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Druck und Verlag
Buchdruckerei Adelshoim, Adolf Heppeler Telefon No. 18 _
40. Jahrg.
Tagesberichte.
MTB. Großes Hauptquartier » 12. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz:
Front des Generalfeldmarfchalls Kronprinz Rupprecht von Bayern .
Beiderseits der Somme sind feindliche Angriffsabsichten tzk allgemeinen durch Sperrfeuer vereitelt worden. Im Fomeaux- und im Leuzewald versuchten die Engländer verglich, im Handgranatenkampf Boden zu gewinnen. Das Dorf Ginchy fiel gestern früh in die Hand des Feindes. D« Artilleriekampf wird mit Heftigkeit fortgesetzt.
Oestlicher Kriegsschauplatz:
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern :
Nördlich von Stara Czerwiszeze brach ein mit starken Massen geführter russischer Angriff unter schweren Verlusten
unseren Hindernissen zusammen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Earl:
In den Karpathen wurden feindliche Angriffe in Gegend der Baba Ludowa, an der Cimbroslawa Wk. und am Capul abgeschlagen, im Gegenstoß an der Cimbroslawa Wk. 170 iKfangene gemacht.
Die unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls von Mackensen stehenden deutschen und bulgarischen Kräfte setzen ihren Vormarsch in der Dobrudscha fort.
An der mazedonischen Front lebhafte Artilleriekämpfe i» Vardar -Gebiet und für die bulgarischen Truppen erfolgreiche Gefechte am Struma.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff
Nach langen schwankenden Kämpfen »ff oas yery umstrittene Dorf Ginchy, nordwestlich von Combles, »m Montag den Engländern in die Hände gefallen. Es bat sie wohl nicht viel geringere Opfer gekostet, als das im «cwfe der letzten Woche verlorene Guillemont, südwestlich
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von Ginchy gelegen. Ginchy ist der am weitesten nach Osten gelegene Ort der englischen Front, während die Scheitellinie der französischen Front, deren Keilstellung übrigens in voriger Woche den Winkel etwas verflacht hat, dicht vor Peronne liegt. Schweres Artilleriefeuer zeigt an, daß die Teilkämpfe der letzten beiden Tage du Brücke zu einem neuen großen Angriff bilden werdew
Starke Durchbrnchsversuche der Russen in Gali zien sind wiederum gescheitert. Bis zum Ende bei vorigen Woche wurden die russischen Verluste in diesen Abschnitt (Halicz-Brzezany) vorsichtig auf wenigsten- 100 000 Mann, darunter 25 000 Tote geschätzt, als: ebensoviel wie bei dem mißglückten Durchbruch au K o w e l.
Aus dein heutigen Tagesbericht erhellt, daß da- Oberkommando über das in der Dobrudscha vordringend deutsch -bulgarische Heer in den Händen des Generalfeld marschalls von Mackensen, des Siegers vom Dunajec liegt. Dieses Heer bildet den linken Flügel der in de Dobrudscha operierenden Truppen, die Donau -Armee während die bulgarisch türkische Gruppe etwa von Dob ritsch bis zum Schwarzen Meer sich erstreckt mit den Ziel auf Konstanza . Der Vormarsch vollzieht sich mi unaufhaltsamer Stetigkeit, und da die Festung Sili> stria von den Rumänen nunmehr geräumt ist, ist ein außerordentlich wichtige Operationsbasis gewonnen.
Vom Wardar- und Strumatal werden erfolgreich, Gefechte der Bulgaren gegen die Engländer und Frau zosen gemeldet.
Ueber einen neuen Baralongfall meldet di „Kölnische Zeitung ". Darnach wurde in Kamerun de kleine bewaffnete Regicrungsdampfer „Nachtigall " in eil Gefecht mit dem englischen Kriegsschiff „Twarf" der wickeln wobei die „Nachtigall " nach mehreren Explosiv neu im Innern brennend zu sinken begann. Als de Rumps schon lange ein Opfer der Fluten geworden war richteten die Engländer noch immer ihre Scheinwerfe und Revolvergeschütze aus die Untergangsstelle, wo ei» wehrloser Rest der Besatzung mit den Wellen rang. De Gewährsmann des Kölnischen Blattes beobachtete, wi> mehrere der schwimmenden Europäer sowohl als di Leute der schwarzen Bes.^nng getroffen wurden uni untergingen. Dieses Verbrechen erhält noch eine be sondere Bedeutung durch die Tatsache, daß den Mör dern wehrlos.': oeulscher Seeleute durch das Londons , Prisengerich» eine Belohnung von 3700 Mk. ausbezahl wurde
oer Besetzung Silistria ist von den vereinigte» deuts. bulgarischen Truppen der Punkt erreicht worden wo Bulgarien bis zum Bukarester Frieden sich am weitesten an der Donau nach Osten vorschob. Strategisch is es auch hier die Möglichkeit eines Uebergangs über de» etwa 2600 Meter breiten und unterhalb der Stadt vo» mehreren Inseln durchsetzten Strom, welche die Beden- tnng Silistrias ausmacht. Allerdings wird sie beeinträch tigt durch das sumpfige Gelände des linken Ufers, das bei Tutrakan dagegen fest ist. Die amtlichen bulgarischer Berichte ergeben, daß der Einmarsch in die Neu- Dobrudscha in drei Gruppen vor sich ging, die untereinandei in Verbindung blieben. Die nördliche wandte sich vor Westen und Süden gegen Tutrakan, warf die feindlicher Vortruppen aus dem Borgelände der Festung in si« hinein, schlug einen Ausfall der Besatzung auf Daidi» in südlicher Richtung ab und stürmte am 6. September Tutrakan . Gegen Silistria hatte sich die zweite Grupp« gewandt, die die Verbindungen der Stadt mit dem Wester und Süden abschnitt und am 6. September einen Vorstoß einer Division von Silistria auf Tutrakan, 20 Kilometer südöstlich der Festung, abwies, wobei drei Schnellfeuerbatterien erobert und Gefangene gemacht wurden. Sie folgte dem geschlagenen Gegner auf dem Fuß und besetzte Silistria , das geräumt worden zu sein scheint. Sehr schwere Kämpfe hatte die dritte Gruppe zu bestehen, die von der Linie Schumla—Pravadi—Warna auf Balt- schik marschierte und eine Seitenkolonne an der Küste entlang entsandte, die Baltschik, Kawarna und Kap Kali Akra besetzte. Vorgetriebene Reiterei zersprengte feindliche Vortrnppen in kleinern Zusammenstößen. Dobritsch war am 4. September erreicht, im Norden die Straße von Silistria her gewonnen. Die Schnelligkeit der Operationen hatte den Gegner augenscheinlich völlig überrascht. Festgestellt wurden bisher an feindlichen Kräften in der Neu-Dobrudscha mindestens zwei Divisionen in Tutrakan , eine Division in Silistra, eine Division bei Dobritsch an Rumänen, von Russen die 61. Division und eine gemischte serbisch -russische, d. h. sechs Divisionen im ganzen. In Tutrakan wurden gefangen die 9. aktive rumänische Division mit den Regimentern 34, 35, 36 und 40, sowie eine Reservedivision mit den Regimentern 74, 79, 80 und 84. Die Division hat etatsmäßig auf Kriegsstärke 14000 Mann. Da noch Gendarmerieverbände, Truppenteile der Feld- und Fußartillerie und technische Waffen-in bulgarische Gefangenschaft geraten sind, so ist die Zahl von 21000 unverwundeten Gefangenen nur durch starke Verluste zu erklären. Tutrakan allein hat
And Leben ist Kampf!
Roman von Max Dürr. 37
Das Echiff fuhr in einem dichten Nebel, der auch die imngste Fernsicht hinderte, man erblickte kaum die vor» Spitze deS Schiffes. Geisterhaft wie durch ein «vlkenmeer bewegte sich der Dampfer, die Maschine fuhr w« mit halber Kraft. Fortwährend ertönte in gleichmäßigen Zwischenräumen das dumpfe Brüllen des Nebelhorns.
Gegen Mittag lichtete sich der gelbe, sinkende Nebel und me Sonne trat hervor mit bleichem, trübe» Scheine. In der sah man die schwachen Umrisse ei»es Schiffes, das «utgrgenzukommrn schien. Bald kam es näher und Signale wurden ausgetauscht, die bunten Wimpeln flogen blitzschnell Aden Masten in die Höhe und redeten ihre stnmine Sprache. T .war ein Dampfer, der nach der Heimat zog. Stephan Nwnd die Signale nicht, er hörte es aus den Reden der Matrosen, die neben ihm arbeiteten und das Deck scheiterten. . Dieser einsame Wanderer in der Wüste des Meeres, die Affame Erscheinung rief bei allen, bei den Reisenden, den Aatroseu eine freudige Anfregung hervor, Stephan stimmte nk traurig. Doch er vertrieb die sehnsüchtigen Gedanken, in» mm « flch tüchtig über die Arbeit hermachte.
Die Begegnung war längst wieder den Augen entschwnn» "en, das gleichförmige Einerlei des OzeanfahrerS hatte i^ue Rechte geltend gemacht. Da entstand am Nachmittag UeS TageS plötzlich ein Lärm auf dem Schiffe. Einige Matrosen zogen aus dein Bauche des Dampfers einen winischen hervor, einen blinden Paffagier. Sie hatten ihn MN« Warenballen versteckt aufgefimden, ein Niesen hatte Aufmerksamkeit erregt. Nun schleppten sie ihn vor den
Stepha,, sah auf von der Arbeit, über die er sich beugte, "d er das Poltern, die Rufe vernahm, die einen auffälligen ^^k^isatz bildeten zu der sonstigen ruhigen Ordnung des
^Asugierig drängten sich die Paffagiere «in den erwisch» - "tkr. Es war ei» Rätsel, wie er sich auf dein Schiff . 'gleiche,, konnte und der Zwischenfall bildete eine an- dkuehme Abwechslung in dem Einerlei, das sich schon all»
mählich fühlbar machte, obgleich man sich erst am zweiten Tage der Reise befand.
Als sich die Gruppe lichtete, sah Stephan einen kurzen Augenblick den Eindringling. Er erblickte ein hageres, schmutziges Gesicht, einen struppigen Schnurrbart, ein paar freche, graue Augen.
Wie erstarrt stand Stephai», der Hammer entfiel seinen Händen ,md fiel polternd auf das Verdeck des Schiffes nie» der. Er tränte seinen Augen nicht. War das möglich? War das nicht Peter Haaga, der Lnmpenpeter? In größter Auf» regmig näherte er sich der Gruppe, dann hielt er plötzlich inne, er fürchtete erkannt zu werden.
Kein Zweifel, es war der Lmiipenpeter. der sich unter der derben Faust des Matrosen wand, es ivar sei» abstoßendes Gesicht, er erkannte seine Stimme, sein höhnisches, widriges Lachen. Ans der Stirne zeigte sich eine noch halboffene, schlecht heilende rote Schramme.
Das erste Gefühl Stephans war das der lautersten Freude, eine ungeheuere Last fiel ihm vorn Herzen, er hätte diesen Menschen umarmen können, der doch zum größten Teil schnld war an all seinen» Unglück. Er ivar kein Mörder, kein Totschläger, mit leibhaftigen Augen sah er den Menschen, den er erschlagen glaubte, vor sich, ja. er konnte ihn »licht einmal bedeutend verletzt haben, sonst wäre es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, daß er hier war. Die Wunde an der Stirne bedeutete ei» Adererlaß , nichts weiter.
Doch in dieser Freude mischte sich der Gedanke, daß er mm »»»»»sonst geflohen war. Oder war es doch nicht umsonst? Wurde er nicht doch verfolgt, wegen deS Schlags, wegen der Wunde, die er ihn» beigebracht hatte?
Er mußte sich Gewißheit verschaffe»», gelte eS, was «S wolle, er mußte mit dem Linupeupeter sprechen. Und wenn er verfolgt wurde, war eS nicht besser für ihn, eine neue Welt aufplsuchen, hatte er nicht die Heimat schon vorher verloren, bevor er diesen Menschen zu Boden schlug? Gewiß. ES war auf alle Fälle bester für ihn, er ivauderte aus und suchte sich eine neue Heimat in der neuen Welt?
Als er z» diesem Gedanken kam, freiite er sich wieder herzlich darüber, daß er diesen Mann als ein Zeichen vor sich sah, daß er schuldlos dastand, daß er nicht unter der Last
des Verbrechens gezwungen sein würde, sein neues Leben zu beginnen.
Darüber vergaß er selbst die unangenehme Empfindung, den Gedanken, daß er immer und immer wieder mit diesem Menschen ziisammeiltraf, selbst auf dem einsamen Schiffe, auf dem weiten Meere, daß sein Leben, sein Geschick zusammen« gekettet erschien mit diesem schmutzige», gemeinen, unnützigen Kerl! In tiefein Sinnen, aber mit frohem, leichtein Herzen kehrte er zu seiner Arbeit zurück.
Das Verhör vor dein Kapitän war von kurzer Dauer. Was konnte man mit dem Menschen anfangen, da er einmal da ivar? Der Kapitän wetterte nnd schimpfte abscheulich, aber es half nichts, aussetzen konnte er ihn nicht auf hoher See. Er drohte ihn der Behörde zu übergeben, ihn verhungern zu lassen, und ließ ihn schließlich laufen.
Am späten Abend traf ihn Stephan im Zwischendeck. Der Lmiipenpeter ivar nicht weniger überrascht, ihn hier zu finden, als es Stephan selbst gewesen war bei seinem Anblick. Doch als er sich von seiner Ueberraschung erholt hatte, grinst- er ihm vergnügt zu.
„Du auch hier, Stephan? Das ist fürwahr kein schlechter Spaß!" sagte er. „Mästen scheints gute Kameraden werden wenn wir uns überall zusammen finden.«
Stephan war verlegen, er wußte nicht recht, was er sagen sollte. Ihm ärgerte die steche Art des Burschen und er fühlte sich ihm gegenüber doch in der Schnld.
Der Lnmpenpeter merkte es. „Du denkst wohl, daß ich Dir böse bin, wegen des Schlags? Er war nicht übel g«. meint! Hätte fast daS Aufslehen vergessen, aber ich Hab' einen harten Schädel. Mach Dir keine Sorgen, so was kommt unter den besten Freunden vor und wir wollen doch Freunde bleiben?«
„Bist Du krank gewesen?" unterbrach ihn Stephan, um diesen, Geschwätz ein Ende zu machen, das ihn beleidigte.
„Pah! Wegen so 'was! Bis die Bauern zurückkamen, die Dir nachsprangen, hatte ich mich in der Küche deS WirtS abgewaschen, den Kopf verbunden und saß vor meinem Glas- Bier und lachte sie cmS. weil sie so dumme Gesichter machten, als sie mich sahen. Bei mir gilt das Sprichwort! Un- kraut verdirbt nicht!" Er lachte auf sein« widerwärtige Art, die auf Stephan so abstoßend wirkte. 223.20