Seite
  

Erscheinl Smal wöchentlich, Dienstag, Donnerstag nnd Samstag

Gültige Anzeigenpreishste Nr, 5 - Verbreitungsgebiet, Baden

ßrciegau * Scbroarzmalö * ßoOenfee

Bezugspreis: DM 2.— einsohl, Trägerlohn, Postbezug: DM2.20 Geschäftsstellen, und Vertretungen in allen größeren Orten

t _

NR. 104/3. JAHRG.

SAlfSTAG, DEN 10- SEPTEMBER 1949

PREIS 20 PFENNIG

Erster Staatsempfang der Bundesrepublik

Länderchefs und Oberkommissare im „Königshof ‘ / CDU =Vorstand tritt erneut zusammen / Mißstimmung in Bayern

Konstituierende Sitzungen von Bundestag und Bundesrat - Zwischenfall um Gründgens - Kenzinger Festtage

Bonn . Bundesratspräsident Arnold und Bundestagspräsident Dr. Köhler gaben am Mittwochabend im Hotel „Königshof" den ersten Staatsempfang der Bundesrepublik Deutschland . Dazu waren die westdeutschen Länderchefs, die Direktoren der Frankfurter Zweizonenverwaltung, die Mitglieder des Bun­desrates, eine gleiche Anzahl Abgeordneter des Bundestages und kirchliche Würdenträ­ger geladen. Von alliierter Seite waren die drei Oberkommissäre McCloy , Sir Brian Ro­bertson und Franpois-Poncet sowie mehrere Verbindungsoffiziere anwesend. Von den westdeutschen Länderchefs war lediglich der bayerische Ministerpräsident Dr. Erhard dem Empfang ferngeblieben. Dr. Erhard, der mit der Wahl des Bundesratspräsidenten nicht einverstanden war, will voraussichtlich auch bei der nächsten Sitzung des Bundesrates nicht erscheinen.

Glückwunsch Irlands

Dublin. Aus Anlaß der ersten Sitzung des Bundestages der Deutschen Bundesrepublik richtete der irische Außenminister Sean Mac Bride ein Telegramm an den. Bundestagsprä­sidenten,' in dem er den Vertretern des deut­ schen Volkes die besten Wünsche des Frei­staats Irland ausspricht.

r

Verhandlungen um Regierung

Bonn . Die Verhandlungen der CDU/CSU- Fraktion über Fragen der Regierungsbildung und der- künftigen Bundespolitik, die bereits vor dem ersten Zusammentritt des Bundes­tages begonnen hatten, wurden am Donners­tagmorgen fortgesetzt. Vor dem Zusammen­tritt der Bundestagsfraktion war bereits der Vorstand der CDU unter Vorsitz von Dr. Adenauer zusammengetreten. Dr. Adenauer hatte außerdem während dieser Besprechung Einzelaussprachen mit dem bayrischen Mini­sterpräsidenten Dr. Erhard und den beiden FDP -Vorsitzenden Professor Heuß und Blü­ cher .

Aus CDU -Kreisen wird am Donnerstag be­kannt, daß die Wahl des nordrhein-westfäli­ schen Ministerpräsidenten Arnold zum Bundesratspräsidenten für die Arbeit des

Bundesrates nicht ohne Bedeutung sein werde. Die Nichtberücksichtigung des bayrischen Wunsches nach dem Vorsitz im Bundesrat dürfte für die künftige Bundespolitik staats­politische Folgen zeitigen. Jakob Kaiser mein­te, daß sich bestimmte bayrische Widerstände gegen künftige Maßnahmen der Bundesregie­rung nicht würden vermeiden lassen.

Die Bundestagsfraktion befürwortete, einen besonderen Ausschuß für Fragen Berlins und der Sowjetzone im Bundestag zu bilden. Die­ser Ausschuß wurde von den Berliner Ver­tretern der CSÜ gefordert. Die CDU/CSU- Fraktion sprach sich auch für einen gesonder­ten Ausschuß für Grenzlandfragen aus.

Krise in der Rechtspartei

Göttingen . Mehr als die Hälfte der Mitglie­der des Kreisverbandes Göttin gen der Deut­ schen Rechtspartei erklärten ihren Austritt aus der Partei. Unter Führung des ehemali­gen Landesvorsitzenden Schlüter erklärten sie, daß die ursprünglichen Ziele der DRP, die in der Fusion mit der Deutschen Partei und der Schaffung eines Rechtsblockes gipfel­ten, von den maßgebenden Leitern der Partei nicht mehr vertreten würden. In der Austritts­erklärung wird darauf hingewiesen, daß nach

der Ausschaltung Schlüters durch die Militär­regierung Leute wie beispielsweise Remer allein den „nationalbolschewistischen Kurs" der Partei bestimmten. Außerdem wollten offenbar gewisse ausländische Parteien auf diesem Wege einen sogenannten deutschen Nationalismus unterstützen, um Deutschland aus der europäischen Völkergemeinschaft ausseheiden zu können. Die Austrittserklä­rung ist von Schlüter und 30 anderen DRP- Mitgliedern unterschrieben.

Quittung für bayerisches „Nein“

München . Die bayrische FDP bezeichnet in einer Erklärung die Wahl des nordrhein-west- fälischen Ministerpräsidenten Arnold zum Bundesratspräsidenten als die Quittung für das „Nein“ der bayrischen CSU zum Bonner Grundgesetz. Ein Land, das sich durch seine Machthaber gegen das Grundgesetz ausge­sprochen habe, habe sich selber des Rechtes begeben, die wichtige Position eines Präsi­denten im entscheidenden Organ der Länder auf der Bundesebene einzunehmen. Darüber hinaus zeuge die Wahl Arnolds für die tief­gehenden Meinungsverschiedenheiten, die zwischen der CDU der anderen deutschen Länder und der bayrischen CSU bestehen.

Richard Strauß gestorben

Schmerzloser und ruhiger Tod. — Die Leiche nach München über führt — Der letzte

Wunsch des großen Komponisten

Garmisch . Der 85jährige deutsche Kom­ponist Richard Strauß ist am Donnerstag­nachmittag schmerzlos an den Folgen eines jahrzehntealten Nieren- und Blasenleidens in seiner Villa in Garmisch-Partenkirchen ge­storben. Der Tod trat um 14.12 Uhr ein. Richard Straß war schon in der Nacht nicht mehr bei Bewußtsein. In der letzten Stunde waren seine 87jährige Gattin Pauline (geb. de Ahna) um ihn, sein Sohn Franz mit Frau Alice, der Enkel Richard , die beiden Aerzte, Professor Dr. Nonnenbruch und Dr. Neumaier und zwei Krankenschwestern.

Parlament des neuen Staates

Deutschlands Einheit ist erste Aufgabe des Bundestages - Bekenntnis zur Neuordnung Europas

Bonn . Am Mittwochnachmittag um 16.04 blick das Riesenmaß von Schuld, das ein vet- Uhr wurde in Anwesenheit der alliierten brecherisches System auf die Schultern des Hohen Kommissare die konstituierende Sit- deutschen Volkes geladen habe. Als Loebe zung des Bundestages eröffnet, zu der sich die sich anschließend gegen die Vorwürfe wandte, Abgeordneten der deutschen Bundesrepublik daß das deutsche Volk sich gegen den natio- und die Vertreter Berlins im Plenarsaal des . nalsozialistischen Terror nicht zu wehren ge- Bundeshauses eingefunden hatten. Zu Be- wußt habe, und dabei erwähnte, von den 94 ginn der Sitzung spielte das Orchester der sozialdemokratischen Abgeordneten, die gegen Stadt Bonn die „Weihe des Hauses" von Lud- das Ermächtigungsgesetz gestimmt haben, hät- wig van Beethoven. ten 24 ihren Widerstand mit dem Leben be-

Der sozialdemokrati­sche Vertreter Berlins ,

Paul Loebe , hielt die Eröffnungsrede. Loebe unterstrich den Willen Berlins , in das neue Deutschland einbezogen zu werden. Abschließend gedachte er „jener Mil­lionen deutscher Lands­leute, die in den deut­ schen Ostgebieten woh­nen, und denen Besat­zungsmacht oder Fremd­verwaltung gewaltsam verwehren, mit in die­sem Saal zu sitzen und mitzuberaten“. Die Wie­dergewinnung der deut­ schen Einheit bezeiehnete Loebe als erste Aufgabe der Abgeordneten. Er fügte hinzu, gleichzeitig versicherten diese, daß das neue Deutschland aufrichtig ein von gutem Willen erfülltes Glied des vereinten Europas sein wolle. Die Frage, was sich das deutsche Volk von der Arbeit des Bundestages erhoffe, be­antwortete Loebe wie folgt: „Eine stabile Re­gierung, ein neues Wirtschaftsleben, eine neue Sozialordnung in einem gesicherten Pri­vatleben sowie neue Blüte und Wohlstand des Vaterlandes," Er bestreite keinen Augen*:

Die Leiche wurde nach München über­führt, wo die Feuerbestattung stattfinden soll. An Stelle von Kränzen hat der Kom­ponist zwei Tage vor seinem Tode Spenden für alte bedürftige Musiker erbeten.

Richard Strauß kehrte erst im Mai dieses Jahres aus der Schweiz an seinen ständigen Wohnsitz in Garmisch-Partenkirchen zurück. Am 11. Juni, seinem 85. Geburtstag, nahm er noch die Huldigung Deutschlands und der Welt entgegen. Mitte August erkrankte er. Er befand sich jedoch schon auf dem Wege der Genesung, als am 31. August plötzlich ein Rückfall eintrat, der schließlich ■ den Tod herbeiführte.

„Bevor er am letzten Dienstag das Bewußt­sein verlor, war Richard Strauß damit be­schäftigt, ein Schreiben an Francois-Poncet abzufassen", erklärte der behandelnde Arzt Prof. Nonnenbruch einem Korrespondenten der _ französischen Nachrichtenagentur AFP . Richard Strauß habe in dem Schreiben sein

Vertrauen in die Persönlichkeit des Hohen Kommissars ausgedrückt, dem es gelingen möge, für immer die Ursachen des Konflik­tes zwischen Frankreich und Deutschland aus der Welt zu schaffen.

Leben und Werk des Meisters

Mit Richard Strauß , dessen 85. Geburtstag vor wenigen Monaten von den Musikfreunden der ganzen Welt festlich begangen wurde, starb einer der bedeutendsten und eigenwil­ligsten Komponisten der Gegenwart. Als Sohn eines königlich-bayerischen Kammermusikers am 11. Juni 1864 in München geboren, betä­tigte sich Richard Strauß schon in jungen Jahren kompositorisch. Durch Vermittlung von Hans von Bülow wurde er bereits mit 21 Jahren Hofmusikdirektor in Weimar . Ueber München kam er gegen Ende des vorigen Jahrhunderts an die Berliner Hofoper, wo er als Dirigent wirkte. Nach dem ersten Welt­krieg leitete Strauß gleichberechtigt mit Franz Schalk die Wiener Staatsoper, die er. zu einem der ersten Musikinstitute Europas machte, widmete sich aber dann später fast ausschließ­lich seinem kompositorischen Schaffen. Nach 1945 lebte der greise Komponist zunächst bei Freunden in der Schweiz und kehrte erst im Mai dieses Jahres an seinen ständigen Wohn­sitz Garmisch-Partenkirchen zurück.

Die erste Strauß-Oper, „Guntram “, wurde 1894 mit geringem Erfolg in Weimar urauf- geführt. Die Hauptrolle sang Pauline de Ah­ na , die Frau des Komponisten. Nach der „Feuersnot " entstand 1999 nach einem Text von Oscar Wilde die 1 Oper „Salome “, eines der Standard-Werke der Opernbühnen. Der öster­reichische Dichter Hugo von Hofmannstahl schrieb die Libretti der Straußopern „Elektra ", „Der Rosenkavalier “, der einen beispiellosen Siegeszug um die ganze Welt antrat, „Ariadne auf Naxos “, ein neuer Kammertyp der Oper, „Die Frau ohne Schatten “ und „Arabella ".

Neben Opern schrieb Richard Strauß zahl­reiche oft gespielte Orchesterwerke und Lie­der. „Till Eulenspiegel", „Don Juan", „Also sprach Zarathustra“ und „Don Quichote“ zäh­len zu den bekanntesten seiner symphonischen Dichtungen.

Richard Strauß stand zu Lebzeiten im Mit­telpunkt zahlreicher Ehrungen, Er war Eh­renbürger von Bayreuth , Weimar , München und Garmisch-Partenkirchen und Ehrendok­tor der Universitäten München , Heidelberg und Oxford . Seit der Gründung der Genos­senschaft deutscher Tonsetzer war Strauß ihr Präsident. 1933 übernahm er die Präsident­schaft der Reichsmusikkammer , von deren Leitung er aber 1935 entbunden wurde, da sein Sohn mit einer Jüdin verheiratet war.

St. Germanshof wieder deutsch

Alterspräsident Lobe eröffnet die erste Sitzung

zahlen müssen, kam es zu kommunistischen Zwischenrufen. Nach diesem Zwischenfall würdigte Loebe die von der kommunistischen Fraktion, den Mitgliedern des früheren Zen­trums und auch von den Rechtsparteien ge­brachten Opfer.

(Fortsetzung auf Seite 3)

Der Schlagbaum wird zurückversetzt — Deut

Schuman löst

Pirmasens . Der St. Germanshof in der Pfalz , der bei den Grenzveränderungen am 23. April dieses Jahres mit seinen 41 deut­ schen Bewohnern Frankreich angegliedert wurde, wurde am Freitag offiziell wieder an Deutschland zurückgegeben.

Eine französisch-deutsche Komission hat am Donnerstag in Weißenburg im Elsaß ein ge­meinsames Protokoll unterzeichnet, wonach, der St. Germanshof mit allen Bewohnern und Immobilien rückwirkend vom 6. September an wieder in deutsche Hände übergeht. Am Frei­tagmittag wurde das ehemalige deutsche Zoll­haus wieder von deutschen Zollbeamten be­zogen und der Schlagbaum an die alte Stelle zurückversetzt.

Mit diesem Schritt wird, wie der französi-. sehe Präfekt von Weißenburg , Hug, erklärte, das Wort von Außenminister Schuman wahr­gemacht, daß Frankreich keinen deutschen Ort und keine deutschen Menschen annektie­ren wolle.

Der St. Germanshof wurde von der inter­alliierten Grenzkommission am 23. April 1949 zur Sicherung der Wasserquellen von Wei­ ßenburg in ein dazu bestimmtes Waldstück, das abgetreten werden sollte, einbezogen. Ver­handlungen des rhein -pfälzischen Minister­präsidenten mit dem französischen Außen­minister Schuman führten dann am 25. Mai zu einer Uebereinkurlft mit dem Präfekten von Straßburg , daß der interalliierten Grenz­kommission eine and*;. Grenzabsteckung vor­geschlagen werden sollte, wobei der Germans-

sche Zöllner ziehen im Zollhaus ein sein Wort ein

-Robert

hof Rheinland-Pfalz verbleiben sollte. Dem ist nunmehr Rechnung getragen worden. St. Germanshof ist wieder deutsch .

Ein Saar «Korridor?

Koblenz . Die Landesregierung von Rhein­ land-Pfalz hat an den französischen Ober­kommissar Francois-Poncet die Bitte gerich­tet, zur Erleichterung des Personen- und Gü­terverkehrs zwischen der Pfalz und dem Trie­ rer Grenzgebiet einen Korridor durch das Saarland einzurichten. Die Landesregierung stützt sich mit ihrer Bitte hauptsächlich auf eine Forderung der Industrie- und Handels­kammer Trier. Die Handelskammer hatte darauf hingewiesen, daß durch die Grenzzie­hung im Bezirk Trier eine halbe Million Menschen nach Westen, Süden und Südosten abgeschlossen seien,- da die einzige Bahnlinie nach der Pfalz und Süddeutschland in. einem großen Umweg über Koblenz führe.

Schwarzwaldhaus eingeäschert

Kappel. Ein ungewöhlich starkes Unwet­ter ging am Mittwoch über unsere Gemeinde hinweg. Dabei schlug der Blitz in das land­wirtschaftliche Anwesen des Landwirts Adolf König und setzte das große, aus Holz er­baute Haus in wenigen Minuten in Flam­men. Es gelang lediglich, das Vieh zu ret­te, sämtliche Heu- und Futtervorräte sowie das gesamte Inventar wurden vernichtet.