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Rr. 108.
41. Jahrg.
Tagesberichte.
WTB.
Großes Hauptquartier. 9 Mai (Amtlich.) Westliche.' Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht:
Lei ungünstigen Witter mgsverhäl missen war das Urtilleriefeuer nur an wenigen St-llen lebhafter.
Bayerisch-fränkische Regimenter, die gestern morgen Fresnoy mit großem Schneid gestürmt hatten, hielten den Ort gegen neue feindliche Angriffe und brachten weitere 100 Gefangene ein. Teilvorstöße der Engländer bei Roeux und Buttecourt wurden abgeschlagen.
Heeresgruppe deutscher Kronprinz:
Zwischen dem Winterberg und der Straße Corbeny — Berry-au-Bac' schritten abends frisch eingesetzt« französische Kräfte nach Trommelfeuer zum Angriff. In heißem Ringen wurde der Feind teils durch Nahkampf, teils durch Gegenstoß zurückgeworfen. Im übrigen war auch an der Aisne - und Champagne-Front die Gefechts- tätigkeit, beeinflußt durch das schlechte Wetter,, geringer als an den Vortagen.
Oestlicher Kriegsschauplatz:
Nördlich von Kirlibaba und südlich der Valeputna- StraHe wurden Vorstöße russischer Kompagnien leicht abgewiesen.
Mazedonische Front
der Schauplatz erbitterter Kämpfe. Artillerievorbereitung führte General Sar- wbündeten Truppen zwilchen Prespa- und zahlreichen Stellen zum Angriff. Beson- wurde im Cernabogen gekämpft, wo Tag
Die
war gestern Nach starker »ail feine v;
Doiränsee an ders erbittert
»nd Nacht wiederholte feindliche Anläufe unter schwersten Verlusten für den Gegner vor unseren Stellungen vollkommen zusammenbrachen. Das gleiche Schicksal hatten Angriffe des Feindes bei Gradesniea, «m Wardar und westlich des Doiransees. Deut,che and bulgarische Divisionen haben dem Feind eine schwer« Niederlage bereites
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorstf.
Die fatale Tatsache, daß den Engländern und Franzosen trotz des gerade einen Monat andauernden Kampfes und trotz des Verlustes von nun etiva 400o0ll Mann der Durchbruch immer noch nicht gelun, "l ist. findet eine ebenso einfache wie einleuchtende Erklärung in einer Erläuterung der halbamtlichen französischen Agence Havas. Darin wird gesagt, daß sich der Wider, stand des Feindes gegenüber den neuen englischen Aid, stürmen wieder als äußerst hartnäckig erweise. Der wilde Charakter der vorhergehenden Schlachten zwischen Deutschen und Engländern werde diesmal noch über, boten und öie Alliierten seien infolge der Erbitterung, mit der setzt gekämpft werde, „verhindert" worden, nennenswerte Fortschritte zu machen. — Das ist bombensicher: die Engländer und Franzosen hätten schon den wundervollsten Sieg erfochten, — wenn die Deutschen sic nicht daran verhindert hätten. So erst jetzt wieder bei Fresnoy. Es kann von Augenzeugen beschworen wer- den, daß General Robertson daslD orf durch Kanadier , Neuseeländer, Afrikander, Indier s tutti guauti nach neue, sten Regeln der Kriegstechnik erobern ließ. Da mischten sich einige bayerische Regimenter vom Franken- lande gänzlich unbefugt in das Geschäft und mit Fresnoy war es wieder n chts. Ja, noch mehr! Als Robertson diese Bayern , wie es stein gutes Recht war, wieder hinauswerfen lassen wollte, da „verhinderten" sie nicht nur die Ausführung seines Befehls, sondern behielten 100 seiner Schutzbefohlenen zurück und schickten die übrigen mit blutigen Köpfen heim, wenn ihnen »icht gar noch etwas schlimmeres passierte. Ist das nicht der Gipfel eines autokratstchen Militarismus! In den Orkus mit ihm! — Aehnlich schlechte Erfahrungen haben die Franzosen auf ihrem rechten Flügel der Aisne - Front gemacht. Um ein Haar hätten sie die Ostseite des Winterbergs wieder in die Hände bekommen, wenn die Badener, Württemberger und Brandenburger sie mit ihrer unbegreiflichen „Erbitterung" daran nicht „verhindert" hätten. Wilson kann daraus klar und deutlich ersehen, daß zwischen den Deutschen kein Unterschied zu machen ist; sie sind allzumal militaristische Sünder.
Die „Times" vom 1. und 2. Mai veröffentlichen ^Verlustlisten mit den Namen von 466- englischen Offizieren (150 gefallen) und 5850 Mann.
hr
Zn eiserner Zeit.
Kriegsromau von Charlotte Wildert. 3S
Eine halbe Stunde war er mm schon so gegangen, immer «vrwärts, ohne Rast, dem Ziele zu. Seine Füße brannten ihn, wie glühende Kohlen, die Arme waren ihm wie gelähmt. Schwer, schwer wie Blei lag eS ihm auf den Augen, er hätte mnstnken mögen vor Müdigkeit. Aber weiter, weiter, che eS zu spät ist, weiter. Da packte es ihn plötzlich wie ein Schwindel. Er fühlte es, er kann nicht mehr weiter, schon wankte die hohe, kräftige Gestalt, da, im letzten Augenblicke hörte er das Rattern und Fauchen eines herannahenden Au- *0Z.
Mit seiner letzten Kraft raffte er sich ans und rief daS Km», ein Saintätsanto, daS schon mehrere Verwundete beherbergte, an. Der Chauffeur hielt, rasch sprangen zwei Sanitäter herbei, nahmen dem tapferen Soldaten die teure Last *v» den Armen und sorgfältig bettete man den Verwundern im Auto.
Jetzt stieg auch der Oberstabsarzt, ein hoher, stattlicher Herr ans. Er hatte flüchtig nach der Wunde gesehen und Kat mm erstaunt auf den tapferen Retter zu.
»Na, aber hören Sie mal, lieber Mann, das haben Sie so ganz großartig gemacht, ohne Ihren Notverband wäre her Verwundete jetzt schon tot. Wie weit haben Sie ihn denn zrtragen?"
»Ach, vielleicht «ine knappe halbe Stunde lang, mein *nner Leutnant fiel dort beim Sturm auf deu kleinen Hü tzel , dort links von dem Dorfe. Mein armer Leutnant. Wird »uni ihn retten können?"
.So, dort bei jener Anhöhe, ah na, da haben Sie, tapferer Junge, ein gutes Stück Anstrengung gehabt. Wie heißt 8hr Leutnant?"
.Philipp von Gordis-Breitstein. Ach Gott . Herr QberstabS- »rzt. ach, sagen Sie mir'S bitte, wird man ihn auch noch »Men können? Er war so gut. so tapfer, eS täte mir so leid »m meinen lieben Lenttiantl"
.«tz, steh da. der Graf GordiS ! So, so. ah. den kenne ich SM. »der beruhigen Sie sich, mein Freund, gewiß. daS verspreche ich Ihne«, Ihre« lieben Leutnant, beste« Lebensretter
Sie waren, machen wir wieder kerngesund. Doch nun noch Ihren Namen, bitte?" Er griff in di« Tasche, zog ein Notizbuch hervor und schrieb den Namen des Soldaten auf.
»Fritze Fliegenbarth, von, Garde du Corps 1*
.Fliegenschwanz?"
.Fliegenbarth, Herr Oberstabsarzt!"
.Ah. DoiMerschlag. Fliegenbarth. so Hab' ich noch keinen Namen gehört. Na, egal; Fliegenbarth oder Fliegerischwanz; Sie sind ein tapferer, braver Deutscher und sollen Ihre Belohnung haben. Nun .Gott behüt!" wir müssen absahren, von Ihrem Leutnant sende ich Ihnen Nachricht!" Noch gab er dem verblüfft dastehenden Fliegenbarth herzhaft die Hand, daun stieg er ei» und das Auto ratterte davon.
.Na." murmelte unser Lebensretter, .gottlob, daß der gute Leutnant versorgt ist. Himmel, Hab' ich 'ne Augst ausge- staiiden; ach Gott, bald hätte ich aber auch nimmer gekonnt, 's war grad Zeit, daß daS Auto g'kommen ist. Was der Oberstabsarzt da nur sagt von wegen Belohnung, als ob ich die verdient hätte. Nein, das war Soldatenpflicht. Christenpflicht, dafür will ich kein Dankeswort, es genügt mir schon, wenn mein Leutnant wieder geheilt wird." Die geballte Faust streckt er gen Westen. .Diese verflixte Bande, die rothosigen Feiglinge, das ist ihr nun nicht gelungen, der Maleftzban de. Ich werd' se noch ganz miserabel vermöbeln. Wenn's nach mir ging, würde von der Bande kein einziger geschont, alle fort, nieder mit ihnen, wenn man so hört, wie sie es nüt unseren Deutschen, die sie gefangen haben, mache» — Teufel und zu- genäht, da soll man noch Mitleid haben I" Fest biß er die Zähne auseinander und wandte sich zum Gehen, um wieder ,u seinem Regiment zurückzugelangen. Alle Müdigkeit, aller Brand in den Fußsohlen war vergessen, lustig pfiff er ein Liedchen vor sich hin. die schöne, alte Soldatenmelodie: .Die Vöglein im Walde, die sangen ach, so wunder-wunderschön." Sein Herz lachte und war glücklich in dem vollem Bewußtsein, seinen lieben, guten Leutnant gerettet, eine echt deutsche Tat vollbracht zu haben.
13. Kapitel.
I» dem Lazarett in der kleinen Grenzstadt C. saß Schwester Lilli am Bette eines Schweroerwundeten, der in heftigen Fiebervbantasien nach seinem blonde» Weid und seiueu her-
Die Ereignisse im Westen.
Der französische Tagesbericht,
WTV Paris. 9. Mai. Heeresbericht vom 8. Mai nachmittags: Zwischen Somme und Oise ziemlich starke Artilierie- täivkiit. Ei! feindlicher Handstreich auf die Gegend von Jianiou» scheiterte Während der Nach» machte der Fejnd östlich ron VtUixaillon und auf dem Lhemin des Domes in A:chi--:g ar: das Pantheon und bei Ccrny einen Gegenangriff. Alle anderen Versuche der Deutschen brachen in Unserem Feuer zusammen. Nördlich von der Hochfläche von Vauclerc konnten wir durch einen Handstreich den Mittelpunkt des feindlichen Widerstandes nehmen. Nordwestlich von Reims kam es bei dem unfruchtbaren Versuche der Deutschen, in einem von uns gestern eroberte» Graben südlich von Berry-au-Bac wieder Fuß zu fassen, zu einem lebhaften Kampf, der zu unseren Gunsten endigte. Nordwestlich von Prosnes eroberten wir die befestigten Werke und nordöstlich vom Hochberg wiesen wir einen heftigen deutschen Angriff auf den Kamm den Tcton ab.
Abe nds: Tagsüber hat die deutsche Artillerie, von der unsrige« bekämpft, den Abschnitt Lerny—Hurtebise und die Umgegend von Craonne beschossen. Handgranatenkämpfe östlich von Vauxaillon. An der übrigen Front Geschützfeuer Mit Unterbrechungen.
Der französische Tagesbericht.
WTB- London , 9. Mai. Heeresbericht von gestern mittag: Lebhafte Artilieiietätigkeil, namentlich in den Abschnitten von Fresnoy und Lens.
Abe nds: Heute stütz machte der Feind starke Gcgenan- risse gegen unsere Stellungen in der Nachbarschaft von resnoy. Er hatte damit zuerst Erfolge und faßte nordöstlich 'es Dorfes in unseren Gräben Fuß. Bald darauf gewannen wir »ber den verlorenen Boden durch Gegenangriff zurück. Später «m Vormittag unternahmen zwei frische deutsche Divisionen südlich von Fresnoy einen zweiten mächtigen Angriff. Recht, «if unserer Front wurden die angreifenden feindlichen Truppe« Mit schweren Verlusten zurückgewiesen. Auf der linken Seit» wurden unsere Truppen nach heftigem Widerstand gezwungen, sich aus dem Dorfe Fresnoy und dem Gehölz zurückzuziehen
Die Bewirtschaftung und Verteilung uns rer wichtigsten Nahrungsmittel-
(Schluß.)
Gemüse «nd Obsr.
der schwierigsten Aufgaben, vor me knsere Kriegswirtschaft gestellt war, war die Bewirtschaftung des Gemüses und Obstes. Es ist nutzlos, hier viele Worte darüber zu verlieren, was gewesen ist. Infolge der vielerlei Schwierigkeiten, welche die Bewtttschatnng aller teichtverderblichen Waren mit sich bringt, haben sich in '
zigen Kindern rief. Mit rührender Sorgfalt legte fte aus die glühende Stirn des Kranken kühlende Eiskompressen, netzte ab und zu die trockenen Lippen mit frischem Wasser. Es war ein braver Landwehrmann aus dein schönen Rheinlanüe, er hatte tapfer bei Lagarde mitgesochten und einen Hüsten- schuß bekommen. Biele Schmerzen hatte der arme Vaterlands- Verteidiger ausznstehen, aber, unter Schwester Lillis zarter Pflege wird er wohl bald das schlimmste überstanden haben, bald der Genesung znschreiten.
Schwester Lilli? Ja. sie war es, die kleine Lilli von Brücken, dir unsere lieben Leser ja bereits in Berlin kenne», gelernt haben. Ihre Ellern hatten es ihr erlaubt, als Rate- Kreuz-Schwester sich de», Vaterlands zu widmen und nun versah sie hier, fern von ihrer Heimat, ihren schweren Dienst mit aufopfernder Liebe und Pflichteifer. Bald hatte der Arzt und die Oberin Schwester Lillis tatkräftiges Eingreifen, an>y bei den schwierigsten Fällen, und ihre nimmermüde Ans- dauer erkannt, und fte schätzten sie daher sehr hoch.
Wie das verkörperte Engelsbild sah das junge Mädchen in dem einfachen, weißen Waschkleidchen mit dein reizenden Händchen aus dem blonden, welligen Haar aus. Und darunter das liebe, süße Gesichtchen mit den blauen, treuen Augen. Gerade wollte sie die Eiskompresse erneuern, als leise an der Tür gepocht wurde.
Ein dunkles Lockeuköpfchen steckte sich durch die enge Tür- spalte, es war Schwester Margot; mit leiser Stimme bar ste ihre Kollegin, sofort zu der Oberschwester zu kommen. So- gleich schritt Schwester Lill, hinaus und die kleine Schivarz- lockige nahm solange den Platz am Krankenbette des armen Laiidwehrmannes ein.
Die Oberschwester, eine hohe, stattliche Dame, die ihre n Wesen und Aussehen nach, wohl dafür geeignet schien die Oberleitung eines solch großen Lazarettes in Händen zu h u- ten. trat freundlich auf die eintreteude Pflegerin zu Ach Schwester Lilli, heute nachmittag kommt ein Verwundeten^ TranSportzug an, da muffen Sie unbedingt mit zur Station Schwester Maria kann Sie ja so lange vertreten. ES ist näm- kch auch ein schwerverwundeter Offizier dabei, und da ich Sie als gewissenhafte Pflegerin kenne, möchte ich gerne, daß Sie da mit bei der Verladung find." 235.20