SAZ
Nummer 1T2 / Sette I
ffler vorbildliche Schaffner
Wae wurde nicht schon alles an Lob und Klagen vorgebracht über die Straßenbahn und auch über das Personal dieser unentbehrlichen Einrichtung unserer Stadt. Sicher ist nur, daß mancher Schaffner oder Führer den Sündenbock abgeben mußte, wenn es einem Fahrgast nicht nach dem Strich ging. Umsomehr obliegt uns die Pflicht, gerade dann unsere Stimme zu erheben, wenn sich hierbei zum Lob die Gelegenheit bietet. Auch das gibt’s nämlich, und man kann, wenn man das Glück hat, gerade den Wagen der Linie 2 zu benützen, in dem ein Schaffner, wie wir uns alle wünschten, seinen Dienst versieht.
Es ist eine Freude, seinen Dialogen zuzuhören. Was über seine Lippen kommt, ist freundlich, stets gut meinend und doch bei allem die Interessen der Straßenbahn wahrend. Z. B. zu einem Mann vom Lande, der umgestiegen war: „Ja, Mann, des geht net, der Schein isch ungültig“ und auf die Frage des Fahrgastes, warum, erklärt er diesem: „Den hat mei Kolleg Ihne net zum Umsteige gschtriche, dem gehn mr nooch, wenn mm verwische. Jetz koschts halt noch emol zwanzich Pfennich“. Und die wurden anstandslos bezahlt, der ganze Wagen aber schmunzelte. Aber nicht nur hierin zeigt 6ich das unbezahlbare Talent im Publikumsverkehr, reibungslos durchzukommen, auch an den Haltestellen muß man ihn beobachten, um zu dem abschließenden Urteil zu kommen, dieser Mann ist „vorbildlich“, und wäre als Beispiel zu empfehlen.
Und weil ich ihn nun seit Jahren kenne, eben von den Fahrten auf der Straßenbahn — übrigens fällt er durch seine Kriegsverletzung im Gesicht jedem Fahrgast schon auf — wollte ich gerne seine Bekanntschaft machen und habe darum nach seinem Namen gefragt. Und hierin zeigte sich wieder ein Plus, denn im Dienst ist er nur Schaffner und als solcher hat er im Depot seipe Nummer. Drum lautete seine Antwort auch kurz und treffend: „Achtvierezwan- zig!“
Die Nummer muß man sich merken, falls es mal zu einem Höflichkeitswettbewerb kommt 1 Friedolin
Therapie-Kongreb ein Beispiel durchdachter Zusammenarbeit
Wirtsdiaftsminister Dr. Veit dlöffnet die Heilmtttelmefie — Erster Tag'dei Kongresses
Toter durdi Zusammenstoß
An der Ecke Karlstraße/Amalienstraße ereignete sich in der Nacht zum Sonntag ein schweres Verkehrsunglück. Der Fabrikant Peter aus der Kaiserallee fuhr mit seinem mit noch drei weiteren Personen besetzten Kraftwagen an der Kreuzung vorüber, als er gegen 0.40 Uhr von einem franzö sischen Lastkraftwagen angefahren wurde. Bei dem Zusammenstoß wurde der Fahrer des Kraftwagens sofort getötet, während die übrigen drei Insassen mit schweren Verletzungen dem Neuen Vinzentius-Krankenhaus zugeführt wurden. Der zunächst flüchtig gewordene Lenker des Lastkraftwagens konnte von einer MP-Strelfe gestellt und festgenommen werden. Es besteht der Verdacht, daß der Lastkraftwagenlenker unter Alkoholeinfluß stand. (SWK)
Herrenloser Fahrradanhänger
Bei der Kriminalpolizei, Hebelstr. 8, Zimmer 5, ist ein neuwertiger luftbereifter Fahrradanhänger sichergesteüt, dessen Eigentümer noch nicht ermittelt werden konnte. Der Eigentümer wird gebeten, zwecks Aushändigung bei der Kriminalpolizei vorzusprechen.
' Unter günstigen und vielversprechenden Anzeichen hat das Treffen der Krankenhausärzte und der ■ pharmazeutischen Industrie am Samstagabend mit der Eröffnung der 1. Deutschen Heilmittelmesse begonnen. Dr. Franz Kienle umriß noch einmal die Erwartungen, die an ein fortwirkendes Ineinandergreifen der drei Schaffensgebiete — Wissenschaft, Praxis und pharmazeutische Industrie — zum Wohl der leidenden Menschheit geknüpft werden dürfen.
Minister Dr. Veit nannte den Kongreß ein verheißungsvolles Beispiel durchdachter Zusammenarbeit. Schwer genug habe die Fachindustrie geblutet. Die entschädigungslose Enteignung ihres erarbeiteten geistigen Besitzes sei zwar zugunsten der Menschheit erfolgt, werde aber eines Tages bestimmt nicht vergessen, wenn einmal die Bilanzen der Reparationsleistungen aufgemacht würden. Von Zustimmung begleitet erinnerte er an den Anteil der Pharmazeuten an der nach dem letzten Kriege besonders schwierigen Seuchenbekämpfung, an die Fortschritte in der Abwehr der Tuberkulose, Anstrengungen, die der gesamten Volkskraft zugute kommen und auf dem Wege über Exportsteigerung den deutschen Lebensstandard heben helfen. In der Verbundenheit von Wissenschaft, Aerzten und Industrie liege aber auch gerade angesichts der uns aufgezwungenen und nahezu schrankenlosen Gewerbefreiheit eine Gewähr für die Reinerhaltung der industriellen Erzeugung von Mißbrauch, der nicht den Kranken, sondern den Produzenten gesund mache. Weil aber die körperliche Gesundheit die erste Voraussetzung dafür sei, daß ein in seinen Anschauungen und seinem Glauben irrgeleitetes Volk gesunden könne, sei das alte Wort, vom gesunden
Geist im gesunden Körper eine tiefe politische Wahrheit.
In diesem Sinne erklärte der Minister die Ausstellung für eröffnet, und überbrachte auf dem Empfangsabend im Konzerthaus die Grüße der württembergisch-badischen Regierung und des Landesbezirkdirektors von Baden.
Am Sonntagfrüh leitete er den Therapie-Kongreß ein, betonte den Leitgedanken des Zusammenwirkens der Kräfte: Do ut des — gib und empfange.
Wie zur Illustrierung des Beitrages, den die pharmazeutische Industrie für die ärztliche Praxis seit dem letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts hervorbringt, machte Direktor Schmlttchen (Hanno ver ) als Leiter dieses Industriezweiges aufschlußreiche Angaben. Für die Technische Hochschule sprach Prof. Hans J u n g b 1 u t h. Er hob auf die pharmazeutische Abteilung der Hochschule ab und auf das gemeinsame Motiv der Grundlagenforschung. gültig für die ärztliche und die technische Wissenschaft.
Oberbürgermeister T ö p p e r legte den Gästen die Reize der Stadt auf^ künstlerischem Gebiet ans Herz — daljer auch die hübsche musikalische Umrahmung durch Mitglieder der Staatskapelle und empfahl ihnen den Besuch des Theaters, das ebea mit seiner neuen Spielzeit einsetzt.' (Aber auch die bildende Kunst darf nicht vergessen werden, die in der Kunsthalle „Mitelalterliche Kunst in Baden' 1 und auch im Badischen Kunstverein eine bedeutende Seite der geistigen Tradition von Karls ruhe darstellt!)
Als Sprecher der Industrie und des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte nahmen Dr. Lahr und Dr. Schmelcher das Wort, und
für die Innere Verwaltung beglückwünschte Ministerialrat Dr. Ham- m a c h e r den Kongreß als eine Zusammenfassung deutschen Forscherwillens und als eine Tür in die Welt geistiger und wissenschaftlicher Freiheit.
Mit äußerst eindringlichen und verpflichtenden Worten von Prof. Schittenhelm-Rottach und einem grundlegenden Vortrag des Bonner Ordinarius Prof. Martini über die „Methoden der Therapie- Forschung" setzte die Kongreßarbeit ein, über die noch zu berichten sein wird, wie auch über die technisch und pharmazeutisch reich beschickte Messe. Dr. R.V.
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Studio Karlsruhe des Süddeut schen Rundfunks bringt heute von 13.00 bis 13.30 Uhr in einer Sondersendung Ausschnitte aus den Eröffnungsfeierlichkeiten der Deutschen Heilmittelmesse und des Deutschen Therapiekongresses in Karlsruhe. :)
Verkehrsunfälle
Auf der Neureuter Straße wurde eine Radfahrerin beim Vorfahren längs eines anhaltenden Lastkraftwagens von dessen Türe, die gerade geöffnet wurde, nach links umgestoßen. Sie fiel in die Fahrbahn eines entgegenkommenden Personenkraftwagens und wurde überfahren. Mit einer Kopfverletzung und Schürfwunden mußte die Bedauernswerte ins Krankenhaus eingeliefert werden. — In der Hirschstraße wurde ein über die Fahrbahn laufendes vierjähriges Mädchen von einem Kraftrad angefahren und leicht verletzt. — Auf der Durmersheimer Straße streifte ein Lastkraftwagen beim Ueberholen einen Radfahrer und warf ihn um. Der Radfahrer erlitt Schürfwunden und eine Handverletzung. Sein auf dem Gepäckträger mitgeführter Koffer, der überfahren wurde, sowie ein Teil des Inhalts wurden zerstört. Der Lastwagenfahrer fuhr Leiter, ohne sich um den Unfall zu kümmern.
Wieder Jugendabende der „Naturfreunde“
Die Naturfreunde-Jugend Karlsruhe nimmt nach Beendigung der Schulferien ihre Jugendabende wieder auf und trifft sich erstmals am Dienstag, den 6. Sept., 19.30 Uhr, im Handarbeitssaal der Uhlandschule in der Schützenstraße. Jugendmitglied Frl. Mitscheie gibt einen Bericht über ihre 14tägige Ferienreise in die Schweiz .
Zahlreiche Heimkehrer aus Ruh f and
R AW Karlsruhe am Geburtstagstisch
Das große Werk feierte am Samstag sein 100. Jubiläum
Draußen beim RAW in der Wie- larftistraße ruhte am Samstag die Arbeit. Die Veteranen und Lehrlinge. Gesellen, Meister und Büroange- stellten, sie alle kamen mit ihren Angehörigen, um gemeinsam mit ihrem Werkdirektor Dr Gröner. sowie den vielen Gästen und Gratulanten den 100. Geburtstag ihrer Arbeitsstätte zu feiern. Jener Arbeitsstätte, die am Ende des zweiten Weltkrieges nur noch ein hoffnungsloses Trümmerfeld war, inzwischen aber durch den Fleiß jedes einzelnen Belegschaftsmitgliedes wieder zu einem der bedeutendsten Werke Badens wurde.
Zu Beginn seiner Ausführungen konnte Dr. Gröner die Ehrengäste des Festaktes begrüßen, unter denen man u. a. Wirtschaftsminister Dr. Veit, Verkehrsminister Steinmeyer, den stellvertretenden Generaldirektor der Reichsbahn . Präsident Helberg, OB Töpper, den Präsidenten der RBD Stuttgart und Prof. Raab von der TH bemerkte. Dr Gröner schilderte sodrnn in prägnanten
Worten den Werdegang des Reichs- bahn-Ausbesserungs-Werkes und übergab am Ende seiner Ausführungen den 22 500. Güterwagen, den 4500. Personenwagen, das 800. Kraftfahrzeug und' die 200. Werkzeugmaschine. Im Anschluß daran überbrachten die Ehrengäste in kürzest Ansprachen ihre Glückwünsche und Wirtschaftsminister Dr. Veit verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß „die Wagen, die in Karlsruhe repariert werden, künftig auch wieder durch Karlsruhe kommen und nicht daran vorbeifahren ...!“ Lehrlingsmeister Schwarz überreichte am Ende des Festaktes das Modell eine Ellok E-19.
Ein bunter Nachmittag unter Mitwirkung namhafter Künstler von Bühne und Funk, dem Werkchor, der Tanzgruppe Otigheim und einer Riege der Turnerschaft Durlach war der Auftakt zum gemütlichen Beisammensein, das jung und alt noch bis in die frühen Morgenstunden froh vereint sah. lt.
Am Samstag und Sonntag sind wieder vier Transporte aus Rußland im Ulmer Entlassungslager angekommen. Zwei Transporte sind für die französische Zone bestimmt und die beiden anderen mit je 93 und 163 Heimkehrern für die amerikanische Zone. Die Männer kamen aus den Lagern Königsberg , Gor>kd, Lublin , Tagil, Schwertlowsk, Moskau , Ural und Kaukasus . Für Montag sind zwei Transporte für die amerikanische und französische Zone gemeldet.
Axtmann Helmut (5. 8. 20), Lg. 9001/2, Huttenstr. 15; Berberich Paul (10. 10. 10), Lager 7389, Durmersheimer Straße 92; Blankenborn Gerhard (16. 3. 16) Lager 7314/13, Kur- fürstenstr. 1; Dürfe Ewald (29. 7. 22), Lager 9001/1, Karlsr.-Durlach, Alte Karlstr.; Geigle Kurt ((22. 8. 15), Lager 7314/4, Tirolerstr. 5; Hagele Kurt (1. 11. 25), Lager 7602, Kärntner Str. 2; Hank Otto (10. 9. 11), Lg. 7133/6, Gerwigstr. 96; Heinzmann Willi (22. 3. 14), Lager 7617, Gustav- Speck-Str. ,1; Lichti Walter (16. 12. 12), Lager 9001/2, Khe.-Rüppurr,
Holderweg 19; Nagel Artur (29. 4. 25), 7117/4, Zähringerstr. 56; Schneider Hermann (11. 6. 16), Lager 7114, Herrenstraße 6; Walter Max (11.
2. 06), Lager 7314, Khe.-Durlach, Weingartenstr.: Weis Rudolf (12. 6. 02) Lg. 7859,- Khe.-Knielingen, Eggensteiner Str. 59.
Landkreis Karlsruhe Landbezirk 1 (Ort unbekannt): Gasch Helmut (19. 3. 17), Lg. 7314/3.
Berghausen : Ringwald Adolf (25. 10 20. Lg. 7151/10.
Busenbach : Gertner Leonhard (26.
3. 11), Lg. 7619. n
Hochstetten : Reisch Peter (29. 3.
05), Lg. 731#.
Kronau : Bindel Hermann (6. 8. 19), Lager 7117/3.
Liedolsheim : Kämmerer Helmut (10. 12. 22), Lager 7314/13,
Marxzell : Richter Georg (28. 12. 21), Lg. 7504.
Rheinhausen : Brand Wilhelm (12. 10. 07), Lg. 7153/6.
Söllingen : Mager Andreas (19. 11. 12), Lg. 7117/3, Blumenstr. 10.
Spöck : Schuld Gerhard (6. 2. 15), Lager 4751,
Wiesental: Vagei Herbert (26. 4. 27), Lager 7619.
Abtdilub der Rückführung Berliner Kinder
Der letzte Transport Berliner Kinder verläßt Stuttgart bzw. Heidelberg am Sonntag, den 11. September. Kinder, die noch nicht im Besitz einer Aufforderung zur Teilnahme an dieser Fahrt sind, können sich sofort wegen der Rückführung unter Angabe ihrer Personalien und der Berliner Heimatanschrift sowie der Anschrift ihrer derzeitigen Aufenthaltsortes an das Landessekretariat der Arbeiterwohlfahrt Stuttgart -W, Breitscheidstraße 20, Tel. 912 65 wenden.
Kurse der Industrie- und Handelskammer
Die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe veranstaltet in Gemeinschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Betriebswirtschaft eine Vortragsreihe und einen Kurs. Die 12 Vorträge, die vom
4. Oktober an jeweils Dienstag- und
Freitag-Nachmittag um 15 Uhr gehalten werden, behandeln u. a. die Soforthilfe und aktuelle Bilanz- und Steuerfragen. Der Kurs „Das Rechnungswesen ln der Industrie“ umfaßt 12 Nachmittage mit je 3 Stunden, beginnt am 10. Oktober und wird jeweils am Montag und Donnerstag um 17 Uhr abgehalten. Anmeldungen zur Teilnahme, nimmt die Geschäftsstelle Karlsruhe , Karlstraße 6—8, entgegen.
Versammlungstermine der Parteien KPD . Mitgliedervollvers.: 8.9., 18.00, „Elefanten“, Ref. Leibrand; Sitzung der Stadtteilpolleiter: 5. 9., 18.00, Parteibüro; Grünwinkel : Mitgliedervers., 6. 9., 19.30, „Lokalbahn“; Knielingen : Mitgliedervers., 7. 9., 20.00, „Rose"; Bulach : Mitgliedervers., 7. 9., 20.00, „Krone“; Innen-Ost: Mitgliedervers., 9. 9., 20.00, „Nußbaum“.
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Vor der unergründlichen Tiefe dieses Werkes bleiben die Worte arm. 1735, in der Hochblüte von Bachs kompositorischem Schaffen entstanden und aufgeführt, erlebte die „H-Moll-Messe “ 1859, nach über einem Jahrhundert also in der Leipziger Thomaskirche ihre Wiedererstehung. Seitdem erst gehört dieser Gotteshymnus, eines der machtvollsten Werke der musikalischen Literatur überhaupt, zum geistigen Besitz aller kulturschöpferischen Nationen. Von diesem Zeitpunkt auch war man sich der Größe Bachs bewußt ge-> worden, dessen polyphonale Kunst gerade in der modernen Musik zur Richtschnur des kompositorischen Schafffens wurde. Fast erscheint es widerspruchsvoll, daß die Renaissance der Bachschen Musik gerade in einer Epoche stattfand, deren Ausdrucksform mit dem dramatischen Stil des Thomaskantors nur wenig gemeinsam hatte. Indessen scheint das nur so, wenn man bedenkt, mit welch liebevoller Pflege sich gerade die sehn- suchtsdurchtränkte Romantik der Kunst des Mittelalters und der Werke alter Meister annahm.
Die Aufführung der „H-Moll-Messe “ war in zweierlei Hinsicht bedeutsam: sie war ein glanzvoller Auftakt der neuen Konzertspielzeit und wurde jedem, auch dem, der mit der Materie ihrer Musik nicht so vertraut ist, zu einem tiefen Erlebnis. Die großen Spannungen, die in dem Werk verborgen liegen, seine Macht und Gewalt wurden offenbar. Man nahm ergriffen an einer Aufführung teil, die das Recht der Einmaligkeit für sich in Anspruch nehmen darf. Unter Theo Egels vortrefflicher Leitung erstand eine geistig und klanglich geordnete, von innen her geschaute Wiedergabe bei der die fein aufgefeilten Soli- und Chorpartien sich zu einem geschlossenen Ganzen fügten.
Mit untrüglicher Sicherheit für Formgefühl erreichte Egel im Sinne Regers bei der Aufführung die Verbindung von plastischer Deklamation und dynamisch gesteigerter Klanglichkeit. Das Große geschah einfach, das Schwierige erschien leicht, und deshalb folgten die Zuhörer auch willig und aufgeschlossen. Man hatte nicht das Gefühl, als würde interpretiert, vielmehr schien es so, als ströme und flute die Musik aus sich selbst, aus der Substanz ihrer Themen, die trotz der endlos erscheinenden fugenartigen Verarbeitungen immer überhörbar waren; hier erhaben und großartig, dort bewegend .und wehmütig, je nachdem, wie die sinnvolle Ausdeutung des liturgischen Textes es verlangte.
Anlaß zu kritischen Betrachtungen sind bei einem solchen Riesenwerk immer gegeben. Wir versagen sie uns gern, weil die Auffassung des Dirigen
ten logisch durchdacht und sein Wille von innerem Erleben beseelt zum Ausdruck kam. Mit anderen Worten: die herrliche Musik war technisch beherrscht, würde aber nicht versachlicht, solidem von jedem einzelnen als Gemeinschaftserlebnis getragen. Die Leistung des Freiburger Bach-Chors war überragend. Er sang von Anfang bis zu Ende mit gleichbleibender Frische und Disziplin. Dieselbe Musizierfreudigkeit zeichnete Kammerorchester, Gesangs- und Instrumentalsolisten aus, die, gut aufeinander abgestimmt, nicht sich selbst, sondern das Werk im Auge hatten. Wollen wir von einzelnen Würdigungen Abstand nehmen, so sehen wir uns doch zu einer Ausnahme bei Rudolf Watzke veranlaßt, der — mit seinem schönen Stimmaterial — leider nicht die erforderliche Ruhe für das Einhalten der Tempis aufbrachte und dadurch die vorgesehenen Notenwerte in seinen Arien nicht immer aussang.
W. Röse.
Mit Gesang und Tanz in die neue Spielzeit
Bunter Abend der Kamfierspiel
Mit einem bunten musikalischen Programm eröffnete die Kammerspiel- Operette die neue Saison. Ein vielversprechender Auftakt. Wiederum überzeugte das Badische Konzertorchester durch saubere und geschlossene Ensembleleistungen, die sich sowohl im klassisch-romantischen Genre der „Martha“- und „Carmen“-Ouver- türen (unter Leitung von Wolfgang Marzluff) wie in den beschwingten Melodien von Lehar , Linke, Dostal, Zeller und Strauß bewährten. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Wirken Erwin K o s s a k o w s k y s , eines Dirigenten. der Gewandtheit und Partitursicherheit mit. rhythmischem Elan und viel Bühnenroutine verbindet.
Operette Karlsruhe in der „Blume “
Audi hier eine Voraussetzung, die für die begonnene Spielzeit manches verspricht. Neben der Tanzgruppe Lore Pieper, die sich vor allem mit dem „Kaiserwalzer “ auszeichnete (auf Ensembledisziplin wird noch etwas zu achten sein), waren eine Reihe von — zum Teil schon bekannten — Sängern und Sängerinnen zu hören. Oskar Brauch feierte herzliches Wiedersehen mit seinen Freunden. Giovanni D a m o 1 i n konnte sich mit „Isola bella“ (nicht gerade neu, aber immer dankbar) und einem „Spanischen Trinklied“ die volle Sympathie der Zuhörer erwerben. Heinz Nägele sollte etwas auf sein Tremolo achten. Es beeinträchtigt sowohl den Vortrag wie die ansonsten geschmeidige
Stimmführung, die vor allem in der Höhe auf gute Ansätze hinweist. Thur Stahlberger verfügt über ein recht kraftvolles Material, das indessen, was Klang und Glanz betrifft, noch nicht ganz befriedigen kann. Man vermißt (nicht nur in diesem Fall) den gesunden Ausgleich zwischen Technik, Timbre, Vortrag. Eine erfreuliche Ta- lentprcfbe lieferte in zwei Duetten Peter Kleinbub.
Auch bei den Damen war nicht alles Gold, was ln der Kehle lag. Eine der besten Leistungen vollbrachte ohne Zweifel Marianne Piasecki. Man wird auf -diese liebenswerte Sängerin weiterhin achten müssen. Auch Inge Friedendorff konnte im großen und ganzen überzeugen. Andererseits war das Wiedersehen mit Ruth Baumgärtner nicht eben so, wie man es — ihrem seinerzeit vielversprechenden Wirken am Volkstheater nach zu schließen — erwartete. Vortragscharme pnd sehr feine und saubere Höhe sind geblieben. Dagegen weisen Mittellage und Registerübergänge einige Schwächen auf. Zu einer besonderen Ueberraschung für die Zuhörer wurde eine Uraufführung des Durlachers Christian Lorenz, ein stimmungsvoller „Hymnus an die Sonne “, den G. Damolin mit gutem Einfühlungsvermögen- wiedergab. Undiskutabel der „pessimistische Diskurs über den 2. September“. Die Ansage lag bei Kurt Strobel und Renate Schweigert-Isensee. Nach dem verheißungsvollen Auftakt möchte man der Kammerspiel-Operette neben weiteren Erfolgen auch ein wenig Be? achtung von seiten der Stadtväter wünschen. Inge Cocick.
Fremdenmiete des Staatstheaters
Das Badische Staatstheater Karlsruhe wird auch in^der neuen Spielzeit seine mit so außerordentlichem Erfolg eingerichtete Sonntagnachmittag-Frem
denmiete für auswärtige Besucher durchführen. Im Oktober wird die erste Vorstellung sein. Wieder werden 10 mit besonderer Sorgfalt ausgewählte Aufführungen geboten. 6 musikalische Werke, Opern und Operetten, 4 Schauspielwerke ernster und heiterer Art. Vorgesehen für den Spielplan der Fremdenmiete sind u. a. die Opern „La Boheme “ von Puccihi, „Der Freischütz “ von Weber, „Der Bajazzo “ von Leoncavallo , „Cavalleria rusti- cana“ von Mascagni ; die Operetten: „Die lustige Witwe “ von Lehar , „Die Fledermaus “ von Strauß; im Schauspiel u. a. Shakespeares „Hamlet “ und „Maria Stuart “ von Schiller . Der Preis für das Abonnement kann, um die Teilnahme jedermann möglich zu machen, in fünf Raten bezahlt werden. Weitere Auskunft und Bestellungen bei den Vertrauensleuten der einzelnen Gemeinden, oder bei der Generaldirektion des Badischen Staats theaters Karlsruhe .
Aus den Rundfunkprogrammen
Montag, 5. September Südd . Rund!.: 14.00 Schulfunk: Erdkunde; 14.30 IRO-Suchdienst; 15.30 Börsenkurse; 15.45 Kinderfunk; 16.45 Ueber neue Bücher; 17.50 Zeitfunk; 18.00 Sport; 18.15 Für d. Frau; 20.00 „Damenwelt“, Schlagerwünsche v. Hörerinnen; 20.30 Sendg. d. Militärreg.; 21.00 Heit. Funkmagazin; 22.00 Zeit u. Leben; 22.30 Opernmelodien; 23.00 Diskussion: „Humanismus u. Schule“. — Studio Karlsruhe : 13.00 Echo aus Baden; 17.00 Werke v. J. S., J. Chr. u. Ph. E. Bach (A. Schmidt, Cello; H. Wetterer, Violine; G. Scheck, Flöte; R. Knieper, Klav.); 18.30 Alte deutsche Weisen (Kher. Kammerchor, Ltg. P. Wehrle). — Südwestfunk: 20 00 Musik f. dich; 20.45 Problem d v Zeit; 21.00 Aus pern slaw. Komponisten.
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