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SAZ
Mittwoch, der 10. November 1948
Neue Kreditrichtlinien
Frankfurt (DENA). Nach Ansicht des Zentralbankrats muß, wie die Bank Deutscher Länder bekanntgab, die Kreditgewährung eingeschränkt werden. Zu diesem Zweck wurde eine Anzahl das Wechselgeschäft betreffende Bestimmungen abgeänd'ert. Wechsel, die den neu festgelegten Erfordernissen nicht entsprechen, werden von den Landeszentralbanken weder angekauft noch lombardiert.
Die neuen Bestimmungen lauten:
1. Gute Handelswechsel: die Kreditinstitute sind verpflichtet, darauf zu achten, daß die Laufzeit der gewährten Kredite nicht über die Zeit hinausreicht, die zur Abwicklung des zugrunde liegenden Warengeschäftes notwendig isrt. Wechsel von Kreditnehmern, die über Warenlager verfügen, werden von den Landeszentralbanken nicht rediskontiert, sofern das Lager über das für den betreffenden Geschäftsbetrieb unbedingt notwendige Maß hiinausgeht.
2. Bankakzepte: 1. Der Nachweis, daß das Bankakzept der Finanzierung eines Waren- oder Auslandsgeschäftes dient, ist dadurch zu erbringen, daß jedem der Landeszentralbank angebotenen Bankakzept eine von der Geschäfts! ei tung des akzeptierenden Kreditinstituts ordnungsgemäß unterzeichnet« Erklärung beigtfügt wird, aus der sämtliche Einzelheiten über das zugrunde liegende Kreditgeschäft hervorgehen. Insbesondere muß gesagt werden, welcher Art das finanzierte Geschäft ist, auf welche Dauer der Kredit eingeräumt wurde und auf welche Weise seine Rückzahlung gewährleistet ist. Zum Ankauf sind hinfort nur noch solche Bankakzepte zugelassen, a) die nachweislich der Finanzierung von Ein- und Ausfuhrgeschäften oder b) der Finanzierung der von Zentralbehörden angeordeten Lagerhaltung von bewirtschafteten Gütern dienen oder c) die eine Laufzeit von höchstens 10 Tagen bei Einreichung haben. Alle übrigen Bankakzepte, welche die unter zwei, eins angeführten Bedingungen erfüllen, können höchstens zu *A« ihres Nennbetrages lombardiert werden.
3. Debitorenziehungen: Für Debitorenziehungen gilt das für Bankakzepte Gesagte sinngemäß. Auf den einzelnen Debitor darf jedoch nur bis zu einem Höohstbetrag von fünftausend DM gezogen werden.
4. Refinanzierung von Kleinkrediten bis zu fünfhundert DM: Die hieraus bezüglichen Bestimmungen der Kreditrichtlinien bleiben unberührt.
Der Ankauf von Ausgleichsforderungen kommt grundsätzlich nicht in Betracht.
Schutzvereinigung der Wertpapier- Besitzer übernimmt IG-Aktien- Vertretung
Frankfurt (SAZ ). Die Schutzvereinigungen für Wertpapi erbesitz in der Bizone fordert alle Wertpapierbesitzer von IG-Faiben-Aktien und IG-Ohliga- tionen auf, ihren Besitz bei der Vereinigung anzumelden. Zu diesem Zwecke hat der Schutzverband Rundschreiben an die Banken und Sparkassen erlassen, aus denen Einzelheiten ersichtlich sind. Die Schutzvereinigungen haben sich zum Ziel gesetzt, die gemeinsamen Interessen aller Aktionäre und Obligationäre bei der Umwandlung der IG-Wertpapiere wahmmehmen. el
HANDEL UND WIRTSCHAFT
Rückschlag in den Textilpreisen?
Die ersten Monate nach der Währungsreform haben der westdeutschen Textilindustrie nach Freigabe der Stoppreise in einem Maße Preiserhöhungen gebracht, die von ernsthaften Unternehmerkreisen nicht für dauerhaft erklärt werden. Im Kaufrausch des ersten Massenansturms auf die Ware trieb der Handel oftmals von selber die Preise hoch, um Konkurrenten zu überbieten. Es fragt sieh nun, ob es gelingt, auf freiwilliger Basis den Preisbewegungen Einhalt ziu gebieten, oder ob es eines Tages ein böses Erwachen gibt, wenn über Nacht die Textilpreise in die Tiefe purzeln. Schon zeigen sich die ersten Anzeichen für die letztere Entwicklung. Kein Textilfabrikant und kein Händler soll die preismindernde Auswirkung des Jedermann-Programms verkennen. Die Arbeiterschaft verfügt nach der Erschöpfung der Sparguthaben und nach Aufbrauch der hohen Kopfgelder nun über keinerlei Reserven mehr. Man lebt sozusagen von der Hand in den Mund. Wenn auch vielleicht bis zum Weihnachts - fest der gegenwärtige Kaufrausch gerade auf dem Textilmarkt noch anhält, so greift der Käufer auf jeden Fall nach dem Erscheinen der Jeder- mann-Waren auf dem Markt zu den billigeren Erzeugnissen. Die Preisentwicklung ist nicht allein auf Deutsch land beschränkt. Auch im Ausland haben die Textilpretse vielfach unnormalen Charakter angenommen, und auch dort zeigen' sich die ersten Ansätze zu einem Preisrückgang. Selbstverständlich sind in erster Linie
die überhöhten »Rohmaterialpreise an den hohen Endpreisen schuld. Aber auch gerade im Ausland machen sich überall Zeichen von Käuferstreiks und weitgehende Zurückhaltung bemerkbar, so daß damit zu rechnen ist, daß zum nächsten Frühjahr auch die Rohstoffpreise zwangsweise auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt werden. Dazu tauchen überall Nachrichten auf, daß bedeutende Anstrengungen gemacht werden, dem Käufer billigere Waren im nächsten Jahr zu verschaffen, nicht zuletzt auch in Amerika . Man denkt vor allem hier
bei an die bekannte Methode der Spinnstoffmanipulation und der Fasermischung, eine Methode also, die bisher vom Ausland mehr oder weniger verlacht wurde, als Deutschland diese vor dem Kriege bereits einführte. Beim Versuch, die Preise zu drücken, geht man nun immer mehr dazu über, größere Beimischungen von Zellwolle, Kunstseide und Reißwolle in Kammgarn-, Streichgarn- und Naturseide- Textilerzeugnissen zu verarbeiten. Der Preis für Kammgamanzüge erster und zweiter Qualität soll in Ame- rikt auf 40 bis 45 Dollar begrenzt werden, während der Großhandelspreis 24 bis 27 Dollar betragen wird, el
Steht eine erneute Landflucht bevor?
Frankfurt (SAZ ). Nach der Währungsreform zeichnet sich allmählich eine zunehmende Landflucht ab, die sich in einer sichtbar werdenden Verminderung der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte auswirkt, Durch die Bautätigkeit in den zerstörten Städten und durch den Anreiz höherer Löhne insbesondere in der Bauindustrie und in den Fabriken vollzieht sich unaufhaltsam trotz vieler Erschwernisse wie Zuzugsgenehmigung usw. ein Abfließen vor allem der Flüchtlinge vom Lande in die Stadt. Diese Aushilfskräfte waren es aber meist, die der Landwirtschaft in den ersten Jahren nach Kriegsende geholfen halben. Durch die mangelhafte Technisierung der Betriebe waren ja sowieso mehr Hilfskräfte als gewöhnlich zur ..Saat- und Erntezeit erforderlich. Im nächsten Jahr wird es höchstwahrschein-
Ausländischer Kraftverkehr wird besteuert
Frankfurt (SAZ ). Die bizonale Verwaltung für Verkehr will ein Transit verkehrest euergesetz noch in diesem Monat vor den WirtsdbaftSTat bringen, damit ab 1. Dezember alle ausländischen gewerblichen Gütertransporte auf den deutschen Landstraßen versteuert werden können. Für jeden in den drei Westzonen gefahrenen Kilometer sollen ausländische Kraftfahrzeuge 0,6 Pfennig pro Tonne Fracht bezahlen. Für den Durchreiseverkehr von Personen sollen 0,3 Pfennig pro Kilometer und Person entrichtet werden, ferner für jeden Wagen eine D-Mark pro Tag. An den deutschen Grenzen will man Reisekoupons ausgeben, die in Deut scher Mark an die Zolbehörden zu bezahlen sind.
Seit Kriegsende besteht kein Rechtsschutz für deutsche Straße gegenüber den ausländischen Benutzern mehr. Während es allen deutschen Kraftfahrzeugen verboten ist, ausländische Straßen zu befahren, schon allein deswegen, weil deutsche Fahrzeuge von der internationalen Haft- und Kraftfahrzeugversicherung ausgeschlossen sind, erlaubte die Militärregierung ausländischen Transportunternehmen und Privatfahrzeugen den uneingeschränkten Verkehr auf deutschen Landstraßen, ohne eine entsprechende Gebühr dafür zu verlangen. Infolge der schwierigen Bahnverbindungen in den ersten Nachkriegsjahren entwik- kelte sich daher ein reger Transitlastwagenverkehr, vor allem zwischen Holland , Belgien und Dänemark mit
der Tschechoslowakei , Polen und der Schweiz sowie nach Oesterreich , der in der Hauptsache auf Kosten der deutschen Straßen forciert wurde. Der Zustand der großen Fernver- kehrsstrecken hat sich nicht zuletzt durch diese empfindliche Belastung zusehends verschlechtert. Nun fehlt es' 1 an finanziellen Mitteln, um die Instandsetzung energisch voranzutreiben, die mit Hilfe ausländischer Steuerabgaben für die Straßenbenutzung zum Teil gedeckt werden könnten. Die JEIA hat den ausländischen Transitverkehr in jeder Weise gefördert. Bekannt ist, daß in diesem Sommer allein 5000 holländische Lastzüge Gemüse ins Ruhr.gebiet gefahren haben, und daß kürzlich in Stuttgart ein Vertrag zwischen JEIA und der holländischen Transportfirma NV - Trustmaadschappij abgeschlossen wurde, der besagt, daß alle deutschen Exporte aus Württemberg-Baden nach Holland auf Lastzügen der holländischen Firma befördert werden sollen. Dänische Kraftfahrzeuge fahren Tag und Nacht Fische und Lebensmittel auf deutschen Straßen in die Schweiz .
lieh vor allem in in dust r i er eich en Gebieten zu einem Mangel an Landarbeitern kommen, der nur sehr schwer auszugleichen sein wird. Die Statistik zählte am 1. Juli 1947 1,54 Mill. landwirtschaftliche Arbeitskräfte in der Bizone. Dazu kamen weitere 3,11 Mill. Familienarbeitskräfte, so daß insgesamt 4,65 Mill. Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt waren. Ein Jahr später, kurz naoh der Währungsreform, finden wir nur noch 1,31 Mill. Arbeiter und 2,84 Mill. Familienarbeitskräfte, die zusammen 4,15 Mill. Menschen ergeben, die dem Bauern helfen. In einem Jahre ist als eine Abnahme von 500 000 Arbeitskräften auf dem Lande festzustellen.
Eine stetige Landflucht wird nur verhindert werden können, wenn auf dem Lande seihst die zum Teil sehr schlechten Wohnbedingungen verbessert werden. Vor allem muß den Flüchtlingen durch Siediung&bauten und Bereitstellung von Garten- und Siedlungsland die Möglichkeit einer Seßhaftmiachung gewährt werden. Nicht zuletzt aber muß nach Aufhebung des Lohnstops eine entscheidende Lohne erbesserung für die landwirtschaftlichen Arbeiter angestrebt werden, die nach der Aufbesserung der Agrarpreise von den Landwirt- ''schaftskammern ja auch zugesichert worden ist. el
Essen (DENA). Mit der Förderung von 1 857 996 t Kohle hat . die Ruihr- kohlenproduktion in der vergangenen Woche einen neuen NadikriegEirekord aufgestellt. Die durchschnittliche Tagesleistung betrug in der Berichtszeit 309 666 t gegenüber 305 543 t in der vorhergehenden Woche.
100 000 Tonnen Sojabohnen für die Bizone
Frankfurt (SAZ ). Diesen Monat werden die ersten Verschiffungen der von der amerikanischen Regierung 'zur Einfuhr in die Doppelzone vorgesehenen 100 000 t Sojabohnen erfolgen. Es handelt sich diesmal nicht um bereits extrahiertes Mehl, aus dem also dag Oel herausgezogen wurde, sondern um Soja-Rohbohnen, die einen wesentlichen Beitrag zur Aufbesserung unserer Fettversorgung und Eiweißlieferung leisten werden. Die Rohbohnen werden in westdeutschen Mühlen entölt. Das Oel fließt der Margarineindutsrie zu, während das Mehl der Lebensmittelindustrie zugeführt wird. Bisher hat das entölte Sojamehl in Deutschland wenig Anklang gefunden, da es sich sehr schlecht mit der Mehltype 1050 verbacken ließ. Inzwischen dürften die Bäcker jedoch genügend Erfahrung gesammelt haben, um das Mehl zu verwenden, das 50prozentiges hochwertiges Eiweiß u. 1 •/• Fett enthält, el
Unsere Spottecke
FINA kündigt Sportverkehr mit Deutschland an
Eine höchst bedeutungsvolle Ankündigung machte der internationale Schwimmsportverband, die FINA. Für einen Start von Düsseldorfer Schwimmern in Wien hatte sich das ASKÖ (Arbeitersport-Kartell Österreichs ) bei der FINA eingesetzt, doch versagte der internationale Verband seine Zustimmung. Als A&KÖ sich nicht zu- friedengab und einen neuen Antrag stellte, versagte die FINA zwar erneut ihre Genehmigung, jedoch teilte das Sekretariat mit, daß die FINA ab Januar 1949 den Sportverkehr mit Deutschland offiziell wieder ■ aufnehmen wolle.
Ende eines großen Spielers
Als Ernst Willimowski nach unruhiger Spielwanderung beim BC Augsburg landete, waren wir skeptisch, daß der Alfinternationale innerhalb der süddeutschen Oberliga ein« gute Rolle spielen würde. Der Ex- Chemnitzer ließ zunächst die Fußballwelt durch ein produktives Spiel ®uf- horchen und verhall dem BCA zu manchem Erfolg, wobei’ man ihm bescheinigen mußte, daß er stets fair und anständig kämpfte. Leider hat sich Willimowski aber im privaten Leben schwere Verstöße gegen Sittlichkeit und Moral sowie durch Erregung öffentlichen Aergemisses zuschulden kommen lassen, die zunächst seinen einstimmigen Ausschluß aus dem BC Augsburg zur Folge hatten. Die Vereinsleitung forderte Willi mowski auf, Augsburg , sofort zu verlassen und stellte ihm eine Fahrkarte nach seinem letzten Wohnsitz in Bo denwerder bei Hameln zur Verfügung. Dem Bayerischen Landessport verband und der Süddeutschen Oberliga wturde von seiten des BCA nahegelegt, Willimowski ebenfalls auszuschließen. Damit dürfte die Karriere eines großen Sportlers ein unrühmliches Ende gefunden haben. (ISK)
Vom Auslandsfußball
Schweizer Meisterschaft FC Basel —FC Zürich 3:1, Bellinzona —Lausanne 1:2, Chaux de fonds— Urania Genf 3:0, Lugano —Locarno 3:0. Urania Genf 3:0, Luganor-Locamo 3:0, Servette Genf—Grenchen 1*3, Grashoppers—Young Fellows 3:0.
■ Oesterreichische Meisterschaft Admira—SC Wien 8:1, Wacker—Austria 1:0, FC Wien—Oberlaa 6:0, Rapid Wien —Hochstädt 2:2, Vienna Wien— Floridsdorfer AC 3:2.
Italienische Meisterschaft FC Turin —Lazio Rom 1:0, Internationale—Modena 2:0, Lucca —Juven tus Turin 2:0, Novarra—Palermo 1:0, Bari —Genua 0:0, Bologna —Atalanta 1:1, Florenz —Milano 4:2, Padua —Piro Patria 1:1, AS Rom—Livorno 4:0, Sampdoria —Triest 1:1.
Französische Meisterschaft Metz—Marseille 1:4, Lille —Racing Paris 2:3, Reims —Nancy 3:9, Stade Francais—Roubaix 1:7, Toulouse — Montpellier 4:1, St. Etienne—Sochaux 1:1, Nizza —Colmar 2:8, Straßbouxg— Cannes 1:0. ,
Schottische Meisterschaft Glasgow Rangers—Hiberian 2:4, Clyde —Celtic 0:4, Aberdeen —Falkirk p:4, Altoion Rovers—Dundee 0:6, East Eife —Third Lannark 4:0, Hearts—Partick Thistle 1:3, Morton—Mothexwell 1:1, Queen of South—St. Mirren 3:2.
Veranstaltungen
„Mannergesangverein Lassallia". Sonnabend, den 13. Nov. 48, 19.30 Uhr, Konzert im Bonifatiussaal, Schiller- Straße. Eintritt 1.—.
Amtliche Bekanntmachungen
Käse. Als Vorgriff auf die Käseration d. kommenden Zuteilungsperlode werden aufgerufen: 62,5 g Käse auf Abschnitt ,,KL" der Karten 11—14 und 31—34. Karlsruhe , den 9. Nov. 1948. Ernährungsamt Karlsruhe -Stadt Ernährungsamt Karlsruhe-Land
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