig?"

„Sie wollen heiraten — Sie?" und Margits schaute ihn auS großen, erstaunten Augen an.

Jedenfalls hatte sie noch nie an diese Möglichkeit ge­dacht.

Ein Schatten senkte sich auf Mayersteins Stirn. „Aus dem Munde einer alten Vogelscheuche hört sich das komisch an, gelt?" rief er lachend.

Es sollte lustig klingen, der Grundton war aber ein ge­kränkter.

„Eine Vogelscheuche sind Sie nicht. Mayerstein. Sie wären selbst ein ganz netter Mann, wenn Sie sich etwas weniger vernachlässigten."

Der Maler schaute so ausdrucksvoll an sich herunter, daß Margits sofort verstand und hell auslachte. „Heute haben Sie sich allerdings fein herausstaffiert, in Ihrer Art wenigstens, in der Regel aber sehen Sie greulich aus. Uebrigens genügt es nicht, einen anständigen Anzug zu tragen, Haar und Bart wollen auch gepflegt sein. Sie aber lassen sie verwildern."

„Werde es mir notieren, Doktor Margit«, und meine schö­nen Locken demnächst opfern! Sie sollen zufrieden sein, wenn Ihnen daS überhaupt möglich ist; vielleicht mache ich dann einen heiratsfähigeren Eindruck ans Sie!"

„Mißverstehen Sie mich nicht, Meister, an Ihrer Heirats­fähigkeit zweifle ich kein bißchen. Ich kann mir Sie nur nicht so recht vorstelle» als Ehemann und meine. Sie müßten sich drollig ausnehmen „im Kreise der Familie"!" erwiderte sie ihm neckend. 222.2L

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