KARLSRUHER NEUE ZEITUNG
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3. Jahrgang Nummer 16
Karlsruhe. Samstag, 22. Januar 1949
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Tschiangkaischek zurückgetreten
Auch das chinesische Kabinett beschloß Rücktritt — Jubel in Schanghai — Kommunisten verhalten sich weiterhin ablehnend
NANKING, 21. Jan. (DENA) Generalissimus Tschiangkaischek hat. wie laut AFP am Freitag von maßgeblicher Seite verlautet, seinen Rücktritt beschlossen. In seiner AbschJedsbotschaft an das chinesische Volk betont der Generalissimus laut DP. er ziehe sich zeitweilig von den Regierungsgeschäften zurück, um einen Friedensschluß in China zu ermöglichen und die Leiden des Volkes zu erleichtern. Tschiangkaischek fordert die chinesische Regierung und das Volk auf, den Vizepräsidenten Li-Tsung-Jen aus ganzem Herzen zu unterstützen. Auch der stellvertretende Staatspräsident Li-Tsung- Jen erließ einen Aufruf, in dem er erklärt, die gemeinsam mit Tschiangkai schek verlebten 21 Jahre hätten ihn davon überzeugt, daß dessen Entschluß schwer zu ändern sei. Das chinesische Kabinett hat, wie AFP zufolge aus gut informierten Kreisen verlautet, beschlossen, insgesamt zurückzutreten.
Wie UP weiter meldet, flog Tschiang kaischek nach Fenghua in der Provinz Chekiang ab. Zu seiner Verabschiedung hatten sich die Regierungsmitglieder ^cl zahlreiche andere Wür -
LONDON , 21. Jan. (UP) Das briti sche Schatzamt gab bekannt, daß die Sowjetunion Großbritannien noch aus der Vorkriegszeit 2.245 Mill. Pfund Sterling schulde. In dieser Summe seien rückständige Zinsen von allein 1.362 Millionen Pfund Sterling eingerechnet. Der Finanzsekretär des Schatzamtes, William Clenvil Hall, gab außerdem bekannt, die Schuld der Sowjetunion an Großbritannien aus dem letzten Krieg belaufe sich auf 38 Millionen Pfund Sterling. Die Verschuldung der UdSSR aus dem letzten Krieg gegenüber anderen Ländern belaufe sich auf 296 Millionen Pfund Sterling.
WARSCHAU , 21. Jan. (DENA-AFP ) Der stellvertretende polnische Ministerpräsident und „Minister für die wiedergewonnenen Gebiete“, Wladis- law Gomulka, hat am Donnerstag seinen Rücktritt eingereicht. Staatspräsident Boleslaw Bierut hat dem Ersuchen stattgegeben. Gomulka war im Dezember vergangenen Jahres seines Postens als Generalsekretär der polnischen Arbeiterpartei enthoben worden. Als Nachfolger Gomulkas wurde Zaladskl zum stellvertretenden Mini- 1 sterpräsidenten ernannt.
j Schießerei an der Grenze
■ FRANKFURT , 21. Jan (UP) An der tschechoslowakisch-bayerischen Grenze kam es zu einer Schießerei zwischen amerikanischer Constabulary und tschechoslowakischen Grenzwächtern. Als ein Lastkraftwagen, den deutsche Polizisten auf seiner Fahrt nach der CSR anhalten wollten und trotz Anruf weiterfuhr, sandten ihm die Polizeibeamten einige Schüsse nach, die sofort erwidert wurden. Kurz darnach erschienen amerikanische Con- stabulary-Truppen, die von der deut schen Polizei alarmiert worden waren. Es kam zu einem Feuerwechsel zwischen diesen und tschechoslowakischen Grenzwächtern. Der Lastwagen, der genau auf der Grenze zum Stehen kam, hatte Kugellager und Teile von Werkzeugmaschinen geladen. Der einzige Verletzte des Zwischenfalls scheint
— soviel festgestellt werden konnte — der Fahrer des Lastkraftwagens zu sein.
Amerikaner unter Mordanklage
HEIDELBERG , 21. Jan. (DENA) Gegen die amerikanischen Soldaten Andrews D. Byrd und Oskar B. Cannon vom 252. Pionierbattaillon in Schwet zingen wurde, wie das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa mitteilt, wegen Mordes und vorsätzlicher Körperverletzung Anklage erhoben. Die angeklagten Soldaten hatten in der Neujahrsnacht zwei deutsche Staatsangehörige in Schwet zingen verprügelt, daß der eine von ihnen, der 32jährige Hans Rutter, kurz darauf starb, während der zweite, Heinrich Johann, schwere Verletzungen und eine Gehirnerschütterung davontrug. Die beiden Soldaten waren kurz darauf verhaftet worden.
Welt-Rundschau
WASHINGTON . Der neuernannte US - Außenrainister Dean Acheson wurde am Freitag vereidigt. / Die USA haben die neue Regierung von Venezuela anerkannt.
— LONDON (UP). Die Dreimäditebespre- chungen über das Besatzungsstatut für Westdeutschland werden voraussichtlich noch die ganze nächste Woche in Anspruch nehmen. — PARIS (UP). Die französische Regierung beschloß, eine 100 Milliarden- Francs-Wiederaufbau-Anleihe berauszuge- ben. — MADRID . Heute wird ein Verfahren gegen 52 Spanier eröffnet, denen staatsfeindliche Umtriebe vorgeworfen werden. — MAILAND (UP). 50 000 italienisch« Arbeiter demonstrierten während •Ines dreistündigen Streiks gegen di« Schließung zweier Metallbetrieb«. — WARSCHAU . Polen und Rumänien wollen in Kürze einen Beistandspakt unterzeichnen. — RANGUN (UP). Die burmesische Regierung mußte infolge finanzieller Schwierigkeiten zurücktreten.
(AU« nicht gezeichneten Nachrtchteni DENA)
denträger auf dem Flugplatz in Nanking eingefunden.
Die Zurückziehung Tschiangkaischeks von den chinesischen Regierungsgeschäften hat in Schanghai großen Jubel ausgelöst, da die Bevölkerung nunmehr an einen baldigen Frieden glaubt. Die Straßen wurden mit Extra- Ausgaben der Zeitungen überflutet. Caison-Tschang, der in den USA aufgewachsene Führer der demokratischsozialen Partei und einer der Politiker, welche von den Kommunisten als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet werden, erklärte, nun sei „der Weg zum Frieden frei“. Er glaube, die Kommunisten seien jetzt zu Verhandlungen bereit.
Dagegen ist der Appell der chinesischen Nationalregierung für eine sofortige und bedingungslose Feuereinstellung als Vorbedingung für Friedensverhandlungen, laut Reuter, vom kommunistischen chinesischen Rundfunk in scharfer Form zurückgewiesen worden. Die „unvernünftige Forderung“, heißt es in der Erklärung des
kommunistischen Rundfunks. habe „jede Möglichkeit für Friedensbesprechungen für immer ausgeschlossen“.
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Gegner Tschiangkaischeks nannten ihn den „gelben Diktator“. Mit 18 Jahren beginnt Tschiangkaischeks militärische Laufbahn. In der Militärakademie Tokio entwickelt sich der Soldat und angehende Generalstabsoffizier zum Revolutionär. Sun-Yat-Sen. der Führer der revolutionären Tung-Men- Hui-Partei, formt den jungen Offizier zum Politiker und unterwirft ihn restlos der harten Parteidoktrin. Schön bei Ausbruch der chinesischen Revolution im Oktober 1911 fungiert er als militärischer Berater. Nur kurze Zeit tauscht er die militärische Arena mit der politischen, als er in den zwanziger Jahren als Zivilist Verbindungsmann dei Kuomintang wird. Aber v schon im Jahre 1923 kehrt er zu den Fahnen zurück. Er avanciert zum Oberbefehlshaber der Kantonarmee. Ein nicht ungeschickter Schachzug ermöglicht ihm im April 1927. die Kommunisten auszuschalten und die Nationalregierung in Nanking zu bilden. Im Wechselspiel der Politik wird er in verschiedenen Positionen erneut zu politischer Aktivität veranlaßt, bis er 1935 Präsident des Zentralexekutivkomitees und 1938 Vorsitzender der Kuomintang wird. Den angreifenden Japanern stellt der chinesische General disziplinierte Armeen entgegen. Seine militärischen Niederlagen finden sehr bald einen Ausgleich durch
Clay über Besitzverhältnisse im Ruhrgebiet
Militärgouverneure weisep auf die Wichtigkeit Westdeutschlands hin
BERLIN , 21. Jan. (DENA) In einem für Washington bestimmten Sonder- bericht General Clays über die Besitzverhältnisse und Kontrolle der Ruhrindustrie heißt es, die Ungewißheit über Eigentümerschäft und Leitung der großen' Eisen-, Stahl- und " Konlen- konzerne der Ruhr habe die Bemühungen der Besatzungsmächte um eine Steigerung der Kohlen- und Stahlproduktion außerordentlich gehemmt. Die Produktion 'der Ruhriiidus'trie sei entscheidend für den Wiederaufbau der Bizone und die Wiedergesundüng der europäischen Wirtschaft. In einem Zeitraum von vier Jahren sei keine Gruppe klar als Leiter oder Eigentümer der Industrie bezeichnet worden. Damit habe der gewöhnlich von Besitzern und Leitern ausgehende Ansporn für eine Produktionserhöhung gefehlt. Diese Ungewißheit habe die Produktivität der Arbeiter beeinflußt und die Gewährung von Anleihen verhindert. Der britische und der ameri kanische Militärgouverneur in Deutsch land weisen in einem gemeinsamen Bericht an die Verwaltung des ERP ln Washington auf di« Wichtigkeit der
Beteiligung Westdeutschlands am gemeinsamen europäischen Wiederaufbau hin. Ohne eine Wiederbelebung der deutschen Produktions- und Konsumtionsfähigkeit sei, so wird betont, kaum an eine Wiederherstellung des europäischen " VM-kriegs' - Lebensstandards zu denken. Als wichtige Merkmale der wirtschaftlichen Lage in Deutschland zu Beginn des Marshallplanes werden hervorgehoben: Die Spaltung zwischen Ost und West, niedrige Produktion bei erheblichem Geldüberhang und unzureichende Ernährung. Die Bedeutung Deutschlands für die europäische Wirtschaft wird mit dem Hinweis unterstrichen, daß Deutschland früher der größte Absatzmarkt für europäische Waren und gleichzeitig der bedeutendste Lieferant für die europäischen Länder war. 60 Prozent seiner Einfuhr stammten aus Europa und 70 bis 80 seiner Ausfuhr gingen dorthin. Nach Auffassung der Militärgouverneure ist es unwahrscheinlich, daß Westeuropa ohne große Schwierigkeit einen ausreichenden Ersatz für Deutschland als Wirtschaftsfaktor finden wird.
Für Produktionserhöhung der Landwirtschaft
Landtag fordert Maßnahmen zur Gesundung der heimischen Wirtschaft
STUTTGART , 21. Jan. (SAZ) In der 105. Vollsitzung des Württembergbadischen Landtages wurden eine ‘Reihe von Anträgen landwirtschaftlichen Charakters diskutiert und zumeist einstimmig angenommen. Den def Initiative des Abg. Wiedemeier (CDU ) entspringenden und vom Land- I wirtschafts- und Ernährungsausschuß befürworteten Anträgen zufolge wird das Staatsministerium ersucht, a) auf eine Herabsetzung der Preise für Handelsdünger mit allem Nachdruck hinzuwirken, b) für die Erhaltung und Erhöhung unseres Vieh- und Schweinebestandes einzutreten und alle Anstrengungen zu machen, das fehlende Kraftfutter aus dem Auslande einzuführen, c) zur beschleunigten Durch-
Falsche 100-D-Mark-Noten
FRANKFURT , 21. Jan. (DENA) Wie die Bank Deutscher Länder mitteilte, sollen sich schlechte Fälschungen der D-Mark-Noien zum Nennwert von 100 Mark fm Umlauf befinden. Für die Ergreifung der Notenfälscher hat die BDL eine Belohnung bis zu 3000 DM ausgesetzt. Die Bevölkerung wird aufgefordert, bei Annahme von 100-DM- Noten besonders auf das Frauenbild- nis in der Mitte der Vorderseite des Scheines zu achten. Dies bei der echten in sauberer Strichzeichnung und klarer Linienführung ausgeführte Bild weise bei der Nachahmung unverkennbare Mängel auf.
Ausgabe von Pfennigstücken
HAMBURG, 21. Jan. (DENA) Die neuen Einpfennigstücke werden ab kommenden Montag von den Landeszentralbanken der Bizone ausgegeben werden, teilt die Landeszentralbank Hamburg mit. Die jetzt im Wert von einem D-Pfennig umlaufenden alten zehn Reichspfennigstücke behalten weiterhin Gültigkeit
führung der Umlegung des zersplitterten landwirtschaftlichen Grundbesitzes beim Verwaltungsamt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf baldmöglichste Vorlage des Entwurfes eines Flurbereinigungsgesetzes zu drängen. Weiterhin beschloß der Landtag,, das Staatsministerium zu ersuchen, die Erfülfung der vom Landwirtschaftsministerium herausgegebenen Getreidöumlage sichet zustellen und der Auffassung des Landwirtschaftsministers zuzustimmen, daß die von der Frankfurter Zweizonenbehörde verspätet herausgegebene Getreideumlage unerfüllbar ist. Hierzu vertritt der Landtag die Auffassung, daß die nach der Währungsreform durch die Frankfurter Verwaltungsstellen versäumte Klarstellung über Weiterführung und Ausmaß der Bewirtschaftung von Lebensmitteln, insbesondere von Brotgetreide, der Bewirtschaftung große Mengen entzogen hat. Die Verantwortung für eine etwa notwendige Kürzung der Brotration müßte bei dieser Sachlage die Frank furter Verwaltungsstelle tragen.
Die Hinterlegungsordnung vom 10. 3. 1937 ist durch Landtagsbeschluß insofern abgeändert worden, als bei Gerichtskassen hinterlegtes Geld nicht mehr zu verzinsen ist. Die richterliche Dienststrafenordnung wurde angenommen. — Das Haus vertagte sich dann auf Mittwoch, den 26. Januar. Auf der Tagesordnung steht die Beantwortung einer Reihe großer Anfragen, insbesondere die der kommu nistischen Fraktion über polizeiliche Durchsuchungen von Privatwohnungen sowie über die Entlassung von 3600 Bahnangestellten im Bereich der Direktion «Stuttgart . Auf Antrag des Abg. Leibbrand dürfte es voraussichtlich in der kommenden Woche auch zu einer Aussprache über den Stand des Kulturpfennig-Qesetaei kommen, fcs.
Tschiangkaischeks Wahl zum Staatspräsidenten im Jahre 1943. Drei Jahre lang wird er in diesem Amt von T. V. Sung abgelöst, um 1948 wieder den Präsidentenstuhl einzunehmen. Tschi- ang war und ist eine umstrittene Persönlichkeit. Man nimmt ihm sehr viel übel. Viele Chinesen stört es. daß ihr Präsident Christ ist. Dieser „interne“ Mangel wird zwar von der internationalen Politik ignoriert, dafür kreidet man dem chinesischen Staatsmann schwer an, daß es ihm nicht gelang, die ständig wachsende Korruption in Kreisen höherer Beamter und Militärs zu unterbinden. Die neuerdings äußerst vorsichtige Haltung Amerikas gegenüber der Nationalregierung ist nicht zuletzt auf diese Tatsache zurückzuführen.
WASHINGTON, 21. Jan. (UP) Leitende Staatsbeamte der USA legten am Freitag starke Zurückhaltung in ihrer Stellungnahme zum Beschluß Tschiangkaischeks an den Tag, sich einstweilen von den Regierungsgeschäften zurückzuziehen. Vom Staatsdepartement wurde eine offizielle Kommentierung dieses Ereignisses überhaupt abgelehnt. Diplomatische Kreise äußerten, daß die Regierung der USA der Meinung sei, daß erst die von Tschiangkaischek verfolgte politische Linie in China eine kommunistische Regierung möglich machte.
Grotewohl gibt keine Antwort
BERLIN , 21. Jan. (DENA) Der SED - Vorsitzende Otto Grotewohl wird die in einem Offenen Brief von drei ehemaligen Redakteuren des SED -Zen- tralorgans „Neues Deutschland “ an ihn gerichteten vier Fragen nicht beantworten, erklärte der persönliche Referent Grotewohls. Grotewohl war in dem Brief gefragt worden, welche Auskunft er bei seinem Besuch in DJoskau im vergangenen November vom sowjetischen Außenminister Mo- lotow über das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und deren Heimführung erhalten habe.
Neue Trizonenbesprechungen
LONDON , 21. Jan. (DENA) Formell* Dreimächtebesprechungen über di* Verschmelzung der französischen Besatzungszone Deutschlands mit der Bizone werden, wie Reuters diplomatischer Korrespondent von gut unterrichteter Seite in der britischen • Hauptstadt erfährt, wahrscheinlich im kommenden März oder April stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt, heißt es, werden die mit der trizonalen Fusion zusammenhängenden Fragen weiter je nach Notwendigkeit von den drei westlichen Militärgouverneuren in Deutschland und ihren Stäben besprochen werden. Nach den gegenwärtigen Plänen der Westmächte werde die trizonale Verschmelzung erst dann in Kraft treten, nachdem eine westdeutsche provisorische Regierung gebildet worden ist.
Urkunden aus den Ostgebieten
WIESBADEN , 21. Jan. (DENA) Da» hessische Innenministerium gab bekannt, daß sich das polnische Generalkonsulat in Frankfurt bereit erklärt habe, gegen eine Gebühr von 5 bis 15 DM die Beschaffung von Urkunden aus den polnisch verwalteten deut schen Ostgebieten zu vermitteln.
Nadolny in besonderer Mission?
WIESBADEN , 21. Jan. (DENA) Der ehemalige deutsche Botschafter in Moskau , Rudolf Nadolny , soll nach zuverlässigen Berichten vor einiger Zeit in Westdeutschland eingetroffen sein, um mit führenden Politikern, Partei- und Gewerkschaftsvertretern, Fühlung aufzunehmen. Nadolny, der heute 75 Jahre zählt, wurde unmittelbar nach Kriegsende von Marschall Schukow nach Karlshorst in das sowjetische Hauptquartier als Berater für deutsche Angelegenheiten berufen. Unterrichtete Kreise sind der Meinung, daß Nadolny im Zuge der allgemeinen sowjetischen Friedensoffensive, die nach der Ernennung Dean Achesons zum amerikanischen Außenminister in fast allen europäischen Ländern ‘entsetzte, den Boden für eine sowjetisch-westdeutsche Annäherung sondieren und vorbereiten soll. In Kreisen der politischen Berater der westlichen Müitargouverneure in Frankfurt mißt man dem angeblichen Aufenthalt Nadolnys in den Westzonen erhebliche Bedeutung bei. We.
Anerkennung für die Berliner Bevölkerung
Britischer Koimhandant erklärt: Blockade begann bereits im Januar 1948
BERLIN , 21. Jan. (DENA) Der bisherige Kommandant des britischen Sektors von Berlin , Generalmajor E. O. Herbert, ist überzeugt, daß die Berliner in ihrer bisherigen Haltung die gegenwärtigen Schwierigkeiten durchstehen werden. Der General vertrat diese Ansicht auf einer Pressekonferenz im Hauptquartier der briti schen Militärregierung im Rahmen eines Ueberblicks über seine Tätigkeit als Kommandant des britischen Sektors von Berlin seit dem Frühjahr 1947. Herbert wird am Samstag sein Amt offiziell an Generalmajor E. K. Bourne übergeben und am Sonntag Berlin verlassen, um den Posten des Befehlshabers der britischen Territorialarmee in Großbritannien zu übernehmen.
General Herbert wies in seiner Rückschau auf die sich im Laufe der letzten zwei Jahre ständig verschlechternde Zusammenarbeit der Vier- mächteverwaltung Berlins hin, die bei seiner Amtsübernahme noch funktionierte. Die Sowjets hätten die alliierte Kommandantur nur noch als eine Propagandastelle betrachtet, so daß die westlichen Alliierten daraus ihre Konsequenzen zogen. Die Blok- kade Berlins hat nach Ansicht Herberts eigentlich bereits im Januar 1948 begonnen, als die Sowjets Einsprüche gegen den Personenverkehr erhoben. Im März folgten sowjetische
Einsprüche gegen den Güterverkehr, im April die Einstellung des Personenverkehrs, im Mai die Behinderung des Postversandes und im Juni die Einstellung des gesamten Eisenbahn-, Schiffs- und Straßenverkehrs aus den Westsektoren Berlins . Herbert würdigte dann die Arbeit des Berliner Magistrats, der trotz der vielen durch die sowjetische Politik verursachten Schwierigkeiten die Verwaltung Ber lins fortgesetzt habe.
Gesamter LDP-Vorstand flieht
BERLIN , 21. Jan. (DENA) Die la- tete Krise in der LDP der Sowjetzone, die durch die oppositionelle Haltung eines Teils der leitenden Mitglieder und eines Teils der Mitgliedschaft gegen die bisher verfolgte Blockpolitik ihrer Partei hervorgerufen wurde, hat sich durch zwei neue Ereignisse verschärft. Der erste Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes der LDP, Leonhard Moog, erklärte auf der erweiterten Vorstandstagung des Landesverbandes seinen Rücktritt. Zum kommissarischen Vorsitzenden wurde Justizminister Dr. Hans Loch gewählt. Außerdem ist der gesamte zwanzigköpfige Kreisvorstand Koethen nach Berlin geflüchtet; nachdem am Sonntag vier Mitglieder des LDP-Vorstandes von Koethen von der MWD verhaftet worden sind.
i/erwaStungsrat gegen falsche Pressemeldung
„Alle Mitglieder der blzonalen Verwaltung wurden politisch überprüft“
FRANKFURT , 21. Jan. (SAZ) Einen „außerordentlich schweren Verstoß gegen die Wahrheitspflicht“, sagte der Pressereferent des Zweizonenverwaltungsrates, Ministerialdirektor Knapp stein , ist die Darstellung des „Tele graf “ in seiner Donnerstag-Ausgabe, nach welcher von den 8600 Beamten und Angestellten der bizonalen Verwaltung 7000 ehemalige Mitglieder der NSDAV und 1600 ehemalige Offiziere in ebnem höheren als Majorsrang seien.
Der Höchststand, der bei den bizo- ualen Verwaltungen Beschäftigten der genannten Mitarbeitergruppen habe, einschl. Arbeiter, am 31. 8. 48 insgesamt 4675 Personen ausgemacht. Trotzdem inzwischen die neu geschaffene Verwaltung für Arbeit mit den bei Ihr Beschäftigten hinzukam, sei die Zahl der Mitarbeiter auf 3885 (Stand am 31. Dezember 1948) abge- sunkeri. Was die politische Vergangenheit der bei der binzonalen Verwal
tung Beschäftigten anbelange, so hätte nach dem Stand vom 30. September 1948 bei den damals noch 4133 Beschäftigten sich folgendes Bild ergeben: 35 Prozent waren vom Befreiungsgesetz betroffen, 65 Prozent nicht betroffen. Zu den Erstgenannten hätten auch rein formal Belastete (z. B. Zugehörigkeit als hoher Beamter zu Ministerien während der Hitlerjahre) gehört. Die 85 Beamten der sogenannten „ersten Garnitur“ — Direktoren, stellv. Direktoren, Hauptabteilungsleiter und Abteilungsleiter — seien sämtlich nicht betroffen; zwei von ihnen seien durch ihre frühere Zugehörigkeit zu einem Ministerium belastet. Der Sprecher des Verwaltungsrats wies im übrigen darauf hin, daß alle Mitglieder und höheren Beamte der bizonalen Verwaltung vor ihrer Einstellung durch einen Prüfungsausschuß sorgfältig auf ihre politische Vergangenheit überprüft werden. We.