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glaͤnzendem Wagen, Kuͤtſcher und Lakaien in Staatslivree, vor dem Hauſe vorgefahren; gegen Erwarten unbeläſtigt von dem har— renden Volke, das bei andern Gelegenheiten dem herriſchen Oberſt— lieutenant des eilften Huſarenregiments entſchieden ſein Mißfallen kundgethan hatte. Das Anerbieten des wachhabenden Polizeibe— amten, ihn bei ſeinem Eintritte in das Haus durch eine Anzahl Polizeidiener in bürgerlicher Kleidung bedecken zu laſſen, war von dem Grafen abgelehnt worden. Graf Cardigan, in blauem Frack, wurde von dem Thürſteher vorgeführt. Vor der Schranke machte er drei Verbeugungen, die eine vor Sr. Gnaden dem Lordſene— ſchall, die beiden andern nach jeder Seite des Hauſes. Seine Gnaden und alle Pairs erwiederten den Gruß. Der Graf wurde ſofort vor einen innerhalb der Schranke aufgeſtellten Stuhl ge— führt, vor welchem er ſtehen blieb. Lord Denman, der Lordſene— ſchall, ließ von neuem durch den Wappenſergeanten Stille gebie— ten, und verkündete dann dem Angeklagten, er ſey angeſchuldigt, „auf Harvey Garnett Phipps Tucket geſchoſſen zu haben, in der Abſicht, ihn zu tödten, und auch in der Abſicht, ihm ſchwere kör— perliche Verletzung zuzufügen;“ auf dieſe Anklage hin ſey nun Se. Lordſchaft vorgeführt. Darauf verlas der Sekretär die An— klageakte, und fragte dann den Gefangenen:„Wie ſagt Ihr, mein

Lord : ſeyd Ihr ſchuldig oder nicht ſchuldig?“ Graf Cardigan, mit feſter Stimme:„Nicht ſchuldig!“ Der Sekretär:„Wie will Eure Lordſchaft gerichtet ſeyn?“ Der Graf:„Durch meine Pairs.“ Sekretär:„Gott ſende Euer Lordſchaft eine gute Befreiung!“ Der edle Lord ſetzte ſich nun auf den ihm an— gewieſenen Stuhl. Der Lordſeneſchall verließ ſeinen erhabenen Sitz und nahm Platz an der Tafel, ſtets die Herolde, den Sergeanten, und den Säckelmeiſter zu ſeiner Seite. Nun begannen

die Verhandlungen. Der Attorneygeneral, Sir J. Campbell, ſprach für die Anklage und verhörte die Zeugen im Intereſſe derſelben. Sir W. Follett, der berühmte toryſtiſche Rechtsgelehrte, war als Vertheidiger des Angeklagten thätig. Verhört wurden der Müller Dunn, der das Duell mit angeſehen, Sir James Anderſon cher als Arzt dabei anweſend war, aber jede Antwort verweigerte nachdem der Lord Seneſchall ihm erklärt hatte, er nicht ver⸗ bunden, zu antworten, wenn er durch ſeine Antwort ſich ſelbſt zu verwickeln fürchte; ferner ein Polizeibeamter und mehrere andere

wel⸗

ſey

Perſonen. Der Vertheidiger, Sir W. Follett, erhob die Einrede, daß in der Anklageakte der in dem Duell Beſchädigte als

Harvey Garnett Phipps Tuckett aufgeführt ſey, während die Zeugen blos angeben können, daß der in dem Duell verwundete Kapitän Harvey Tuckett heiße, wie ſie Dies von einer Karte wiſ—

ſen, die er ihnen übergab. Alſo ſey keine Gewißheit darüb

vorhanden, wer die Perſon ſey, gegen welche das Verbrechen be gangen worden. Der Lord Seneſchall befahl ſofort, die Gallerien zu räumen, worauf die Berathung über die vorgebrachte Einrede begann. Als die Gallerien wieder geöffnet wurden, hatte die Ab— ſtimmung über das Schuldig oder Nichtſchuldig begonnen, vor

welcher die etwa anweſenden Biſchöffe ſich, dem Herkommen ge— mäß, unter Vorbehalt ihrer Rechte, entfernt hatten, da ihnen ihr Amt nicht geſtattet, an einer Verurtheilung in ſolcher Sache Theil zu nehmen. Der Lord Seneſchall ſtellte an jeden Pair die Frage, ob der Angeklagte ſchuldig oder nicht ſchuldig, z. B. an Lord Lyndhurſt :„John Singleton Lord Lyndhurſt , wie ſagt Eure Lord— ſchaft, iſt James Thomas Graf v. Cardigan ſchuldig der Felonie, deren er angeklagt iſt, oder nicht ſchuldig?“ Worauf ſämmtliche Pairs, einer nach dem andern, in der Reihe, wie ſie befragt wa⸗ ren, unbedeckten Hauptes, ſich erhoben, und, die rechte Hand auf die Bruſt gelegt, antworteten:„Nicht ſchuldig, auf meine Ehre!“

alle Pairs, zuletzt, als der höchſte an Rang unter den Anweſen— den, der Herzog von Cambridge, ihr Verdikt abgegeben, ſprach der Lordſeneſchall ſelbſt,* dem Throne ſtehend:„Nicht ſchuldig auf meine Ehre.“ Der Wappenſergeant gebot ſofort dem Thür— ſteher, James Thomas Guben von Cardigan vorzuführen. Der Graf erſchien vor den Schranken, worauf der Lordſeneſchall zu ihm ſprach, wie folgt:„James Thomas Graf von Cardigan! Ihr waret angeklagt wegen Felonie und ſeyd deshalb durch Eure Pairs gerichtet worden, und ich habe die Befriedigung, Euch zu erklären, daß Ihre Lordſchaften Euch durch einen einmüthigen Spruch für nicht ſchuldig erklärt haben.“ Der Graf v. Cardi⸗ gan verbeugte ſich und trat ab.(Die Koſten hat er zu zahlen Der Standard will wiſſen, die Sporteln, welche der Graf an die verſchiedenen Beamten des Heroldsamtes und des Hauſes der Lords zu entrichten habe, betragen über 1500 Pfund Sterling.) Zuletzt wurde die Proklamation verleſen, wodurch das Gericht aufgelöst wird, worauf, zum Zeichen deſſen, der Lord Seneſchall, vor dem Throne ſtehend, ſeinen Amtsſtab von dem Wappenkönig des Ho— ſenbandordens und dem Herold mit dem ſchwarzen Stab ſich dar— reichen ließ und ihn entzwei brach. So wurde das Gericht um 5 ½ Uhr aufgelöst Schweden .

Febr. Ein Auftritt zwiſchen der Livreebedie⸗ nung des Hofes und dem ruſſiſchen Geſandten, Gr wicz, iſt der Gegenſtand allgemeinen Geſpräches, nachdem Zeitungen das Betragen des Grafen ſehr getadelt haben ſuchungen ſollen im Reichsmarſchallamte gegen die

Stockholm , 5 afen Matuſce mehrere Unter⸗ Bedienten an⸗

geſtellt worden ſeyn und ergeben haben, daß der Graf bei der Abfahrt vom Schloſſe, erzürnt darüber, daß der Wagen einer welcher vor dem Wagen des Grafen ſtand, zuerſt aufgerufen wurde, den Kutſcher, welcher Hoflivree trug, vom Bocke 2 n ſuchte, und ihm mit eigener Hand einige Schläge ertheilte. Die Pallaſtdame ſelbſt ſoll eine ſchriftliche Klage beim Reichsmarſchallamte eingereicht haben. Nach ſchwediſchen Geſetzen

wird jede Gewaltthat in dem Schloſſe, wo der König wohnt, mit dem Tode beſtraft, und unter andern Verhältniſſen würde wahr ſcheinlich eine ſtrenge Unterſuchung anbefohlen worden ſeyn; aber bekannt mit den freundſchaftlichen und nahen Verhältniſſen der beiden Monarchen, erwartet man mit Spannung, wie der Kaiſer dieſes Benehmen ſeines— wird.(Magdeb,Z.)

Baden.

Wahler Di Stad Durlach hat den erwäͤhlt

badiſchen Ge⸗

Stadt⸗

* 23. Febr ſellſchaft für Zuckerf tion hat, wie man vernimmt, eine Bitt ſchrift bei dem Staatsminiſterium eingereicht, worin ſie um die Verwendung der Regierung nachſucht, daß der Handels svertrag mit Holland nicht in der bisherigen Geſtalt erneuert Eventuell ſoll die Geſellſchaft das Aerbieten geſtellt haben, die deutſche Zuckerfabrikation vernichtet, und der deutſche Markt ausſchließlich von den Holländern beherrſcht werden ſolle, ſo ſey ſie bereit, den Holländern aus dem Wege zu gehn, und wolle denſelben die badiſchen Fabriken gegen Erſatz der aufgewendeten Koſten abtreten.— Das Anerbieten der Aufmerkſam keit der holländiſchen Staatsmänner empfohlen zu werden, welche ihren Zweck auf dieſem Wege kürzer und vielleicht auch wohlfei— ler erreichen dürften, als auf dem bis herigen Eine weitere deutſche Unternehmungsluſt zur Gründung neuer Induſtriezweige unter einem Zollſyſtem, deſſen Schutzbeſtimmungen ſo veränderlich ſind, wird Holland ohnedies nicht zu befürchten haben.

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Nur der Herzog von Cleveland drückte ſich anders aus. Er ſagte: „Nicht ſchuldig nach dem Geſetze, auf meine Ehre.“ Nachdem In den Hofbuchhandlungen von G. Braun in Ferne

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Verautwortli her Redakteur: Dr. Friedrich Giehne.

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