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2. Jahrgang / Nummer 66

Marshall fordert vollen Betrag

Washington , 10. Juni (DENA - Reuter) 'Außenminister George Marshall erklärte am Mittwoch auf «einer wöchentlichen Pressekonferenz, das europäische Hilfs­programm müßte in seiner vollen Höhe von 5300 Millionen Dollar durchgeführt werden. Er lehnte auch eine Ausdehnung des Programms von zwölf auf fünfzehn Monate ab. Der Ruf und das Prestige der Vereinigten Staaten ständen auf dem Spiel, fügte Marshall hinzu. Die von dem Abgeordnetenhaus gebilligte Kürzung würden den Erfolg des Programms in Trage stellen, da der ungekürzte Betrag bereits beträchtlich unter den, ursprüng­lich von den europäischen Ländern in Paris , dem Harriman-Komitee und der Regierung vorgelegten Schätzungen liege.

USA -Senat' billigt Dienstpflicht

Washington, 10. Juni. (DENA) Der Se­nat billigte am Donnerstag laut INS die Dienstpflichtgesetzesvorlage für die Ein­berufung aller 19- bis 25jährigen zu ei­nem zweijährigen Militärdienst. Die Vorlage wird nunmehr dem Repräsen­tantenhaus zur Entscheidung unterbreitet. Das Gesetz soll im Falle seiner end­gültigen Annahme zunächst auf 2 Jahre befristet sein.

Neue türkische Regierung

'Ankara , flO. Juni. (DENA) Minister­präsident Hassan Saka hat, wie der türkische Rundfunk am Donnerstagabend laut AFP bekanntgab, eine neue türki­sche Regierung gebildet; Saka, der am Dienstagabend den Rücktritt seines Ka­binetts einreichte und im Anschluß daran mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt wurde, hat in der neuen Re­gierung auch den Posten des Außenmini­sters innef. Der Minister für öffentliche Arbeiten und der für Verkehr haben ihre Posten getauscht, während die Mini­sterien für Verteidigung, Inneres, öffent­liche Arbeiten, Erziehung, Wirtschaft, Gesundheit, Zollwesen und Monopole, so­wie Landwirtschaft und Handel neu be­setzt wurden.

Tschechische Nationalversammlung wählte ihren Präsidenten

Prag , 10. Juni (DENA) Die am 30. Mai gewählte tschechoslowakische National­versammlung trat laut AFP am Donnei's- tagvormittag unter dem Vorsitz des tschechoslowakischen Koordinationsmini- cters Dr. Walter Srobar zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Nachdem die Ab­geordneten ihren Eid abgelegt hatten, wurde das ständige Büro der National­versammlung gewählt. Oldrich John wurde mit 293 gegen drei Stimmen zum neuen Präsidenten der Nationalversamm­lung gewählt. Nach seiner Wahl erklärte John, kein Parlament und keine Regie­rung in der Tschechoslowakei habe Je­mals die Möglichkeit gehabt, eine er­freulichere Aufgabe durchzuführen. Der wahre Sozialismus müsse durch den Wil­len des Volkes in die Tat umgesetzt werden.

Freitag, den 11. Juni 1948

Einzelpreis 20 Pfennig

Friedliches Bindeglied zwischen Ost-West

Internationales Komitee fordert Schaffung eines geeinten Deutschland

London , 10. Juni (DENA-Reuter) Das internationale Komitee zum 8tudium europäischer Fragen richtete am Don­nerstag an die Ministerpräsidenten aller alliierten Länder eine Aufforderung, ein „geeintes Deutschland zu schaffen, das in gleicher Weise unter dem Einfluß der westlichen wie der östlichen Mächte stehen soll". Das Komitee, das zur Be­kämpfung jeglichen Totalitarismus von rechts oder links gebildet wurde und aus prominenten Staatsmännern, Wirtschaft­lern und Industriellen zahlreicher alli­ierter Länder des zweiten Weltkrieges

besteht, erklärt in seiner Aufforderung weiter, daß ein derart geeintes Deutsch­ land ein „friedliches Bindeglied" zwischen Osten und Westen werden könne und mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einem . allgemeinen Uebereinkommen führen werde als ein in zwei rivalisierende Hälften geteiltes Land. Nur eine allge­meine Einigung über das Deutschland - Probiem könne den Frieden aufrecht er­halten, heißt es in dem Dokument.

Das Komitee setzt sich für eine föde­ralistische deutsche Verfassung ein und fordert die Sowjetunion auf, die Auf-

Bevin hofft auf Viermächte-Abkommen

Britische Regierung hat den Londoner Empfehlungen zugestimmt

London , 10. Juni (AP) Der britische Außenminister Ernest Bevin erklärte am Mittwoch vor dem Unterhaus, England hoffe immer noch, die Sowjetunion zu einem Viermächteabkommen über die Zukunft Deutschlands bewegen zu kön­nen. Weiter gab Außenminister Bevin bekannt, die britische Regierung habe den Empfehlungen Über eine föderative Regierung in Westdeutschland , Über die Besetzung Westdeutschlands durch die Westmächte für unbestimmte Zeit und über die internationale Kontrolle der Ruhr zugestimmt.

Mit der Annahme dieser Empfehlun­gen sei nicht gesagt, daß Großbritannien nunmehr die Hoffnung auf ein Vier­mächteabkommen aufgegeben habe, er­klärte Bevin. Nach wie vor begünstige England die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands , die jedoch auf ein­wandfreien Grundsätzen errichtet werden müsse. Ohne Unterbrechung müsse man auf dem einmal eingeschlagenen Wege weitergehen, sagte Bevin nach einem Hinweis auf die grundsätzlichen Diffe­renzen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion .

Bei Abfassung der Pläne für die Zu­kunft Deutschlands habe man die Frage dei Sicherheit -im Auge behalten. Dial

Welt habe zwei furchtbare Kriege als Folge der deutschen Politik' über sich ergehen lassen müssen. Es sei Vorsorge getroffen worden, daß diese Ereignisse sich nicht wiederholen. „Wir haben die Deutschen aufgefordert, die Arbeit an der Entwicklung demokratischer politi­scher Institutionen aufzunehmen.“ Außen­minister Bevin sprach kurz nachdem die erste russische Reaktion auf das Kom­munique der Westmächte in London be­kannt geworden war.

richtigkeit der vor kurzem von Mar­schall Stalin an die Vereinigten Staaten gerichtete Erklärung dadurch zu bewei­sen, daß sie es Delegierten aus Ost­ deutschland gestatte, an der von der Londoner Sechsmächte-Konferenz empfoh­lenen verfassunggebenden Versammlung teilzunehmen.

In dem ersten Teil de« Dokuments — der zweite Teil wird nicht vor Sonntag veröffentlicht — betont das Komitee die Gefahr einer Ermutigung der nazisti­schen Elemente. ,,Die Sowjets werden beschuldigt, dem deutschen Nationalismus zu schmeicheln, während man den west­lichen Mächten das Fehlschlagen der Entnazifizierung und der Dezentralisie­rung der Kontrolle Über die Stahlindu­strie vorwirft“, heißt es hierzu in dem Dokument. „Es würde keine große Mühe kosten, die meisten Deutschen dahin zu bringen, daß sie ihre Stimme erneut einer Nazipartei geben“.

Ein neuer Krieg in Europa wird von dem Komitee „gegenwärtig“ als unwahr­scheinlich angesehen. Es wäre, so heißt es, ein Fehler, wenn man es zuließe, daß kommende Verhandlungen durch die Furcht vor einer kriegerischen Aus­einandersetzung nachteilig beeinflußt würden.

Waffenruhe angenommen

Palästina-Friedensbesprechungen der UN auf der Insel Rhodos

Kairo , 10. Juni. (DENA-Reuter).. Die Anordnung für die Einstellung des Feuers an allen Fronten, die am heutigen Frei­tag acht Uhr deutscher Sommerzeit in Kraft treten soll, wurde am Donnerstag Morgen von dem UN -Vermittlungsaus- schuß Graf Bemadottes bekanntgegeben. Araber und Juden haben laut AFP die Waffenstillstandsvorschläge angenommen.

Die letzten militärischen Entwicklungen iri, Palästina «waren, . wie. aus einjer Reuterübersicht hervoigeht, folgende;

Ringkampf in der Abgeordnetenkammer

De Gasperi und Togliatti waren Schiedsrichter und Zuschauer

Rom , 10. Juni. (DENA-Reuter). In der italienischen Abgeordnetenkammer kam es am Mittwochabend zu tätlichen Aus­einandersetzungen zwischen den Abge­ordneten der Christlichen Demokraten und Kommunisten, wobei drei Deputierte verletzt wurden. In den Zwischenfall, der sich während einer Debatte über das Programm der Regierung ereignete und in welchem von Fäusten, Füßen und Möbelgegenständen reichlichst Gebrauch gemacht wurde, waren mindestens zwei­hundert Abgeordnete verwickelt.

Schlußplädoyer im IG-Farbenprozeß

Taylor: Wir wollen nicht nochmals Drachenzähne ernten

Nürnberg , 10. Juni. (DENA). Der r ame- rlkanische Hauptankläger bei den Nürn­ berger Kriegsverbrecherprozessen, Gene­ral Talford Taylor, schloß am Donners­tag den Fall der Anklage im IG-Farben­prozeß mit einem Plädoyer ab, in dem die Verantwortung dieses Konzerns und der Angeklagten 23 Direktoren für Hit­ lers Angriffskrieg und die Kriegs- und Menschlichkeitsverbrechern aufzeigte. Jahre hindurch, führte General' Taylor

Welt-Rundschau

Rio de Janeiro . (DENA-INS) Bei eindr Explosion in der größten brasilianischen Zuckerraffinerie in Recife wurden laut ASA acht Personen getötet und siebzig verletzt.

Portland , Oregon . (DENA - INS) Die Zahl der Todesopfer bei den Über­schwemmungen in den nordwestlichen Staaten der USA hatten sich bis zum Mitt­woch auf 31 erhöht. Der Schaden wird auf über hundert Millionen Dollar ge­schätzt.

Los Angeles . (AP) Durch eine heftige Explosion wurde das Dach des mondänen Hillcrest Country Club, eines beliebten Aufenthaltsortes der Filmgrößen Holly­ woods , abgedeckt.

Lake Success. (AP) Der Sicherheitsrat der UN beschloß, trotz der Einwände Ministerpräsident Nehrus eine Friedens­mission nach Indien zu entsenden.

Seoul . (DENA-Reuter) Der Rundfunk von Pyongyang , der Hauptstadt des sowjetisch besetzten Nordkoreas , gaben bekannt, daß die sowjetischen Besat­zungsstreitkräfte in Nordkorea verringert lyürden.

Singapur . (AP) In dem Hauptgeschäfts­zentrum waren antijüdische Plakate an­geschlagen, die die Moslems aufforder­ten, die 1 jüdischen Läden zu boykottieren. Die Plakate trugen die Unterschrift „Anti-Juda“.

Rom . (AP) Durch Selbstentzündung flogen in einem Materiallager für Stra­ßenreparaturen bei Aosta drei Tonnen Sprengstoff in die Luft.

Genf . (DENA) Österreich wurde laut AFP einstimmig als Mitglied in die in­ternationale Zivilluftfahrt - Organisation aufgenommen.

aus, habe die IG ihfe Produktionskapa­zität benutzt, um die Kriegsmaschine Hitlers zu versorgen und an hervorra­gender Stelle den Krieg wirtschaftlich vorzubereiten. Darüber hinaus hatte die IG mit der Durchführung und Förderung des Vierjahresplanes, durch bewußte Ver­zögerung der Produktion im Ausland, durch Propaganda und Spionage das Par­teiprogramm der Nazis finanziell und po­litisch unterstützt.

General Taylor schloß seine Ausfüh­rungen mit den Worten: „Hoher Ge­richtshof, wenn die Wolken am Hori­zont des Weltgeschehens sich seit der Einweihung dieses Gerichtssaales verfin­stert haben, und wenn die Schatten im Laufe dieses Prozesses länger geworden sind, so wird — auf lange Sicht ge­sehen — das Recht am besten durch das gedeihen, was jetzt als Hindernis gegen seine allgemeine Durchführung erscheint. Ich bin gewiß, daß wir alle hier in die­sem Gerichtssaal das zerrissene Land wieder blühend und Früchte tragend sehen wollen, wie Dr. Silcher sich aus­drückte, aber wir wollen nicht nochmals Drachenzähne ernten.

Während der Präsident der Kammer die elektrische Alarmglocke als Zeichen des Abbruchs der Sitzung in Tätigkeit setzte, rangen die Abgeordneten auf dem Fußboden. Tintenfässer und schwere Aktenmappen wurden durch den Sit­zungssaal geworfen. Die Kommunisten und die extremen Sozialisten hatten nach einem heftigen Wortwechsel mit den Christlichen Demokraten, in dessen Ver­lauf von den Kommunisten behauptet wurde, der Vatikan beeinflusse die Christ­ lichen Demokraten, ihre Sitze verlassen und die Letzteren angegriffen.

Premierminister Alcide de Gasperi und sein größter politischer Gegner, der Kommunist Palmiro Togliatti , beobach­teten von ihren Sitzen aus das Hand­gemenge.

Nordfront: Syrische Artillerie beschoß eine jüdische Siedlung, während irakische Einheiten jüdische Stellungen nördlich von Tulmann angriffen. Mittelfront: Arabische Panzereinheiten bei Jerusalem wurden zurückgeschlagen. Arabische Ar­tillerie belegte die jüdischen Stellungen in Jerusalem mit Feuer, während jü­dische Flugzeuge arabische Stellungen außerhalb der Stadt mit Bomben be­legten. Ägyptische Flugzeuge führten mehrere Angriffe auf Tel' Aviv aurch. Jüdische Angriffe auf irakische Stellungen Östlich von Tel Aviv wurden zurückge­wiesen.

Südfront: Ägyptische Einbrüche in die jüdischen Stellungen südlich von Tel Aviv wurden zurückgeschlagen. Eine Siedlung südlich von Isdud wurde von ägyptischen Truppen eingenommen.

Die griechische Regierung hat, wie am Donnerstag bekanntgegeben wurde, dem Ersuchen der Vereinten Nationen statt­gegeben die Palästina-Friedensbesprech- ungen auf der Insel Rhodos abzuhalien. Der UN -Vermittler Graf Folke Bema- dotte wird für die Dauer der Verhand­lungen sein Büro auf der Insel ein­richten.

Beziehungen Argentinien — UdSSR Buenos Aires , 10. Juni. (DENA). Zwi­schen Argentinien und der Sowjetunion begannen laut INS am Donnerstag Ver­handlungen, die auf die Herstellung freundschaftlicher diplomatischer Be­ziehungen und den Abschluß eines „weitreichenden Handelsabkommens“ ab­zielen sollen.

Deutsche Frage gefährdet Kabinett Schuman

Nationalversammlung entscheidet über Annahme des Kommuniques

Paris , 10. Juni (AP) Ministerpräsident Robert Schuman bemüht sich, sein Re­gierungsschiff durch die Klippen innen- und außenpolitischer Schwierigkeiten hin­durchzusteuern. Durch die günstige Ab­stimmung des außenpolitischen Ausschus­ses der Nationalversammlung über das in Frankreich so unpopuläre Sechs- Mächteabkommen ermutigt, beriet der Ministerpräsident mit den Führern der parlamentarischen Fraktionen, um sei­nem Kabinett einen festen Rückhalt zu sichern, wenn die Deutschland -Empfeh­lungen am Freitag in der Vollsitzung der Nationalversammlung zur Abstimmung gelangen.

Trotz des. guten Ergebnisses der Ab­stimmung im außenpolitischen Ausschuß macht die deutsche Frage Schuman dennoch Sorgen, nachdem General de

Gaulle am Mittwochabend das Londoner Abkommen scharf verurteilte und nicht nur die französische Regierung, sondern auch die USA und England angriff.

De Gaulles Erklärung wird wahrschein­lich einige Radikalsozialisten bei der Ab­stimmung in der Nationalversammlung beeinflussen, denn der rechte Flügel dieser Partei hat schon oft seine Sym­pathie für den General bekundet.

Mr. Charles laFoletie (rechts) wohfite am letzten Dienstag dem öffentlichen Forum in Pforzheim bei. Neben dem Gouverneur von Württemberg-Baden landrat Richard D I s 1 1 n g e r. SAZ-Archlv

Nicht befriedigt

Berlin , 10. Juni (DENA) Die britische Kontrollkommission für Deutschland ist von dem Antwortschreiben des stellver­tretenden sowjetischen Oberbefehlshabers General Mihail Dratwin auf das Er­suchen General Westrops nach Ver­legung des Berliner Rundfunks aus dem britischen Sektor nicht befriedigt.

Ludwigshafener Streik beigelegt Ludwigshafen , 10. Juni. (DENA) Sämt­liche streikenden Betriebe? in Ludwigs­ hafen haben nach vorliegenden Meldun­gen im Laufe des Mittwochvormittags ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Als Ergebnis der Besprechungen zwi­schen den Gewerkschaften, der Provin­zialregierung, der französischen Militär­regierung und deutscher Regierungsver­treter aus Koblenz wurde erreicht, daß die Zuckermonatsration von 750 g in der Pfalz sofort ausgegeben werden kann. Weiter können alle in der Pfalz lagern­den Hülsenfrüchte verteilt werden. Fer­ner wurde versichert, daß im. Laufe des Mittwoch etwa 40 t Butter aus Tübingen nach Ludwigshafen geliefert werden sollten.

Heidelberg , 10. Juni (DENA) Die Brük- kenarbeiter an der Heidelberger Fried­richsbrücke und der Alten Brücke, die vor drei Tagen wegen der ungenügen­den Versorgung ihre Arbeit niedergelegt hatten, haben am Donnerstag den Streik eingestellt.

„Bizonaler Streik unseriös* Frankfurt, 10. Juni (DENA) Der Gene­ralsekretär des Zweizonengewerkschafts­rates, Fritz Tarnow , bezeichnete den Vorschlag der FGB-Bezirksleitung Wies­ baden , eine 24stündige Arbeitsnieder­legung aller Werktätigen in der Bizone als eine „absolut unseriöse Angelegenheit".

Gegen berufsfremde Lizenzträger Hannover , 10. Juni. (DENA). Die Voll­versammlung der Journalisten Nieder­ sachsens faßte einstimmig eine Entschlie­ßung, in der den beratenden Presse­ausschüssen und den Ministerpräsidenten der Länder in der britischen Zone empfohlen wird, als Voraussetzung für die Lizenzerteilung künftig besonderen Wert auf ausreichende journalistische und verlegerische Qualifikation zu legen.

Neue Typhuserkrankungen

München , 10. Juni (DENA) Die Zahl der an Typhus erkrankten Personen im Gebiet des Landkreises Altötting hat sich, wie die Gesundheitsabteilung des baye­rischen Innenministeriums hier am Don­nerstag mitteilte, nunmehr auf^ insge­samt 773 erhöht. Die Zahl der* Todes­fälle stieg auf 30. t

Umfangreiche Markenfälschungen in Bayern

Minister Schlögl erhält Sonder Vollmachten durch den Landtag München , 10. Juni (DENA) In der Don­nerstagsitzung des bayrischen Landtags gab Landwirtschaftsminister Dr. Alois

Berlin: Fall Friede wird aufgeklärt

„Hinterlistige Verhaftung durch Sowjets ein unerhörter Vorfall“

Berlin , 10. Juni. (DENA) Zu dem von der sowjetisch lizenzierten Berliner Presse am Mittwoch veröffentlichten-angeblichen Geständnis Dieter Friedes über eine Zu­sammenarbeit mit dem britischen Ge­heimdienst erklärte am gleichen Tage ein britischer Sprecher erneut, daß Friede keinerlei Beziehungen zu den britischen Behörden unterhalten habe.

Der Direktor der amerikanischen Mili­tärregierung für Berlin , Oberst Frank L. Howley , bezeichnete in einer Erklärung die „hinterlistige Verhaftung und ge­meine siebenmonatige Gefangenhaltung“ des Berliner r Journalisten Dieter Friede durch die sowjetischen Behörden als einen „unerhörten Vorfall“. Hier hätten die sowjetischen Behörden, so heißt es in der Erklärung, durch ihre eigene Hal­

tung der ganzen Welt ihre „brutale Nichtachtung der persönlichen Rechte und ihre zynische Unbekümmertheit um die Wahrheit“ vor Augen geführt. Sie hätten damit die Maske, die das „grau­same und böse Angesicht des totalitären - Polizeistaates“ verdeckte, fallen gelassen.

Friede sei, so fährt Howley fort, im November vorigen Jahres in eine Falle im sowjetischen Sektor gelockt und von sowjetischer Geheimpolizei verhaftet wor­den. Sein Verbrechen habe einzig und allein darin bestanden, ein fähiger und furchtloser Reporter für eine demokrati­sche Zeitung zu sein. „Friede ist außer­ordentlich tapfer, denn es hat sieben Monate gedauert, bis es der sowjetischen Polizei gelang, ihm „das Geständnis“ der Spionage herauszupressen.“

Schlögl Einzelheiten über umfangreiche Markenfälschungen in Bayern bekannt. Einzelne Ernährungsämter hätten, wie er mitteilte, bis zu 55 Prozent an gefälsch­ten Marken ermittelt. Bei Markenfäl­schungen seien oft Fett- und Fleischmar­ken im Werte von mehreren 100 Zent­nern vorgefunden worden. Audi die kürzlich erfolgten Streiks hätten nach seiner Ansicht vermieden werden kön­nen, wenn die Versorgungslage nicht durch derartige verbrecherische Elemente sabotiert worden wäre. Er forderte den Landtag auf, ihm die notwendigen lega­len Mittel zu geben, um die Ernährungs­wirtschaft vor einer Katastrophe zu be­wahren. Das Haus gab daraufhin einen Initiativantrag sämtlicher Parteien statt, der verschärfte Maßr\ahmen zur Be­kämpfung von Markenfälschungen vor­sieht. Unter anderem wird der Minister ermächtigt, schon vor Verhängung einer gerichtlichen Strafe durch einstweilige Anordnungen eine Schließung zu ver­fügen, wenn der Verdacht besteht, daß der Inhaber eines Betriebes Lebensmit­telkarten nachmacht, verfälscht oder

solche angenommen und weitergegeben hat. Der Gesetzentwurf wurde vom Ple­num an den Verfassungsausschuß zur Ueberarbeitung überwiesen.

Neue Währung auf schwarzem Markt Schlögl dementiert München , 10. Juni. (DENA) Der bayer. Landwirtschaftsminister Dr. Alois Schlögl , der am Mittwochnachmittag vor dem Verfassungsausschuß des bayerischen Landtags erklärt hatte, in München wür­den bereits Geldscheine der neuen Wäh­rung auf dem Schwarzen Markt gehan­delt, teilte der DENA am späten Abend telefonisch mit, daß er darüber falsch unterrichtet worden sei. Ihm sei zwar von einem Beamten diese Mitteilung zu­gegangen, sie habe aber einer näheren Untersuchung nicht standgehalten und würde nun durch die Münchener Polizei als Gerücht bezeichnet. Der Minister be­tonte, daß die Übermittlung dieser Nach­richt an ihn durch ein Mißverständnis erfolgt sei. Dr. Schlögl bittet die Presse, diese Meldung nicht weiter # „aus?.u- schlachten“, um eine weitere Beunruhi­gung der Öffentlichkeit durch Gerüchte zu vermelden.