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Druck und Verlag:

Buchdruckerei Adelsheim Adolf Heppele: T-i'vlinn N- 18-

Adelsheim , Montag, 13. Dezember 1915

Verantwortlich:

A. Hepveler in Adelrheim

39 . Jahn,

Tagesberichte.

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«TV . Große« Hauptquartirr, 11. Dez. (Amt!)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf vielen Stellen der Front lebhafte Tätigkeit der eidersritigen Artillerien.

Nach starker Feueroorbereitung griffen die Franzosen abends unsere Stellung auf und östlich der Höhr 193 (nordöstlich von Souaiu) erneut an. Der Angriff wurde rbgrschlagen. Die Stellung ist genau so fest in unserer no wie stö uns auch durch die kühnsten gegenteiligen Behauptungen in den französischen Tagesberichten der letzten M nicht hat entrissen werden können.

Oestlicher Kriegsschauplatz r

Dis Lage der Heeresgruppen der GeneralfeldmarschLlle ^ou Hindenburg und Prinz Leopold von Bayern ist un­verändert.

Heeresgruppe des General - vor» Liufiuge«:

Ein ruffischer Angriff brach nördlich der Bahn Kowrl- arny verlustreich vor der oestrrreichisch-ungarischen Linie Zusammen.

Nordöstlich von CzartorySk würben auf das westliche tyrufer vorgegangene Aufklärungsabteilungea deS Feindes hieb er vertrieben.

Balkaukriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Ueber dis bulgarischen Armeen liegen neue Nachrichten «ch nicht vor.

Oberste Heeresleitung.

WTB. Großes Hauptquartier, 12. Dez. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz:

Oestlich von Neuvechapelle (südwestlich vor Lille ) scheiterte vor unserem Hindernis der Versuch einer kleinen englischen Abteilung, überraschend iv unsere Stellung einzudringen.

In den Vogesen kam es zu vereinzelten Pa- stouillengefechten ohne Bedeutung.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Schwächere russische Kräfte, die in der Gegend des Wariunq-Sees ssüdlich von Jakobstadl) und südlich von Pinsk gegen unsere Stellungen vorzei­ten, wurden zurückgewieseu.

Balkan -Kriegsschauplatz:

Den in den albanischen Grenzqebirgen verfol' genden österreichisch-ungarischen Kolonnen fielen i« den beiden letzten Tagen über 6500 Gefangene und' Versprengte in die Hände. Zwischen Rozaf, das gestern genommen wurde, und Zpek hat der Feind über 40 Geschütze zurücklaffen müssen.

Nach entscheidenden Niederlaqen, die die Armee des Generals Todorow in einer Reihe kühner und kräftiger Schläge während der letzten Tage den Franzosen und Engländern beibrachte, befinden sich diese in kläglichem Zustande auf dem Rückzuge nach der griechischen Grenze und über dieselbe. Die Ver­luste der Feinde an Menschen, Massen und Mate- ! rial aller Art find nach dem Berichte unseres Ver- ! kündeten außerordentlich schwer, j Oberste Heeresleitung.

*

Im Westen und Osten fanden kleinere Kämpfe von örtlicher Bedeutung statt, die im übrigen die Gesamtlage in keiner Weise berührten. Bei der Säuberung Alba­ niens von versprengten serbischen Truppen machten die mit dieser Aufgabe betrauten österreichisch -ungarischen Ko­lonnen in zwei Tagen über 6500 Gefangene. Zwischen Jpek und dem nördlich davon gelegenen Rozaj, das gleichfalls in den Händen der Verbündeten Truppen ist, mußte der Feind über 40 Geschütze zurücklassen.

Ungeheurer Jübel herrscht in Bulgarien über die Säuberung Mazedoniens von den Engländern und Franzosen . Die „Frkst. Ztg." gibt folgende Darstellung über den Rückzug der Ententetrnppen: Die ans Fran­zosen und Engländern bestehende Hilfsarmee der Entente ist durch die Unschlüssigkeit des Kriegsrates un­serer Gegner in eine sehr bedrängte Lage gekommen. Mo- nastir, die Hauptstadt Mazedoniens , fiel dadurch in un­sere Hände, daß eine bulgarische Kolonne gegen Och- rida—Struga marschierte (eine andere Abteilung ging gegen Debra vor) und dadurch die Serben in Gefahr brachte, von Albanien abgeschnitten und auf griechisches Gebiet gedrängt zu werden. Me Serben wichen dann

Der Kampf um das Testament.

Roman von Carola o. Eynatten. 61

Des Advokaten Stirn zog sich in Falten. — Trat ihm tiefer verwünschte Maler schon wieder in den Weg? — Wer bloß für den Nachweis eines alten Möbels ohne Kunstwert WO Kronen bietet, der muß an seinem Besitz das größte In» Messe haben.

„Wieviel verlangt Deilchenzweig?" fragte er plötzlich. „Viertausend Kronen."

Csallovary stand auf und sagte „Guten Abend, Herr Ro- tznleib, ich bin sehr beschäftigt, meine Zeit ist herum."

Der Jude war aber ein erfahrener Mann, der „das alles" Aunte. Darum rührte er sich nicht von der Stelle und sagte wehmütig: „Gnädiger Herr Doktor, soll der Veilchenzweig be­schweren sein Gewissen für nichts?"—

Sogar auf den erregten und mißmutigen Advokaten wirkt« öss Drollige dieser Frage, die demütig-schlaue Miene des alten Mannes derart, daß es ihm Mühe kostete, ein Lächeln V unterdrücken.

„Was hat die unverschämte Forderung mit des Mannes Gewissen zu tun?" war die barsche Erwiderung.

„Gnädiger Herr Doktor," und Rosenleib verfiel in einen Mich kläglicheren Ton, „hat der Veilchenzweig nicht ver­pfändet sein Wort, Herrn Mayerftein sofort Meldung zu ma­chen. wie sich hat gefunden der Schreibsekretär?"

„Er hat ihm ja auch versprochen, zu niemand von der Sache zu sprechen," fiel der Advokat rasch ein, den Juden scharf anschauend.

Rosenleib erschrak, überwand diese Regung aber sogleich «vd antwortete, eine List vermutend: „Weiß ich's, kann ich's wissen? Geschrieben hat der Veilchenzweig nichts davon, aber kr ist ein braver, ein ehrlicher Mann."

„Haben Sie schon erzählt."

„Es wird ihm nicht leicht, zu brechen sein Wort."

„So soll er es halten."

In Rosenleibs Gesicht malte sich schmerzliche Sorge, 'gnädiger Herr Doktor, bedenken Sie, was Sie sagen, wenn Tie sagen: .Rosenleib, machen Sie, daß Sie fortkommen!"

Der Schreibsekretär kann sein von unschätzbarem Wert für Sie und den Prozeß, von einem Wert, wogegen 4000 Kro­nen, sind das reine Nichts!" sagte er beschwörend.

„Wie kommen Sie auf meinen Prozeß," fragte Csallovary sehr unangenehm berührt, denn das verteuerte ihm sicher den Handel.

„Wie heißt, darauf kommen! Man hört hier etwas, man hört dort etwas, wenn man verkehrt mit die Leut," versetzte er achselzuckend.

Der alte Gauner wußte mehr, als er zugestand, war jedenfalls auch in das Geheimnis des Sekretärs eingeweiht.

„Hören Sie mein Gebot. Rosenleib," sagte der Advokat einen Augenblick danach. „Enthält der Sekretär irgend einen Gegenstand oder ein Dokument von bedeutendem Wert für mich, so bewillige ich die 4000 Kronen, findet sich nichts Der­artiges. so zahle ich 2000 und keinen Heller mehr. Halten Sie es, wie Sie wollen," erklärte Csallovary.

„Es soll sein abgemacht auf diese Bedingungen hin und der gnädige Herr Doktor soll sein zufrieden. Wenn es ist so­weit. und das kann sein in drei, in acht, in vierzehn Tagen, so müssen Sie kommen nach Veszprim —"

„Selbstverständlich, Veilchenzweig soll mir eine Depesche schicken. Aber noch eine Frage," setzte der Advokat hinzu, als er sah, daß der Alte sich zum Rückzug anschickte, „die Sie mir streng wahrheitsgetreu beantworten sollen. Sie brauchen nicht zu fürchten für Ihre Forderungen an meinen Sohn Jenö, ich verbürge mich mit meinem Ehrenwort für ihn. so­weit es sich um die Summe handelt, die er tatsächlich erhal­ten hat und für die ich 12 Prozent bewillige."

„Pro Jahr, gnädiger Herr Doktor?"

„Natürlich."

Rosenleibs Gesicht verlängerte sich unheimlich, er sagte aber kein Wort mehr, während der Advokat fortfuhr: „Was ist das für eine Geschichte mit der reichen Partie, von der sie sprachen? Ich weiß davon nichts."

„Gnädiger Herr Doktor, soll ich — kann ich mißbrauchen das Vertrauen, was mir hat geschenkt der junge, gnädige Herr? Gnädiger Herr Doktor, so wahr eS gibt einen Gott im Him­mel und so wahr er soll mir helfen und meinen Kindern, das bring ich nicht über's Herz!"

„Dummes Zeug! Entweder hat mein Sohn die ganze

von Monastir^ über Resna, dem Ostufer des Ochrida- sees entlang nach Albanien aus, und die Bulgaren be­setzten die Linie Debra—Struga—Ochrida—Monastir. Sie kamen dadurch tief in die Flanke und in den Rücken der Franzosen , die sich nun zum schleu­nigen Rückzug gezwungen sahen, zumal ein starker Druck der Bulgaren sich auf der Linie Walandvwo — Gra- detz geltend zu machen drohte.

Zunächst zogen sich die Franzosen in den Flußwinkel Tscherna—Wardor zurück. Mer der konzentrische An­griff der Bulgaren , der mit einer vollkommenen Umfas­sung und der Abschließnng des Wardartals unter­halb der französischen Stellung drohte, etwa bei De- mirkapu oder Gradetz, erzwang den allgemeinen und begreiflicherweise recht eiligen Rückzug der Franzosen . Auf dem rechten Flußufer sind die Franzosen hinter die Linie Petro wo — Mirowtza zurückgeworfen wor-' den (die Bulgaren überschritten dort das schwierige 850 Meter hohe Gebirge), und auf dem linken Wardarufer haben die Engländer ihre ausgezeichneten Stellungen nördlich des Kozlu dere (oder Bojimia dere) genann­ten Flüßchens unter beträchtlichen Verlusten an Mann­schaft und Material räumen müssen, um zunächst südlich des Flüßchens neue Stellungen zu beziehen. Währenddes­sen treiben andere bulgarische Abteilungen die Franzo­sen zu beiden Seiten des Wardar vor sich her. Gradetz war am 8. Dezember bereits von den Bulgaren besetzt.

Der Rückzug der Franzosen ist zweifellos sehrver- lustreich und kann nur bann zu einem für unsere Gegner leidlichen Ende führen, wenn die beiden Flügel so lange den Bulgaren standhalten, bis das Gros des Zentrums sich talabwärts in Sicherheit gebracht hat. Ohne mancherlei Einbuße ist natürlich auch dies nicht zu erreichen. Die interessanteste Frage jedoch, nämlich die: was werden die Griechen tun, wenn die Kämpfenden über die griechische Grenze treten, ist auch heute noch durchaus im unklaren.

WTB. Wien, 11. Dez. Amtlich wird verlautbart vom 11. Dezember 1915, mittags:

Italienischer Kriegsschauplatz: Me Ge­schützkämpfe in Judicarien dehnen sich nun auch auf den Raum westlich des Chiese-Tales aus. Im Abschnitt zwi­schen diesem und dem Concei-Tale wurden unsere vor­geschobenen Posten auf dem Monte Vies vor über- lebenen feindlichen Kräften zurückgenominen. Schwache

Geschichte erdichtet, weil Sie ihm mit mir drohten, oder er steht im Begriff, eine ungeheure Dummheit zu machen. Also heraus mit der Farbe, es liegt in Ihrem eigenen Interesse." —

„Gnädiger Herr Doktor, ich müßte haben kein Herz."

„Sie brauchen keins! Wer ist die reiche Partie, Namen nennen, sonst ziehe ich die übernommene Bürgschaft zurück!"

„Gott der Gerechte, ist der Herr Doktor ein grausamer Mann! Die Fräule Szarolta Varos ist's, mit der Sie haben das Prozeßchen."

Csallovarys Verblüffung ging ins Maßlose. Diesen Na­men zu hören, hätte er niemals für möglich gehalten. Jenö wollte das Mädchen heiraten, gegen dessen Abfindung mit eini­gen lumpigen tausend Kronen er damals ain lautesten ge­eifert hatte. Da hörte doch alles auf.

„Rosenleib, sind Sie sicher, daß es so ist, daß man Ihnen kein Märchen aufgebnnden hat?" fragte er mit beinahe stücken» der Stimme.

In des Inden listigen Aenglein glänzte Triumph. „Wie heißt, ein Märchen aufgebnnden, wenn der Rosenleib hat doch gesehen, mit diese seine eigene Augen den jungen, gnä­digen Herrn zärtlich lustwandeln mit die Fräulein, wenn er hat gelesen einen Brief von ihr, wo sie hat darin geschrie­ben: „Mein einzig geliebter Jenö!" Bin ich altersschwach oder meschugge, daß ich glaub, was ich sehe?"

„Das Mädel ist aber doch nicht reich?"

„Warum soll die Fräule Varos nicht sein reich? Wird sie gewinnen den Prozeß, so wird üe sein grausig reich, wird sie ihn verlieren, so wird sie sein bloß reich."

„Wieso auch dann noch reich?"

„Weil sie wird beerben den Herrn Hornbostel, der ist ein reicher Mann und ein braver Mann, so wahr mir Gott soll schenken Gesundheit und langes Leben!" sagte der Jude.

„Woher wissen Sie, daß die junge Dame seine Erbin ist?" fragte Csallovary, dessen Erstaunen höher und höher stieg.

„Aus der Kanzlei vom Herrn Doktor Lazar iveiß ichs. Der erste Schreiber, dem ich schon war gefällig gegen die gesetz­lichen Perzentcher, hat mir gesagt, daß Herr Hornbostel hat umgeschrieben sein Testament zu Gunsten von die Fräule Va­ ros , die er hat gemacht zu seiner Erbin." 222,20