Mittwoch, 5. Januar 1949
SAZ
Nummer 4 / Seite f
Grobe Stadtratsdebatte über die Entlassung Schultz-Dornburgs
Hintergründe der Karlsruher Theaterkrise bleiben nach wie vor verborgen — Kulturpfennig-Gesetz im Hintergrund der Diskussion
Welches sind die Hintergründe für den neuerlichen Intendanten Wechsel beim Badischen Staatstheater? Diese Frage beschäftigte die Karlsruher Oeffentlichkeit zu Ende des vergangenen Jahres aufs lebhafteste. Offizielle Erklärungen und Pressebesprechungen, die im Zusammenhang mit dem Rücktritt des bisherigen Intendanten Schultz-Dornburg abgegeben worden waren bzw. stattgefunden hatten, waren eher geeignet, die eigentlichen Gründe zu verschleiern als sie zu klären. Mit Spannung wartete man daher auf die gestrige Stadtratsdebatte über dieses Thema, die durch einen vorausgegangenen Antrag ausgelöst worden war. die Stadtverwaltung möge über die etwas mysteriösen Vorgänge einen klaren Bericht geben.
Der Kleine Saal des Konzerthauses, der gestern zum ersten Mal für eine Stadtratssitzung benutzt wurde — es war beinahe ein Symbol der Tatsache, daß man zwei Stunden lang über das Staatstheater debattierte —, war bis auf den letzten Platz besetzt. Vom ehemaligen Rektor der Technischen Hochschule bis zum Bühnenarbeiter hatten sich zahlreiche Karlsruher Theaterfreunde in der Hoffnung eingefunden, eine erschöpfende Aufklärung über die Intendantenkrise zu erhalten, die ihnen bisher vorenthalten worden war. Um es vorwegzunehmen: Alles in allem wurde nur der Schleier etwas mehr gelüftet; die letzten Hintergründe für das Ausscheiden Schultz-Dornburgs blieben der Oeffentlichkeit nach wie vor verborgen.
Vusdienkalender
Taschenkalender sind stets die Gedankenstützen des Alltags, der uns mit mehr aufregenden und belanglosen Dingen überschwemmt, als unser Kopf gemeinhin zu registrieren vermag. Niemand kann von uns verlangen, daß wir uns zum Ge- uach-tnisphänomen ausbilden lassen, nur um den Geburtstag der Tante Berta, die Kragengröße des Schwiegervaters und die Kopfweite der Großmutter sowie den Termin zur nächsten Lebensmittelkartenausgabe zu behalten. Dafür haben wir den Taschenkalender, der • traditionsge- maß in jedem Jahr auf dem WeiM- nachtsteller liegt. Wenn uns die Festtage bereits zu langweilen beginnen, weil wir des Feierns entwöhnt sind, und uns die Ruhe unheimlich dünkt, nehmen wir unseren neuen" Taschenkalender zur Hand und beginnen, ihn einzurichten. Das geschieht mit pedantischem Emst und vielen guten Vorsätzen. Wir wollen diesmal nun wirklich keinen Geburtstag mehr versäumen und vermerken die familiären Daten bereitwillig mit einem dicken roten Strich, nicht ohne auch in die Spalte’ des Vortages das höchst bedeutsame Wort einzutragen: Achtung, Geschenk besorgen!
Taschenkalender haben ein seltsames Schicksal. Sie scheinen nur für das erste Vierteljahr gemacht, denn gerade so lange hält unser Tagebucheifer an. Dann tragen wir eie für den Rest des Jahres als scheinbar überflüssige Pakete in unseren Rocktaschen mit. Aber Taschenkalender entbehren keineswegs der Nützlichkeit. Sie sind die Tröster unvorhergesehener Langeweilen. Wenn wir auf einer Lokalstation den Anschlußzug verpaßt haben oder unruhig im Vorzimmer eines Bürokraten hocken, nehmen wir sie gerne wieder zur Hand und blättern interessiert in den beschriebenen und unbeschriebenen Wochen. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir dann auch im Anhang, daß der Montblanc 4810 m hoch ist, und daß die mittlere Entfernung vom Mond zur Erde 384 420 km beträgt. fm.
Der ADAC -Motorsportclub Karls ruhe veranstaltet am Freitagabend, 7. Jan.,- Seinen Winterball in den Räumen des Kaffees „Museum “. Der Reinertrag des Abends dient der Förderung des Motorsports.
Damenstrümpfe für 5.50 DM!
Jawohl, meine Damen, Sie haben ganz richtig gelesen, sie kosteten tatsächlich nicht mehr als bare 5.50 DM, die friedens- mäßig gewebten Damenstrümpfe, um derentwillen Sich gestern vor einem Geschäft in der Kaiserstraße im Nu eine vielköpfige, aufgeregte Riesenschlange gebildet hatte. Zweifellos ein äußerst günstiges und ebenso seltenes Angebot, das eine gewisse Erregung schon rechtfertigen konnte, und so ist es auch gar nicht verwunderlich, daß die aufgebotenen Polizisten alle Hände voll zu tun hatten, um die kauflustigen Damen im Schach zu halten. Leider wurden nicht etwa 17 000 Paar Strümpfe zum Verkauf angeboten, wie einige besonders gut unterrichtete Frauen in der Straßenbahn hatten wissen wollen, sondern nach Angaben des Wirtschaftsamtes nur wenige hundert, aus polizeilich beschlagnahmten Beständen stammende Exemplare dieser, zu einem solchen Preis vielbegehrten Warengattung. Vielleicht haben auch Sie das nächstemal Glück. *d-
Missionssonntag
Der zweite Sonntag des neuen Jahres wird in der evangelischen Landeskirche Badens als Missionssonntag begangen. Wenn auch während des zweiten Weltkrieges die meisten deut schen Missionare ihren Dienst verlassen mußten, so sind einschließlich der Familienangehörigen immer noch rund 700 deutsche Missionskräfte auf allen Feldern tätig, und bereits sind Wieder vereinzelte Ausreisen deutscher Missionare im Gang. — In Karlsruhe wird am Missionssonntag um 19.30 Uhr in der Lutherkirche Missionsinspektor D i 1 g e r , Stuttgart , einen Vortrag halten über das Thema »Die weltweite Gemeinde Jesu Christi in den Stürmen unserer Zeit“. epd
Ein hervorragender Pferdekenner
Der Besitzer der früheren Kutsdierei Aschin- ger, die mehr als ein halbes Jahrhundert in Karlsruhe bestand und ein Opfer der Motorisierung wurde, Herr August Asdiinger, -kann am 6. Januar seinen 70. Geburtstag begehen.
Fahrplanänderungen bei der Reichsbahn
. Mit sofortiger Wirkung treten bei der Reichsbahn verschiedene Fahrplanänderungen in Kraft. Wegen Strommangel fallen auf den Strecken Stuttgart — Ulm — München und Stuttgart — Tübingen einige D-, Eil- und Personenzüge aus. Das Trieb- wagen-Eilzugpaar von der Pfalz nach Ba den-Baden , das bisher an Karlsruhe vorbeigeleitet wurde, verkehrt nunmehr über Karlsruhe -Hauptbahnhof. Der bisherige Triebwagen von Graben-Neudorf (ab 6.40 Uhr) nach Karlsruhe über Eggenstein fährt als Dampfzug, so daß damit der unerträgliche Platzmangel in diesem Zug behoben Ist. Der Triebwagen von Graben-Neudorf nach Karlsruhe über dieselbe Strecke, der bisher um 10 Uhr in Graben-Neudorf ab- fuhr, verkehrt nunmehr Graben-Neudorf ab 8.40, Karlsruhe an 9.41 Uhr. Der Triebwagen Karlsruhe -Neudorf, Karlsruhe ab 8.35 Uhr, fällt aus. Als erfreulicher Fortschritt im Reiseverkehr ist die Tatsache zu verzeichnen, daß im neuen Jahr die D-Züge D 37 Karlsruhe—München und D 38 Stuttgart—Karlsruhe wieder die II, Wagenklasse führen.
„Alle Jahre wieder ...“
Oberbürgermeister Topper, der dem Stadtrat die guten Wünsche der Stadtverwaltung für das neue Jahr aussprach, gab in dem gewünschten Bericht zunächst einen kurzen Rückblick über die verwaltungsmäßige Entwicklung des Staatstheaters seit 1919. In diesem Jahr war zwischen Staat und Stadtverwaltung eine Vereinbarung getroffen worden, derzufolge beide Teile je die Hälfte der Zuschüsse zu leisten hatten. Eigentümer des Theaters war und ist der Staat. Auf die Intendantenkrisen eingehend, meinte der Oberbürgermeister, diese treten just gerade immer an Weihnachten auf. „Alle Jahre wieder, kehrt ein neuer Intendant“, sagte das Stadtoberhaupt mit Humor. An der chronischen Karlsruher Intendantenkrise trügen Stadt und Staat jedoch keine Schuld. Die guten Ver- waltungs- und künstlerischen Fähigkeiten Schultz-Dornburgs würden anerkannt. Der Intendant habe jedoch, kaum daß er hier war, schon gekündigt; dem Ministerium für Kultus und Unterricht sei es damals gelungen, Schultz-Dornburg von seinem Entschluß zurückzuhalten. Vor Weihnach-
Ir. einem Bericht über die finanzielle Lage des Staatstheaters stellte Stadtkämmerer Dr. Gurk fest, daß man im Haushaltsplan 1932 für das Theater 909 050 RM veranschlagt habe gegenüber nur 800 000 DM im Haushaltsjahr 1948/49. Von den auf die Stadt entfallenden 400 000 DM seien 307 180 DM bereits bezahlt, während 92 820 DM noch offenständen. Die Einnahmen seien seit der Währungsreform um ein Drittel zurückgegangen. Sie hätten z. B. im vergangenen Oktober 101000 DM, im November 98 000 DM, im Dezember 113 000 DM betragen. Auf Grund der veränderten Situation seit der Währungsreform sei der Voran-
Aschingar, «in ausgezeichneter Pferdekenner, der in seiner Kutsdierei und in seinem, im ganzen Land bekannten Fuhrunternehmen, ausgesucht gutes Pferdematerial hatte, war ein ständiger Besucher der reichssportlichen Veranstaltungen im Lande Baden. Sein Urteil auf dem Gebiete des Pferdesportes wird heute noch von allen maßgebenden fachlichen Kreisen geschätzt. R. V.
Bei Dacharbeiten abgestürzt Ein 64 Jahre alter Mann stürzte am gestrigen Vormittag bei Ausbesserungs - Arbeiten vom Dache seines vierstöckigen Hauses in der Lui- senstraße, und- erlitt dabei so schwere Kopfverletzungen, daß der Tod eintrat. Fr.
Gegenbesuch
des Landesbischofs in Freiburg Landesbischof D. B a n d e r hat in den Tagen vor Weihnachten den Erzbischof Dr. Rauch in Freiburg besucht und damit den Besuch erwidert, den ihm der neue Erzbischof am 16. November ln Karlsruhe abgestattet hatte. epd
Heimkehrerstätte WickartsmÜhle
Das vom CVJM zusammen mit dem Hilfs- wert der Evang. Kirche in Baden geschaffene Erholungsheim für Rußlandheimkehrer, ist vor kurzem von Falkau nach Widcartsmühle bei Säddngen verlegt worden. Das Heim kann jetzt ständig 30 Heimkehrer aufnehmen, gegenüber bisher 20 und wird im übrigen im gleichen Rahmen wie bisher weitergeführt. epd
Der Tourlsten-Verein „Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Karlsruhe , e.V. veranstaltet am Freitag, den 7. l.,im Vereinslokal Bavaria einen Lichtbildervortrag von Dr. Goebel, Bad Wimpfen , über „Ostertage in der Silvreta und am Gardasee “. Freunde der Berge sind eingeladen.
Die Besucher des Kabarett „Roland" finden in der ersten Januarhälfte ein Programm vor, das es verdient, in der Reihe der Kabarettnotizen besonders hervorgehoben zu werden. In erster Linie muß bemerkt werden, daß die Darbietungen ausnahmslos gekonnt und gut aufeinander abgestimmt sind; in zweiter Linie muß den ausführenden Künstlern hinsichtlich ihrer Arbeitsfreude Anerkennung gezollt werden. Mit dem Conferencier Paul K r e i d t erhält das Programm an sich schon Niveau. Das Duo Roveras sowie Eveline Petersen zeigen in Tanz und Akrobatik gutes Können und eine bewundernswerte Körperbeherrschung,'Erika Anders überzeugt mit feiner Jonglierkunst. Zwei komische Käuze wie die Nikitins Brothers wissen sich in der letzten Nummer großen Beifall zu sichern. Wie stets wird die SmalbBänd allen musikalischen Anforderungen gerecht und gibt den einzelnen Darbietungen einen pikanten rhythmischen Akzent. Fr.
Im Passage-Palast läuft zur Zeit unter dem Titel „Die Woche", eine Kabarett-Revue nach Texten von Fred Endrikat und Jo Harms Rösler über die Bretter. Wenn manche über die Vorführungen zunächst etwas enttäuscht sind, so liegt das wohl an der Fotflt, Wie Künstler und Künstlerinnen die Revue darbieten. Vor unseren Augen spielen sich — wie auch im Programm vorgesehen — zeitlose parodistische Szenen ab. Für viele von uns nach Jahren rein-
ten habe dann der Chef des Staatstheaters erneut gewünscht, entlassen zu werden. Diesem Wunsch sei man entgegengekommen. Schultz-Dornburg habe kein Recht, zu sagen, wir hätten ihn entlassen, sagte der Oberbürgermeister. Es sei vermutet worden, der Intendant habe ein Engagement nach Wiesbaden , eine Vermutung, die durch eine vorausgegangene Reise des Intendanten nach Wiesbaden bestärkt worden sei. Eine Reise übrigens, zu der Schultz-Dornburg, wie der Oberbürgermeister mit einem Unterton von Vorwurf feststellte, „kein Urlaubsgesuch“ eingereicht habe. Um nicht ohne Intendant und ohne Lizenzträger zu sein, sei Dr. Köhler-Helfferich interimistisch verpflichtet worden. Man habe die Intendantenstelle inzwischen ausgeschrieben. Unter den Bewerbern befinde sich ein „Herr %us dem Rhein land , der einen hervorragenden Eindruck macht“. Zum Schluß wiederholte Oberbürgermeister Töpper, daß Stadt und Verwaltungsrat keine Schuld an den Vorgängen trügen, und daß der Verwaltungsrat sich alle Mühe gäbe, den Fortbestand des Staatstheaters zu gewährleisten.
schlag revidiert worden. Der Haushaltsplan sei in Einnahmen und Ausgaben von 1 170 750 RM auf 853 750.DM gekürzt worden. Allein 247 500 DM der Ausgaben müßten für Pensionen und die Hinterbliebenenversicherung aufgewendet werden. Die im November und Dezember erfolgte Kürzung der Gagen und Gehälter stelle keine endgültige Lösung dar, sondern bedeute lediglich eine Stundung. Dr. Gurk bat zum Schluß, dem revidierten Haushaltsplan die Zustimmung zu geben.
Gagen auf unterster Grenze
Nachdem Oberbürgermeister Töpper noch die Bemerkung gemacht hatte, die Gagen beim Staatstheater seien sehr mäßig und ihre obere Grenze befinde sich in Karlsruhe etwa dort, wo beispielsweise in Stuttgart die untere Grenze liege, nahm Stadtrat D i e t z (KPD ) das Wort. Der Sprecher kritisierte, daß der Finanzminister eine Zuwendung zum Ausgleich desTheater- budgets in Aussicht gestellt habe, die aus dem Gesetz über den Kulturpfennig resultiere. Dieses Gesetz (die KPD habe im Landtag dagegen opponiert), sei nicht nur sehr fragwürdig, sondern es sei auch noch nicht abzusehen, ob es angesichts der starken Kräfte, die dagegen aufgeboten würden, überhaupt in Kraft treten werde. Es sei also zu klären, wie man sich staatlicherseits die Deckung des Theaterdefizits vorstelle, wenn das Kulturpfenniggesetz nicht wirksam werde. Eine Theaterkrise aus finanziellen Gründen sei nämlich mit Sicherheit noch schwerer zu meistern als eine Intendantenkrise. An den Gagen dürfe in Karlsruhe jedenfalls nichts gekürzt werden, denn sie lägen auf der untersten Stufe, die für künstlerisches Personal möglich sei. Aus dem Bericht des Oberbürgermeisters gewinne man den Eindruck, als gehe die letzte Intendantenkrise ausschließlich zu Lasten Schultz-Dornburgs. Man verschweige sorgfältig, daß der Staat und der Verwaltungsrat in der Intendantenfrage nicht besonders glücklich operiert hätten. Dietz verwies in diesem Zusammenhang auf ein interessantes Dokument, das sich angeblich in Händen von Stadtrat Dr. Hoffmann befinde. (Dieser gab später zu verstehen, daß ihm davon nichts bekannt sei.) Dietz schlug vor, beim Staatstheater die
sten Varietes etwas ungewohnt, aber deswegen doch nicht abzutun. Im Gegenteil. Die auch durch den Rundfunk bekannten Humoristen Karl Keßler und Hans Kirdihoff, tischen eine regelrechte Platte von Sketschs auf, die durchaus wert sind, noch weiter ausgearbeitet und verbreitet zu werden. In dieses- Kunterbunt aus den Jahren 1900 und 1949 paßt sich Wilma Bo- regaard mit ihren Tänzen wirkungsvoll ein, während Emira Drews und Ursula Grosser in verschiedenen Rollen ihr Können, das mit Absicht „gewollt" wirken muß, unter Beweis stellen. Die Kapelle Fritz Teubers gab dem ' Ganzen ein gefälliges, musikalisches Gepräge. Das Publikum spendete dankbaren Beifall. OPP.
wird heute im Großen Hau* um 19.30 Uhr das Schauspiel „Bothwell und Maria“ von Hans Rehberg wiederholt. — Morgen, Donnerstag, geht im Großen Haus um 15 Uhr das Weihnachtsmärchen „Engelchen-Bengel- chen“ von AngSlie.se Dieffenbach, um 19.30 Uhr Puccinis „Tosca “ in Szene.
Am Sonntag, 9. 1. 1949, um 19.30 Uhr, gibt das bekannte Berliner Kabarett „Die Dachluke" in Karlsruhe ein einmaliges Gastspiel. Nach den bedeutenden Erfolgen, die diese Kabarettisten überall errungen haben, wird ihr Gastspiel im Kleinen Haus des Bad. Staatstheaters großes Interesse finden,
Eintrittspreise zu senken, damit auch der Arbeiter, der kleine Angestellte und Beamte diese Stätte der Volkskultur besuchen könne. Der finanzielle Ausfall würde durch einen verstärkten Besuch mehr als ausgeglichen.
„Thema der Kabaretts!“
Die Vorgänge beim Staatstheater erfüllten seine Partei, so sagte Dr. Kühn (CDU ) im Anschluß daran, mit ernster Sorge. Der Karlsruher Intendantenwechsel werde bereits zum beliebten Thema der Kabaretts. Bis jetzt habe man noch keine klare Auskunft darüber erhalten, wo die Fehlerquellen liegen. Manche Undurchsichtigkeit ergebe sich aus der Art, wie man die Berufungen der Intendanten vorgenommen habe. Namens seiner Fraktion verlas dann Dr. Kühn eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß 1. die Vertreter den CDU an der Berufung von Schultz-Dornburg nicht beteiligt waren und ihr nicht zustimmten, und daß 2. die Vertreter der CDU im Verwaltungsrat auch am Ausscheiden des Intendanten nicht mitgewirkt haben. Erst nach der Kündigung und nach der kommissarischen Bestellung von Dr. Köhler-Helfferich hätten die Vertreter der CDU Kenntnis davon erhalten. Die Vorgänge seien erst in der Verwaltungsratssitzung vom 14.12. 1948 (die Kündigung erfolgte am 7.12.) bekanntgegefcen worden. In Punkt 3 der Erklärung wird festgestellt, daß, obwohl die CDU -Vertreter im Verwaltungsrat eine andere Berufung lieber gesehen hätten, die künstlerischen Qualitäten Schultz-Dornburgs sehr geschätzt worden seien. 4. ■ sei die Be-
Stadtrat Dr. Klotter (DVP) erklärte im Anschluß daran, dem vorausgegangenen Wunsch des Oberbürgermeisters, über den Kulturpfennig nicht in eine Debatte einzugehen, leider nicht entsprechen zu können. Die Bevölkerung werde durch die Presse hinsichtlich des Kulturpfennigs in un - färer und unsachlicher "Weise unterrichtet. Man lege in der Presse eine Haltung an den Tag, die man nicht mehr verstehen könne. Man zweifle sogar die Verfassungsmäßigkeit dieser Steuer an. Man tue, als handele es sich bei dieser indirekten Steuer um eine exorbitante Sache, wo doch beispielsweise die Zucker-, die Salz- oder Zündholzsteuer eine die Bevölkerung viel stärker treffende Angelegenheit sei. Das Volk werde mit demagogischen, um nicht zu sagen hetzerischen Mitteln bearbeitet. Das zeige, daß jedes Monopol zur Entartung dränge. Kein Gewerbe habe die Gewerbefreiheit mehr nötig als die Presse. In diesem Zusammenhang kritisierte der Sprecher auch die Berichterstattung der Karlsruher Presse allgemein und führte dafür ein bestimmtes Beispiel an. Die Karlsruher Bevölkerung habe ein Interesse daran, sauber und anständig informiert zu werden.
In einer Entgegnung führte Stadtrat Baur (CDU ) — der Mitlizenzträger der „BNN“ — aus, er sei verwundert, daß hier eine Frage in einer Art aufgerollt werde, die weder Sach-
Mittwoch, 5. Januar
Stuttgart : 14.00 Schulfunk: „Fr. Liszt”:
14.30 l.R.O.-Suchdienst; 15.50 Börsenkurse:
16.30 Kinderfunk: 17.00 Blick in die Welt:
17.15 Zwei zeitgenöss. Komponisten: W. Haentjes und A. Koerppen; 18.20 Sport: 20.00 Hörspiel: „Anna Christie“ von E. O'Neill, Musik v. K. Holder: 21.00 Unterhaltungskonzert: 22.00 „Das schöne Lied“:
22.15 Schachfunk; 23.30 „Die Geburtsstunde d. Weltstaatensystems“ v. Dr. E. Hölzle.
— Studio Karlsruhe : 13.00 Echo aus Baden; 22.30 „Bunte Welle" (M. Bollmann, Fritz Krehl, W. Christ's Swing Flve, E. Steinbacher m. Orch.). — Frankfurt : 20.15 Oper: „Die lustigen Weiber v. Windsor“ v. Nicolai. — München : 20.15: „So war Mama* v. J. v. Druten u. C. Zuckmayer.
Donnerstag, 6. Januar Stuttgart : 8.00 Landfunk; 8.30 „Gottes Taten in d. Völkerwelt'; 8.45 Musik z. Fest d. Hl. Dreh Könige: 9.30 Der Gang nach Bethlehem : ''11.00 Ev. Morgenfeier:
11.30 Konz. f. Flöte u. Harfe m. Orch. v. Mozart ; 13.30 „Weit her aus d. Morgenland kommen wir gezogen“; 14.15 Berühmte Dirigenten; 15.00 Geschichte eines Klosters (Weingarten ): 17.00 E. Ponto liest:
17.30 Große Männer ganz privat: 18.30 Schöne Stimmen; 20.00 Cellokonz, h-moll v. Dvorak : 20.45 Ein Abend bei Lehär; 22.00 B. v. Geczy spielt: 22.30 „Mozart u. Salieri”; 23.00 Tanzmusik. — Studio Karls ruhe : 17.00 Die Zeitschriftenleser: „Stimmen z. Jahreswechsel“ v. H. Wiedemann.
— SUdwesttunk: 20.00 Symph.-Konz.: Suite aus „Feuervogel" V. Strawinsky , III. Symphonie (Eroica ) v. Beethoven . — Nord- westdeutsdier Rundfunk: 20.00 Hörspiel: ,D«> Paradies“ von O, JVessel,
rufung des kommissarischen jetzigen Leiters des Staatstheaters von den CDU -Vertretern in keiner Weise veranlaßt, sondern ihnen als fertige Tatsache mitgeteilt worden.— Dieser Erklärung fügte Dr. Kühn hinzu, dem beantragten Theaterzuschuß gebe di» CDU unter der Voraussetzung ihre Zustimmung, daß auch die anderen großen Belange der Stadt Karlsruhe (Krankenhaus, Schulen, die großen sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben) nicht vergessen werden. Auch Dr. Kühn betonte, daß die Gagen in Karlsruhe erheblich unter denen in Stuttgart lägen. Die mittlere Gage eines Schauspielers betrage hier 448" DM, in Stutt gart 856 DM.
Krise leichtsinnig heraufbeschworen
Die bisherigen Theaterkrisen, so sagte Stadtrat Walter (SPD ) u. a., gingen alle mehr oder weniger zu Lasten der Militärregierung. Die Kris» um Schultz-Dornburg sei jedoch leichtsinnig heraufbeschworen worden und man habe nichts getan, um sie zu verhindern. (Bei diesen Worten fiel von mehreren Seiten der Zuruf: „Wo?“) Mit der Leistung Schultz-Dornburgs sei man voll zufrieden gewesen. Es müsse gefordert werden, daß die Stadt Karlsruhe nicht nur zu gleichen Teilen am Defizit des Theaters, sondern auch an der Verwaltung beteiligt werde. Stadtrat Walter kritisierte dann einig» der Ausführungen des Vorredners und verurteilte gleichfalls die Gagenkürzung zu Ende des vergangenen Jahres. Oberbürgermeister Töpper, der noch einmal betonte, die Kürzungen seien nur Stundungen, meinte, es wäre besser, wenn einige Stadträte nicht als Berichterstatter des Verwaltungsrats vor dem Stadtrat aufträten, sondern Ihre Meinung im Verwaltungsrat kund täten.
Auch Stadtrat Dr. Raab (DVP) äußerte, erst aus der Zeitung von der Kündigung Schultz-Dornburgs erfahren zu haben. Im Augenblick: sei es allerdings weniger wichtig, die Hintergründe dieser Affäre aufzudecken, als den richtigen Mann zu finden, der der inneren und äußeren Schwierigkeiten des Theaters Herr werde. Die Art, wie Schultz-Dornburg entlassen wurde, sei auf jeden Fall zu verwerfen.
lichkelt noch Sachverständnis verrate. Sein Vorredner habe nur eine Seite des Problems gestreift und verzerrt dargestellt. Wenn der Zeitung einmal ein Fehler unterlaufe, so stände der Weg zur Berichtigung jederzeit offen. Die Zuschriften der Leser zum Kulturpfennig zeigten, wie das Volk über dieses Gesetz denke. („Diese Zuschriften sind provoziert!“ warf Stadtrat Dr. Klotter ein!) Es handele sich beim Kulturpfennig nicht um eine persönliche Angelegenheit der Zeitungsverleger, deren finanzielle Situation übrigens völlig verkannt werde, sondern um ein Grundproblem einer sauberen Demokratie. Ihm persönlich, dem Sprecher, gehe es bei der Presse um eine objektive Berichterstattung, um sonst gar nichts.
Nachdem noch die Stadträte S p r a u e r und Schwarz (CDU ) zur Intendantenfrage Erklärungen abgegeben hatten, die sich im wesentlichen mit den vorausgegangenen deckten, und nach der Versicherung des Oberbürgermeisters, zwischen städtischen und staatlichen Behörden herrsche in Karlsruhe eine ausgesprochen gute und angenehme Verbindung, gab der Stadtrat zu dem revidierten Haushaltsplan für das Staatstheater und zu dem bis Ende März 1949 noch zu leistenden Zuschuß sein« einstimmige Billigung. (Auf die übrigen Punkte der Tagesordnung, die eine untergeordnete Bedeutung besaßen, werden -wir in unserer nächsten Ausgabe zurückkommen.) W.
Bessere Schneeverhältnisse I
Badischer Schneebericht vom Dienstag, 4. Jan., herausgegeben v. Amt f. Wetterdienst Karlsruhe
Uebersicht und Vorhersage: Die Sehnee- fälle der letzten Tage erhöhten und verbesserten die Schneedecke im Schwarz- wald. Die spoftliche Schneegrenze liegt um 600 m, aus 900 m werden 30—40 cm meist pulvrigen Schnees gemeldet, während die Gipfellagen bis über 60 cm haben, sofern der Schnee auf freien Gipfellagen nicht verweht ist. Die Temperaturen lagen heute früh in 900 m bei —3 Grad, in Gip- fellagen um —5 Grad. Die Snortverhält- nisse werden an fast allen Stellen als gut bezeichnet! — Heute Nacht beginnende Schneefälle gehen zum Morgen bis in Gipfellagen bald in Regen über. Auch der Donnerstag wird noch recht mild sein, so daß das Tauwetter meist anhält. Frühestens ab Freitag ist ein langsamer Ueber- gang zu kälterem Wetter zu erhoffen.
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Verhältnismäßig mild
Vorhersage des Amtes für Wetterdienst Karlsruhe, gültig bis Freitagfrüh: Bei südwestlichen bis westlichen Winden wechselnd, meist stärker bewölkt, vorübergehend auch leichte Niederschläge. Vor allem am Mittwoch ziemlich mild, mit Höchsttemperaturen nahe 10 Grad. Am Donnerstag leichter Temperaturrüdegang. Nachts Temperaturen meist über 0 Grad.
Rheinwasserstände vom 4. 1. 1949
Konstanz 242 (unv.); Breisach 77 +7; Kehl 135 +4; Maxau 313 +14; Mannheim 150 ,+13j Caub M —3.
Die finanzielle Situation des Staatstheaters
KARLSRUHER KABARETT-NOTIZEN
Kontroverse um den Kulturpfennig
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