KARLSRUHER NEUE ZEITUNG

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3. Jahrgang Nummer 16

Karlsruhe. Samstag, 22. Januar 1949

Einzelpreis 20 Pfennig

Tschiangkaischek zurückgetreten

Auch das chinesische Kabinett beschloß Rücktritt — Jubel in Schanghai — Kommunisten verhalten sich weiterhin ablehnend

NANKING, 21. Jan. (DENA) Generalissimus Tschiangkaischek hat. wie laut AFP am Freitag von maßgeblicher Seite verlautet, seinen Rücktritt be­schlossen. In seiner AbschJedsbotschaft an das chinesische Volk betont der Generalissimus laut DP. er ziehe sich zeitweilig von den Regierungsgeschäf­ten zurück, um einen Friedensschluß in China zu ermöglichen und die Lei­den des Volkes zu erleichtern. Tschiangkaischek fordert die chinesische Re­gierung und das Volk auf, den Vizepräsidenten Li-Tsung-Jen aus ganzem Herzen zu unterstützen. Auch der stellvertretende Staatspräsident Li-Tsung- Jen erließ einen Aufruf, in dem er erklärt, die gemeinsam mit Tschiangkai­ schek verlebten 21 Jahre hätten ihn davon überzeugt, daß dessen Entschluß schwer zu ändern sei. Das chinesische Kabinett hat, wie AFP zufolge aus gut informierten Kreisen verlautet, beschlossen, insgesamt zurückzutreten.

Wie UP weiter meldet, flog Tschiang­ kaischek nach Fenghua in der Provinz Chekiang ab. Zu seiner Verabschie­dung hatten sich die Regierungsmit­glieder ^cl zahlreiche andere Wür -

Große Schulden der UdSSR

LONDON , 21. Jan. (UP) Das briti­ sche Schatzamt gab bekannt, daß die Sowjetunion Großbritannien noch aus der Vorkriegszeit 2.245 Mill. Pfund Sterling schulde. In dieser Summe seien rückständige Zinsen von allein 1.362 Millionen Pfund Sterling einge­rechnet. Der Finanzsekretär des Schatzamtes, William Clenvil Hall, gab außerdem bekannt, die Schuld der Sowjetunion an Großbritannien aus dem letzten Krieg belaufe sich auf 38 Millionen Pfund Sterling. Die Ver­schuldung der UdSSR aus dem letzten Krieg gegenüber anderen Ländern belaufe sich auf 296 Millionen Pfund Sterling.

Gomulka zurückgetreten

WARSCHAU , 21. Jan. (DENA-AFP ) Der stellvertretende polnische Mini­sterpräsident und „Minister für die wiedergewonnenen Gebiete“, Wladis- law Gomulka, hat am Donnerstag sei­nen Rücktritt eingereicht. Staatspräsi­dent Boleslaw Bierut hat dem Er­suchen stattgegeben. Gomulka war im Dezember vergangenen Jahres seines Postens als Generalsekretär der pol­nischen Arbeiterpartei enthoben wor­den. Als Nachfolger Gomulkas wurde Zaladskl zum stellvertretenden Mini- 1 sterpräsidenten ernannt.

j Schießerei an der Grenze

■ FRANKFURT , 21. Jan (UP) An der tschechoslowakisch-bayerischen Grenze kam es zu einer Schießerei zwischen amerikanischer Constabulary und tsche­choslowakischen Grenzwächtern. Als ein Lastkraftwagen, den deutsche Po­lizisten auf seiner Fahrt nach der CSR anhalten wollten und trotz An­ruf weiterfuhr, sandten ihm die Po­lizeibeamten einige Schüsse nach, die sofort erwidert wurden. Kurz dar­nach erschienen amerikanische Con- stabulary-Truppen, die von der deut­ schen Polizei alarmiert worden waren. Es kam zu einem Feuerwechsel zwi­schen diesen und tschechoslowakischen Grenzwächtern. Der Lastwagen, der genau auf der Grenze zum Stehen kam, hatte Kugellager und Teile von Werkzeugmaschinen geladen. Der ein­zige Verletzte des Zwischenfalls scheint

— soviel festgestellt werden konnte — der Fahrer des Lastkraftwagens zu sein.

Amerikaner unter Mordanklage

HEIDELBERG , 21. Jan. (DENA) Ge­gen die amerikanischen Soldaten An­drews D. Byrd und Oskar B. Cannon vom 252. Pionierbattaillon in Schwet­ zingen wurde, wie das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa mitteilt, wegen Mordes und vorsätzlicher Körperverletzung An­klage erhoben. Die angeklagten Sol­daten hatten in der Neujahrsnacht zwei deutsche Staatsangehörige in Schwet­ zingen verprügelt, daß der eine von ihnen, der 32jährige Hans Rutter, kurz darauf starb, während der zweite, Heinrich Johann, schwere Verletzun­gen und eine Gehirnerschütterung da­vontrug. Die beiden Soldaten waren kurz darauf verhaftet worden.

Welt-Rundschau

WASHINGTON . Der neuernannte US - Außenrainister Dean Acheson wurde am Freitag vereidigt. / Die USA haben die neue Regierung von Venezuela anerkannt.

— LONDON (UP). Die Dreimäditebespre- chungen über das Besatzungsstatut für Westdeutschland werden voraussichtlich noch die ganze nächste Woche in Anspruch nehmen. — PARIS (UP). Die französische Regierung beschloß, eine 100 Milliarden- Francs-Wiederaufbau-Anleihe berauszuge- ben. — MADRID . Heute wird ein Verfah­ren gegen 52 Spanier eröffnet, denen staatsfeindliche Umtriebe vorgeworfen werden. — MAILAND (UP). 50 000 italie­nisch« Arbeiter demonstrierten während •Ines dreistündigen Streiks gegen di« Schließung zweier Metallbetrieb«. — WARSCHAU . Polen und Rumänien wollen in Kürze einen Beistandspakt unterzeich­nen. — RANGUN (UP). Die burmesische Regierung mußte infolge finanzieller Schwierigkeiten zurücktreten.

(AU« nicht gezeichneten Nachrtchteni DENA)

denträger auf dem Flugplatz in Nan­king eingefunden.

Die Zurückziehung Tschiangkaischeks von den chinesischen Regierungs­geschäften hat in Schanghai großen Jubel ausgelöst, da die Bevölkerung nunmehr an einen baldigen Frieden glaubt. Die Straßen wurden mit Extra- Ausgaben der Zeitungen überflutet. Caison-Tschang, der in den USA auf­gewachsene Führer der demokratisch­sozialen Partei und einer der Politi­ker, welche von den Kommunisten als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet werden, erklärte, nun sei „der Weg zum Frie­den frei“. Er glaube, die Kommunisten seien jetzt zu Verhandlungen bereit.

Dagegen ist der Appell der chine­sischen Nationalregierung für eine so­fortige und bedingungslose Feuerein­stellung als Vorbedingung für Frie­densverhandlungen, laut Reuter, vom kommunistischen chinesischen Rund­funk in scharfer Form zurückgewiesen worden. Die „unvernünftige Forde­rung“, heißt es in der Erklärung des

kommunistischen Rundfunks. habe „jede Möglichkeit für Friedensbespre­chungen für immer ausgeschlossen“.

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Gegner Tschiangkaischeks nannten ihn den „gelben Diktator“. Mit 18 Jah­ren beginnt Tschiangkaischeks militä­rische Laufbahn. In der Militärakade­mie Tokio entwickelt sich der Soldat und angehende Generalstabsoffizier zum Revolutionär. Sun-Yat-Sen. der Führer der revolutionären Tung-Men- Hui-Partei, formt den jungen Offizier zum Politiker und unterwirft ihn rest­los der harten Parteidoktrin. Schön bei Ausbruch der chinesischen Revolution im Oktober 1911 fungiert er als mili­tärischer Berater. Nur kurze Zeit tauscht er die militärische Arena mit der politischen, als er in den zwan­ziger Jahren als Zivilist Verbindungs­mann dei Kuomintang wird. Aber v schon im Jahre 1923 kehrt er zu den Fahnen zurück. Er avanciert zum Oberbefehlshaber der Kantonarmee. Ein nicht ungeschickter Schachzug er­möglicht ihm im April 1927. die Kom­munisten auszuschalten und die Na­tionalregierung in Nanking zu bilden. Im Wechselspiel der Politik wird er in verschiedenen Positionen erneut zu politischer Aktivität veranlaßt, bis er 1935 Präsident des Zentralexekutiv­komitees und 1938 Vorsitzender der Kuomintang wird. Den angreifenden Japanern stellt der chinesische Gene­ral disziplinierte Armeen entgegen. Seine militärischen Niederlagen finden sehr bald einen Ausgleich durch

Clay über Besitzverhältnisse im Ruhrgebiet

Militärgouverneure weisep auf die Wichtigkeit Westdeutschlands hin

BERLIN , 21. Jan. (DENA) In einem für Washington bestimmten Sonder- bericht General Clays über die Besitz­verhältnisse und Kontrolle der Ruhr­industrie heißt es, die Ungewißheit über Eigentümerschäft und Leitung der großen' Eisen-, Stahl- und " Konlen- konzerne der Ruhr habe die Bemü­hungen der Besatzungsmächte um eine Steigerung der Kohlen- und Stahlpro­duktion außerordentlich gehemmt. Die Produktion 'der Ruhriiidus'trie sei ent­scheidend für den Wiederaufbau der Bizone und die Wiedergesundüng der europäischen Wirtschaft. In einem Zeitraum von vier Jahren sei keine Gruppe klar als Leiter oder Eigentü­mer der Industrie bezeichnet worden. Damit habe der gewöhnlich von Be­sitzern und Leitern ausgehende An­sporn für eine Produktionserhöhung gefehlt. Diese Ungewißheit habe die Produktivität der Arbeiter beeinflußt und die Gewährung von Anleihen ver­hindert. Der britische und der ameri­ kanische Militärgouverneur in Deutsch­ land weisen in einem gemeinsamen Bericht an die Verwaltung des ERP ln Washington auf di« Wichtigkeit der

Beteiligung Westdeutschlands am ge­meinsamen europäischen Wiederaufbau hin. Ohne eine Wiederbelebung der deutschen Produktions- und Konsum­tionsfähigkeit sei, so wird betont, kaum an eine Wiederherstellung des europäischen " VM-kriegs' - Lebensstan­dards zu denken. Als wichtige Merk­male der wirtschaftlichen Lage in Deutschland zu Beginn des Marshall­planes werden hervorgehoben: Die Spaltung zwischen Ost und West, niedrige Produktion bei erheblichem Geldüberhang und unzureichende Er­nährung. Die Bedeutung Deutschlands für die europäische Wirtschaft wird mit dem Hinweis unterstrichen, daß Deutschland früher der größte Absatz­markt für europäische Waren und gleichzeitig der bedeutendste Lieferant für die europäischen Länder war. 60 Prozent seiner Einfuhr stammten aus Europa und 70 bis 80 seiner Ausfuhr gingen dorthin. Nach Auffassung der Militärgouverneure ist es unwahr­scheinlich, daß Westeuropa ohne große Schwierigkeit einen ausreichenden Er­satz für Deutschland als Wirtschafts­faktor finden wird.

Für Produktionserhöhung der Landwirtschaft

Landtag fordert Maßnahmen zur Gesundung der heimischen Wirtschaft

STUTTGART , 21. Jan. (SAZ) In der 105. Vollsitzung des Württemberg­badischen Landtages wurden eine ‘Reihe von Anträgen landwirtschaft­lichen Charakters diskutiert und zu­meist einstimmig angenommen. Den def Initiative des Abg. Wiedemeier (CDU ) entspringenden und vom Land- I wirtschafts- und Ernährungsausschuß befürworteten Anträgen zufolge wird das Staatsministerium ersucht, a) auf eine Herabsetzung der Preise für Han­delsdünger mit allem Nachdruck hin­zuwirken, b) für die Erhaltung und Erhöhung unseres Vieh- und Schweine­bestandes einzutreten und alle An­strengungen zu machen, das fehlende Kraftfutter aus dem Auslande einzu­führen, c) zur beschleunigten Durch-

Falsche 100-D-Mark-Noten

FRANKFURT , 21. Jan. (DENA) Wie die Bank Deutscher Länder mitteilte, sollen sich schlechte Fälschungen der D-Mark-Noien zum Nennwert von 100 Mark fm Umlauf befinden. Für die Ergreifung der Notenfälscher hat die BDL eine Belohnung bis zu 3000 DM ausgesetzt. Die Bevölkerung wird auf­gefordert, bei Annahme von 100-DM- Noten besonders auf das Frauenbild- nis in der Mitte der Vorderseite des Scheines zu achten. Dies bei der echten in sauberer Strichzeichnung und klarer Linienführung ausgeführte Bild weise bei der Nachahmung unverkennbare Mängel auf.

Ausgabe von Pfennigstücken

HAMBURG, 21. Jan. (DENA) Die neuen Einpfennigstücke werden ab kommenden Montag von den Landes­zentralbanken der Bizone ausgegeben werden, teilt die Landeszentralbank Hamburg mit. Die jetzt im Wert von einem D-Pfennig umlaufenden alten zehn Reichspfennigstücke behalten weiterhin Gültigkeit

führung der Umlegung des zersplitter­ten landwirtschaftlichen Grundbesitzes beim Verwaltungsamt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf bald­möglichste Vorlage des Entwurfes eines Flurbereinigungsgesetzes zu drängen. Weiterhin beschloß der Land­tag,, das Staatsministerium zu er­suchen, die Erfülfung der vom Land­wirtschaftsministerium herausgegebe­nen Getreidöumlage sichet zustellen und der Auffassung des Landwirt­schaftsministers zuzustimmen, daß die von der Frankfurter Zweizonenbe­hörde verspätet herausgegebene Ge­treideumlage unerfüllbar ist. Hierzu vertritt der Landtag die Auffassung, daß die nach der Währungsreform durch die Frankfurter Verwaltungs­stellen versäumte Klarstellung über Weiterführung und Ausmaß der Be­wirtschaftung von Lebensmitteln, ins­besondere von Brotgetreide, der Be­wirtschaftung große Mengen entzogen hat. Die Verantwortung für eine etwa notwendige Kürzung der Brotration müßte bei dieser Sachlage die Frank­ furter Verwaltungsstelle tragen.

Die Hinterlegungsordnung vom 10. 3. 1937 ist durch Landtagsbeschluß inso­fern abgeändert worden, als bei Ge­richtskassen hinterlegtes Geld nicht mehr zu verzinsen ist. Die richterliche Dienststrafenordnung wurde ange­nommen. — Das Haus vertagte sich dann auf Mittwoch, den 26. Januar. Auf der Tagesordnung steht die Be­antwortung einer Reihe großer An­fragen, insbesondere die der kommu­ nistischen Fraktion über polizeiliche Durchsuchungen von Privatwohnun­gen sowie über die Entlassung von 3600 Bahnangestellten im Bereich der Direktion «Stuttgart . Auf Antrag des Abg. Leibbrand dürfte es voraussicht­lich in der kommenden Woche auch zu einer Aussprache über den Stand des Kulturpfennig-Qesetaei kommen, fcs.

Tschiangkaischeks Wahl zum Staats­präsidenten im Jahre 1943. Drei Jahre lang wird er in diesem Amt von T. V. Sung abgelöst, um 1948 wieder den Präsidentenstuhl einzunehmen. Tschi- ang war und ist eine umstrittene Per­sönlichkeit. Man nimmt ihm sehr viel übel. Viele Chinesen stört es. daß ihr Präsident Christ ist. Dieser „interne“ Mangel wird zwar von der internatio­nalen Politik ignoriert, dafür kreidet man dem chinesischen Staatsmann schwer an, daß es ihm nicht gelang, die ständig wachsende Korruption in Kreisen höherer Beamter und Militärs zu unterbinden. Die neuerdings äußerst vorsichtige Haltung Amerikas gegen­über der Nationalregierung ist nicht zuletzt auf diese Tatsache zurückzu­führen.

Zurückhaltung in den USA

WASHINGTON, 21. Jan. (UP) Lei­tende Staatsbeamte der USA legten am Freitag starke Zurückhaltung in ihrer Stellungnahme zum Beschluß Tschiangkaischeks an den Tag, sich einstweilen von den Regierungs­geschäften zurückzuziehen. Vom Staats­departement wurde eine offizielle Kommentierung dieses Ereignisses überhaupt abgelehnt. Diplomatische Kreise äußerten, daß die Regierung der USA der Meinung sei, daß erst die von Tschiangkaischek verfolgte po­litische Linie in China eine kommu­nistische Regierung möglich machte.

Grotewohl gibt keine Antwort

BERLIN , 21. Jan. (DENA) Der SED - Vorsitzende Otto Grotewohl wird die in einem Offenen Brief von drei ehe­maligen Redakteuren des SED -Zen- tralorgans „Neues Deutschland “ an ihn gerichteten vier Fragen nicht be­antworten, erklärte der persönliche Referent Grotewohls. Grotewohl war in dem Brief gefragt worden, welche Auskunft er bei seinem Besuch in DJoskau im vergangenen November vom sowjetischen Außenminister Mo- lotow über das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und deren Heimführung erhalten habe.

Neue Trizonenbesprechungen

LONDON , 21. Jan. (DENA) Formell* Dreimächtebesprechungen über di* Verschmelzung der französischen Be­satzungszone Deutschlands mit der Bizone werden, wie Reuters diplo­matischer Korrespondent von gut un­terrichteter Seite in der britischen • Hauptstadt erfährt, wahrscheinlich im kommenden März oder April stattfin­den. Bis zu diesem Zeitpunkt, heißt es, werden die mit der trizonalen Fusion zusammenhängenden Fragen weiter je nach Notwendigkeit von den drei westlichen Militärgouverneuren in Deutschland und ihren Stäben be­sprochen werden. Nach den gegen­wärtigen Plänen der Westmächte werde die trizonale Verschmelzung erst dann in Kraft treten, nachdem eine westdeutsche provisorische Re­gierung gebildet worden ist.

Urkunden aus den Ostgebieten

WIESBADEN , 21. Jan. (DENA) Da» hessische Innenministerium gab be­kannt, daß sich das polnische General­konsulat in Frankfurt bereit erklärt habe, gegen eine Gebühr von 5 bis 15 DM die Beschaffung von Urkunden aus den polnisch verwalteten deut­ schen Ostgebieten zu vermitteln.

Nadolny in besonderer Mission?

WIESBADEN , 21. Jan. (DENA) Der ehemalige deutsche Botschafter in Moskau , Rudolf Nadolny , soll nach zuverlässigen Berichten vor einiger Zeit in Westdeutschland eingetroffen sein, um mit führenden Politikern, Partei- und Gewerkschaftsvertretern, Fühlung aufzunehmen. Nadolny, der heute 75 Jahre zählt, wurde unmittel­bar nach Kriegsende von Marschall Schukow nach Karlshorst in das so­wjetische Hauptquartier als Berater für deutsche Angelegenheiten berufen. Unterrichtete Kreise sind der Mei­nung, daß Nadolny im Zuge der all­gemeinen sowjetischen Friedensoffen­sive, die nach der Ernennung Dean Achesons zum amerikanischen Außen­minister in fast allen europäischen Ländern ‘entsetzte, den Boden für eine sowjetisch-westdeutsche Annähe­rung sondieren und vorbereiten soll. In Kreisen der politischen Berater der westlichen Müitargouverneure in Frankfurt mißt man dem angeblichen Aufenthalt Nadolnys in den West­zonen erhebliche Bedeutung bei. We.

Anerkennung für die Berliner Bevölkerung

Britischer Koimhandant erklärt: Blockade begann bereits im Januar 1948

BERLIN , 21. Jan. (DENA) Der bis­herige Kommandant des britischen Sektors von Berlin , Generalmajor E. O. Herbert, ist überzeugt, daß die Berliner in ihrer bisherigen Haltung die gegenwärtigen Schwierigkeiten durchstehen werden. Der General ver­trat diese Ansicht auf einer Presse­konferenz im Hauptquartier der briti­ schen Militärregierung im Rahmen eines Ueberblicks über seine Tätig­keit als Kommandant des britischen Sektors von Berlin seit dem Frühjahr 1947. Herbert wird am Samstag sein Amt offiziell an Generalmajor E. K. Bourne übergeben und am Sonntag Berlin verlassen, um den Posten des Befehlshabers der britischen Territo­rialarmee in Großbritannien zu über­nehmen.

General Herbert wies in seiner Rückschau auf die sich im Laufe der letzten zwei Jahre ständig verschlech­ternde Zusammenarbeit der Vier- mächteverwaltung Berlins hin, die bei seiner Amtsübernahme noch funk­tionierte. Die Sowjets hätten die alli­ierte Kommandantur nur noch als eine Propagandastelle betrachtet, so daß die westlichen Alliierten daraus ihre Konsequenzen zogen. Die Blok- kade Berlins hat nach Ansicht Her­berts eigentlich bereits im Januar 1948 begonnen, als die Sowjets Ein­sprüche gegen den Personenverkehr erhoben. Im März folgten sowjetische

Einsprüche gegen den Güterverkehr, im April die Einstellung des Personen­verkehrs, im Mai die Behinderung des Postversandes und im Juni die Ein­stellung des gesamten Eisenbahn-, Schiffs- und Straßenverkehrs aus den Westsektoren Berlins . Herbert wür­digte dann die Arbeit des Berliner Magistrats, der trotz der vielen durch die sowjetische Politik verursachten Schwierigkeiten die Verwaltung Ber­ lins fortgesetzt habe.

Gesamter LDP-Vorstand flieht

BERLIN , 21. Jan. (DENA) Die la- tete Krise in der LDP der Sowjet­zone, die durch die oppositionelle Haltung eines Teils der leitenden Mit­glieder und eines Teils der Mitglied­schaft gegen die bisher verfolgte Blockpolitik ihrer Partei hervorgeru­fen wurde, hat sich durch zwei neue Ereignisse verschärft. Der erste Vor­sitzende des Thüringer Landesver­bandes der LDP, Leonhard Moog, erklärte auf der erweiterten Vor­standstagung des Landesverbandes seinen Rücktritt. Zum kommissarischen Vorsitzenden wurde Justizminister Dr. Hans Loch gewählt. Außerdem ist der gesamte zwanzigköpfige Kreisvorstand Koethen nach Berlin geflüchtet; nach­dem am Sonntag vier Mitglieder des LDP-Vorstandes von Koethen von der MWD verhaftet worden sind.

i/erwaStungsrat gegen falsche Pressemeldung

„Alle Mitglieder der blzonalen Verwaltung wurden politisch überprüft“

FRANKFURT , 21. Jan. (SAZ) Einen „außerordentlich schweren Verstoß ge­gen die Wahrheitspflicht“, sagte der Pressereferent des Zweizonenverwal­tungsrates, Ministerialdirektor Knapp­ stein , ist die Darstellung des „Tele­ graf “ in seiner Donnerstag-Ausgabe, nach welcher von den 8600 Beamten und Angestellten der bizonalen Ver­waltung 7000 ehemalige Mitglieder der NSDAV und 1600 ehemalige Offiziere in ebnem höheren als Majorsrang seien.

Der Höchststand, der bei den bizo- ualen Verwaltungen Beschäftigten der genannten Mitarbeitergruppen habe, einschl. Arbeiter, am 31. 8. 48 insgesamt 4675 Personen ausgemacht. Trotzdem inzwischen die neu geschaf­fene Verwaltung für Arbeit mit den bei Ihr Beschäftigten hinzukam, sei die Zahl der Mitarbeiter auf 3885 (Stand am 31. Dezember 1948) abge- sunkeri. Was die politische Vergangen­heit der bei der binzonalen Verwal­

tung Beschäftigten anbelange, so hätte nach dem Stand vom 30. September 1948 bei den damals noch 4133 Be­schäftigten sich folgendes Bild er­geben: 35 Prozent waren vom Be­freiungsgesetz betroffen, 65 Prozent nicht betroffen. Zu den Erstgenannten hätten auch rein formal Belastete (z. B. Zugehörigkeit als hoher Beamter zu Ministerien während der Hitlerjahre) gehört. Die 85 Beamten der sogenann­ten „ersten Garnitur“ — Direktoren, stellv. Direktoren, Hauptabteilungs­leiter und Abteilungsleiter — seien sämtlich nicht betroffen; zwei von ihnen seien durch ihre frühere Zuge­hörigkeit zu einem Ministerium be­lastet. Der Sprecher des Verwal­tungsrats wies im übrigen darauf hin, daß alle Mitglieder und höheren Be­amte der bizonalen Verwaltung vor ihrer Einstellung durch einen Prü­fungsausschuß sorgfältig auf ihre poli­tische Vergangenheit überprüft wer­den. We.