Nummer 21, Seite 8

DER START

Donnerflag, 25. April 1946

Das Zuckerrohr/

Ein sudamerikanisdies Märchen von Gabriela Mistral M

/

Audi in der friedlichen Pflanzenwelt kam es eines Tages zu einer sozialen Revolution. Es heißt, daß die sehr ein­gebildeten Zuckerrohre die Urheber ■waren. Der Wind, der wirblige Antrei­ber aller Mißvergnügten, machte die Propaganda, so daß man bald in allen Mittelpunkten des pflanzlichen Lebens von nichts anderem mehr sprach. Die ehrwürdigen Wälder verbrüderten sich mit den Zierbäumen in den Gärten, stürzten sich bedenkenlos in den aben­teuerlichen Kampf um die Gleichheit.

Aber um welche Gleichheit ging es denn? Ging es um die Festigkeit des Holzes, die Güte der Früchte, um das Recht auf nährkräftiges Wasser?

Nein, man wollte ganz einflch die gleiche Größe haben. Keiner sollte sein Haupt über die Nachbarschaft erheben; das war das Ideal. Der Mais dachte nicht daran, sich so stark zu machen wie die Eiche, sondern hatte nur im Sinn, seine üppigen Kolben ebenso hoch zu tragen wie der Baum seine Krone. Die Rose hatte nicht den Ehrgeiz, so zu werden wie der Kautschuk­baum, sie wollte nur unter seinen höch­sten Zweigen ihre Blütenkinder wiegen.

Eitelkeit, Eitelkeit, Eitelkeit! Größen­wahn, der die Schöpfungen der Natur in Spottbilder verwandelte! Vergehens sprachen einige Blumen, die bei Ver­nunft geblieben waren — die zaghaften Veilchen und die Seerosen, die so gar nicht überheblich auf dem Wasserspie­gel ruhten —, von der göttlichen Ord­nung und von einem an Tollheit gren­zenden I^shermut. Ihre Reden wurden als Geschwät} abgetan.

Ein alter Dichter —- er trug einen langen Bart wie Vater Nil — ver­dammte das revolutionäre Programm im Namen der Schönheit und sagte kluge Dinge von der Gleichförmigkeit, die in jeglicher Hinsicht hassenswert sei.

II.

Wie kam es zu solchen Ausmaßen? Man erzählt von geheimnisvollen Ein­wirkungen. Die Erdgeister hatten den Pflanzen ihre gewaltige Lebenskraft cingeblasen und so dieses häßliche Wun­der erstehen lassen.

Die Geschlechter der Aehren- und Staudenpflanzen schossen über Nacht einige Duzend Meter in die Höhe, als würden sie von den Sternen emp’fcr- gezogen.

Als die Landleute am nächsten Mor­gen ihre Hütten verließen, stand alles starr vor Staunen. Wo der Klee stand, wölbte sich eine grüne Kathedrale, die Weizenfelder hatten sich in goldene Wälder verwandeltl

Es war zum Verrüdktwerden. Die Tiere brüllten vor Schrecken, fühlten »ich verloren ln der plötzlich herauf­gekommenen Düsternis ihrer Weide­plätze. Die Vögel piepsten verzweifelt. Ihre Nester schwebten in Turmhohe, sie konnten sich nicht auf die Erde nieder- lassen, um Samenkörner zu suchen, denn dort hinunter fielen keine Sonnenstrah­len, kein Grasteppich breitete sich auf dem Boden aus!

Die Hirten blieben mit ihrem Vieh

ratlos vor den Einfriedungen stehen. Die weißen Schafe wehrten sich, in dieses dichte, finstere Dickicht einzu­dringen, in dem sie rettungslos ver­schwinden würden.

Indessen frohlockten die Zuckerrohre über ihren Sieg, rieben ihre langschaf- tigen Blätter an den bläulichen Kronen der Eukalyptus-Bäume ...

III.

'So verging ein Monat. Dann erfolgte der Niedergang.

Ihre marmorweißen Häupter fielen wie ahgemäht zu Boden — Häupter von Königinnen.

Die Zuckerrohre zeigten kein Mit­gefühl: „Schadet nichts!“

(Aber die Graaien liefen weinend durch die Wälder ...)

Die Zitronenbäume waren in solcher Höhe den Gewalten des Windes aus- gesetzt und verloren all ihre Blüten, konnten keine Früchte anse^en.

„Um so besser“, zischelten die Zucker­rohre, „so saures Obst hat keine Da­sei nberechtiguiig!“

Die Kornähren neigten sich, aber nicht mehr mit dieser süßen Mattigkeit

Die Einquartierung /

Von Joh. Peter Hebel

'Vis

A 4

ILn 1

Mißtrauischer Blick ln die Welt

(Foto: Wörner)

Die Veilchen, liebten wohl den Schat­ten, entbehrten aber des feucht-moosi- geen Untergrundes, ließen ihre violetten Köpfchen hängen und verdorrten.

„Schadet nichts“, sagten verächtlich die Zuckerrohre, „sind doch nur nutz­loses Zeug.“

(Aber im Lande höher geordneter v Seelen herrschte^arob tiefe Betrübnis.)

Die Lilien, die sich bis zu dreißig Meter emporgereckt hatten, brachen ab.

der Reife; sie fielen in ihrer ganzen närrischen Läpge auf den Boden und lagen da wie alte Eisenbahnschienen.

Die Kartoffelpflanzen verbrauchten so viel Kraft für ihre äußere Erscheinung, t daß ihre Knollen verkümmerten und nicht größer wurden als Apfelkerne ...

Nun lachten die Zuckerrohre nicht mehr; sie hatten Kummer.

Weder Baum noch Strauch trugen Früchte. Die Insekten konnten nicht zu

Als in dem Krieg zwischen Frankreich und Preußen ein Teil der französischen Armee nach Schlesien einrückte, waren auch Truppen vom rheinischen Bundes­heer dabei, und ein bayerischer oder württemhergischer Offizier wurde zu einem Edelmann einquartiert und be­kam eine Stube zur Wohnung, wo viele sehr schöne und kostbare Gemälde hin­gen.

Der Offizier schien recht große Freude daran zu haben, und als er etliche Tage bei diesem Mann gewesen und freundlich behandelt worden war, verlangte er einmal von seinem Haus­wirt, daß er ihm eins von diesen Ge­mälden zum Andenken schenken möchte. Der Hauswirt sagte, daß er das mit Vergnügen tun wollte und stellte seinem Gaste frei, dasjenige selber zu wählen, welches ihm die größte Freude machen könnte.

Nun, wenn man die Wahl hat, sich selber ein Geschenk von jemand aus­zusuchen, so erfordern Verstand und Artigkeit, daß man nicht gerade das Vornehmste und Kostbarste wegnehme, und so ist es auch nicht gemeint. Daran schien dieser Mann auch zu denken, denn er wählte unter allen Gemälden fast das schlechteste. Aber das war un - serm schlesischen Edelmann nichts desto lieber, und er hätte gern das kostbarste dafür gelassen.

„Mein Herr Obrist!“ sprach er mit sichtbarer Unruhe, „warum wollen Sie gerade das geringste wählen, das mir noch dazu wegen einer anderen Ursache wert ist? Nehmen Si« doch lieber dieses hier oder jenes dort.“ Der Offizier gab aber darauf kein Gehör, schien auch nicht zu merken, daß sein Hauswirt immer mehr und mehr in Angst geriet, sondern nahm geradezu das gewählte Gemälde herunter, let^t erschien an der Mauer, wo dasselbe gewesen war, ein großer feuchter Fleck.

„Was soll das sein?“ sprach der Of­fizier wie erzürnt zu seinem todblassen Wirt, tat einen Stoß, und auf einmal

übertünchte Backsteine zusammen, hin­ter welchen alles Geld und Gold und Silber des Edelmannes eingemauert war. Der gute Mann hielt nun freilich sein Eigentum für verloren, wenigstens er­wartete er, daß der feindliche Kriegs­mann eine namhafte Teilung ohne In- ventarium und ohne -Kommissarius vor­nehmen werde, ergab sich geduldig darin und verlangte nur von ihm zu erfah­ren, woher er habe wissen können, daß hinter diesem Gemälde sein Geld in der Mauer verborgen war.

Der Offizier erwiderte: „Ich werde den Entdecker sogleich holen lassen, dem ich ohnehin eine Belohnung schul­dig hin“; und in kurzer Zeit brachte sein Bedienter — sollte mans glauben — den Maurermeister selber, den nämlichen, der die Vertiefung in der Mauer zugemauert und die Bezahlung dafür erhalten hatte.

Das ist nun einer von den größten Spi^bubenstreidien, die der Teufel auf ein Sündenregister setzen kann. Denn ein Handwerksmann ist seinen Kunden die größte Treue, und in Geheimnissen, wenn es ‘nichts Unrechtes ist, so viel Verschwiegenheit schuldig, als wenn er einen Eid darauf hatte.

Aber was tut man nicht um des Geldes willen! Oft gerade das nämliche, was man um der Schläge oder um des Zuchthaus willen tut, oder für den Galgen, obgleich ein großer Unterschied dazwischen ist. So etwas erfuhr unser Meister Spitjbub. Denn der brave Offi­zier ließ ihn j6tjt hinaus vor die Stube führen und ihm von frischer Hand 100, sage hundert Prügel bar ausbezahlen, lauter gute Valuta, und war kein ein­ziger falsch darunter. Dem Edelmann gab er .unbetastet sein Eigentum zurück.

Das wollen wir beides gutheißen und wünschen, daß jedem, der Ein­quartierung haben muß, ein so recht­schaffener Gast, und jedem Verräter eine solche Belohnung zuteil werden möge. %

(Aus dem „Schafekästlein des

• Rheinländischen Hausfreundes“.)

fielen ein paar frisch gemauerte und

den Blüten gelangen, ohne ihre Flügel zu verletzen.

Und so gab es für die Menschen nicht Brot und Früchte, für die Tiere kein Futter. Was es gab: Hunger. Ueber die Erde kam ein großes Leiden.

Von solAem Notstand unberührt blie­ben allein die großen Bäume. Sie stan­den fest wie immer. Sie batten auch nicht gesündigt.

Die Zuckerrohre waren die letzten, die fielen. Ihr Sturz bezeichnete den Vollkommenen Zusammenbruch der Gleichmachungstheorie. Es zeigte sich, daß die früher massiven Zuckerrohre hohl geworden waren. Während sie maßlos höher strebten, verlor ihr Mark immer mehr an Festigkeit, wurden sie zu inhaltlosen Gebilden wie die Puppen und Gummifiguren.

Angesichts dieser Entwicklung konnte niemand mehr ein Argument zugunsten jener verhängnisvollen Theorie Vorbrin­gen, die denn auch durch die Jahrtau­sende unerörtert blieb.

Die Natur — großmütig wie immer — beseitigte die Schäden in sechs Mo­

naten, ließ die tollen Pflanzen in nor­maler Gestalt Wiedererstehen.

Der Dichter mit dem Bart des Vaters Nil erschien wieder nach langer Ab­wesenheit und besang fröhlich das neue Zeitalter:

„So ist es schön, meine Geliebten! Schön ist das Veilchen in all seiner Kleinheit und. der Zitroncnbaum ob^ seiner edlen Gestalt. Schön ist »Iler* wie Gott e» geschaffen hat: die Eich“ "" wie die gebrechliche Gerste.“

Die Erde war fortan wieder gut; sie gab den Menschen und den Tieren reichliche Nahrung.

Aber die Zuckerrohre, die Führer im Aufstand, blieben für immer damit be­haftet, daß sie hohl blieben, hobl ...

(Deutsch Von Florian Kienzl)

Einzel-Verkaufspreis 20 Pfennig.

,,Der Start*' erscheint einmal wöchentlich. Erscheinungsort Karlsruhe . Druck: Bad. Presse. Herausgegeben vom Youth Activities Office of North-Baden, Educatlon Team No. 1, Karlsruhe ln Baden, Ettliriger-Tor- Platz (Reichspostdirektion). Fernsprecher 1170, Responsible: Ist Lt Raymond A. Grossman.

Hans Thoma /

Ein Maler der deutschen Seele

Im Hochschwarzwald, zwei Stunden über St. Blasien liegt in saftgrüne Wie­sen gebettet das GehirgsdÖrfchen Ber­nau, der Geburtsort des Malers Hans Thoma , der dort am 2. Oktober 1839 das Licht der Welt erblickte. Fest und tief wurzelte er im Schoß der deutschen Heimaterde, ein Maler und ein Dichter, der den Pinsel und den Stift, die Radier­nadel und die schriftstellerische Feder mit gleicher Genialität handhabte und zugleich ein echter deutscher Mann war.

Groß, einfach und sachlich waren die Landschaften und Porträts Hans Tho­mas, die Jahrhunderte überdauern. Aber auch auf dem Gebiet der Komposition der figürlichen Darstellung und des Gen­rebildes hat Hans Thoma Unvergäng­liches geschaffen. Als Sohn des Schwarz­waldes, hat er aus dem Bauernleben Stoffe von ursprünglicher Art und pak- kender Lebendigkeit genommen, und die Geschichte des Landvolks in Freud und Leid durch alle Lebensphasen und Jah­reszeiten treu begleitet. Seine Bilder aus dem Tierleben und -seine Stilleben zäh­len zu den meisterlichen Schöpfungen dieser Gattung. In reicher, unerschöpf­licher Phantasie hat sein Geist die Reiche der Luft, des Wassers und der Erde durchflogen und deren Wunder in immer neuer Weise in vielfältigen Variationen auf die Leinwand und mit der Radier­nadel« festgebannt. Der Mythos Griechen­ lands hat seine Kunst reich befruchtet, der deutschen Sagenwelt hat er Gebilde voller Macht und Innigkeit abgerungen. Noch reichhaltiger und vielgestaltiger sind seine von wahrer Frömmigkeit und Gottseligkeit durchleuchteten Darstellun­gen aus der biblischen Geschichte.

Bei all diesem Re : chtum bekundet sein Schaffen eine großartige Harmonie, in- mgge Einheit und Geschlossenheit. Er hat Keine drei* nad viereckigen Gesichter und

keine betrunken schwankende Häuser­mauern gezeichnet, auch nicht Seelen­stimmungen durch Abbildungen von GliederYerrenkungen ausgedrückt und niemals in seinen Werken die unabän­derlichen Gesetze der Natur, des Den­kens und des künstlerischen guten Ge­schmacks auf den Kopf gestellt, sondern war immer ein fleißiger und gründlicher Zeichner, wie es vor ihm Grünewald, Dürer, Holbein und Rembrandt waren.

Hans Thoma hatte eine fast über­menschliche Schöpferkraft, er hat neben etwa 2000 Gemälden und ungezählten Zeichnungen gegen 600 Radierungen und Lithographien auch Bücher geschrieben. Seine wunderbaren Werke „Im Herbst des Lebens“ und ,.Tm Winter des Le- „bens“ enthalten außer wertvollen auto­biographischen Darstellungen einen rei­chen Schatz gediegener Aussprüche über Kunst und Leben und sind in einem ebenso eigenartigen, wie klaren und volkstümlichen Stil geschrieben, der vom ersten bis zum letzten Wort den Leser festbält. Auch der sonnige Humor, das tiefe Kindergemüt des Meisters kom­men in diesen Büchern zu voller Gel­tung. Hans Thoma war ein Maler der deutschen Seele. Epy.

Friedrich Mucker mann f

Wenn im Schimpfwortregister der welt­anschaulichen Kämpfe der vergangenen Jahre selbst das Wort „Dunkelmänner“ nicht mehr ausreichend erschien, um die vermeintliche Verwerflichkeit der christ­lichen Bevölkerungskreise zu brandmar­ken, blieb dem gutgeschulten Propa­gandaredner nur noch eine' rhetorische Steigerung: die Bezeichnung ..M u c k er­mann e r“. Es sollte ein Schimpfwort‘•f nein und ist allzeit ein Ehrenwort ge­blieben für diejenigen, di« •« In den »

riesigen 'He^versammlungen anhören oder in den Schulungsbriefen immer wieder lesen mußten, erst recht aber für jene beiden, denen es seinen Ur­sprung verdankt — den Brüdern Her­mann und F r i e d r i c h Mucker- mann.

Beide standen sit seit Jahrzehnten in der vordersten Front im geistigen Schick- salskampf um Deutschland , Prof. Her­ mann Muckermann als bahnbrechender Biologe und gewaltiger Kanzelredner, P. Friedrich Murkermann S. J. als Lite­raturhistoriker, Kulturphilosoph und des Wortes wie der Sprache gleich mächtiger Publizist. Während es dem älteren Bru­der vergönnt war, die ganzen Jahre in Deutschland zu leben und bis 1938 auch wirken zu können, mußte Friedrich Muckermann in der Nacht des 29. Juli 1934 aus der Heimat flüchten, wenn er nicht wie Erich Klausens und Fritf Gerlich hei der berüchtigten „General­reinigung“ anläßlich des Röhmputsches liquidiert werden wollte. Seitdem lebte er, unermüdlich publizistisch tätig, in Holland und Jahre hindurch in der Schweiz . Von dort kam vor Wochen die Nachricht von seiner Erkrankung und nun die Mitteilung von seinem im Aller von 62 Jahren in Montreux erfolgten Hinscheiden. ^

Den meisten von uns Jungen ist sein Name nur aus dem Zerrbild der anti­religiösen Propaganda bekannt. Wir wissen nichts mehr von dem, was diesen federgewandten Pater so bekannt und bei seinen Gegnern so gefürchtet machte. Wir können uns nicht mehr an seine Artikel über brennende kulturelle Ta­gesfragen entsinnen, die er in dem von ihm herausgegebenen „Gral“ oder unter dem Namen „Mann im Mond 4 “ in vielen deutschen Tageszeitungen veröffentlicht hat.

Zugang zu ihm vermögen uns heute nur feine Werke zu verschaffen, deren Neuauflage wir für die kommende Zeit

erhoffen: sein im Jubiläumsjahr - er­schienenes, bahnbrechendes Goethe-Buch, sein 1933 verlegtes „Vom Rätsel der Zeit“ und die beiden Veröffentlichungen der lebten Schweizer Jahre: „Der Mensch und die moderne Technik“ und „Der deutsche Weg“. Aus ihnen wird uns dann, Seite für Seite, jene lebendige, kämpferische und vergeistigte Persön­lichkeit entgegenstrahlen, als die Fried­ rich Muckermann von all denen geschil­dert wird, die seine Weggenossen waren.

Hörspiel um Adolf Kolping

Eine Schulfunksendung des Südfunk

Vielen jungen Rundfunkhörern wird es dieser Tage wie jenem Malergesellen ergangen sein, der beim Betrachten der Kolping-Büste des Gesellenhauses ge­stand: „Ich muß sagen, von ihm hab ich noch nichts gehört.“ Es war deshalb eine viel Unrecht der Vergangenheit wettmachende, begrüßenswerte Tat, daß Radio Stuttgart seine letzte Scliulfmik- sendung vor den Osterferien dem Leben und Werk des deutschen Gefeellenvaters Adolf Kolping widmete.

Wo könnte man heute über Kolping* Ziele besser Aufschluß erhalten ,als in einem der über ganz Deutschland ver­streuten, auf seine Forderungen hin ge­gründeten Gesellenhänser? Ein Kol- pingshaut mußte deshalb auch der Schau­platz des erfreulich lebendig gestalteten Hörspiel« sein.

Zwei junge Menschen trafen sich da­rin, wie wir sie heute in jeder Großstadt zu Hunderten finden: e«n eben aus dem Lagerleben entlassener Kriegsgefangener und ein auf der Suche nach einem neuen Heim befindlicher Flüchtling aus dem Osten. Beides Handwerker, beide auf dem Weg nach Wohnung und Arbeit. Ein Schreinergeselle führt sie in das Haus ein. Im Verein mit dem Hausmei­ster und dem Präsea macht er, sie mit

der Bestimmung dieser Kolpingshäuser bekannt, die jungen Handwerker!* Heim­stätte sein sollen, in der sie in einer auf christlichem Geist aufgebauten Hausge­meinschaft wie in einer Familie Zusam­menleben und sich dabei charakterlich und beruflich fördern. Zum Schluß er­steht die Persönlichkeit des Gründers, der Mensch Adolf Kolping , in kurzen Zügen skizziert, vor den Hörern des Spiels. Nur in Stichworten kann es Le­ben und Werk dieses in aller Welt geach­teten und bekannten großen Deutschen andeuten. Bei aller notwendigen Bruch-' stückhaftigkeit aber läßt es ahnen, daß cs dem Andenken eines Großen unserer deutschen Geschichte galt. —nd.—

Am Rundfunk

Foto W8mM.